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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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und Vervollstandigung der Stadtbefestigung thatsachhch geschah, der
Befestigung des Rheinpasses, die nunmehr auch in die Hand genommen
wurde, soil dann ein besonderer Abschnitt gewidmet werden.

Wie der J. E. Meyersche Plan von 1617 zeigt, fehlte in der Be-
festigung der Krutenau stellenweise noch die Wallschiittung hinter der
Stadtmauer, ein Mangel, der schon verschiedentlich, auch von J.E.Meyer,
geriigt worden war. Dieser war 1619 gestorben und hatte als Nach-
folger den uns bereits bekannten Hans Schoch erhaltcn, der sich sofort
von Heidelberg aus zur Wiederiibcrnahme des Stadtbaumeisteramtes
gemeldet hatte.') Seine erste Arbeit im Jahre 1620 war die Schiittung

1) Hans Schoch war nach seiner Entlassiuig im Jahre 1597 zunachst in Strassburg ge-
blieben, dann viel umhergereist, leitete 1602— 1607 den sogenannten Friedrichsbau des Heidel-
berger Schlosses und scheint bis zum Jahre 1620, wo er wieder in Strassburg angestellt wurde,
in kurpfalzischen Diensten gestanden zu haben (Ztschrft. f. d. Gesch. d. Oberrhn. N. F. V, 1 19).
Als Besoldung verlangte er im Jahre 1620 seine Heidelberger Gebilrnisse, d. h. 300 Old. baar,
20 Malter Korn, 11/2 Fuder VVein, freie Wohnung und freies Holz. Im August 1620 wurde
ihm thatsachlich ein nur um wenig geringeres Gehalt bewil'.igt, aber gleichzeitig auch das Amt
des Lohnherrn iibertragen, das er jedoch nur kurze Zeit versah, da sich die UnmOghchkeit
herausstellte, beide Aemter gleichzeitig zu verwalten. 1627 wurde H. Schoch „Altershalben"
ein Gehiilfe in der Person eines gewissen Eberhard Welpert beigegeben, von dem man weiter
nichts weiss. Die Stadt entzog Schoch die Bestalhmg und beliess ihm nur die freie Wohnung;
er starb 1631, unbemittelt, so dass man seiner Tochter ein Gnadengeschenk bewilligte (Strss.
u. s. B., 286). Ein Verzeichniss der bei ihm vorgefundenen Zeichnungen befindet sich im
Stadtarchiv. Ich gebe es, da es nicht uninteressant, in Nr. 8 der Anlagen; man mag daraus
ersehen, welche Unzahl von Zeichnungen mit der Zeit verloren gegangen sein miissen.



VERBESSERL'XGSBAUTEN BIS ZUM JAHRE I632. 245

des Walles am Fischerthor, bei welcher Gelegenheit auch eine Poterne
durch den Wall am Gelben Eck zu der dort gelegenen Streichwehr
hergestellt wurde,i) da man sonst nm* durch den Rondengang vom
Fischer- oder Neuen Thor hatte dorthin gelangen konnen. Ueber diese
Bauten besitzt das Stadtarchiv noch einige Zeichnungen,"i ebenso uber
die Befestigung zwischen \^"eissthurmthor und St. Georgsthurm, wo man
die einfache Wallschtittung im Jahre 1620 mit einer Brustwehr versah.^)
Des Ferneren legte man einen 30 Schuh breiten gedeckten Weg an.*j
Jung und alt, arm und reich, Weiber und Kinder mussten fronen.'^j
Zu dieser Zeit ist jedenfalls auch der Kavalier zwischen Weissthurm-
und Kronenburger Thor angelegt worden.S Auch die Befestigung am
Metzgerthor, d. h. zwischen diesem und dem Johannisgiessen, wo nur
der Tiirkenritter oder RehlingerAA'all vorhanden war, wurde fiir
gefahrlich gehalten, doch kam es hier noch nicht zur einem Wn-
starkungsbau.^ )

Der sich immer weiter ausbreitende grosse Krieg liess den Rath
fur die Sicherheit der Stadt besorgt werden. Bisher hatte er sich mit
der \"erstarkung der Wachen und den nothwendigsten kleinen Ver-
besserungsbauten beholfen, nunmehr schien es ihm aber doch an der
Zeit, einen durchgreifenderen Umbau in die \\x\ge zu leiten, zu welchem
Zwecke er unter dem 5. Juli 1620 den INIarkgrafen (von Baden ?i, den
Grafen Friedrich von Solms und Johann Fricdrich Hartlieb ersuchte,
sich iiber die Verbesserung der l]efestigung zu ;iussern.^) Letzterer
fertigte, wie sich aus einer X^erhandlung der vSchoffen vom 22. Februar



•) Walther, 14; Seyboth, D. a. Stiss., 222.

2j Strss. Stdt. Arch. PI. 125, 142, 167 (bzws. Ilf 15, 16, 171. Die Zt-ichmmgen siml von
1622 datirt.

^) J. E. Meyer gibt in seinem Plan von 1617 hier cine Brustwehr an, seine Zeichnung
ist also an dieser Stelle nicht ganz zutreifend. Ebenso irrig ist es, wenn Silbermann, 108/109
behauptet, das Miillerbolhverk sei 1617 derart umgebaut worden, dass das an der Spitze be-
findliche Rondel (Streichwchr) geschleift worden sei. Silbermann hat sich verlesen, wenn er
iiber dem Gewolbe am Ausflusse des IMiihlgrabens die Jahreszahl 1617 zu erkennen glaubte,
denn die in den vier Ecken des Stadtwappens stehendcn einzelnen Zahlen bedeuteten nicht
1617, sondern 1671. Das hat ubrigens schon v. Pollnitz, 29 bemerkt. Man machte die neue
Brustwehr 18 ^1 dick und 61 2 -^ hoch und gab ihr einen Schiitzenauftritt, hinter dem der Wallgang
noch 35 bis 40 i breit war, man legte den Rondengang hinter der Mauer hoher und verringerte
seine Breite auf 5 1, alles, um die Eeuerlinie moglichst weit vorzuriicken und besser in den
Graben und nach der Kontreskarpe wirken zu konnen.

*) Strss. Stdt. Arch. PI. 492 (He 8).

3j Prot. d. XIII. V. 1620, fol. gg^ u. 102, auch Walther, 14.

") Seine Eeuerlinie war einer Zeichnung des Stadtarchivs zufolge in der Eront 100 L,
in den schrag angesetzten Flanken aber 85 -L lang, so dass die Kehle 250 -I' weit geoffnet war
(Strss. Stdt. Arch. PI. 542, lie gj. Die Zeichnung tragt die Jahreszahl 1623, ist also wahr-
scheinlich erst bei Beendigung des Baues angeferligt.

') Prot. d. XIII. v. 12. VII. 1620, fol. 102.

«) Prot. d. XIII. v. 5. VII. 1620, fol. 97; auch AA. 933.



246 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

1634 eroibt,') einen Abriss fiir die Neubefestitiung Strassburos, der
heiite spurlos verschwunden ist, iiber den sich also nichts sagen lilsst.
Auch ist uns nicht bekannt, ob und was die Anderen zur vSache ge-
ilussert haben, auf alle Fillle kam es aber noch zu keinem grosseren
Bail. Offenbar war Hans Schoch doch mehr Baumeister denn Festungs-
ingenieur, oder Ix-i seinem vorgeruckten Alter der Sache nieht mehr
gewachsen, da der Rath es fiir nothwendig hielt, am 30. April 1622
neben ihm noch einen „Stadtingenieiir" in der Person des Kapitains
W'ilhelm zu ernennen, der aiisser diesem Titel „die 60 Gld. Zehrkosten
erhielt, so er dem Wirth zu Kelil noch schuldig, von der Zeit, da er
mit seinem Volke draussen lag"; iiberdem wurde ihm eine „Verehrung"
von 50 Gld. gemacht. Indess scheint die Ernennimg Wilhelms doch
nur als ein Nothbehelf betrachtet worden zu sein, da gleichzeitig auf
einen wirklichen Ingenieur gefahndet wurde, den Dr. Hobrecht aus-
findig machen sollte.") Am 20. August des folgenden Jahres fand dann
imter grosser Betheiligimg ein Augenschein statt, an dem die Stett-
meister v. Berstett, v. Wurmbser, die Kapitaine Zeiss, Miinstroller,
Haintzell, Joseph, Wilhelm, Hodapp, Ebell und der Baumeister Hans
Schoch theilnahmen. Man verhandelte lange Zeit iiber die Damme
des Mtihlgrabens, die von den Hauptleuten fiir gefahrHche Bauten an-
gesehen wurden, sodass Kapitain Joseph die Anlage eines Aussen-
werkes beim Weissthurmthor, genauer vor Lug-ins-Land, in Vorschlag
brachte.^) Der Rath ordnete dann auch an, dieses aiiszustecken, und
es muss wohl sogleich in Angriff genommen worden sein, da es auf
alien spiiteren Zeichnungen angegeben wird. Es w^ar ein einfaches
Erdwerk in Gestalt einer Flesche und bestand bis zur Errichtung des
Bollwerks Lug-ins-Land im Jahre 1672. Der Wallbau am Fischerthore
scheint 1620 nicht zum Abschlusse gebracht zu sein, da im Jahre 1625
Klage iiber die Beschaffenheit der Befestigung an dieser Stelle gefiihrt
und die Schiittung des Walles bzw. die Beendigung der Schiittung ver-
langt wird; erst 1626 wird der Bau als vollendet gemeldet. Zu diesem
Bau zeichnete H. Schoch 1625 die Entwiirfe, die in der Erniedrigung
der Stadtmauer und Kontreskarpc, der Anlage eines gedeckten Weges
und der Erliohimg des Walles bestanden.^j Im Jahre 1630 schritt man



*) Strss. Stdt. Arch. Wencker II, unnumerirt zwischen fol. 169 u. 170.

'') Prot. d. XIII. V. 30. IV. 1622, fol. 98 und vom 16. VII. 1622, fol. 125.

3) Ebenda v. 4 u. 20. VIII. 1623, fol. 76b u. 91. Auf dem Plan 480 (II^ 15) befindet
sich die Bemerkung, dass der steinerne Bar am Lug ins Land im Jahre 1533 erbaut und 1622
wieder abgebrochen worden sei. Dem widersprechen aber alle spjiteren Zeichnungen, welche
nicht nur den um 1623 am Lug ins Land erbauten Damm, sondern auch den Bar unmittelbar
vor dem Thurm angeben; vielleicht handelte es sich im Jahre 1622 um einen Wiederherstellungs-
bau, bei dem der Bar zunachst fortgebrochen wurde.

■») Strss. Stdt. Arch. PI. 196 (II f 18).



VERBESSERUNGSBAUTEN BIS ZUM JAHRE I632.



247



dann auch dazu, den Zwinger vor dem Metzgerthor mit einem diirch-
laufenden Walle zu versehen und den Rehlingerwall zu erhohen iind
zu verbreitern. Wohl wegen Beschninktheit des Raiimes oder um den
Druek der Erdmasse von der Stadtmauer abzufangen, wurde der Wall
auf der Vorderseite mit einer Bekleidungsmauer versehen.

War Strassburg bis dahin vom Kriege ziemlich versehont ge-
blieben, so niiherte sicli ihm derselbe im Jahre 1632 mit dem Anmarsch
der Schweden und Franzosen doch sehr bedenklich. Es gab dies dem
Rathe abermals den Anstoss, zu untersuchen, ob denn die Befestigung
der Stadt alien Anspriichen gewachsen sei. Am 5. Marz 1632 warfen
„die Herrn Advokaten" in der Versammlung der Rath und XXI, die
Frage auf, ob nicht die Befestigung zu verbessern sei, was doch sehr
nothwendig ware. Sie stellten die Fragen: „in welchem Jahre" man




io6.

beginner) und ,,in wekher W'cise" man vorgehen wolle. Sie sind
zweifelhaft, ob sich die Biirgerschaft nicht beschweren wiirde, wenn
sie fronen soUe, und sie sind der Ansicht, dass auch der Ritterstand
zum Fronen herangezogen werden musste. Man mochte alles, sagen
sie, den Oberen Fortifikationsherrn empfehlen, die Sache auch bei den
Schoffen zum Vortrage bringen. Man erkannte schliesslich dahin, dass
dem Antrage zuzustimmen sei mit dem Anhang, dass dem ,,Walljakob'")

1) Dieser Walljakob hiess eigentlich Jakob Schmidt oder Schmit und war urspriinglich
seines Zeichens „traher und kiinstlei". „Er legt 1619 die Statt und alle wasser wie sie sind
in und aus der Statt fliessen in grund, hat auch die schlag v. Sturmbruck gemacht, darfiir im
50 it. ^ worden, und eine kleine bestallung gemacht, damit man ihn an der Hand behalte.
Den II octiT's." (Fragm. Brant 3644 bzw. Prot. d. XIII. v. 1619). Wir haben hier also wiederum
eine Personlichkeit vor uns, die, urspriinglich von anderer Profession, durch die Verhiiltnisse
veranlasst, sich dem Festungsbauwesen zuwandte. Wie es den Anschein hat, waren vor-
nehmlich die Erdarbeiten Walljakobs Geschaft, so dass man ihn wohl eher als Schachtmeister,
denn als eigentlichen Baumeister ansprechen kann. Daher sollte ihm auch ein ,,qualifizirter
Ingenieur" an die Scite gesetzt werden.



248 GESCHICHTE DER BEFESTIGUN'G STRASSBURGS.

ein „qualifizirter Ingenieur" beizugeben wilre. Am 5. Mai wurde dann
bei Rath irnd XXI. berichtet, dass die Biirgerschaft bereit sei, mit
Hand imd Geld zu fronen. Man beschloss, einen Ingenieur anzunehmen
und der Garnison einen Oberst zu setzen. Die Oberen Wachtherrn
batten bereits Augenschein genommen und sprachen sicli dahin aus,
dass der Anfang mit den Befestigungsarbeiten liinter dem Waisenhause
zu maclien sei, doch miisste zuvor die Mauer abgebroclien und eine
Briicke uber den Graben geschlagen werden, um den Boden fiir die
Wallschiittung hereinkarren zu konnen. Auch sollte der Kronenburger
Wall sofort mit einer Brustwehr versehen werden. Den neuen Wall
am Waisenhaus (zwischen Katliarinentlior und Rehlingerwall) begann
man am 26. Mai.')

Zu Anfang des Jahres 1633 berief der Rath den Koniglich
Schwedischen Baumeister Alexander Adrian von Benfeld nach Strass-
burg, um ihn iiber die Befestigung der Stadt zu horen. Am 4. Februar
Nachmittags fiihrte man ihn in einem Theile der Befestigung umher
und veranlasste ihn zu einer Aeusserung, iiber die der Stadtschreiber
am folgenden Tage den verordneten Herrn berichtete.-j Adrian habe
bemerkt, so fiihrte der Stadtschreiber aus, dass man zuviel Thore
hatte: das Spital- und Judenthor konnten wohl geschlossen werden,
wodurch man die Wachen verringern und die Defension an anderen
Orten verstarken konnte. Vor jedem Thore sollte ein Ravelin sein,
aus dem konnte man nachmals ein Bollwerk machen. Die Brustwehren
seien viel zu dick, 12 Schuh wiiren genug. Bedeckte Fallbriicken an
den Thoren halte er fiir schiidlich. „Kindisch" sei, dass die Willie
nicht aneinander hingen, man sollte Bogen von einem Walle zum andern
schlagen. Die Biiume und Striiucher auf den iiusseren Boschungen
der Willie seien schiidlich. Die Wachten bei den Thoren seien iibel
angestellt, well sie ausserhalb der Wehren stiinden. Beim Fischerthor
soUten die Flatten (der Stadtmauer?) abgehoben werden, die Mauern
seien an etlichen Orten zu hoch, die Kontreskarpe-^) gefiele ihm wohl.
Die Mauern sollten oben so beschaffen sein wie beim Schiessrainer
(neuen Juden-j Thor. Schlettstadt und Colmar seien besser in Defension.
Die Unfliitherei auf den WiiUen sei abzuschaffen. Man solle den
V. Miillenheim in acht nehmen. In specie bei St. Johann solle das Kaiser-
gemach*) weggerisscn und ein Bogen iiber den Fluss gemacht werden.



*) Prot. d. XXI. V. 26. V. 1632, fol. 79.

'•*) Prot. d. verordn. H. v. 5. II. 1633, fol. 32 u. f. Icli habc dasselbe ziemlicli wortgetreu
wiedergegeben, trotzdem sein Inhalt wenig geoidnet ist. Es .schien mir wiinschenswertb,
gerade die Ausdrucksweise moglichst unverandert beizubehalten.

■*) Unter Kontreskarpe veistand man zu damaliger Zeit nicht bios unsere heutige Kontre-
eskarpe, sondcrn auch den gedeckten Weg mit Waffcnplatzen und Glacis.

*J D. i. das Lusthaus am Teufelsthurm bei den Johannitern.



ADRIAN WIRD XACH STRASSBURG BERUFEN U. S. \V. 249

Zum Schnakenloch im Johannsort*) gegen das Wasser solle man eine
Batterie schlagen und kiinftig in ein Bolhverk richten. Die Walle
sollten hart an die Mauer gesetzt werden. Beim Elisabeththor musste
ein Ravelin angelegt und der Graben erweitert, beim Weissthurmthor
der Einlauf zugeworfen und mit einer Batterie geholfen werden.-j Bei
der Achtradermuhle sei der Graben sehr gefahi-lich. In der INIitte
zwischen Weissthurm- und Kronenburger Thor ware ein Bolhverk zu
erbauen. Die Graben sollten sauber gehalten werden. Die Kasematte
beim Metzgerwall nutze nichts und solle zugeworfen werden, die
Schusslocher auch.^ i Der neue Wall sei zu breit, die beste Kasematte
sei ein Wall. Die Mauer solle man abheben und eine fossabrai (d. h.
Niederwalli machen. Beim Einfluss*i miisse ausserhalb ein Realwerk
gelegt werden. Beim Fischer- und Neuen Thor solle man ein Bolhverk
dazwischen hinausmachen.^) Am Fischerthor, wo die Giesshiitte
gestanden, ware ein Ravelin sehr gut. Adrian erbietet sich dann den
Herrn zu allem guten Willen, er ist bereit, die W^erke auszustecken
und ein Muster fiir eine Batterie zu fertigen. Er will so ott von
Benfeld nach Strassburg kommen als man seiner begehren werde.
Er sei in dieses Land gekommen, um dem Konig von Schweden und
seinen Freunden zu dienen und sei bestellter Baumeister zu Bergen
op Zoom. Er wolle Meinen Herrn die Vortheile im Bauwesen an die
Hand und Anleitung fiir die Fuhren geben, wie man zu zehn Karren
einen Mann ordnen soil, der die AidVirln habe, wie die Karren zu
laden seien und fahren sollten.

Der Stadtschreiber stellt dann die Frage, was mit Adrian zu
beginnen sei. Hieran kniipft sich nun eine langere Besprechung. —
Dr. Schmid hiilt dafur, man sollte diese Erinnerung gegen die vorige
(welche?) halten und sehen, wie weit man zusimimentreffe. Der Augen-
schein werde \or die Xlll. zu bringen sein. Die Jahreszeit (zum bauen;,
der Nothstand und die Gefahr seien vorhanden. Es ware gut, wenn
man von Adrian einen Bericht, \"orschlag und Anleitung haben konnte,
fiir dies Mai mochte man ihn dergestalt traktiren, dass er nicht
Ursache habe, an Meiner Herrn Dankbarkeit zu zweifeln. Wenn mit
dem Bau ein Anfang gemacht werden sollte, moge man Adrian (aus
der Herberge) auslosen und ihm auch sonst noch ein paar Dutzend



•) Hiermit kann wohl nur die Ecke der Befestigung am Teufelsthurm gemeint sein.

-) Diese unklare Stelle ist wohl auf den Stadtschreiber zuriickzufiihren und nur dahin
zu deuten, dass der Miihlgraben nicht mehr iiber die Achtradermuhle gehen, sondern in die
111 ablaufen und beim Lug-ins-Land ein Werk — Batterie, Bolhverk — angelegt werden sollte.

■*) Hiermit konnen nur die Schusslocher in der Mauer der Krutenau gemeint sein, von
denen aus der Graben nach dem ausseren Metzgerthor hin bestrichen wurde.

*j Jedenfalls ist der Einiluss des Johannisgiessens gemeint.

^) D. h. am Gelben Eck ein Bolhverk anbauen.



250 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

Goldgulden verehren. — Dr. Becht hat gehort, dass dieser Adrian
einen andern \'orschlao- macht als Andere gethan haben, damit man
nicht einRealbolhverk \i verfertigen musse, sondem die Fehler verbessere.
Adrian gehore der bestenSchule der Hollander an und habe eine zwanzig-
jahrige Praxis. Er sei uber zwei Fragen zu horen: 1. wo der Anfang
zu machen sei, und 2. ob er die Aussteckimg an den nothigsten Orten
vornehmen wolle. Wenn seiches geschehen, sollte man die Sache
vor die XIII. bringen, damit das Werk nicht sitzen bliebe und fur eine
Spiegelfechterei gehalten werde. Die Zeit und Gefahr sei vor der
Thiire, und es ware eine Deputation zu crnennen, WL-khe die Sache
bestjindig im Auge behalte. — Der Stadtschreiber meinte hiergegen,
man sollte Adrian zunachst noch an die andern Orte fuhren und verhoren.
Er habe dafiii- gehalten, dass man den Einfluss zuwerfen, die VCiiUe
zusammenfiiliren und bei St. Johann den Anfang machen solle. Zwischen
^^'eissthul■m- und Kronenburger-, zwischen Fischer- undNeuem, zwischen
Elisabeth- imd Spitalthor wiire die Ausstreichung zu thun'-^ und ein
Ueberschlag A-on ihm zu l^cgehren, auch das Werk zu verdingen, bei
den Herrn XIII. aber vorderst zu referiren und Adrian mit einem
Dank abzufertigen. Ob zwei Dutzend Goldg-ulden genug seien, bezweifle
er, unter funfzig Gulden wiii-de es kaum sein konnen. Es sei Adrian
mit einem guten Trunk und guter Gesellschaft* sehr wohl gedient,
doch nicht zum Ueberfluss. — Ammeister Mueg halt nicht dafiir, dass
man zwischen Weissthurm- und Kronenburger Thor ausstecke, sondern
zu St. Johann den Anfang mache, zuerst sollte aber die Sache vor
die Herra XIII. gebracht werden. — Herr Ingold ist derselben Meinung,
dass man die Angelegenheit vor die XIII. bringen und bei St. Johann
anfangen solle. :\Ian moge Adrian an die anderen Orte fuhren und
ihm eine Ergotzlichkeit widerfahren lassen, seinen Bemiihungen ent-
sprechend. Es wiire gut, wenn man den Kapitain Joseph dabei haben
konnte. Die \^erehrung wui'de sich auf ungefahr funfzig Goldgulden
stellen. Wer von den Burgern kein Geld habe, solle mit dem Leib
fronen, der Landmann sei auch zu gebrauchen. — Herr Zorn h;ilt
dafur, dass bei den Klostern der Anfang zu machen sei und dass man
die Werke bestehen lasse, weil Gefahr vorhanden. Die Zeit sei bequem,
die Meister waren gut und die Maurer nicht alleweg zu bekommen. —
Herr Brackenhofer verlangt, dass man Adiian horen solle, ob an dem
^\'erk, das beim Waisenhaus im Bau ist, nichts zu verbessern sei.
Wegen der Verehrung ist er einverstanden, ebenso dass die Sache
vor die XIII. kommt. — Herr Konig stunmt der \'erehrung zu und
fur Relation bei Rath und XIII. — Ammeister Ringler wiinscht, dass

>) Unter Realbolhverk ist hier ein „Yolliger Neubau" zu verstehen.
2) D. h. nach aussen zu bauen.



BERATHSCHLAGUNGEN UBER ADRIANS VORSCHLAGE. 251

man Adrian hore, ob bei den Klostern der Anfang zu machen sei,
er ist fiir eine Verehrung von fiinfzig" Goldgulden und dass die Sache
vor die XIII. gebracht wird. — Es wird erkannt, dass die Angelegenheit
vor die XIII. zu bringen und Adrian eine Verehrung von fiinfzig Gold-
gulden zu machen sei. Er soil an die anderen Orte gefiihrt und gehort
werden, wo der Anfang zu machen ware, auch soil man ihn fragen,
was er bei dem neuen Walle zu erinnern habe. Es ware ein Ueber-
schlag von ihm zu verlangen, desgleichen ein Probestiick.

Bereits am folgenden Tage, dem 6. Februar, kam die Angelegen-
heit bei den Herrn XIII. zur Sprache, da mim sie wohl noch Aviihrend
der derzeitigen Anwesenheit Adrians erledigen wollte. Der Stadt-
schreiber berichtet in derselben Weise, es wav aber auch hier von
keinem Gesammtentwuif fiir den Umbau der Werke die Rede, dagegen
wurde jetzt besonderes Gewicht auf die Bogenbriicke iiber die 111
gclegt, auf der eine Batterie eingerichtet werden sollte, sowie auf den
Bau eines Bollwerks zwischen A\\'issthurm- und Kronenburger Thor.
Adrian erhielt seine fiinfzig Goldgulden, um ihn an der Hand zu
behalten.

Um diese Zeit muss bereits die Frage wieder aufgetaucht sein,
in vv^elcher Weise die scharfe Ecke beim Roseneck zu verbessern sei,
denn wenn auch die — Itickenhaften — Protokolle der verschiedenen
KoUegien nichts dariiber berichten, so enthalt doch das Archiv eine
Zeichnung'j auf der eine Befestigung zwischen Roseneck und unterer
111 skizzirt ist, ungefilhr in der Weise wie sie im folgenden Jahre
thatsachlich cntworfcn und 1634 theil weise zur Ausfiihrung gebracht
wurde. Auf wen diese Skizze zuriickzufiihren ist, lilsst sich nicht
angeben, indess durfte sie vielleicht doch Adrian zuzuschreiben sein,
da die nachmalige Finkmattbefestigung, um die es sich handelt, auch
Schwedenhornwerk genannt wurde. Dass der Entwurf aber in diese
erste Zeit der nun beginnenden Umbauten zu setzen ist, ergibt sich
mit volhger Sicherheit aus dem Umstande, dass das Bollwerk zwischen
Weissthurm- und Kronenburger Thor, welches der erste Neubau war,
noch nicht einm^al angedeutet ist. Wir sehen also, dass man sich
stellenweise doch auch andere Ziele als nothdurftige Flickarbeit steckte.

Am 20. Februar stand der Festungsbau wiederum bei Rath und
XXI. zur Verhandluug,nachdem man sich inzwischen schliissig geworden
war, das von Adrian in Vorschlag gebrachte Bollwerk zwichen Weiss-
thurm- und Kronenburger Thor zu errichten. Friedrich v. Gottesheim
verlas den Bedacht der Fortifikationsbau-Deputirten und warf die
Fragen auf: 1. wer der Baumeister und die Inspektoren beim Haupt-



1) Strss. Sldt. Arch. PL 13 (IH 6).



252 GESCmCHTE DER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

bau zwischen Weissthurm- und Kronenburger Thor sein sollten, 2. wie
man zu den nothigen :Materialien als Quadersteinen, Mauersteinen,
Kalk u. s. w. gelangen moge, 3. woher das Geld und 4. woher die
Arbeiter zu nehmen seien. Als Baumeister konnte einstweilen der
Walljakob gebraucht werden, bis man einen anderen habe, auch wurde
der Major v. IMullenheim und der Hauptmann Hodapp zum Rechten
sehen. Zwolf Regimentspersonen wurden zu Inspektoren nothig sein.
Mauersteine und Kalk konnten von Dorlisheim, Holz von Offenburg
genommen werden, das Geld aber sollten die Biii-ger und Schii'ms-
venvandten freiwillig aufbiingen. Im Uebrigen mussten die Burger
selbst bauen und bewaffnet zur .Ai'beit kommen; sie sollten von der
Kanzel zur Arbeit willig gemacht werden, DenWallbau beiSt.Johann
mochte man beschleunigen. Es werden dann der Ammeister Trausch,
Herr Tobias Stadel, Martin Andreas Konig und Hans Georg Marbach
zum neuen Defensionswerk geordnet.

Was den A\'allbau bei St. Johann anlangt, so war dieser bereits
seit dem Januar in die Wege geleitet. Man hatte am 22. die drei
Kloster in genauen Augenschein genommen und ihre Insassen zwangs-
weise anderweit untergebracht, da man ihnen als Papisten alles Mogliche
und Unmogliche zutraute. Dann brach man die der Yerbreiterung des
Walles im Wege stehenden Gebaude von St. Johann und die Kirche
ab, ferner einige Gebaude von St. Margaretha und spater auch das
Deutsche Haus sammt seiner Kirche.\)

Am 10. Mai begann man den Bau des Bollwerks zwischen Weiss-
thurm- und Ivronenbui-ger Thor,-) das in der Folge den Namen Heiden-
bollwerk erhielt, jedenfalls von der Heiden-, ehemals Diebsgasse, die
geradeswegs auf das Bollwerk zufuhrte. Es war also von einem all-
gemeinen Umbauentwurfe vorliiufig noch nicht die Rede und handelte
es sich ledighch um einen Einzelbau, wobei es sogar zweifelhaft ist,
ob man uberhaupt nur daran dachte, diesen Bau einmal als Ausgangs-
punkt eines volhgen Umbaus der Befestigung zu nehmen. Nichts
spricht fur eine solche Annahme, denn weder Adiian noch einer der
Regimentsherrn gibt dem Gedanken Raum, dass mehr als die noth-
wendigsten \'erstarkungsbauten zur Ausfuhrung gelangen sollten. Im
Gegentheil wird in der Sitzung der verordneten Herrn vom 5. Februar
mit einer gewissen Befriedigung hervorgehoben, dass Adi'ian andere
Wege gehe und sich begniige, die Fehler zu verbessern. So wurde

V) Fragm. Wencker 3156 u. 3157. Prot. d. XIII. v. 1633, fol. i, 2, 15, 19, 26 u. 33.

-) Walther, 29. Die Angabe von v. PoUnitz, dass das Bollwerk in den Jahren 163 1 und



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