starker, je hoher die Konzentration an Alkohol ist. 2. Der
EinfluB der Konzentration von Salzen auf das Potential wird
durch Chloroform- oder Alkoholzusatz nicht verandert.
VI. Einfiiifi der VTasserstoffionen.
Die Untersuchung der Wirkung der Konzentrationsunter-
schiede der H-Ionen interessierte uns besonders, weil die An-
sicht wiederholt ausgesproohen war, daB gerade diese lonen
fiir die bioelektrischen Erscheinungen verantwortlich seien. Loeb
hatte schon 1898 darauf hinge wiesen, daB die Saurebildung bei
der Tatigkeit sowie beim Absterben der Organe die Kon-
zentration der H-Ionen in den Zellen vermehren miisse, und
daB hier eine Quelle von EMKen vorliege. Aber dieser Autor
dachte an Diffusionsstrome, welche der GroBenordnung nach
fiir diesen Zweck nicht ausreichen. Im AnschluB an die Arbeit
von Haber und Beutner untersuchten Haber undKlemen-
siewiecz die Phasengrenzkrafte der Kette Saure | Glas | Alkali,
welche in bezug auf H-Ionen reversibel ist, und steliten die
Hypothese auf, daB auch die Phasengrenze der Muskelfibrillen
in bezug auf H- und OH-Ionen reversibel sei. Diese sehr an-
sprechende Ansicht wurde von den Biologen mit Recht als ein
Fortschritt angesehen. Wir erwarteten ebenfalls bestimmt, daB
unsere Versuche dieselbe bestatigen wiirden, das war aber in
keiner Weise der Fall. Bei gleichgehaltener Gesamtkonzentration
lieB sich kein Unterschied zwischen dem Potential saurer und
alkalischer Losungen nachweisen.
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16 J. Loeb und R. Beutner:
Kette:
fneutral,
-Hg I Hga, »Ao-Ka I Apfel I «/,o-NaaJ8aueroder | ^U.-Kd,
verletzt ^alkalisch
HgCl I Hg + .
Wir untersuchten zuerst eine neutrale "/j^j-NaCl-Losung,
dann eine ""/jj^^-NaCl-Losung, der so viel NaHO zugesetzt war,
daB die Losung in bezug auf NaHO ^/jooo ^^ormal war, und
endlich â„¢/j^-NaCl-Losung, der so viel HCl zugesetzt war, daB
die Losung in bezug auf HCl â„¢/iooo normal war.
Wir fanden:
â„¢/,^-NaCl neutral 0,051 Volt, wahrend 5' konstant
m/^o-Naa, Viooon-NaHO . . 0,052 „ „ 4' „
-"/...NaCl, Viooo n-Ha . . . 0,047 „ „ 5'
Ware die Membran in bezug auf H-Ionen reversibel, so
hatte eine Potentialdifferenz von nahezu 0,5 Volt zwisehen
sauren und alkalischen Losungen auftreten miissen. Wir wieder-
holten den Versuch mit dem Blatt der Gummipflanze.
«»/go-Naa neutral 0,029 Volt, konstant wahrend 3'
'"/.o-NaCl, "/xooo-Ha .... 0,028 „ „ „ 4'
-"/^o-NaCl, "/....-NaHO . . . 0,031 „ „ „ 4'
»/jo-NaCl neutral 0,030 „ „ „ 3'
Die Weiterfuhrung dieser Versuche fiihrte nun zu einem
interessanten Resultat. Bekanntlich besteht ein Antskgonismus
zwisehen Sauren und Salzen in bezug auf Schwellvermogen und
sonstige Eigenschaften der EiweiBkorper, eine Tatsache, die am
eingehendsten von Pauli*) und von Procter*) untersucht
worden ist. Dieser Antagonismus zeigt sich nun auch in
diesen Versuchen. Um die Wirkung einer â„¢/j^^^-Saurel68ung auf
EiweiBkorper zu hemmen, ist eine ziemlich hohe Salzlosung
notig. Wir untersuchten den EinfluB einer "»/,^^,^j-HCl-Losung
auf das Potential bei niedrigeren Konzentrationen von NaCl
als "n/jo.
^) Eine Zusammenfaasung der Untersuohungen Paulis findet man
bei Handovsky, KoU. Zeitschr. 8, 183 u. 267.
2) Procter, KoU. chem. Beihefte 2, 243.
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Potentialdjfiferenzen an der Oberflache von Organen. 17
«/io«-Naa neutral 0,061 Volt, konstant wahrend 4'
'"/i^-Naa, ^/,000-Ha . . . 0,052 „ nach 2' 0,048 Volt;
sinkt welter
"/,00-Naa, «»/iooo-NaHO . . 0,057 „ konstant wahrend 4'
""/loo-NaCl neutral 0,059 „ „ „ 3'
"n/ioo-NaCl, ^l^^^^-KCl , . . 0,034 „ nach 3' 0,029 Volt;
nach weiteren 4' 0,028 „
'"/j^jo-Naa neutral 0,043 Volt.
Hier hat also die Saure so gewirkt, als ob sie die Ober-
flache modifiziert und fiir Anionen durchgangiger^) gemacht
habe. Das wird noch deutlicher, wenn man noch schw&chere
Salzlosungen anwendet.
""/joo-Naa -f «»/iooo-Naa neutral . 0,076 Volt, konst. wahrend 3'
'"/fioo-NaCl + '^/.ooo-HClsauer. . 0,043 „
0,030 „ nach 4'
0,027 „ nach weiteren 3';
sinkt welter
"/soo-NaCa 4- ""/looo-Naa neutral . 0,068 „ konst. wahrend 3'
Hier hat also die Saure die spezifische Anionen- resp. Salz-
durchlasslgkeit noch mehr erhoht als in den friiheren Versuchen.
Noch deutlicher wird das, wenn wir reine Saure mlt relnem
Salz vergleichen.
°*/iooo-Naa neutral .... 0,088 Volt
°*/iooo-HCl 0,060 „
0,038 „ nach 6'; sinkt welter.
Alle diese Versuche slnd am Blatte der Gummipflanze ge-
macht. Wir diirfcn uns also wohl vorstellen, daB die Saure
die ElweiBkorper in der Oberflache des Blattes modifiziert und
damit die Durchgangigkeit dleser Oberflache fiir Salze erhoht.
1st aber genug Salz zugegen, so hemmt das diese Modifikatlon
der ElweiBkorper durch Saure und in dem Falle benimmt sich
die Saure wle jeder andere indifferente Elektrolyt.
Es stimmt mlt dem Gesagten iiberein, daB nledrige Kon-
zentrationen von Alkali viel schwacher wirken als Saure. Der
Sinn der Wirkung 1st anschelnend entgegengesetzt wle der von
Saure.
^) Da Durchlasslgkeit fur Kationen schon besteht, bedeutet groBere
Anionendurchlassigkeit hier dasselbe wie groBere Salzdurohlassigkeit.
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18 J. Loeb und R. Beutner:
"/^o-Naa 0,055 Volt
»/,,o-NaHO 0,066 ,.
/260 ;
/«60"-
"â– /^j-NaHO 0,062
m/,,,-Naa 0,055
/260
/bo"
°>/5,.NaH0 0,027 Volt
"Vso-NaCl 0,022
Alle diese Versuche weisen darauf hin, daB die von uns
benutzten Membranen in bezug auf H-Ionen nicht reverabel
sind. Wir konnen im Zusammenhang mit den Beobachtungen
iiber die Wirkung der Saure auf eine Erfahrung zuriickkommen,
welche wir schon an einer fruheren Stelle dieser Arbeit mit-
geteilt haben; namlich dafi auoh Neutralsalze , wenn ihre
Konzentration zu hoch ist, die Membran verandern. Dsks zeigt
sich erstens darin, daB nach der Behandlung der Oberflache
mit einer konzentrierten Neutralsalzlosung die verdiinnten
Losungen nicht mehr die alten EMKe geben und zweitens
darin, daB bei hohen Salzkonzentrationen die EMKe zu klein
ausfallen. Das weist also auf eine erhohte Salzdurchlassigkeit
hin. Hohe Konzentrationen von Neutralsalzen modifizieren
also die Oberflache ebenfalls, nur ist eine viel hohere Kon-
zentration der Neutralsalze erforderlich als im Falle von HCl.
Der Umstand, daB die EMK einer °»/g^-NaCl-L68ung nicht
geandert werden, wenn wir sie nacheinander neutral, sauer °*/iooo-
HCl und alkalisch °*/ij,,,Q-NaHO machen, schlieBt wohl den
Gedanken aus, daB Adsorptionserscheinungen im Spiele sind.
Eine spezifisohe Wirkung der H' resp. OH' im Sinne der
Nernstschen Gleichung besteht nach dem Erwahnten zwar
nicht, bei Abwesenheit aller anderen Elektrolyte wirkt indes
Konzentrationsanderung von HCl ebenso wie die von NaCl
od^r KCl. Die HCl-Konzentration darf hierbei jedoch nicht
uber â„¢/iooo gesteigert werden, da hohere Konzentration die
Oberflache zu stark angreift und die Reversibilitat aufhebt.
Es wurde z. B. am Apfel gemessen bei
Differenz Differenz
beobaohtet bereohnet
/lOOO »» UjVfOO ,,
NaOH wirkt im gleichen Sinne
/so" »» V»Vi&/ ,,
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Potentialdififerenzen an der Oberflache von Organen. 19
VII. Versnche an tieriscben Objekten.
AUe bisher besprochenen Versuche waren an pflanzlichen
Objekten angestellt worden. Wir stellten noch einige Versuohe
an tieriscben Objekten an. Zunachst verglichen wir die
Anderung der EMK bei der Anderung der Konzentration der
Zuleitungsfliissigkeit an den Fingerspitzen lebender Personen,
dem Nagel und der Kuppe der Finger. Der Daumen einer
Hand wurde in eine Fliissigkeit getaucbt, die wahrend des
Versuches nicht gewechselt wurde, wahrend die Zuleitungs-
fliissigkeit auf dem Nagel des Zeigefingers derselben Hand
variiert wurde.
Anderung der Konzentration an der Oberflache des
Fingernagels.
Konzentration der i?iair nia^^^^^
NaCl-Losung ^^^ Differenz
"L mol. NaCl. — 0,023 Volt 6' konst.^ ^ ^, ^ ,r ,
1 —0 006 4' > ^'^^' Volt
1/ 068 ^ v,Krz\f „
/SOO " »» V,Vtro ,,
Wie im allgemeinen wird die Oberflache mit abnehmender
Konzentration der Salzlosung positiver, und bei nicht zu hoher
Konzentration entspricht dem gleichen Verdiinnungsgrad auch
angenahert die gleiche Potentialdifferenz 0,036 Volt zwischen
*/g m- und */g^j m-NaCl und 0,029 Volt zwischen ^/^^ und ^/g^^^ m-
NaCl. Wir batten diesen Versuch hauptsachlich unternommen,
um zu entscheiden, ob bei Pflanzenmembranen die Harzbestand-
teile die wasserunlosliche Phase bilden. Beim Nagel handelt
es sich aber wohl um Keratin, d. h. EiweiBkorper.
Der folgende Versuch ist an den Fingerspitzen mit Aus-
schluB der Nagel gemacht.
Anderung der Konzentration an der Oberflache der
Fingerspitze ohne Nagel.
Oration der NaCl-Losung
EMK
'7s mol.
— 0,036 bis 0,028 Volt
Vs ^^
-0,031 „ 0,026 „
1/
/so *>
0,011 „ 0,016 „
1/
/soo ♦»
0,028 ., 0,061 .,
1/
/sooo **
0,066 „ 0,071 „
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20
J. Loeb und R. Beutner:
Man sieht, daB die EMKe nicht konstant sind, und daB
bei den Konzentrationen uber ^/^^^ mol. die Di£Ferenzen sehr
klein sind. Wir haben es also bei der menschlichen Haut mit
einer leicht veranderlichen Membran zu tun, die fiir die Er-
mittelung der logarithmischen Abhangigkeit der EMK von der
Konzentration schon kein gutes Objekt mehr ist. Noch
schlagender wird dieses Verhalten in dem folgenden Versuch
an der Froschhaut.
1. Versuch am Frosch.
Kette: ^/g Ringerlosung I Frosch
Bingerlosung wechsehider
Konzentration
KoDzentratfon der
RiDgerldsuDg an der
nicht gebiuteten Ober-
flftche
/so »»
/boo "
/sooo »♦
/soo »»
/so »♦
/s »»
verletzt
EMK
unverletzt
V,
SOOO'
0,020 bis 0,031 Volt
0,031 „ 0,046 „
0,024 „ 0,022 „
0,022 „ 0,016 „
0,022 „ 0.026 „
0,049 „ 0,048 „
0,038 „ 0,043 „
0,012 Volt
Rechte Seite d. obig. Kette
Bechts
Rechts —
Rechts +
Die EMKe waren stark en zeitlichen Schwankungen unter-
worfen und die Werte sind auch durchaus nicht reversibel.
Es laBt sich indes das qualitative Besultat daraus entnehmen,
daB von ^/g^ bis ^/gooo â„¢^^' ^^^ Positiverwerden mit wachsender
Verdiinnung eintritt, etwa von der gleichen GroBe wie bei den
pflanzlichen Objekten, von */g bis ^j^^ dagegen tritt ein
Negativerwerden (von 0,01 Volt pro Zehnerpotenz) ein, dieses
Resultat wurde bei Wiederholung bestatigt.
VIll. Versnche an verletzten Oberflachen.
In alien bisherigen Versuchen batten wir uns nur mit dem
EinfluB der Anderung der Konzentration auf die Potential-
unterschiede an der unversehrten Oberflache beschaftigt. Wir
woUen nun kurz zeigen, daB der EinfluB der Konzentration
sich auch an der verletzten Oberflache nachweisen laBt; er ist
kleiner als an der unverletzten Oberflfiche. Wir woUen das
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Potentialdififerenzen an der Oberflache von Organen.
21
in einer Versuchsreihe an einem Apfel illustrieren. An einer
Seite des Apfels war wie gewohnlich ein Loch in den Apfel
gemacht, das mit °*/i^j-KCl gefiillt wurde, in welches eine
Kalomelelektrode mit ^Ji^-KGl eintauchte. Die andere Seite
des Apfels tauchte in KGl-Losungen, deren Konzentrationen
nach Potenzen von 10 variierte. Zuerst wurde der EinfluB
der Konzentration auf die auBere Cuticula des Apfels wie in
alien bisherigen Versuchen gemessen; dann wurde die Cuticula
entfemt, wobei so wenig als moglich von der reinen Masse
des Apfels mit weggeschnitten wurde, und dann wurde der
EinfluB der Konzentration auf diese Oberflache gemessen. Wir
stellen die Werte fiir dieselben Konzentrationen nebeneinander.
letzte Oberfl&che
Verletzte Oberflache
"/..oo.-KCl
0'
13'
22'
0,035 Volt
0,043 „
0,047 „
0,119 Volt
0,122 „
"/looo-KCl
0'
10'
16'
0,024
00,29
0,030
0,065 ,.
0,070 „
-/,0,-KCl
0'
11'
0,008
0,006
0,020 „
0,023 „
•"/..-Ka
0'
17'
— 0,008
— 0,014
0,007 „
0,008 „
m-Ka
— 0,020
— 0,020
Der Unterschied im Verhaltea bolder Reihen wird am
beaten erkaant, wenn man die Differenzen der Wirkung zweier
aufeinanderfolgenden Konzentrationen vergleicht.
Verletzt
0,017 Volt
0,024 „
0,020 „
0,006 „
KonzentrationBinterrall
/ 10 000 "*" l\
too
10
ml
10
■»/
10 000 '
1000
m
I too
m
/lo
/lOOO
m/
/to
ml
/lO
-/i
Unverletzt
0,062 Volt
0,047 „
0,018 „
Die beiden Werte 0,062 und 0,047 Volt stimmen mit den
friiher von uns gefundenen Werten iiberein imd weichen nicht
zu sehr von dem theoretisch berechneten Wert 0,068 Volt ab,
die Werte fiir die verletzte Oberflache, 0,024 und 0,020 Volt, sind
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22 J. Loeb und R. Beutner:
weniger als halb so groB. Auch an der verletzten Oberflache
wlrd das Potential positiver mit zunehmender Verdiinnung.
Die verletzte Haut des Apfels verhalt sich also zu der un-
verletzten, wie etwa die unverletze menschliche Haut zu der
unverletzten Haut des Apfels.
Wir geben noch ein zweites Beispiel, an das wir einige
Bemerkungen iiber die Beversibilitat dieser Erscheinungen
kntipfen woUen. In diesen Versuchen war die Fliissigkeit 6
("/j^-KCl), die wahrend der Beobachtungen nicht variiert wurde,
nicht in ein in den Apfel geschnittenes Loch gebracht worden,
sondem wir befestigten einen Glasring mittels Paraffin auf der
unverletzten Haut des Apfels und fiillten den Zylinder mit
«»/j^-KCl, in welche die eine Kalomelelektrode mit "/^^-KCl
tauchte.
Zuerst wurde eine Versuchsreihe am unverletzten und dann
an demselben gesohalten Apfel durchgefiihrt. Wir stellen die
Werte wieder gegeniiber.
Unverletzter Apfel Konzentration Verletzte Oberflache
0,175 Volt "/,o'ooo-Naa 0,066 Volt
0,146 „ ««/,,,,- „ 0,036 „
0,086 „ "/loo- „ 0,000 „
0,023 „ "^/i,. „ —0,022 „
Die Differenzen sind wieder erhebUch kleiner .beim ge-
sohalten als beim ungeschalten Apfel, aber sonst ziemlioh regel-
maBig. Es bestehen aber zwei Unterschiede, die in dieser
Tabelle nicht zuta>ge kommen. Wahrend die konstante Ein-
stellung beim unverletzten Apfel sehr rasch eintritt, tritt die-
selbe beim verletzten Apfel langsamer ein. Ein zweiter Unter-
schied besteht in bezug auf die Konzentrationsgrenze, iiber
welcher der Apfel geschadigt wird, d. h. seine ReversibiUtat
teilweise verliert. Wir haben schon erwahnt, daB der unver-
letzte Apfel oder das Blatt, wenn sie mit Losungen behandeJt
werden, deren Konzentration hoher ist als â„¢/i^-KCl, wenn sie
nachher mit Losungen von niedriger Konzentration in Benihrung
kommen, nicht wieder dieselbe Potentialdi£Ferenz zeigen, die
vorher beobachtet worden war. Fiir den gesohalten Apfel
scheint schon eine â„¢/j^^-KCl-L6sung die obere Grenze zu sein
bei der diese IrreversibiUtat eintritt. Allmahlich aber erholt
sich auch die verletzte Schicht des Apfels wieder.
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PotentialdJfiFerenzen an der Oberflache von Organen. 23
Wir wollen einige Beispiele fiir das Gesagte geben, zu-
pachfit ein Beispiel fiir die Tatsache, daB der Potentialunter-
sohied an der verletzten Stelle oft erst nach einiger Zeit
konstant wird. Es ist beachtenswert, daB das nicht fiir alle
Konzentrationen der Zuleitungsfliissigkeit gilt, sondern nur fiir
sehr verdiinnte Losungen.
Enthauteter Apfel.
Konzentration
Zeit
Potentialunterschied
""/icoo-NaCl
12:15
0,044 Volt
12:17
0,060
12:20
0,055
12:24
0,056
â– n/,.^-Naa
12:27
0,026
12:37
0,033
12:46
0,036
â– o/.oo-NaCl
12:48
0,000
12:52
0,000
12:53
0,000
""/.o-NaCl
12:55
— 0,018
12:57
— 0,019
12:59
— 0,021
1:01
— 0,022
Nach dieser Versuchsrelhe wurden die Bestimmungen
wiederholt, aber in der umgekehrten Beihenfolge.
Konzentration Zeit Potentialunterschied
>»/,,,-NaCl 1:03 +0,016 Volt
1:06 0,015 „
1:08 0,013 „
"Aoo*- .. 1:10 0,006 „
1:45 0,030 „
Vergleicht man den letzten Wert fiir ">/j,,-NaCl mit dem
vorher erhaltenen, so besteht eine Differenz von etwa 0,016 Volt.
Aber um 1:45 ist die Membran wieder normal geworden and
der Wert fur "/mj-NaCl 0,030 ist fast identisch mit den um
12:46 gefundenen, namlich 0,036 Volt. DaB diese Annahme
riohtig ist, zeigte eine neue Bestimmung fiir "/^j-NaCl:
Konzentration Zeit Potentialunterschied
"»/„,-NaCa 2:10 0,002 Volt
2:12 0,002 „
was ja ungefahr der ursprungliche Wert war.
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24 J. Loeb und R. Beutner:
Man erhalt solche Nachwirkungen auch an der unversehrten
Membran des Apfels, aber nur, wenn man, wie gesagt, hohere
Konzontrationen von Salzen etwa "/^-NaCl oder â„¢/i-KCl an-
wendet.
Es ist sehr wohl moglich, daB diese Nachwirkungen bei
Organen wie der Muskel sich storend bemerkbar maohen.
Die verschiedene Veranderlichkeit des Potentials an der
verletzten und unverletzten Stelle konnte den Gedanken nahe
legen, die hier beschriebenen Erscheinungen zu einer Theorie
des Ruhestromes zu verwerten. Das ist aber kaum berechtigt,
wie folgendes Experiment zeigt. £s wurde die EMK der An-
ordnung
Kalomelelektrode | °»/i-NaCl i Apfel i ""/^-Naa | Kalomelelektrode
-[- intakt verletzt —
in der angegebenen Bichtung zu 0,01 Volt bestimmt. Selbst
unter der Annahme, daB die verletzte Flaohe gar nicht polarisier-
bar ist, erscheint dieser Bef und nicht mit dem SchluB vereinbar,
daB alle vorhandenen Potentiale von derselben Natur wie die
von uns untersuchten sind, und daB keine inneren, sich un-
abhangig summierenden Potentiale vorhanden sind. Denn alle
vorhergehenden Experimente lehren, daB die verdiinntere Losung
immer positiver ist, folglich miiBte auch die Ableitungsflussig-
keit auf der linken Seite obiger Kette verdiinnter sein als die
Zellfliissigkeit des Apfels, d. h. die Konzentration der Elektrolyte
des Apfelsaftes miiBte mehr als grammolekular sein, was ganz
unmoglich ist. Der Umstand, daB die verletzte Stelle eben-
falls eine gewisse Polarisation zeigt, macht einen solchen Er-
klarungsversuch nooh schwieriger. Man sieht also, daB die
von uns gefundenen Tatsaohen die Erklarung des Ruhestromes
nur mit Hilfe von weiteren Annahmen zulassen, deren Be-
sprechung uns zwecklos erscheint.
Was die physikalisch-chemische Seite betri£Ft, so ist es
beffierkenswert, daB aUe bis jetzt bekannten Phasengrenzen
nur in bezug auf ein einziges Ion reversibel sind, wahrend die
von uns untersuchten Objekte fiir sehr verschiedene Kationeu
reversibel sind. Entweder enthalten die Oberflachenlamellen
alle diese Metalle spurenweise, oder es tritt ein Umtausch
. .Z^rachen den in der Oberflachenlamelle enthaltenen Kationen
und den in der Losung befindlichen ein.
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Potentialdifferenzen an der Oberflache von Organen. 25
Znsammenfassnng der Kesoltate.
1. Es wird gezeigt, daB bei Anderimg der Konzentration
der Loeung eines Elektrolyten an der unversehrten Oberflache
verschiedener pflanzlicher und tierischer Organe die EMK sich
in dem Sinne andert, daB diese Seite mit abnehmender Kon-
zentration positiver wird.
2. Es wird femer gezeigt, daB die Abhangigkeit der
Potentialdifferenz von der Anderung der Konzentration der
Nemstechen Formel entspricht. Die wirklich gefundene Potential-
differenz ist immer ein wenig kleiner als die nach der Nemstschen
Formel unt^r der Voraussetzung berechnete, daB die Membran
in bezug auf Kationen reversibel (durchgangig) ist.
3. Aus beiden vorausgehenden Tatsachen wird geschlossen,
daB sich die von uns untersuchten intakten Membranen ahnlich
wie Metalle verhalten, nur mit dem Unterschied, daB die Durch-
gangigkeit fiir Anionen keine absolute ist.
4. Wahlt man die Konzentrationen der Salzlosungen zu
hoch, so bewirken dieselben Anderungen in der Membran in
dem Sinne, als ob dieselbe fiir Anionen durchgangiger ge-
worden ware.
5. Bei passender Wahl der Konzentration der Salzlosung
(z. B. â„¢/j^-NaCl) bleibt die Potentialdifferenz die gleiche, wenn
die Losung neutral oder durch Zusatz von HCl â„¢/iooo sauer
oder durch Zusatz von NaHO â„¢/iooo alkalisch gemacht ist.
Daa zeigt, daB es sich hier nicht um Ketten handelt, die in
bezug auf H-Ionen reversibel sind.
6. Konzentrationsanderungen derZuleitungsfliissigkeit, welche
durch Zusatz von Nichtleitem wie Rohrzucker, Hamstoff und
Glycerin hervorgebracht sind, haben keinen EinfluB auf die
Potentialdifferenz.
7. Es zeigt sich, daB die hier mitgeteilten Gesetze allgemein
fiir intakte Oberflachen gel ten, da schon friihere Beoba»chter
angeben, daB bei Ableitung mit destilliertem Wasser von der
unverletzten Oberflache die letztere positiver wird. Dagegen
zeigen verschiedene Membranen erhebliche Unt^rschiede in bezug
auf die Wirkung derselben Konzentrationsanderung auf das
Potential. Wahrend dieselbe an der intakten Oberflache von
gewissen pflanzlichen Objekten sich dem Maximum niihert, ist
sie schon bei der menschlichen Haut erheblich geringer.
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26 J. Loeb und R. Beatner: Potentialdifferenzen an der Oberflache usw.
8. Entfemt man die Oberfl&ohenlamdle eines Apfels, so
gelten die erwahnten Tataachen ebenfalls, nur mit dem Unter-
schied, daB die fiir eine 5faohe Veidannang gefuDdenen
Differenzen der EliK kleiner sind als die an der intakten
Oberfl&che gefundenen.
9. Die hier mitgeteilte Tatsache, daB Anderung der Kon-
zentration der Salze von Li, Na, K, Mg, Ca, Ba an der on-
verletzten Membran in gleioher Weise die EMK andert, wider-
sprioht der Annahme von Bernstein und Hoeber, daB der
Ruhestrom dnrch Diffusion der Salze nur eines Kations (beim
Muskel K) entsteht.
10. Der Umstand, daB die von uns untersuchten unver-
sebrten Oberflacheolamellen nicht nur in bezug auf ein Kation,
sondem auf beliebig viele reversibel sind, unterscheidet dieselben
von alien bisher untersuchten wasserunloslichen Stoffen, wie
Metallen, und den von Haber und Beutner und Haber und
Klemensiewioz untersuchten festen Phasen, die immer nur
in bezug auf ein einziges Ion reversibel waren.
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„Separatabdruck aus dem Zentralblatte far Physiologie, Band XXVI, Nr. 8."
(Au8 dem Department of Physiology and Pharmacology
of the Rockefeller Institut, New York City.)
Anaphylaxie als eine Ursache von KoordinatioiiB-
stonmgen des Herzschlags beim Kaninchen.
Von John Auer.
(Der Redakiion zugegangen am 27. Juni 1912.)
In einer Mitteilung tiber akut tddliche Anaphylaxie beim Ka-
ninchen beschrieb ich Veranderungen des Herzmuskels, die sich mit
bloBem Auge nachweisen lieBen*). Diese Veranderungen sind kurz wie
folgt: Wird ein mit Pferdeserum hochsensibilisiertes Kaninchen
mit demselben Serum reinjiziert, so erfolgt der Exitus in wenigen
Minuten durch Herzlahmung*). Nach sofortiger Obduktion sieht
man an dem mit Blut gefuUten Herzen, daB die Kammem nur schwach
Oder gar nicht zucken, wShrend die Vorkammem gew5hnlich langsam
und regelmaBig weiterschlagen. Werden die Kammem mechanisch
oder elektrisch gereizt, so erfolgt keine oder nur schwache Zusammen-
ziehilng. Wird das Herz herausgeschnitten und aufgeschlitzt, so findet
man Kammem und Vorkammern mit fltissigem Blut gefuUt und
nirgends auch nur eine Spur von Gerinnseln. Jetzt zeigt sich ein
merkwurdiger Unterschied zwischen den zwei Ventrikeln: die linke
Kammerwand scheint praktisch normal zu sein, was Konsistenz
betrifft, aber die rechte Kammerwand fQhlt sich steifer und weniger
nachgiebig an als normal ; wird die Konsistenz mit dem Fingernagel
gepriift, so ergibt sich, daB die cndokardialeFlache der rechten Kammer
dem Nagel einen Widerstand entgegensetzt, der in ausgesprochenen
Fallen an Bindegewebe erinnert. Diese VerSndemng ist speziell in
den Muskeltrabekeln nahe der Aurikuloventrikulargrenzc ausge-
pragt. In der linken Kammer hingegen sinkt der Fingemagel leicht
in die Muskelmasse und ein sanfter Druck geniigt, um Muskelgewebe
abzuschaben; nur die Papillarmuskelansatze zeigen eine Resistenz,
^) Auer, Joum. of Exper. Med., 1911, XIV, p. 482, 485.
*) Siehe Auer loc. cit. fQr eine nfthere Beschr^ibung der Sym-
ptome und. f Or Kurvenbelege. Eine vorl&ufige Mitteilung erachlen dieses
Zentralblatt, 1911, XXIV, S. 957.
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die jedoch nicht so ausgesprochen ist wie die der rechien Kammer-
wand. Die mikroskopische Untersuchung von anaphylaktischen
Herzen fOrderte keine markanie Differenzen zwisch^i den beiden
Kammem zutage.
Eine so ausgesprochene Resistenz wird nicht in normalen
Kaninchenherzen gefunden, obwohl hie und da die Muskeltrabekehi
des rechien Ventrikels Andeutungen davon ^igen.