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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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brCicken. •') Es scheint, dass man hierbei von der doch etwas frag-
wiirdigen einfachen Unterfiillung des Zollhauses absah, denn spiitere
Zeichnungen und Nachrichten, an deren Zuverlassigkeit nicht zu
zweifeln ist, zeigen den Unterbau mit Hausteinquadern verkleidet, eine
Bauweise, die ungleich grossere Standfestigkeit vcrburgte.

Die Wirren des dreissigjiihrigen Krieges gaben alsbald Veran-
lassung der Sicherung des Rheinpasses grossere Aufmerksamkcit
zuzuwenden. Wie Silbermann^i berichtet, begann man bereits im
Jahre 1619 den Pass zu befestigen, indem man das Dorf Kehl
umschanzte, das damals auf dem Platze des nordwestlichen Thciles
der Stadt Kehl stand und von dem uns eine genaue Zeichnung im
Stadtarchiv erhalten ist."*) Naheres iiber diese Verschanzung war nicht
zu ermitteln, indess diirfte sie nur feldmassiger Art gewesen sein, da
am 28. Marz 1632 die Ober-Wachtherren bei XXI. berichteten, dass sie
Kehl ,,mit Pasteien von Holz ziemlich verwahrt gefunden hatten".
Aller Wahrscheinlichkeit nach zogen sich diese Verschanzungen an
der Kinzig und an dem Arm der Kinzig entlang, dessen Verbindung
mit dem Rhein bei der Werbe (Weg) nach Goldscheuer unterbrochen



V) Prot. d. XXI. V. i6oo, fol. 318.

2) Prot. d. XIII. V. 1607, fol. 74.

*i Ebenda v. 1608, fol. I26'>.

■*) Silbermann, 229.

5) Strss. Stdt. Arch. PL 504 (IV« 7).

V. Ape II, Befestigung Strassburgs.



306 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

war und der auf den meisten Pliinen des Stadtarchivs ,,Thrinohcim
Oder Iringheim Brunnen" oenannt wird.

Im Jahre 1622 fertigten dann der Hauptmann Zeiss und Hans
Schoch verschiedene Entw-iirfe fiir die Befestigung des Zollhauses, ^)
von denen einer noch im selben Jahre zur Ausfiihrung kam. -) Die
Befestigung des Zollhauses bestand nun aus einer vierspitzigen Stern-
schanze, in der das Zollhaus als eine Art Reduit lag, durch welehes
die Strasse nach wie vor hindurchftihrte. Die in massigen Abmes-
sungen gehaltene Schanze geniigte nur eben, um den Briiekenzugang
unter Feuer zu halten und das Zollhaus gegen eine Ueberrumpelung zu
schiitzen, war aber bei ihrem schwachen Profil nicht befahigt, eine eigent-
liche Belagerung auszuhalten. Eine solche hatte sie aber bei ihrer Lage
auch kaum zu gewiirtigen, einmal weil sie auf drei Seiten vom kleinen
Rhein, dem Rhein- und dem Blunien- oder A\'uhrgiessen gedeckt wurde,
dann aber weil sie im Geschiitzbereich der Stadtbefestigung lag.
Gleichwohl hatte man mit denselben oder wenig grosseren Kosten
wohl etwas Zweckmassigeres schaffen konnen, indess waren die
sogenannten Sternschanzen zu damaliger Zeit gewissermassen Mode-
sache. Die Unvollkommenheit der Zollschanze wurde dann in der
Folge auch vielfach beklagt, statt sich aber bei Zeiten zu einem durch-
greifenden Umbau zu entschUessen, suchte man mit kleinen ]Mittelchen
zu helfen und erzielte deshalb niemals einen angemessenen Zustand.

Zur selben Zeit als die Entwiirfe ftir den Bau der Zollschanze
bearbeitet wurden, liess so wohl der Markgraf von Baden durch den
Hauptmann Zeiss, wie auch der Rath der Stadt durch Hans Schoch
Entwurfe fiir die Befestigung des rechtsufrigen Briickenausganges
anfertigen, die das Stadtarchiv noch heute atifbewahrt, "j von denen
jedoch keiner zur Zeit ausgeflihrt wurde. Zum Theil sahen diese
Entwurfe ein geschlossenes bastionirtes Mer- oder Fiinfeck vor dem
Brtickenausgang vor, zum Theil einen Brtickenkopf in Gestalt eines
Hornwerkes oder dergleichen. Erstere Entwiii^fe legte man wohl zur
Seite, weil ihre Ausfiihrung nicht ohne Beseitigung des Dorfes Kehl
moghch gewesen ware, von letzteren ist dann spiiter so ziemlich der
einfachste Entwurf zur Ausftihrung gekommen, Silbermann sagt im
Jahre 1631, * i doch konnte ich dies nicht mit Sicherheit feststellen.
Thatsache ist, wie die Protokolle der XIII. beweisen, dass in diesem
Jahre der Rheinpass „besser A^envahrt" wurde. ]\Ian legte also ein
kleines Werk vor die Brticke, das aus einer bastionirten Front bestand,



') Strss. Stdt. Arch. PI. 438, 43i, 549, 473> 458> 55i. 302 (IVb 4—10).
^) Silbermann, 229.

») Strss. Stdt. Arch. PI. 444, 442, 443, 546, 453, 553 (IVc 1—6).
*J Silbermann 229.



SCHANZE VOR DEM RECHTSUFRIGEN BRUCKENAUSGANG. 307

welche durch zwei tenaillirte Fronten an das Rheinufer angeschlossen
wurde, Es war das zweifellos nur ein Erdwerk, wahrscheinlich aber
reichlich mit Pallisadirungen und Sturmpfahlen versehen, wie auch
die Kehle am Rheinufer wohl durch Palhsaden geschlossen wurde.

Im Jahre 1632 naherte sich das Kriegstheater bedenklich der
Stadt und war vorauszusehen, dass der Rheinpass von grosser Wich-
tigkeit fiir beide kriegfuhrende Theile werden wiirde. Wollte Strassburg
seine Neutralitiit aufrecht erhalten, so musste es sich also in die
Verfassung setzen, den Pass auch behaupten zu konnen. In Folge
dessen beauftragte der Rath die Oberwachtherrn, den Pass in Augen-
schein zu nehmen und berichteten dieselben am 28. Marz bei XXI,
wie schon obenerwahnt, dass sie Kehl mit ,,Pasteien von Holz"
ziemlich verwahrt gefunden hatten und dass man an der ^^'erbe nach
Goldscheuer ,,eine Batterie und Brustwehr" aufwerfen wollte; nilchste
AVoche sollte mit dem Bau begonnen werden. Indess werde alles
„nicht gegen grosse Gewalt, sondern nur zu etwas Defension dienen".
Die Besetzung Kehls erfordere 1000 Mann und noch eine Hiilfe auf
den Nothfall. Sie fragen an, woher die Arbeiter zu nehmen seien.
Es wird erkannt, fur dies Mai nur das Xothwendigste anzufangen.
Was das gewesen ist, konnen wir nur vermuthen, offenbar gehorte
aber dazu die Batterie an der Werbe nach Goldscheuer, an welche
etwa zwei Jahre spater die Befestigung von Kehl angeschlossen
wurde, woraus eben folgt, dass die Batterie in der Zwischenzeit erbaut
sein muss. Sie lag quer iiber den Weg nach Goldscheuer, da wo
dieser zwischen Rhein und Ihringheim-Brunnen das Dorf Kehl verliess,
sie sperrte also den einzigen offenen Zugang zur Briicke. Mehr als
eine einfache Erdschanze diirfte es nicht gewesen sein.

Im darauffolgenden Jahre — 1633 — trat man dann abermals der
besseren Befestigung Kehls niiher und beschloss cmi 21. Oktober bei
XXI. „das Werk in Kehl sofort in Angriff zu nehmen und keine Zeit
dabei zu verlieren, auch die junge Mannschaft, eine nach der andern
dorthin zu legen", des Fernern ertheilte man dem Major v. MuUenheim
ein „Commissionspatent" fiir die Oberinspektion beim Bau. Am 3. Xo-
vember berichtete der Stadtschreiber bei XIII., dass Morschhiiuser
nach Besichtigung von Kehl einen Bericht und \^orschlag zu Papier
gebracht habe, wie der Ort in Defension zu bringen sei, worauf auch
hier beschlossen wurde, sofort mit dem Bau zu beginnen. Morsch-
hauserO ist der ]\leinung, dass die Befestigung auf zweierlei Weise
hergestellt werden konnte, entweder indem man langs der vorhandenen



1) Anlage 15. Fragm. Brant 3645'''s setet den Bericht irrthumlicher Weise in das
Jahr 1632.



308 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

Wasserliiufe eine einfache Brustwehr anschiitte M oder indem man
gleich von A'ornhcrein eine ordentliche BcfestionnG,' mit fiinf Rollwerken
(Bastionen) erbaue, Fiir ersteren W^rschlag" gibt er ein Protil dor
Brustwehr, das nicht mehr vorhanden, fiir letztercn einen Grundriss,
den das Archiv noch in zwei Exemplaren aufbewahrt; -) er ist nur
mit Bleistift ausgefuhrt imd soUte offenbar bios ein erster, vorljiufiger
Entwurf sein. Was die in \''orschlag' gebrachte Brustwehr anlange,
bemerkt Morschhauser, so flankire sich dieselbe in Folge der Gestaltung
der Wasserlaufe (der sie folgen soil) zwar von selbst in etwas, der
Bail habe aber den Nachtheil, dass man ihn spilter nicht gebrauchen
konne, wenn man die Willie ,,verschwehren vnd verstercken wollte",
aiich wiirde die Brustwehr an den niedriger gelegenen Stellen bei
hohem Wasserstand „verfallen vnd nicht gebraucht werden konnen,
Dahero mehr Reparirens bediirffe, alss man vff ein mahl Recht
machte". Die fiinf Bastione des zweiten Vorschlages konnten dagegen
nicht nur bei hohem Wasser gebraucht, sondern in der Folge ver-
schwert und verstiirkt, d. h. permanent ausgebaut werden, wofiir
Morschhauser ein ebenfalls verloren gegangenes Profil gibt. Das
Einzige sei, dass bei diesem Bau einige im Wege stehende Hauser
abgebrochen werden miissten. Moge man nun den einen oder anderen
Vorschlag ausfiihren, so miisste doch auf alle Falle das Vorfeld von
Hecken und Biiumen gesilubert werden, wenn man audi vielleicht die
daselbst stehenden Hauser belassen konnte; aus dem Strauchwerk
konnte man Faschinen fertigen, die in den Werken gebraucht wiirden.
Trotz der ungiinstigen Witterung und der kurzen Tage vermeint
Morschhauser den Bau in drei Monaten in gute Defension zu bringen,
wenn man taglich an 400 Mann zur Arbeit haben konnte. An gewohn-
licher Wacht berechnet er 150 Mann und im Nothfalle konne die
Befestigung mit 500 bis 600 Mann „genugsam manutenirt werden".

Am 9. November benachrichtigte man bereits die Bannherrn in Kehl,
dass etliche Hauser miissten niedergerissen werden und wurde bei XXI.
berichtet, dass der Kehler Bau ausgesteckt sei und mit der Arbeit
begonnen werden konnte. Der Herr Generalquartiermeister habe auch
zwei Werkmeister und einen Conducteur hinterlassen, woraus hervor-
geht, dass Morschhiiuser von Strassburg abgereist war. Man deputirt
zum Bau den Altammeister Christoph Stiidel, die Herren Joachim

1) In Murschhausers Bericht ist zwar von einer beziiglichen Zeichnung nicht die Rede,
doch befindet sich im Stadtarchiv ein Grundriss — PL 470 (IV 12) — welcher eine unregel-
massige Befestigung Kehls langs des Ihringheim Brunnen darstellt. Langs der Kinzig und des
Rheins, wie auch im Bremenworth ist eine Befestigung nicht angegeben. Vielleicht stellt der
Grundriss aber auch die Befestigung dar, welche die Oberwachtherrn in ihrem Bericht vom
28. Marz 1633 erwahnen.

'■^) Strss. Stdt. Arch. PI. 312 u. 493 (IV-^ 8 u. 9).



NEUE BEFESTIGUNG VOX KEHL XACH MORSCHHAUSERS VORSCHLAGEX. 309

Brackenhofer iind Martin Andreas Konig, von denen jeder als gelegent-
lichen Stellvertreter einen Schoffen seiner Zunft zu sich zieht. ') Diesen
Personen wird am 11. November 1633 ein Patent ausgestellt, '-) durch
welches ihnen Vollmacht ertheilt wird, dass sie „bey Disem Bauw Zu
Keuhl von Ahnfang biss Zu ende Desselben, Alles Das thuen vndt
lassen, sollen vndt mogen, Dass Jewe3'len Die nothwendigkheit erforderen
wiirdt". Sie sollen sich unter einander vergleichen, dass jederzeit einer
von ihnen personlich beim Bau anwesend ist, damit das VCevk mog-
lichst gefordert werde. Ihre Obliegenheit ist ferner, darauf zu achten,
dass die Fronarbeiter jederzeit in geniigender Anzahl vorhanden sind,
zu welchem Zwecke sie sich mit den Beamten der benachbarten
Obrigkeiten ins Einvernehmen zu setzen haben. Ebenso wird ihnen
die \'erwahrung der INlaterialien und des Arbeitsgeschirrs iibertragen,
wofiir sie soviel Personen um billigen Sold anstellen sollen als nothig
sind. Sie erhalten Vollmacht, die dem Bau im Wege stehenden
Hauser, Biiume, Hecken u. s. w. beseitigen zu lassen, mit der Mass-
gabe, dass sie es „den Jhenigen, Die es treffen wiirdt, furderlich vndt
guetlich Ahnzeigen". Ueber ihre Verrichtungen, Berathschlagungen
und Entschliisse ,,Soll ein richtiges vndt Sauberes Protocoll gehalten,
Darzu ein qualificierte Person, von Ihnen, vnsern Deputirten bestellt,
vndt einer biilichen recompens vertrostet, auch Durch Dieselbe, wass
man Ihnen den Deputirten Auss der Bauw Cassa Ahne geldt liifcren
wiirdt, treuwlich verwahrt, vndt verrechnet werden". Nachdem den
Deputirten dann noch Vollmacht beziiglich des Baues fur alles das
ertheilt wordcn ist, was nicht im Einzelnen aufgefiihrt worden sei,
wird sowohl ihnen als den drei Schoffen billige vSchadloshaltung
zugesagt „wider AUe beleydigung, so Ihnen Ahn Ehr, Leib, oder gueth,
wegen Discs Bauws, vndt In verrichtung Diser Ihrer Commission,
Zuwachsen mochte, gegen Menniglichen, bester vndt bestandigster
massen". Schliesslich wird den Deputirten fiir jeden Ritt nach Kehl,
sofern er einen ganzen Tag oder doch den grossten Theil desselben
dauert, ,,fur Costen vndt Reitgeldt" eine Entschadigung von einem
Gulden, den Schoffen aber von einem halben Gulden zuges^igt, den sie
aus der Baukasse zu entnehmen haben.

Die .\i-beiten wurden alsbald in Angriff genommen, doch wich
man dabei in etwas von dem ursprunglichen Plan Morschhausers ab,
wie ein Vergleich der beiden Plane 312 und 326 (IV'' S u. 14) des
Stadtarchivs zeigt. ^) Der wesentliche Unterschied beider besteht



1) Prot. d. XXI. V. 9. XI. 1623, fol. 262 u. 263.
^) Aniage 16.

■*) Die Grundlage beider Zeichnungen ist nicht die gleiche und auch nicht festzustellen,
welche die richtige ist. Der urspriingliche Morschhausersche Entwurf — Nr. 312 (IV" 8) —



310 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

darin, class statt der bastionirten Front des ersten Entwurfes auf dem
Bremenworth eine unregelmassige Befestigung in sageformigem
Grundriss zur Ausfuhmng kam, wohl aus dem Grunde, well dieser
Abschnitt der Befestigung kaum gefahrdet erschien und ein einfacher
Abschluss geniigte. Langs des todten Kinzigarmes und langs der
Kinzig selbst kamen die drei bastionirten Fronten Morschhausers zur
Ausfiihrung, doch wurde die Front an der Kinzig verkiirzt, wie iiber-
haupt alle Abmessungen im Grundriss moglichst beschriinkt wurden.
Vor alien Dingen verkiirzte man die Flanken, machte den Bolhverks-
winkel stumpfer und schob die Werke dicht an die Wasserlaufe heran,
damit man moglichst wenig Hauser niederzureissen und Landereien
in Anspruch zu nehmen brauchte. Indem man das Bollwerk im Winkel
zwischen Kinzig und todtem Kinzigarm mehr nach rechts schob,
ermoglichte man, dass die Strasse nach Xeumiihl ohne \'erlegung der
Brucke durch die Kurtine gefiihrt werden konnte. Die bastionirte
Front langs des Rheines kam iiberhaupt nicht zur Ausfiihrung, da sie
mit Recht iiberfltissig erschien.

Wir besitzen nun zwei Anweisungen fiir die Ausfuhrung der
Bauten, \> von denen die eine vom 5. November 1633, die andere gar
nicht datiit, aber zweifellos jiingeren Datimis ist und gewissermassen
die Fortsetzung der ersteren darstellt. Lassen beide auch Einzelnes
im Unklaren, in Folge der ungelenken Sprache und der unsach-
gemassen Interpunktion, so ist doch mancherlei aus denselben zu
ersehen, was uns sonst unbekannt gebheben sein wurde. So erfahren
wu- imter Anderem die Namen der drei Bollwerke auf der Landfront
gegen das ^Nlitteldorfel hin, welche in der zweiten Anweisung ( Besteckh
vnndt Conditiones > von links nach rechts als das Marbachs-, St. Martins-
und Goldscheuer-Werk bezeichnet werden, wir ersehen, dass anfang-
Uch fronweise, '"> dann mit einem Unternehmer gearbeitet werden sollte.
Ztmachst legte man alle im Wege stehenden Baume und Hecken
nieder, liess daraus Faschinen binden und das Holz zum Einlegen in
die Brustwehr zurichten. Dann bildete man eine Basis fiir die Brust-
wehr, indem man den Boden ebnete und eine 4 Schuh hohe Schuttung



ist offenbar unter Zugrundelegung des alten Dorfplanes — Nr. 504 (IV^ 7) — aufgestellt, wenn
man aber aus der Sorgfalt bei Anfertigung der Zeichnung einen Schluss auf deren Zuverlassigkeit
Ziehen darf, dann muss der Plan 326 (IV" 14) als der richtigere angesehen werden. Derselbe
ist auch den spater angefertigten Zeichnungen zu Grund gelegt und stellt wohl eine sorgfaltigere
Aufnahme nach Herstellimg der Befestigung vor.

*J Anlagen 17 u. 18.

-) Das Stadtarchiv bewahrt unter G. U. P. 114, 6 einen „Frohn Zettel \TDer Donnerstag
Freytag Vndt Sambstag den 19:20 Vndt 21* Xbris 1633 Nacher Kail", aus dem wir ersehen,
dass am 19. Dezember Gambsheim, Bettendorf, Kilstett, Suffelweiersheim und Reichstett mit
zusammen 270 Mann, am 20. Dezember dieselben Orte und Wanzenau mit zusammen 370 Mann,
am 21. Dezember vorstehende Orte ohne Reichstett mit zusammen 335 Mann fronten.



BAULICHE BESCHAFFENHEIT DER NEUEN BEFESTIGUNG. 311

mit ,,Reiss\verk Vndt holtz eingelegt" herstellte. Dieselbe bestand aus
drei Lagen Faschinen mit ^.^ Schuh dicken Zwischenlagen von Erde
bei einer Aussenboschung von V'^ Anlage. Jede Faschine wurde 9 vSchuh
lang, 1 Schuh dick gemacht, mit Weidenruthen gcbunden und mittels
3 Schuh langer Pfiihle befestigt. Vor der Schiittung blieb eine Berme
von 9 Schuh Breite stehen und sollte der benothigte Boden vor den
Kurtinen ausgehoben werden. Es wurden zunachst nur drei Hiluser
abgebrochen, wahrscheinlich die der Kinzigbriicke benachbarten im
Marbachwerk. Auf jener Schiittung wurde nun ein 8 Schuh hoher
Wall aufgefiihrt, auf diesem wiederum eine Brustwehr, aussen 4, innen
5 Schuh hoch und in den Bolhverken unten (vff dem griin-Grundi
10 Schuh, auf den Kurtinen 6 Schuh stark. Wall und Brustwehr
wurden ebenfalls mit 6 Schuh langen und 1 Schuh starken Faschinen
bekleidet und der Boden lagenw^eise, den Faschinenlagen entsprechend,
eingebracht und gestampft. Die Faschinen erhielten nur zwei Bunde,
wurden verpfahlt und „verzeunt", worunter wir wohl ihre Verankerung
zu verstehen haben. 1 ' o Schuh unter der iiusseren Brustwehrkrete
wurden 7 Schuh lange, im Durchmesser wenigstens 3 Zoll starke und
vorn angespitzte Sturmpfahle in der Weise eingelegt, dass sie 3 Schuh
hervorragten und „genaw vber die Abdachung der Brustwehr zusehen"
waren, d. h. dass ihre Spitze in deren Verlangerung lag, nicht hoher
und nicht tiefer. Hinter der Brustwehr wurde ein 3 Schuh breiter und
1 Schuh hoher Auftritt angeschiittet, dessen Anlauf doppelte Anlage
erhielt, die Spitzen des Marbachs- und St. Martins- Werkes aber versah
man mit Batterien, d. h. Geschiitzbanken von 30 Schuh im Geviert;
das Goldscheuer-Werk besass, wie wir wissen, bereits ein solche.
Die Sturmpfahle durfte der Unternehmer im Muckenwadel, einem
oberhalb Kehl, damals am rechten Rheinufer gelegenen Worth, die
Faschinen ebendaselbst, auf dem Worth gegen Goldscheuer und von
den nachsten Hecken und Biiumen ausserhalb der Werke auf seine
Kosten hauen und binden lassen.

Die Arbeit sollte der zweiten Anweisung gemilss pro laufende
Ruthe von 12 Schuh rheinkindisch verdungen werden, derart, dass
dieselbe mitten auf der Brustwehr gemessen wurde und hatte sich
Unternehmer zu verpflichten die ganze Arbeit in einem Monat zu
vollenden „ohne einig aussredt, bey verlust von betungener Sa."
(anscheinend 100 Thl. od. Gld.j. Die ganze Liinge der auszufiihrenden
Befestigung berechnete man zu nahe an 200 Ruthen. ' i Ob die Arbeit



1) Das stimmt mit den Angaben des Planes 326 (IV^ 14) iiberein, wo die eingeschriebenen
Masse der einzelnen Linien vom linken Kehlpunkt des Marbachswerks bis zum Goldscheuer-
werk eine Gesammtlange von 189 Ruthen ergeben. Dazu mochte noch das kurze Stiick Wall
vom linken Kehlpunkt des Marbachwerks bis zum Kinzigthor und die Verlangerung der Batterie
am Goldscheuerweg kommen, sodass sich rund 200 Ruthen ergeben werden.



312 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

aber thatsiichlich an einen Unternehmer vcroeben wurde oder ob man
weiter fronte, steht doch dahin, da der Markiiraf von Baden vom
23. April 1634 ab tiiglich 150 INlann Arbeiter nach Kehl t2,ibt und iinter
dem 30. April bei XXL geklagt wird, dass die Arbeit langsam von
Statten ginge. Man beschloss deshalb, den Arbeitern tilglich einen
Laib Brod zu 2 Pfd. zu geben. Auch die Einwohner von Strassburg
und die der Ruprechtsau mussten fronen. ' ) Indess bleibt zu bedenken,
dass die an den Unternehmer zu vergebenden Arbeiten sieh lediglich
auf den Theil der Befestigung erstreckten, der zwisehen dem Kinzig-
thor und dem obereij Rheinufer lag, also nur denjenigen Theil der
Umwallung umfassten, dessen Herstellung am dringendsten ersehien.
Nach Fertigstellung dieses Abschnittes wird mim dann wohl den tibrigen
Theil der \>rschanzung zwisehen Kinzigbrilcke und unterem Rhein-
ufer wieder fronweise haben austuhren lassen, was jedenfalls billiger
war. In der That sind dann auch im Februar und Milrz 1634 die
grossten Summen fiir die Befestigung von Kehl ausgegeben worden,
wie wir aus einer Anzahl Quittungen ersehen, die Johann Jakob
Schultheiss dem Herrn Johann Friedrich von Gottesheim ausstellte,
dem das Rechnungswesen iibertragen war. Ob die uns vorhegenden
Quittungen aber die Reehnungslegung erschopfen, ist eine andere
Frage, da die Quittungen keinen Aufschluss dariiber geben.-)

Am 11. September 1634 beantragten alsdann die Ober-Wachtherrn
bei XXL den Bau „eines Schiinzleins oder Blockhauses" bei Kehl, da
wo sich der Rhein theilt, und auf der rechten Seite des Dorfes den
einer Brustwehr auf der Werbe bis an die Schanze, wozu auch die
Genehmigung ertheilt wurde. Diese Anlagen hatten den Schutz der
Rheinkehle zwisehen Briickenkopf und oberem Rheinanschluss zum
Zwecke und diente die Schanze zur Bestreichung der Rheinkehle und
des Rheinarmes bis zum GoldscheuerAVerk hin. Es ist dies jedenfalls



') Prot. d. XXI. V. 23. bzw. 30. IV. 1634, fol. 76 bzw. 82 und AA. 1059.

-') Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 62. 63. Johannes Jacobus Schultheiss bestatigt von Herrn
Joliann Friedrich von Gottesheim zur Auszahhing der Fortifikationsunkosten zu Keihl (dann
Kehlheim) folgende Summen erhaUen zu haben :

am 8. II. 1634 : 250 Pfd. Pf.



22. III. „


: 150 „ „


3- V. „


: 100 „ „


23- V. „


: 100 „ „


21. VI. „


: 100 ,, „


30. VII. „


•• 100 „ „


3- IX. „


: 50 „ „


13- IX. „


: 50 „ „



900 Pfd. Pf.

Es sind einzelne Quittungen, erst auf halbem Bogen und I'urmlich abgefasst, dann wird
das Format immer kleiner und die Fassung weniger formlicli.



VERSTARKUNGSBAUTEN. 313

die sogenannte Hotops- aiich Hochtapps-Schanze, die in mehreren
Schriftstiicken des Stadtarchivs erwahnt wird. Im Uebrigen wurde
statt der Brustwehr aiif der Werbe eine Pallisadirimg aufgestellt, wenn
man anders sich auf die Zeichnungen des Stadtarchivs verlassen kann.
Zur Ausfiihrung der Bauten sandte man am 17. September die Arbeiter
vom Bail am Steinstrasser Thor nach Kehl, am 29. desselben Monats
aber wurde bei XXI. Klage gefilhrt, dass sie nicht erschienen seien. ^)

Im Dezember 1634 unterbreitete Morschhauser dem Rathe mit
seinen die Stadtbefestigimg betreffenden Entwiirfen auch einen Pl;m zur
Verbesserung der Befestigung des Rheinpasses, -) dessen Sicherimg
seiner Ansicht nach allem Uebrigen verging. Er beantragte zwischen
der Kehler Briickenschanze und der Befestigung des Ortes noch ein
Werk zu erbauen, das sich als vergrosserter Briickenkopf darstellt,
bestehend aus drei bastionirten Fronten, in dessen Kehle die alte
Briickenschanze gewissermassen als Reduit liegen blieb. Morschhauser
war niimHch die Umfassung von Kehl zu weitliiufig. Wir ersehen aus
dem Entwurf ferner, dass eine kleine Schanze an die Kinzig vor-
geschoben war oder vorgeschoben werden solltc, welche mit der
Befestigung des Ortes auf der einen Seite durch eine Brustwehr, auf
der andern durch eine PallisacUrung in Verbindung stand. Morschhauser
berechnete die Kosten des vergrosserten Briickenkopfes auf 2000 Thl.
und schlug dann weiterhin vor, zwischen Zollschanze und Stadt-
befestigung ein Werk zu erbauen, das die Verbindung zwischen beiden
sicherstellen sollte und 6000 Thl. gekostet hatte. Ein Entwurf fiir letzteres
liegt nicht ^or, man kann aber aus der gegen das Kehler Werk drei-
fach grosseren Bausumme schliessen, dass es ein nicht unerheblicher
Bau geworden ware. W'ir werden ihn uns als bastionirtes Fiinf- oder
Sechseck vorstellen diirfen, ahnlich der Gustavsburg, w^elche Morsch-
hiluser bei Mainz erbaut hatte.

In Folge der sehr getheilten Meinungen bei den verordneten
Herrn kam es weder zur Ausfuhrung des einen noch des anderen
Werkes, aber man beschloss doch den Schoffen mitzutheilen, dass
man auch in Kehl mit dem Bau fortfahren wolle. Dies geschah dann
auch im folgenden Jahre — 1635 — indem man die ausserhalb der
Befestigung liegen gebliebene Kirche von Kehl abbrach und eiserne
Ketten iiber den Rhein spannte. ■^) Bernegger *j berichtet, dass man



1) Prot. d. XXI. V. 17. u. 29. IX. 1634, fol. 211 bzw. 219.

^) Vorgetragen vom Stadtschreiber bei den verordneten Herrn am 22. XII. 1634.
fol. 399i> u. f.

^) Prot. d. XIII. V. 1635, fol. 202 u. 219.

*) „Bernegger. Descriptio particulae territorii Argentinensis. Kurze Beschreibung etiicher
Sladte, Schlosser und Dorfer, welche umb Strassburg gelegen". Strassburg 1675. S. 41.



314 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNCx STRASSBURGS.

im angegebenen Jahre in roller Arbeit gewesen sei, den Rhein oberhalb
der Briicke mit Redouten, Blockhiiusern iind starken Ketten zu
schliessen, ich kann jedoch von ersteren zu dieser Zeit anderwilrts
nichts entdecken, dagegen ist es zutreffend, dass man, wie er weiter
berichtet, auch die Zollschanze umbaute. Anfang August 1635 wurde
dieselbe von den Oberbauherrn in Begleitung des Oberstleutnants



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