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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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fur die Maurer I99 ,, 9 >, — >,

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in allerhand Weg 1204 „ 7 .. 7 ..

10673 Pfd. 18 p II ^
■^) Prot. d. XIII. v. 1658. fol. 2.



XEUE BAUTEX WERDEN IX AXGRIFF GEXCniMEX, AXGEFAXGEXE FERTIG GESTELLT. 279

gewohnlich eine grosse Rolle spielen; vielleicht lag dies daran, dass
man einen neuen Ingenieur in der Person Schwenders zunilchst
, , interims AVeiss" angenommen hatte, der sich am 23. Februar bei
den XIII. meldete. Er legt bereits am 19. April ebenda einen Grund-
riss fiir die Befestigung am Metzgerthor vor/i worauf die Oberen
Fortifikationsherrn vorschlagen, Schwender anzunehmen, ,,da dem
Walljakob das Gedachtniss anfange zu verfallen".

Wie der Fruhjahrsbericht vom 12. Marz 1659 bei XIII. darthut,
waren die Werke beim Elisabeththor im Jahre 1658 nahezu fertig
geworden, was sich wohl vornetimlich auf das Illbolhverk und die
Kurtinen beziehen diirfte, da das Elisabethbolhverk schon im Jahre
1657 vollendet wm^de ; der Hauptsache nach war nur noch der Graben
zu A^ertiefen. Es ist dies in der Weise zu verstehen, dass man beim
Bau der Wallbekleidungsmauer (Eskarpenrevetementi diese in einer
Baugi"ube ausfiihrte und den Boden aus dem Graben erst nach Mass-
gabe des Fortschreitens der Mauerarbeit ausschachtete und in den
Wall bzw. das Glacis karrte. Dieses der noch heute iiblichen Bau-
praxis entsprechende Verfahren verdeutlicht unter Anderem ein im
Stadtarchiv befindlicher Plan,-i der zwar erst aus dem Jahre 1663
stammt, aber fiir die ganze Bauausfiihrung typisch ist. Danach wurden
die Bollwerke zuerst als Raveline vor dem alten Stadtgraben und zwar
lediglich in Erde und mit schwacherem Profil, aber mit einem dicht
vor dem Hauptwalle liegenden Xiederwall hcrgestellt; dementsprechend
war der Graben noch flach und nur ungefahr halb so breit als bei
dem spateren permanenten Profile. Man setzte dann die Wallbekleidungs-
mauer in eine am Fusse des Xiederwalles ausgehobene Baugrube,
wodurch das Werk in seiner Vertheidigungsfahigkeit unberiihrt bUeb.
Erst dann, wenn die Wallbekleidungsmauer die Hint erf ullung mit Erde
vertragen konnte, nahm man die weitere Vertiefung und Verbreiterung
des Grabens vor, riickte den Xiederwall bis zur Wallbekleidungsmauer
vor und verstarkte auch das Profil des Hauptwalles. Um jede unniatze
Arbeit zu vermeiden, wurde bei dem provisorischen Profil kein Glacis
angeschiittet, sondern in den gewachsenen Boden innerhalb der spateren
Grabenausschachtung ein gedeckter Weg eingeschnitten.

Xunmehr tritt bis zum Jahre 1661 wiederum vollige Stille in den
Protokollen ein. die wir aber nicht so deuten durfen, als sei wahrend
der Zeit liberhaupt nichts gebaut worden; wir werden vielmehr an-
nehmen mussen, dass man ledighch nichts Xeues begonnen, sondern
an den im Bau befindlichen W^erken — Katharinen- und Metzgerbollwerk



•) Der Schwendersche Plan ist wahrscheinlich der iin Archiv befindliche, mit nr. 76
{Us 9) bezeichnete.

-) Strss. Stdt. Arch. PI. 494 [Us 14).



280 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBIJRGS.

— weitergearbeitet hat. Ersteres Bollwerk ist in dieser Zeit wahr-
scheinlich vollig" fertig gestellt, letzteres jedenfalls nur in Erde auf-
geschiittet worden, denn es wird spater noch iiber die ihm zu gebende
aussere Form gestritten. Am 16. Milrz lOOl berichten die Oberen
Fortifikationsherrn bei XXL, dass es an der Zeit sei, „mit dem Bau-
wesen fortzufahren" und das Ravelin vor dem Metzgerthor sammt
Kontreskarpe „in seine perfection zu bringen", d. h. das Metzgerbollwerk
zu ummauern, an den Hauptwall anzuhangen, Graben, gedeckten Weg
und Glacis herzustellen, AUein, es sei kein Geld vorhanden. Man
beschloss deshalb, die Angelegenheit den Schoffen vorzutragen, worauf
dann auch am 18. Miirz ein Quart Stallgeld fiir die Befestigung bewilligt
wurde. Auch mit ihren Pferden mussten die Burger fronen,'j trotzdem
kam das Jahr 1663 heran, ohne dass ein wesentlicher Fortgang in den
Arbeiten festzustellen ware. Nunmehr schlugen am 18. Marz bei XIII.
die Oberen Fortifikationsherrn vor ,,dem nach die Zeit vorhanden, dass
mit dem Fortifikationsbau bey gemeiner Stadt wiederum fortgefahren
werden sollte, als hiltten sie zu Meinen Herrn stellen wollen, ob man
wolte bauen lassen oder nicht, vnd auff den fall quod sic, woher die
Mittel zu nehmen. Desgleichen wie Denjenigen persohnen die geldter
vorgeschossen, vnd denen man noch iiber 7000 fl. schuldig satisfaction
mochte gegeben werden. Sie ihres theils wolten dabey nichts vor-
geschlagen sondern Meinen Herrn lediglich anheim gestellt haben.
Herr Syndicus Frid erwehnt, weil viel bose discours wegen des forti-
ficationsbau hin vnd wider fallen, dass gut ware die sach zu mittlen,
dass Meine Herrn die XIII. nicht allein die invidiam triigen". Man
erkannte: „Soll die frag bey den 3 geheimen Stuben proponirt vnd
daselbst davon geredet werden." Am 25. Miirz kam dann auch die
Sache zur Sprache, das Erkenntniss forderte aber nicht vom Platze,
denn es lautete lakonisch: „Soll aus alien Stuben eine Deputation ge-
macht und alles bedacht werden." Auch am (i. April w^ar man noch
nicht von der Stelle gekommen, denn bei XXI. wurden erst die drei
bekannten Fragen aufgeworfen : ob man etwas bauen wolle, was man
bejahenden Falles bauen wolle und was fiir Mittel zur Verfugung
standen. Erstere Frage bejahte man, wegen der zweiten sollte der
Herr Oberst gehort werden, und was die Mittel anlangte, so fehlte
es nicht nur wieder daran, sondern die 7000 fl. Schulden waren auch
noch zu bezahlen. Man half sich, indem man der Biirgerschaft von
Neuem ein Frongeld auferlegte. Ueber die Fortsetzung der Bauten
oder die Inangriffnahme neuer enthalten die Protokolle nichts, dagegen
bezeugt der bereits oben crwiihnte im Archiv befindliche Plan 494



'j Plot. d. XIII. V. I6(J2, lol. 245.



NEUE BAUTEN WERDEX IX AXGRIFF GEXOMMEX, AXGEFAXGEXE FERTIG GESTELLT. 281

fllg ,4) des Baumeisters Johann Jakob Arhard, dass das Spitalbollwerk
im Jahre 1663 beg^onnen und, wie es scheint, auch gleich ummauert
und an den alt en Hauptwall angehangt worden ist. Andreas Kerman
war um diese Zeit Stadtlohner und scheint iiber den Bau mit Arhard
in Streit gerathen zu sein.') In diesem Jahre entwarf bereits der Oberst
Pleitner oder Pleutner zwei Raveline vor dem Spital- und dem Metzger-
thor, von denen ersteres den Anfang fiir das daselbst zu erbauende
Spitalthorbolhverk darstellte, das jedoch als solches niemals zur Aus-
fuhrung gelangt ist. Es folgten dann, bis in das Jahr 1664 hinein,
verschiedeneEntwurfsbearbeitungen fiir die Werke zwischenKatharinen-
und Spitalbollwerk,-; bei denen es sich besonders um die dem Metzger-
bollwerk und Spitalthorravelin zu gebende Form handelte. Insbesondere
wollte der Oberst Pleitner, und mit Recht, von der Morschhauserschen
Grundrissgestalt abweichen, indem er empfahl, die Flanken des Boll-
werks nicht mehr senkrecht zur Kurtine zu stellen, damit eine bessere
Bestreichung der Bolhverksfacen erzielt wiirde, womit er dann auch
durchdrang. Ebenso wurde das Ravelin vor dem Spitalthore nach
seinen Vorschlagen in Erde ausgefiihrt, indess wohl erst 1665, da nach
einer Notiz auf der Zeichnung 402 (11k ^^j das beziigUche Erkenntniss
erst vom 19. September 1664 und der Plan fiir die Ausfiihrung von
Oberst Pleitner und Baumeister Arhard vom 4. Oktober 1664 datirt.
So wurde dann wenigstens die Befestigung von obcrer 111 bisjohannis-
giessen in ,, provisional Defension" gesetzt, wie es im Protokoll der XXI.
vom 5. Marz 1664 heisst, im Jahre 1665 aber auch die Summe von
10000 fl. an der Befestigung verbaut.

Fiir die Zeit von 1664 bis 1670 schweigen sich die Protokolle
der XXI. und XIII. vollig aus. Abgesehen da von, dass sie theilweise
sehr beschadigt sind, wird dies wohl seinen Grund vornehmlich in
dem Mangel an Mitteln haben, der es nur gestattete, an dem Begonnenen
langsam weiterzubauen. Man wird annehmen diirfen, dass in dieser
Zeit die ganze Befestigung von oberer ill bis Johannisgiessen fertig-
gestellt wurde, wie wir sie im Jahre 1681 finden, dass man also auch
das Ravelin zwischen Katharinenbollwerk und Johannisgiessen erbaute,
von dem sonst nirgends die Rede ist. Der INIangel an Mitteln fiihrte
dann nicht bios dazu, die kathoHschen Stifter und Kloster zu Beitragen
anzuhalten,'"^) sondern zeitigtc auch eine Anzahl von Auflagen, die uns
heute theilweise eigenthiimlich vorkommen. So wurde zu Gunsten



'j Im ,:Eig. Berichl" licisst cs: „beide wolllen Mii^ter sein". Die Angaben Silbeinianns
iiber die Bauzeit sind unzutreffend und heivorgerufen durch die oben eiwahnte, im Jahre 1636
vorgenommene Aussteckung behufs Anfertigung des Bauentwurfes.

■^) Strss. Stdt. Arch. PI. 33, 27, 30, 31, 29, 402, 539, 34 (Ik 15—22).

3) Prot. d. XXI. V. 1666 u. 1667; fol. 65 bzw. 36.



282 GESCHICHTE DER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

del" Kriegskasse eine Hochzeits- unci eine Kontraktsteuer eingefiihrt,
del" ausserelsilssische \\\'in besteuert, ein Zoll auf Otter- iind Iltisfelle,
sowie auf vei"schiedene\^erkaufsgeg'enstande, besonders Spitzen, gelegt,
ja selbst die Bleicher und Giirtner mussten zur Kriegskasse beisteuern,
indem erstere von 100 Ellen gebleichten Zeuges 1 Schilling und rnit
Zwischenstufen von 25 zu 25 Ellen entsprechende Steuer zahlen, letztere
aber die Hiilfte der beim \^erkauf des Zwiebelsamens einkommenden
Gefalle an die Kriegskasse abftihren mussten.') Auch 1667 und 1668
wurden Auflagen auf die Biirgerschaft gemacht.-j In letzterem Jahre
erhielt die Stadt vom Kaiser ein ISIoratorium auf 8 Jahre, um ihren
Finanzen aufzuhelfen. Dasselbe wurde dann nachmals bis zum 17.
Jmii 1680 verlangert.-^)

Im Jahre 1669 nahm die Stadt einen neuen Ingenieur in der Person
des Architekten Christoph Heer an, den sie bis zum Uebergang an
Frankreich im Jahre 1681 beibehielt und der eine eifrige Thatigkeit
entfaltete. Seine erste Arbeit war der Bau des neuen Miiller- oder
Weissthurmbollwerks, der nach Silbermann im Jahre 1669 begonnen
worden ist; die Protokolle der XXL melden das Werk zuerst am
15. Oktober 1670 als in der Ausfiihrung begriffen. Man wendete sich
jetzt also der Verbesserung der Befestigung zwischen Heidenbollwerk
und oberer 111 zu, und es wurde bereits im vorigen Abschnitt gelegentlich
erwahnt, dass man dazu selbst die Specklinschen und Schochschen
Entwmrfe zu Rathe zog. Indess erfolgte die Ausfiihrung doch im
Wesentlichen nach dem Morschhauserschen Plan, den man noch immer
als verbindlich ansah, da er seinerzeit dem Schoffenbeschluss tiber
den Umbau der ganzen Befestigung zu Grunde gelegt worden war.
Nach Silbermann begann man dann am 9. Mai 1671 auch das Bollwerk
auf der Deutschaue inachmals Werk 34i, indess ^^'ar es nach dem
Protokolle der XIII. vom 27. Marz 1671 bereits an diesem Tage im Bau
begriffen. Wahrscheinlich bezieht sich die Silbermannsche Angabe auf
den Beginn der eigenthchen Bauarbeiten, dem ja die Aussteckungs-
arbeiten A'orausgehen mussten, welche wohl das Protokoll vom 27. INIarz
im Auge hat. Am 27. Februar hatte man die Vorschlage fiir den Bau-
betrieb des Jahres 1671 bei XIII. besprochen, die dahin gingen, das
Mullerbollwerk zu vollenden, vor alien Dingen den hindurchfliessenden
Miihlgraben zu iiberwolben, dann aber das Werk auf der Deutschaue
zu beginnen. Zwischen Weissthurmthor und Lug-ins-Land sollte die
vStadtmauer um 5 oder 6 Schuh niedriger gemacht werden und das



'( K. Univ. u. L. Bibl. H. nr. 672: Underschidene Uecreta die Neuwe Kriegs-Cassa-
Miltel betreffend.

2j Prot. d. XXI. V. 1667 u. 1668, fol. 39 bzw. 13 u. 14.
■*) Mem. Reisseissen, 14.



CHRISTOPH HEER WIRD ALS STADTIXGENIEUR ANGEX0:MMEX. 283

Material beim Bau des Bollwerks verwendet werden. Am 27. Miirz
stritt man sich dann bei XIII. dariiber, ob es besser sei, das Deutschaue-
bollwerk nach dem Morschhiiuserschen Entwurfe als ganzes Bollwerk
Oder nach dem abweichenden Entwm"fe Heers zu erbauen, welcher
die linke Flanke wegfallen Hess und die linke Face unmittelbar an
die Km^tine anscliloss, sodass sie nunmehr ihre Bestreichung von dieser
allein und nicht auch von der Befestigung jenseits der 111 erhielt.')
Den Entwurf Morschhausers vertrat der Stadtlohner Kerman, der mit
Heer dieserhalb in Streit gerieth. Wie es scheint, war Kerman unver-
traglich, hatte er sich doch auch bereits mit Arhard iiber den Bau
des Spitalbollwerks gestritten. Er steckte nun das Deutschauebollwerk
nach seiner Idee ab. Es war auch ein JModell gefertigt worden und
Ammeister Dietrich hatte befiirwortet, soviel als moglich bei dem
Morschhauserschen Riss zu bleiben, welcher von Schoffen und Ammann
anerkannt ware, da auf solche Weise verhindert wiirde, „dass die
Biirgerschaft ungleichen discurse daruber fiihre", gleichwohl beschlossen
die XIII. am 1. April 1671 das Bollwerk nach Heers Vorschlagen
ausfiihren zu lassen. Weiterhin aber wurde erkannt, dass Ingenieur
und Lohner fiir ihre Verrichtung besondere Vorschriften erhalten
sollten, um vveiteren Streitigkeiten vorzubeugen und Ammeister
Dietrich machte dabei geltend, dass der Lohner bei derartigen An-
gelegenheiten nicht mitzureden und sich nur des Bauens anzunehmen
habe. Kerman scheint aber nicht aufgehOrt zu haben, sich im Heer
zu reiben, denn in der Sitzung der XIII. vom 15. Mai klagt er auch,
dass es liederlich beim Bau herginge und verlangt dann von demselben
befreit zu werden. Beziiglich des Einflusses des Miihlgrabens, iiber
den Heer und Kerman sich ebenfalls nicht einigen konnten und fur
den ersterer ein Gewolbe fiir genugend hielt, letzterer zwei Gewolbe
haben wollte, entschied man am 5. Juni bei XIII., dass man zunachst
das Fundament herstellen und dann die Frage priifen und entscheiden
solle. Auch hier siegte Heer ob, indem thatsiichlich nur ein Gewolbe
zur Ausfiihrung kam.-i Wie gewohnlich fehlte es dies Jahr wieder
an Mitteln und mussten auch die ritterlichen Unterthanen fronen.")
Da man wegen Oeffnung der Stadt in Folge des Baues nicht ohne Besorg-
niss war und befiirchtete, dass der Bischof die Gelegenheit benutzen
konnte, mit Hiilfe der Miinsterischen und Lothringischen Volker sich
in den Besitz der Stadt zu setzen, so entwickelte man auf einen Antrag
der XIII. vom 10. Juni hin eine ausserordentliche Thatigkeit, um die
Wiille in kurzester Frist zu schliesen. Selbst die Maurer des Frauen-



M Siehe auch Strss. Stdt. Arch. PI. 25 (II* ii) u. 403 (lib lyj.

2) Siehe auch Strss. Stdt. Arch. PI. 404 (lib 21).

3) Prot. d. XXI. V. 1671, fol. 104 u. 109.



284 GESCHICHTE DER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

hausstiftcs wiirdcn herangezogen, um die Bekleidungsmauern der
Bolhverke hochzufiihren, die Soldaten arbeiteten und die Glirtner
mussten ihre Pferde zur Fron stellen. Regiments- und Rathsherrn
theilten sich in die Bauaufsicht, wobei es aber wieder zu einem Strcit
zwischen Dr. jur. und S^'ndikus Adam Schrag und dem Lohnherrn
kam.*)

Die bedrohlichen politischen Verhaltnisse gaben Heer und Kerman
Veranlassung mit \^orschlagen fur die Verbesserung der Befestigung
hervorzutreten, welche dann audi in der Sitzung der XXI. vom 14. Juni
zur Besprechung gestellt wurden, ohne dass hier Naheres dariiber
gesagt wird. Wir kennen dieselben aber aus den im Archiv [lufbewahrten
Zeichnungen-i und ersehen daraus, dass sie sich vornehmlich mit der
Einfiihrung des Muhlgrabens, mit der IMauerbekleidung des Ravelins
vor dem Weissthurmthor und mit der \^erbesserung der Graben-
bestreichung vor den Bolhverksfacen auf den Westfronten beschaftigten.
Indess wurde in der erwilhnten Sitzung nur erkannt, dass ein Blockhaus
auf gestellt werden sollte, wo? wird nicht einmal gesagt. Die Frage
iiber die zweckmassigste Einfiihrung des IMuhlgrabens kam noch lange
nicht zu Ruhe und zeitigte eine wahre Unzahl von Entwurfen, das
Ravelin vor dem Weissthurmthore wm'de erst viel spater mit Mauern
bekleidet, die von Heer fiir die Verbesserung der Grabenbestreichung
in Vorschlag gebrachten spornartigen Ansatze an den Kurtinen kamen
aber niemals zur Ausfiihrung. Durch letztere beabsichtigte Heer die
Bestreichung der Bollwerksgraben den Kurtinen abzunehmen, von
denen aus sie nur in hochst mangelhafter Weise erfolgen konnte.

Im Fruhjahre 1572 beschloss man bei XIII. zunilchst nur das
Miiller- ( Achtriider- oder Weissthurm-) Bollwerk fertig zu stellen, dann
aber, auf Betreiben der XXL, auch den Bau des Bollwerkes Lug-ins-
Land zu beschleunigen, es fehlte aber wieder an Geld, weshalb man die
Schoffen horen wollte, woher es zu nehmen sei. Diese bewilligten
dann auch sofort ein neues Frongeld. Lug-ins-Land wurde zwar wie
alle iibrigen an den vorhandenen Hauptwall anzuhilngenden Bolhverke
als Ravelin in Erde begonnen, aber doch sehr bald mit Mauerwerk
bekleidet. Wie auf einer im Archiv befindHchen Zeichnung bemerkt,
ist „am 19. Juli 1672 von Magistrat resolvirt worden, die beiden Facen
des Bollwerks Lug-ins-Land sollen 22 Fss. hoch sein, die Flanke aber
(b c) soil 1 Fss. sinken, die Curtine cd soil gegen das Bollwerk auf
der Deutsch Aue auch 1 Fss. fallen. Das Bollwerk aber auf der Aue
soil horizontal 20 Fss. hoch (defgi bleiben, gh aber soil 1 Fss. sinken



') Mem. Reisseissen, 24, 25, 26.

-) Strss. Stdt. Arch. PI. 370, 372, 413, 306, 340, 369, 475 (lib 13—18 u. 20j, PI. 99 (II'-' 15).



FERTIGSTELLUNG DER BAUTEX ZWISCHKN HEIDEXBOLLWERK U. ORERER ILL. 285

unci also hi 19 Fss. am Wasser perpendikulariter hoch sein. gez. H feer)."
Indess scheint dieser Beschluss nochmals geiindert worden zu sein,
denn es findet sich, vom November 1672 datirt, im Stadtarchiv ein
Profil fiir die Bekleidungsmauer des Deutschaue-Bollwerks, der Kurtine
Deutschaue~Lug-ins-Land und der linken Flanke Lug-ins-Land mit
durchgehender Mauerhohe von 20 Fuss, wahrend die iibrigen Linien
die zuerst vorgesehene Hohe behalten. Am 27. Juli war der Bau von
Lug-ins-Land bereits begonnen, in der Sitzung der XIIl. von diesem
Tage wurde aber bereits geltend gemacht, dass alleBauten nichts
niitzen wurden, wenn der Konig von Frankreich sich der
Stadt bemachtigen wolle; er habe mit grosster Behendigkeit




auoh die festesten Orte eingenommen, zu dem ermangele man
in Strassburg der nothigen Besatzung. Auch sei bekannt,
dass der Konig mehr Stadte mit Geld als mitGewalt einnahme,')
eine Aeusserung, die nicht nur in jeder Beziehung zutreffend, sondern
fiir die Zeit, zu der sie gemacht wurde, auch sehr bemerkenswerth ist.
Der Bau des Bollwerks Lug-ins-Land wurde dann mehr und mehr
beschleunigt, doch sah man ein, dass er nicht vor Winter fertiggestellt
werden konnte und beschloss deshalb im September Mittel zur Voll-
endung des Werkes aufzunehmen. Dabei fehlte es nicht an Klagen,
dass die Handfroner sich unfleissig einstellten, und an Antragen, die
Pferdebesitzer anzuhalten, dass sie mit ihren Gespannen fronen sollten.
Obgleich der Bau augenscheinlich eifrig betrieben wurde, mim also
denken sollte, dass man \'on vornherein sich iiber das klar war, was
man wollte, so wurden dennoch eine iiberraschend grosse Zahl von



') Prot. d. XIII. V. 27. n. 1672, fol. 144-



286 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

Entwiirfen iiber die Gestaltimg' der neuen Fronten zu Tag:e gefordert ;
das Stadtarchiv bewahrt dieselben noch heute. Es hat keinen Zweck,
dieselben sammtlich hier zu besprechen, da sie nichts besonders Inter-
essantes bieten und moge das Nachfolgende, das fiir den Fortgang
des Baues bezeichnend ist, geniigen. Dem Anscheine nach sind die
Entwiirfe sammtlich von Heer bearbeitet. Einer derselben, vomjimi 1671,
zeigt Lug-ins-Land erst im Entwurfe, die linke Flanke des neuen Miiller-
bollwerks am alten ausseren ^^^eissthurmthol• abschliessend, sodass
die Streichwehr neben dem Thor als zuriickgezogene Flanke weiter
besteht, der Raum hinter derselben ist natiirlich noch nicht verfiillt.
Im April 1672 ist die linke Flanke des neuen Miillerbollwerks bis zur
Kurtine durchgefiihrt, die Absicht also aufgegeben, die Streichwehr zu
erhalten, der Raum hinter derselben aber noch frei. Bolhverk Lug-
ins-Land ist im Bau begriffen, Juli 1672 zeigt Lug-ins-Land als Ravelin
mit ganz kurzen Flanken, im Bolhverk einen Kavalier ohne Flanken,
als Anfang des hohen Walles. Auf einer anderen Zeichnung vom
Juli 1672 wird der Raum hinter der Streichwehr des iMiillerbollwerks
verschiittet, Bolhverk Deutschaue ist im Bau begriffen dargestellt. Es
werden drei Farben benutzt : griin fiir \"orhandenes, gelb fiir Entwurf,
braun fiir im Bau Begriffenes oder zur Ausfiihrung Genehmigtes. Aus
einer anderen Zeichnung vom Juli 1672 ergibt sich, dass Ravelin Lug-
ins-Land zum Bolhverk umgebaut wurde, die Umgestaltung des ge-
deckten Weges mit Glacis vor der Front Lug-ins-Land — Miillerbollwerk
beendet, vor Lug-ins-Land— -Deutschaue, wie auch das Bolhverk Deutsch-
aue aber im Bau begriffen war. September 1672 ist der Raum hinter
der Streichwehr im MiillerboUwerk ausgefiillt, wodurch die hohe Flanke
hergestellt war. Wenn Silbermann sagt, dass die Sagemiihle vor Lug-
ins-Land 1671 abgebrochen worden sei, so widerspricht dem diese
Zeichnung, auf der die Sagemiihle noch vorhanden ist, sie muss jedoch
zu dieser Zeit beseitigt worden sein, da sie dem Bau im Wege war,
Ein Armirungsentwurf fur die im Bau begriffenen Fronten vom No-
vember 1672 zeigt das Deutschaue-Bollwerk ohne Zusammenhang mit
Lug-ins-Land und dieses im Bau; letzterem Werk fehlt noch die linke
Flanke. Der alte Stadtgraben im Bolhverk Lug-ins-Land ist rechts
der Kapitale bereits verfiillt, der hohe Wall der rechten Flanke aber
noch nicht geschiittet. Letzteres ist im Jahre 1673 bewirkt worden,
wie die Jahreszahl bezeugte, die nebst dem Stadtwappen iiber der
Poterne angebracht war, welche in der Verlangerung der Kurtine zum
Mtillerbollwerk den hohen und den niederen Wall verband. Diese
Poterne war, wie der Augenschein lehrte, durch Uberwolbung des
zwischen Stadtmauer und Wallbekleidungsmauer befindlichen Wehr-
ganges entstanden; in der ausseren Widerlagsmauer waren noch die



FERTIGSTELLUNG DER BAUTEN ZWISCHEX HEIDENBOLLWERK U. OBERER ILL. 28/

Schiesslocher der Stadtmauer zu erkennen. Im August 1674 war dann
auch die linke Flanke Lug-ins-Land bis auf einen Theil der ^^^all-
schuttung- beendet ; eine Zeichnung aus dieser Zeit lilsst die vorstehend
erwahnte Poterne erkennen, sowie dass die Abtragung des alten Stadt-
walles hinter dem Bolhverk und die Schiittung der linken Fkmke im
Gange war. Zu der beabsichtigten \^erbindung von Lug-ins-Land und
Deutschaue-Bollwerk kam es nie. Ich habe mich hierbei etwas langer
aufgehalten, um darzuthun, wie sich der Bau allmahlich entwickelte
wenn man alsbald zur Ummauerung eines Bollwerkes schritt, ab-
weichend von der Art des Baues, wie sie beim vSpitalbollwerke ge-
zeigt wurde.

Auch im Jahre 1673 drehte sich der Baubetrieb vorzugsweise um
das Bolhverk Lug-ins-Land und beschloss man am 8. Februar bei XIII.,
jedenfalls um die Gelder nicht zu zerspHttern, das Bolhverk Deutsch-
aue in diesem Jahre noch nicht zu ummauern; indess wurde auch auf
der Finkmatte gearbeitet. Man beschloss bei XIIT. aus der Fremden-
Zins-Kasse 8000 fl. zum Fortifikationsbau zu nehmen und das Bolhverk
Lug-ins-Land ,,auszumachcn" d. h. zu vollenden. Im Uebrigen wandten
sich Rath und XXI. in einem schriftlichen Vortrag an die Ziinfte um
Bewilligung eines ausserordentlichen Frongeldes, wie es im vergangenen
Jahre gezahlt worden sei und machten geltend, dass sie es dringend
fiir die \'ervollstandigung der Befestigung brauchten : W-rtiefung der
Griiben vor dem A\'eissthurmthor und Fertigstellung des angefangcnen
Bollwerks bei Lug-ins-Land. Die Zahlung sollte in zwei Terminen
am 19. Miirz und 9. JuH erfolgen. Begrundet wird die Dringlichkeit
dann noch mit dem ausgebrochenen Kriege und der Annahme von
zwei Schweizerkompagnien, da der Abschluss des Abkommens dieser-
halb unmittelbar bevorstande.' Die Biirgerschaft f route aber auch
freiwillig, und der Graf von Ilanau crkkirte sich bereit, jeden seiner
Unterthanen einen Tag arbeiten zu lassen.

Aus dem Bauprogramm fiir 1674, welches am 7. Februar bei XIII.
zur Sprache kam, ersehen wir, dass das Miillerbollwerk noch immer
nicht ganz fertig war, da der Antrag gestellt wird, dasselbe nunmehr
zu A^oUenden, doch scheint es sich nur noch darum gehandelt zu haben,
Quecken in die Boschungen einzulegen, um diese durch Graswuchs
zu befestigen. Demnachst woUte man Lug-ins-Land fertig schiitten,
das Deutschaue-Bollwerk ummauern, einen Steg mit Fallbriicke iiber
die 111 bauen, um die \^erbinelung zwischen 111- und Deutschaue-Boll-
werk herzustellen, vorwiirts desselben eine Kette iiber den Fluss Ziehen



•) Strss. Stdt. Arch. V, 130. Das Alter des undatirten Schriftstiickes bestinimt sich
nach der Bemerkung Leziiglich der Schweizerkompagnien, welche Anfang 1673 angeworben
wurden (Strss. Stdt. Arch. AA 1829).



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