C. v. (Conrad) Orelli.

Die hebräischen Synonyma der Zeit und Ewigkeit online

. (page 27 of 29)
Online LibraryC. v. (Conrad) OrelliDie hebräischen Synonyma der Zeit und Ewigkeit → online text (page 27 of 29)
Font size
QR-code for this ebook


7, 25. 10, 1. 13. 18. 11, 10 (nlbDD, mbsiB, lnl-ini»); Koh. 8, S'-sammt

5, 1 (D'^tttOi D-inbs) vgl. Ps. 115, 3; Koh. 5, 18 (2, 19. 6, 2. 8, 9)
vgl. Ps. 119, 133 (tJibian); Koh. 12, 13 vgl. Ps. 122, 1 (SaUJS und
ibD); Koh. 5, 6 vgl. Ps. 130, 4 (13 advers.). Koh. 9, 12 vgl. Ps.
124, 7; Koh. 7, 1 vgl. Ps. 133, 2 (IW und aitl); Koh. 12, 6 vgl.
Ps. 143, 3; Koh. 1, 4 vgl. Ps. 148, 6. Ill, 3; Koh. 1, 3. 7. 9. 10.

11. 14. 17. 2, 7. 9. 11-22. 24. 26.3, 13-15. 4, 2. 10. 5, 14. 15. 17.

6, 3. 10. 7, 10. 24. 8, 7. 14. 9, 5. 12. 10, 3. 5. 14. 16. 17. 11,3.8.

12, 3. 7. 9 vgl. Ps. 122, 3. 4. 124, 1. 2. 6. 129, 6. 7. 133, 2. 135, 2.

8. 10. 136, 23. 137, 8. 9. 144, 15. 146, 3. 5 {■ tt^ praefix . = im, syn-
tahtisch, wenn auch nicht etymologisch dem aram. "^ entsprechend).



Sprachliche Zeugnisse. 1 21

Ebenso unverkenubare gemeinsame Eigenthumlichkeiten der
sprachlichen Ausdrucksweise haben viele Psalmen gerade unter
den angeblicben makkabaischen mit dem mit Kohelet ziemlicb
gleichzeitig, wohl noch in den Ausgangen der persischen Herr-
schaft, verfassten Bucbe Baruch, durcb dessen griechiscbes
Sprachgewand der bebraische Originaltext nocb deutlicb durch-
scbimmert. Das beweisen Stellen wie diese : Bar. 1, 11 [wg al
TjiiKQcu Tov ovgavov) vgl. Ps. 89j 30 (QiiaiB il2iD). Bar. 4s, SO* [xsKgd^o-
liai .... tv tmgfiiisQcug fiov) vgl. Ps. 116, 2* (S"ipS{ "iBia) und Ps. 104,
33 (■'Tia). Bar. 3, 11 {jZQoaskoyia&ijg fieza tmv slg a.bov) vgl. Ps. 143, 7"

(nia imi ny irtinmi) und Ps. 88, 5' (-na itiii d3> inafflOD). Bar. 3, 5 j^ ./,_^

{iMj iivtja&^g adiKimv Tti/isgoov r]fi(av) Vgl. Ps. 109, 14' (linSiJ 1^'$ IDf). /TjP^l
Bar. 2, 16 {xXivov, y-vqis, to olg aov) vgl. Ps. 88, 3 (^5TS nun). Bar. 2, 17
oTi ovj^ 01 Te&vrpioreg sf xqy n.8y mv eki^cpflrj to m>sv(ia avrmv ano rav an/.aypiam
avrav, Sdsovai 86la}> noil Sinaimfia t^ y-vqitg) vgl. Ps. 115, 17 (DTlttn Sb

ni ibbni) and Ps. 88, 11*. 12 (napa "iBDin : nbo tiit laipi d^xsi ds

: 'Jliasa insias lion). Bar. 2, 18 (^ i/jv^ ^ Ivnovfi^rj etc.) vgl. Ps.
88, 4 (-iliJEii nwna nsaia ^D). Bar. 3, 23 (ol're vioV'AyaQ) vgl. Ps. 83, 7
{D'lliin). Bar. 4, 4 vgl. Ps. 147, 19. 20.

Haben wir vorber das Zeitalter der in Vergleich gezogenen
Biicber Kohelet und Baruch, wenn auch nur mit annabernder
B,icbtigkeit, in die Mitte des vierten Jabrbunderts gelegt, so ha-
ben wir zugleicb einen beacbtenswertben Fingerzeig fiir die Ab-
fassungszeit der mit jenen beiden Biicbern auf gleiche Stufe
sprachlicber Bildung gehorigen Psalmen. Wenigstens zwei Jahr-
hunderte spater als Kohelet und Baruch entstand das Buch Da-
niel. Fiir makkabiiiscbe Abfassungszeit dieses Bucbes zeugen
zahlreicbe Stellen des Bucbes selbst, in denen die messianiscbe
Hoflftiung vom nahe hevorslehenden messianiscben Reiche auf-
taucht (c. 2, v. 44. cc. 7. 8. 9, v. 27. c. 12), oder die Auf-
erstehungslehre dasjenige dogmatische Geprage verrath, welches
sie erst auf der letzten Entwickelungsstufe zur Makkabaerzeit
(vgl. 2 Mace. 7, 9. 11. 14. 20. 23. 29. 36 u. a.) erlangte (vgl. Dan.
12, 2); ganz besonders aber die Sprache, die mit dem Aramdi-
scJien. wechselt (2, 4—7, 28) und ausser zahlreicben persischen
auch schon griecbische Worter entbalt (vgl. 1, 5. 8. 11. 16. 2, 6.
3, 2. 3. [21. J 27. 6, 3. 8, wo uberall persische Worter sich finden
und 3, 5. 7. 10. 15 wegen griechiscber Worter). Waren nun fast



122 AeuBsere Griiude gegen aiigebliche Makkabaerpsalraen.

in derselben Zeit^ in welcher das Buch Daniel geschrieben ward,
auch die angeblichen Makkabaerpsalmen entstanden, so miisste
doch die Form der Sprache in denselben, wenn nicht in alien,
so doch in einem Theile von so vielen, und wenn nicht injeder
Hinsicht, so doch theilweise dem Gange der sprachlichen Ent-
wickelung entsprechen, welehen das Verhaltniss Kohelet's (und
Baruch's im hebraischen Original) zu Daniel geschichtlich aus-
weist. Nun ahev finden sich in keinem jener vermeintlichen Mak-
kabaerpsalmen auffallend ahnliche sprachliche Ausdriicke, nicht
einmal persische, geschweige griechische Worter. Und fassen
wir beim Vergleich, wie billig, besonders die lyriscJien Stiicke im
Buche Daniel in's Auge, so beweisen gerade diese, dass spatere
Dichter nicht mehr mit solcher Reinheit und Classicitat mehr
schreiben konnten. Hitzig dagegen behauptet: ,, Gerade die
spatesten Schriftsteller, die ihre Sprache miihselig lernten, schrie-
ben wieder sehr reines Hebraisch und eiferten mit vielem Erfolg

den Vorgangern nach und zar Makkabaerzeit schrieb man

immer noch besser Hebraisch, als wir heute Latein'''. Aher bei
solchen Erwagungen verliert Hitzig den sprachgeschichtlichen
Boden. Nimmermehr kann die Thatsache, dass fast hundert
Psalmen in, einem fast ebenso reinen Styl wie die altesten Lieder
des Psalterium geschrieben sich erweisen — mit nur wenigen Aus-
nahmen — aus einer in solchem Umfange unmoglichen sklavischen
Nachahmung alterer Vorbilder herriihren. Das hat selbst 01s-
h aus en zugegeben (Comment, zu den Pss. S. 9 der Einl.), ohne
zu der Erkenntniss gekommen zu sein, dass sich die mancherlei
jiingeren Spracherscheinungen der angeblichen makkabaischen
Psalmen aus dem seit dem babylonischen Exile immer heimischer
werdenden und auch in die Schriftsprache eindringenden Aramai-
schen vollkommen erkl'aren lassen.

Aber Hitzig will einige sprachliche Spuren in den angeb-
lichen Makkabaerpsalmen entdeckt haben, die aus dem Buche
Daniel geflossen seien. Die Stelle Ps. 145, 13 soil die frei an-
gewandte Uebersetzung der bei Dan. 3, 33. 4, 31" aramaisch lau-
tenden Worte sein. In der ersten Ausgabe seines Commentars
(Die Pss. hist.-krit. untersucht. II. S. 212) beruft sich Hitzig auf
den allgemeinen Sprachgebrauch jener Zeit, die den Gedanken in
ziemlich fester Form auspriigte. Die Unhaltbarkeit dieses Grundes



Sprachliche Zeugnisse. 123

ward bereits oben von mir nachgewiesen: vgl. S. 33 ff. In seiner
neuesten Bearbeitung der Psalmen verweist Hitzig aufs Neue
auf jenen als widerlegt zu betrachtenden Beweisgrund. Dass der
Psalmist von Daniel abhangig sei, stehe im Einklang mit dem
nachahmenden Charakterj der dem Ps. 146 wie denen in der
Nachbarschaft eigne. Dass viele der jlingeren Psalmen Nach-
ahmungen alterer sind und Auffrischungen alteren Sprachgutes
enthaltenj stellen wir nicht in Abrede*). Aber es pflegt doch
der jiingere Dichter dem alteren nachzueifern. Dass manehe spa-
tere Dichter der Makkabaerzeit den Daniel^ einen Zeitgenossenj
sich zum Muster genommen haben solltenj ist aus zwei Griinden
unwahrscheinlich; einmal gehorte er selbst zu den jiingeren Ver-
fassern, sodann schrieb er nicht mehr ein reines mustergiiltiges
Hebraisch. Dass gerade die Stelle Ps. 145, 13 nicht aus Dan.
3, 33. 4, 31'' genommen sein kann, erkennt der unbefangene Be-
urtheiler daraus, dass ja bei Daniel die ahnlieh lautende Stelle
aramaiscli, im Psalmen aber rein hehrdisch gesehrieben ist. Soil
denn etwa der nachahmende Charakter des Psalmensangers darin
bestehen, dass er aus einem sehr spaten aramaisch geschriebenen
S chriftstiicke in's Hebraische zuriickiibersetzte? Noch weniger
fiihrt eine genaue Vergleichung von Ps. 144, 3 mit Dan. 1 , 13.
5, 31 und von Ps. 132, 17 mit Dan. 1, 24 auf gleiches makkabai-
sches Zeitalter. Denn das „TB13S p" in Ps. 144, 3 ist in dieser
Zusammensetzung im Buoh Daniel gar nicht zu finden, auch nicht
Dan. 5, 21, wo der Plural und araniaische Sprachfassung (SIBSiJ i33)
vorliegt, und die Stelle Dan. 7, 13 gehort gar nicht hierher (13
©lis). TB15S an und fiir sich istja gar nicht ausschliesslicher ter-
minus Daniels. Schon Ps. 8, 5 lesen wir es. Aus dieser Stelle ist
Ps. 144, 3 geflossen. Wenn Hitzig bei Erklarung des Ausdruckes :
pp (T^MSn Ps. 132, 17 erst ganz richtig Ezech. 19, 21 heranzieht,
aber trotzdem auch den Gebrauch von pp bei Dan. 7, 23 (soil wol
heissen v. 24), so scheint diese letzte Stelle wie mit Haaren herzu-
gezogen. Findet iiberhaupt Abhangigkeit statt, so kann dieselbe
nur auf Seite des Verfassers des B. Daniel gesucht werden. Wie



*) Auch die der makkabaischen oder schon nachhasmonaischen Zeit angehori-
gen „18 Psalmen Salomo's" erweisen sich als Nachhall des alien Psalterium, wie
IS. B. Ps. Sal. 5, 10—12 aus Ps. 145, 15 ff. wiederklingt.



124 Aenssere Griinde gegen angebliche Makkabiierpsalmen.

dieser namlicli bei Abfassung des langeren Buss- and Beich-fc-
gebetes c. 9, v. 4ff. als liturgischen Typus das Gebet Nehem. 9,
5-10, 1 vor Augen hat (vgl. Dan. 9, 4-5. 6. 7. 9* mit Nehem. 9,
32-33. 30. 32. 34. 33. 17 [vgl. mit Ps. 130, 4 wegen ninibo]), so
auch den Beichtpsalm 106 wegen Dan. 9, 5 vgl. mit Ps. 106, 6.
Ueberhaupt verwerthet er in ausgedehntester Weise fertige Ge-
dankenausdriicke des Psalters, wie ein Vergleich von Dan. 9, 13
mit Ps. 44, 18; Dan. 9, 16 mit Ps. 79, 4; Dan. 9, 17 mit Ps. 80, 4;
Dan. 9, 18 mit Ps. 88, 3 and Dan. 9, 19 mit Pss. 40, 18. 70, 6 {b»
iriiiM) lehrt.

2) Textkritische Zengnisse.

Es ist anerkanntj dass die Psalmen zu den in textkritischer
Hinsicht weniger gut erhaltenen Schriftstiicken A. T.'s. gehoren.
Erklarungsgriinde konnen viele geltend gemacht werden. Ein
wichtiger ist dieser: Als Gesang- und Gebetbuch der alttesta-
mentlichen Gemeinde v?ard das Psalmenbuch haufig durch Ab-
schrift vervielfaltigt. Die Abschreiber lebten im Liederbuche
ihrer Gemeinde. Daher hielten sie sich nicht immer streng an
den Originaltext, soudern zeichneten gedaehtnissweise so auf, wie
einzelne Stellen in ihrer Erinnerung lebten. Dass sie den Text
absichtlich verstiimmelt batten, um eine kritische Thatigkeit zu
iiben, ist weder wabrscheinlich, noch nachzuweisen. Diese man-
nichfache Entstellung und Besehiidigung des heiligen Grund-
textes, welche der seit Houbigant mit theilweisem Gliiek tha-
tigen Conjecturalkritik ein weites Feld eroffnete, muss schon in
denjenigen Bxemplaren Platz gegrifFen haben, die den nachweis-
lich altesten Versionen zu Grunde lagen. Das lehrt ein unbefan-
gener Vergleich von den mit Textgebrechen behafteten Stellen
der Grundschrift mit den entsprechenden Stellen der LXX*),
wie z, B. Pss. 5, 12. 9, 7. 21. 22, 2. 42, 7. 64, 11. 5.5, 20. 102, 24
u. a. m. Ehe das Psalterium als Ganzes iibersetzt ward, muss



*) die mit so gewissenhaftev Aengstlichteit die altea heiligen Lieder wieder-
geben, dass sie z. B. das neuti-iseh zu fassende fem. DNt und nhX buchstablieh
mit avT-rj und nia (vgl. Pss. 118, 23. 119, 50. 27, 4) iibersetzen, obne Eiioksicht auf
den Genius der griechischen Sprache.



Textkritische Zeugnisse. 125

es redaetionellen AbscUuss gefunden haben. Schon zur Zeit
der altesten nachweislichen Redaction trug der Psalmentext
wesentlich dieselbe Entartung an sicb, wie beutzutage. Nur
die wenigsten Psalmen erhielten sich in der Textgestalt, wie der
Verfasser sie niedergeschrieben hatte. Auf Grund dleser Text-
beschaffenheit fragen wir: „Wie kann der Text der Psalmen
durch so viele Febler bereits zur Zeit der altesten nachweisbaren
Redaction entstellt gewesen sein, wenn die ganze Sammlung ihrem
Hauptstocke nach erst der Makkabaerzeit bis auf Alexander Jan-
naeuSj also bis eine geraume Zeit in's erste Jahrhundert binein,
ibre Entstebung verdankte? Verlangt diese Textverderbniss^ um
erklarlicb zu sein, nicbt einen langeren Zeitraum, als den, wel-
cber iibrig bleibt zwiscben Abfassung und Redaction, die docb
bei Annahme von makkabaiscben Psalmen ziemlich gleicbzeitig
fallen mussten? Dieser Prage bat sich aucb Olsbausen nicbt
entscblagen konnen. Die aus Anlass derselben gegen die Mog-
lichkeit von Makkabaerpsalmen entspringenden Bedenken sucht er
so zu beseitigen, dass er die Vollziehung der altesten officiel-
len Redaction des Psalterium den Pharisaern der letzten Zeit
Y. Chr. zuscbreibt. Wenn also die jiingsten Psalmen um 100
V. Cbr. verfasst waren, lage zwiscben Abfassungszeit und Scbluss-
redaction ein Zeitraiim von etwa 100 Jabren, der mithin binrei-
cbend lang ware, um die Bescbadigung der Handschrift zu er-
klaren. Diese Auseinandersetzung beseitigt aber keineswegs die
Scbwierigkeiten, sondern schafft nur neue. Denn einmal bleibt
Olsbausen den Beweis scbuldig,. dass das Psalterium erst in den
letzten Jabren v. Cbr. von den Pharisaern redigirt worden sei.
Sodann, jene unbewiesene und scbwerlicb nachweisbare Annabme
zugegeben, miisste aucb die LXX-Uebersetzung mindestens auf
die Zeit Cbristi herabgesetzt werden, denn LXX fanden das Psal-
terium in seiner gegenwartigen Gestalt (d. h. wie es von den
Pbarisaern redigirt worden ware) vor, iibersetzten sogar scbon die
Ueberscbriften, also Zutbaten des Textes, die an sicb spater dazu
kommen konnten. Dass aber die LXX-Uebersetzung nicbt erst
so spat entstand, soil im Nacbstfolgenden gezeigt werden (vgl.
S. 129 — 132). Aucb wenn wir Hit zig's Anschauung von der letzten
Redaction des Psalters in's Auge fassen, bleibt die Entstellung
des Textes ein Ratbsel, ja ist noch viel unbegreiflicber, weil



124 Aeussere Griinde gegen angebliche Makkabaerpsalmen.

dieser namlich bei Abfassung des langeren Buss- und Beicht-
gebetes c. 9, v. 4ff. als liturgischen Typus das Gebet Nehem. 9,
5-10, 1 vor Augen hat (vgl. Dan. 9, 4-5. 6. 7. 9' mit Nehem. 9,
32-33. 30. 32. 34. 33. 17 [vgl. mit Ps. 130, 4 wegen ninibo]), so
auoh den Beichtpsalm 106 wegen Dan. 9, 5 vgl. mit Ps. 106, 6.
Ueberhaupt verwerthet er in ausgedehntester Weise fertige Ge-
dankenausdriicke des Psalters, wie ein Vergleich von Dan. 9, 13
mit Ps. 44, 18; Dan. 9, 16 mit Ps. 79, 4; Dan. 9, 17 mit Ps. 80, 4;
Dan. 9, 18 mit Ps. 88, 3 und Dan. 9, 19 mit Pss. 40, 18. 70, 6 (bs
-insm) lehrt.

2) Textkritische Zeugnisse.

Es ist anerkannt, dass die Psalmen zu den in textkritischer
Hinsicht weniger gut erhaltenen Schriftstiicken A. T.'s. gehoren.
Erklarungsgriinde konnen viele geltend gemacht warden. Ein
wichtiger ist dieser: Als Gesang- und Gebetbuch der alttesta-
mentlichen Gemeinde ward das Psalmenbuch haufig durch Ab-
sohrift vervielfaltigt. Die Abschreiber lebten im Liederbuche
ihrer Gemeinde. Daher hielten sie sich nicht immer streng an
den Originaltext, sondern zeichneten gedachtnissweise so auf, wie
einzelne Stellen in ihrer Erinnerung lebten. Dass sie den Text
absichtlich verstiimmelt batten, um eine kritische Thatigkeit zu
iiben, ist vveder wahrsoheinlich, noch nachzuweisen. Diese man-
nichfache Entstellung und Beschiidigung des heiligen Grund-
textes, welche der seit Houbigant mit theilweisem Gliick tha-
tigen Conjecturalkritik ein weites Peld eroifnete, muss schon in
denjenigen Exemplaren Platz gegriffen haben, die den nachweis-
lich altesten Versionen zu Grunde lagen. Das lehrt ein unbefan-
gener Vergleich von den mit Textgebreehen behafteten Stellen
der Grundschrift mit den entsprechenden Stellen der LXX*),
wie z. B. Pss. 5, 12. 9, 7. 21. 22, 2. 42, 7. 54, 11. 55, 20. 102, 24
u. a. m. Ehe das Psalterium als Ganzes iibersetzt ward, muss



*) die mit so gewissenhafter Aengstlichkeit die alten heiligen Lieder wieder-
geben, dass sie z. B. das neutrisch zu fassende fern, nst und nriK buchstablich
mit avri] und nia (vgl. Pss. 118, 23. 119, 50. 27, 4) iibersetzen, ohne Eucksicht auf
den Genius der griecMschen Sprache.



Das Zeugniss des Siraciden. 127

Aufschluss giebt hieriiber des Buches erster Prolog, dessen Echt-
heit Olsbausen mit Unrecht in Zweifel gezogen hat. In diesem
Prolog setzt der Siracide auseinander, ,,er sei im 38. Jahre des
Ptolemaeus Euergetes nach Aegypten gekommen {h yuQ rw oydocp
xKt tQiaxooT^ hsi im rorv EvsQytzov ^aadt'ag TiaQuysrij-d-eig slg Aiyvmov) und
habe es fiir eine seLr nothwendige Sache gehalten, auf die Ver-
dolmetscbung des Buches seines Grossvaters alle Sorgfalt und
Miihe zu verwenden {avayKaimaTov i&e/irir avrog TiQoaeviynaa&od riva
anovSrjV nou (piXonoviwv rov fisSsQiitpemai rr;v8s rrpi ^i^Xov)". Da Euer-
getes I. (d. i. Ptolemaeus III. Euerget. von 246 — 231) iiberhaupt
nur 25 Jahre regierte, so kann hier nur Euerget. II. oder Ptole-
maeus VII. mit dem Beinamen Physcon in Frage kommen. Zwar
iibernahm dieser erst seit 145 v. Chr. die AUeinherrschaft, aber
kraft seiner Verordnung, dass die 25 Jahre seiner friiheren Mit-
regentschaft in_ der Chronologic seiner Regierungszeit mitzahlen
sollten, hat das Jahr 145 als das 26te seiner Regierung zu gel-
ten, mithin fallt das 38. Jahr seiner Regierung auf 133 bis 132
V. Chr. In dieser Zeit ist der Uebersetzer des Buches Sirach
nach Aegypten gekommen. Sein Grossvater, der eigentliche Ver-
fasser, wird also etwa40 bis 60 Jahre friiher das hebraische Original
niedergeschrieben haben. So gewinnen wir als Abfassungszeit
mindestens das Jahr 173, vielleicht auch 193. Ware freilich- die
lobpreisende Schilderung des Hohenpriesters Simon am Ende des
Buches (cap. 50, vv. 1 — 21) nicht auf Simon II., sonderu den Er-
sten dieses Namens zu beziehen, und in Folge dessen der Aus-
druck „ Grossvater" des Prologs nicht im strengen Sinne zu
fassen, sondern im weiteren (etwa „Vorfahre", wie es im Prolog
der Ed. Complutens. aufgefasst wird, deren Verfasser den „7ta.7i7zog"
des alteren echten Prologs zn .„e.yyovog" verallgemeinert), so wiirde
sich eine bedeutend friihere Abfassungszeit des Buches Sirach
ergeben, etwa 250 v. Chr., und das Zeugniss fur das Alter des
Psalterium gegen Makkabaerpsalmen verstarkt. Ein neuerer Be-
arbeiter jenes Buches gelangte wirklich zu diesem Resultate (vgl.
Horowitz, Das B. Jesus Sirach. Bresl. 1865). Aber schon wenn
man den „<!ta.nnog" im nachsten eigentlichen Sinne fasst und unter
Simon nicht Simon I. oder ,,Gerechten" versteht, sondern Si-
mon II., des Onia Sohn (vgl. 3 Mace. 2, 1), der von 219 bis 199
die hohepriesterliche Wiirde bekleidete, gewinnt man einen hin-



128 Aeussere Griinde gegen angebliche Makkabaerpsalmen.

reichenden Beweisgrund fiir die Annahmej dass das Psalterium
bereits vor der Makkabaerzeit abgeachlosseiij aueh die angeb-
lichen Makkabaerpsalme^l (weil ihrer eine grosse Anzabl im Buche
Sirach citirt sind) selbstverstandlieii darin aufgenommen sein
mussten. Dies Urfcheil finden wir bekraftigt durch die That-
sache, dass der Siracide in seinem ecbten Prolog nieht nur den
biblisclien Kanon seinen drei Haupttheilen nach kennt {„zov vofiov
Koi row 7i()0(p>jTav xa« riav aUav naz^uav ^i^Xicav") , sondern aueh das
Vorhaiidensein der alexandrinisch-griechischen Uebersetzung nicht
allein des Pentateuch und der Propbeten, sondern aucb der iibrigen
Schriften (einscbliesslich des Psalters) bezeugt {„aila. nal amog o
vofiog, xai ai TiQoqirirsTai, xod ra. Xoma rmv ^ifiXiav ov fw-qav sj^ei T?;y dia-
(fOQuv fV eavzoTg leyojisva."). Das letztere Zeugniss erhalt ein beson-
deres Gewicht dadurcbj dass der Siracide bei Anfertigung seiner
Uebersetzung der alexandrinisch-griechischen Psalyieniibersetzung
sich bediente^ was ersiehtlich ist, wenn man folgende Stellen
nicht nur in Hinsicht auf Periodenbau und Gedankenverbindung,
sondern schon in Bezug auf Wortwahl naher mit einander ver-
gleicht: Sir. \1 , 28 [ano vshqov a>g jA,ijde ovrog anoXlvtai I'^niiokoyijang'
^w* ^ai vyirig aivt'asi rov kvqiov) vgl. mit Ps. 115, 17 : ovx oi vexgoi alvt-
aovai ae hvqis, ov8e navrsg ... v. 18: '^)1' ijfieig ol ^mvrsg evloy^aajj-ev rov
KVQvov. Sir. 17, 27 [vipt'arcp rig aiveaei Iv a8ov;) vgl. mit Ps. 6, [5] 6:
iv ds r^ aSy rig i^ofioloyfiasiai aoi; Sir. 15, 19. 31, 16 [ol 6(f&aliiol kv-
qiov im Tovg (po^ovfiwovg avrov) vgl. mit Ps. 33, 18 : tSov, ot 6(fi&al[iol ''•^'^
xvQiov im Toitg (po^oviisvovg avrov. Sir. 2, 6 {ev&vvov rag bdovg am xai slm-
(iw in avrov) vgl. mit Ps. 37, 5 (vgl. 34, 8") : anoxdXvWov st§o? hvqiov
rijv oSov sov, nai thrtaov in avrov. Sir. 22, 27 (rig Scoobi fioi im arofia jiov
(frvlaxi/v, y.ai inl rmr x^sikimv etc.) vgl. mit Ps. 141, 3 : d^ov kvqis gyvXaxijv
r(^ arojiarl fiov, aai {^vqav nsQi.o)[ijg) nsQi.ra /et'l/? i^ov. Sir. 51, 1 vgl. mit
Ps. 7, [17] 18. Ill, 1 : i'^o/ioloyijaofiai aoi y.vgis. Sir. 51, 1 vgl. mit Ps.
140^ 13 [14] : i^ofioXoyeio'&ai r(p ovofiari. Sir. 51, S*" vgl. mit Ps. 38,
12 [13] : ix ^eiQog ^ijrovvrmv rrjv 'Wvp'jv jxov. Sir. 51, 3' vgl. mit Ps. 51,
lund 25, 7: aara ro nlifiog iUmg. Sir. 51, 7 vgl. mit Ps. 22, 12".
11*" vgl. 16*"; negtiay^ov fts ndvro&ev, xai ovx Ipi b (loij'&mv. Sir. 51, 8 vgl.
mit Ps. 25, 6. Sir. 51, 12. vgl. mit Ps. 37, 19. 41, 2 (a* xa^^tp
nov>jQ<^)-



Das Zeugniss der griech.-alexandr. Psalmennbersetzung. 129

4) Das Zeugniss der griecMscli-alexaiidrmischen Psalmen-
ul)ersetzuiig.

Die Entstehungszeit der griechisch-alexandriiiischen Psalmen-
ubersetzung muss im Zusatnmenhange mit dem Zeitalter der Apo-
kryphen und der Schriften Philo's untersucM werden. Da Philo
die Psalmen nach der Uebersetzung der LXX citirtj darf es als
ausgemachte Sache gelten, dass zu seiner Zeit die alexandrinische
Psalmeniibersetzung abgeschlossen vorlag. Dieselbe hatte we-
sentlich dieselbe Textgestalt wie lieutzutage. Sie befand sich
aucb an. derselben Stelle unter den iibrigen Uebersetzungen wie
heute. Die Diaskeuase eines^ der die einzelnen griechischen Ueber-
setzungen der iibrigen alttestamentlichen Biicher zu einemGanzen
vereinte, war also vollzogen. Wenn aber scbon der Siracide der LXX
der Psalmen sich bediente^ wie oben nachgewiesen ward, so diir-
fen wir mit Sicherbeit annehmen, dass diese Uebersetzung um
Mitte des zweiten Jabrbunderts v. Chr. bereits vorhanden war.
Dies bezeugen auch zahlreicbe Stellen in den iibrigen apokryphi-
schen Bxicbern des zweiten Jabrbunderts, in denen theils freierer
(wie beim Siraeiden), theils engerer Anschluss an die alexandri-
nische Uebersetzung wahrznnehmen ist. Dem griechischen Ueber-
setzer des Buches Tobit, das nach inneren Spuren gegen Ende
der Perserberrschaft hebraisch abgefasst, und gewiss noch im
zweiten Jahrhundert in's Griechische libertragen ward, muss die
griechische Psalmeniibersetzung schon sehr gelaufig gewesen sein.
Denn wo er Psalmenabnliches zu iibersetzen bat, benutzt er die
LXX: vgl. Tob. 3, 11. 8, 5 mit Ps. 72, 18. 19 (die Doxologieen
erwiesen sich aber als spateste Zuthaten im Psalter); Tob. 12,
20. 22 vgl. mit Ps. 71, 17. Tob. 8, 5 entbalt wiederum deutlichen
Anklang an eines der spatesten Lieder des Psalters (vgl. Ps. 148,
2 — 4). Das ganze 13. Kapitel im Buehe Tobit ist zum Theil aus
Reminiscenzen an Psalmen erwachsen (vgl. besonders 13, 17 ff.).
Aber auch sonst, wie 12, 6 if., ist die griechische Sprachfarbe der
LXX ganz durchsichtig. Ebenso zeigt sich der Uebersetzer oder
Verfasser des Buches Judith (zur Seleucidenzeit) innig vertraut
mit dem griechischen Psalter: vgl. Jud. 16, 15': oqri yaq sk S-rhb-
luav avv vScuji acdswd-tiastat mit Pss. 96, 9. 10. 11. 114, 4; und beson-
ders Jud. 16, IS*": nsTQCU 8s with nqoaanov aov wg Kriqog ramjaovrai vgl.

9



130 Aeussere Grunde gegen angebliche Makkabaerpsalmen.

mit Ps. 97, 5: ra oqij axsei. y.ijQog sraxridar ano TifjoaaiTtau xvqi'ov. Ferner
Jud. 9, 11 [13] vgl. mit Pss. 147, 10. 83, 16 f. ; Jud. 13, 14. 18 vgl. mit
Ps. 113, 1.117,1; Jud. 16, 2. 13 vgl. mit Pss. 96, 1. 98, 1. 150, 4. 5.
Die Stellen im B. Barueh, wo Psalmen citirt werden, weisen nicht
auf LXX zuriick (vgl. z. B. Bar. 3, 11 mit Ps. 143, 7. vgl. 88, 5).
Doch ist daraus nicht zu sctliessen, dass die griechisch-alexandri-
nisehe Uebersetzung der Psalmen zur Zeit, als das Buch Barueh in's
Griechische iibertragen wurde, iiberhaupt noch nicht vorhanden
war. Die Uebersetzung des Pentateuch, die naeh Aristobul's Zeug-
niss (der Mitte des zweiten Jahrhunderts schrieb) unter Ptolemaus
Philadelphus (284- — 246) zu Stande kam, hat dem Uebersetzer des
Buches Barueh sicker vorgelegen, und doch macht er auch von die-
ser bei Uebertragung der freien Citate aus dem Pentateuch (vgl.
Bar. 2, 2 f. 28-35 mit Deuteron. 28, 53. 15 ff.) keinen Gebrauch.

Auf viel umfanglichere Anwendung der alexandrinischen Psal-
meniibersetzung stossen wir im ersten Buch der Makkabaer. Die
Stelle 1 Mace. 2, 63 : J^rifiEQov .... „ozi iarqe^isv sig tov ^ovv uvrov, y.al o
Siakoymfwg avzoiv ajrcol«To" ist wenig abweichend von derFassung der
LXX Ps. 146, 4: jj'E^slevaerai ro nvEVfua avrov, xai iTiiaTQexpsi. sig rriv yrjv
uvtov . . . anolovvrai nm'zsg oi Siakoyujfiol amav." Nicht minder fusst
1 Mace. 9, 23 : „ . . . i^txvipav oi avofioi, . . . xal avsrsiXav Ttdvrsg ot SQya^o-
fievoi rriv aSaiav" auf der LXX Ps. 92,(0 : „. . . ot ij(S:qoLMQii^AiioXovvrct.i,
xeu &iaei(9QmsIi^eotv-etir-7nm:eg oi iQya^6ftewir - zifir-h'njttav." Fast wort-
getreues Citat nach der LXX der Psalmenstelle 79, 2". 3 : „ra?
acf.Qxag tmv oamv aov zotg dtjQioi^ rrjg ytjg. ^E^sxeav to aifia avrwv aig vScoq,
KvyXcg 'IsQovaaXijfi, xal oiiy. tjv b ^aTzrar" ist die mit der Anfiihrungs-
formel „xara, tov loyov, ov iyqarpev" vorher angekiindigte Stelle
1 Mace. 7, 17 : „2aQxag baimv aov xcu, cdfiara avrmv i^t^sav xvxkm 'Ieqov-



Online LibraryC. v. (Conrad) OrelliDie hebräischen Synonyma der Zeit und Ewigkeit → online text (page 27 of 29)