Copyright
Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

. (page 12 of 40)
Online LibraryFerdinand ApellGeschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 → online text (page 12 of 40)
Font size
QR-code for this ebook


wir uns heute ausdriicken wurden. Nicht uninteressant ist es, dass
sich im Ausschusse von 1523 durchweg andere Personen als in dem
A^on 1519 befinden, vielleicht mit Ausnahme des Stadtlohnherrn und
des Werkmeisters, die nicht mit Xamen genannt werden. \Mr finden
jetzt folgende ]Mitglieder: Herrn Ludwig v. Miillenheim, Herrn Claus
Knybs,^) Junker Bernhard Friedrich.JunkerEgenolf Roder ( v. Diersspergi,
Herrn Ludwig v. Rotwyll (Rotweili, den wir vom Bau des Bollwerks
vor dem Steinstrasserthor aus dem Jahre 1510 her kennen, Herrn
Daniel Mug,-) Herrn Hans Schutz, Junker Erhart Wurmser, Hans Hag,
Hans Hauptmann von Nurnberg. Da die Interpunktion im Ausschuss-
bericht an dieser Stelle vollig fehlt, so bleibt einige Unklarhcit beziiglich
des Amtes der drei letzten als Schiitzcnmeister.

Aehnlich wie 1523, so werden sich die Berathungen wohl noch
offers wiederholt haben, denn wir wissen bestimmt, dass die Bauten
eigentlich ohne grossere Unterbrechung fortgesetzt wurden. Indess
ist uns bis jetzt nur noch eine WM-handlung vom Jahre 1525 bekannt,"^)
die aber mehr die Beseitigung von Grjiben und sonstigen Deckungen
im X'orgelande, also Armirungsarbeiten, denn die Befestigung selbst
betraf, doch ersieht man an einigen Stellen der\'erhandlung den zeitigen
Zustand der Befestigung und djis ist von grossem Interesse. Hier
erscheint der Ausschuss im Auftrage der ,,Rath und XXI" und zum
Theil mit anderen Personen besetzt, die wir hier doch auch anfuhren
wollen. An erster Stelle steht dies Mai Herr Egenolf Roder v. Dirssperg,
dann folgt Herr Daniel Miig, Bernhard (Ott) Friedrich, die wir aus
dem jahre 1523 kennen. Ihnen schliessen sich an Herr Adrian v. Brembd,



*) Nach J. J. Meyer, 38 auch Kniebs und Kniebis, 1519, 1525, 1531 und 1537 Ammeister.
-) Nach J. J. Meyer, 38 auch Mueg; 1524, 1536 Ammeister.

3) Siehe Nr. 3 der Anlagen. Der Anfang dieser Verhandluiig ist im Fragment 4347
wiedergegeben.

6*



84 GESCHICHTE DER BEKESTIGUXG STRASSBURGS.

Ritter, Herr Pankratius v. W'ildsperg, Ritter,') Hans v. Matzenheim
iind Kaspar Wolff, die schon I'^U^ im Ausschuss sassen und mit Adrian
V. Rrembd und Pankratius w Wildsperg Hauptleute genannt werden,
und schliesslich ein gewisser Mathis Miiller, dessen Stellung nicht naher
bezeichnet wird. Ihr Rathschlag war unter dem Gesichtspunkte ab-
gefasst ,,als ob alle stund die Stat solt belegert werden" und offenbar
mit die Ursache, dass in der Folge das uberhohende und deckende
Geliinde vor den Westfronten abgetragen und der Boden zur Anschiitt-
ung der A^'alle hinter der Stadtmauer verwendet wurde. Man war
allgemein der Ansicht, dass die Stadt von keiner Seite leichter belagert
werden konnte als von den Hohen von Schiltigheim aus,-i dass ihr
aber beim Niklausthor igelbem Eck) keine sonderliche Gefahr drohe.
Betrachten wir nun die nach dem Jahre 151^) zur Ausfuhrung
gelangten Bauten in ihrer Gesammtheit, so muss zunilchst festgestellt
werden, dass der Rath offenbar nicht geneigt war, so Aveit zu gehen als
ein grosser Theil der Ausschussmitglieder. So sachgemass im Hinblick
auf das anzustrebende Ziel auch der \'orschlag erscheinen musste,
die Hauptfronten mit einem neuen, vorgelegenen Wall nebst Graben
zu umgeben, wodurch Aufstellungsraum fiir die Geschiitze gewonnen,
die hintergelegene Stadtmauer gegen Beschiessung aus der Feme
geschiitzt und das Hinderniss verdoppelt wurde, so war doch ein solcher
Bau bei der grossen-Ausdehnung dieser Fronten mit so betrachtlichen
Kosten verkniipft, dass man schon aus diesem Grunde Bedenken tragen
musste, ihn zur Ausfuhrung zu bringen; er hatte iiberdem den Nachtheil,
dass er wahrend seiner doch mehrere Jahre in Anspruch nehmenden
Ausfuhrung die Befestigung in einen gewissen Stand der Nichtbereit-
schaft versetzte. Dieser Grund musste bei den damaligen kriegerischen
\"erhaltnissen durchschlagend sein. Man entschloss sich deshalb, die
Walle hinter der Stadtmauer anzulegen, wobei diese jederzeit kampf-
bereit blieb und wobei man freie Hand behielt, je nach der Dringlich-
keit, hier und dort solche \^'^llle anzuschiitten. So entstanden denn
nach und nach, zunilchst hinter alien ausspringenden Punkten der Stadt-
mauer, kavalierartige Willie, welche spater, ebenfalls nach und nach,
durch andere Schiittungen zu einem durchlaufenden Walle Acrbunden
wurden. Fine auffallende Abweichung hiervon bildete der Abschnitt
der Befestigung zwischen Roseneck und Rausch, wo dem Ausschuss-
vorschlage entsprechend ein ausserer Wall mit vorgelegenem Graben
— dem sogenannten iiusseren Dreizehnergraben — zur Ausfuhrung



'j Das heute ausgestorbene (Jeschleclit derer v. Wildsperg wild noch ofters im Dienste
der Stadt Strassburg erwahnt.

-) Diese Ansicht wurde also nicht erst ini )ahre 1546 ausgesprochen. Vergl. Hollander.
Strss. i. schmalk. Krieg, 27.



DIE XACH I 5 19 BIS ZUM JAHRE I 55 2 AUSGEFUHRTEN BAUTEX IM ALLGEMEINEN. 85

g'elangte. Den Abschluss am Roseneck bildete die ebenfalls vom Aus-
schusse in \^orschlag- gebrachte runde Bastei fSchneckei. Da dieser
Bau, genauer gesagt der des iiusseren AA'alles, noch im Jalire 1519
begonnen wurde, so ist man wohl Aersucht, ihn als den Anfang eines
ausseren Walles zu betrachten, der die ganzen Westfronten umgeben
sollte. Man kann ihn um so mehr als den Anfang eines solchen
Walles betrachten, als auf dieser Stelle eine \^erstarkung der Befestigung
am wenigsten nothig erschien. Auch der eigenthiimliche Abschluss
des neuen \\'alles durch die Bastei am Roseneck macht den Eindruck,
als ob von vornherein etwas Anderes beabsichtigt gewesen sei, ein
Eindruck, der auch nicht dadurch verwischt werden kann, dass der
Bau einer Bastei daselbst schon von dem Ausschusse befiirwortet
war. Die ganze Anlage macht kurz gesagt den Eindruck einer unvoll-
endeten Arbeit.

Auch in Bezug auf die Bauten, welche zur Bestreichung der
Griiben geplant worden waren, legte sich der Rath eine weise Be-
schriinkung auf, indem er einfache Streichwehren nach Art niederer
Thiirme erbauen liess, ganz entsprechend den \'orschlagen, welche
Albrecht Diirer fiir die V'erstarkung alter Stadtmauern gemacht hat.
Da die Strassburger Streichwehren fast sammthch friiher erbaut
wurden als Diirers Werk erschien, so ist es unrichtig, wenn sie auf
seinen Einfluss zuriickgefiihrt werden. Einige dieser vStreichwehren,
wohl die altesten, waren einstockig und mit einem gewolbten, kuppel-
formigen Dach aus Hausteinen versehen, andere erhielten von \orn-
herein ein zweites Stockwerk in (iestalt einer Plattfurm, welche ersteren
zum Theil spiiter hinzugefiigt wurde, die etwas spiiter erbauten Streich-
wehren besassen dagegen zwei tiberwolbte Stockwerke und theilweise
ebenfalls eine Plattform ; bei aller Aehnlichkeit im Grossen und Ganzen
war also mancherlei \'erschiedenheit zu bemerken.

Neben diesen Bauten ging nun noch eine ganze Reihe anderer
her, welche alle die Verbesserung der Befestigung bezweckten, den
gesammten Umbauten wurde aber doch der Charakter wesentlich durch
die Art der Schilttung der ^^';ille und die .Anlage der Streichwehren
aufgedriickt. \\'ahrend man \on 1527 ab anderAviirts schon vielfach
zu der aus Italien stammenden Befestigung mit Bastionen iiberging,
blieb man zu vStrassburg bei der alten polygonalen Befestigung stehen,
die man durch die Streichwehren zu einer Kaponierbefestigung machte,
denn diese Streichwehren waren eben nichts Anderes als Kaponieren
in unserem heutigen Sinne, wenn auch ihre zum Theil mehr thurm-
artige Gestaltung A'on unseren Kaponieren neueren St3^1es etwas ab-
weicht. Indess werden Avir sogar eine StreichAvehr finden, welche
wenigstens in der Grundrissform einer neueren Kaponiere einfachster



86 GESCHICHTE UER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

Gestalt ungemein gleicht. ^erselbe Zweck unci dicselben Umstande
fiihren eben zu ahnlichen Bauwerken, wie dies ja weiter nicht ver-
wunderlich ist. So treffen wir in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu
Strassburg eine Befestigung, die in ihren Hauptgrundziigen eine grosse
Aehnlichkeit mit einer neupreussischen Polygonalbefestigung einfachster
Art besitzt, wie diese aber auch nur Frontalfeuer in das X^orgelande
abgeben konnte, des flankirenden und kreuzenden Feuers der Bastiomir-
befestigung aber entbehrt, denn die wenigen Geschiitze, welche auf
den Flanken der kavalierartigen A\';ille Pkitz finden, kommen hierbei
kaum in Betracht.

Ehe wir nun zur Beschreibung der einzelnen Bauten dieses
Zeitabschnittes iibergehen, mochte es doch interessant sein, einen
Ueberblick iiber das zu gewinnen, Avas in den Jahren bis 1552 iiberhaupt
zur Ausfiihrung gekommen ist, woraus sich dann auch leicht ein
Vergleich mit den Vorschlagen des Jahres 1519 ziehen lasst. Im
Jahre 1552 tritt dann eine gewisse Wandlung in den Anschauungen
ein, weshalb wir unsere Betrachtungen auch vorlaufig nur bis zu
diesem Jahre ausdehnen konnen.

„\"on der oberen 111 bis zum Thurme Lug-ins-Land*'. \^3n den
weitgehenden Vorschlagen fur diese Front kam nichts zur Ausfiihrung.
Statt des Bollwerks A'or dem Teufelsthurm wurde dieser < 1545 1 ^ i bis zur
Hohe der Stadtmauer abgebrochen, mit Boden verfiillt-i und mit
einer Plattform zur Geschiitzvertheidigung versehen. Die an ihn
anschliessende Mauer langs der 111 wurde mit Schiesslochern durch-
brochen, um den Fluss besser bestreichen zu konnen. Statt des Boll-
werks am Thurme Lug-ins-Land, der erniedrigt wurde (1530), wurde
am Bruch der Mauer links vom Thurme eine Streichwehr, spater
Kanzel genannt, erbaut i wahrscheinlich gleich nach 1519 1. Am Lug-
ins-Land (1524) und am Teufelsthurm (1546) wurden Willie geschiittet,
die Habermiihle wurde abgebrochen (1524). ^i

,,Vom Thurme Lug-ins-Land bis zum Roseneck". Die in \'or-
schlag gebrachte Befestigung der Achtriidermiihle kam zur Ausfiihrung
(1532j. Es wurde ein Bollwerk mit Streichwehren angelegt und im
Anschluss daran das Weissthurmthor umoebaut T532 — lv534). Die runde



') Silberinann 98 und Fragm. Specklin 2378. An anderer Stelle, Fragin. 2367, sagt
Specklin: ,,1543, Wall in St. Johannes Garten bei Teufelsthurm und dieser abgebrochen."
Vielleicht liegt nur ein Druckfehler vor, denn Fragm. 2378 heisst es dann: 1545.

2) Ich lasse es dahingestellt, ob nicht das unterste Stockwerk des Thurmes vorlaufig
noch erhalten blieb, denn die Specklinsche Zeichnung von 1564 deutet noch die Schiesslocher
desselben an, auch blieb ein Zugang dahin bestehen, da man den langs der 111 gelegenen
Wall von der Mauer abriickte.

^) Imlin 59 sagt: 1531. Sollte vielleicht auch hier ein Schreib- oder Druckfehler,
Silbermanns Angabe gegeniiber, vorliegen?



LBERBLICK UBER DIE BAUTEN DER JAHRE 1519 BIS I 552. 87

Wehre xov dem Kronenburoerthore wairde (1531)1) umgestaltet und
auch hier das Thor umgebaut il532). Die in der Ringmauer stehenden
Thiirmc der Westfront lausschliesslich der Thorthiirmei wurden
erniedrigt (15o0i und zwischen Kronenburger- und Steinstrasserthor
zwei Streichwehren erbaut, die eine links, die andere rechts vom
dicken Thurm, letztere an dem ausspringenden W'inkel der Stadt-
mauer; diese wurde dann der Drache genannt ' wahrscheinlieh gieieh
nach 1519 erbaut . Es war dies wohl der Punkt, fiir den die Bastei
,,an der Sehranke" in X'orschlag gebraeht worden war. Der Stein-
strasserthorthurm wurde niedriger gemaeht (1549i. -, W'rdle wurden
angelegt : beim W'eissthurmthor, zwisehen Georgen- und griinem
Thurm, beim Kronenburgerthor zwisehen diekem Thurm und der
Streichwehr Draehe T530 u. f. J.) und am Roseneek il545i. Der Boden
wurde aus der sogenannten Leimengnibe vor dem Kronenburgerthor
und dureh Abtragung der hoehgelegenen Aecker vor der Westfront
von Kcmigshofen bis Sehiltigheim gewonnen.'^i

,,\"om Roseneek bis zum Rauseh". Der \'orsehlag, einen zweiten
Gral^en nebst hintergelegenem Wall anzulegen, kam hier zur Aus-
fiihrung il519) und ebenso die Erbauung einer Bastei am Roseneek
(1525 im Bau begriffem, die dem nieht weiter gefiihrten Wall an
dieser getTihrdeten Eeke der Befestigung zu einem gewissen Absehluss
verhalf. Aut" der Mitte der neuen Befestigung wurde eine Streieh-
wehr ,,im Sehafstall" genannt, erbaut, an Stelle der Bastei, die fiir die
Gegend ;im Kauseherthiiiicin in X'orsehlag gebraeht worden war
wahrscheinlieh 1519 begonnen .

,,\^)m Rauseh bis zur unteren 111". Im Zwinger oder falsehen
Wall wurden zwei Kasematten zur Bestreiehung des inneren Dreizehner-



') Fra,t;iii. Specklin 2322 u. l'"iagni. 4352 : 1530. l!ci dicseii geringen Unterschiedeii in
den Jahieszahlen ist zu vermulheu, dass der eine Chionisl den Beginn, der andere die Be-
endigung des Baues angibt.

-) Fragm. Si)ecklin 2378 : 1545.

3) Pollnitz. 24, fiihrL die Xothw endigkeit dieser Bodenentnahme aus dem Vnrgelandc
auf den Umstand zuriick, dass man zur Anlage des Grabens einen Breuscharm benutzi halle.
Abgesehen davon, dass, wie ich bereits bewiesen, der (Jraben gar kein Breuscharm war, stand
doch sicher nichts entgegen, den Graben zu verhreiUrn. Da man ihn indess schon mehrfach
verbreitert hatte, so woUte man vielleichl darin niclit weitergehen. Das Wesentliche war
jedoch, dass man das Vorgelande abtragen wollte. weil es zum Theil iiberhohte und die Ein-
sicht von den damals noch verhaltnissmassig niedrigen Wallen beschrankle. Es ist I'erner
ungenau, wenn v. Pollnitz und Silbermann bei dieser Gelegenheit sagen, dass mil der Arbeit
am Roseneek nicht fortgefahren, dieselbe vielmehr erst dreissig Jahre spater vollendet worden
sei. Damals, zu Specklins Zeiten, wurde das Bollwerk am Roseneek vollstandig neu gebaut.
Im jahre 1545 handelte es sich nur darum, einen Wall vnm Steinstrasserthor bis zum inneren
Dreizehnergraben zu schiitten, und diese Arbeit isi auch in der beabsichtigten Weise vollendet
worden.



88 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

grabens angelegt (1523 vorhanden , ' hinter dcr Ringmauer, im Garten
des Klosters von St. Clara am Rossmarkt aber schiittete man einen
Wall, um iiber die Plauel- und Rauschermiihle hinweg in das \^orfeld
des Dreizehnerwalles wirken zu konnen il546j. Die Strebepfeiler,
welche zur \'erstarkung der Mauer nachmals hier angebracht wurden,
waren noch in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts zu sehen
und sind erst dem Neubau an der Ecke der Giesshausgasse und des
Schopflinstadens gewichen. Das im Winkel zwischen Stadtgraben-
kanal und unterer 111 gelegene Kloster St. Clara im Worth wurde
abgebrochen und an seiner Stelle ein grosses Bollwerk mit Streich-
Avehren im Anschluss an den Thurm ,,im vSack" angelegt (1525
bzw. 1543). -I

,A om Fischerthor um die Krutenau bis St. Katharinenthor".
Statt der in \^orschlag gebrachten Basteien am Niklaus- und Johannis-
thor imd am Blindeneck wurden Streichwehren, desgl. vor dem
Klapperthurm und am Bubenloch, ^) zwischen Johannisgiessen und
Blindeneck, erbaut idie Streichwehr am Blindeneck war bereits im
Jahre 1523 vorhanden s*) die am Niklaus- und Johannisthor sind 1530,^)
die anderen anscheinend 1541 erbaut worden. "i Das Niklaus- und das
Johannisthor wurden abgebrochen und an ihrer Statt zwischen beiden
Thoren das sogenannte neue Thor angelegt (1530). Hinter den Streich-
wehren bei St. Niklaus, d. h. am gelben Eck, bei St. Johann und am
Blindeneck (in Herrn Hans Bockens Garten i wurden ^^^alle geschiittet
(1530j. ^) Letzterer hiess der Tiirkenritter, well er zur Zeit der Turken-
gefahr, die das Reich bedrohte, erbaut wurde, spater nannte man ihn
auch ,,des Rehlingers Wall", ^i Der Ausfluss der 111 und des Johannis-
giessen aus der Stadt wurden auf beiden Ufern mit Mauern eingefasst,
die mit Schiesslochern versehen waren (zum Theil erst nach 1552, im
Jahr 1558 bzw. 1563, im Uebrigen wahrscheinlich 1546 1; am Ausfluss



1) Siehe Nr. 2 der Anlagen.

2) Fragm. 3996.

3) Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 197, 12 a.
*) Siehe Nr. 2 der Anlagen.

5) Fragm. Specklin 2322.

^ Silbermann, 97.

^) Fragm. Biiheler 24S. Hans Bock gehorte nach B. Hertzog VI, 22S dem Geschlechte
der Bock von Erlenburg, Erslein, Gerstein und Blessheim an und war in den Jahren 1506
bis 1542 nicht weniger als zwanzig Mai Stettmeister.

^) Weshalb man ihn spater des Rehlingers Wall nannte, vermag ich nicht anzugeben;
diese Bezeichnung findet sich bereits im Jahre 1607 (Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 197, 12 a).
Er kann also nicht wohl nach dem schwedischen Kapitan Rehlinger benannt worden sein, der
wahrend des dreissigjahrigen Krieges Strassburg im Auftrage Gustav Adolphs aufsuchte;
Rehlinger war aber ein Strassburger Kind, wie denn die Familie Rehlinger auch wahrend des
schmalkaldischen Krieges zu Strassburg erwahnt wird. Siehe Hollander, 22. Irrig ist, dass
Seyboll), D. a. Strss. 228, den Tiirkenritter (Tiirkenwallj in die Nikolauswallstrasse verlegl.



UEBERBLICK UBER DIE BAUTEX DER JAHRE 1 5 IQ BIS 1 552. 89

des Johannisgiessen wurde eine gedeckte Hangebriicke erbaut und
der Giessen durch ein Gatter geschlossen (1531 ). Der Graben um
die Krutenau wurde verbreitert und mit Mauerwerk bekleidet (1530
und 15401.

^X'^om Metzgerthor bis zur oberen 111". Vor dem Metzgerthor
wurde unter Benutzung des Z^Yingers ein Bolhverk errichtet und mit
zwei Rondelen oder Streichwehren versehen, dazu zwischen dem
inneren und ausseren Thorthurm ein Gewolbe, an Stelle der bisherigen
Briicke, hergestellt und ein AA^all geschiittet; das Bolhverk wurde
vom Zwinger abgetrennt (1536—1543). Der innere Thorthurm wurde
erniedrigt il544i. \^or diesem Bolhverk wurde ein neuer Zwinger
angelegt, im Anschluss an den 1475 70 erbauten, der solchergestalt
Anschluss an die Befestigung der Krutenau bekam. In demselben
wurde das niinmehrige aussere Metzgerthor mit zwei angehangten
Streichwehren, sowie im eingehenden Winkel rechts v(^m Thor eine
Streichwehr erbaut 1543 1545;; die Streichwehr im eingehenden
Winkel war schon 1523 vorhanden. \> Der Graben \om Metzgerthoi-
bis Elisabeththor wurde verbreitert und mil Maiierwci-k bekleidet, der
Boden zur X'erlangerung, Erhohung unci \erbreiterung der \\';ille im
Zwinger von 1475 75 x'crwendet (1530 und 1540.

Wir gehen nun zur niiheren Besprechung der einzelnen Bauten
iiber. Soweit irgend angangig, wird hierbei die zeitliche Reihenfolge
eingehalten werden, doch ist dies eben nicht \ (Ulig durchftihrbar,
weil sonst die Uebersichtlichkeit zu sehr gestr)rl werden w iirde.

Silbermann, 1*)U und vSeyboth, D. a. Strss. 255 gehen das )ahr
1508 als das der Herfetellung des ausseren Dreizehnergrabens an, was
aber nicht richtig ist, da aus der \'erhandlung von 15U) mit Bestimmt-
heit hervorgeht, dass damals der in Rede stehende (xraben noch nicht
vorhtmden war, \ielmehr erst in Vorschlag gebracht wurde. Derselbe
ist nach der kleinen Strassburger Chronik, die Silbermann und Seyboth
wohl nicht bekannt war, im Jahre 1519 angelegt worden, -') als erster
Verst;irkungsbau nach Abschluss der Berathungen des Ausschusses.
Die Lage der neuen Befestigung zur heutigen Stadt ist aus dem Plane
zu ersehen. Es war ein ganz einfacher Bau, parallel der Ringmauer
der dritten Erweiterung angeordnet, vom Roseneck bis zum Rausch
reichend und aus einem Wassergraben und einer mit vSchiesslochern
A^ersehenen Mauer nebst hintergelegenem Wall bestehend. '^i Die Mauer



') Siehe Nr. 2 der Anlagen.

^) Ausgabe von R. Reuss, 5; audi Imlin, 26. Daiiacli wurde der Bau 1521 beemiet.

■■*) Seyboth, D. a. Strss. 255 setzt diesen Wall in das Jahr 15S0 und verwechselt ihn
offenbar mit der Streichwehr am Rausch, d. h. dem Wall, welcher in diesem Jahre zwischen
dem Dreizehnerwall und der neuen Befestigung vor dem Judenthore geschiittet wurde.



90 GESCHICHTE DER BEFESTIGLNC; STRASSBURGS.

bildete iileichzeitig" clie Beklcidungsmaucr des (irabcns und stand iibcr
dem gewachsenen Boden frei, der ^^'all war also nicht unmittelbar an
sie geschiittet. Auch die iiussere Grabenboschung, dcr ,,Staden" der
\'erhandlung" von lv^25, war mit Afauerwerk bekleidet. Die Wallschiittung
finite den ganzen Raum zwischen den beiden Stadtgriiben aus, sodass
eine Wallstrasse nicht verblieb und der A\'all selbst auf seiner ganzen
Liinge als solche dienen musste. Aueh diese Wallsehiittung besass noch
keine Brustwehr, war also nur eine einfache Ansehuttung, auf der die
Geschutze hinter grossen mit Erde gefiillten Schanzkorben aufgestellt
wm-den. Den Abschluss des A\'alles am Roseneck bildete eine halb-
runde Bastei, gemauert und wie es scheint ohne Kasematten und nur
mit einer dureh eine Brustwehr von Stein gedeckten Plattform ver-
sehen. Leider kann man hieriiber keinen sicheren Aufschluss erhalten,
da die Specklinsche Zeichnung von 1564 die Bastei von der Ruckseite
zeigt, sodass man nur die Plattform sieht. • i. Auch eine Specklinsche
Grundrisszeichnung im Stadtarchiv lasst nur eine Geschiitzaufstellung
erkennen, ob Kasematte oder Plattform bleibt ungewiss, doch ist
letzteres anzunehmen, da keine Pfeiler oder Gewolbewiderlager zu
sehen sind, die bei den riiumlichen Abmessungen sonst sicher hatten
vorhanden sein miissen. Fur ein den ganzen Raum iiberspannendes
Gewolbe war der Raum jedenfalls zu gross. Da nun auch die Silber-
mannsche, offenbar mit Benutzung des Specklinschen Modells entworfene
Zeichnung XV" nur eine Reihe Schiesslocher zeigt, so wird wohl im-
genommen werden durfen, dass die Bastei nur eine Geschiitzstellung
und zwar als Plattform mit Steinbrustwehr und Schiesslochern darin
besessen hat. Silbermann setzt auch diesen Bau irriger Weise ins Jahr
1508, das Werk (Vorbau, Ravelin) vor dem Steinstrasser-Thor ins Jahr
1510 und ein anderes Mai ins Jahr 1525, woraus mit Sicherheit folgt,
dass hier eine \'erwechslung stattgefunden hat. - ) Wie die \'erhandlung
vom Jahre 1525 bezeugt, befand sich die Bastei damals im Bau. Die
^litglieder des Ausschusses besichtigten sie ^'on aussen und innen und
,,lossen sy Inen alien wolgefallen".

Beide Dreizehnergniben waren gegen den Graben am Roseneck,
der nach der W'rhandlung von 1525 eben eine Erweiterung erfuhr,
durch Bare — batardeaux abgeschlossen, von denen derjehige des
inneren Dreizehnergrabens nach der Specklinschen Zeichnung von
15t)4 und nach Silbermanns Zeichnung XV" eine Gallerie besass, die
nach beiden Seiten Schiesslocher zeigte. ^Nlan konnte also xon hier
aus die linke Halfte des Grabens bestreichen, wilhrend dies auf der
rechten Halfte von den beiden im Zwinger angebrachten Kasematten



') Gut nachgebildet in kleincicm Masssiabe bei Seybolh, D. a. Slrss. 256.
-) Silbermann 93 u. 94.



Dili STREICHWEHR „IM SCHAFSTALL".



91



aiis geschah. ' > Die Bcstreichung des aussei
folgte dagegen .

vonderiNIitteaus, ;

von der Streich-

wehr ,,ini Schaf-

stall",-jnebenbei

auch von einem
Geschiitzstand

der amRoseneck

gelegenenBastei .

Wenngleich das ^-
Erbauungsjahi



der Streichwehr
nicht mit Sicher-

heit angegel^en
Averden kann, so
fallt es doch mit

grosser \\'^ahr-
scheinlichkeit in
die Zeit der Her-
stel lung des Drei-

zehnerwalles,
d.h. zwischen die
Jahre 1519 und
irVil. \'ondiesem
liauwerke, wel-
ches erst nach
dem Jahre 1S20
beseitigt wurde,
besitzt das Ar-
ehi\' der Kaiser-
lichen Fortifika-

tion genaue
Zeichnungen, die



en Dreizehnergrabens er-




B



•l [rre icli nicht, sm wcnlen diese beiden Kaseinalten auch in einem der beiden, mir
eben nicht zur Hand l)etnidlichen Blicher erwahnt, die im Uebrigen ziemlich werthlos sind :
Descharrieres u. s. w. (siehe uben) und Coqueugniot, Meinoire liislorique sur lus anciens
monuments liistoriques de la ville de Strasbourg. Strasbourg 1822.

2| Die Specklinsche Zeichnung von 1564 lasst cin (:}ebaude erkennen, das lialbwegs
aut", lialbwegs hinter der Streichwehr auf dem Walle stelit und wie ein Stall aussieht. SolUe
der so gut abgeschlossene Dreizehnerwall vielleicht von den llerren Dreizehnern als Schaf-
weide benutzt worden sein- Dadurch wLirde sich der etwas eigenthiindiche Namen der Streich-
wehr dann leicht erklaren lassen.



92 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

hier im verjiingten Massstabe wicdergegeben sind. Sie zeigcn uns
die Streichwehr indess in einem Zustande, der ihrer ursprunglichen
Gestaltung- nicht vollig- entspricht, indem die Plattform wohl eine
spatere Zuthat ist. Wann diese angebraeht wurde, ist zwar nieht mit
Bestimmtheit anzugeben, indess ist es unzweifelhaft, dass sie sclion
im Jahre 1564 \"orhanden war, da sie aus der Specklinschen Zeichnimg
dieses Jahres zu ersehen ist. Ebenso wie die meisten anderen Streich-
Avehren wird die Streichwelir ,,im Schafstalle" anfanglich ein mit
Hausteinen abgedeclvtes kuppelformiges Dacli besessen haben. Sie




C.



Est



i»v. .^tUCc^jto ctje



war damals also ein etwa halbrunder Thurm, einstoekig imd nie-
driger als die Stadtmauer. Dazu kam dann spilter die durch eine
Steinbrustwehr gedeckte Plattform. In der Kasematte konnten drei,
auf der Plattform zwei Geschiitze aufgestellt werden, sodass der
Graben nach jeder Seite zuerst mit einem, dann mit zwei Geschiitzen



Online LibraryFerdinand ApellGeschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 → online text (page 12 of 40)