Dieselbe Verdnderung von denselben Abschnitten des Herzens
wird auch durch letale Gaben von Digitalis, Strophantin^} und anderen
Giften erzielt.
Da die oben beschriebene grobanatomische Verdnderung an-
scheinend haupts&chlich in einem Teile des muskuldren Reizleit-
systems, in den Muskeltrabekehi der rechten Herzkammer und den
Papillarmuskehi der linken Kammer, lokalisiert ist, schien es wahr-
scheinUch, daB das Herz Koordinationsstdnmgen zeigen miiBte.
Nahere Untersuchung der Kurven, speziell der intrathorakalen
Druckschwankungen w§hrend eines anaphylaktischen Anfalles, be-
wies die Richtigkeit dieser Annahme*). Koordinationstdningen
wurden auch bei der direkten Inspektion des anaphylaktischen
Herzens bemerkt (Spaltung des Brustkorbes und kQnsUiche
Atmung).
Solche Rhythmusstorungen sind aber nicht nur in t6dlichen
Fallen von Anaphylaxie beim Kaninchen zu beo bach ten. In ver-
schiedenen Versuchen, wo das Tier erst nach Stunden oder gar nicht
einging, kamen plOtzlich einsetzende, temporSire Rhythmus-
st5rungen zum Vorschein. Als Beleg fahre ich zwei Kurvenabschnitie
an (Fig. 1 und 2). Die obere Reihe in jeder Kurve verzeichnet die
Druckschwankungen in der linken Thoraxhalfte (M eltzersche Ka-
nOle und Tambour^); ErhOhung des negativen Drucks = Inspiration =
Abstieg des Rebels; die mittlere Reihe schreibt den Blutdruck
(HOrthles Federmanometer) ; die gerade Linie ist die Blutdruck-
abszisse; die Zeitintervalle betragen vier Sekunden.
Zahlt man nun die Zacken und Zackchen, die an iler Respirations-
kurve von Fig. 1 bemerkbar sind, so findet man sie viermal so zahl-
reich als die Kammerkontraktionen, die das Federmanometer auf-
schreibt. So z. B. sieht man in einem 12 Sekunden-Intcrvall, daB die
bhorakalen Volumschwankungen etwas uber 60 2^cken aufweisen,
wahrend der linke Ventrikel in derselben Zeit sich nur 15mal zu-
*) Auer, Proc. of the Americ. Physiol. Soc, 1911. Americ. Joum.
of Physiol., 1912, XXIX, S. 16.
2) Auer, Joum. of Exper. Med., 1911, XIV. Taf. 44, S. 496.
Nach einem tonisch-klonischen Krampf anfall sisUerte die Atmung und
der Mareytambour verzeichnete nur die Volumschwankungen des
Herzens; an diesem Kurventeil bemerkt man 3 — 4 kleine Zacken,
wahrscheinlich Vorkammer, und dann eine grOBere Zacke, eine Kammer-
kontraktion, da sie auch das HUrthlesche Manometer (Garotis) auf-
schrieb; Vorkammer und Kammer schlugen also im 3. — 4. : 1 Rhythmus.
^) Nach EinfQhrung der KanQle wurde der negative Drack wieder
hergestellt.
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— 3 —
sammenzieht, wie aus der Blutdruckkurve ersichtlich ist. Da die
Zacken der Volumkurve Kammer- und Vorkammervolumschwankun-
gen verzcichnen, sind also niir 45 Zacken auf Vorhofs-
kontraktionen zurQckfahrbar. Unter der Annahme) daB es sich nur
um KoordinationsstOrungen zwischen Vorkammem und Kammern'
handeit*), zeigt Fig. 1 drei Vorhofszuckungen far jede einzelne
Venirikelkontrakiion.
Fig. 2 reprfisentiert einen Teil der Kurve fOnf Minuten nach
Fig. 1. Die Aimung ist stark verlangsamt und wahrend der Ex-
spirationspause kommen die Volumschwankungen des Herzens be-
sonders schdn zum Ausdruck. Die groBen Schwankungen der Volum-
kurve in der Atmungspause sind numerisch so zahlreich wie die
Pulsdruckzacken des Federmanometers und kOnnen deshalb als
Ventrikelpulsationen angesprochen werden. Nun bemerkt man aber
bei n^herer Untersuchung dieser groBeren Volumoszillationen, daB
jede zwei kleinere Zacken aufweist; eine entffillt auf das Ende der
Kammersystole (Hebelabstieg) und die andere auf das Ende der
Kammerdiastole (Hebelaufstieg). Hier kann die Sachlage so gedeutet
werden, daB je zwei Vorhofkontraktionen auf jede Kammerzuckung
entfallen: also ein 2:1. Rhythmus.
Zwei Minuten nach Aufzeichnung von Fig. 2 lieBen sich keine
Storungen der Herzkoordination auffinden ; die Volumkurve zeigte
nur 2raal so viele Zacken wie die Blutdruckkurve: filr jede ven-
trikulare Kontraktion war jetzt nur eine Vorhofkontraktion vor-
handen.
Eine Stunde nach Injektion des Pferdeserums schien das
Tier in gutem Zustande zu sein: der Blutdruck war 98 mm;
Respiration 150; rektale Temperatur 39" P. DreiBig Minuten
spl^ter verendete das Tier aber pldtzlich infolge von Herzstillstand.
Der Autopsiebefund des Herzens war typisch und wie oben
beschrieben.
Diese Koordinationst6rungen des Herzens beim Kaninchen
kOnnen nicht durch eine Asphyxie erklSrt werden, wie z. B. bei der
akut Ukllichen Meerschwcinchenanaphylaxie^), denn der Herzschlag,
Blutdruck und die Respiration sind ausgiebig genug, um wenigstens
das Zustandekommen einer allgemeinen Asphyxie zu verhindem ;
natOrlich ist es aber m6glich, daB die Zirkulation im Herzen selber
EinflQsdeerleidetund eine lokale Asphyxie erzeugt, die sich dann durch
einen Herzblock bemerkbar macht. Es ist jedoch wahrscheinlicher,
daB die Rhythmusstdrungen in der Anaphylaxie, wenigstens beim
Kaninchen, durch jene oben beschriebenen anatomischen Ver-
ftnderungen im Herzmuskel hervorgenifen werden.
*) Ich bin mir wohl bewuflt, dafl die oben angefOhrten Tatsachen
aiteh anders ausffelegt werden kOnnen, aber mir Ist keine Erkldrung
bekannt, die nicht auf KoordinationsstOrungen fuBt. und auf den
Beweis dieses Fak turns kommt es mir hier hauptadchlich an.
*) Auer and Lewis, Journ. of Exper. Med., 1910, XII, S. 171
und Fig. 5 auf Taf. IX.
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— 4 —
Anhangsweise sei noch erwShnt, daB eine StSrung der Herz-
koordination (Herzblock) nacb DigitalisprSparaten (Cushny,
Wenckebach, Mackenzie u. a.) vielleicht durch dieselbe Ursache
hervorgebracht wird wie bei der Anaphylaxie, da, wie oben schon
Fig. 1.
erwahnt, diese Drogen beim Kaninchen qualitativ ahnliche Herz-
verftnderungen hervornifen wie die Anaphylaxie.
Zusammenfassung. Die todliche und nichttodhche Serum-
anaphylaxie beim Kaninchen kann temporare Storungen der Herz-
koordinaiion hervorrufen.
In tadlichen Fallen von Anaphylaxie zeigt der Herzmiiskel
des Kaninchens Verlust von Irritabilitat, KontraktiliUt und die
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— 5 —
Muskeltrakebein der rechten Kammer sind in ausgesprochenen Fallen
zah und wie gegerbt. Died^lben Veranderungen werden nach letaler
Vergiftung mit DigitalisprSiparaten und anderen Giften' erzielt.
Fig. 2.
Diese anatomischen Veranderungen, in weniger ausgesprochenem
Grade, durften cine Ursache fiir die KoordinationssUJrungen in
nichtletalen Fallen von Anaphylaxie und Digitalisvergiftungen
beim Kaninchen sein.
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Zur Photometrle des Blutflirb8tofre8.
Von
£• S. Bntterfleld.
(Ant dem Rockef eller-InBtitoie, New York.)
(Oer Redakiion zngegangen am IS. Jani 1912.)
Die Anwendung des Spektropbotometers zur Ermittelung
der KoDzentration eines farbigen Korpers bat bekanntlicb beim
Arbeiten mil dem Bluifarbstoff den grofien Vorteil, dafi man
die Bestimmung der Hfimoglobinkonzentration ebenso gut mit
laekfarbenem Blut als mit reinen H&moglobinldsungen vor-
nehmen kann, naebdem die erforderliche Konstante der Licbt-
absorption des reinen Korpers bekannt ist. Bisber wurde so
verfabren, dafi aus der Licbtabsorption einer ca. lOOfacb ver-
dOnnten LSsung auf die Konzentration der konzentrierten Losung
gescblossen wurde. Dabei mufite die Gfiltigkeit des Beerscben
Gesetzes fur grofie Konzentrationsintervalle vorausgesetzt werden.
Dies wQrde notwendigerweise eine weitere Annabme in sieb
scbliefien, nfimlicb die, dafi bei der Verdunnung des Blut-
farbstoffs weder konstitutive Inderung nocb Dissoziationsyor-
gfinge, welcbe die Licbtverteilung im Spektrura Sndem wQrden,
auftreten. Nun ist gerade in den letzten Jabren die Gultigkeit
des Beerscben Gesetzes einerseits angezweifelt worden, und
anderseits glaubt Manebot^) annebmen zu mussen, dafi im
unverdunnten Blut bei normalem Luftdruck betrScbtlicbe Mengen
ungesSttigten Hgmoglobins neben Oxyb&moglobin entbalten seien.
Die Feststellung der Grenzen, innerbalb deren das Beerscbe
Gesetz gultig ist, wurde von praktiscber Bedeutung fur die
Hfimoglobinbestimmung sein. Besonders mufite dabei auf die
>) Ann. d. Chem., Bd. 870, S. 280 (1909).
31*
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440 E. E. Batterfield,
Lichtabsorption konzentrierter Losungen geachtet werden; denn
es wfire wunschenswert, bei kunftigen Dissoziationsstudien die
spektrophotometrischen Messungen direkt an den dazu ver-
wendeten, meist konzentrierten Losungen vorzunehmen. Femer
wiirde man Aufschliisse iiber die eventuelle Verschiebung
des Verhaltnbses Hamoglobin zu Oxyhgmoglobin erhalten, die
bei der Verdunnung des Blutes unter gleichbleibendem Sauer-
stoffdruck auftritt.
leh babe es daher untemommen, die Lichtabsorption des
Blutfarbstoffs innerhalb sehr weiter Konzentrationsgrenzen zu
untersuehen. Es hat sich ohne weiteres herausgestellt, dafi das
Beersche Gesetz innerhalb der untersuchten Grenzen streng
gultig ist. Dieses Ergebnis besagt, dafi Anderungen des Ver-
haltnisses Hamoglobin zu Oxyhamoglobin ausgeschlossen sind.
Neuerdings haben Heubner und Rosenberg^) mittels einer
sinnreichen photographisch-photometrischen Methode die Licht-
verteilung im Spektrum des 10-, 60- und 220fach verdQnnten
Kaninchenblutes untersucht. Sie konnten dabei «ein Argument
fOr die Richtigkeit der Ansicht Manchots nicht gewinnen>.
In der Arbeit Manchots waren jedoch die Unterschiede in
der Sauerstoffbindung am ausgepragtesten zwischen dem un^er-
ddnnten und dem lOfach verdiinnten Blut. Um die Ergebnisse
der spektrophotometrischen Messungen mit denen der gas-
analytischen Methoden zu vergleichen, miifite man noch die
Messungen der Lichtabsorption an derselben Konzentrations-
reihe wie Manchot vomehmen.
Ich m5chte bei dieser Gelegenheit zu der Arbeit von Heubner
and Rosenberg bemerken, dafi iiberall dort, wo unsere Beobachtungen
zusammenfallen, die erfreulichste Obereinstimmong zu konstatieren ist
Besonders gilt dies fiir ihre Werte ftir r— ^^ ,, . In einer frOheren
* € min. Gelb
Untersuchnng') babe ich eine ErkULmng daflir gegeben, warum der
Quotient — von Hiifner keine absolute Konstante sein konnte. Der Wert
des Quotienten n&mlich ist bei den bisherigen Versuchen von der Reinbeit
des Spektrums, von der Breite des berausgeschnittenen Spektralgebietes,
') Biochem. Zeitschrift, Bd. 38, S. 845 (1912).
*) Diese Zeitschrift, Bd. 62, S. 198—204 (1909).
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Zur Photometrie des Blutfarbstoffes. 441
sowie auch von wohl unvenneidlichen Fehlem in der Konstruktion des
Apparates abhftngig. Der Quotient wird erst dann einen konstanten Wert
annehmen, wenn die Absorption bei einer einzelnen Wellenlttnge mit
feblerfreiem Apparat gemessen wird. Da nun der Quotient — das Ver-
bUltnis der durchschnittlichen Absorption im Bereich eines Maximums zu
der eines Minimums darstellt, so ist es ohne weiteres klar, dafi der h5chste
Zahlenwert des Verbftltnisses erreicbt wird, wenn genau bei der Wellen-
l&nge des Maximums, sowie genau bei der des Minimums gemessen wird.
Desbalb babe ich fniber mit dem Apparat von Martens und GrQnbaum
die Lage des Maximums und des Minimums pbotometriscb bedtimmt und
das Verhaitnis r-^^ „ bei mdglichst kleinen KoUimator- und Okular-
€ mm. Gelb **
spaltbreiten gemessen. Bei RinderhUmoglobin und Menschenblut erhielt
ich den Wert 1,67. *) Nun haben Heubner und Rosenberg den gleichen
Wert far r— ^^ ,, auf photographischem Weg erhalten.
€ mm. Gelb r © i- «>
Bel der vorliegenden Untersuchung warden die Messungen
mit dem Apparat von Konig, Martens und Grunbaum an
Losungen von OxyhUmoglobin, sowie auch an lackfarbenem
Blut bei Zimmertemperatur gemacht. Als Beleuchtungsquelle
diente meist die Cooper-Hewittsche Quecksilberlampe, seltener
die Na-Flamme. Kleine Schichtdicken wurden dadurch erreicbt,
dafi man diinne Metallringe (0,018 cm bis 0,117 cm) zwischen
die planparallelen Glasplatten brachte und das Ganze in der
Fassung des 2 cm langen Absorptionsrohres fest einschraubte.
Die Reflexionen wurden mit einer gleich dicken Schicht Wasser
zwischen Glasplatten kompensiert.
Es darf nicht verschwiegen werden, dafi die Justierung des Appa-
rates besonders wegen der Beleuchtungsvorrichtung ungemeine Sorgfalt
erfordert. Bei den kaum zu vermeidenden Fehlem wird, obwohl alle
VorsichtsmalSregeln, wie KontroUierung des Strahlenganges, Eliminierung
von Asymmetrien, Kompensation der Reflexionen usw., getroffen wurden,
kein Anspruch auf absolute Zahlen erhoben. Es gentigt vielmehr fUr den
Zweck dieser Arbeit, dafi die ExtinktionskoefiQzienten verschieden kon-
zentrierter LQsungen desselben Prftparates unter sich vergleichbar sind.
Deshalb wurde bei einem gegebenen Blut- oder HftmoglobinprHparat die
Reihe von Messungen bei unver&nderter Justierung des Apparates, der
*) Butterfield, 1. c, S. 201.
*) Heubner und Rosenberg, 1. c, S. 375.
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442
E. E. Butterfield,
Beleuchtungsvorrichtung und Lichtquelle vorgenommen und ohne Unter-
brechong durchgefCkhrt.
Die Bezeichnungsweise ist die ubliche.^) a, = Stellung
des Nicols bei gleicher Helligkeit der Felder, aJ}sorbierende
Losang rechts, Wasser links; a^ = Ablesung nach Vertausch
der AbsorptioDsrohre. c = Konzentration (meist relativ aus-
gedruckt), d = Schichtdicke, € = ExtinktionskoefSzient.
Tabelle I.
Oxyhftmoglobin vom Rind.
Konzentration der Stammldsong =» 9,96 g in 100 com Wasser.
Beleuchtung mit Na-Flamme.
Wellen-
Konzentration
Schicht-
•
Extinktions-
l&nge
relativ
dicke
<h
«!
koeffizient
MJA
c
cm
Grad
Grad
€
689
1
0,04f9
9,17
66,18
23,0
689
7*0
2,00
9,13
66,60
22,7
689
Vso
2,00
16,71
47,99
22,7
Tabelle II.
L5snng gewaschener Blutk5rperchen vom Schaf.
StammlQsung = 1 Volumenteil Blntk5rperchenmasse -f- 1 V* Volumenteile
Wasser. Beleuchtung: Hg-Lampe.
Wellen-
Konzentration
Schicht-
Extinktions-
l&nge
relativ
dicke
a«
«t
koeffizient
^JA
c
cm
Grad
Grad
€
646
1
0,047
4,82
84,08
43,8
646
V40
2,00
4,20
84,96
43,8
677\
679/
1
0,047
3,74
86,72
49,2
677\
679/
«Ao
2,00
3,30
86,28
48,6
v«.
€546
1,12
1,11
>) Martens u. Granbaum, Ann. d. Physik, 4. Folge, Bd. 12, S. 984.
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Zur Photometrie des Blutfarbstoffes. 443
Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, dafi das Beersche
Gesetz innerhalb des untersuchten Konzentrationsgebietes auch
bei verschiedenen WellenlSngen streng gultig ist. Es ist ohne
weiteres klar, daS der Quotient irgend eines Paares dieser
ExtinktioDskoefSzienten bei den untersuchten Konzentrationen
konstant ist; wahrscheinlich ist dies der Fall bei alien zwischen-
liegenden Konzentrationen. Die untersuchten Konzentrationen
entsprechen einem OxyhSmoglobingehalt von ca. ^/i — Vso bezw.
Vi6o des nativen Blutes.^) Mit Rucksicht auf die Arbeit von
Manchot mufite besonders auf die Konzentrationen im Bereiche
einer lOfachenVerdiinnung des nativen Blutes geachtet werden,
eine Konzentration, die bei den oben angefuhrten Messungen
iibersprungen wurde. Bei lOfacher Verdunnung tritt nfimlich
nach Manchot ein Maximum der Sauerstoffbindung des Blutes
auf. Die Zunahme des gebundenen Sauerstoffs ist bei dem
lOfach verdunnten Blut (bei 0® und Atmospharendruck) ca. 60®/o
des Anfangwertes des unverdunnten Blutes. Bei 36,5 <> geht
die Zunahme auf 20®/o zuriick. Wenn dieses Ph&nomen tat-
sfichlich von betr&chtlichen Mengen ungebundenen Hfimoglobins
neben Oxyhamoglobin im nativen Blut herr&hrt, so miifite
man die Menge des noch ungebundenen Hfimoglobins mit dem
Spektrophotometer bestimmen konnen; denn die Lichtverteilung
im Spektrum der beiden Farbstoffe ist hinreichend verschieden,
um die Feststellung der prozentischen Zusammensetzung eines
Gemisches durch photometrische Messungen bei passend ge-
wShlten WellenlSngen zu ermoglichen. Der Quotient -*''' •'•
<) Es wurden bis jetzt keine Messungen bei einer Konzentration,
welche mit dem H&moglobingehalt des unverdiinnten Blutes gleich wftre,
vorgenommen, obwohl dies keine Schwierigkeiten macht. Es gelingt sehr
leicht, auf folgende Weise klare konzentrierte L5sungen, welche mit Dunkel-
feldbeleuchtnng optisch leer sind, herzustellen. Man versetzt 1 Volumen-
teil gewaschener Blutk5rperchen mit 1 Volumenteil destillierten Wassers,
kfihlt auf 0^ ab und srMttelt mit Ather aus. Nach einiger Zeit setzt
sich eine klare wftsserige L5sung von Oxyhftmoglobin ab. Der Ather
kann von der wftsserigen L5sung durch einen Strom gewaschener Luft
entfemt werden. Nach diesem Verfahren ist es m5glich, klare Ldsungen
zu gewinnen, welche oft 20 g Ozyhftmoglobin in 100 ccm enthalten.
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444
E. E. Butterfield,
ist beispielsweise 0,776 far sauerstofiffreies Hamoglobin vom
Hunde, w&hrend dasselbe Hamoglobin mil Sauerstoff gesattigt
einen Quotient-'
677, 579
von 1,10 aufweist. Der Quotient von
Gemischen der beiden Farbstoffe hat bekanntlich dazwischen
liegende Werte.
Es seien zunachst die Messungen bei einer ziemlich voll-
stfindigen Verdiinnungsreihe wiedergegeben.
Tabelle III.
Hundeblat
Verdflnnnngsmittel: Wasser. Beleuchtungsquelle: Hg-Lampe.
Verdttnnung
Schichtdicke
cm
^646
2,0
0,018
1,10
2,6
0,018
1,10
3,75
0,033
1,10
5,0
0,058
1,10
7,5
0,072
1,10
10,0
0,094
1,10
12,5
0,094
1,10
15,0
0,117
1,10
200,0
2,00
1,10
Mit krystallisiertem Oxyh&moglobin aus Hundeblut erhielt
ich gleiche Resultate.
Schliefilich seien einige Bestimmungen an Kaninchenblut
angefuhrt. Der Wert des Quotienten -*^^' ^''^ fiir sauerslofiffreies
^546
Hfimoglobin war bei diesem Blut 0,780.
Tabelle IV.
Kaninchenblai.
Verdflnnungsmittel: Wasser. Beleuchtungsquelle: Hg-Lampe.
Verdttnnnng
Schichtdicke
cm
10,0
12,6
16,0
200,0
0,072
0,094
0,117
2,00
1,12
1,12
1,12
1,13
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Znr Photometrie des Blutfarbstoffes. 445
Es konnten noch andere Bestimmungen an Losungen von
Rinderblut, sowie an Blut oder Oxyhfimoglobin des Pferdes
angefiihrt werden. Ich glaube jedoch, dafi das Resultat der
schon angefuhrten Bestimmungen zur Genuge eindeutig und
hinreichend allgemein giiltig ist, mn theoretische EinwSnde
gegen die spektrophotometrische Hamoglobinbestimmmig zu
widerlegen. Die Unver&nderlichkeit des Spektrums des Oxy-
hemoglobins bei der Yerdunnmig mit Wasser, welches mit
Luft bei Atmospharendruck gesattigt ist, schliefit eine Ver-
schiebung des Verhfiltnisses 7^7^^ — r^ — r-r^ miter diesen Ver-
^ C-Oxyhamoglobm
suchsbedingungen aus. Dies war wohl nach dem Massenwirkmigs-
gesetz unter Annahme einer einfachen Beziehung, wie 1 Mol.
Hamoglobin + n Mol. Sauerstoff = 1 Mol. Oxyhamoglobin,
vorauszusagen. Es muBte allerdings noch die weitere Annahme
gemacht werden, daB die Loslichkeit des Sauerstoffs durch die
Konzentration des Blutfarbstoffs nicht wesentlich geandert wird.
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Sonderabdruck aus d. Biochemisohen Zeitschrif 1 43. Bd., S. 1 81.
Cber die Hemmang der Giftwirkung von NaJ, NaNO,,
NaCNS and anderen Xatriamsalzen.
Von
Jacques Loeb.
(Aus dem Rockefeller Institute, New York.)
( Eingegangen am 6. Juni 1912.)
I.
In friiheren Arbeiten hatte ich die Frage aufgeworfen,
wie es komme, daB eine Mischung von NaCl -j- KCl -|- CaCl^
in dem Verhaltnis. in dem diese Salze im Seewasser enthalten
fiind, am besten fiir die Erhaltung des Lebens der Zelle ist.
und war zu dem SchluB gekommen, daB die Bedeutung dieser
Sake darauf beruht, daB dieselben der Oberflachenlamelle der
Zelle oder des Tieres den Grad der Dauerhaftigkeit und Un-
dnrchgangigkeit verleihen, der fiir die Erhaltung des Lebens
notig sei*). Diese Annahme erklart den Umstand, daB eine
reine NaCl-Losung. sobald ihre Konzentration eine gewisse
Grenze iibersteigt, giftig ist, wahrend dieselbe dureh Zusatze
von CaClj und KCl im richtigen Verhaltnis harmlos wird. Die
reine NaCl-Losung verandert die Oberflachenlamelle der Zellen,
dringt infolgedessen in die Zellen (resp. das Tiler) und schadigt
dieselben; wahiend der Zusatz von CaCl, und KCl die Ober-
flachenlamelle fiir NaCl relativ undurchgangig macht. Ich
konnte femer zeigen, daB eine reine KCl-Losung von der Kon-
zentration, in der dieses Salz im Seewasser vorhanden ist, die
marinen Fische Fundulus rasch totet, wahrend der Zusatz von
NaCl oder CaCl,, oder von beiden, in bestimmtem Verhaltnis,
die Tiere am Leben erhalt*). Die Erklarung war wieder die
1) Arch. f. (1. ges. Physiol. 107, 252, 1905; Science 84, 653, 1911;
diese Zeitschr. 36, 277, 1911.
«) Diese Zeitschr. 81, 450, 1911.
Biochemische Zeltschrift Band 48. 1 8
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182 J- Loeb:
dafi eine reine KCl-Losung leicht in die Tiere dififundiert und
die Nerven und Muskeln vergiftet; wahrend der Zusatz von
NaCl Oder CaClg? ^®r ^^^ beiden, die Diffusion von KCl in
das Tier verhindert. Es waren noeh eine Reihe von anderen
Beweisen gegeben word en, fiir die der Leser auf die betreffende
Abhandlung ver^^aesen sei.
Wenn die Annahme richtig ist, dafi die drei Sake NaCl
-|- KCl -f- CaClg in dem Verhaltnis, in dem sie im Seewasser
enthalten sind, die Durchgangigkeit der Fische fiir Salze zu
einem Minimum machen, so sollte man erwarten, daB artfremde
Salze und lonen in einer solehen Mischung weniger rasch in
die Fische diffundieren als in irgendeiner anderen Kombination
von Salzen. Indirekt laBt sich diese Annahme dadurch priifen,
daB man versucht, ob die Fische in einer Mischung von NaCl
-f- KCl -f- ^aCLj eine hohere Konzentration eines artfremden
oder schadlichen Salzes ertragen konnen als in irgendeiner
anderen Kombination von Salzen. Die Resultate solcher Ver-
suche sollen im folgenden mitgefceilt werden.
Zur Methode der Versuche sei folgendes bemerkt. Fundulus
ist in weiten Grenzen unabhangig vom osmotischen Druck der
umgebenden Losung. Die Fische leben beliebig lange in einer
"*/g-Losung von NaCl -j- KCl -\- CaCl^ in dem Verhaltnis, in dem
diese Salze im Seewasser vorhanden sind, oder in einer â„¢/g-
Losung von NaCl, oder in einer Losung von 5 ccm "/^-NaCl
in 100 ccm H^O, oder in einer Losung von 2,2 ccm â„¢/j-KCl
-f- 1,5 ccm ""/g-CaClg in 100 ccm H^O. Es wurden nun Losungen
artfremder Salze, z. B. NaJ oder NaCNS oder NaNO, und
andere hergestellt, und zwar in destilliertem Wasser mit und
ohne Zusatz anderer Salze. Es wurde dann ermittelt, in welchen
Losungen die Fische die hochste Konzentration des giftigen
Salzes ertragen konnten. Es stellte sich nun heraus, daB
in alien Fallen die Fische in einer â„¢/g-L6sung von NaCl -[-
KCl-f-CaClg (im Verhaltnis, in dem diese Salze im Seewasser
enthalten sind) eine hohere Konzentration des giftigen Salzes
ertragen als in irgendeiner anderen Losung. Die Losungen,
die auf ihre gifthemmende Wirkung verglichen wurden, waren
solche, in denen die Fische ohne den Zusatz der artfremden
Salze beliebig lange am Leben bleiben.
Ehe die Fische in die Losung gebracht wurden, wurden
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Hemmung d Giftwirkg.von NaJ, NaNO,. NaCNS u.and.XatriumsalEen. 183
sie vorher zweimal in SiiBwasser und einmal in destilliertem
Wasser gewaschen. Es wurden immer sechs Fische in je
600 ccm einer Losung gebracht und jeden Tag die Zahl der
uberlebenden Fische festgestellt.
a) Ent|;iftnog von NaBr.
Tabelle I gibt die Resultate einer Versuchsreihe iiber die
Entgiftung von XaBr. Hierbei kommt es nicht allein auf die
Zahl der iiberlebenden Tiere an, sondem auf die Zahl der von
der Giftwirkung des Broms frei gebliebenen Tiere. Diese Gift-
wirkung macht sich dadurch bemerkbar, dafi die Tiere auf der
Seite liegen oder sehwimmen und auf die geringsbe Erschiitte-
rung des GefaBes wild aufspringen. Um nun die kranken von
den unversehrten Tieren in der Tabelle zu unterscheiden, stellen
wir die Zahl der iiberlebenden Tiere als eine Summe dar, wobei
der erste Summand die unversehrten Tiere angibt, der zweite
die Zahl der Tiere, die Vergiftungssymptome zeigen; so be-
Tabelle I.
Zahl der nach 10 Tagen uberlebenden Fische in
8
2 I 4 i 8 I 16 .
ccm "/j-NaBr in 100 ccm H2O
I 0+3 I 0+3 I I 0+4 I
I 2 I 4 I 8 I 16 I
ccm "/j-NaBr + 2,2 ccm »/g-KCl + 1,5 ccm "/a-CaClj
in 100 ccm HgO
I 6 I 6 I 5+1 I 1+4 i
2 I 4 I 8 I 16 .
»/g-NaBr + 5 ccm "/g-NaCl in 100 ccm HgO
6 I 5 I 4 i 0+6 ,
, 2 I 4 i 8 : 16 i
ccm "/g-NaBr + 2,2 ccm "/^-KBr + 1,5 ccm "/a-CaBrj
in 100 ccm HgO
I 2 I 4 i 8 : 16 i
'2
j 1 + 1 I 3 + 2 I + 2 I + 1