Edgar Allan Poe.

Morphologisches Jahrbuch online

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Morphologisches Jahrbuch






HARVARD UNIVERSITY




LIBRARY



OF THE



Museum of Comparative Zoology




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MORPHOLOGISCHES JAHRBUCH.



EINE ZBITSCHBIFT

fCr

ANATOIE Dl ENTWIGKEIINGSGEmiTE.



HERAUSGEGEBEN

VON

CARL OEOENBAUB,

PROFESSOR IN HEIDELBERG.



DREIZEHNTER BAND.





MIT 28 TiFBLN UND 23 FI6UBBN IH TEXT.



LEIPZIG

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.



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Inhalt des dreizehnten Bandes.



Erstes Heft.

Aasgegeben am 7. October 1887.

Seite

Die Metamerie des Kopfes and die Wirbeltheorie des Kopfskeletes. Von
C. Gegenbaur 1

Uber die Arterienbogen der Wirbelthiere. Von J. £. V. Boas. (Mit
Taf. I.l 115

Beitriige sar vergleichenden Anatomie und EntwickluDgsgeschichte des
Yenensystems der Amphibian and Fische. Von F. Hochstetter. (Mit
Taf. II— IV and 7 Holzschn.) 119

Ziir Kenntnis der Fortpflanzang von Eaglypha alveolata Duj. Von F. B 1 o c h -
mann. (Mit Taf. V and 1 Holzschn.) 173

Zor Eintheilnng der GesichtsmuBkalatur, speciell des Muse, orbicularis oculi.
Von G. Ruge 184

Zweitea Heft.

Ansgegeben am 13. December 1S87.

Ober die kaiyokinetische Kemtheilang der Euglypha alveolata. Von W.

Schewiakoff. (Mit Taf. VI— VII and 3 Holzschn.) 193

Untersuehongen fiber die Entwicklung des Os pelvis der Vtfgel. Von £.

Mehnert. (Mit Taf VIII— X und 4 Holzschn.) 259

SehOddrfise, Thymos and Kiemenreste der Amphibien. Von F. Maurer.

(Mit Ta£ XI— Xm and 6 Holzschn.) 296

Die Kiemen and ihre GefSBe bei Urodelen und Anuren. Von F. Maurer 383



Drittes Heft.

Ansgegeben am 28. Febmar 1888.

Ober Gonactinia proUfera Sars, eine durch Quertheilung sich vermehrende
Actinie. Von P. Blochmann und C. Hilger. (Mit Taf. XIV und XV.) 385

Ein Beitrag sur KenntniB der Kiemenspalten und ihrer Anlagen bei amnioten
Wirbelthieren. Von E. Liessner. (Mit Taf. XVI.) 402

Das Gehim and die Cranialnerven von Acipenser rathenus. Ein Beitrag
sur Morphologie des Wirbeltbierkopfes. Von N. Goronowitsch. (Mit
Taf. XVn— XX.) 427



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IV
Viertes Heft.

Ausgegeben am 4. Mai 18S8.

8eit«

Das Gehirn nnd die Cranialnerven von Acipenser ruthenus. Ein Beitrag
zur Morphologie des Wirbelthierkopfes. (Schluss.) Yon A. Gorono-
witsch. (Mit Taf. XXI— XXIII.) 515

BeitrUge zur Entwicklangsgeschichte des Yenensystems der Amnioten.
Von F. Hochstetter. (Mit Taf. XXIV.) 575

Uber die Polypodie bei Insekten-Embryonon. Von V. Graber. (Mit Taf.
XXV und XXVI.) 586

Anatomiscbes Uber Cetaceen. Von M.Weber. (Mit Taf. XXVII— XXVIII
und 2 Holzschn.) 616

Bemerkungen zu den Publikationen Uber die Richtungsk($rper bei parthe-
nogenetiscb sich entwickelnden Eiern. Yon F. Blochmann . . . . 654



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Die Metamerie des Kopfes raid die Wirbeltheorie
des Kopfskeletes,

im Lichte der neueren Untersuchungen betrachtet und geprlift

von

C. Gegenbanr.



In der Geschichte der Wirbelthier-Morphologie bildet die erste
Erkenntnis von der Ahnlicbkeit der Zasammensetzung des Schadels
mit jener der WirbelsJlule eine Epoche, mit der ein bedeutsamer
Umscbwung in den anatomischen Vorstellungen beginnt. Die »Wirbel-
theorie« des Schadels ist seit Goethe und Oken stehendes Thema
geblieben. Die Versnche des Weiterbaues derselben erfolgten lange
Ztit in der nrspriinglichen Richtung und boten mannigfaltige , je
nach der IndividualitEt der Forscher weebselnde Gestaltungen. Auch
an Einspracbe hat es nicht gefehlt, die in einem primitiveren Zu-
stande des Craniums, vor der Knochenbildung, jene Gliederung ver-
missend^ die Anwendung jener »Wirbellehrea auf das Cranium von
der Hand wies. So ist es schon vor langer Zeit von C. Voqt
(Nr. 54, pag. 99) geschehen. Die knOchernen Skelettheile blieben
dennoeh der Ausgangspunkt. Der fertige, vollendete Zustand des
Kopfskeletes bot sich immer wieder als Objekt der Prllfung auf Wir-
bel, deren Zahl eben so verschieden war, wie die Art ihrer Zusammen-
ftlgung aus einzehien Schadelknoehen. Diese Periode fand ihren
Abschluss mit Huxley's Untersuchungen tiber das Kopfskelet der
Knochenfisehe. Es ist nicht bloB der einheitliche Zustand des pri-
mordialen Knorpel- Craniums, sondem vielmehr der Nachweis der
groBen Verschiedenheit seiner kn^chemen Theile von Wirbeln, womit
der Widerspruch gegen die bisherige Wirbeltheorie erhoben ward.
Weder in den frttheren ZustUnden des Schadels, noch in der spateren
Zusammensetzung desselben seien Wirbel als reale Bestandtheile nach-
weisbar. Es war nicht zu leugnen, dass, wenn selbst in einer tiefer-

Morpholog. Jahrbuch. 13. ]



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2 C. Gegenbaur

stehenden Wirbelthier-Abtheilnng nichts Wirbelartiges im Sch&del sicb
fand, bei den hOheren Abtheilungen um so weniger von »SchlUlel-
wirbehi« gesprochen werden konnte, als diese »Wirbela zum Theile
aus sHautknochena sich anfbauten.

Aber damit war die Frage doch noch nicht aus der Welt ge-
schafft. Huxley's Forschungen konnten nur in so fern befriedigen, als
sie zeigten, dass der Weg, auf dem man bisher zn einem Einblicke
in die Beziehung des SchUdels zur Wirbelsanle zu gelangen suchte,
nicht der richtige war. Die Kritik hatte gesprochen, sie hatte das
Verdikt ttber die »Wirbeltheorie« gefdllt und in dem Nachweise des
Fehlens von Wirbeln einen Fortschritt angebahnt. Aber das, was sie
an die Stelle der Wirbeltheorie setzte, geniigte nicht, um die Frage als
beantwortet anzusehen. Denn der Schadel war damit wieder etwas
dem Ubrigen Skelete Fremdes geworden, und es blieb unverstHndlich,
wie sich da ein Skeletkomplex bildete, an dem Manches, wie die
Kiemenbogen, auf eine unzweifelhafte Metamerie hinwies, wlihrend
am eigentlichen Cranium nichts davon zu erkennen war/

Ich habe den Versnch gemacht, von einer anderen Seite her einen
Weg zu finden. Nachdem ich erkannt hatte, dass fdr das Verst^nd-
nis des Skeletes der GliedmaBen der Wirbelthiere nicht von den
Fischen mit knochemem Skelete, sondern von noch niedereren For-
men auszugehen sei, mussten sich die Selachier auch fttr das Kopf-
skelet als die gUnstigeren Objekte darbieten. So weit es damals zu
Ubersehen war, fand sich aber auch bei diesen nichts direkt, weder
auf eine metamere Zusammensetzung, noch auf eine metamere Genese
des eigentlichen Craniums Beziehbares. Es musste daher die Hoflf-
nung aufgegeben werden, die Frage aus dem Objekte selbst zu ICsen.
Wenn es aber dabei aus manchen Grtlnden wahrscheinlich geworden
war, dass eine ursprtlnglich auch am Cranium bestandene Metamerie
mit der Entstehung des Knorpelcraniums ihr Ende fand, so war bei
jenen Fragen von der Rtlcksichtnahme einzig auf die Skeletgebilde
abznstehen. Aus dem Zusammenhange des Ganzen ergab sich ein
volleres Verst^ndnis. Da boten sich vor Allem die Nerven dar. Von
diesen aus dem Cranium heraustretenden Theilen waren SchlUsse auf
das Cranium zu ziehen. AuBer dem Visceralskelet hatte ich daher
auch die Kopfherven verwerthet, und indem ich das Cranium der
Selachier auch in seinen mannigfachen Anpassungen an die Sinnes-
organe darlegte, gestaltete sich die Frage der Wirbeltheorie
des Schadels zu einem Problem der Phylogenese des ge-
sammten Kopfes.



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Die Metamerie des Kopfes und die Wirbeltheorie des Kopfskeletes. 3

Han konnte sehen, dass die Selachier eine fUr die Morphologie
der geBammten gDathostomen Wirbelthiere auBerordentlich wichtige
Abtheilung seien. Viele sind mir anf diesem Wege gefolgt^ and die
einmal angeregten Fragen sind der Gegenstand zahlreicher Unter-
snchnngen geworden. Die in ibrer groBen Bedeutung sehr wenig be-
achtet gewesenen Selachier traten mehr in den Yordergrund. Anch
hat man begonnen bei Vergleichnngen des Skeletes noch an andere
Organsysteme anznknUpfen. Die vergleichende Anatomie hat vieles
fttr das SchEdelproblem Wichtiges ans Licht gebracht, and noch
nmf&nglicher sind die Leistungen der ontogenetischen Forschnng ge-
weeen. So liegt jetzt ein reiches Material von Thatsachen zn Tage,
welche sich anf jenes Problem beziehen. Prttfen wir, wie weit diese
Thatsachen einer FOrderung unserer Einsichten in die Phylogenese
des Kopfes dienten und damit den Erwartnngen entsprachen, welche
die Inangriffnahme der genannten Aufgabe von Seite der Ontogenie
mit Recht entstehen lieB.

In den folgenden Blattern werde ich die auf die Metamerie des
Kopfes bezilglichen Angaben in einzelne Abtheilungen sondern, je
nach den Organen, von denen ausgegangen wird. Es sind diese nach
der Zeit ihres Erscheinens 1) die mesodermalen Metameren nnd ihre
Derivate, 2) die Kiemenbogen, resp. die sie trennenden Spalten,
3) das Verhalten der ventralen und dorsalen Metamerentheile des
Kopfes, 4) die Nerven und 5) die Skeletgebilde. Daran soil 6) ein
Uberblick ttber die gewonnenen Resultate sich reihen. Es scheint mir
zweckmUBig, ttberall die Selachier im Vordergrunde stehen zu lassen
und erst in zweiter Keihe auf andere Abtheilungen einzugehen, wo
dieses zur Erl^uterung dienen kann. Dieses dtlrfte um so mehr ge-
rechtfertigt sein, als gegenwartig wohl die Mehrzahl der Forscher
die Bedeutung der Selachier, wie ich es l&ngst hervorgehoben, gleich-
falls anerkannt und den bei ihnen gefundenen Thatsachen funda-
mentaleren Werth beizumessen pflegt, als den Ergebnissen aus anderen
Abtheilungen.

1. Urwirbel oder Mesodernisegniente (Somite).

Das wicbtigste Resultat der neueren embryologiscben Forschung
bestebt in dem Nachweise des Vorkommens von Urwirbeln, Somiten
oder Mesodermsegmenten in der Kopfregion^ denselben mesodermalen
Metameren wie sie fttr die Rumpfregion schon l^ngst bekannt waren.
Von Balfour tbeilweise erkannt, wurden sie von M. Maksuall (Nr. 29)



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4 , C. Gegenbaur

genaner beschrieben. Von van Wuhe (Nr. 59) sind nean angegeben
worden. Dass darin etwas Ursprttngliches sich ausdrttckt and ein
Zeognis fUr die Metamerie des Eopfes besteht, wird von keinem
Forscber bestritten. Eb fragt sich nun, tote weit die Tragkraft des
phylogeTietischen Werthes dieser Gebilde sich erstreckt. Zu diesem
Zwecke ist das Verhalten derselben, wie es van Wuhe sehr sorg-
f&Itig geschildert hat, nHher zu prttfen. Die mesodermalen Bildnngen
am Eopfe schei(jien sich in eine dorsale und eine ventrale Region, die
der ersteren sind metamer gegliedert, stellen die Urwirbel oder Somiten
vor. Das ventrale Mesoderm (die Seitenplatten) theilt sich mit dem
Auftreten der Kiemenspalten gleichfalls in metamere Abschnitte, die
Kiemenbogen. Wir haben also dorsal- wie ventral metamere Gle-
bilde. In den dorsalen, oder den »Urwirbelna treten HOhlnngen anf
(KopfhOhlen) . Auch in den ventralen Gebilden, den prim&ren Kiemen-
bogen, zeigen sich solche. An den ersten Kiemenbogen sind diese
H5hlen unter einander im Znsammenhang. Das erste Somit entbehrt
des Znsammenhanges mit dem ventralen Mesoderm. Die H6hle des
zweiten Kopfsomites kommunieirt mit der H5hle des primitiven ersten
Kiemenbogens (des Kieferbogens), die des dritten mit jener des zweiten
primitiven Kiemenbogens (des Hyoidbogens). FUr die folgenden Meta-
mere geht die Sondernng der dorsalen und ventralen Abschnitte
frtther vor sich, als die HOhlenbildung in denselben auftritt. Es kaun
also nicht mit derselben Sicherheit wie bei den beiden vorgenanuten
Metameren (jenen, welchen Kiefer- und Zungenbeinbogen angehOrt)
auf die ZusammengehOrigkeit der dorsalen und ventralen Theile ge-
schlossen werdeu. Von den Veranderungen, weJche die ursprttnglich
epithelialen Anlagen eingehen, interessiren uns vomehmlich jene der
dorsalen Abschnitte, die von van Wijhe als »Myotome« bezeichnet
werden. Das erste lUsst die Mm. obliquus inferior, rectus superior,
rectus inferior und rectus intemus hervorgehen; das zweite den M.
obliquus superior, und das dritte den M. rectus extemus. Das vierte
verschwindet sehr frtlhzeitig. Aus dem fttnften soUen dichtgedrangte
Zellen entstehen, unbekannter Bestimmung. Das sechste ist rndi-
mentar, das siebente, achte und neunte bieten wieder andere Ver-
UnderuDgen, auf welche noch speciell zurlickzukommen ist Sie haben
sich dorsalwUrts verl^ngert, das neunte auch ventralwarts, und aus
dieser Verlangerung, sowie jener der beiden vordersten Rumpf-
myotome sah van Wuhe den M. coraco-hyoideus hervorgehen.

Aus diesen Verbal tnissen ist vor AUem zu ersehen, dass den Kopf-
somiten ein sehr wighicher Weilh zukommt in Bezug auf die von



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Die Metaroerie des Kopfcs und die Wirbeltheorie des Kopfskeletes. 5

ihnen entstehenden Gebilde. Wie sefar man aucfa ein Recbt hat, aus
der Gesammterscheinnng auf eine ursprUnglicbe Metamerie anch der
dorsalen Kopfregion zn schlieBen, 80 hat man doch nicht zu ver-
kennen, dasB im Bereiche dieser Metamerie bedeutende Umgestaltnngen
vor rich gegangen sind. .Ein vollgttltiges Zengnis fUr das ursprllng-
liehe VerbSltnis liegt ferner dessbalb nicht in jenen Kopfsomiten, weil
sie bereits eine Rednktion der Zahl kund geben. Das fUnfte Somit
entspriebt dem dritten Visceralbogen (1. Kiemenbogen ) , mit dessen
Mesoderm es zusammenb^ngt, das neunte wtirde also noch einem sieben-
ten Visceralbogen oder einera ftlnften Kiemenbogen entsprechen. Nun
sind aber bei den Notidaniden sechs und sieben Kiemenbogen bekannt^
und VAN WiJHE selbst giebt zu, dass die Notidaniden als Reprasen-
tanten lilterer Formen der Haie zu gelten baben. Eine solche An-
nahme hatte aber keinen Sinn, wenn man nicht zugeben wollte, dass
auch den Obrigen Haien einmal eine gr(5Bere Anzahl von Kiemen-
bogen zukam, oder vielmehr dass die Haie mit fUnf Kiemenbogen von ,
solchen abstammten , die eine gr()Bere Kiemenbogenzahl besaBen. ^
Stimmt man aber daroit Uberein, so wird es klar, dass in der Zahl
der angelegten Kopfsomite, wie sie van Wijhe uns vorfUhrt, bereits
eine Reduktion eingetreten sein muss. Denn soil aus jener Zahl auf
die Phylogenese geschlossen werden, so mllssten, vorausgesetzt dass
diese Somite sich auf die gesammte Metamerie des Kopfes beziehen,
wie VAN WiJUE es annimmt, auf das neunte Kopfsomit noch mindestens
zwei Somite folgen. Das ist aber keineswegs der Fall. Aus der
Anzahl der Kopfsomite enUpringl also kein zuverllissiges 2kugnis fiir
die Phylogefiese .

Gegen meine Argumentation kann man einwenden, dass sie dor-
sale Gebilde mit ventralen in Zusammenhang bringt, die dorsalen
Kopfsomite mit den Kiemenbogen, die entschieden ventraler Natur
sind. Van Wijhe bestatigt, was bereits Bali-h^ur und M. Marshall
aussagten, dass die Metamerie der Mesodermgebilde im Kopfe, be-
stimmt im vorderen Kopftheile, unabhangig von der Bildung der
Kiementaschen erfolge. Da durch letztere aber die ersten Kiemen-
bogen sich anlegen, so kommt auch diesen eine gewisse Unabhangig-
keit von der dorsalen Metamerie des Kopfes zu. Aber van Wijhe
selbst bringt die dorsale und ventrale Metamerie unter einander in
Zusammenhang. Wahrend das dritte Kopfsomit unzweifelhaft dem
Hyoidbogen angehOrt^ indem seine Hohle eine Zeit lang mit jener des
Uyoidbogens kommunioirt und das fUnfte Somit mit dem Mesoderm
des dritten Visceralbogens oder des ersten sekundslren Kiemenbogens



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6 C. Gegenbaur

zQsammenhllDgt , also zu diesem geh(3rt, ist das vierte Somit ohne
ibm entsprechenden Kiemenbogen, steht vielmehr mit dem Mesoderm
des HyoidbogeDs in Verbindung. Wir nehmen diese Beobachtang van
Wijhb's als richtig an, wenn anch frUbere Angaben anders lauten.
VAN WuHE folgert daraus, dass der Hyoidbogen zwei Kopfsomiten
entsprHehe nnd eigentlich zwei Bogen repr&»entire, ja dass da anch
einmal eine Kiementascfae vorhanden gewesen ware. In dieser An-
nahme sieht er die Bestsltigung einer dnrch eine frtihere, vergleichend-
anatomische Arbeit gewonnenen Meinung. Da wir anf diese Arbeit noch
znrtickkommen werden, haben wir es bier nur mit der ontogenetischen
StUtze jener Ansicht zu thun. In dieser Beziehung istvon Bedentung,
dass das Schwinden von Eiementascben nnd Kiemenbogen niehts
Unbekanntes ist, dass diese Reduktion aber nur an zwei Stellen be-
steht, Yorn nnd hinten am Kiemenapparat^ Vom ist es die erste
Kiemenspalte, welche auf das sogenannte Spritzloch sich reducirt, und
am hinteren Ende sind es die schon oben angefbhrten Reduktionen.
Dass innerhalb der Eiementaschen-Serie eine solche Tasche gUnzIich
verschw^nde, ist absolut unbekannt. Auch enthalt der Hyoidbogen
nur eine einzige HQhle, wie van Wijhe selbst angiebt, nicht deren
zwei, wie man erwarten miisste, wenn zwei Bogen ibm zu Grunde
Iligen. Es muss also als Fiktion gelten, zur Erkl^ung der Existenz
zweier dem Hyoidbogen zugetheilten Kopfsomite, das zu Grunde-
gegangensein einer Eiementasche aufstellen zu wollen. Dazu besteht
keinerlei Zwang. Wenn man einmal sich nicht mit der einfachen
Thatsache bescheiden will, so bleibt doch noch die Annahme, dass
die ventrale Metamerie des Kopfes nicht ganz mit der dorsalen, wie
sie ontogenetisch vorliegt, zusammenfalle, oder dass das dritte und
vierte Somit die Theilungsprodukte einer einzigen vorstelle. Viel-
leicht ist Letzterem die BerUeksichtigung der Ortlichkeit ihres Vor-
kommens gtinstig. Sie finden sich im Bereiche der Kopfkrttmmung.
Abgesehen von diesen beiden dem Hyoidbogen zukommenden
Somiten wttrden die Kopfsomite der Metamerie des Kiemenapparates
entsprechen, und es ware van Wijhe in dieser Auffassung bei-
zustimmen, wenn nicht beztiglich der drei letzten Somite eine andere
Betrachtungsweise nothwendig wtlrde.



1 Bei serial angelegten KCrpertheilen gehOrt es zu den Seltenheiten, dass
innerhalb der Reihe ein Ausfall stattfindet. Wo ein solcher in der That vor-
kommt, ist er meist an eine Differenzirung der gesammten Reihe in besondere
kleinere Organgruppen gekniipft.



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Die Metaraerie des Kopfes und die Wirbeltheorie des Kopfskeletes. 7

Wie yerh&lt es sich nun mit dem ersten oder pr&oralen Somite?
Von ihm sind manche Eigenthtimlichkeiten beschrieben worden. Van
WijHE bait es flir zweifelhaft, ob es mit einem ventralen Abschnitte
in Verbindong stehe , jedenfalls hangen seine Wftnde nicht mit den
Seitenplatten znsammen. Dagegen kommunieiren die beiderseitigen
Cavitslten dieses Somites nnter einander, unmittelbar vor dem Vorder-
ende der Chorda dorsalis, welche die hintere dorsale Wand der Ver-
bindungsbrttcke erreicbt. Van Wijhe halt flir mSglich, dass eine
vordere Verlangerung dieses ersten Somites ein dnrch die Bildting
des Mnndes abgeschnittenes StUck der Seitenplatten vorstelle, so dass
sie der Wandung der VisceralbogenhOhle homolog sein wUrde. Bei
diesem Bestreben, am vordersten Kopftheile die gleichen Verhaitnisse
heransznkonstniiren, wie sie postoral bestehen, ist tibersehen, dass
der BegriflF der Seitenplatten von der Lage dieser Mesodermgebilde
bestimmt und beherrscht wird. Nun existirt prSoral weder ein Darm,
noch ein anderer ventraler KOrpertheil, so dass vemtinftigerweise
jenem ersten Somite auch keine ventralen Gebilde zugetheilt sein
k5nnen. Betrachten wir demnach jenes Somit ohne den Zwang vor- \
gefasster Meinung, so sehen wir in ihm einen Abschnitt von Meso-
dermgewebe, welcher in dem nur von dorsalen Theilen dargestellten
Vorderende des Kopfes liegt. Es ist also dieses Somit in Ver-
gleichung mit den ttbrigen in einem singularen Verhalten , welches
sich aus jener Lagebeziehung erklart. Darin, dass es viel spater
seine Hbhle erhalt als die nachstfolgenden, liegt auch eine gewiss
beachtenswerthe Eigenthttmlichkeit. Wenn man nun erwagt, dass
in der Anlage der Kopfsomite nicht die voile Eekapitulation eines
primitiveren Zustandes gegeben ist^ da ja am Hintertheile des Kopfes
nur so viel Somite bestehen als Kiemenbogen gebildet werden, dass
also hier offenbar canogenetische Zustande vorliegen, so schwacht
sich dadureh das Vertrauen ab, welches man in diese Bildungen setzt.
Balfour und Marshall leiten die H5hle des ersten Somites von
jener des zweiten ab, was mit van Wijhe's Angaben unvereinbar
ist. Aber wenn ich auch die letzteren fUr richtig halte, so wird durch
sie doch die MOglichkeit nicht ausgeschlossen, dass bereits im ersten
Zustande eine Canogenese besteht, dass dieses Somit namlich ursprttng-
lich vom zweiten entstanden ist, wenn ihm auch gegenwartig eine
selbstandige Existenz zukommt. Ich lege dabei weniger Gewicht auf
das Fehlen beztiglicher Seitenplatten, als auf die spatere C5loment-
faltung und auf Grllnde, welche ich bei den Nerven aus einandcr setzen
will. Das Eingehen auf diese Betrachtung des ersten Somites ward



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8 C. Gegenbaur

veranlasst, nm zu zeigen, dass auch andere Auffassungen mOglich
sind, and dass da, wo es sich um die Deatung ontogenetischer Befiinde
handelt, die Beziehung derselben aaf niedere und noch problematische
Znstande immer mit groBen Schwierigkeiten verkniipft ist.

Dieses bezeagt aach die verschiedengradige Ausbildung der tibrigen
Somite vom vierten an. Das vierte, flinfte und sechste k5nnen sebon
dadnrch als rndimentar gelten. Dagegen fallen die letzten wieder
durch Ausbildung von Muskelplatten auf. Balfour (Nr. 5, pag. 209)
trilgt sogar bezUglich der Zugehorigkeit der letzten drei oder vier
Muskelplatten zum Kopfe Bedenken und sagt: »I bave not the means «
»of deciding whetber tbey properly belong to the bead, or may nota
» really be a part of the trunc system of muscles, which has, to a«
» certain extent, overlapped the back part of the head, but 1 am «
»inclined to accept the latter view.« Van Wijhe scheint diese vor-
sichtige AuBerung als den Ausdruck einer unsicheren Beobachtung
zu nehmen. Wir kommen weiter unten nochmals darauf zurUck, und
wollen bier nur das auBerordentlich verscbiedene Verhalten dieser
Kopfsomite als eine Instanz bezeichnen, welche zur Annahme eines



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