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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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288 GESCHICHTE PER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

unci das Ravelin vor dem Kronenburger-Bolhverk i d. i. die runde Wehre)
derart andern, dass man seinen Graben vom Hauptwall aus bestreichen
konntc. Dies Ravelin, iiber dessen Bau Avir noch nichts oehort, war
also inzwischen hergestellt worden, seine Graben aber waren in sehr
unzweckmassiger A\^eise an den Graben vor der run den ^^>hre an-
geschlossen worden, statt dass man sie bis zum Graben vor den an-
stossenden Kurtinen durchgefiihrt hatte. Heer schlug deshalb vor,
den stehengebliebenen Erdkcil zwischen Kurtinen- und Ravelingraben
glacisartig abzudachen, sodass man von den Kurtinenwallen in den
Ravelingraben sehen und schiessen konnte, welches einfache Auskunfts-
mittel aber nicht zur Ausfiihrung gekommen zu sein scheint, wie der
Plan von 1680 erkennen liisst. Im laufenden Baujahre waren die Geld-
schwierigkeiten besonders gross, da man am 21. ]\Iai bei XIII. beschloss,
keine Anleihe mehr aufzunehmen und der Biirgerschaft fiir dieses Jahr
das Frongeld erliess, sie aber anhielt, Handfronen zu leisten. Dass
hiermit nicht fortzukommen sei, zeigte sich aber sehr bald, denn die
Oberen Fortifikationsherrn klagten am 22. August bei XXL, dass es
bei der Arbeit sehr schlafrig hergehe: die Burger kamen entweder
gar nicht oder schickten Leute, die fast nichts thaten, deshalb sollte
ihnen auf den Ziinften zugesprochen Averden.

Am 10. April 1674 wird in der Sitzung der XIII. berichtet, dass
Bernhard Scheither seine Dienste der Stadt angeboten habe. Er war
damals Braunschweig-Liineburgischer Ingenieurmajor und hatte kiirzlich
sein Werk: „Novissima praxis militaris, Bratmschweig 1672" heraus-
gegeben, war auch mit den \'enetianern in Candia gewesen. Er ver-
langte, dass man ihm die Anwartschaft auf die Kommandantenstelle
eroffne und, wenn er sie seinerzeit erhalten wiirde, die Bestallung
verbessere. Er forderte 50 Rth. monatlich und jahrlich drei Fuder
Wein, zwanzig Viertel Roggen odei" Weizen, dreissig Mertel Hafer,
sechs Sester Salz, zwanzig Fuder Holz, zwolfhundert Wellen Reisig
neben freier Wohnung ; in seiner Kompagnie solle man ihm drei Diener
„passiren" lassen. Man ging darauf ein, mit der Bedingung, dass er
beziiglich Wein und Holz mit dem zufrieden sein solle, was der Oberst
erhielte. Wie sich Scheithers \'erhaltniss zu Heer stellte, lasst sich
nicht mit Sicherheit angeben, man wird aber nicht fehlgehen, wenn
man annimmt, dass Letzterem die eigentHchen Baugeschafte und auch
die Entwurfsbearbeitungen ungeschmalert verblieben, Scheither dagegen
mehr eine militarische Stelle bekleidete, was ihn jedoch nicht hinderte,
gelegentlich seinen Rath in Befestigungsangel'egenheiten abzugeben.
Es wurde also etwa wieder das alte \^erhaltniss der \'or-Morsch- •
hauserschen Zeit hergestellt. Scheither vertrat also gewissermassen
das rein militarische Element in der Befestigungsfrage, sodass wir



BERNHARD SCHEITHER TRITT IN DIE DIENSTE DER STADT U. S. \V. 289

sein \'erhaltniss zu Heer etsva wie das des heutigen Generalstabs-
offiziers zum Inoenieuroffizier bezeichnen konnen. Dem entspricht
es auch, dass das Archiv von Scheither nur einige Entwtirfe, ^•on Heer
dagegen eine ungemein grosse Anzahl aufbewahrt.

Auf die im Bauprogramm aufgefuhrten Arbeiten beschrankte
man sich nun nicht, sondern brachte noch verschiedene Bauten zur
Ausfuhrung, die zwar in den Protokollen nicht erwiihnt werden, die
wir aber aus den im Archive aufbewahrten Zeichnungen ersehen.
Dieselben lassen uns erkennen, dass man nunmehr die letzte Liicke
in der Befestigung, zwischen Hornwerk Finkm.att und dem Bolhverk
am Gelben-Eck, zu schliessen beabsichtigte, wofiir Heer eine ganze
Reihe von mehr oder weniger umfassenden Entwiirfen ausarbeitete.
Indess kam es nur zum Nothwendigsten, wie bei den fortgesetzt
schwierigen Geldverhaltnissen nicht anders zu erwarten war. Im
Februar 1674 legte Heer verschiedene Entwiirfe vor. welche den Um-
bau des vor dem Fischerthor gelegenen Ravelins und den Neubau
eines Bollwerks beim Klapperthurm, sowie eines Ravehns vor dem
Judenthor bezweckten.'j Von einem Ravelin vor dem Fischerthore
hatten wir bisher nichts gehort, es leidct also keinen Zweifcl, dass
ein solches bereits vor dem Jahre 1674 erbaut worden war, doch liisst
sich zur Zeit nicht feststellen, wann dies geschehen ist. Man wird
voraussetzen durfen, dass dies Ra^'elin bereits vor Heers Zeiten, d. h.
vor 1669 erbaut wurde, da man kaum annehmen kann, dass er den
Umbau eines von ihm selbst erbauten AWn-kes nach so kurzer Zeit
beantragt haben sollte. Es erhielt nunmehr eine andere Grundriss-
gestalt.

Welche Bewandtniss es mit dem Klapperthurm-Bollwerk hattc,
lasst sich ebenfalls nicht mit volliger Sicherheit angeben. Seyboth-
setzt den Bau in die Jahre 1636 bis 1677, wohl auf Grund der Be-
merkung Silbermanns,^*) dass das Werk in ersterem Jahre ausgesteckt,
1644 der Grundstein gelegt imd 1677 der Bau zum Theil vollendet
worden sei. Xiich v. Pollnitz wurde das Bollwerk durch Heer im
Jahre 1677 begonnen und war 1681 noch nicht vollendet. In Allem
ist etwas Richtiges und doch ist schliesslich das Ganze wieder un-
zutreffend. Es liisst sich ja nicht bestreiten, dass das Werk 1636
vielleicht ausgesteckt worden ist, dies besagt aber noch nicht, dass
man es gleich erbaute, was bestimmt nicht zutrifft. Dass man dann
1644 den Grundstein gelegt habe, ist offenbar eine \'erwechslung mit



1) Strss. Stdt. Arch. PI. 154, 169, 150 fll^ 6— S), der letztere ist der ausgefiihrte Eiitwurf
und datirt vom 15. Februar 1674.

2j Seyboth, D. a. Strss., 228.
^1 Silbermann, 124.

V. Ape 11, Befestigung Strassburgs. 19



290 GESCHICHTE DER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

dem Gelben-Eck-Bollwerk, denn die Ummaueruns: wurde erst 1677
beabsichtigt, ohne dass es je dazu gekommen ware. Dass das Werk
aber vor diesem Jahi'e vorhanden war, steht wiedeiiim ausser Zweifel.
Mit vulliger Sicherheit ist nur zu behaupten, dass Heer das Bollwerk,
so wie es thatsachlich ausgefiihrt wurde, erst im Februar 1672 entwarf.
Mangels beglaubigter Nachrichten miissen wir uns also an diese That-
sache halten, andere Plane aber deuten an. dass das AVerk bald darauf
zur Ausfiihrung gekommen ist und zwar zunachst als Ravelin in Erde.

Dasselbe gilt von dem Ravelin vor dem Judenthore, wo ebenf alls
vorher keui anderes Werk vorhanden war. Ein vom April 1674 datirter
Entwurf fiir die Erweiterung der Griiben der AA'erke vor dem Juden-
imd Fischerthor stellt das Ravelin vor dem Fischerthor bercits als
umgebaut, das Klapperthurm-Bollwerk und das Judenthor-Ravelin als
ausgefiihrt dar und ein aus demselben Monat stammender Plan zeigt
den Gininderwerb vor dem Klapperthui-m-Bollwerk behufs Erweiterung
des Grabens und Anlage eines Glacis mit gedecktem Weg.^i Dass
dieser Erweiterungsbau aber nicht sofort zur Ausfiihrung kam, ersehen
wir aus einem weiteren Entwurf e vom September 1677, der das Klapper-
thurm-Bollwerk noch als kleines Ravelin in Erde darstellt, dessen
Palhsadirung jetzt beabsichtigt wird.-; Dann kehrt der Entwurf fiir
die Vergrossei"ung desWerkesim Oktober 1677 wieder und im November
erscheint ein solcher fiir die Anlage einer Kiinette.^j Von 1678 ab
folgen dann noch eine ganze Anzahl Entwiirfe fiir die Ausgestaltung
des Klapperthurm-Bollwerks, von denen jedoch kein einziger mehr
zur Ausfiihrung gelangte. Daran schlossen sich verschiedene Entwiirfe
fiir den Umbau der Befestigung beim Xeuthor an, die ebenfalls nur
Entwiirfe blieben, doch mag bei dieser Gelegenheit bemerkt werden,
dass man zu einer nicht naher zu bestimmenden Zeit das Ravelin vor
dem Neuthor mit dem Bollwerk am Johannisgiessen in \'erbindung
gebracht hatte, sodass vor dem rechten Fliigel der Neuthorfront eine
Art Enveloppe entstanden war. Das dem umzubauenden Ravelin vor
dem Fischerthor zu gebende Profil zeigt uns eine im Archiv auf-
bewahrte Zeichnung, in der von einer Ummauerung des Werkes vor-
laufig nicht die Rede ist.^)

Im Jahre 1674 erbaute man nach Sej'both'^j audi die sogenannte
Rechenbriicke am Ausfluss der 111 aus der Stadt. Die Entwiirfe fiir
eine solche Briicke reichen bis in das fahr 1562 zui"iick, aus welchem



») Strss. Stdt. Arch. PL 145, 138 (II



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