V. F Klun.

Allgemeine Geographie online

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grossartige Alpenscenerie mit den wilden Schluchten, Wasserfallen
und Seen, den dichtbevolkerten, gewerbfleissigen Ortschaften in den
Thalweitungen, in Unterkrain ist das freundliche Hiigelland
mit seinen zahlreichen Weinbergen das Charakteristische des Lan-
des. Die bedeutendsten Thaler sind im Osten des Landes
das Save- und das Gurkthal nebst mehreren kleineren.

Gewasser. Der bedeutendste Fluss des Landes ist die Save,
welche das Land in einer Lange von 26 Meilen durchfliesst, von
Salog (bei Laibach) schiffbar ist und die meisten Gewasser (Zeyer
{Zora], Laibach, Feistritz, Gurk) aufhimmt. Der merkwiirdigste
Fluss ist die Laibach, welche als Poik (Piuka) nach einem drei
Meilen langen Laufe in die Adelsberger Grotte sturzt , dort sich



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mit mehreren Bachen vereinigt, die am Fusse des Nanos in die
Erde verschwinden. Sie tritt dann als Unz wieder zu Tage, durch-
fliesst das Thai von Planina , verschwindet abermals und kommt
nordostlich von Oberlaibach als Lai bach wieder hervor, wo sie
nach sehr kurzem Laufe schiffbar wird und bei Salog in die Save
mundet. Die Kulpa bildet eine grosse Strecke die Sudgrenze
Krains. Die Wippach und die Idrica flieesen dem Isonzo
zu. In Inner- und Unterkrain gibt es eine grosse Zahl von Bachen,
welche im Kalkboden verschwinden und wieder hervorquellen ;
bei Regengiiesen aber Ueberschwemmungen verursachen. Von den
Seen sind der Zirkniz-, Woheiner- und Veldes-See bereits
friiher'erwahnt worden. Moriiste sind bei Laibach (an 4 QM,) und
an der untern Gurk; ein grosser Theil des ersten, iiber welchen die
Eisenbahn geht, ist bereits trocken gelegt und urbar gemacht wor-
den. Mineralquellen sind zu Toplitz (bei Neustadtl) und am
Veldes-See.

Politiche Eintheilung. Das Kronland Krain ist admini-
strativ der Statthalterei in Triest untergeordnet, jedoch unter aus-
driicklicher Wahrung der Stellung als Kronland des Reiches mit
eigener Landesvertretung. Der politische Chef in Krain ist der
Landeshauptmann.

Bemerkenswerthe Orte *) sind :

Laibach (21.000 Einw.), Krainburg, Radmannsdorf, Assling, Sava, Eisnern,
Kropp, Steinbuchl, Neumarktl, Stein, Lack, Idria, Wippach, Adelsberg. Planina,
Oberlaibach, Zirkniz, Laas, Reifnitz, Gotschee, Weixelburg, Neustadtl, Toplitz,
Tschernembl, Mottling, Gurkfeld, Landstrass.

Kulturverhaltnisse im Allgemeinen.

Von der Gesammtflache des Landes sind nur beilaufig acht
QM. unproduktiver Boden , vom produktiven gehoren tiber 40%
dem Walde an und nur etwa 15% 8 i n ^ Ackerland, welches zudem
ungemein zerstiickelt ist. Ausgedehnter sind die Wiesen, leider
noch mehr die Weiden, auf Weingarten entfallen iiber zwei QMei-
len. Krain ist zwar durch seine Bodenbeschaffenheit und die kli-
matischen Verhaltnisse im Ganzen mehr begunstiget als Karnten,
doch deckt auch hier die landwirthschaftliche Produktion nicht
den Bedarf. In den Handel bringt es Rohprodukte (Kleesamen,
Hanf, den Kohlkopf nach Triest , Obst aus dem Wippacher Thale,
auch Wirthschaftsobst in gedorrtem Zustande) ; nach Trieet und
Fiume liefert es bedeutende Mengen von Merkantilholz aus den
Schneeberger Waldungen (Innerkrain) und Oberkrain (Stapelplatze :
Planina und Senozec). Die Viehzucht steht nicht auf wunschens-
werther Hohe, woran die grosse Zerstiickelung des Bodens und ala
Folge dessen der Mangel an Viehfutter die Hauptschuld tragen.
Die Bienenzucht wird sehr umfangreich betrieben und liefert viel
Honig und Wachs von geeuchter Qualitat nach Deutschland. Auch
mit der Pflege des Maulbeerbaumes sind gunstige Versuche gemacht

*) Zur Aussprache der slowenischen Worte:
c = z ; 6 = tsch ;

z = gelindes s ; z = gelindes sch (= franz. / in jour) ;
s =i sckarfes sch.



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worden. Ueberhaupt verdient die erfolgreiche Thatigkeit der ,,Land-
wirthschafts-Gesellschaft" mit ihren zahlreichen Filialen fur die He-
bung der Agrikultur und Viehzucht rubmenswerthe Hervorhebung..

Unter den Produkten des Bergbaues nimmt die Gewinnung
des Quecksilbers in Idria (an 3000 Zentner jahrlich, am meisten
in Oesterreicb, nachst Almaden in Spanien am meisten in Europa )
den ersten Rang ein. Ausserdem werden zu Tage gefordert: Roh-
eisen, im Jahre 1857 iiber 91.000 Zentner, und zeigt sich fiir die
Periode 1850 1857 hierbei eine Produktions- Vermehrung um
59%, Steinkohlen (an */ 2 Million Zentner, am meisten in Sagor),
Blei (in Knapouze und Sagor), Zink u. a.

Die Industrie ist noch im ersten Stadium ihrer Entwickelung;
man findet wenig grosse Fabriken, dagegen sehr ausgedehnte haus-
liche Gewerbthiitigkeit unter dem Landvolke. Die meisten industriel-
len Unternehmungen hat Oberkrain. Hier bildet die E i s e n verarbeitung
(Jauerburg, Althammer, Feistriz, Sava) den Hauptzweig, dessen Mittel-
punkt Neumarktl ist; Eisnern, Kropp und Steinbiichl erzeugen zumeist
Nagel. Riihmlichen Aufschwung nimmt das Eisengusswerk in Hof (Un-
terkrain). Die grossten Fabriken des Landes sind in und bei Laibach
(Baumwollspinnerei, Ziindwaarenfabrik, Dampfmiihle, Papierfabrik [Jo-
sefsthal bei Laibach], Oelfabriken [Josefsthal, Salog] u, s. f.). Andere
Industriezweige sind: die Spitzenkloppelei (Idria und Stein), Wollspin-
nerei und Strickerei (Oberkrain), ordinare Kotzen, Lodentuch, Fusstep-
piche, Pferdedecken (in und bei Krainburg), Lederbereitung (Stein),
Rosshaarsiebe (Strazise bei Krainburg), ordinare Holzwaaren (Reifnitz
und Gottschee) u. a. m. Das Kleingewerbe ist befriedigend ver-
treten und deckt im Ganzen den Bedarf; besonders zeigt sich
hiebei in Laibach ein Aufachwung. Auch der ,,Gewerbe-Aushilfs-
Verein" in Laibach entfaltet gleich dem ahnlichen Kredit-Institute
in Klagenfurt eine erfolgreiche Thatigkeit, zunachst im Kreise der
niederen Gewerbe,

Der Handel mit Landesprodukten (Honig, Kleesamen, gedorr-
ten Obst, Knoppern, Leinol) und der Getreidehandel mit den Ver-
bindungen in Siasek und Kaniza werden schwunghaft betrieben ;
der ehemals sehr lohnende Speditionshandel hat seit der Beendigung
der Wien-Triester Eisenbahn seine Wichtigkeit grossen Theils ver-
loren. Auch der innere Verkehr entwickelt sich reger , da die In-
dustrie in der Zunahme begriffen ist. Sowie die natilrliche Be-
schaffenheit des Landes, der Reichthum an Heizungsmateriale und
Wasserkraften, die relativ dichte, arbeitsame und geniigsame Be-
volkerung willkommene Vorbedingungen fiir eine aufstrebende In-
dustrie sind; so gewahren die geographische Lage in der Nahe der
ersten Seestadt der Monarchic und die Verbindungsstrassen nach
den benachbarten Kronlandern eine geniigende Biirgschaft fiir den
sich stets entfaltenden Handel. Der Hauptsitz des Handels ist in
Laibach ; Lack kat seine Wichtigkeit verloren, die es ehemals durch
seine Verbindung mit Italien und den Absatz seiner Leinenwaaren
dorthin genossen; dagegen sind Krainburg, Gotschee, Laas und Se-
nozec in kommerzieller Hinsicht von einiger Bedeutung.



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. 86. Das Kiistriilaiiil.

(Die gefurstete Grafschaft Gorz und Gradisca, die Markgrofschaft
Istrien und die Stadt Triest mit ihrem Gebiete.)



n; 520.980 (relativ 3589) Einwobner, mit Ausnahme von Triest,
wo Geschaftsleute verschiedener Glaubensbekenntnisse wohnen, fast ausschliess-
lich Katholiken; nach der Nationalitat uber 3 / 5 Slawen, '/ 3 Italiener, bei-
laufig 2% Deutsche, und AngehSrige verschiedener Stamme in grosserer oder gerin-
gerer Anzahl. Grenzen: im N. Krain und Karnten, im W. das veHetianisehe
Gebiet, im S. das adriatische Weer, im 0. Kroatien und Krain.

Boden. Der nordwestliche Theil des Kronlandes Kiistenland
gehb'rt zum Gebiete der sudlichen Kalkalpen, der iibrige zum
Kalkplateau des Karstes; mit Ausnahme des Miindungsgebietes
des Isonzo und einiger Thalweitungen gehort es somit dem B erg-
Ian de an. Das Alpengebiet wird durch das Isonzothal in die
beiden Gruppen des Monte Canin und des Trig lav geschieden,
welche sich am Engpasse der Fli t sc her - K lau se am nachsten
beruhren. (Siehe . 25. B. c. N. 5.) Jenseits der Thaler des Isonzo
und der Idrica 1st das Karstplateau, u. z. der Tarnovaner-
Wald, eine fast 2500' hohe, grosstentheijs bewaldete Hochplatte,
dann der eigentliche Karst mit dem Cicer-Boden. Hier ist
die Karstnatur am scharfsten ausgepragt; eine einformige , fast
nackte Hochflache mit karglichem Pflanzenwuchse in den vor der
Bora geschiitzteren Mulden , mit vielen trichterformigen Senkungen
(Doline), in denen sich zu Zeiten Wasser ansammelt, aber bald im
Kalkboden versiegt. In den Gegenden, in denen ein ohnehin kar-
ger Ackerboden vorkommt, wohnt eine arme Bevolkerung. Die Land-
\virthschaft kann nicht ausreichend fur den Bedarf betrieben werden,
fur Errichtung industriellef Etablissements fehlen die Grundbe-
dingungen Wasser und Heizmateriale ; den meisten Erwerb
bot vor der Eroffnung der Eisenbahn die Landfracht (das ,,Schlit-
teln"). Zur Bewaldung dieser Flachen ist unter dem Schutze der
Regierung ein ,,Karstbewaldungs-Verein" thatig , dessen bisherige
Versuche zu einigen Hoffnungen berechtigen. Istrien ist ein
Stufenland, das sich gegen das Meer herabsenkt und durch die in
tiefen Rinnsalen nach Osten, Westen und Siiden fliessenden Ge-
wasser in mehrere Plateaux zerlegt wird. Nur an der Siidwest-
eeite ist ein freundliches, ergiebigeres Hiigelland, sonst ist der ode
und diirre Karstboden wenig fruchtbar ; doch sieht man auch herr-
liche Eichenwalder und weite mitOelbaumen und Reben bepflanzte
Strecken. Die Inseln sind gebirgige Fortsetzungen des Karstbodens.
Eben er Boden finden sich im Miindungsgebiete der Kiistenfliisse,
die grosste Flache an der Miindung des Isonzo, dessen Thai das
bedeutendste ist. In Istrien sind das Quieto- und Arsathal beach-
tenswerth. Reich ist das Karstland an grossartigen Hohlen mit
den prachtvollsten Tropfsteingebilden und wunderbar seltsamen
Formationen (die Grotte von Corgnale und von S. Servolo,
jene von St. Canzian, von Ospo, auf der Insel Cherso u. a.).

Gewasser. Die Fliisse dieses Kronlandes eind Kiistenfliisse,
welche sich in das adriatische Meer ergiessen. Der bedeutendste
ist der Isonzo, der von der Westseite des Triglav in grossen



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Windungen das grosste Querthal der Siidalpen durchfliesst , die
Idria und Wippach aufnimmt , reiasend mit starkem Gefalle
und reich an Stromschnellen bis oberhalb Gorz fliesst, wo er in die
Ebene tritt , an Schnelligkeit des Laufes verliert , aber an Breite
zunimmt und (als Stobba) in die von Siimpfen umlagerte Bucht
von Monfalcone miindet. In Istrien sind der Quieto und die Arsa.
Dieses Kronland wird im Siiden vom adriatischen Meere
bespiilt , iiber dessen Bedeutung friiher gesprochen worden ist.
(Siehe . 76. S. 101.) Auch der Cepicer-See in Istrien ist be-
reits erwahnt worden.

Politische Eintheilung. Der Statthalterei in Triest sind
nebst der ,,reichsunmittelbaren Stadt Triest" das Gorzer Gebiet,
die Halbinsel Istrien und das Herzogthum Krain untergeordnet.
Die Hauptstadt des Kronlandes ist:

Triest, mit dem Stadtgebiete l. s Q]M. gross, mit einer Bevolkerung von fiber
104.000 Seelen, besteht aus der Alt- und der regelmassig erbauten Neustadt. Sie
ist die bedeutendste Seestadt und nachst Wien die wichtigste Handelsstadt der Mon-
archic, und von grossem Einflusse sowohl fur den einheimischen Verkehr als
1'ur die Beziehungen des Kaiserstaates zum Auslande; insbesondere hat Triest einen
wesentlichen Antheil an der Stellung Oesterreichs im Orient e. Das grossartigste
Institut ist die im J. 1833 gebildete Aktiengesellschaft des n osterreichis chen
Lloyd" (Aktienkapital 9,450.000 fl.), welche regeimassige Veibindungen mit dea
grosseren Haftn des adriatischen, mittellandischen und schwarzen Meeres unterhalt
und die Dampfschiffahrten nach Marseille, Barcellona und Liverpool ausgedehnt hat.
In neuester Zeit bedroht Marseille den Lloyd mit einer gefahrlichen Concurrenz im
Mittelmeere. Im J. 1859 beliefen sich die Brutto-Einnahmen des Lloyd auf 6,804.378,
darnnter die Staats-Subvemion von 1,636000 fl. ; doch trugen mancherlei ungiinstige
Verhaltnisse die Schuld an einem ansehnlichen Deficit, wie sich uberhaupt der See-
verkehr von Triest im J. 1859 ungiinstiger gestaltete als in den Vorjahren. Triest
ist derSiiz der Consulate von alien grosseren Handelsstaaten, der Central-Seebehorde,
des Marine-Oberkommando u. s. w. Andere Anstalten zur Forderung der Industrie
nnd des Handels sind: die Handelskammer, BSrse, Bankfiliale, das Tergesteum, die
stadtische Gommerzial-Leihanstalt, iiber zwanzig Assekuranz-Institute, die nautische und
Handels-Akademie, das grosse Arsenal des Lloyd, mehrere Schiffwerften u. s. w.

Der Scbiffsverkehr gestaltete sich in den letzten Jahren in folgender Art:
1859 1858 18bT_

Schiffe Tonnengehalt Schiffe Tonnengehalt Schiffe Tonnengehalt
Angekommen: . 10.969. 779.173 ...10356. 766.915 ...10.733. 747.706
Abgegangen: ..10.710. 777.555 ...10275. 764.850 ...10.772. 773195

Ein specielleres Eingehen in die Ausweise zeigt, dass im J. 1859 nur 7677
beladene Schifie mit 393.713 Tonnen einliefen ; dagegen im J. 1858 8111 Segel-
schiffe mit 479.635 Tonnen; dessgleichen litt die inlandische Dampfschiffahrt, indem
mehrere Linien in Folge der Kriegsereignisse suspendirt werden mussten. Selbst die
neutrale Flagge betheiligte sich im J. 1859 weniger an dem Seeveikehre von Triest.
Gegenwartig werden allseitig Anstrengungen gemacht, um diesen fur Oesterreich hoch-
wichtigen Platz auf den ihm gebuhrenden Rang zu heben. Im J. 1859 zahlte die
Handelsmarine Oesterreichs 9646 Schiffe von 373.016 Tonnen und mit 35.213
Matrosen. Die Kriegsmarine zahlt 37 Fahrzeuge (darunter 1 Linienschiff, 5 Fre-
gatten, 12 Dampfer u. s. w.), der Personalstand derselben (im J. 1860) 6952 Mann.
Andere bemerkenswerthe Orte sind :

1. Gorz (11.000), Gradisca, Monfalcone, Aquilej a, Cormons, Flitsch, Tollmein,
Duino, Heidenschaft ;

2. (in Istrien) Mitterburg (Pisino, 3500), Capo d'Istria (8500), Isola,
Pirano (9500), Rovigno (12.000), Pola, Parenzo, Cittanuova, Dignano, Volosca,
Albona, Montona.

Inseln: die Brioni'schen Inseln in (Nordwesten von Pola); im Quarnero:
Veglia, Cherso, Lussin und viele kleinere Inseln und felsige Eilande (scoglj).

Kulturverhaltnisse im Allgemeinen.
Obwohl an 90 % der Gesammtflache zum produktiven Boden



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zu rechnen sind, so 1st doch die Ertragsfahigkeit eine sehr geringe,
da Wasser- und Regenmangel dem Getreidebau, welchem nur
etwa Yo des Bodens zugewiesen ist, sehr hinderlich sind. Ueberdiess
ist die kultivirbare Flache ungemein zerstiickelt, der Ertrag auch
ein relativ geringer und die Produktion deckt demnach bei Weitem
nicht den Bedarf. Die Hauptfruchte sind Mais und Weizen, als
Nachfrucht der Buchweizen. Wahrend auf die Wiesen % des
Terrains entfallt, nehmen die "VVeiden uber 2 / 5 ein; ausgebreitet
dagegen sind der Weinbau und die Olivenwalder. Der Wald-
stand ist im Ganzen ein geringer (nur T / 3 des Bodens) ; nur die
grosaen Eichenwaldungen bei Montona , welche Schiffbauholz fur
die kaiserliche Marine liefern, machen davon eine Ausnahme. Die
Obstkultur erfreut sich ausser bei Gorz keiner besonderen
Pflege; dagegen liefert der Oelbaum in Istrien und auf den quar-
nerischen Inseln Oel von guter Qnalitat und trotz des grossen Ver-
brauches uber den Bedarf. Die Viehzucht ist in keiner Richtung
erheblich, nur im Gorzer Gebiet wird mehr Sorgfalt darauf ver-
wendet, wo auch die Seidenkultur sehr giinstige Fortschritte
macht. Von Wichtigkeit ist die Seefischerei.

Ein Merkmal des Landes ist der vollige Mangel an Me-
t a 11 en. An Steinkohlen wurden in letzter Zeit etwa % Million
Zentner zu Tage gefordert (Albona und Pinguente in Istrien).
Meersalz wird in den Salioen zu Capo d'Istria und Pirano im
mittleren Jahresdurchschnitt an 600.000 Zentner im Werthe von 3
Mill. Gulden gewonnen. Istrien hat sehr viel Baust ei n e (Istria-
ner Marmor), welche ehemals einen Hauptartikel des Handels nach
Venedig bildeten.

Der Gorzer Kreis, die Stadt Triest und die Halbinsel Istrieu
bilden in Bezug auf die Be schaf tigung der Bewohner drei
verschiedene Landstriche. Im nordlichen und nordostlichen Theile
des Gorzer Kreises bildet die Rindviehzucht den wichtigsten
Nahrungszweig , im siidwestlichen der Wein- und Seidenbau.
Weiters sind in diesem Kreise zwei Baumwollspinnereien, eine grosse
Zuckerraffinerie , Seidenzeug-Fabriken, die europaisch bekannte (in
Oesterreich grosste) Rothgarnfarberei in Heidenschaft (Aidussina,
slaw. Ajdovsna). Triest ist verhaltnissmassig keine Fabriks-,
sondern eine sehr wichtige Handelsstadt , erzeugt jedoch nebst den
fur den Schiffbau erforderlichen Gegenstanden (Seilerwaaren, Se-
geltuch, Zwieback u. s. f.) viel Rosoglio, Leder, Oelseife, Kerzen u. a.
Grossartig sind die technischen Werkstatten der Gesellschaft des
osterreichischen Lloyd. Istrien hat keine Fabriken, die
Hauptthatigkeit beschrankt eich ausser dem Wein- und Oelbau
auf die Gewinnung von Seesalz und auf die Fischerei, den
Schiffbau und jene Gewerbe, welche mit der Ausrustung der
Schiffe in Verbinduug stehen. Das Gleiche gilt von den zu diesem
Kronlande gehorigen Inseln.; insbesondere hat L us a in piccolo
in jiingster Zeit sehr grosse Fortschritte im Schiffbau und den da-
mit verbundenen Gewerben gemacht. Fiir den Handel Oester-
reichs sind Triest und das Kustenland von grosster Bedeutung.

Klua's Handels- Geographic. 2. Ann.



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. 87. Die gcfiirstete Grafschaft Tirol mid Vorarlberg.

523 QMeilen; 851.000 (relativ 1627) Einwohner, fast ausschliess-
lich Katholiken; nach der National! tat 8 /s Deutsche und 2 / 5 Walsche
(320.000 Italiener, 9COO Ladiner). Grenzen: im N. Baiern, im W. die
Snhweiz, Lichtenstein, Lombardei, im S. Lombardei und Venedig, im 0. Venedig,
Karnten, Salzburg.

Boden. Tirol ist ein wahres Gebirgsland, denn das Bergland
nimmt fast 9 / 1( , der Oberfiache ein; es ist das hochste Gebirgsland
Oesterreichs, eine Fortsetzung der hohen Alpenmassen der Schvreiz.
Die Central-, die nordlichen und siidlichen Kalkalpen durchziehen
das Land, zwischen denen sich drei Hauptthaler (das Inn-, das
Etsch- und das Pueterthal) mit sehr vielen Nebenthalern ausdeh-
nen. Die nordlichen Kalkalpen (Algauer Alpen) erstrecken
sich vom Bodensee bis zur ostlichen Landesgrenze. (Siehe nordliche
Kalkalpen S. 25.) Die C entralalpen, die eigentlichen Tiroler-
Alpen sind das bedeutendste Massengebirge , in der ganzen Aus-
dehnung von Gletschern bedeckt, mit hohen Spitzen, zahlreichen
Widerlagen und Armen. Die Hauptmasse durchzieht das Land von
West nach Ost ; die bedeutendste Widerlage langs der westlichen
Landesgrenze von Norden nach Siiden enthalt die hochste Berg-
spitze der Monarchic (den O'rtler). Die B renne r-Einsenkung
scheidet sie in zwei Hauptgruppen. (Siehe Central-Alpen, S. 24 und
25.) Die siidlichen Kalkalpen gehoren zumeist als Grenz-
gebirge dem Lande an. Zwischen dem Garda-See und der Etsch ist
der schroffe Riicken des Monte Baldo ; ostlich von der Etsch sind
die Gruppen der Venetianer- Alpen, deren Masse im Venetianischen
liegt und wovon nur Verzweigungen nach Tirol auslaufen. (Siehe
siidliche Kalkalpen S. 27.) Die Tiroler Gletscher (^Ferner"
genannt) nehnien einen Raum von fiber 23 QMeilen ein; der Haupt-
stock ist die Eismasse der Oetzthaler Ferner, zu welchen der Hoch-
vernagt , der Gebatschferner u. a. gehoren, iiber mehrere derselben
fiihren Saumpfade (der belebtesfe iiber den Jaufen von Sterzing
in das Passeyerthal). Von Bedeutung fiir die gesammten Kultur-
verhaltnisse des Hochgebirgslandes sind die sehr zahlreichen T h a-
ler, welche in der Regel enge, selten iiber eine Stunde breit, da-
gegen langgestreckt sind; bedeutende Thalweitungen und Ebenen
kommen gar nicht vor. Das langste Thai ist das Inn thai (33 M.
lang, bis zur Melach-Miindung Ober-, dann Unterinnthal), in
welches das Oetz thai und das Zillerthal miinden; dem Flachen-
inhalte nach ist jedoch das Etschthal grosser; der obere Theil
Vintschgau ist durch die grossartige Alpennatur, der untere
durch seine uppige Vegetation und sein mildes Klima ausgezeich-
net. Das von der Rienz bewasserte Pusterthal ist besonders we-
gen der Zucht des Hornviehes bekannt. Im Vorarlberg sind das
Rh ein thai, das 111 thai (Ochsenthal), Vermontthal , Montavon-
thal) und bei Bludenz der Walgau.

Oewasser. Die Gewasser Tirols gehoren drei Flnssgebieten
an, jenem des Rhein, der Donau und der Etsch. Der Rhein
gehort nur etwa auf einer fiinf Meilen langen Strecke als Grenz-
fluss zu Oesterreich. Er nimmt die meisten Wildbache Vorarlbergs
auf, der namhafteste Nebenfluss desselben ist die II } . Die be-



131

deutendsten Fliisse des Landes gehoren zum Geader der Donau.
Der Lech und die Isar erhalten ihre Bedeutung erst nachdem
sie nach Baiern getreten (ersterer unterhalb Fiissen , der zweite
durch den Scharnitz-Pass). Der grosste Fluss des Landes ist der
Inn, der durch Finstermiinz-Clus nach Tirol eintritt und es unter-
halb Kufstein verlasst. Schon nach der Einmundung des Oetzbaches
wird er flossbar , doch erst von Hall ab schiffbar. Er nimmt
sehr viele Wildbache auf, die wegen der haufig wiederkehrenden
Verheerungen beruchtigt sind. Die Drave vom Toblacher Felde
wird erst nach ihrem Eintritte in Karnten schiffbar. Die E t s c h,
welche bei Gargazan flossbar, unterhalb Botzen schiffbar wird, nimmt
den Eisack, den La vis und den Nosbach (Noce) auf. Dem
Gebiete des adriatischen Meeres gehoren noch die Brenta, Sarca,
Chiese und Piave. Seen hat das Land sehr viele, aber meist hoch-
gelegene, kleine Alpenseen. Vom Bodensee gehoren 4'/ 2 Meile zu
Vorarlberg , vom Garda-See 2 T / 4 Meile zu Tirol. An Gesund-
brunnen ist das Land ebenf alls reich, die besuchtesten sind Mit-
terbad (im Ultenthale), Rabbi und Pejo (im Sulzberg), May-
statt, Innichen, Altprax u. a. im Pusterthale.

Politische Eintheiliing. Die Landeshauptstadt Innsbruck
ist der Statthalterei unmittelbar untergeordnet.
Bemerkenswerthe Orte sind in:

1. (Nordtirol) Innsbruck (14.200 Einw.), Hall, Kufstein, Schwatz, Rattcnberg,
Kitzbuchel, Achenrain, Imst, Landeck, Zirl, Reute ;

2. (Mittel-Tirol) Brixen (3500), Sterzing, Brunecken, Innichen, Lienz, Win-
disch-Matrei, Botzen, Klansen, Meran, Glurns;

3. (Siid-Tirol) Trient (14.000), Roveredo, Riva, Arco, Ala, Levico, Lavis ;

4. Vorarlberg: Bregenz (3500), Feldkirch, Bludenz, Hohenembs, Dornbirn.

Kulturverhaltnisse im Allgemeinen.

Die Bodenverhitltnisse des Landes sind mit Ausnahme eini-
ger Thaler fiir die physische Kultur nicht gunstig. Werden auch
etwa 2 / 3 der Gesammtflache auf nutzbaren Boden im Allgemeinen
gerechnet , so entfallen von der produktiven Flache doch nur an
8% auf das Ackerland, doppelt so viel auf Wiesen und Garten, an
6 QMeilen auf Weingarten ; dagegen iiber 50% auf Waldungen
und iiber 20% auf Weiden ; an 195 QMeilen (oder mehr als ein
Drittheil des Landes) aber ist ganz odes, unkultivirbares Land. Es
hat somit kein Kronland in Oesterreich so viel unbenutzbaren Boden.
Im Siiden kommen in geringerer Ausdehnung auch Kastanien- und
Olivenwalder vor.

Der Ackerbau ist vielfach mit grossen S chwierigkeiten ver-
bunden und liefert auf der geringen Flache bei weitem nicht fiir
den Bedarf, welcher durch Getreidezufuhren aus dem benachbarten
Baiern gedeckt wird. Auf den Wiesenbau wird grosse Sorgfalt ver-
wendet, die vortrefflichen Alpenwiesen (Alm u ) sind der Viehzucht
sehr dienlich, welche eine Haupterwerbsquelle bildet. Trotz des gros-
sen heimischen Bedarfes an Milchprodukten gelangt (zumeist aus
dem Bregenzer Walde) doch vorziiglicher Kase zum Export. Unter
der Viehzucht hat jene des Rindviehes den ersten Rang ("Bregenzer
Wald, Lechthal, Pusterthal); die Schafzucht wird nur fiir
den Hausbedarf betrieben; die Bienenzucht ist in Vorarl-

9*



132

berg, jene der Seidenraupe sehr schwunghaft in Siidtirol. Die
Obstkultur ist sehr bedeutend, namentlich bei Meran ; die Citro-
nengarten am Garda-See diirften ihresgleichen schwerlich irgendwo
finden; auch das Montavon-Thal ist im Obstbau bekannt. Der Wein
ist em Hauptprodukt in Siidtirol, doch gibt es nur wenig bessere
Sorten; bei Feldkirch kommt ebenfalls einiger Weinbau vor. Flachs,
Hanf und Tabak werden in grosseren Mengen gebaut. Den be-
sten Flachs liefert das Oetzthal (an 3500 Zentner), der Leinsamen
aus dem Inn- und Oetzthale wird exportirt.

Der ehemalige Reichthum an edlen Metallen besteht nicht
mehr. Den Hauptreichthum in dieser Beziehung hat jetzt das Land
an Salz (Hall), Kohl en und Eisen; doch erreichen die Produkte
des Bergbaues (mit Ausuahme von Salz) kaum den Werth von
Vg Million Gulden jahrlich, wovon an 3 / 4 auf ararische Werke ent-
fallen.

Tirol ist im Allgemeinen zwar kein Industriclaiid ; doch
lassen sich in dieser Richtung drei Hauptgruppen aufstellen : Vor-
a rib erg, Siidtirol mit dem Charakter der italienischen Land-
schaft und das iibrige Deutschtirol mit seinen zahlreichen Tha-
lern. Vorarlberg hat eine ausgedehnte Industrie, insbesondere



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