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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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kamen also die am 14. Februar beschlossenen Arbeiten am Glacis
zur Ausfuhrung, die eben doch nur ein Xothbehelf waren, da sich an
der Sehanze selbst ohne durchgreifenden Umbau nichts bessern liess.
Ob diese ausgedehnten Stellungen vor dem Graben, trotz der viel-
fachen Pallisadirungen, selbst nur bei einem gewaltsamen Angriff zu
halten gewesen wilren, ist doch sehr die Frage, und man hielt es denn
auch fiir nothwendig, zur W-rtheidigung drei Kompagnieen Schweizer,
verstilrkt durch 50 Mann aus der Stadt, in Summa 582 Mann bereit
zu stellen.- 1 Aus dem sehr ins Einzelne gehenden Besetzungsplane
ersehen wir dann auch, dass zur Zeit seiner Anfertigung, die nicht
angegeben ist, das Zollhaus jedenfalls noch nicht verlegt worden war,
denn es wird als in dem kleinen Hornwerk liegend erwJihnt.

Im Jahre 1677 trat man dann auch der \'erbesserung der Kehler
Befestigung wieder niiher. Am 14. September wurde bei XIII. aus-
gefiihrt, dass Kehl aus Rucksicht auf die vorhandenen Gebiiude sehr
unregelmassig befestigt worden sei und es jetzt nothig wiire, eine neue
Sehanze in der Grosse der Rheinschanze nahe vor der Briicke zu
erbauen, die eine Art Zitadelle tur die Kehler Befestigung abgeben
wiirde. Man sprach heriiber und hiniiber und kam schliesslich zu dem
Erkenntniss, dass Kehl verbessert werden sollte und zwar durch
Soldatenarbeit. Auch den Ziinften wurde die Sache vorgetragen,'^) und



1) Strss. Stdt. Arch. V, 130.

2) Ebenda, AA. 1306. Aussen auf dem Schriftstiick steht irriger Weise: ,,AnstaIteri in
der Rhein-Schantz", innen aber ganz richtig: „Vberschlag dess Volcks So Zur Defension
der Zollschantz verordnet".

^) Ebenda, V, 130. In dem betreffenden Vortrag, der auch die Stadtbefesligung be-
handelte, heisst es: „Und zwar soviel Kehl belanget, so hat die daselbsten hie vormals gefiihrte
Fortification, aus allerhand erheblichen Verhinderungen nicht regular eingerichtet werden
konnen, wird auch wegen ihrer Weitlaufigkeit und andern im Weg liegenden Impedimenten



328 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

scheint es, class hieraut ein abwcichendcr Entschluss bei RiiLh iind XXL
gefasst worden ist, obgleich sich dieselben am 15. Oktober 1677 der
Ansicht der XIII. angeschlossen, die Schanze in Kehl gutoeheissen,
sowie die Sicherung der Rheinkehle daselbst, iind am 17. desselben
Monats auch die Hcrstellung zweier Fallbriicken auf der Rheinbriicke
vorgeschlagen batten. Heer bearbeitete dann auch wieder bis in das
]ahr 1678 hinein eine ganze Reihe von Entwurfen, von denen nur sehr
wenig zur Austuhrung kam. Was dies war, lilsst uns am besten eine
von Heer bewirkte Aufnahme der Kehler Befestigung ersehen, die den
Zustand derselben am 17. Juli 1678, dem Tage ihrer Einnahme durch
Nr. no. die Franzosen, darstellt. Danaeh war aus dem Bau des zitadellen-
artigen \\'erkes vor der Rheinbrucke niclits geworden, dagegen hatte
man aber ein en tenaillirt gefuhrten Abschnitt vor derselben erbaut,
der jedoch, wie wir aus der Beschreibung der Belagerung wissen, am
17. Juli noch nicht vollendet war. Den Abschluss der Rheinkehle hatte
man durch Umbau des dort gelegenen Strassendammes in eine pallisa-
dirte Brustwehr und durcli spanische Reiter bewirkt, vor dem Thore
nach dem Mitteldorfel und vor der grossen Rheinbrucke Pallisaden-
tambours errichtet, im Scharfen-Eck einen Absclmitt und vor demselben
einen Durchstich zwischen Rheinarm und todter Kinzig begonnen.

Es ist bekannt, wie kurz die Dauer des Widerstandes der Kehler
Befestigung w^ar, ihr folgte dann der Fall der Rhein- und der Zoll-
schanze, sodass sich die Franzosen im August 1678, trotz der herbei-
geeilten kaiserlichen Hiilfsvolker im unbestrittenen Besitze des ganzen
Rheinpasses befanden. Vorher hatte man Strassburgischerseits den
Thurm in der Zollschanze — das alte Zollhaus — abbrechen lassen,
mit der Absicht, auf dem steinernen Unterbau ein Holzgeriist zu er-
richten, auf dem man Geschiitze aufstellen wollte.'j Die Befestigung
von Kehl hatten die Franzosen alsbald nach der Einnahme zerstort
und die Rheinbriicke theilweise abgebrannt, nunmehr zerstorten sie
auch die Rhein- und die Zollschanze und verbrannten den Rest der
grossen, die kleine Rheinbrucke und das Zollhaus, als sie am 17. Ok-
tober 1678 wieder abziehen mussten.-;

Wie Reisseissen berichtet,-) begann man alsbald Seitens der Stadt
die zerstorte Zollschanze in eine starke Redoute umzubauen, wiihrend



nimmermehr zur rechten Defension gebracht werden mogeii, sondern will vielmehr dieses
nothig sein, dass eine neue, der R?ieinschanze in Grosse und Anderem nicht unahnliche
Schanze unfern der Briicke in Kehl gelegt, damit hie denen Soldaten ein fester Fuss zu ihrer
Defension gemacht, und also so wohl sie als auch die Briicke selbsten in mehrerer Sicherheit
gestellt werden mochte".

^) Mem. Reisseissen, 75.

2) Ebenda, 81 und Theatrum Europaeuni, XI, 11 57.

^J Mem. Reisseissen, 82.



NEUBAU DER ZOLLSCHANZE UND EINER SCHANZE ZU KEHL. 329

die Kaisciiichen zu Kehl eine Schanze vor der Rheinbriicke errichtelen,
indess wissen wir nichts Niiheres iiber diese Bauten,') da Zeichnunoen
derselben nicht vorhanden, vielleicht niemals angefertigt worden sind.-)
Im Jahre 1679, nach dem Nymwegischen Frieden, wurde die alte
Befestigung von Kehl vollig geschleift, die von den Kaiserlichen an-
gelegte Schanze blieb dagegen erhalten, was den Widersprueh Frank-
reichs hervorrief. Dasselbe wollte unter keinen Umstilnden rechts-
rheinisch neue Befestigungen dulden iind berief sich dabei auf die
Abmachungen des westphiilischen FriedensJ^) Am 10. januar 1680
wurde bei XIII. das Schreiben Montclar's verlesen, worin cr die
Schleifung auch der kaiserlichen Schanze verlangt und androht, die
Strassburger Ortschaften solange mit Truppen zu bclegen, bis seinem
Ansinnen willfahrt werde. Dr. Schrag ist dann auch der iNleinung,
dass man einwilligen miisse, wenn man den Landmann nicht vollig zu
Grunde richten wolle, worauf erkannt \Aird, dass man jMontag den
12. Januar mit der Einebnung des Werkes beginnen mtichte. Auch
bei XXI. kam die Angelegenheit an diesem 12. Januar zur Sprache,
wobei hervorgehoben wurde, dass die vStadt ja im Jahre 1()47 viel aus-
gedehntere Werke jenseits des Rheines besessen hiitte, also wohl
berechtigt sei, die Schanze zu Kehl beizubehalten. Indess bewirkte
der von Frankreich ausgeubte Druck, dass auch hier dem bei XI 11.
gefassten Beschlusse zugestimmt wurde ; Strassburg war nicht mehr
in der Lage, irgend einer Forderung Frankreichs Widerstand entgegen-
zusetzen. So ist denn, wie Silbermann berichtet,^) die Schanze im



') Nacli Vaubans iJeiikschrifl. voni 22. Dezcnibcr l68l — iin FoiLirikalionsarchiv — war
die neue Zollschanze eine gemaucrlc vierseitige Redoute iniL (jiaberi und gedecktem Weg,
die Kehler Schanze aber ein bastionirLcs Viereck mil Ravelinen und zwei Jlornvverken, alles
in Erde. Auch die Rheinschanze erwiihnt Vauban, sovvie dass sammtliche Werke von den
franzosischen Truppen in den letzten Feldziigen genoinmen und zerstort worden seien, was
indess bczuglicli des Neubaus der Zollsclianze und der Kaiserlichen Schanze zu Kehl ungenau isl.
Genommen und zerstort wurden Seitens der Franzosen nur die alien Werke, die neuen lediglich
auf ihre Veranlassung hin eingeebnet.

^) Auf Plan i6 des Werkes: ,,Feldziige des Vicomle Turenne, aus den achteslen Urkunden
von Fr. Wilh. v. Zanthier. Leipzig 1779", isl die Befestigung von Kehl als bastionirtes Viereck
angegeben, was unbedingl falsch ist, da der Plan dem Jahre 1675 entsprechen soil. Moglicher-
weise isl zur Anfertigung des Planes eine Zeichnung benutzt, die den Zustand der Befestigung
im jahre 1678 darstellte und wiirde dann die von den Kaiserlichen angelegte Schanze wenigstens
im Grundriss grosse Aehnlichkeit mit der nachmaligen Vaubanschen Befestigung gehabt haben.

•*) Prot. d. XXI. V. 1670, fol. 459. Es ist daher unrichtig, wenn Strobe] V, 124 sagt,
dass dies im Februar 1681 geschehen sei, wie ebenso S. 125, dass die Stadt nur diejenigen
Verschanzungen bei Kehl beibehalten habe, welche ihr im Nymwegischen Frieden zugestanden
worden seien. In dem betreffenden Vertrage ist nichts iiber dieselben enthalten, wie ja
Strobel V, 114 selbst sagt, dass die Artikel des zu Nymwegen abgeschlossenen Friedens keinc
besonderen, das Elsass betreffenden Bestimmungen enthielten. Wahrscheinlich meint Strobel
nicht den Nymwegischen, sondern den westphiilischen Frieden.

*) Silbermann, 230. Es ist aber offenbar ein Irrthum, wenn Silbermann angibt, dass
die Einebnung Seitens der Franzosen slattgefunden hatte, denn diese hallen damals auf



330 GESCHICHTE DF.R BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

jahre IbSO einp,eebnet worden, wenngleich wir dies iius den Protokollen
der XIII. nicht mehr teststellen konnen, da sie bekannllich im Jahre loSd
diireh b^euer verniehtet warden.' i Die Zollsehanze -) blieb dagegen
bestehen und fiel im Jahre 1081 bei der sogenannten Kapitulation
Strassburgs zuerst den Franzosen in die Hiinde, da sie nur mit einer
kleinen Wache besetzt war.

In wie weit Ludwig XI\". sich selbst dureh den westphillisehen
Frieden gebunden eraehtete, oder vielmehr wie er sieh kurzer Hand
iiber dessen Bestimmungen hinwegsetzte, wenn es ihm so besser
passte, zeigte aueh in dieser Frage das Jahr IbSl, indem gleieh naeh
der Kapitulation Strassburgs der Ban eines reehtsrheinischen Briicken-
kopfes begonnen wurde. Das ohnmilchtige Deutsehe Reieh war nicht
in der Lage, auch nur ^^^iderspruch gegen diese Rechtsverletzung zu
erheben, geschweige denn, dass es sich dem Raube Strassburgs mit
den Waffen in der Hand entgegengesetzt hatte ; so liess es denn alles
geduldig iiber sich ergehen, eine Schmach, die erst das Jahr 1870 ge-
tilot hat.



Strassburger Grand und Boden niclils mehr bezw. noch nichls wieder zu ihun und wiirden
sich wohl auch gehiilet haben, eine Arbeit vorzunehmen, zu der sie die SUidt so leiclit an-
halten konnten.

1) R. Reuss unternimmt es in AnmerlcuuL; i auf Seite 130 des Reisseissenschen Memorials
nochmals, den Brand der Kanzlei auf einen ungliiclilichen Zufall zuriickzufiiliren. Dass keine
Verrathereien in den Protokollen oder sonst im Stadtarcliive schriftlich niedergelegt waren,
wird Reuss von jedermann ohne Weiteres zugegeben werden, aber die Protokolle enthielten
doch die von den Einzelnen bei den Verhandlungen gethanen Aeusserungen, wodurch mehr
Licht auf die von ihnen eingenommene Stellung fiel als Manchem nach dem 20/30. September 1681
lieb sein mochte, nicht bios solchen, welche die Kapitulation vorbereiten halfen, sondern erst
recht denen, die sich den beziiglichen Bestrebungen widersetzt hatten. Beide Theile musslen
also ein lebhaftes Interesse daran haben, dass alle schriftlichen Zeugnisse verschwanden. So
sagt denn auch Aufschlager, ein gewiss unverdachtiger Beurtheiler der Verhaltnisse: „On ne
voulait ni exposer les defenseurs de I'ancienne liberte aux investigations du gouvernement
frangais, ni livrer ceux qui penchaient pour la France aux insulles et a la vengeance de la
populace" und so urtheilt noch eine garize Reihe elsassischer Schriftsteller, welche sammtlich
der Ueberzeugung sind, dass der Brand der Kanzlei nicht auf einen unglucklichen Zufall
zuriickzufiihren ist, sondern ein wohliiberlegtes Werk war.

2) Strobel V, 126 spricht nur von der Rheinschanze, von dieser waren aber nur noch
Ueberreste vorhanden, da sie nicht wiederhergestellt worden war.



Anlagen.

1.

E\^n rotSL-hlahen die greben vnd Ringkmuren Zu verwaren

vmb die statt Strassburg in Kriegs noten'i

Vff Samstag noch sant Appolonien tag Anno r decimo Nono")
von befclh der vcrordcnten Kriegshcrren sint vmbgefaren die buwe-
herren. Nemlich Bcrnhart \\'ormsser vnd Clans miinch mitsampt
ettlichen die sich In kriegs \bung gebrucht | als hie noch bestimpt
werden ' die selben an ort vnd ende gefiiret vmb die statt i do man
sich besorgen ist ] e3'nen noch demm andern gefroget | Iren rot dariiber
verhoret vnd vffgeschriben ' als hie nochstot

Zum ersten bj- der habermiilen^i vnd vsswendig ties liiftels tluirn

Item hatt der vest Ilanns von matzenheim geseit | das vff dis
mol vsswendig nit vyl zu buwen sige ! wann es not ist | mag man
Inwendig werenen vnd greben machen ' daruss man sich weren
mochte j dozu die bo^'me Innwendig der muren vast gut sint vnd
obe man Jetz ■ e3'n graben fUr den andern graben vsswendig | schroten
wolte j schiede nit \ mocht entschiittung machen fur ein anlouff bitz
man sich Innwendig versorget

Item Es were ouch nit bose | das man Im wechterhiiselin hinder
der gefangenen thurn eym | mitten Imm Wasser ; ej'n schutten vnd
boUwergk machte das starck were ! dar Inne mit halben schlangen j
wer dete

Item der veste Jorg biichssener hatt gesagt ; das man vff dis
mol machen solte 1 eyn mantel vsswendig der Habermiilen | das die
schiitzlocher dienten zu beyden S3'ten vnd e3'nen graben | vor dem
wale schroten vnd vsswerffen I vff den selben wal I das er stercker



^) Die Abkiirzungen der Urschrift sind aufgelost, die grossen Buchstalaen innerhalb der
Wi3rter durch kleine ersetzt worden, im Uebrigen ist an der Rechtschreibung nichts geanderl.

2j D. i. der lo. Februar 1519. Nach Hegel II (IX), 1068 war der 9. Februar der Appo-
lonientag. Der Sonntagsbuchstabe fiir 15 19 war B, mithin fiel G = Sonnabend auf den 10.

') Die Habermiihie lag an der Breusch, vor dem Thurm Lug-ins-Land, da «o die
Breusch in den Graben vor der Westfront trat. Auf spateren Zeichnungen wird hier eine
Sagemiihle angegeben, die nachmals eingerichtet oder neuangelegt sein mag.



332 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

wiirde '■ vnd Inn den wal verboroenc bolhverok ' dariiss man mit halben
Slangen schiessen mochte i vnd obe man dassclb nit thun wolte | das
man stacketen | vff den Wall satzte \ mitt holtzwergk oemachl

Item vsswendio- des tuffels thurn | mochte man machen eyn
Ronde post}' | dar Inne sich hundert oder Zweyhundert m.ann behelffen
mochten j vnd vss demm selben ] wer i thun

Item gegen des ttifels thurn | ginsit demm wasser vmb den eekeehten
thum I solt man eyn mantel rond machen dar Inn schiitzbkher , daruss
dete man wer ' Zu des tiifels thurn

Item Caspar Wolffs rotschlagen ist | das kein not vff dis mol an
dem ort sige an andern enden als an roseneck sige me not vff dis
mol ze buwen | wann es not wiirde | wolt er wol rot geben | do selbs
weren ze machen Inn der not ] das vff dis mol nit Zetund ist

Item Meister Jorg der biichssengiesser spricht ' das man vsswendig
demm wale oder schutten \ ein graben machen solt j vnd das der wal
stercker vnd hoher wurde | vnd blochhuser von holtz Inn den wale
schlagen | vnd sust wie Jorg buchssener oben gesagt hat
An Roseneck vnd Ruschen thorlin

So ist Jorg buchsseners rot | das man eyn graben schrote fiir
den andern graben In den gertenen | vnden spitz vnd zwiischent
den Zwe3"en greben ein brust wer mjichte ' das man dar hinder mit
kerchen faren vnd wandeln mochte j vnd mitt der Zit am Roseneck
In -kunfftigem eyn ronden thurn machte ] oder ein ander geschutte |
die vest were | daruff man sich weren mochte

Item Hanns von matzenheim spricht I er wisse vff dis mol zu
der not nutzit ze machen ' dann wann es not ist Inwendig ein blinden
graben 'j machen | Ist Jetz usswendig nit Ze buwen | Aber die boum
vsswendig am graben so es not ist | fellen vnd bicken | vnd gefelle
oder gewiirre machen ] fiir ein anlouff | bitz das man Innwendig bouwen
mochte |

Item Caspar Wolff sagt | es sige not | das man das ecke an
Roseneck versorge | vnd notturfftig | eyn starcken ronden thurn Ze
machen i dai-uss man sich weren mOchte ! als Jorg buchssener an-
geben hat | vnd man mag am selben oit wol Zu der statt kommen
wann es sige kein were do selbst vff dis mol | daruss man sich schirmen
mochte | darumb ein notturfft ] das ] am ersten Zu versorgen |

Item meister Jorg der biichssengiesser sprucht j man sol das
ecke Jetz hinweg brechen j vnd ein ronden starcken turn dar setzen |

') Unter einem blinden Graben ist unsere heutige Kunette zu verstehen. Dies geht
nicht nur aus Dilichs Peribologia, sondern auch aus Specklins Zeichnungen im Strassburger
Stadlarchiv, sowie seinem Befestigungsvorschlag fiir Colmar hervor, befindlich im dortigen
Stadlarchiv.



ANLAGEN. 333

dar Inn strichen weren zu alien ortten | vnd vsswendig noch ein
graben schroten

\^on ruschen thorlin bitz sant Cloren')

Item sie sagent gemeynlichen | an der ruschen ein turn Zu machen |
der Zu be\'den sj'ten strichweren hette | gegen roseneck vnd gegen
der hirtzlachen-i vnd sant Cloren | der wiirde be3x1e greben schirmen

Item amm thor vor demm Judden thurn ; wer auch In rot das
man eyn gutten starcken thurn [ vnd nit hoch do selbs satzte mit
strichend weren ' der wiirde gegen sant Cloren [ ^nd an alien ortten
do selbs schirmen

vnd das die mur. so umb sant Cloren gon wurt dar In gefasset
mncht werden | wann man sie machen wolte
\^on demm fischer thurn In Cruttenowe bitz umb sant Katherinen

Item Caspar Wolff hat gese_vt i man solte den graben fiittern !
den grund dar hinder schleiffen | wie by sant Elisabetenthor j vnd
vor sant Clausthor am eck | do eyn huselin vff gebuwen ist wer not
ein gutten starcken thurn Ze machen mitt strichend weren j der wiirde
schirm thun bitz an den fischer thurn vnd hie disse sitt | bitz sant
Johannsthor

Item Jorg biichssener sagt auch j am ecke by sant Clausthor | e3'n
thurn Ze machen wie Caspar \\^)lff angeben vnd an sannt Johanns
thore by der gedeckten brucken [ ouch ein starcken thurn Ze machen |
mitt strichenden weren i der wiirde dar noch fiir vssen schirmen | biss
vff die auwe als wit die auwe ist

Item Hanns von matzenheim hat geseit | man solte den wal vmb
kruttenow beschirmen mitl eym graben dar vor ; vnd stacketen
daruff I vnd an sant Joharmsgiessen by dem thor eyn gutte brust
were am eck | wurde die gantze auwe beschirmen

Item Meister jorg biichssengiesser hat gesagt | das der fischer
turn gut sich | allein die schiitzlocher mus man endern | vnd Inn den
wal blochhiiser setzen | daruss man sich weret , vnd die wal beschirmen ]
auch ein starcken ronden thurn am ecke, nebent sant Clausthor | vnd
an sannt Johannsgiessen ' ein nidern starcken thurn on gewelbe | mit
strichen weren [ vnd das man oben daruff sich mit schlangen be-
helffen mochte

Item In aller meynung ist am eck hinder sant ivatherinen Ze
machen ' ein starcken ronden snecken thurn mitt strichenden weren I



•) Hier ist St. Clara im Worth gemeint.

-) Die Hirtzlache, sowiel wie Hirschlache, war ein (Iraben, der sich ungefiilir parallel
dem imteren Lauf des Stadtgrabenkanals an St. Clara im Wurth vorbei, zur 111 zog. Siehe
den Uebersichtsplan vom Jahre 15 19.



334 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

cler wiirde den graben vff vnd abe schirmen ' vnd die i>"antze Amve
vor metziger thor [

Vor metzig-cr thor vnd Spittel thor

So 1st Tn aller meynung den graben von metziger thor bitz sant
Elisabethen thor j fiittern vnd den wal schleiffen | wie der graben
hinder sant Elisabeten thor Jetz gemacht ist | so were die statt am
selben ort wol versehen.

Item Heronimus wust der statt lonherr hat geseit | by der Haber
miilen ntitzit vff dis mol Ze machen bitz es not dut aber b}^ den acht
roddern vnd vmb den wissen thm'n do ist es bloss were not zu ver-
sorgen

Item Zu Roseneck do mus man ettwas buwen vnd gehoret wyter
rotschlagen darzu wie man do selbs buwen solle | dessghchen an der
ruschen ein turn Ze machen wer ouch notturfftig

Item vor dem Judden thurn am thor Zwiischent der hirtzlachen
vnd dem graben were not ein starcken thurn Ze machen wie der
Im rotschhig funden mag werden

Item vor sant Clausthor In Cruttenowe am ecke vnd an sant
Catherinen ecke | were ouch not an Jedem ort ein starcken thurn Ze
setzen dann sust kein starcke do ist dar uss man were thun kann

Item die wale vmb die statt vff dis mol lossen rugen j In der
not wiirt es sich selbs leren Zu verwaren mit holtzwergk

Item vor alien Dingen sol man die schutzlocher vff alien thurnen
recht machen vnd verandern das sie Zum schiessen gut sigent \ denn
sie vff dis mol nit toghch dozu sint

Item alles geror so man lot vssfiiren das solhchs hinder die
Ringmuren gcfiirt wurde : do wurt man sin In kiinfftigen Zur not
bedorffen

Item Meister Midhart der Zymmerman vnd der statt wergk-
meister | hat geseit wolte man ettwas by der Habermiilen machen zu
der were vff dis mol i das man b}^ dutschenherren bruck am abloss^)
soke machen eyn posty fur ein anlouff vnd vsswendig bj' des tufels
thurn ouch ein posty | vnd vff dem wal eyn ziin mit gutten grienen
gertten^j | vnd In die wal ettliche schutzlocher von holtzwergk ouch
vsswendig ein graben schroten den grund hinder den Ziin werffen
vnd dar fur j domit die wal deste hoher wurde das man dar hinder
faren mocht vnd zu die schutzlochern kommen mit biihssen vnd



*) Die Deutschherren-Briicke fiihrte im Zuge der Scliiimecker-Strasse iiber die Breusch,
der Ablass war ein Wehr an der Habermiihle, durch welches das Wasser der Breusch in den
Stadtgraben auf die Achtriidermiihle geleitet bzw. durch den Stadtgraben vor dem Margarethen-
und Teufelsthurm in die 111 abgelassen werden konnte.

^) D. i. ein Flechtzaun von griinem Sirauchwerk, Weiden.



ANLAGEN. 335

anderm geschiitz dazu eyn thilr brechen durch die Ring-muren am
abloss by der habermiilen So durch man vss der statt Zu disen weren
kommen mochte wo sollichs also gemacht wurde were er In hoffenung
die statt am selben ort wol versorgt wer dann solt mann Inwendig
buwen miist man zweyen klostern In augenschein nemmen

Item an roseneck sol man eyn gutten starcken thurn machen
Ix schuch W3't vberhoupt das man In der statt In den turn kommen
mag ] vnd nit hoher dann zweyer weren hoch dar In strichen weren
gegen kronenburg vnd gegen der ruschen 1 den graben doselbs also
wyt machen als der vsser graben an steinstrossthor ist

Item an der ruschen ouch ein starken thurn machen Zwuschent
den Zweyen greben wurt dienen Zu der wer gegen roseneck vnd
gegen sant Cloren

Item vor dem Juddenthurn wer not eyn starcken thurn Ze machen
wann am selben end der statt schatz lyt i vnd man inenen bass In
die statt kommen mag dann do selbs \ sollent myne herren bedencken

Item das geror so vss gefurt wiirt ! were gut das es Inwendig
der Ringkmuren geschutt wurde von der ruschen bitz an roseneck

Item die gutten thurn so myne herren habent sind vbel versehen
mit den schusslochern wenn man In den thurnen schusset mag niemans
do by bliben vor dem dunst \ die sol man anders vnd recht machen
Zum schiessen

Item by sant Clausthor In Kruttenow am ecke sol man machen
ein starcken ronden thurn mit strichen weren 1 des glichen an sant
Johansthor vft dem Ringiessen ouch hinder sant katherinen Im blinden-
eck ein sollichen starcken tliurn nit liOher dann die miiren sint

Item den wal liesse er Jetz bliben wann ettwas keme das die
notturfft erhiesch ettwas do Ze machen wer er In hoffenung das mit
holtzwergk zum besten versehen vnd Zu versorgen
Radschlag der Stat MYn'cklut

Genedigen herren vnser gute meynung were | class der grabe
von Ruschen Dorlin an j b}\ss an Roseneck ; vnd furter von Roseneck
an byss Steinstrosser Dor ' vff acht schu hohe gefitteret werde ! noch
anzeigung der alten Zanung'i da selbest , biss fur vff an den wissen
thurn vnd will man dan j sollichen graben muren , so darff man des
grundes so Imm graben liget dar hinder oder muss anderschwo har
grundt fieren lassen 1 Aber wolte man nit muren so wer doch sollicher
griindt mit zwe3'en geristen von ein zum anderen Zu werffe j har
vsser zu bringen Diichte doch vns zum besten dass er gemuret
werde ( mochte ?i



'j D. h. nach der alten Spur, Richtung, Trace.



336 GESCHICHTE DER BEFESTIGUXG STRASSBURGS.

\'ff diitscher owen duchte A'ns g"ute sin ein zweyfache grabe
g'egen ein ander ^'ff geworffe werde ■ von demm briicklin an b3'ss In
der Illen Hie mit wiirde ein hohe gemacht dass man die stat mit
dhein geschutz haben mocht vnd weren ouch zu alien Ziten mit
wasser zu fillen — Witer duchte vns gnt sin dass alle stumpffe gefierte
thurn do behusungen vff sindt von Rossneck an biss an diitsch ow
also bliben ston ; biss vff die Zit | die got wende so man benodiget
wer I mocht man sollich durn In acht tagen der muren glich abheben |
die mit griindt fillen vnd dar nach wol ein namhafftig byss vnder eim
blochschii-m In guten gewarsamm schiessen vnd sich har ab weren |
vnd sunst alle thurnen vnd strichene gewer ston bliben

Ob aber vnseren Herren witer gefellig sin wolt nammhafftige
were b}' Roseneck Zu machen | were noch vnseren bediinken nit bose
In die wise ; dass ein schneck gemacht wurde by Roseneck mit grund
gefillet vff wellichem In ghche wisse ein namhafftige bissen Zu schuss
were j

Diss obgeschriben durch vns by vnseren Eiden dass aller ntitzest
vnd wegest mit wenigen kosten zu machen



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