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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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Mittel mit Geld zu zahlen nicht haben konnen, denn da es moglich
ware, dass alle und jede Zunftige das Geld an statt der Fron erlegen,
ware es uns so viel besser, und zu Beforderung des Werks gar
vortraglich.

Nun sollte aber ferner ein jeder Ztinftige 'die Wittfrauen imd
Vogteien werden darunter auch gemeint) wochentlich zum wenigsten
ein Fron leisten, das thate auf ein Jahr, oder in 52 Wochen fiir jede
Fron abermalen 2 p gerechnet 10 fl. 4 p.

Und weil vermuthlich derjenigen viel sind, die aus patriotischem
Gemiith und aus rechter Treue und Liebe gegen diese Stadt von freicn
Stiicken, ein Mehreres thun werden, so ware denselben, wie auch denen,
die sich bei diesen Zeiten wohl niihren, oder sonsten von Gott vor
Andern mit zeitlicher Nahrung gesegnet sind, zuzumuthen, dass ein
jeder unter solchen etwas Weiteres leisten wollte. AA'as dann ein jeder
Zunftige also in Geld thun wiirde, et sei einfach, doppelt oder mehr-
fach, das wiirde auf ein ganzes oder doch ein halbes Jahr, wenn es
anderst nicht sein konnte, auf ein viertel Jahr zu antizipiren sein, damit
man gleich Anfangs ein nervum haben, und die Baucassa mit einer
erklecklichen Summe gefasst sein moge.

Hingegen ist er zuversichern, dass er fiir die ganze Zeit, fiir
welche er das Frongeld bezahlt, so viel die Fortifikation und Fronwerk
anlangt, giinzlich befreit, und unbeschwert sein wiirde; und ein gleichen
Prozess wie jetzt nach und nach von den Ziinftigen in dieser Stadt



358 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

ijemeldet worden, sollte man aiich mit den Schirmsverwandten allhier,
die keine eigenen Unterthanen haben, sodann mit der Stadt Unterthanen
auf dem Land gehalten, namlich es sollten nicht weniger alle diejenigen,
die das Geld fiir die Fron geben konnen, zu Erlag desselben obbesagter-
masscn angewiesen, die Ubrigen aber die Fron mit dem Leib zu leisten
angehalten werden. Damit auch diese Baucassa desto mehrens Rich-
tigkeit habe, und dabei schuldiger Fleiss und Treue angewendet werde,
so konnte man vier Herren aus den vier Regimentsstuben ordnen, die
wie sonsten bei bem Bauwesen Befehl und Ge^valt, also auch bei der
Cassa eine bestandige gute Aufsicht hatten, damit beides in Einnahme
imd Ausgabe beschehe, was an sich selbsten recht und billig, auch
gemeiner Stadt und Burgerschaft niitzlich sein wiirde. Sonsten ware
die Baucassa aufs Kiinftige, wie bisher geschehen zu vertrauen Johann
Friedrich von Gottesheim, und sollte derselbe schuldig sein je zu
halben jahren, namlich um Johannes Baptistae, und wiederum um die
Weihnachten vor ims und den Rathen und XXI. insgesammt gebiihr-
liche und spezifizirte Rechnung zu leisten. Und so viel von der Bau-
cassa und den Geldmitteln.

Anlangend nun ferners die Arbeit an sich selbsten und die Per-
sonen so solche verrichteh sollen, wiirde man darin, so viel die Aus-
steckung und Angebung der Werke betrifft, dem Fortifikationsmeister
Herrn Paul Morschhauser und dessen Conducteuren und Bestellten,
zuvorderst auch den vier verordneten Herren trauen miissen, doch
mitzusehen haben, dass die nothigsten Werke zuerst ausgemacht,
nicht zu viel auf einmal angefangen, und sonderlich dass vor alien
Dingen, das neue Bollwerk zwischen Kronenburg und Weissenthurm
zu volligem Stand gebracht werde.

Zu Beforderung der Werke wiirde merklich dienen konnen, wenn
es nur die Geldmittel zugeben wollen, dass man im X'erding arbeitet,
und einen jeden Werkmeister so ein \^erding in gewisser Zeit zu ver-
fertigen annimmt, fiir die Arbeiter und wie er solche besolde selbst
sorgen lasse.

Weil sich aber wegen mangelnder Geldmittel das Wenigste auf
solche Weise wird bauen lassen, so muss das Ubrige mit Fronern
geschehen, das wiiren nun die Ziinftigen und Schirmsvenvandten in
der Stadt, wie auch der Stadt Unterthanen auf dem Land, welche das
Geld fiir die Fronen zu bezahlen nicht vermogen.

So dann ist zu hoffen, dass der Stadt nachste Nachbarn und
sonderlich diejenigen, so zu Kriegszeiten allhier Schutz und Schirm
suchen, sich nicht beschweren werden, eine freiwillige Fron diuxh
ihre Unterthanen zu leisten, und wird sich durch solches alles ver-
hoffentlich die Anzahl der tagiichen 800 ]\hinn, welche Herr Morsch-



ANLAGEN. 359

hauser zu haben begehrt, wo nicht allcrdings vollig, doch gar nahe
finden lassen.

Allein wird mit Eifer imd Ernst zu verhiiten sein, dass an der
Fronarbeit niemand als Mannspersonen, und dieselben nicht unter
18 Jahr alt, passirt und zugelassen werden; dann man bislier erfahren,
was Schaden und Hindcrniss es bringt, wenn man junge Buben und
Magdlein, oder auch alte und unvermogliche Manns- oder Weibs-
personen zu den Werken geschickt hat.

Und auf solche Weise konnte vielleicht gehofft werden, dass das
Bauwesen bei dieser Stadt tapfer fortgehen, und die Perfektion dabei
in kiinftigen Zeiten ohne sonderbare Beschwerde der Biirgerschaft
erlangt werden mochte : vSonderlich wenn sich die bisherige beschwer-
liche Laufe iindern, man den Heben Frieden erwerben und wir bei der
Koniglich Schwedischen Donation ruhig verbleiben, auch durch selbige
Einktinfte die Mittel haben konnten, unsere liebe Biirgerschaft, beides
der bisher Extraordinari Beschwerden ganzlich, und dann bei den
Ordinariis auch so viel mogiich zu befreien.

Es wird aber endhch gleichwohl auch diejenigen nothwendig zu
gedenken sein, die bei dieser Fortifikation um gemeiner Stadt willen
an Giitern Schaden leiden werden; aber well man noch ztu" Zeit nicht
wissen kann, was es fiir Personen, auch wie weit es den Einen oder
den Anderen treffen mochte, sondern zuvorderst erwarten muss, dass
die Werke ausgesteckt Averden, so konnte vielleicht diese Frage und
deren Erorterung noch etwas verschoben, und die Sache dahin gestellt
bleiben, dass in ein sonderbares Protokoll alle diejenigen die solcher-
massen vSchaden und Abgang an ihren Giitern iibertragen miissen,
mit notliAvendigen Umstiinden aufgezeichnet, und hierniichst, was ihnen
fiir recompens zu thun sein, mit Euch unsern lieben Freunden und
Mitbiirgern berathschlagt, geschlossen und endlich ausgemacht werden
sollte.

Der Hebe Gott erhalte Euch sammt und senders bei bestiindiger
guter Gesundheit und anderem giiicklichem Wohlstand zu Seel und
Leib, der gebe uns auch allerseits bei dieser wichtigen Sache (in
welcher wir Euere verniinftige Gutachten durch miindliche Rekition des
Ober- und Rathsherren erwarteni zu thun und zu leisten dasjenige,
was seiner Allwissenheit, uns, Euch, und dieser ganzen Stadt niitzhch,
riihmlich und gut zu sein am besten bekannt ist. ')

•) Strss. Stdt. Arcli. V, 130. Es ist nur die Reclitschreibung der heutigen angepasst
worden, alles Uebrige stimint genau mit der Urschrift iiberein.



J60 r.ESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSRURGS,



12.

Bericht

Avas bei der StJidt vStrassburg- unter ^v;lhrendem Ruroundischen Krieg
in Anno 1475 und 1470 vorgeloffen.

Als um solche Zeit der Stadt Strassburg: viel \\'arnungen zu-
kommen, auch sie selbst aus dem was vorhergegangen, wohl gewusst,
was Herzog Karol aus Burgund, wider sie vorhatte, musste sich
endlich riisten, damit sie einer solchen Gewalt widerstehen mochte.
Dann Herzog Karl hatte sich gewaltig gestiirkt und uber 40000 Mann
bei einander. Da ging man zu Strassburg stets zu Rath und befand,
dass also viel Gebiiu vor der Stadt stunden, darin der Feind sich
enthalten und damit die Stadt iiberhohen und erobern mochte, da man
solche nicht abthun sollte, man da rin dem Feind zu widerstehen
nicht genug w^iire und kund man im Rath sich keines gewissen ver-
gleichen, bis dass mit Rath, Schoffen und Ammann erkannt worden,
man sollte etliche fromme redliche verstandige Manner wilhlen von
alien Rathen und denen befehlen, wie man die Stadt Strassburg mochte
bewahren, vor Herzog Karol von Burgund, und dass sie mogen ab-
brechen und bauen zum besten, es ware aussen oder innen der Stadt,
auch die Stadt mit Bollwerken, Biichsen, Pulver und Proviant zu ver-
sehen, wie sie es am nutzesten bedunkt das sollten sie thun schaffen,
und heissen thun, ohn manniglichs Einrede, es geschehe wie es wolle,
dazu sollen ihnen Meister und Rath, Schoffen und Ammann berathen
und beholfen sein. Und ware es, dass ihnen jemand einigen Eintrag
Oder Widerstand thun wollte, der sollte gestraft werden an Leib und
Gut nach geschicht der That, und sollte man da niemand verschonen
bei dem Eid, es ware edel oder unedel, reich oder arm, auf dass sie
desto freier der Stadt Strassburg Nutzen schaffen und vollbringen mogen.

Diese erwahlten ehrbaren Mann aus den Rathen sind vorgestellt
und bestatigt worden Montags vor St. Gallentag im Jahre 1475, die
gingen auch etliche Mai um die Stadt und fanden viel mehr Gefahr
und Schaden so die Stadt aus den Klostern, Kirchen, Hausern und
Gebauen vor der Stadt zugewarten, dann man zuvor'vermeint oder
angezeigt hatte. Darum handelten sie mit den Miinchen und Kloster-
frauen, dass sie sich gutwillig darein sollten ergeben, dass die Kloster,
Kirchen, Kapellen, und anderes Zugehor mochte abgebrochen werden,
in Betrachtung wann die Stadt durch solche Gebiiu sollte gewonnen
werden, so kame man nicht allein um die Kloster, sondern auch um
ihre Giiter. Das kilme nun die Miinche und Klosterfrauen sehr hart
an und wollten wegen ihrer wollustigen Oerter und Guter Gelegenheit,



ANLAGEN. 361

nicht gern Willen geben, unangesehen man ein Dispensation und Bulle
vom Pabst ausgebracht hatte (so noch vorhanden ist) dass man was
an Befestigung der Stadt hindert, abbrechen moge.

Als man aber befunden, dass es anders nicht sein konne, ist am
Montag vor "Martini in gesagtem Jahr, mit dem Abbrechen ein Anfang
gemacht worden, und sind im Waseneck 250 Hauser und Scheuern
abgebrochen. Im Schwaighof 100 Hauser und Scheuern. In Kurbau
60 Hauser und Scheuern. Im Finkweiler und bei St. Arbogast 100 Hauser
und Scheuern. Um St. INIarx, Spitalgrub und \'iehmarkt auch bei
St. Agnes 170 Hauser und Scheuern, also von St. Martins Abend an
im Jahr 1475 bis Lichtmess 1476. Das ist innerhalb 12 ^^'ochen Avurden
abgebrochen fiinf schone Kloster, zwei scheme Kirchen oder Kapellen
und 680 Hauser und Scheuern. Es wurden auch zugleich im Waseneck,
im Finkweiler, im Schwaighof, im niederen Teuch, auf dcr Kurbau
und Metzgerau alle Biiume abgeliauen und machte man alles ganz
eben.

Dienstag vor St. Katharinentag im Jahr 1475 hub man audi an
im Finkweiler am Wasser und machte noch ein guten Graben vor
St. Elisabeth, Spital bis zum Metzgerthor, und gingen alle Tage
800 Mann daran, die ihn ausfiihrten bis Mitfasten des Jahres 1476, der
Kosten auf 9000 Gld.

In der Zeit hat man sich auch geriistet und viel Pulver und
Biichsen gekauft, auch die Biichsenmeister dazu bestellt, und war man
also wohl geriistet, dass man meinte dem Herzog von Burgund stark
genug zu sein.

Man gebot auch alien Biirgern (die es vermochten\ dass sie auf
zwei Jahre sich sollten verproviimtiren, ein jeder fur sein Haus; auch
besahen die erwahlten ehrbaren Miinner und zeichneten auf alle Friichte
und Wein in der ganzen Stadt Strassburg, und befanden, dass man
fiir manniglich 10 Jahre genug Brod haben mochte, und fiir 3 Jahre
Wein zu trinken. Auch bestellten sie Gemiiss, als Erbsen, Linsen,
Bohnen, Hafermehl und Anderes, dass man 3 Jahre genug hatte, des-
gleichen Salz und Wiirz, viel Fleisch von Schweinen und Rindcrn in
grosser Menge gehauen und eingesalzen.

Nun auf den Neuen Jahrstag im Jahre 1476 war der Anstand mit
Herzog Karol aus, da wollte die Stadt Strassburg und die Bunds-
verwandten von ihm wissen, ob er Krieg oder Frieden haben wollte,
dessen hatte sich Herzog Karol nicht versehen, dass sie auf ihn dringen
wurden, sondern meinte, allweile er still sass, wurde man ihn zufrieden
lassen, das Avollten die von Strassburg und die Bundsverwandten nicht
thun, und wollten ihm nicht warten bis er sich genug gestarkt, und
sie danach mit seinem Vortheil angreifen moge. Dariiber ward Tag-



362 GESCHICHTE DER BEFESTIGUN'G STRASSBURGS.

satzunc," gehalten, und Gesandtschaft geschickt, auch von dem Rund
Anerbieten zu einem billigen Frieden gcthan, abcr alles umsonst.

Inmittelst hat man zu Strassburg' den ncucn Graben mit .Mauern
und Thiirmen zu bauen angefangen, auch befohlen St. Clara auf dem
Worth das Kloster mit einer Mauer, Zwinger und Graben auffiihren
und einen starken Thurm am Wasser zu bauen, in dem Sack dagegen
am Fischerthor, auch einen Thurm, das hub man damals alles an und
vollbracht es alles tapfer und glucklich.

Herzog Karl von Burgund riistete sich dazwischen und kam mit
grosser Pracht und 50000 bewehrten Mann, >ammt 423 Stiicken auf
Riidern ins Feld, dem zogen die Bundsgenossen entgegen, zu denen
die Stadt Strassburg (iber Voriges noch 400Pferd und 12 Stiick Btichsen,
mit allem Zubehor und Btichsenmeistern geschickt hatte. Die ver-
sammelten sich nun Freitags vor Invocavit und zogen gegen Herzog
Karl, der ihnen mit seiner ganzen Macht begegnet und sie mit grossem
Hohn anzufallen entschlossen war. Als man nahe zusammen kam,'j
fielen die Bundsgenossen mit weinenden Augen auf die Kniee, riefen
Gott an ihnen Beistand zu thun, denn ihre Macht war zu schwach,
und ohne Gottes Hiilfe all ihr ^^'ohlfahrt, auch ihr \^aterland, Weib
und Kind verloren. Als solches die Burgundischen sahen, riefen sie,
die Bettler begehren Gnade, lasst keinen hinweg, schlagt sie alle zu
Tod, die Bauern wollen kriegen, und wissen nicht wie sie es sollen
angreifen u. s. w. In das brachen die Burgundischen Reisigen zu den
Bannern der Bundsgenossen ein, da konnten die Burgundischen mit
den grossen Stucken nicht schiessen, dann ihr eigen \^olk war ihnen
vor ihr Geschtitz gekommen. Dieses \'ortheils gebrauchten sich die
Bundsgenossen und griffen die Burgunder auf der Seite mit solcher
Macht und Ernst an, dass sie anhuben zu weichen, und endlich das
Feld gar zu verlassen, da dann wider alle menschliche X'ernunft ein
herrlicher Sieg erhalten, und bei Auspliinderung des Bm^gundischen
Lagers ein unaussprechlicher Schatz erobert worden, der sich der
gemeinen Sage nach auf 3 ]\Iillionen oder 30 Tonnen Golds belaufen
haben soil. Unter Anderem bekam ein Strassburger 12 ganz goldene
Becher die 80 Mark Golds gewogen haben, gab sie weg um 6 Gld.,
sagt sie waren ihm zu schwer daraus zu trinken. — Um Ostern dieses
Jahres zogen die Bunds verwandten wieder heim, mit vielem Gut, und
brachten die von Strassburg IS Banner mit sich, die steckt man auf
im Miinster, dankten Gott fiir den Sieg, und befestigten die Stadt je
mehr und mehr.-)



' I Am Rande sleht, von anderer Hand gescbrieben : bei Vauhnarcq unfcrn von Granson
in Burgund.

■■*) Strss. Stdl. Arch. AA. 290. Bezuglich Wiedergabe gilt das bei der Anlage 11 Gesagte.



ANLAGEN. 36r



DECRET



Wegen Fortification Der Statt, unci auffgetragener Befehl, den fiinff
Darzu Verordneten Herren, De Anno 1634. Den 2. August, 'j

Wir Bernhardt von Kageneck Der Me3^ster vnd Der Rhat dess
He^iigen Reiches freyen Statt Strassburg, sambt vnseren Freunden
den Ein vnd Zwentzig \'rkunden hiemit, vnd fiiegen alien Denen,
welchen Dieser vnser offene brief f Zusehen, Zulesen oder Zuhoren
vorkhombt, Zuuernehmen ; nach dem ohnlengst von vnss auch vSchoffen
vnd Ammann Dieser Statt, vff vorhergegangene vielfaltige beraht-
schlagung, endlich geschlossen worden, dass Diese vnsere Statt mit
wiihlen, Boll- vnd Aussenwercken mehrers verwahrt werden solle, Zu
welchem ende Dann auch neben bestellung eines Ingenieurs vnd
anderer Bauwverstandigen Zugleich auss vnserem Mittel fiinff Persohnen
Verordnet worden, Namlichen die Edel, \>st, frombe und weise Georg
Jacob Wormbser, alter Stettmeyster vnd Dreyzehner, Heinrich Trausch,
alter Ammeister vnd Dreyzehner, Joachim Brackenhoffer, Fiinfzehner,
Christian Schell, Lediger Ein vnd Zwantziger, vnd Jacob Kipss, bey-
sitzer Dess Grossen Rhats, alle sambt vnd sonders mit gewaldt vnd
befelch Zuthun Dass Jenige, so Zu erlangung obangedeuten mehrern
verwahrung Der Statt nothwendig, dienlich vnd Niitzlich sein wiirdt:
Vndt Sie aber dieser tagen be}' vnseren Regierenden Ammeister an-
gebracht, dass Ihnen bey solchen Ihren verrichtungen allerhand einred,
sonderlich von Denen geschehen wolle, deren Gutter, Acker vnd
Garten angegriffen vnd bey auffiihrung Der AA^erck, Zu befarderung
gemeinen Nutzens gebraucht werden miissen : besorgten auch Da Sie
noch welters gehen, vnd mehrere gutter bey den Vbrigen wercken.
Die noch aussgesteckt werden sollen, endzihen wiirden, Dass sich Der
Vnwill gegen Sie Vermehren, vnnd Ihnen allerhandt vngelegenheiten
Daher Zuwachsen Dorfften, welches aber In \^ngiistlich Mid vnbillich
were, well Sie In solchem allem nicht Ihren, sondern Den gemeinen
Nutzen befordern, vnd Darin nichts anders thun noch vornehmen, alss
wass Ihnen Durch vnsere auch Schoffen vnd Ammann Erkantnus an-
befohlen, vnd Sie mit Vieler miihe sorg \^nd Arbeit verrichten miissen.
Dahero Sie Den \'erhoffen, wir wiirden Sie entweder solchen be-
schwerlichen Ambts vnd befelches widerumb erlassen oder Doch
Dergestallt verwahren, Dass Sie gegen alle vnd widerige begegnussen



') Nur die Abkiirzungen sind aufgelijst, im Uebrigen genau mit der L i schrift iibei
einstimmend.



364 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

gesichert, vor schaden, gefahr vnd verlust bcfrcyet sein moiicn, Wir
Sie dann vmb Eines oder dess Andern Instendiy gebetten habcn wolten.

Wann wir dann angesehen, solche Ihre bitt vnd gar billich Zu
sein erachtet, dass Sie vnsere Liebe Gehaime vnd Mit Rhatsfrcundt
begehrtermassen gesichert vnd befreyet sein sollen, bevorab weil wir
bissher Im werck verspiiert, Dass Sie Dem endpfangenen befelch, vnd
vnserer Auch Schoffen vnd Ammann Erkandtnus mit guhten trewen
Eyfferichen fleiss vnpertheyisdier billichkeit vnd verniinfftiger Anstallt
riihmblich nachgelebt, auch nicht Zweyflen, dass Sie ebenmessig vffs
kiinfftiges ein gleiches thun vnd Dess den \'()rhabenden Zweck Zu-
erlangen, Sie sich eusserst bemiihen werden.

Alss haben wir Darauff vnsere hievorige Den Ersten tag Marty
dieses Jahrs ergangene Erkandtnuss vnd verordnung widerholt, vnd
obernande funff Personen vnsere Liebe Gehaime vnd Mitt Rhatsfreund
Zu diesen Verrichtungen von NeAven bestetiget vnd Confirmirt. Con-
firmiren vnd bestetigen Sie auch hirmit krafftiglich, vnd geben Ihnen
befelch vnd Gewaldt, bey mehrangezogener Fortification Vnd ver-
Avahrung Diesser Statt, In ausssteckimg vnd aufffiihrung der Wahl,
Boll : Vnd Aussenwerck, \^nd In anderen so hirzu nohtwendig sein vnd
erfordert wurde Zuthun, Zulassen,Zubefehlen,Zuuerwehren, einzuziehen,
abzuthun, Zu bauwen vnd Zumachen, auch alle andern nothurfftige
bestellungen Zuuerfiiegen, wie Sie Jeweilen nach Ihrer besten verstend-
nus befinden werden, gemeiner Statt nutzlich A^nd Ehrlich, auch Zu
erlangung Dess Endts, befurdersamb Amd dienlich Zu sein, A^d solches
ohn eiitiges Zuriickbringung, Es Avere dann, dass es so merckliche
Sachen belangen thete, Darinnen Sie Rhates Zusuchen selbst nothiirfftig
zu sein erachten wiirden, so sollen Sie vff solchen fall Rhates Pflcgen,
bey Den Herren Dreyzehn, oder bcA' \^nss den Rhaten, vnd Ein vnd
ZAventzigen, Ava Sie In bediinck nach gestellt der Sachen aller auss-
traglichst zu sein.

Wir die Rhat vnd Ein vnd Zwantzig, AVoUen auch Sie obernante
vnsere Liebe Gehaime Vnd Mitt Rhatsfrcundt In allem Dem, Avass
Sie sambtlich oder Der mehrers theil A'nder Ihnen In diesen Ihnen
anbefohlenen sachen, mit oder ohne vnseren Rhat, thun erkennen vnd
A'ornehmen Averden festiglich handthaben, so best Avir mogen. Da

Ihnen auch sambt oder sonders wider bessere Hoffnung einige be-
le3^digung, ahn Ehr, Leib oder Guht In Diesen Ihren \'errichtungen,
ZuAvachsen solte, Avollen Avir Sie nach billigkeit Schadloss halten, auch
solche schadlosshaltung Ihnen hirmit gegenmenniglichen bester V^nd
bestendigster formb, Zugesagt Vnd A^ersprochen haben. Vnnd sollen
Ihnen noch ferners der Lohner Vnd alle Der StattAverckleuthe, so offt
Sie Die besenden Vnd Vor sich erfordern, gehorsam leisten, A'nd ver-



ANLAGEN. 365

richten alles, wass Sie Ihnen Dan befehlen werden. Wann be-

schliesslichen Sie Vnsere Liebe Gehaime vnd mit Rhatsfreundt In der
Statt Dienst Dass beste thun, vnd In diesen Ihren Verrichtungen
bemtihet seindt, so sollen Sie In selbiger Zeitt, alss Sie solcher geschefft
halben beladen, nicht Zuschaden kommen, Umb Versaumnusgeldt
weder be}' den Rhiiten, noch den Dre^'zehen, Fiinffzehen oder Ein
vnd Zwantzigen. \^nnd solch alles nach dem Exempel \"nserer Lieben
vorfaren, die Zur Zeitt dess Burgundischen Krieges Im |ahr 1475.
feria Secunda post omnium Sanctorum, Denen Damals Zu X^'erwahrung
Der Statt geordneten Personen, ein gleichmassiges anbefohlen, Ver-
sprochen, eingewilliget Vnnd gegonnet haben. Zu X^rkund ist Vnserer
Statt grosseres Insigel an diesen Brieff gehangt, Der geben ist
Sambstages Den 2. August Im Jahr Christi 1634.

L. S.

Dass gegenwertigs Cope}' Dem rechten Wahren vff Pergamen
geschriebenen mit der Statt Strassburg angehangten grosserem Insigel
aussgefertigten Vnnd Herrn Stettmeister Georg Jacob Wormbser Zu-
gestelltem original collationanto \'on wortt Zu wortt gleichlautend be-
funden worden, bezeugt kraft disses

Signatum den 2. Augusti Anno 1634.

Unterschrift unlescrlich.
L. S.'j



14.
[Entwurf fur die Bestallung iMorschhilusers.]

1. Der Statt Treuw vndt Holdt Zu sein, Ihren schaden Zu
warnnen, Nutzen Zufiirdern. ^;

2. Geheimb ZTihalten, Alles wass man von der Statt heimblig-
kheit einen oder andern orths, sehen, horen oder erfahren wiirde.

3. Beim fortificationswesen In der Statt vnd Dero Passen etc gueten
Rhat Zu ertheilen, vorschlag Zugeben, grundriss Zufertigen etc.

4. Wann ein bauw Ausszufiiehren, geschlossen ist, Dabiei) Ahn-
ordenung Zuthuen, Dass solches fiirderlich, vleissig, niitzlich vndt auff
Das gespahrsamste geschehen moge.



' K. Univ. 11. Lndsbibl. li, 667. — Das nnhangende Siegel hat 4,5 cm DuichmessL'r und
zeigt die Mutter Gottes mit dem Christuskind unter einem Tlironhimmel, zu Fiissen das
Strassburger Wappenschild. Umschrift : S. Secretum. Civitatis. Argentinensis. 1632., alles in
Majuskeln.

-) Nur die Abkiirzungen sind aufgelost.



366 GESCHICHTE PER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

o. Sich be}' Den gebeuwen etwan Personlich Zu befinden, so
weyt Er meinen wiirde Dass es die nothdurfft erfordere, vndt Dess-
wegen von vndt Zu Zurcitten.

6. Dichtige vndt erfahrene Personen, so vil man Iheweilen Zu
den gebeuwen von nothen haben wurdt, gegen billicher besoldung
Ahn handt Zubringen.

7. Auf erfordern alhero Zu erscheinen.

8. Auf Den nothfall vndt Da Dise Statt wiirklich attaquiert
werden sollte, Personlich Alhie Zubleiben; Da man sich Dann einer
mehrern besoldung Zu vergleichen hatte.

Ein anderer Entwurf stimmt mit \^orstehendem ungefahr iiberein;
er weicht in Folgendem ab :

zu 3. Am Ende ist noch zugesetzt : vnnd Alsso Die Direction vnd
Inspection Der werckhe haben.

Punkt 4 fehlt. Es steht am Rande : hier mangelt ein punct,

zu 5. vor „gebeuwen" ist : fortifications — , vor „Zubefinden" :
Alhier eingeschoben; statt des Schlussatzes ,,vndt Dess wegen . . ."
heisst es: vnnd soli er Macht haben bey Der? (man konnte Ai-mee
lesen) oder Anderer Orten seiner gelegenheit vnd Dienste gleich
Mosig Ab Zu warten.

zu 6. vor ,, gebeuwen" ist wieder : fortifications — vor ,,Ahn
handt" : souil Miiglich eingeschaltet.

zu 7. vor ,, alhero (hier anhero i" eingeschaltet : In erhe3'schenter
Noturfft.

zu 8. „vnd Da" fehlt, vor „Zu vergleichen" ist : nach Kriegs-
brauch eingeschoben.

Es folgen dann noch 3 Punkte ( weil Punkt 4 fehlt als : )

8. wen Kriegs Raht gehalten vnnd er Dar Zu erfordert wiirde
soil er mit beysitzen vnnd eine Stimme gleich Andern haben.

9. Da Audi bey einer Kriegsverfassung oder besorglichen
Atacquen ^lann einige Newe werbungen An Stolen wiirde, soil es
Ihme frey stehen eine frey Compagnie oder Andere Charge nach
belieben An Zunehmen, vnnd Also seiner vorigen Dienste Dordurch
nichts entzogen oder benommen sein.

10. soil er sich Auch versprechen solche Dienste (hier ist die
Stelle fiir die Zahl freigeblieben) Jahr Aneinander folgent Zu Conti-
nuiren, vnnd wan es einen oder Anderen theyll nicht wej'ter gelegen,
soil es, einer Den Andern ein halb Jahr Zuuor vff ktinten. *)



>) Strss. Stdt. Arch. (i. U. P. 1 14, 6.



ANLAGEN. 367



15.

Vorschlag- Weo:en der Fortification Zue Kehl. ')

1. \A'ass vnd wieviel Ahn fortificirimg" solches Passes gelegen so
wohl ins gemein, alss Der Statt ahn Ihr selbsten, werden Die Herren
bey sich genugsam ermessen konnen.

2. Wan dann nohtwendigk erscheindt solchen Pass mitt wercken
Zuversehen, als se3^ndt Derselben Zweyerley. 1. Dass man schlechtlich
Dem Land vn Wasser folge, so sich an Ihm selbsten etwass flan-
quiret, vnd mit einer Brustwehr vndt Panquett bloss vffs Landt ver-
fertigte gleich Dem Profill mitt A vorzeichnett. so Zwar Das Ringste



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