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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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dauerte, an den Festungswerken nicht viel gebaut worden ist; alles
was wir wissen, bezieht sich lediglich auf von ihm gefertigte Entwiirfe,
die aber nicht zur Ausfiihrung gelangten. Die bereits erwahnten vier
altesten dieser Entwurfe tragen die Jahreszahl 1589 und sind, da
Specklin erst ganz zu Ende dieses Jahres starb, aller Wahrscheinlich-
keit nach noch zu dessen Lebzeiten hergestellt, ja es ist fraglich, ob
sie nicht gar ihm selbst zuzuschreiben sind, weil sie in seiner Be-
festigungsmanier entworfen wurden. Indess miissen wir uns doch
daran halten, dass sie lediglich das Zeichen Hans Schochs tragen und
auch beziiglich der Schrift keinen Schluss auf Specklins Autorschaft
gestatten. Es sind vier Parallelentwiirfe fur den Umbau der Befestigung
von der oberen 111 bis zum Weissthurmthor, vom einfachsten Umbau
zum immer vollendeteren vorschreitend, aber wie gesagt alle vier im



*) Strss. u. s. B. 279 u. f.

2j An Schochs Stelle wurde Adam Heusler, Scheerer und Wundarzt, zum Lohnherrn
bestellt. Man wiihlte absichtlich keinen Bauverstandigen, da man die Thatigkeit des Lohn-
herrn wieder auf das Verwaltungs- und Finanzgeschaft beschranken wollte (Strss. u. s. B. 279
u. f.), was darauf hindeutet, dass Hans Schoch als Lohnherr wohl Specklin, mehr als dem
Rath lieb war, an die Hand gegangen sein mochte.



HANS SCHOCH WIRD STADTBAU:\rEISTER. 225

Geiste Specklinscher Befestigungsmanier gehalten. Zu ihnen hat offcn-
bar ein bis jetzt nicht aufgefundener Bericht gehort, denn die einzelnen
Werke sind, vom ersten zum letzten Entwurf durchlaufend, mit Zahlen
versehen, die sich nur auf einen, die vier Entwiirfe umfassenden Bericht
beziehen konnen. Alle vier Entwurfe bezeugen ein unleugbares Geschick
und bieten brauchbare Losungen, jeder in seiner Art.

Zunachst muss hervorgehoben werden, dass fiir alle vier Ent-
wiirfe ein rechts vom Weissthurmthor zu erbauendes Bolhverk als
feststehender Ausgangspunkt angenommen wird, dass die Aier Ent-
wiirfe also off enbar nur \'arianten fiir einen Theil eines weitergreifenden
Entwurfes und zwar fiir die Befestigung zwischen oberer 111 und Weiss-
thurmthor vorstellen, der in seiner im Hauptentwurf enthaltenen Ge-
stalt vielleicht den Beifall des Rathes nicht gefunden hatte. Man wird
vermuthen durfen, dass dieser Hauptentwurf jener auf l^ergament
gezeichnete Specklinsche Entwurf gewesen ist, der mit den in Rede
stehenden vier Entwiirfen im Jahre 1669 von den obercn Fortifikations-
herren aus der Kunstkammer entnommen wurde. — Entwurf A') sieht
lediglich ein klelnes halbes Bolhverk unmittelbar links vom Margarethcn-
thurm vor und beseitigt die Abstumpfung zwischen Kanzel und Lug-
ins-Land durch einfache Verlangerung der Nebenlinien nach vorn,
sodass zwischen dem Bolhverk beim Margarethenthurm und beim
Weissthurmthor zwei gerade Linien entstehen, die als eine Tenaillen-
befestigung bezeichnet werden konnen und ihre Bestreichung von den
genannten Bollwerken erhalten. Gewiss ist dies die denkbar einfachste
Losung, indess ist ebenso sicher, dass damit wenig gewonnen worden
Avare, A^or alien Dingen war die Losung aber dadurch mangelhaft,
dass sie den inneren Facen der Nachbarbollwerke nur eine schwache
Bestreichung gewjihrte. — Entwurf B'-) unterscheidet sich \on dem
vorhergehenden im W^esentlichcn nur dadurch, dass er vor der Linie
Kanzel- Lug-ins-Land ein Bolhverk vorsieht, also dem soeben gerugten
Mangel Abhiilfe verschafft. — Dasselbe bezweckt der Entwurf C, •')
doch mit dem Unterschiede, dass er das Bolhverk vor der Linie
Kanzel — Lug-ins-Land mehr nach innen zieht, Avodurch die Nothwendig-
keit herbeigefiihrt wird, auch die nebengelegenen Kurtinen nach ein-
Avarts zu verlegen. Es Avird hierbei in geschickter Weise vermieden
mit den Wallschiittungen weiter in die Stadt zu greifen als es zur Zeit
der Fall ist, gleichAvohl kann das geringere Vorgreifen des Bolhverks
Lug-ins-Land kaum den Nachtheil aufwiegen, der darin besteht, dass
von der vorhandenen Befestigung eigentUch nichts erhalten bleibt.



V) Strss. Stdt. Arch. PI. 482 (lib 3).

-] Ebenda, 469 (lib 4).

») Ebenda, 464 (II^ 5).

V. Ape 11, Befestigung Strassburgs. ^5



226 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

Hiei" kcinnte nur eine genaue Berechnung klarlegen, welcher von den
beiden, im Uebrigen sonst ziemlich gleichwerthigen Entwiirfen der
okonomisch vortheilhaftere ist. — Entwurf D'l macht sich insofern
von seinen drei \^organgern los, als er das halbe Bollwerk beim Mar-
garethenthurm aufgibt und statt dessen drei voile bastionirte Fronten
vom Weissthurmbolhverk bis zur oberen 111 vorsieht. Zu dem Zwecke
wird ein Bollwerk rechts .A'on Lug-ins-Land und eins links von der
Kanzel derart angelegt, dass die Linie Lug-ins-Land— Kanzel die Kurtine
fiir diese eingeschobene Front abgibt. Dabei muss die Kurtine Lug-
ins-Land— Weissthurmbolhverk vorgeschoben werden, um das Bollwerk
Lug-ins-L;md nicht zu spitz werden zu lassen. Auf dem linken Fliigel
wird die neue Front durch das Einbrechen einer Flanke beiSt. Johann
hergestellt, wobei der A\'all bei St. Johann am Teufelsthurm i als
rechte Face des dortigen Fliigelbollwerks bestehen bleibt. Es ist ohne
Weiteres zuzugeben, dass dieser Entwurf der stiirkste, aber auch
theuerste ist. Er beansprucht von alien vier Entwiirfen insofern das
grosste Interesse als er die Specklinschen Ideen am reinsten zur An-
schauung bringt, mag der Entwurf nun von Specklin selbst oder von
Hans Schoch herriihren. — Schliesslich muss noch hervorgehoben
werden, dass alle vier Entwiirfe eine Verlegimg der Achtradermiihle
in den ausseren Zollgraben in Aussicht nehmen, ein \'orschlag der im
Laufe der Jahre von verschiedenen Seiten wiederholt wurde.

Aus dem Jahre 1590 liegen uns dann drei Entwiirfe Hans Schochs vor,
welche sammtlich in einer von den Specklinschen Ideen abweichenden
Befestigungsmanier entworfen worden sind, sodass diese Manier wohl als
die Schoch'sche bezeichnet werden kann. Alle drei Entwiirfe schlagen
einen volHgen Neubau vor, wobei der eine Entwurf die ganze Stadt-
befestigung, die beiden anderen nur die Westfronten behandelt. Der
Gesammtentwurf-) bringt die Befestigung in einen Kreis mit zwanzig
regelmassigen Fronten und nimmt keinerlei Riicksicht auf die orthche
Beschaffenheit der Umgebung, die sehr wohl eine verschiedene Be-
handlung der einzelnen Theile der Befestigung zuliess bzw. verlangte,
die beiden anderen Entwiirfe^) unterscheiden sich nur dadurch von
einander, dass der an zweiter Stelle angefiihrte etwas weiter nach
aussen greift. Diese beiden Entwiirfe verbessern den vorhandenen
Zustand der Befestigung insofern als sie die scharfen Ecken bei Lug-
ins-Land und Roseneck beseitigen wollen, dass sie aber Aussicht auf
Ausfuhnmg gehabt hatten, wird nach alien \'organgen selbst ihr Ur-



') Strss. Stdt. Arch. 79 (lib 6).

2; Ebenda, PI. 532 (I, 13), kreisrund ausgeschnitten.

3j Ebenda, PI. 521 (II



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