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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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undt trewlichen helften beytragen. Da dann einem ieden seine tax,
was er zu geben hat, ahngezeigt worden, da ein mitelmassiger burger
fiir dieses iahr solte geben 7 gulden, welches schwer ahnkommen".

Die dritte Denkschrift Alorschhausers — Memorial, meine Bestallung
etc. betreffend — ist rein personlichen Inhalts. Aus derselben geht
hervor, dass er zu Weihnachten 1634 in den Dienst der Stadt getreten
ist, sowie dass man ihm 1000 Thaler wegen seiner „Ranzion" zuriick-
gehalten hat. Es sind dies zweifellos die 1000 Thaler, welche die Stadt
fiir seine Auslosimg aus der Gefangenschaft aufwandte und die man,
wie es scheint, nicht auf die verfallene Kontribution in Anrechnung
gebracht hatte. Morschhiiuser stellt deshalb dem Rathe anheim zu
iiberlegen, ob man sich nicht doch in ihm getauscht habe und mehr
von ihm erwartet hatte und ob man ihn behalten wolle oder nicht.
Es kame ihm so vor, als ob man nicht recht mit ihm zufrieden sei
und sich in ihm getauscht habe. Hieran kniipfte sich dann am 24. Februar
eine Verhandlung bei den XIII. iiber Morschhausers langeres Bleiben.
I\Ian erkannte, dass er noch zu halten ware, dass man aber die Plane
tmd Grundrisse in Gewahrsam nehmen sollte. Im Uebrigen hatte,
wie aus der Verhandlung hervorgeht, Morschhauser sich erboten, alles
dazulassen und genaue Anweisung zu geben, sodass man auch nach
seinem Fortgange ohne Anstand arbeiten konnte, ein anerkennenswerthes
Anerbieten, das in einigem Gegensatze zum Verhalten des Rathes zu
stehen scheint, soweit man die V^erhaltnisse eben heute zu beurtheilen
vermag. Im September fragte Morschhauser dann wieder an, ob man
ihn behalten wolle, und wurde er darauf hin am 19. des Monats von
den Xin. zur Geduld verwiesen, auch legte man dem vielleicht etw^as
empfindlichen Manne am 10. Dezember ein Pflaster auf, indem man
ihm die Ranzionsgelder verwilligte, nachdem er am 7. Dezember
nochmals um Bescheid gebeten hatte, wie es mit seiner zu Ende
gehenden Bestallung werden sollte. Aus der von letzterem Tage



MORSCHHAUSER BIETET SEINE ENTLASSUNG AN. 271

datirten neuen Denkschrift,' ) die sich vornehmlich mit der Kehler
Befestigung- beschaftigt, ersehen wir dann auch, was im Jahre 1636
an der Stadtbefestigung gebaut worden ist: man hatte das Ravelin
vor dem Elisabeththor (spater Bastion oi, das am Johannisgiessen und
am Gelbem Eck, sowie das vor dem Neuthor in Erde aufgeworfen.
Nunmehr schlug Morschhauser vor, diese Werke „aufzusetzen und 7Ai
verfertigen", worunter wir jedenfalls ihre Fertigstellung in Erde, ihrc
Bekleidung mit Strauch und Rasen, sowie die Aufstellung von Pallisa-
dirungen zu verstehen haben. Dann empfiehlt er abermals mit dem
Bau der Raveline am Kronenburger Thor — je eins davor und auf
den beiden Seiten — vorzugehen, auch den Ausfluss der 111 besser
zu verwahren, woriiber er bereits eine Denkschrift eingereicht habe.
Silbermann setzt auch den Bau des Ravelins vor dem Spitalthor ins
Jahr 1636, indess handelte es sich damals nur um die Aussteckung,-)
da der Bau selbst erst viel spater begonnen worden ist. So geringfugig
diese Arbeiten im Grimde auch waren, so scheinen sie doch den
Oberen Fortifikationsherrn Miihe und Arbeit genug gemacht zu haben,
denn sie beantragten bereits am 10. iVugust bei XXI. Verstiirkung, da
sie zum Theil ,,wegen Leibesblodigkeit" dem Bau nicht vorstehen
konnten. Ihrem Begehren wurde willfahrt.

Das Jahr 1637 begann mit einer V'erhandlung iiber Morschhausers
Verbleiben im Dienste. Am 14. Januar machte nilmlich der Stadtschreiber
in der Sitzung der XIII. darauf aufmerksam, dass verschiedentlich
vorgeschlagen worden sei, sich der schier unerschwinglichen Bestallung
Kiiglers und Morschhausers zu entledigen, worauf man beschloss, den-
selben zu kiindigen. Der Grund zur Entlassung Morschhausers war, wie
aus einer weiteren \^erhandlung vom 28. Januar hervorgeht, nebenbei
der, dass Morschhauser sich nicht dauernd an die Stadt binden wollte.
Indess miissen sich doch Einflusse geltend gemacht haben, welche
auf sein weiteres Verbleiben hinarbeiteten, denn es wurde alsbald
wieder mit ihm verhandelt, doch wurden seine Anspruche nicht
sammtlich gutgethan. Auf alle Fiille blieb er aber im Dienste der Stadt.
Demniichst nahm man die ganze Befestigung ringsum die Stadt in
Augenschein und warf am 25. Marz bei den XXI. die drei Fragen auf,
ob man etwas bauen wolle, was nothwendig, nutzHch und thunlich sei,
dieses Jahr zu bauen, und mit welchen Mitteln man bauen wolle. Die
erste Frage wurde einfach bejaht, was die zweite anlangte, so hatte
man drei Orte gefunden, wo die Fortsetzung der Arbeiten am noth-
wendigsten, nutzlichsten und thunlichsten sei, namlich bei den Ravelinen



1) Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 113, 20.
-) Fragm. Wenckev 3 161.



2/2 GESCHICHTE DER BEKESTIGUXG STRASSBURGS.

A'or dem Elisabeth- und dem Neuthor und bei dem Bolhverk vor dem
Steinstrasser-Thor, welches letztere zwar ummauert aber noch nicht
an den Hauptwall aniiehimut sei. Beziig'lich der dritten Fraue maehte
man \'orschlag"e, wie die nothigen Gelder durch die Burger und
Schirmsverwandten aufzubringen seien. ]Man schloss sich den gestellten
Antrilgen an, doch so, dass den Schoffen Mittheilung gemacht werden
sollte. \\'ie es scheint, fanden diese Antnige die Billigung der Schoffen,
doch kam es im laufenden Jahre, wohl aus Geldmangel, noch nicht
dazu, das Steinstrasser-Bolhverk anzuhangen. Urn sicher zu gehen,
dass auch die iinteren Organe sich keine Anordnungen erlaubten,
welche den Stadtsackel belasten konnten, wurde bei XXI. erkannt,
dass jeder Bau ,,so tiber 500 fl. kostet, nicht aus der Stadt Kosten
verfertigt werden soil, es ware denn Meine Herren hatten solches
erkannt".

Mit dem Jahre 1537 lief die dreijahrige \>rpflichtung" Morsch-
hausers gegen die Stadt ab, und wenn er Strassburg auch noch nicht
verliess,') so scheint das eig'entliche Dienstverhaltniss doch sein Ende
gefunden zu haben, denn Montag den 22. Januar 1638 wurde bei Rath
und XXI. zur Sprache gebracht, dass Morschhauser um eine Urkunde
uber seine geleisteten Dienste gebeten habe. Man erkannte, dass
man ihm ,,einen Abschied in der Generalitat ertheilen, hingegen die
planta von ihm abfordern moge". Wie sich das \'erhaltniss jetzt
eigentlich gestaltete, ist nicht recht ersichtlich, denn gleichzeitigmeldeten
die OberenFortifikationsherrn, dass Morschhauser vergangenen Dienstag
bei ihnen gewesen sei, tmi zu horen, was im Jahre 1638 gebaut werden
sollte. Als man ihm gesagt hatte, dass noch nichts entschieden sei,
habe er darauf hinge wiesen, dass man Kehl gut versorgen miisse, da
man vielfach wegen Anschlagen auf dasselbe gewarnt worden sei.
Andererseits scheint es wieder, dass die Leitung der Arbeiten an die
Fortifikationsherrn iibergegangen war, deren ,,Bedacht" am 21. Miirz
bei XXI. verlesen und genehmigt wurde. Morschhiiusers Entlassung
hing zweifellos damit zusammen, dass im ganzen Fortifikationswesen
ein Stillstand eingetreten war, man also auch die Kosten fiir seine
Unterhaltung ersparen wollte, der Stillstand aber findet seine natiu'liche
Erklarung im Mangel an Mitteln. So sehen wir aus der am 8. De-
zember 1638 fur die Baujahre 1636 und 1637 bei XXI. gelegten Rechnung,
dass im Ganzen eine Einnahme von 9889 Pfd. 9^2-3? zu verzeichnen
war, eine Summe, mit der man selbstredend nichts Erspriessliches er-



ij Morschhauser war noch im Jahre 1641 in Strassburg oder Kehl, denn in einer
Mehlung des Majors v. Miillenheim vom 7. Februar d. f. — Strss. Stdt. Arch. AA. 1887 —
heisst es: ,, . . wie ich wider Zu Herrn Generahl Quartier Meister Morscheyser herauss kommen
Viid yhme Meiner g. herren order, welche mihr gegeben worden Zu Vernemmen geben . . .".



ISroRSCHHAUSER SfHEIDET AUS. STILLSTAXD IM BAUWESEN. 273

zielen konnte. Dabei wird iiher die grosse Halsstarrigkeit der saum-
selioen Zahler geklagt, die sich nicht einmal diirch die angedrohte
Exekution irre machen liessen. Man war deshalb genothigt, selbst die
Almosenbiichsen fiir den Festungsbau in Anspruch zu nehmen! Was
ausgegeben wurde, wird nicht gesagt. Es scheint denn auch that-
sachlich in diesem Jahre nichts Wesentliches gebaut worden zu sein.
Im Jahre 1639 nahm man wieder einen Anlauf, urn den so ziemhch
still liegenden Umbau fortzusetzen. Am 23. INlarz wurde bei XXI. zur
Sprache gebracht, dass die Thore fast bios lagen, und dass das an-
gefangene Steinstrasser-Bollwerk ,,ausgemacht" , d. h. fertiggestellt
warden miisste, damit man es das nachste Jahi- anhangen konnte.
Das Bollwerk am Neuthor i Gelben Eckj anzuhangen, sei fiir dies Mai
nicht moglich, da es Zeit, Unkosten und Materialien erfordere, die nicht
zur Hand wiiren, indess konnten die Griiben bei dem durren Wetter
ausgefiihrt und gesaubert werden. Am 8. Mai legte man auch wieder
bei XXI. Rechnung. Die ganze Einnahme fur 1638 hatte 4219 Pfd.
6 p 6 -9? ausgemacht, wovon 6 Pfd. 5 p abgingen, ,,die theils in den
Briefen gemangelt, theils in bosem Gelde geliefert", sodass 4213 Pfd.

I p 6 -5? bheben. Die Ausgabe betrug 4534 Pfd. 12 p 1 4, also 321 Pfd.

II P 1 4 mehr als eingenommen, welche Ueberschreitung vorschuss-
weise bezahlt worden war. Es stehe — so wurde angefiihrt — noch
ein Ziemliches bei den Ziinften, den Herrn Konstofflern und Geist-
lichen aus, ginge auch der Kasse viel ab, da gar Viele sich in die
Handfron einzeichnen liessen. An Friichten sei nichts eingegangen,
also auch nichts zu verrechnen ; standen noch 260 Viertel aus. Man
hatte also die Handfrone wieder zugelassen, da es bei den schlechten
Zeiten dem iirmeren Theile der Burgerschaft wohl unmoglich fallen
mochte, Geld aufzubringen. Im Uebrigen hatte sich das Rechnungs-
wesen derart verwirrt, dass die Schoffen am 30. Juli dem Rath den
Auftrag gaben, aus beiden Kollegien zusammen elf Manner zu ernennen,
um das Finanzwesen in alien seinen Theilen zu untersuchen und die
moglichen Verbesserungen in demselben vorzunehmen. Das von ihnen
als zweckmassig erkannte Verfahren sollte zugleich eine unwiderrufliche
gesetzliche Form erhalten. Gleichzeitig setzte man fiinf Unteraus-
schiisse ein.^) Am 18. September beantragten dann der Oberstleutnant
Kiigler und der Major v. Miillenheim bei den XIII., dass das Stein-
strasser-Bollwerk noch dieses Jahr angehangen wiirde, was auch ge-
nehmigt wurde, wozu es aber doch nicht kam, dagegen wird man wohl
den Bau der Raveline vor dem Weissthurm- und Steinstrasser-Thor,
sowie der Raveline zwischen Miiller- und Hcidenbollwerk und zwischen



') Fiagm. Wencker 3175.

V. Ape 11, Befestigung Strassburgs. I 8



2/4 GESCHICHTE PER REFESTIGUNG STRASSBURGS.

Roseneck und Finkmatte in das Jahr 1639 setzen konnen, da berichtet
wird, dass in diesem Jahre eifrig gearbeitet worden sei, das Baujahr
der erwahnten Werke nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann,
es aber andererseits keinem Zweifel unterliegt, dass sie im Jahre lo40
vorhanden ^Yaren.

In den Jahren 1640 bis 1644 scheint nichts Wesentliches begonnen
zu sein, man beschriinkte sich offenbar darauf, die angefangenen Boll-
werke fertigzustellen. Wie langsam das aber ^ing, zeigt vor alien
Dingen das Steinstrasser-Bollwerk, dessen Bau gar nicht von der Stelle
ruckte. Schon im Jahre 1639 war, wie erwahnt, in Aussicht genommen,
das Werk im folgenden Jahre anzuhangen, am 4. Mai 1640 berichteten
dann die Oberen Fortifikationsherrn bei XXL, dass der Bau in diesem
Jahre fertig werden musste, weil Gefahr im \'erzuge sei, welchem
Antrage willfahrt wm-de, am 2., 6. und 15. April 1642 wurde ebendaselbst
gemeldet, dass das Werk noch nicht fertig sei, der Graben aber aus-
geschachtet wiirde, um den Boden fiir den ^^'all zu erhalten, und am
6, Marz 1643, dass es bald fertig werden wiirde, einschliesslich der
Kontreskarpe. Wir werden also die Fertigstellung des Bollwerks erst
auf das Ende 1643 setzen diirfen, denn von jetzt ab ist nicht mehr
von ihm die Rede. Man brauchte also zu der verhaltnissmassig gering-
fiigigen Arbeit noch voile vier Jahre und kann sich einen derartigen
Baubetrieb gar nicht recht vorstellen; man wird annehmen miissen,
dass er zeitweise vollig geruht hat. Gleichwohl kehrte jedesjahr die
Frage wieder, ob imd was gebaut werden sollte. Am 17. April 1641
wurde dieserhalb bei XXL geltend gemacht, dass man im Bau fort-
fahren und das Alte, was reparaturbedurftig sei, wiederherstellen
miisse, um grosserem Schaden vorzubeugen. Der Graben bei Lug-
ins-Land sei jetzt trocken und zu verbessern. Alles, mit Ausnahme
der ganz Armen, solle zum Festungsbau beitragen. Man erkannte
danach, aber am 5. Juni auch dahin, dass die Bestallung des Bau-
schreibers zu verringern sei, die des Walljakobs bleiben sollte. Es
scheint, als ob Letzterer jetzt der Trager des ganzen Bauw^esens ge-
wesen sei. Am 2. April 1642 waren wieder grosse Ausstande vor-
handen, die man einzutreiben beschloss. In diesem Jahre, am 15. Oktober,
legte man auch das Fundament zu der neuen steinernen Briicke vor
dem Steinstrasser-Thor.'i

AMr miissen nun einen Blick auf die Ansicht und den Grundriss
der Strassburger Befestigung in Merians Topographia Alsatiae werfen,
da dieselben von 1643 datirt sind. Sie waren gewiss geeignet, unsere
ziemlich spiirlichen Kenntnisse uber die Befestigung Strassburgs zu

»j Walther, 38.



DIE BEFESTIGUXG STRASSBURGS IN MERIANS TOPOGRAPHIA ALSATIAE U. S. W. 275

diesem Zeitpunkte zu bereichern, wenn sie nicht leider voller Fehler
waren. So zeigen sie den Anschluss der Finkmattbefestigung einer-
seits an das Roseneck, andererseits an die untere 111, Anschliisse, die
iiberhaupt niemals ausgefuhrt worden sind, sie enthalten ferner drei
dicht nebeneinander gelegene Werke vor dem Spitalthor, welche nie-
mals vorhanden waren, stellen ein Bollwerk vor dem Scharfen Eck
dar, das in dieser Form nicht bestanden hat und geben bereits eine
Anzahl ^^"erke an 'Raveline vor dem Fischerthor, vor dem Klapper-
thurm, vor dem Rehlingerwall s die unzweifelhaft erst spiiter erbaut
worden sind. Derartige grobe Irrthumer nehmen den Abbildungen
eigentlich jeglichen Werth, da ihre Zuverlassigkeit vollig in Frage ge-
stellt ist. Leider gilt dies auch von einer ganzen Anzahl anderer, dtirch
Stich vervielfiiltigter Plane und Abbildungen von Strassburg, deren
Aufzjihlung hier zu weit fiihren wurde. Ueberhaupt gibt es bei Weitem
mehr unzutreffende Abbildungen der Strassburger Befestigung als zu-
verlassige, und man fragt sich wohl, woher dies kommen mag. Sollte
man etwa gar absichtlich auf die unrichtige Darstellung der Befestigung
hinge wirkt haben? Auf alle Fiille erscheint die Befestigung in den
meisten Abbildungen stattlicher als wie sie in Wirklichkeit war.

Mit dem Jahre 1644 scheint wieder ein frischerer Zug in die
Arbeiten gekommen zu sein, denn man warf am 30. INlarz bei XIII.
die Frage auf, ob das Bollwerk am Neuthor (Gelbes Eck) nicht fertig
zu stellen sei. Man beschloss die Frage zu priifen und entschied sich
am 10, April dafiir, das Werk zu ummauern und an den Hauptwall
anzuhiingen und gleichzeitig das Bollwerk bei St. M;ygaretha (Deutsch-
aue-Bollwerk I zu beginncn. Indess kam es wcder zum Einen noch zum
Andern, doch wurde wenigstens das Gelbe Eck-Boll werk ummauert;^j
erst 1653 war es durch Anhangen an den Hauptwall vollig fertig-
gestellt. Ueberhaupt scheint man die niichsten Jahre benutzt zu haben,
alle bios in Erde hergestellten Werke mit Bekleidungsmauern zu ver-
sehen,- ) denn vom Beginn neuer Werke horen wir zunftchst nichts mehr.
So berichten die Oberen Fortifikationsherrn am 6. April 1648 bei XIII.,
dass das Werk bei St. Johann d. h. am Johannisgiessem nunmehr
fertig sei und schlagen vor, bei Elisabeth- und Spitalthor zu bauen,
dann wird am 5. Mai 1651 das Bollwerk vor dem Elisabeththor in
Augenschein genommen und am 2. Juli bei XIII. die Nothwendigkeit
erkannt das Elisabeththor zu schliessen. Dies kann nur die Folge der
Ummauerung des Bollwerks und des Umstandes gewesen sein, dass
es mit der alten Befestigung links vom Bollwerk in Verbindung ge-

') Fragm. Wencker 3161.

-) Walther, 39, sagt vom Jahre 1647: ,,. . . und weilen die newen bastionen alle uni-
bauet wurden, hat es ein grosses gelt gekostet."



276 GESCHICHTE PER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

bracht wurde. Hierdurch unterbrach man nilmlich den Strassenzua:,
den man nicht durch das Bolhverk selbst fiihren wollte. Mit der x\us-
fuhrung" dieses Beschlusses hatte es aber noch gute Wege, denn das
Jahr 1657 kam heran bis die Arbeit beendet war.') Tm Jahre 1648
stellte man dann auch das Ravelin vor dem Steinstrasser-Thor fertig"
und baute eine steinerne Briicke iiber seinen Graben.-i

Es befindet sich nun wieder eine grosse Lucke in den Protokollen
und zwar bis zum Jahre 1656, die wir nur miihsam aus spateren Nach-
richten und durch die Vergleichung verschiedener Plane zu schliessen
vermogen. So finden wir im Archiv einen Grunderwerbsplan fiir das
Illbollwerk (spater Bastion 6) aus dem Jahre 1650 und einen anderen,
aus dem hervorgeht, dass das Werk, welches anfanglich ,,Ag"nesen-
bollwerk"^; hiess, im Jahre 1654 erbaut worden ist, sodass sich hier-
durch die Angabe von Pollnitz' richtig stellen lasst.^} Aber beendet
war der Bau im Jahre 1654 keinesw^egs. 1656 am 15. April wird bei
XXI. berichtet, dass die Oberen Fortifikationsherrn mit den XIII. die
Werke von der 111 bis zum Johannisgiessen besichtigt hatten. Die beiden
Bollwerke beim Elisabeththor Jll- und Elisabethbollwerk i werden als
angefangen bezeichnet und sollen in gute Defension gebracht werden ;
man miisste die Graben (vollendsi ausschachten, die aussere Boschung
„beschlagen", die Brustwehr mit Batterien auffiihren, die Kurtinen fort-
setzen und sammt dem Fliigel (Flanke) gegen das Spitalthor in Stand
bringen. Der alte Wall links vom Elisabethbollwerk soil zur Kurtine
gemacht, das Bollwerk angehilngt und im INlauerwerk fertig gestellt
werden. Zwischen St. Johannisgiessen und Metzgerthor sei nur der
Rehlingerwall vor dem Waisenhaus vorhanden, der Graben ziemlich
schmal und nur mit zwei Rundelen versehen, die bei jetziger Kriegs-



ij Fragm. Wencker 3161. Was v. Pollnitz, 31, iiber diesen Bau schreibt, ist theils un-
richtig, theils unverstandlich. Wir haben gesehen, dass das Elisabethbollwerk nicht erst 1657
begonnen wurde, dass es aber ,,unter Benutzung der vorhandenen Thiirme" erbaut worden sei,
ist unverstandlich, da diese gar nichts mit einem zeitgemassen Bollwerk zu thun haben konnten.
Dass man den Boden aus dem Graben entnahm, ist nicht mehr als natiirlich. Das geschah
selbstredend iiberall, wo man neue Werke vor den alten anlegte. Ebenso ist es ungenau,
wenn Seyboth, D. a. Strss., 167, schreibt, das Bolhverk sei 1657— 1676 „verbessert" worden.
Dass diese oder jene kleine Arbeit nach 1657 noch vorgenommen wurde, mag ja zutreffen,
doch will dies Seyboth wohl schwerlich sagen, da es nirgends berichtet wird, vollendet, im
eigentlichen Sinne des Wortes, wurde das Bollwerk sicher im Jahre 1657.

2) Walther, 40.

3) Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 197, I2».

*) Strss. Stdt. Arch. PI. 481 (lis 6) u. PL 90 (II* 12), sowie v. Pollnitz, 31. Wenn Piton
angibt, dass vor dem alten Scharfen Eck ein kasemattirtes Werk erbaut worden sei, das spater
bei Errichtung der Illschleuse durch die Franzosen abgebrochen und weiter nach aussen geriickt
worden ware, so ist dies von Anfang bis Ende eine Fabel, deren Entstehung nicht aufzukliiren
ist. Eine Zeit lang nannte man das Kurtinenstuck zwischen Illbollwerk und 111 ebenfalls
Scharfes Eck (G. U. P. 197, I2«).



XEUE BAUTEX WERDEX IX AXGRIFF GEXOISLMEX, AXGEFAXGEXE FERTIG GESTELLT. 277

miinier gar nicht zu gebrauchen waren. Deshalb soil der von den
Schoffen gutgeheissene Morschhausersche Grundriss vom Johannis-
giessen bis Spitalthor zur Ausfiihrung gebracht werden. Die drei
Morschhauserschen Bollwerke seien auszustecken, damit nach Augen-
schein angeordnet werden konnte, welches zuerst auszufiihren sei.
Dann wurde nach X^orschlag der XIII. das oberste Bollwerk zwischen
Johannisgiessen und Rehlingerwall zuerst vor die Hand zu nehmen
sein, die gewohnlichen Mittel wurden aber nicht reichen und deshalb
miisste auf extraordinare Hulfe Bedacht genommen werden. Es wird
deshalb eine Anleihe von drei-, vier- oder mehrtausend Thalern, eben-
soviel als unumganglich nothig sei, vorgeschlagen und dies auch von
den Schoffen gutgeheissen. Am 25. April war dieselbe Sache durch
Dr. Schrag bei den XIII. zur Sprache gebracht worden. Wir sehen
hieraus also, dass bis zum Jahre 1656 ausser dem 111- und Elisabeth-
bollwerk weiter nichts auf der Siidfront begonnen war. — Schon am
18. Februar hatte man bei XXI. fiir 1655 Rechnung gelegt und die
Einnahmen auf 4168 Pfd. 8 p 4^/2 .| und 20 Viertel Frucht, die Ausgabe
auf 3583 Pfd. 1 p 4' 2 ^ angegeben, also nicht einmal alles verbaut. Die
Ausstande waren aber sehr hoch: 9436 Pfd. Es wird deshalb in An-
regung gebracht, denjenigen, welche Gelder auf dem Pfennigthurm
stehen haben, d. h. Glaubiger der Stadt waren, die Ausstande an den
Zinsen abzuschreiben, sowie das Frongeld von 13 auf 15 p zu erhohen.
Dann w^ird bemiingelt, dass die MateriaUen zu theuer eingekauft werden,
auch die Rechnung zu spilt abgelegt wird, da dies bestimmungsmassig
stets um AWnhnachten geschehen soil, Weiterhin wird von den XIII.
angeordnet, dass die Wasselnheimer die Steine zum Bau beifahren
sollen und gemeldet, dass die Ritterschaft freiwillig front. Demniichst
beanspruchen Rath und XXI. durch Vortrag bei den Ziinften ^'on der
Biirgerschaft eine ausserordentUche Beihiilfe zur Fertigstellung des
111- und Elisabethbollwerks und fiir den Neubau eines Bollwerks, wie
es heisst ,,beim Metzgerthor'* (gemeint ist das nachmalige Katharinen-
bollwerk s wo die Stadt sehr schlecht verwahrt sei. Es soil ein Quart
Oder Viertel Stallgeld innerhalb zweier Termine uber das gewohnliche
Baugeld gezahlt werden. Wer das nicht vermag, dem soil es frei-
stehen, den Betrag abzufronen.'j Es scheint, dass durch diesen Antrag
bei den Schoffen der Vorschlag vom 18. Februar modifizirt worden ist.
Aus der Rechnungslegung fiir 1656 geht hervor, dass das AVerk
vor dem Metzgerthor iKatharinenbollwerki thatsachlich in diesem Jahre
begonnen worden ist, und dass sich die Einnahmen in Folge der Er-
hohung des Frongeldes u. s. w. nicht unerheblic^h vermehrt haben.



'j Strss. Stilt. Arch. V, 130



278 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNX, STRASSBURGS.

Sie werden auf 11367 Pfd. 11 p b' ., '^, die Ausgaben aber auf 10673 Pfd.
18 p 11 '^ beziffert. Das wtirde eine Ersparniss von 693 Pfd. 12 p
7\2 -5j bedeuten, es wird jedoch bemerkt, dass nicht nur die Ersparniss
ausgegeben worden, sondern dass man den Handwerksleuten, besonders
auch fiir Holz zu den Fundamentpfahlen, noch liber 800 fl, schuldig
geblieben sei.*) Wie wir aus den Einzelangaben uber die erwachsenen
Ausgaben ersehen, wurde lediglich am 111-, Elisabeth- und Katharinen-
bollwerk gebaut. Darin scheint sich auch in den Jahren 1657 und 1658
nichts geandert zu haben, denn erst am 13. September 1658 berichtet
der Syndikus Frid bei XXL, dass die beiden Werke „vor dem Elisabeth-
thor" 111- und Elisabethbollwerk i fast fertig seien, und dass man nur
nothgedrungen das Werk „vor dem Metzgerthore" f Katharinenboliwerk;
angehangt habe. Es wiiren aber alle Mittel derart aufgebraucht, dass
man nichts mehr in der Kasse habe. Es musse deshalb ein „Anschlag
auf die Biirgerschaft" gemacht werden. Was das neuausgesteckte
Werk „vor dem Metzgerthore" (das nachmalige Metzgerbollwerk,
spater Bastion 3) anbetrafe, so konnte man mit demselben so langsam
vorgehen, als man wolle. Wie jedes Jahr, so hatten auch 1658 am
11. Februar die Oberen Fortifikationsherrn ihren Plan fiir das beginnende
Baujahr vorgelegt und uber das \^orjahr berichtet, es geht aber aus
der bezuglichen \^erhandlung bei XIII. nicht hervor, um was es sich
im Einzelnen handelte. Wie wir nun aus dem vorstehenden Bericht
vom September 1658 ersehen, schienen weitere Werke, zunachst das
nachmalige Metzgerbollwerk in Aussicht genommen zu sein, hervor-
zuheben aber ist, dass man vom Spitalbollwerk i spiiter Bastion 4) auch
jetzt noch nichts hort, ebensowenig a on Bauten auf anderen Fronten.
Im Tahre 1658 wurde dann auch der mittlere Elisabeththorthurm fort-
gebrochen, da er iiberfliissig geworden war und im Wege stand.-j Im
Uebrigen gewinnt man den Eindruck, als ob jetzt planmiissiger ver-
fahi-en werden sollte als bis vor Kurzem, trotzdem die Gelder wie

') Strss. Stdt. Arch. V, 6S, lect. bei XHI. d. 29. I. 1657. Es werden im Einzelnen
folgende Angaben gemacht :

Einnahmen: Insgemein 1834 Pfd. p Va i (d^bei der Rest vom vorigen Jahr),
Frongelder 9533 ,, 3 ,, b

Sa. 11367 Pfd. II P 6V2 h-

Ausgaben: fiir Materialien 1248 Ptd. 10 (i

fiir die Arbeiter vor dem Elisabeththor 5^49 " 10 ,^ ^ h

fiir die Arbeiter vor dem Metzgerthor 1096 ,, 12 ,, 4 ,,

fiir die Steinhauer 613 „ 7 n 9 »



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