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Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

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311 sagt 1784);

das Burg- oder Jung St. Petersthor, auch inneres Steinstrasserthor,
urspriinglich porta St. Petri junioris genannt, am Ende der heutigen
Blauwolkengasse, 1783 abgebrochen (wie vori;

das Bischofsburge- oder Speyerthor, an der heutigen Kronen-
burger Brucke, 1783 abgebrochen (wie vori;



1) Diese Zeichnung isl auch in Seyhoth, D. a. Suss, und in Slrss. u. s. B. wieder-
gegeben, jedoch in kleinerem Massslab und stiickweise.

-) Nach alle Dem ist es mir unerklarlich, wie v. Pollnilz sagen kann, dass die Thiirme
vor die Mauer vorsprangen und hinten offen waren.

*) In der Urkunde Bischof Heinrichs vom Jahre 1259, belretTend das VerlxiL des Ueber-
bauens der Almende vom Steininburgelhor bis Waseneck (Strss. U. B. 1, 327). Das Waseneck
lag vor dem Judenthore, da wo sich heute der Kaiserplatz mit Umgebung befindet.



28 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

das Zollthor, auch x\lt St. Petersthor, ' i an der ehemaligen Zoll-,
heute Weissthurmbriicke gelegen und dicht vor dem Thore der ersten
ErAveiterung- erbaut, 1783 abgebrochen wie vor ;

das Elisabeththor, in der Elisabethgasse, zwischen dem heiitigen
Landgestiit und dem Diakonissenh[ius, so genannt, well von hier die
Strasse zu dem bei der zweiten Erweiterimg ausserhalb der Stadt
liegen bleibenden St. Elisabethkloster fuhrte;-i

das Bilndethor, am Westende des heutigen Spitals, der Thurm
noch erkennbar; bei \'erlegung des Spitals in die Stadt, um 1302
geschlossen ;

das Spitaltlior, aucli Fraiienbriiderthor, noch vorlianden. Silber-
mann vermutliet, nicht ohne Grund, gesttitzt auf eine Angabe in den
sogenannten Kollektaneen des Ammeisters Wencker, ^i dass dieses
Thor urspriinglich neben i nicht wie v. Pollnitz sagt ,-,in"' tlem noch
zu erwahnenden halbachteckigen Thurm am Spital gelegen und seinen
jetzigen Platz erst in Folge \"erlegung des Spitals in die Stadt erhalten
habe. An der alten Stelle tuhrte es den Namen St. ISlarxthor. * i Dieses
vom Ammeister Wencker erwiihnte Thor lag also nicht in, sondern
neben einem der alten Stadtthiirme, da der halbachteckige Thurm
einem solchen vorgebaut worden ist. Es ziihlte offenbar nur unter die
Pforten und diente dem \"erkehr mit dem ebenfalls bis 1392 vor der
Ringmauer gelegenen Spital r^i

das Metzgerthor, am Ausgange der heutigen ^iletzgerstrasse auf
den Metzgerplatz, 1770 abgebrochen.

Ausser diesen Thoren erwiihnt 'Specklin'^i noch das Schilkenthor,
das zwischen Burg- und Judenthor gelegen haben muss. Silbermann ^ i



*) Das Thor hless zuerst Alt St. Petersthor, beide Nanien scheineii aber auch nebeil*
einander gebraucht worden zu sein, da in einem Verzeichniss der in der Stadt befindliclien
Stallungen vom Jahre 1478 (Strss. Stdt. Arch. AA. 298) der Name Alt St. Petersthor in ZoU-
ihor umgeandert ist, der Name Zollthor aber schon im Jahre 1314 vorkommt (Strss. G. u. H.
N. V. 1888, 131).

2) Der Thurm muss zwischen 1734 imd 1765 abgebrochen worden sein, da er auf einem
Plan von 1734 noch vorhanden ist, auf einem solchen von 1765 nicht mehr erscheint. Es ist
unrichtig, wenn Seyboth, D. a. Strss. 177 sagt: Der Thurm sei 1657 — 1658 abgebrochen und
das Thor erneuert worden. Wie soil man das iiberhaupt verstehen, wo das Thor doch im
Thurme lag? Es hat hier eine Verwechslung mit dem ausseren Elisabeththor im Zwinger
stattgefunden, das allerdings 1657 in Folge Baues des Elisabethbollwerkes einging. Das eigent-
liche, innere Elisabeththor, um das es sich hier handelt, ist iiberhaupt niemals ganzlich
geschlossen worden. Seyboth, a. a. O. sagt iibrigens selbst, dass die Briicke vor dem Thore
erst 1829 abgebrochen worden sei, als man den Graben zuschiittete.

■*) Silbermann 67.

*) Seyboth, D. a. Strss. 188.

^) Das Spitalthor ist also der Ersatz fiir die neben dem halbachteckigen Thurm gelegene
Pforte zu St. Alar.x und das Bilndethor, nicht fiir dieses allein, wie man aus Seyboth, D. a. Strss.
189 schliessen konnte, auch war die Vermauerung im Jahre 1332 nur eine voriibergehende.

*^) Fragm. Specklin 839. — ^) Silbermann 59.



DIE THORE. 29

vermuthet, dass es da g-estanden habe, wo naciimals der Thurm stand,
an dessen Stelle sich jetzt die Schopflinschule bcfindet. Als Griindc
fiir seine Annahme fuhrt er an, dass der in Rede stehende Thurm mit
der Mauer nicht im X'erband aufgefiihrt, also wohl spjiter als diese
erbaut worden sei, dass sich nirgends sonst Anzeichen eines Thores
gefunden hatten und dass die Schiltigheimergasse, wenn auch nach-
mals nilchst dem Thurme ^-erbaut, auf diesen zufuhre. Wenn Silber-
mann ferner annimmt, dass die Gasse ihren Namen erhalten habe, weil
man dmxh sie nach Schiltigheim ging, so ist schon in den „Strassbiirger
Gassen- und Hauser-Namen" bemerkt worden, dass diese Annahme
irrig ist und dass die Gasse ihren Namen von zwei Biirgern Bero und
Conrad von Sciltensheim fuhrt, denen sie im Jahre 1258 von der Stadt
verkauft wurde. Aber ist es denn nicht moglich, mochte ich fragen,
dass auch das Thor von diesen Familien Sciltenheim den Namen er-
halten hat? Das liegt doch so nahe. Und sollten diese Familien Scilten-
heim nicht auch mit dem Dorfe Schiltigheim in irgend welcher Be-
ziehung gestanden haben? Dass an der niiher bezeichneten Stelle
anfangs ein Thor gestanden hat, welches man erst spJlter wegen der
Niihe des Burgthores oder aus sonstigen Griinden eingehen liess, kann
man auch daraus abnehmen, dass dem Thurme der Ringmauer gegen-
iiber, auf dem weiter untcn erwahnten Zwinger oder sogenannten
Falschen Wall, ein zwciter Thurm stand, der sehr wahrscheinlich eben-
falls urspriingiich ein Thorthurm gewesen ist. Von ihm aus fiihrte
nicht nur eine Briicke uber den Tiusseren Stadtgraben, sondern seine
Riickseite zeigt nac-h der Spccklinschen Zeichnung von 1564 auch zwei
offene Thorbogen, die einem gegeniibergelegencn Thor in der Stadt-
mauer entsprochen haben wiirden. Auffiillig ist es bios, dass es zwei
Thorbogen sind, wahrend allc iibi-igen Thore nur einen solchen be-
sassen. Aber was fiir einen andcren Zweck sollten diese Thorbogen gehabt
haben? Das ist schlechterdings nicht zu sagen. Ich halte es deshalb
fiir sehr wahrscheinlich, dass das \-on vSpecklin erwahnte vSchilkenthor
an der Stelle der heutigen Schtipflinschule gestanden hat; es mag ja
nur eine Pforte gewesen sein.

Neben den Hauptthoren gab es eine Anzahl Pforten oder Thor-
lein, die indess wohl nicht alle A'on vornherein vorhanden waren,
sondern erst nach Bedarf nach und nach angelegt worden sind. Es
waren dies :

das Steinthorlein, spilter Thorlein bei Stolzeneck und St. Stephans-
Thorlcin genannt, am Ende der heutigen Steingasse, 1246 als ,, porta
quae tendit ad balneam stubam" bezeichnet, 1776 beseitigt;')



*) Hermann I, 31 1.



30 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

das St. Andreas-Thorlein, neben der St. Andreaskirche, an dercn
Stelle im Jahre 1746 ein Kapuziner- oder Franziskanerkloster erbaut
^^-urde, das heute dem Bekleidung:samt X\\ Armeekorps iiberwiesen
ist. Die Pforte ging- beim Bau des Klosters im Jahre 1740 ein;

das Waldnerpfortchen, * < in der Mauer hinter dem Begrabnissplatz
der Juden geiegen, an dessen Stelle sich spater der Stadtmauerhof
befand und heute der Statthalterpalast steht;

ein Thorlein z^\ischen dem franzosischen und Diiumelthurm, in
dem kleinen Knick, den die Stadtmauer unmittelbar rechts vom Diiumel-
thurm machte, also der Siidwestecke des heutigen Tabackmagazins
gegeniiber. VieUeicht war es die ,,Goldere porta dicti", die im Jahre
1272 erwahnt wu'd. -i Dies Thorlein sieht auf Silbermanns Plan XII
wie eine breite Pforte aus, diuxh die man auf einer Rampe zum Stadt-
graben gelangen konnte. Auf der Specklinschen Zeichnung von 1564
ist es nicht zu erkennen, wird jedoch in vielen alteren Planen ange-
geben und ist nicht mit dem Finkweilerthorlein zu verwechseln. Speck-
lin erwahnt iibrigens zwei im Finkweiler gelegene Thorlein, als er
iiber die Massregeln berichtet, die im Kriege des Jahres 1392 zur
Sicherung der Stadt getroffen wurden ; -^

das Finkweilerthorlein, im Finkweiler- oder Daumelthurm, am
Ende der heutigen Daumelgasse;

eine Pforte im Blatterhaus- oder Kagenthurm, der hinter St. Marx
stand, der nachste Thurm gegen St. EHsabeththor hin;*i

das Utenthorlein, am Ende der Uten-, heute St. Magdalenen-
gasse, 1779 beseitigt;

eine Pforte im Guldenthurm. Spater lag sie neben demselben
und gelangte man von ihr durch den vorgelegenen Zwinger — das
Utengimglein genannt — iiber den Katzensteg in die Krutenau.

Beziiglich der Stadtthiirme, in denen sich keine Thore befanden,
weichen die vorhandenen Plane vielfach von einander ab, es lassen
sich jedoch durch sorgfilltige \'ergleichung derselben und des Modells
im Zeughause zu BerUn, sowie mit Hiilfe eines aus den Jahren 1473



'j Vielleicht ist dieses Pfortchen mit „Hetzel Marxestorlin" identisch, das in einer
„Ordnung iiber Besetzung der Stadtmauer, Thore und Mauerthiirme zu Kriegszeiten" im Jahre
1388 und 1389 genannt wird (Strss. U. B. VI, 262), denn das Thorlein lag zwischen Judenthurm
und dem Steg am Andreas-Thorlein.

•^) Strss. U. B. Ill, 17.

') Fragm. Specklin 1760.

*) J. Bemhard gibt in den „Mittheilungen" X. 196 an, dass sich diese Pforte im nachst-
folgenden Thurm befunden habe, es muss dies jedoch ein Irrthum sein, da Silbermann aus-
driicklich bemerkt, dass der betreffende Thurm schon lange abgebrochen sei, wahrend der
Thurm an der heutigen (Jestiitsgasse oder Speicherstrasse, den Bernhard meint, erst nach i860
abgebrochen worden ist.



DIE EIXFACHEX MAUERTHCrME. 31

Oder 1474 stammenden Geschiitzaufstellunosplanes ' i folg-ende Thiirmc
feststellen :

Der kleine halbrunde Thurm neben dem Steinthorlein, der offen-
bar noch von der Rina^mauer der ersten Erweiterung stammte und
wohl beim Ban des heute dort stehenden Eckhauses abgebrochen
sein wird;

der Andreasthurm, an der Stelle der nachmaligen Franziskaner-
kirche, 1746 abgebrochen;

ein Thurm an der Ostecke des heutigen Statthalterpalastes, iiber
den Fundamenten eines romischen Thurmes erbaut, 1730 abgebrochen
und 1474 als Thurm auf der Hofstatt bezeichnet ;

drei Thurme zwischen Juden- und Burgthor. Der erste derselben
ist noch im Ciebilude des Artilleriedepots zu erkennen und hat nur
5,70 m im Quadrat, der zweite 1545 abgebrochen ~ besteht noch
in seinem Unterbau in der Mauer des Schopflinstadens, der dritte
stand an der Stelle der heutigen Schr)pflinschule, da, wo das Schilken-
thor vermuthet wird, diente bis zum Jahre 1681 als Gefangniss fiir
die Landsknechte und Stadtsoldner und Avurde 1853 abgebrochen.-)
Der zweite, bezw. dritte Thurm wird im (Jeschutzaufstellungsplan
von 1474 als Thurm in St. Clarengartcn bczw. in Burggasse bezeichnet,
letzterer schon so im Jahre 1334;

drei Thurme zwischen Burg- und Spe\'erthor. Der Thurm n;ichst
dem Burgthor, 1474 Merrn Steffan Wurtzgartes Thurm genannt, stand
noch im jahre 1()80, der mittlere Thurm, zwischen Nussbaum- und
Zaunkoniggasschen ist noch im Phm von 1765 vorhanden und soil
nach Seyboth im Jahre 1S90 noch erkennbar gewesen sein, der Thurm
niichst dem Speyerthor aber ist wohl zwischen 1577 und 1617 abge-
brochen worden. Der Thuim zwischen Nussbaum- und Zaunkonig-
gasschen heisst im (ieschiitzaufstellungsplan von 1474 Thurm im
Dummenloch, derjenige n;ichst dem Speyerthor aber Thurm im Hofe
des Abtes von Nuwiler;

zwei Thurme zwischen Speyer- und Zollthor, deren Unterbau
noch Ende der siebenziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu erkennen
war und die etwa dieselben Abmessungen besassen wie der Thurm
am Artilleriedepot.\) Derjenige niichst dem Spe3^erthor hiess des
K(»ffelins Turn, des Kouffels Thurn, auch Goffelsthurn, dann — 1474
— auch Herrn Claus von Grosesteins Turn, den andern hatte im
Jahre 1330 die Edle Metza von Sehsselsheim, Wittwe des Junkers



V Strss. Stdt. Arch. IV, 29.

^j Abbildung bei Piton II, F. 4.

^) Ebenda F. 100.



32 GESCHICHTE DER TiEFESTIGLXG STRASSBURCS.

Johann Schultheiss in Besitz,') 1474 winl cr als Clans \^ihe1s oder
\'attcr \ihcls Turn bezeichnet;

drei Thiirme zwischen Zollthor und 111. Der erste diescr Thiirme
wird 1474 als Martins des Rathsboten Thiirm bezeichnet, der mittlere
steht heute noch an der Sehlachthausbriicke und hiess 1474 Stoekels
Thurm, dann ;iuch des Henkers Thurm, dass alte Stockhaus u. s. w.-)
Derjenige zuniichst den oedeckten Briicken wurde im Jahre lo88 als
Griinecke der Spitz bezeichnet und spiiter Wasser-, Maltzen- oder
Almosenthurm^'i oenannt und ist im Jahre 1869 abgebrochen worden.
Mi\n fand auf der Sohle seines Kellergeschosses einen Schacht von
1,20 m Durchmesser, dessen Abdeckung' die Annahme gerechtfertigt
erscheinen liisst, dass man es mit einem Aborte zu thun hat;*)

zwei Thurme zwischen den gedeckten Briicken auf den Inseln
der 111, noch heute vorhanden. Sie dienten bis zum Jahre 1823 als
C'.etTmgniss und hiessen 1388 Heintze Wahsichers- und Rulmannes-,
1474 Heinrichs- bezw. Hans von Altheims-Thurm ;

der sogenannte franzosische Thurm, am ehemaligen Militararrest-
haus, heute kleine Schleusenkaserne, noch vorhanden, 1392 Steffen
Heitzemannes Thurm, 1474 Hannemanns Thurm auf dem Denne ge-
nannt und wohl mit dem Knopheten- bezw. Dimerlingsthurm von 1388
idcntisch;

der Daumelthurm, auch Finkweiler- oder Finkenthurm genannt,
am Ende der Daumelgasse, so genannt, weil in ihm die Folterwerkzeuge
aufbewahrt wurden, 1790 abgebrochen. Die Stelle, wo er stand, soil
durch grosse Pflastersteine bezeichnet gewesen sein^j und ist jetzt
durch zwei weisse Schraglinien im Pflaster vor dem Hause Nr. 2
kenntlich gemacht/'i Dieser Thurm muss mit dem Thurm ,,zu den
Undiirftigen" identisch sein, den Hegel I (VIII), 88 erw;ihnt und in
dem Conrad von Schuttern gefangen gehalten wurde;

der Blatterhausthurm, hinter St. Marx, schon vor Silbermanns
Zeiten abgebrochen. 1356 St. Marx Thurm, 1474 wird er nur bezeichnet
als der Thurm ,,do Kagen Jerge vff gesessen", seine Reste wurden
zu Anfang des 19. Jahrhunderts beseitigt;

ein Thurm am Ende der heutigen Gestiitsgasse, nach 1860 bei
Gelegenheit der Erbauung der Speicher von St. Marx weggebrochen.
Seine Fundamente wurden hierbei stark gerissen und Aon der vStadt-



') Strss. G. 11. H. N. v. 1871,

2) Seyboth, D. a. Strss. 93.

3) Ebenda 91.

*) „Mittheilungen" X, 4.

5) Ebenda X, 196.

") Seyboth, D. a. Strss. 170.



DIE EINFACHEX MAUERTHURME. 33

mauer abgetrennt vorgefunden und diirfte seine Baufalligkeit wohl
der Grund gewesen sein, dass er schon fruhzeitig niedriger gemacht
worden ist, wie die Specklinsche Zeichnimg von 1564 erkennen lasst;')
1474 hiess er Riilen des Rathsboten Thurm;

zwei Thurme zwischen Elisabeth- und Biindethor, erst nach 1860
beseitigt.-i 1388 und 1474 wurde derjenige nachst dem Elisabeththor
als Caspar Barpfennigs-, der Thurm des Biindethors als Elhartzthurm
bezeichnet, derjenige nachst dem ehemaligen Bundethor aber Thurm
in des Begers Garten genannt. Von diesen Thiirmen werden zwei
im Jahre 1388 Mtinchehns- bezw. des T\yingers Thurm genannt, dieser
auch noch so im Jahre 13Q7;

ein Thurm zwischen Biinde- und Spitalthor, im Spitalgebilude noch
erkennbar, hinter dem halbachteckigen Thurm, 1 474 Spitalthurm genannt;

ein Thurm genannt Roulenderlins Thurm, 1340 und 1358 Thoman
Ho3^ers Thurm, 1388 Peter Bersters Thurm, 1474 Mathis Schollen Thurm,
am Anfang der Gasse ,, Hinter den Mauern", unweit des Spitalthores,
heute zum Wohnhaus umgebaut. Aus dem nahen Zusammenstehen
dieses und des Spitalthorthurmes kann man ebenfalls schliessen, dass
letzterer spater erbaut worden ist, da es im hochsten Grade unwahr-
scheinlich ware, dass man umgekehrt dicht neben dem Thore einen
zweiten Thurm erbaut hiitte;

ein Thurm in der Gasse ,, Hinter den Mauern", Kreuzthurm genannt,
1770 abgebrochen ; ■^)

ein Thurm links neben dem Utenthtirlein, aut dem Grundstiicke
des ^^'aisenhauses. Er erscheint in der SjU'cklinschen Zeichnung von
1564 ebenfalls niedriger als die iibrigen Thurme, sodass man annehmen
mochte, er sei wegen Baufalligkeit theihveise abgebrochen worden.
In einem sehr genauen Plan aus dem jahre 1617 ist der Thurm nicht
mehr zu sehen, ebensowenig in alien neueren, sodass man seine giinz-
liche Beseitigung zwischen 1577 und 1617 setzen muss; 1474 wird er
des Blenckels Thurm genannt;

der Guldenthurm,^/ mit dem die Befestigung des rechten lllufers
unterstrom endigte, 1873 74 abgebrochen.



1) Seyboth lasst diesen Thurm schon lange vor 1775 beseitigt sein, ich berufe mich
aber auf die „Mittheilungen" X, 196 und die im Archive der Kaiserlichen Fortifikation be-
findliche Aufnahme der Stadt vom Ende der fiirtfziger Jahre des 19. Jahrhunderts.

'''•) Seyboth gibt in seinem Plan von 1765 nur noch den Thurm nachst dem Elisabeth-
thor an, ich stiitze. mich aber auch hier auf die vorerwahnte Aufnahme.

^) Seyboth, D. a. Strss. 194, wohl mit dem ,,\viisten Thurm" von 1388 bezw. mit „des
Quingers Thurm" von 1390 identisch (Strss. U. B. VI, 262 bezw. VII, 713).

*) Abbildung bei Piton II, F. 15 und in den „Mittheilungen" N. F. IX, 22. Seyboth,
D. a. Strss. 209 gibt irriger Weise an, der Thurm sei 1476 erbaut worden. Offenbar liegt
eine Verwechslung mit dem Thurm im Sack vor, der — ebenso wie der Fischerthurm — in
diesem Jahre erbaut wurde.

V, Ape 11, Befestigung Strasslnirgs. 3



34 GESCHICHTE PER BEFESTIGUKG STRASSBURGS.

Einschliesslich der Thurme des St.Stephans-.Juden-, Burg-. Spe3'er-,
Zoll-, Elisabeth-, Biinde-, Spital- und Metzgerthores waren es fiinfund-
dreissig- Thurme, wenn man den kleinen halbrunden Thurm am Stein-
thorlein nicht mitrechnet, Im Allgemeinen war und ist das Aeussere
der lediaiich aus Backstein erbauten Thurme hochst niichtern und
unscheinbar, sodass diese Bauwerke nur durch ihrc zum Theil un-
gewohnhche Hohe Eindruck machen, doch werden sie gewiss statt-
lieher ausgesehen haben als sie noch ihre Letzen besassen. Bios die
westlichen Thorthiirme zeigten iiber dem ilusseren Thorbogen einigen
Bildschmuck in Haustein, der wohl etwas Eigenthumliches, allem An-
scheine nach aber nichts Kiinstlerisches an sich hatte. ' i

Die vorbeschriebene Befestigung erhielt nun in der Folge ver-
schiedene Erganzungen und Verstarkungen , von denen die Anlage
von Thorzwingern wohl die erste gewesen ist. Der \'erschluss der
Thorthiii'me erfolgte namlich zunachst nur durch Thorflugel und Fall-
gatter, letztere erst seit 1332 -i, da Zugbriicken noch unbekannt oder
wenigstens zu Strassburg noch ungebrauchlich waren, sodass man iiber
die feststehenden Brucken bis unmittelbar an den Thorverschluss
gelangen konnte, Diesen Missstand beseitigte man — zu welcher Zeit
ist ungewiss — durch die Thorzwinger, welche einen ersten Abschluss
bildeten und das Herankommen an die Thore der Ringmauern ver-
hinderten, also einen ahnhchen Zweck wie die romischen Propugnacula
verfolgten. Wie es scheint, sind wohl nur das Zoll-, Speyer- und Burg-
thor, sowie die Pforte am Guldenthm"m mit derartigen Zwingern xer-
sehen gewesen, moglicherweise aber auch noch das Juden- und St.
Stephansthor, da die vorhandenen Plane und Zeichnungen vor diesen
Thoren entsprechende Platze, wenn auch keine sie umschliessende
Zwingermauern ersehen lassen, die vielleicht schon vor Anfertigung der
Plane beseitigt worden waren. \'or den iibrigen Thoren lagen jeden-
falls keine Zwinger, aller Wahrscheinhchheit nach weil man diese
Thore ftir weniger gefahrdet hielt. Wie die Zeichnungen und das
Berliner Modell erkennen lassen, waren die Thorzwinger einfache, mit



1) Nach Fragm. Trausch 2567 zeigte das Bildwerk am Zollthor einen Priester auf
einem Throne sitzend, unter seinen Fiissen einen Lowen, dem Samson den Rachen zerreisst,
dann ein Rad mit einem „kindsk6pflin" und auf dem Rade die Inschrift: „Hermannus
Auriga, magister hujus operis." Ebenda 2568, am Speyerthor: Bildniss des Bischofs Conrad,
auf einem Stuhle sitzend, in der rechten Hand den Bischofsstab, in der linken ein Buch
haltend, daruber die Inschrift: „Imago Conradi de Hunnenberg Fidelis Argent. Epi." Ferner
dabei ein liegender Bar, vor welchem ein Menschenhaupt 'liegt. Das Burgthor zeigte eine
Tafel, auf der Petrus mit dem Schliissel dargestellt war, daruber die Inschrift: „S. Peter".
An den vier Ecken die Evangelisten, unter seinen Fiissen ein ,,manlin gar krum und geduckelt",
sollte den lahmen Menschen vor dem Tempel bedeuten. Neben dem Thurm stand in der
Mauer ein grosser Vogel aus Stein gehauen, unter sich einen Menschen liegend.

■^) Hegel II (IXj, 778.



SPATERE ERGANZUXGS- UND VERSTARKUNGSBAUTEN. 35

Zinnen versehene etwa 3 m hohe Mauern, welche sich beiderseits des
betreffenden Thorthurmes an die Ringmauer anschlossen und an der
Grabenbriicke mit einem Thor versehen waren. Von ihnen aus konnte
man auch mittels Rampen nach dem Wassergraben gelangen; die
Rampen waren selbstredend durch Thore geschlossen.

Eine weit wesentlichere Verstarkung bestand in der Anlage eines
durchlaufenden Zwingers, der offenbar fiir die ganze Ringmauer geplant
war, zuniichst aber nur auf dem linken Illufer zur Ausfiihrung gelangte
und spater falscher Wall genannt wurde. Nach Specklin') wurde mit
diesem Bau schon im Jahre 1228 begonnen, also gleichzeitig mit der
Ummauerung der rechten Illseite. Zur selben Zeit sicherte man jedoch
das Elisabeth- und das Metzgerthor durch aussere Thorthiirme, die
gewissermassen die hier fehlenden Thorzwinger ersetzten. Im Jahre
1312 nahm man dann auch den Zwinger vor den Siidfronten in An-
griff, aber auch jetzt noch nicht im ganzen Umfange, sondern nur vom
Metzgerthor bis zum Johannis- oder Rheingiessen, welchen Bau man
1343 mit dem St. Katharinenthurm vollendete. '-) Dieser Zwinger war
ebenso Avie der des linken Illufers gestaltet, hatte eine Breite von 6 m
und war durch das Ausheben eines zweiten Grabens entstanden, Auf
beiden Seiten gemauert, trug er gegen das \^orfeld eine etwa 3 m hohe
Zinnenmaucr, zui- W-rtheidigung durch die Armbrust eingerichtet. Es
lagen jetzt also zwei durch den Zwinger von einander getrennte
Graben voreinimder, die das Herankommen an die Stadtmauer auf
das Aeusserste erschwerten, und man unterschied nun zwischen einem
ausseren, schmaleren, und dem inneren, breiteren Burg-, d. h. Stadt-
graben. Thorthiirme, mit Fallgattcr versehen, standen im Zwinger
vor dem Burg-, Speyer-, ZoU- und Metzgerthor, sowie an der Stelle
wo das Schilkenthor angenommen wird, seitliche Ausgiinge in diesen
ausseren Thorthiirmen vermittelten den \'erkehr nach dem Zwinger,
der durch diese Thiirme in Abschnitte zerlegt wurde. Des Ferneren
finden wir noch zwei Thiirme an den Enden des Zwingers bei St.
Stephan und am Johannisgiessen, ersterer Thurm bei Stolzeneck, ")

1) Fragm. Specklin 893.

-) Hegel II (IX), 719. Seyboth, D. a. Strss. 210 gibt iniger Weise an, class der Thurm
schon im Jahre 1313 erbaut worden sei.

') Dieser Thurm erscheint bereits 1239 und 1246 in den Urkunden (Strss. U. B. I,
202 u. 228). Die Strss. G. u. M. N. v. 1888, 177 legen ihn auf eine ehemalige Insel der 111,
die in den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts Seitens des Magistrates an einen gewissen
Riidiger Riises verkauft, dann aber, weil man sie fiir die Befestigung bedurfte, um ,,murum
et fossatum civitatis", d. h. den Zwinger durchzufiihren, gegen eine andere Insel vertauscht
wurde. Dabei wird indess iibersehen, dass in den Berichtigungen und Nachtragen zum
Urkundenbuche darauf hingewiesen wird, dass hier das lateinische „insula" nicht mit Insel,
sondern mit Haus ohne Hofraum zu iibersetzen ist. Es ist auch thatsachlich viel wahr-
scheinlicher, dass der Magistrat dem Riidiger Riises als Entschadigung ein anderes Haus als
gerade eine andere Insel gab, deren Vorhandensein zwar weder zu bestreiten, ebensowenig

3*



36 GESCHICHTE PER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

letzterer, Avie bereits envahnt, Katharinenthurm oder auch Tliurm auf
dem Spitz genannt, well er am Ende, der Spitze des Zwingers stand,
1474 als Hannomanns Thurm, genannt des von Berse Thurm bezeichnet.
Im Zwinger vor dem Judenthore wurde kein Thurm erbaut, das hier
gelegene einfache Thor fiihrte aber einen besonderen Namen
„Reuerinenthor" nach dem vor ihm auf dem \\'aseneck gelegenen
Reuerinenkloster. Die Thiirme im Zwinger wurden mit Ausnahme
vom Stolzeneck sowie des spater umgebauten Metzgerthores in den
jahren 1766 und 1767 abgebrochen, M der Thurm Stolzeneck scheint
dagegen schon vor 1680 beseitigt worden zu sein. Als Grund, weshalb
man den Zwinger der Sudfront nicht vollendete, kann nur der Um-
stand angesehen werden, dass bald nach Fertigstellung des Stuckes
vom Metzgerthor bis Johannisgiessen eine dritte und vierte Erweite-
rung der Stadt nothwendig wurde, die alle Krafte in Anspruch nahm
und minder wichtige Bauten zuriicktreten liess. Dass man die Ab-
sicht, den Zwinger zu vollenden, nicht ganzlich fallen liess, erhellt, wie
vorgreifend bemerkt werden muss, aus seiner Fertigstellung in den



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