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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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bey euch Zu bekommen kein wissens habenn, Darumb Vns fast vn-
miiglich feldt, allein auss der gerissenen Visirung ein Rath Zu stellenn
Sonndern es muss Zuuor mit Den augen gesehen Vndt mit den Reche-
pfennigen wohl ventilirt sein,

Wie aber Dem, Dieweil wir euch, alss Denen, so Vnserm Herrn
Vatter Lobsehliger gedechtnuss, Vnd Vnns Viel ehren Vndt Dinsts
ertzeigt, hinwiderumb inn moglichte Dingen gern Zu gefallen sein
wollte, Alss haben wir Die Vns Zugeschicktte Visirungen mit Vleiss
Vbersehen, was Vns auch bedeuchtt das nach itziger Zeitt gelegenheitt,
Dorann Zuuerbessernn, oder Zuuerendern, Darbey annotirt, Doch
wollen wir euch oder andern Verstendigenn bawleutten hiermit nichtt
Vorgreiffen oder geschriebenn, sonndern diss allein Zum weittern nach-
dencken gnedig eroffent habenn,

Erstlich das Vnssers erachtenns, Dieweil Strasburgk Ein Ortt
Vndt Grenzstadt des heiligen Reichs, Vnnd scharffe nachparn Vmb
sich hadt, Vndt Zu besorgenn Derselbigen eins theils Darnach trachtenn
mochtenn Das wir gar nicht gutt findenn Daselbst ettwas Zubrechen
oder Zueroffnen, sondernn da ihr itzt etwas Bawen Avoldt, so wehre
gutt das ihrs nach dem Exempel Des Esdra Anstellen thetet, nemblich
Das ihr in ener Handt Das schwehrt, in Der ander aber Die instru-
menta Damit man Zu bawen Pflegtt hielttet, Vndt also nicht mehr
offenet alss ihr in einem henn widerumb Zumachen konnett, Damit
nicht allein euch sondern Dem gantzen Reich* ettwan ein Vnwider-
bringlicher Hon Oder schadt Darauss erfolgett, Darums habenn wir
auch dieVestung Dostaweitter vorgenommen, Damit solches Dormassen
ohn Verhinderung zuwerck gesteldt werde,

Zu Dem So finden wir in Der Vberschickttenn Visirung nicht
Vberig Viel Platz, Darauff man Das kriegsvolck stellen Vndt behalttenn
konte, So wie auch wahrlich ein solche gewalttige Stadt Platz habenn,
Darauff man Das kriegsvolck konte sicher behalten.

Will man nun was Rechtschaffens machen, erfordert die hohe
notturft Das man besser ins feldt Rucke Vnndt mehr platz in die
Stadt nehme, Dan ob wohl Strasburgk ein Solche Veste Stadt ist. Die
wo sie Recht notturfftig besetzt Vnndt Versehenn auch in gutter ein-
trechtigkeit Pleibt, keine kleine macht wirt konnen bezwingen, so ist
doch Zu besorgen wo ein grosse macht alss Spanien oder Frankreich
sollte Darfuhr kommen, So mocht sie an eintheils orternn Da der



348 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

grabe so enge ist, nott leidenn, Dem Diinn tempore pacis mit guttem
Rath Leichtlich Zuuorkommen, Denn tempore belli Daruonn Zurath-
schlagenn, ist Zu lang gebeitt.

\^berschicktenn euch Derhalbenn nicht allein Denn abriss sondern
auch Dre}' Poste3xn abgeschnitten, \^nd auch ein Anschlag was Vn-
gefehrllch ein Poste}^ kostenn mag, so gutt alss wir es Verstehenn,
nit Das ihr Dem eben Volgenn miisset, Sondern Das ihr kriegs Vnndt
Bawverstendige Doch \^nser \^nuermeldet, Darauff weitter Zu Rath
fraget, \'nndt sonst Darauss Zunehmen, was ihr im Rath nutzlich
\^nndt gutt findett,

Wir habenn sonstenn in Vielenn Dingen Vnser bedenckenn ewern
Bawmeister angetzeigt-Vndt mitgetheildt, Sonderlich wie ihr Vnsers
erachtens gebacken steine ettwas Rathsamers Alss jtzo, Zuwege bringen
kormet, auch wie ihr sonst Den baw am Rathsamsten angreiffen sollett.

Wdn ihr auch den Baw werdet anfangen, wollen wir auch alss
den gerne Vnser weitter bedenckenn eroffenen, Wie aber dem allem,
so kont ihr kein besser Vestung machen alss concordiam ciuium, Die
Dencket Das ihr sie mit allem Vleiss halttet, \^nndt erhalttet, auch
wo geistliche oder Avelttliche ettwas wolttenn anstifften, so zu in-
fringirung Der concordien mocht einige anleittung oder Uhrsach geben,
dieselbige keineswegs Zugebett, Sondern euch in Zeittenn Dargegenn
opponiret, Vnndt Die Vfwickelung abschaffet, Vnndt in gebiirende
Straff nehmet, So wiit Strasburgk wohl ein freye stadt \"ndt fuhr
alien nachparn Vnangefochtenn pleiben,

Welches wir euch giinstiger meinung vf ewer schreibenn nichtt
verhaltten wollen, Vndt seint euch mit giinstigem willenn wohl geneigt.
Datum in Vnser Stadt V^nndt Vestung Cassel am 24. Nouembris Ao. 90

Wilhelm
Landgraw zu Hessen.

Das wir auch ewern Bawmeister ettwas lenng vfgehaltten, ist
die Uhrsach das diss werck ettwas nachdenckens erfordert zu Dem
auch Das \'nns der Almechtige Gott mit Leibsschwachheitt ein Zeitt-
lang heimbgesuchtt, welches sich aber Doch nunmehr, seiner Almacht
sey Darfuhr Lob Vnndt Danck gesagtt, Zu Gutter Besserung mit Vns
geschicktt hatt, Begehren Derowegenn gunstiglich, Ihr wollet ob-
gedachtenn Ewern Bawmeister seines Langenn aussenpleibenns \'or
endtschuldiget haltten. 'j



ij Strss. Stdt. Arch. G. U. F. 114, 2. Das Schieiben ist: „Lect bey Mein Ilrr. vm
Donnerstag den 10. Dec : Ao. 90''.



ANLAGEN. 349



Aussen : No. 582. Verzeichnuss

Hanss Schochen dess Bawmeisters Modell welche zur Cancelley

geliifert worden.

Innen: Hiernach stehende die Statt Strassburg- betreffende IModellen
vnd Abriss, seindt in weylandt Hannss Schochen gewesenen Bauw-
meisters Wohnbehaussung fgegen der Stattschlosserei vberi gefunden
durch Herren Hannss Heinrich Gambser den Zeugwart angeben vnd
Wendling Schottel Canzley Substituten verzeichnet worden. Geschehen
den 30 ' xbris 1631 vnd 2. Jan. 1632.

Erstlichen Eine Verzeichnus der gemachten Brucken vber die
Preusch bey dem Fischerthor Anno 1573.

Item 1 Grundtriss, von dem Rossmarkh ahn, biss hinder St.Johann,
sambt einer besserung so dabe}' verzeichnet.

It. 3. Abriss absonderHch, Belangendt Das gemein Backhaiiss Zu
Dorolssheim.

It. 1. Abriss sambt Dem Bedencken vber Das Salzhauss im Luxhoif.

It. 1. Grundriss Des Einflusses be}' Den oberen Thiirnen, Betref-
fendt die Neuwe Mahlmiihl.

It. 1. Abriss oder Grundriss des Rheins, Zwischen A\'ormbss vnd
der Hutten (so!?).

It. 1. Abriss betreffendt Den Miihlbjiw Zue Sundtheim, Dabey Ein
vnvorgreifflich concept gebunden.

It. 1. Abriss der Willstett Mahlmiihlen.

It. 1. Al-iriss des Augenscheins bey der Achtrodermiihlen.

It. 1. Illuminirter Abriss Des Cavaliers vf dem Wahl Zwischen
dem Wcissenthurn vnd Cronenburg de anno 1623.M

It. 1. Illuminirter Grundtriss Zwoer Pasteyen sambt Dem Ritter,
Dabey Ein Beschribens Verzeichnus.

It. 2. lUuminirte wehren vnd Pasteyen, sambt Darx'or ligender
Belagerung.

It. 1. Verzeichnus des Wahls von dem Fischer Thor ahn biss
Zum Neuwen Thor.

It. 5. Abriss Beysammen, belangendt Das Fischer thor, vnd der
gedeckhten Brucken Einfluss am Johannisgiessen.

It. 1. Abriss der ganzeini Lange Des platzes Zwischen dem Miihl-
graben vnd der Kiinzig.

It. 2. Abriss Beysammen, des Neuwen Salzhausses.



») Jetzt PI. 542 (He



OOO GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

It. 4. Beysammen Ligende Abriss Der Verbessenmg Des Hausses
Herrenstein.

It. 9. Gnindtriss oder \^erzeichnuss, Belangendt die Pfalz vnd Den
Xeuwen Baw.

Item Ein Bedencken, so H. Capitain Paul Zur Verbesserung der
Statt und deroselben Wahl vnd Paste3'en, den H. 13 em schrifftlich
vorgetragen.

It. 4. Grundtriss des Zollhausses am Rhein.^)

It. 2. Grundtriss Einer Pasteyen, so vber der Rheinbrucken ge-
macht werden sollen.-j

It. 3. Grundtriss der Ruprechtsilw sambt dero fliissen vnd wOrdten.

Item 5. Abriss des Zollhausses am Rhein.^)

Item 1. Abriss einer gehengten Brucken, welche beym Einfluss
des Xeuwen Thors gemacht werden sollen.

Item 8. Abriss der Hiesigen Metzig vnd Schlaghausses.

Item 4. Grundtriss des Xeuwen hiesigen Zeughausses.

Item 8. Abriss Zu vfziiwen Einer Fallbrucken.

It. 2. \"erzeichnimgen des Canals im Alten schiessgraben.

Item 1. Abriss des Teuffelsthurns hinder St. Margarethen.

Item 5. Abriss der Hiesigen Seegmuhlen.

Item 2. Abriss Bej^sammen Einer Sturm- vnd Schiffbriicken.

Item 1. Abriss von Fischerthor biss ans Metzger Thor.

Item 1. Abriss der Miihlen, so ligt in der Kirchen Zu St. Glaus
in vndis.

Item 4. Abriss der Xeuenmiihlen alhie.

Item 1. Abriss des Wasserbawes Der Acht Radermiihlen.

Item 5. Grundtriss Des W^asserbaws der Xeuwen wurzmuhlen
alhie.

Item 2. Abriss der Spitzenmiihlen alhie.

Item 2. Abriss der Xeuwen : vnd Diinzenmiihl alhie.*)



') VVohl unter den Planen 431, 549, 473, 458, 551, 302 (IV^ 5—10) enthalten.
-) Wahrscheinlich einer der Plane 444, 442, 443, 546, 553 (IVrfertiget, \'nd solte \'on mir auffgesetz werden, wie hoch
ein jedwedere ruthe khommen mochte.

3. Ferner befindte Ich fur gutt, Das Die Herrn Die anstellung
machten, Damit man taglich mit hundert Kiirhen, Daran Pferdt gespant
wiirden, schantzen mochte, neben hundert Mannen, Die Die Karhen
ladeten, Damit alle Zeit 50 Karhen fahreten, \^nd 50 stille stundten,



») Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 113— 115.



ANLAGEX. 353

Vnndt also bey einem jedeweclern Karhe Zween einlader weren, Darzu
solle man bestellen solche Manner, Die alle Zeit Darbe}^ \^erbleiben
\'nd Zu solchem Werckh tiihtig' sein, gegen bezahlung.

4. Dise hundert Karh wolte Ich auff Hollandische Manir in Zehen
parthien ausstheilen rund \^mb Das AVerckh, Vnd solte man morgens
\'mb 6 Vhr an Das Werckh kommen, Den tag Durch Zweymal rasten,
iedesmal IVo stund, Das man also 3 mal an Das Werckh Dess tages
tretten solte.

5. Musste man auch so Vil Mann nemmen, Die Die Kiirh
abladeten, Vnd Die Erde gleich machten, alss Die Herrn gutt dunckhen
mag, Damit Die Karh geschwind befiirdert, Vnd also Das AW-rckh
seinen fortgang haben mochte. V



11.

Aussen : \"ortrag . . . absque dato -)
Ob und welchergestalt in
Fortification der

Statt fortzufharen
seye.

Liebe Freunde und Mitbiirger.
Es sind nun etliche Wochen verflossen, dass bei uns die Frage
vorgefallen, ob und welcher gestalt in der Fortifikation und mehrern
Verwahrung dieser Stadt fortzufahren seie. — Und ist in solcher Zeit,
sonderlich bei unserm hierzu verordneten Ausschuss oft und viel davon
geredet, konsultirt und berathschlagt, der gewisse und endliche Schluss
aber, wegen der Sachen grossen Wichtigkeit noch nicht gefunden
worden; denn ob wir zwar nicht zweifeln, es werde ein jeder Patriot,
und wer es mit der Stadt Strassburg treulich und wohl meinet, von
Herzen wiinschen, dass die Stadt aufs Beste fortifizirt, und wider
Feinds Gewalt zu Geniigen verwahrt ware, ob auch schon geschehen
mochte, dass unsere liebe Biirgerschaft, wann man ihr das W^erk recht
vor Augen legen, die Nothwendigkeit mehrerer Fortifikation eroffnen,
und die Gefahr genugsam vorbilden sollte, sie sich willig erzeigen,
und Anfangs mit Rath und That werde beispringen wollen, so gibt
doch die Erfahrung hingegen zu erkennen, wie bald man etwan miid,
massleidig und triig wird und bei gutem \"ornehmen, mehrmals den
Muth gar zu friih sinken und fallen liisst, dariiber wir bisher manche



') Strss. Stdt. Arch. G. U. P. 113— 115.

'■'j Auch die weiteren Exemplare der verschiedenen Ziinfte tragen kein Datum.

V. A p e 1 1 , Betestigung Strassburgs. 2^



354 C.ESCHICHTE PER BEFESTICUXO STRASSBURGS.

beschwerliche Klage anhoren, und wie unordentlich, langsam, verdrossen
und widerspenstig" es annoch beim Neubau des Bolhverks zwischen
Kronenburg und Weissenthurm daher gehet, mehrmals mit sonder-
barem Missfallen erfahren miissen.

Wann aber gleichwohl unter jetzigen hochgefahrlichen Lauften,
und bei so vielfaltigen geschwinden Praktiken der widrigen, auch ihren
noch immer fortgehenden Kriegsverfassungen, die zu imserem und
anderer evangelischen Christen aussersten Verderben und Ausrotten
offentlich gemeint sein, uns obrigkeitlichen Amts und Pflichten
halben nicht zustehen noch gebiihren wollen, dass wir den gutherzige
Erinnerung so uns von vielen hohen und niedrig Orten geschehen,
entwedei^ allerdings in Wind schlagen oder auch Euch unsern heben
Freunden und Mitbiirgern liinger verhalten sollten, als berichten wir
Euch hiermit wohlmeinend, dass der Konigliche Schwedische Herr
Feldmarschall Gustav Horn etc. aus guter Zuneigung so Seine Exzellenz
bisher gegen gemeinem unserm Stadtwesen ofters spiiren lassen, uns
seinen General Quartiermeister Herrn Paul Morschhauser von
Schweinfurt biirtig unlangst angewlesen, der ist bei Fortifikations- und
Kriegssachen, beides in Theoria und Praxi sehr geiibt, erfahren und
ein tapferer Mann, hat sich auch bei der Koniglichen Majestilt in
SchAveden etc. Christseligsten und glorwiirdigsten Andenkens in gutem
Ansehen und vornehmen Wesen eine geraume Zeit lang aufgehalten,
und wiirde man in dieser Kunst vielleicht in Deutschland seines
Gleichen wenig finden. Diesen Mann haben wir nun auf vorher-
gegangene \"ersicherung die erbaute Wehr und diese Stadt besichtigen
lassen und sind darauf von ihm sowohl der gefahrlich Mangel die sich
an unterschiedlichen Orten erzeigen berichtet, als auch der Mittel, wie
zu helfen, und auf was Mass und Weise diese Stadt in vollkommene
Defension und Verwahrung zu bringen sein mochte, verstandigt worden.
Unsere Stadt ist jetztmals beschaffen, wie die Planta N° 1 ausweiset.
Da die Fortifikation imperfekt ist und grosse Fehler hat. Solches zu
verbessern und die Fortifikation in Perfektion zu bringen, sollten die
Werke gebaut werden nach dem Riss der Planten N" 3. Dazu erfordert
Herr Morschhauser in Geld und Materialien auch in Arbeitern und
Zeit dasjenige, so in seinem Bedenken N ' 4 befindlich, und ware als-
dann zu hoffen, dass man im ersten Jahre die Fortifikation der Stadt
in der Form haben konnte, welche die Planta N° 2 praesentirt, welches
alles besser und deutlicher zu verstehen ist, wenn erstlich das erst-
gemeldete Bedenken N" 4 abgelesen und dann Herrn Morschhilusers
unterschiedliche Grundrisse N" 1. 2. 3 besichtigt sein werden.

Legatur das Bedenken, et sit postea silentium ad spatium qua-
drantis horae.



ANLAGEN. dOO

Bei diesem Bedenken nun, liehc Freunde imd Mitbiirger, befinden
sich vornehmlich vier schwere Bctrachtimgen. Erstlichen dass die
Geldmittel gar zu hoch gesetzt, iind das Jahr wann man die Bestal-
lungen und nothwendigen Auslagen fiir die Materialien mit einrechnet,
sich weit iiber eine Tonne Golds erstrecken wiirde. Fiirs Andere,
dass eine ziemliche Anzahl guter Giiter, Matten, Garten und Baume
in die Schanze zu schlagen und zu verlieren stehen. Drittens, dass
wenn man [luch schon nur mit der Fron die Werke auffiihren wollte,
es doch gleichwohl nach der Anzahl der Burger und Unterthanen so
uns angehorig fast unerschwinglich sein werde. Und dann zum
Vierten, dass bei so weitliiufigen Werken und zur Defension derselben
und eine bestandige starke Garnison erfordert wiirde.

Aber diese Betrachtungen, wie schwer sie auch zu sein, anfiing-
lich erscheinen wollen, werden nicht wenig erleichtert und die Sachen
sich selbsten besser erkannt, wenn man die Discours und Erinnerung
Derjenigen anhort, so sich auf das Fortitikation- und Kriegswesen
verstehen : dann sie sagen, unsere Stadt habe an etlichen Orten solche
Fehler, dass ein machtiger Feind, nach heuliger Art zu kriegen, in
wenig Tagen uns unter das Geschiitz kommen, und durch allerhand
nunmehr erfundene Mittel bald gar in den Wallen und in der Stadt
sein konnte; gestandig sind sie zwar, dass keine Festung so stark und
wohl versehen, die nicht mit Macht und List zu iiberwinden, es seie
aber die Fortifikation dazu nothig und niitzlich, dass man sich eine
Zeit lang aufhalten, den Feind abmatten, und des Freundes succurs
erwarten konne; man wisse wie es etwan zwischen benachbarten
Standen dahergehe, und wie es bei denselben fiir Spann, Irrungen,
Missverstand und Weitlaufigkeiten zugeben pflege. Da habe nun die
Stadt Strassburg als ein Frontier- und mit einem der miichtigsten
Potentaten niichstbenachbarter Ort, mehr als andere Stildte im Reich
zu wachen ; gleichwohl auch alle anderen vornehmen Stildte, als Niirn-
berg, Frankfurt, Ulm, Augsburg, Hamburg etc. sich verwahrt, und
inner (halb) wenig Jahren ihr Fortifikationswx^sen ansehnhch verbessert,
theils auch perfektionirt batten, ware befremdlich, wenn es bei dieser
Stadt anstehen sollte, die von vielen Wohlaffektionirten bisher so oft
gewarnt und zu mehrerer Fortifikation erinnert worden. Es laufe
etwan mit dem Kriegswesen seltsam und sei nach dem alten bekannten
Wort, Eventus belli dubius, auf jeden ungeraden Fall (wx4chen Gott
verhiite) konne man sich aufhalten, und musse nicht, wie die liebe
Stadt Speier, dem Feind zu Willen stehen : da dann ein einiger accord
(von Pliinderung und ganzhcher Devastirung, wie die Stadt Magdeburg
erfahren, nicht zu redeni mehr Schaden bringt, in einer Woche und
wenig Tagen, als die ganze Fortifikation kosten kann. Es baue doch

23*



356 GESCHICHTE DKR BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

ein jeder ihm selbst, seinem Weib unci Kindcrn, iind thue dadurch
was zu Erhaltung' aller seines zeitlichen Wohlfahrt, menschlicher
Weise davon zu reden, dienlich sein kann. So sei fiir ein sonderbares
Gliick zu halten, dass man einen solchen tapferen Mann haben konne,
dergleichen man vor diesem gewunscht, und mit grossen Unkosten
gesucht, jetzt aber olme sonderbare spesen erlangt, und in ziemlich
leidenlicher Besoldung behalten kann, bei dem man gesichcrt, dass
er keine Stimplerarbeit anfangen, sondern die Werke mit gutem
V^erstand und Fundament fuhren werde. Wir seien bisher so willig
gewesen, das gemeine Wesen zu befordern, warum wir dann jetzt,
da es an das privatum und an unsere eigene Stadt geht, die Hand
abziehen, Giiter und Miihe sparen wollten : und sei aber an dem, dass
je besser und richtiger die Werke gebaut, je weniger Volk werde zur
Defension derselben erfordert : es bleibe auch bei dem geschehenen
Vorschlag die Stadt in den zwei ersten Jahren geschlossen und die
neuen Werke unter dem Geschtitz von den alten dergestalt defendirt,
dass sich derselben kein Feind zu Vortheil und Nutzen gebrauchen
konne etc und was etwan dergleichen mehrers von den Fortifikations-
und Kriegsverstandigen verntinftig diskurirt wiirde, da uns unter Anderm
auch vornehmlich die Exempel unserer geehrten Vorfahren, und was
dieselben in gleichen Fallen etwa gethan haben, zu Gemiith gefiihrt,
sonderlich wie es in dem Jahr Christi 1475 beim Burgundischen Krieg
daher gangen, angezogen und dadurch uns Anlass gegeben worden
in unsern alten Protokollen und Registern aufschlagen zu lassen, in
welchen wii- auch so viel befunden, dass wir fiir eine Nothwendigkeit
erachtet Euch derselben denkwiirdigen Historic unter dieser wichtigen
Deliberation durch einen gefertigten Extractus ausfuhrlich zu berichten,
der lautet nun also :

Legatur Extractus N° 5 J)
Nun dieser alte Verlauf, liebe Freunde und Mitbiirger, und also
das Exempel unserer allerseits lieben Voreltern hat uns neben oben-
eingefuhrten verniinftigen Diskursen der Bau- und Kriegsverstandigen
nicht wenig verursacht, dass wir, bei der, zu Anfang dieser Schrift
proponirten Frag (ob man namlich diese Stadt besser fortifiziren
wolle; uns von der Affirmation und von dem Jawort nicht allerdings
absondern konnen, sondern haben dafiir halten miissen, wenn sich
allein die erschwinglichen Mittel erzeigen wollen, dass es rathsam und
wohlgethan ware, mehrere Bollwerke aufzufuhren, und die Stadt nach
dem Grundriss N° 3 in Defension zu setzen. Die Mittel aber belangend
haben wir dahin gedacht, dass dabei zum Theil auf die Cassa und

'; Anlage 12.



\ ANLAGEN. OO/

nothwendige \'ersehung derselben, /Aim Theil uber auf die Arbeit und
die Personen so solche verrichten sollen, zu denken sein werde.

Was die Cassa und Geldmittel betrifft, sind zwar in Eure und
anderer Ziinfte unlangst iibergebenen Bedenken allerhand gute Vor-
schlage geschehen, so wissen wir auch dass bei anderen Stadten zu
Auffuhrung solcher Fortifikationsgebau, etwan ein Wallgeld eingefordert,
etwan die Zolle erhoht, etwan das Ungeld vermehrt, etwan die Licenten
angestellt, etwan andere Extraordinarii Mittel praktizirt werden. Aber
wir erachten, dass wenn wir bei dieser Stadt den alten Pfad (doch
mit gewisser hierunten beschriebener massen), wandern, und vermittels
der durchgehenden Fron, wie bisher, also auch ins Kiinftige die For-
tifikation fortsetzen wiirden, dass es wohl der schleunigste, beste und
nicht so gar beschwerliche Weg sein mochte. — Das verstehet sich
also; welcher Burger die Fron, das ist fiir jede Fron in Geld zahlen
konnte, das vom selbigen das Geld eingefordert, und die Fron mit dem
Leib nicht angenommen werden sollte.

Dariiber mtisste nun auf alien Ziinften eine fleissige Sustraktion
und \'orbeschickung aller Ziinftigen angestellt, und in Beisein gewisser
deputirter Herren vernommen werden, wer diejenigen seien, so die



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