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Georg Cohn.

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befindliche Praparat heifit Hyrgol. Es
bildet schwarze, porttse Stticke (Metall-
gehalt 73 bis 80 v. H.) and lost sich
in Wasser zu einer dunklen schwarz
fluoreszierenden LOsung, welche aber
(Htihnel, Pharm. Ztg. 43, 868; Bardel,

100, 101) et-
Zinn enthalt



les nouv. remedes 1904,
was Zitronensaure und



and beim Stehen einen Schlamm von
feinst vei teiltem Metall absetzt, so daB
sich der Gehalt der Losung fort wahrend
andert. Durch Zusatz yon arabischem
Gummi kann man das Praparat bestan-
dig machen. Das physiologische Ver-
halten des Hyrgols wurde yon 0. Astol-
foni (II Policlinico 1907, 209) und Foa
und AggaKxotti (Biochem. Ztschr. 19, 33,
40) untersucht. Sie fan den, da 15 die
totliche Gabe, eingegeben oder als Haut-
einspritzung, bei Eaninchen und Meer-
schweinchen yiel geringer als die anderer
Quecksilberyerbindungen ist. Eine ge-
niigende Gabe (intraveno's) erzeugt zu-
na'chst betrachtlicheErhohung der KOrper-
wa'rme, dann Sinken der KOrperwarme,
Coma und Tod. Letzterer erfolgt durch
Enteritis nnd ha'morrbagische Nephritis.
Hunde, denen man die Verbindung ein-
gegeben, entgehen durch Erbrechen der
Vergiftung, wahrend Eaninchen, die
nicht erbrechen kOnnen, ihr erliegen.
Hyrgol wirkt unmittelbar auf den Blut-
druck. Unter die Haut gespritzt, wird
es nicht aufgesaugt, sondern im Unter-
bindehautgewebe abgelagert. Die Aus-
scheidung des Metalls erfolgt besonders



darch den Kot, wenig durch den

In 6 bis 18 Tagen ist der KOrper qick-

silberfrei.

Behafs Darstellung yon Salben
das Praparat erst mit Wasser anprie-
ben werden.

AeuBerlich wird Hyrgol in Form er
wasserigen Anreibung, ferner alg Be
nnd Pflaster zur Behandlnng der Syjpi
benutzt, innerlich in Form yon AD,
wenn fein verteiltes Metall gewii m
wird. Nach 0. Werler (Berl/K.
Wochenschr. 1898, 937; Derm. Z*r.
1899, 6, Heft 3) ist die Wirkung r|de,
das Praparat genau abmeBbar tnd
schnell aufsaugbar. Die Salbe trkt
sicher. Niemals beobachtet man uu-
reiznngund Quecksilber-Ausschlag, ucn
A. Schlopmann (Therap. Monatsh. ;9^,
2&Q),Woihechowski, Friedmann (M
Ber. f. 1900, S. 118) u. a. empfden
das Heilmittel, namentlich auch i ler-
lich (2 bis 4 Pillen su 0,05 g i 54
Stunden). Weniger gunstige Ei>lge
beobachteten Hopf (Derm. Ztech 5,
775), Werther (Monatsh. f. prakt. I rm.
27, 624) und Falk (Dtsch. Med.Wo len-
schrift 1899, 57).

Eine sehr eigenartige kolloidaleQ iek-
silberlttsnng wird in einem ne ren
Patent (Igna% Weinmayer, Berlin, RP.
217724, Kl. 12 n, 14. Juni 1908 be-
schrieben. Wenn man reinstes
unter Wasser, das 1 v. T. Nat am-
hydrat enthalt, elektrisch zerstaul so
erhalt man ein rotes Goldsol. I >>ses
wird nach starker Verdunnung mit ner
sehr verdimnten Sublimatldsung ind
etwas Wasserstoffperoxyd versetzt. Ian
erhalt eine wasserklare Fliissi; eit.
welche die Besonderheit hat, Wner-
stoffperoxyd kraftig katalytiseh zu^er-
setzeu. Sie sollte als Hauteinspri ing
zur Anwendung gelangen, doch hat lan
von therapeutischer Verwendung och
nichts gehOrt.

Mohn- and LeinOl kann man llo-
idales Metall einverleiben, wenn aan
sie mit Quecksilbersalzen z. B. Sub nat
erhitzt (Anton Dering, Mannheim, iP.
239681, Kl. 30 n, 12. Februar 11!
Durch die Behandlung wird ein Teil
der Quecksilbersalze vollig red iert



124



and das abgeschiedene Metall gelOst.
Man nimmt das schwarzbrann gefSrbte
Oel mit Aether auf, wascht die Salze
aus and verjagt nach dem Trocknen
das LBsungsmittel. Aaf 100 g Oel
wendet man 5 g Sublimat an. An-
wendang bei Laes.

Merkurkolloid 1st eine weiche
Salbe yon schwarzgrauer Farbe and
aromatischem Geruch. Ibr Gehalt an
kolloidalem Metall betiagt 10 v. H. Sie
soil die graue Salbe ersetzen.

Mit Hilfe yon EiweiBkflrpern and
ihren Spaltprpdukten gelingt es leicht,
Quecksilber in kolloidaler Form zu
bringen (C. Amberger, Ztschr. f. Chem.
u. Ind. d. Kolloide 8, 88 ; C. Paal, Ber,
d. Dtsch. Chem. Ges. 35, 2220). Wenn
man Merkuromtrat mit Prot- oder
Lysalbinsaure in alkalischer Lflsung
zasammenbringt and diese dann mit
Hydrazinhydrat oder Hydroxylamin be-
handelt, so erhalt man das fllissige
Hydrosol als blaugraue, im aaffallenden
Licht undurchsichtige, im durchfallen-
den Licht klare, rotbraune Flussigkeit.
Schon wahrend der Dialyse neigt die
LOsung zar Farbenveranderung and
zum Absetzen. Eindampfen 1st unmOg-
lich. In fester Form erhalt man das
Metall darch Fallung mit Essigsaure.
Der Niederschlag besteht aus den Ad-
sorptionsyerbindangen des Qaecksilbers
mit Prot- bezw. Lysalbinsaure and kann
durch zweckentsprechendes Reiniguugs-
yerfahren bis auf einen Quecksilber-
gehalt von 82,6 v. H. gebracht werden.
Ein derartig hochwertiges Erzengnis ist
aber wesentlich unbesta'ndiger als min-
der gehaltreiche Pra'parate. Zu geeig-
neteren Produkten gelangt man, wenn
man die Quecksilberlflsungen des Pa-
tentes 185 599 (siehe spater) bei Gegen-
wart yon Alkalikarbonat darch blofles
Erw&rmen oder in der Kal te darch Kalium-
nitrit, nnterphosphorigsaures Natrium
usw. verringert (M.K.Eoffmann, Leipzig,
DRP. 185600, Kl. 12 p, 20. Mai 1905).
So wird z. B. eine Quecksilberoxydul-
Iflsung 0,5:100, die etwa 1 v. H. Ei-
weiB enthalt, nach etwaiger Dialyse
schwach alkalisch gemacht and im
Vakuum gelinde kurzere Zeit auf dem



Wasserbade erhitzt. Darch Eindampfen
im Vakuum gelangt man zu einer Los-
ung etwa 1:100 (mit 2 v. H. EiweiB),
die im auffallenden Licht giauschwarz
bis schwarz, im darchfallenden Licht
dunkelbraun erscheiht and nOti gen falls
durch Filtration and Dialyse gereinigt
werden muB. Noch zweckma'Biger
scheint die Reduktion mit anterphos-
phorigsaarem Natrium zu sein. Doch
ist in diesem Falle Dialysieren nicht zu
umgehen. Die erhaltenen LOsnngen
kftnnen unmittelbar als Haateinspritz-
ung angewendet werden. In fester
Form gewinnt man die Substanz darch
Ebdampfen oder Fallung mit Aceton,
Alkohol usw. in schwarzen Lamellen,
die bis 50 v. H. Metall enthalten and
sick leicht in Wasser lOsen.

Die beschriebene Darstellnng kollo-
idaler Qaecksilberpraparate hat gewisse
Uebelstande an sich. Der geringste ist,
daB die Ausfallung der EiweiBqaeck-
silber-Verbindung mit Sfturen nicht
quantitativ erfolgt, der wichtigste, daB
die Niederschlage nach dem Trocknen
meist nicht mehr vollstftndig in LOsung
zu bringen sind. Ersetzt man aber das
EiweiB durch Harzsa"uren, so ge-
langt man zu Verbindungen, die yon
den erwa"hnten Fehlern frei sind. In
ihnen kann das Metall darch Ammoniam-
sulfid nicht nachgewiesen werden. Sie
haben ferner den Vorteil, daB sie yon
der Mageusaure nicht angegriffen wer-
den, sondern erst im alkalischen Darm-
saft in LOsung gebracht werden (Karl
Roth, DRP. 233638, Kl. 12 o, 25. Mftrz
1910). Als Harzsaure wahlt man
kopaivasaures Natrium. Die Re-
duktion des Quecksilbersalzes wird in
alkalischer Losung mit Hydroxylamin,
Hydrazin usw. aasgefiihrt. Gall en -
sfturn (Glyko- and Taurocholsfture)
konnen die Harzsaure ersetzen (Karl
Roth, DRP. 240393, Kl. 12 o, 29. No-
vember 1910, Zus. z. DRP. 233638).

Auch mit Hilfe von Nor gin e (siehe
O. Cohn, Pharm. Zentralh. 54 [1913],
958), dem Ammoniumnatriumsalz der
Laminarsfture, kann man kolloidales
Quecksilber darstellen. Die weiter
unten beschriebene Losung wird mit



125



Natriumformit, Hydrazinsulfat usw. re-
duziert (Chem. Fabrik Griinau Landshoff
& Meyer, A.-G. und Dr. E. May, Grunau,
DRP. 248526).

1m AnschluB an die Gewinnung des
kolloidalen Quecksilbers soil ein Ver-
fahren erwahnt werden, nach dem man
gleichfalls zu feinst verteiltem Metal),
geeignet fur die Behandlnng der Syphilis,
gelangt (Arvid Natanael Blomquist,
Stockholm, DRP. 111233, Kl. 30, 20.
September 1898). Verreibt man das
Quecksilber mit Aluminium-*) oder
Magnesiumpul ver und etwas Alkali-
lauge und erhitzt zum Sieden, so bildet
sich ohne Feuerscheinung und Ver-
brennung ein Amalgam. En t halt dieses
z. B. 97 v. H. Qaecksilber, 2 v. H.
Magnesium und 1 v. H. Aluminium, so
kann man in ihm bei 200facher Ver-
grflBerung keine Quecksilberkugelchen
erkennen. Im Merkuramalgam ist
neben diesen Metallen noch Kreide und
etwas Fett vorhanden, so daB ein
lockeres, gut haftendes Pulver (mit
40 v. H. Quecksilber) entstanden ist.
Bei Einwirkung von Warme, Feuchtig-
keit und Licht scheidet es das Queck-
silber in feinster Verteilung ab.

Gleich dem Aluminiumamalgam hat
man auch Silber- und Platin-
amalgam znr Behandlnng der Syphilis
vorgeschlagen (L. Queyrat, Rev. d. Tiie* rap.
1909, 917). Ersteres, mit Lanolin ver-
rieben, ist weit wirksamer als Queck-
silber allein; aueh letzteres ist dem
Quecksilberol usw. yorzuziehen. AuBer-
dem setzen das Silber und Gold die
Vergiftungsgefahr herab.

Gleich dem Metall selbst sind auch
viele Quecksilber - Verbindungen in
kolloidale Form gebraeht worden, so
das Quecksilberoxyd (Kalle & Co.,
Biebrich a. Rh., DRP. 179980, Kl. 12 p,
2. Februar 1900; C. Paal, Ber. d.



*) Aluminium absorbiert sehr leicht Queck-
silberdampfe, so daB man es zum Nachweis
des Metalles benutzen kann, Man kann Alumi-
nium drahtnetze in Atmungsmasken cinfiigen.
Sie halten jede Spur Quecksilber aus der At-
mungsluft zuriick (N. Tarugi, Gazz. China. Ital.
34, II, 486).



Dtsch. Chem. Ges. 35, 2219), iiber das
bereits ausffihrlich berichtet worden ist
(O. Cohn, Pharm. Zentralh. 54 [1913],
984). Zur Darstellung dienen bekannt-
lich Prot- und Lysalbinsaure. Bei der
Reduktion entsteht kolloi dales Metall.

Recht gut gelingt es mittels Nor-
g i n e kolloidale Quecksilberoxyd - L6s-
iingen zu erhalten (Chem. Fabrik Grunau
Landshoff & Meyer, A.-G. und R.May,
DRP. 248526, Kl. 12n, 1. Marz 1911).
Zu einer Norginelo'sung 5:100 gibt man
15T. Natriumhydrat und eine Sublimat-
losung 6:100. Man dialysiert die gelbe
Fliissigkeit, dampft dann im Vakuum
ein oder fallt mit Alkohol. Das Pra"-
parat kann leicht zu Metall reduziert
werden (siehe oben). Zu letzterem ge-
langt man auch durch Rednktion von
kolloidalem Q u e c k silberoxydul,
H? 2 0, dessen Gewinnung wiederum
mit Hilfe von EiweiBspaltprodukten ge-
lingt (M. K. Hoffmann, DRP. 185 599,
Kl. 12p, 20. Mai 1905). Eine LBsung
des EiweiBpraparates 2 : 100 wird mit
einer Lflsung von Quecksilberoxydul-
nitrat 2 : 100 gefMt. Der Niederschlag
wird mit der gerade ansreicbenden
Menge 2n/l-Natronlauge in L5sung ge-
braeht, die dann dialysiert wird. Sie
ist sehr dnnkel, in dicker Schicht un-
durchsichtig , bei LichtabschluB lange
haltbar. Unter die Haut gespritzt und
eiugegeben, findet sie bei Lues Ver-
wendung, ferner zu Umschiagen, Badern
usw.

Kolloidale Q u e cksilberhaloide
sind mit Lysalbinsfcure, mit Albu-
min, Albumose usw. dargestellt worden,
(v. Heydm, DRP. 165282, Kl. 12,
7. Februar 1903, Engl. Pat. 19168
1903). Das Quecksilberchlorftr-
pra'parat, als Calomelol> bekannt,
ist fast geschmacklos nnd zur ortlichen
Behandlung syphilitischer Erscheinungen
sehr geeignet (siehe O. Cohn, Pharm.
Zentralh. 54 [1913], 986). Sein physi-
ologisches Verhalten ist an Hunden von
C. Foa und A. Agga%%oiii (Biochem.
Ztschr. 19, 37) untersucht worden.

Unguentum Heyden ist eine
Salbe, die 30 v. H. Quecksilber in Form
von Calomelol und 2 v. H. als Metall



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entMlt. Vor der grauen Salbe hat es
den Vorzug, daB es auf der Haut einen
kaum sichtbaren, weiBen Ueberzug
bildet und die Wasche nicht beschmutzt.

Ueber kolloidales Quecksilber-
sulfid siehe G. Cohn, Pharm. Zentralh.
54 [1913], 987. Das flussige Hydrosol
der Verbindung 1st durch Einwirkung
von Schwefelwasserstoff auf Quecksilber-
cyanidlflsung erhalten worden (Loiter -
moser, Journ. f. prakt. Chemie [2] 75,
296), ferner nach dem Poa/'schen Ver-
fahren (Ber. d. Dtsch. Chem. Ges. 35,
249, 2223; siehe auch C. Winssinger,
Bl. d. la soc. chim. d. Paris [2] 49,
452; Bl. Acad. Roy. Bel*. 15, 390;
S. E. Linder und H. Picton, Journ.
Chem. Soc. 61, 117, 137). Doch sind
diese LOsungen zu unbestandig, urn
therapeutisehe Verwendung finden zu
kOnnen. Nur durch Stabilisierung des
Quecksilbersulfidsols mit EiweiBkOrpern
nach Heyden (DRP. 229706, Kl. 12 n,
24. November 1909) gelangt man zn
brauchbaren Praparaten.

Im grofien und ganzen kann man
nicht sagen, daB sich die kolloidalen
Quecksilbespraparate ein groBes Feld
erobert haben, trotzdem sie viele, ihre
Anwendung empfehlenden Eigenschaften
haben.

Anorganische Quecksilberpraparate.

Der Vollstandigkeit halber fuhren
wir hier die anorganischen Quecksilber-
verbindungen an, die in der Heilkunde
Anwendung gefunden haben oder noch
finden: Quecksilberbromur, -bromid,
-chloriir (Kalomel) und -chlorid (Subli-
mat), - ammoniumchlorid , Quecksilber-
chlorid-Salmiak HgC' 2 + 2 AmCl + 2H 2 0,
Quecksilberjodur und -jodid, Kalium-
quecksilberjodid HgJ 2 .KJ. Quecksilber-
oxydul- und -oxydnitrat, basisches Queck-
silberoxydulnitrat Hg 2 (N0 3 ) 2 Hg'20 -f-H 2
und -oxydulammoniumnitrat
Hg 2 .NH 2 .N0 3 ;

Quecksilberoxydul und -oxyd, Queck-
silberoxydul(oxyd)phosphat, Quecksilber-
ammoniumchlorid H^CiNH 2 , Merkuridi-
ammoniumchlorid H^Cl . NH 2 . NH 4 C1 ;
Quecksilbersulfid (Zinnober), neutrales



und basisches Quecksilberoxydsulfat,
Quecksilberkaliumthiosulfat,Quecksilber-
jodat, -pyroborat, -lithiumjodid, -kiesel-
flaorhydrat.

Von der wichtigsten anorganischen
Q uecksilberverbindung , dem S u b 1 i -
mat, soil ein neueres Darstellungs-
verfahren erwahnt werden (Saccharin-
fabrik A.-GL, vorm. Fahlberg, Listd; Co.,
Salbke-Westerhiisen, DRP. 258432, Kl.
12 n, 29. August 1911), welches ein
kalomelfi eies Produkt liefert. Man laBt
einen Chlorstrom auf Quecksilber in
QaarzglasgefaBen einwirken, bei an-
dauerndem Zuflufi des Metalles. Die
Sublimatdampfe werden dann mit kalter
Luft abgeschreckt. Durch diesen Trick
erhalt man dieSubstanz als voiuminoses
Kristallpulver. Quantitative Desinfekt-
ionsversuche mit Sublimat machten
E. Almquist und G. Froili- Peter sson
(Zentraibl. f. Parasitenkunde 39, 477).
Sie stellten fest, daB die physiologische
Wirkung schneller als die Dosis ab-
nimmt. Mergandol ist eine LOsung
von 0,5 v. H, Quecksilber chlorid und
1 v. H. Kochsalz in verdunntem Glyzerin.
Deklariert wird es falschlich als Losung
von Quecksilbernatriumglyzerin.

Die Herstellung wasserloslicher alkali-
bestandiger Quecksilber Verbindungen
der Aminosulfosaure NH 2 .S0 3 H,
die medizinische Verwendung finden
sollen, wird im DRP. 261460 (Karl
Hofmann, Charlottenburg , Kl. 12n,
8. Mai 1912) beschrieben. Die nor-
mal en Quecksilbersalze der Saure
E. Divers und T. Haga, Chem. News
74, 277) sind in Wasser unlflslich und
fur therapeutisehe Zwecke nicht geeig-
net. Hierzu eignen sich aber die Ver-
bindungen

HgN - S0 3 K und HgN S0 3 Na.
Sie entstehen, wenn man Aminosulfo-
saure in alkalischer Losung mit Queck-
silber oxyd oder einem Quecksilbersalz
behandelt. Wenn man z. B. 40 Teile
Saure mit Natronlauge (10 v. H.) neutrai-
isiert, mit der doppelten Menge Lauge
stark alkalisch macht und dann eine
Lo'sung 10 : 100 von 80 Teilen Sublimat
I hinzugefugt, so kristallisieren 140 Teile



127



des obigen Natriumsalzes aus. Die
neuen Salze wirken desinfizierend und
antiluetisch. Ihre Anwendung ist an-
gezeigt, wo alkalische Reaktion zulassig
ist. Anf ihre Reindarstellung kann
verzichtet werden, wenn man sie zur
Gewinnung antiseptischer Seifen
verwenden will.

Alipliatische Quecksilberverbindungen.

Wir batten dargelegt, wie die physio-
logische Wirkung der Quecksilber-
Verbindungen yon der Bindungsart des
Metalls abhangig ist. Diese Tatsache
gibt ein praktisches Einteilungsprinzip.
Wir betrachten erst die Salze, in denen
das Metall in anprganischer Bindung
vorliegt, sei es, daB es an organische
Saure, also an Sanerstoff, gebunden ist,
sei es, daB es in Doppelsalzen organ-
ischer Basen vorliegt. Dann folgen die
Verbindungen, in denen es halbkomplex
an Schwefel und Stickstoff gebunden
ist, und schlieBlich Korper, in denen
es in Kohlenstoffbindung vorliegt.

1. Quecksilber
in anorganischer Bindung.

a) Salze.

Merkuroacetat, Hg 2 (C 2 H 3 2 ) 2 .
Man lost 20 Teile kristallisiertesMerkuro-
nitrat in 120 Teilen kaltem, destilliertem
Wasser, das mit 4 Teilen Essigsaure
(25 v. H.) angesauert ist. Zum Filtrat
fiigt man eine LOsung von 15 Teilen
kristallisiertem Natriumacetat in 50 Teilen
Wasser. Nach 24 Stunden werden die
Kristalle gesammelt und mit Wasser
und etwas Alkohol gewaschen (Eager
II, 31). WeiBe, atlasglanzende Schuppen,
lOslich in 330 Teilen kaltem Wasser,
nicht in Alkohol und Aether. An-
wendung bei Hautkrankheiten, auBer-
lieh zu Waschungen (1 : 300 bis 500),
in Salben (1 : 10 bis 20). Innerlich
0,01 bis 0,03 bis 0,06 2- bis 3mal tag-
lich; HOchstgabe 0,1 g, Tagesgabe
0,3 g.

Merkuriacetat, Hg(C 2 H 3 2 ) 2 . Man
digeriert 10 Teile Quecksilberoxyd mit
20 Teilen Essigsaure (30 v. H.) bis zur
LOsung auf dem Wasserbade, filtriert
und laBt die LOsung an einem warmen



Ort eintrocknen. Ausbeute 14,5 Teile.
Farblose, glftnzende, tafelfOrmige Kri-
stalle, lOslich in 4 Teilen Wasser mit
saurer Reaktion. Hauptanweudung
innerlich gegen Syphilis in Gaben von
0,01 bis 0,03 bis 0,05 2- bis 3mal,
taglich, HOchstgabe 0,5 g, Tages-
gabe 0,2 g.

Quecksilber-Zinkacetat ist ein
weiBes, in Wasser lOsliehes Palver.

Merkurilaktat,

(CH 3 CH(OH)CO -0) 2 Hg.
Man lOst frisch gefalltes Quecksilberoxyd
in Milchsaure (10 y.H.) auf und dunstet bei
m&glichst niedriger Warme ein. Farb-
lose, in Wasser leicht lOsliche Nadeln.
Metallgehalt 52,8 v. H. Die LOsung
zersetzt sich beim Erhitzen zu Merknro-
laktat, Aldehyd und Milchsaure (Chem.
Zentralbl. 1912, II, 535). Das Salz
tibt keine Ortliche Reizwirknng aus
(Gaucher, Rev. d. Me"d. et de Chir. 1902,
10. April). Es dient in LOsung 1 : 1000
innerlich gegen Syphilis. Bei syphilit-
ischen Schleimhautentzundungen verord-
net man Tabletten (6 Stuck taglich)
zu 0,005 g (A. Bouveyrorij Sem. me*d.
1903, 30).

Hydrargyrum malicum basi-
c u m , weiBes, amorphes, in Wasser nn-
losliches Palver, ist nicht mehr in Ge-
brauch.

Hydrargyrum bitartaricum
oxydulatum bildet kleine glanzende,
in Wasser wenig lOsliche, wurfelfOrmige
Kristalle von geringer Bestandigkeit.

Hydrargyrum oleinieum ist
keine reine Verbindung, sondern eine
Mischung vonMerkurioleat (Ci 8 H 33 2 ) 2 Hg
in Oels^ure. 25 Teile gelbes Queck-
silberoxyd, 25 Teile Weingeist und
75 Teile Oelsaure rtthrt man zu einer
gieichmaBigen Mischnng znsammen.
Nach 24 Stunden erwarmt man in
offener Schale auf hOchstens 60, bis
das Gewicht nur noch 100 Teile be-
tragt. Zahe Salbe, die sich zu einem
kleinen Teil in Weingeist, vollig in
fetten Oelen lost (Eager II, 54) und
zum Gebrauch mit 1 bis 5 Teilen Fett
verdiinnt werden mufi, da sie sonst
die Haut reizt. Auch ein Zusatz von



128



1 bis 2 v. H. Morphinbase 1st empfehlens-
wert. Ersatz der grauen Salbe.

Hydrarguent besteht aus 92,3 v. H.
Qaecksilberoleat, 2,2 v. H. Oelsaure,
5,4 y. H. Wasser und etwas Glyzerin.
Es dient zum Abtoten des Qaecksilbers.

Hydrargyrum oleobrassidat.
wird nach E. Dupuy durch Einwirkung
von Quecksilberoxyd auf erne Mischung
von Oel- und ErukasSure erhalten.
Qelbes, klares Gelee, leieht loslich in
warmem Wasser. Metallgehalt 30 v. H.

Cholsaures Quecksilberoxyd
(C 24 H 39 05) 2 Hg (J. D. Eiedel, DRP. 1 7 1 485,
Kl. 12o, 1. Januar 1905, Franz. Pat.
359069, 2. November 1905; E. Worner
(Eied4) Amer. Pat. 811193; DRP,
224980, Kl. 12o, 22. Januar 1910;
DRP. 225711, Kl. 12o, lO.Februar 1910;
DRP. 231396, Kl. 12 o, 5. Mai 1910).
Die Einwirkung von Quecksilberchlorid
auf cholsaures Kalium beschrieb schon
A. Strecker (A. 67, 12). Leieht filtrier-
bare, gelblich-weiBe Niederschlage erhalt
man, wenn man Quecksilberoxydul(oxyd)-
acetat mit einer Lflsung 5 bis 10 : 1000
eines cholsauren Salzes umsetzt. Das
Oxydnlsalz C 24 H 3 90 5 Hg ist ein leichtes,
in Wasser fast uniOsliches Pulver, das
durch Alkohol zersetzt wird und mit
Alkalien schwarzes Quecksilberoxydul
liefert. Das Oxydsalz hat ahnliehe
auBere Eigenschaften. Es wird von
KochsalzlOsung leieht aufgenommen, von
Alkohol unter Zersetzung. Auch Merkuri-
nitrat und -chlorid eignen sich zur Dar-
stellung, wenn man gewisse Vorsichts-
mafiregeln beobachtet. Man I5st z. B.
1 kg Cholsaure mittels Soda in 40 Teilen
Wasser, fiigt 6,75 kg Sublimatlo'sung
5 : 100 hinzu und erwarmt auf dem
Wasserbade. In nadelfflrmigen Kristallen
gewinnt man das Quecksilbercholat,
wenn man seine Darstellung in wasserig-
alkoholischer LOsung vornimmt. Das
amorphe Salz ist auBerst voluminSs.
In den Handel kommt es in Mischung
mit 2 Teilen Albumintannat als cMer-
gal (Qaecksilbergehalt 23,3 v. H.).
Dieser Zusatz soil erne An&tzung der
Darmschleimhaut verhindern. Mergal
ist ein gelblich-weiBes Pulver, in reinem



Wasser fast unlOslich. Znr Herstellung
von L5sungen schuttelt man es mit
1 bis 2 Teilen Natriumchlorid und
10 Teilen Wasser und verdiinnt, wenn
no" tig, mit KochsalzlOsung 1:100 weiter.
Mergal ist vor allem fur die innerliche
Behandlung der Syphilis bestimmt. Man
gibt es in Kapseln, die 0,05 g Merkuri-
cholatund 0,1 g Tanninalbuminat enthal-
ten. Bo/3 (Med.Klin. 1906, 784) fand, daB
es bei f rischer wie bei sekundaren syphilit-
ischen Erscheinungen ebenso schnell
wie die Einreibungskur wirkt. Auch
veraltete Falle wurden schnell gebessert.
Mergal wirkt milde, ist also nicht an-
gebracht, wo eine kraftige Beb and lung
erforderlich ist, und erzengt keinerlei
Schmerzen und Bela'stigungen. E. Polland
(Oesterr. Aerzte-Ztg. 1909. 34) fand,
daB es alle innetlichen Qaecksilber-
praparate, an Zuverlassigkeit ttbertrifft.
Auch C. Grilnbaum (Fortschr. d. Med.
19 iO, Nr. 50 u. 61) beurteilt es sehr
gUnstig. Ueber die Ausscheidung des
Metalls nach dem Gebrauch von Mergal
siehe J. Varges (Forschr. d. Med. 1907,
Nr. 27). Siehe ferner M. Lewitt (Fort-
schritte d. Med. 1911, 992); F. Lesser
(Dtsch. Med. Wochenschr. 1911, 90).

Hydrargyrum nucleinicum,
M e r k u r i o 1 (Karl Schwickerath,
Detroit, DRP. 118050, Kl. 12, 8. April
1899), wird durch Umsetzung von
nuklemsaurem Natrium mit Sublimat
erhalten. Qaecksilbergehalt 10 v. H.
Anwendung bei Tripper, Augenentzund-
ung, Mittelohrkatarrh , innerlich bei



987).

Hydrargyrum athylsulfuricum
(C 2 H 5 ^2 0) 2 Hg. Kleine, weiBe
Knstalle, unloslich in Sauren, sehr un-
bestandig und deshalb fiir Heilzwecke
ungeeignet.

Von arsenhaltigen Quecksilberverbind-
nngen sind die Salze der Methyl- und
Dimethylarsinsaure erwahnenswert.

Hydrargyrum methylarsinicum
oxydulatum, CH 3 As0 2 Hg r 2 , wird
durch Einwirkung von Methylarsin-
saure auf eine mit Salpetersaure schwach
angesauerte LOsung von Quecksilber-



129



oxydulnitrat hergestellt. Nadelfflrmige
Kristalle, in Wasser schwer loslich.

Hydrargyrum methylarsinicum
oxydatum, CH 3 As0 3 Hg, erhalt man
durch Umsetzung yon Arrhenal mit
Quecksilberoxydnitrat. Man mischt
molekulare Mengen, die man in Wasser
nach Zusatz yon etwas Salpetersanre
gelOst hat, und dampft auf dem Wasser-
bade zur Kristallisation ein.

Hydrargyrum cacodylicum,
([CH 3 ] 2 As0 2 ) 2 Hg, wird durch AuflOsen
von Quecksilberoxyd in wasseriger
Kakodylsaurelflsung als weiBes, kri-
stallinisches hygroskopisches Pulver er-
halten, In Alkohol lOslich, von 42,2 v. H,
Metallgehalt (nicht 16 v. H,, wie Eager
angibt). Die Verfasser, welche die Sub-
stanz pharmakologisch und therapeut-
isch untersuchten, haben zweifellos ver-
schieden zusammengesetzte, mehr oder
weniger unreine Produkte in HSnden
gehabt, so daB ihre Angaben keinen
vollen Wert haben. Versuche an Tieren
stellte Vajaas (Bl. d. 1. Soc. d. Biol.
1900, 25. Mai) an. O. Qiuffo (Rev. d.
Tfae'rap. 1903, 563) erzielte befriedigende
Ergebnisse bei Syphilis, wahrend Brocq
(Rev. d. therap. mSl-chir. 1901, 537)
das Praparat wegen seiner Giftigkeit
und der Schmerzhaftigkeit der Einspritz-
ungen nicht empfehlen konnte. Merck
bringt Quecksilberkakodylat mit Kock-
salz znsammen, ungefahr der Formel



(CH 8 >



8NaCl entsprechend,



in den Handel. Dieses Praparat I5st
sich in Wasser schwach triibe mit ai-
kalischer Reaktion. Es wird unter die
Haut oder in die Glutaen gespritzt,
unter Umstanden mit Natriumkakodylat
und Kokain zusammen. Roth (Prag,
med.-chir. Presse 1907, 211) empfiehlt,
das Qaecksilbersalz mit Hydrargyrum
succinicum und Novokain (oder Kokaiu)
zusammen zu verwenden. Die Misch-
I5sung (Cor r os ol) bringt bei passen-
der Anwendung luetische Leiden schnell
zum Schwinden.

Ein anderes Quecksilberkako-
dylat (CH 32 ^OO.NH 2 Hff wird von
L. Jullien und F. Berlioz Nouv. remed.
190J, 223) als grauweifies, in Wasser



sehr leicht lOsliches Pulver beschrieben.
Es wird von syphilitischen Kranken gut
vertragen (Gabe 0,01 bis 0,02).

Unter Quecksilberjodkako-
dylat versteht man eine Mischung
(Ciavette & Fraise, Rev. pratiq. des



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