Copyright
Ferdinand Apell.

Geschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 online

. (page 8 of 40)
Online LibraryFerdinand ApellGeschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 → online text (page 8 of 40)
Font size
QR-code for this ebook


turn, do lonherren Cuntzel uff sitzet";

den Abt Urichs- spater dicken Thurm, * ) so genannt wegen seiner
ungewohnlich dicken Mauern, zwischen dem Steinstrasser und Kronen-
burger Thor, 1870 zerstort und dann bis auf den Unterbau abgebrochen,
1388 noch ohne Namen und andere Bezeichnung als „bedeckter turn" ;

•) Langs dieses Ablaufes wurde im i8. Jahrhundert das Retranchement Contades angelegt.

-) Siehe auch meine Ausfiihrungen in dem Jahrbuch f. Gesch. u. s. w., XVI: „Die
(ielandegestaltung und die Bodenbeschaffenheit u. s. w.

^j Seyboth, D. a. Strss. 254, 255.

*) In einer Verhandlung vom Jahre 1523 (Nr. 3 der Anlagen) wird der Abt Urichs Tluirm
genannt. Seine Lage „an dem nechsten schnecken" wiirde mich glauben machen, dass es der
Thurm in der rechtsseitigen Anschlusslinie sei, wenn es da auch richtiger „hinter" slatt „an"
heissen miisste. Mit der weiteren Bestimmung ,,by dem graben der von alien heiligen here gat"
ist leider nicht viel anzufangen, da man nur weiss, dass dieser Graben am Ausgange der
Allerheiligen- und Bergherrengasse in der Richtung der heutigen Sebaslopolstrasse floss
(Seyboth, D. a. Strss. 266 u. 329). Da indess gesagt wird, dass an der betreifenden Stelle die
Stadtmauer bloss lage und die Schiittung eines Walks nothig sei, so kann der Abt Urichs
Thurm wohl nur mit dem nachmaligen dicken Thurm identisch sein, in dessen Nahe sich die
Schnecke (Streichwehr) Drache befand, wo die Mauer thalsachlich von aussen zu sehen war
und wo auch der Graben von Allerheiligen hinfiihren konnte. Jedenfalls lag der Thurm rechts
vom Kronenburger Thor, das erst spater genannt wird. Beziiglich des Blossliegens der Mauer
an der betreffenden Stelle siehe auch: „Hollander, Strassburg im Schmalkaldischen Kriege."
Strassburg 1881. S. 27.



DIE THORE, THURME UXD PFORTEN. 45

den grunen und den Georgenthurm, ersterer wegen seines griin
glasirten Ziegeldaches so genannt, zwischen dem Kronenburger- und
Weissthurmthor, ebenfalls 1870 zerstort und dann abgebrochen. Ersterer
hiess 1474 Lug-ins-Land und ist nicht mit dem spater so genannten
Thurm links vom Weissthurmthor zu verwechseln ; beide Thiirme sind
im Jahre 1388 noch ohne Namen und werden nur nach der Lage be-
zeichnet ;

den Thurm Lug-ins-Land, 1388 und 1474 Warteck genannt, und
den Margarethenthurm so schon 1388), zwischen dem Weissthurmthor
und der oberen 111, ersterer wahrscheinlich zwischen 1680 und 1734
beseitigt, ' I letzterer bis zur Einebnung der Werke nach 1876 erhalten;

den Teufelsthurm, an der oberen 111, am Ende des Hnksseitigen
Anschlusses der neuen Befestigung. Er wurde zu Specklins Zeiten
bis zur Hohe der vStadtmauer abgebrochen, mit Boden verfiillt und mit
einer Aufstellung fur Geschiitz versehen ; noch heute in seinem Unter-
bau erhalten, 1383 als grosser neuer Thurm am grunen Worthel
bezeichnet ;

Die drei Thiirme des Steinstrasser-, Kronenburger- und Weiss-
thurmthores, welche bei der Belagerung des Jahres 1870 stark be-
schildigt wurden, gingen darauf ein, erstere beide blieben jedoch in
ihrem Unterbau bis zur Einebnung der \\'erke erhalten.

Mit diesen drei Thorthurmen ziihlte die Befestigung der dritten
Erweiterung zehn Thiirme auf etwa 2600 m Entwickelung, dieselben
standen also wesentlich weiter auseinander als bei der zweiten Er-
weiterung. Die Entfernungen von Mitte zu Mitte der Thiirme waren
in runden Zahlen diese: vom Rausch bis zum Butzbachthurm 255 m,
A'on da bis zum Roseneck 240 und bis zum Steinstrasser Thor weitere
100, zusammen 340 m. \V)n hier bis zum dicken Thurm 270 m, zum
Kronenburger Thor 285 m, zum grunen Thurm 265 m, zum Georgenthurm
270 m, zum Weissthurmthor 280 m, zum Lug-ins-Land 210 m, zum
Margarethenthurm 210 m, und zum Teufelsthurm 180 m. Es ist nicht
ausgeschlossen, dass auf diese Auseinanderstellung der Thiirme die
Erfindung des Schiesspulvers bereits einen gewissen Einfluss geaussert
hat, denn bei dem zweiten Einfall der sogenannten Englander legte man
bereits auf die Thiirme der zweiten Erweiterung Geschiitze und Biichsen,-)



1) Seyboth, D. a. Strss. 280 gibt an, dass der Thurm Lug-ins-Land 1672 abgebrochen
worden sei. Das ist ein Irrthum. In diesem Jahre wurde allerdings das Bollwerk Lug-ins-
Land vor dem gleichnamigen Thurme erbaut, dieser blieb aber vorlaufig bestehen und ist
wohl erst zu franzosischer Zeit beim L'mbau des genannten Bollwerks zum Fort blanc beseitigt
worden. Jedenfalls ist er noch auf der franzosischen Entwurfszeichnung fiir die Umbauten
nach 1681 vorhanden, in einem Plan von 1693 aber nicht mehr zu sehen.

-) Hegel II (IX), 817. Unter Geschiitz sind hier die alten Schiess- und VVurfmaschinen
zu verstehen, wahrend der Ausdruck Biichse sich mit der heutigen Bezeichnung Geschiitz dcckt.



46 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNC STRASSBURGS.

vielleicht waren es aber audi nur finanziclle Riicksichten, die hier den
Ausschlag gaben. Um die Ueberwachuno- der grosseren Zwischen-
raume zu erleichtern, waren an der Stadtmauer kleine Thiirmchen,
1388 und 1474 Schnecken, aueh Tiirnlein genannt, angebaut, von
Specklin als Wighiiusel bezeichnet, in denen Leute mit Hakenbiichsen
aufgestellt warden konnten; sie waren theilweise noch im Jahre 1876
erhalten. Sind dieselben aus den vorhandenen Planen auch nicht mehr
sammtlich zu ersehen, so konnen sie doch alle aus dem mehrfach
erwiihnten Geschutzaufstellungsplan von 1474 festgestellt werden und
sind danach in den Plan des Jahres 1519 eingetragen worden. Indess
ist die Lage der lediglich aus dem Geschutzaufstellungsplan bekannten
Schnecken selbstredend nur als eine ungefilhre anzusehen, geschatzt
nach der Oertlichkeit und dem Abstand der iibrigen Schnecken.
Die auf dem rechten Fliigel gelegene Schnecke hiess 1474 Lowen-
schnecke, wahrend im Jahre 1388 von ihr nur gesagt wird, dass sie
Herr Heintz v. Miilnheim inne hat.

Ausser den drei Hauptthoren waren noch zwei kleine Thore in
der rechtsseitigen Anschlusslinie vorhanden : das Rauscherthorlein und
das Thorlein bei Roseneck. Ersteres lag rechts vom Butzbachsthurm,
in dem eingehenden Winkel, den die Anschlusslinie mit der Befestigung
der zweiten Erweiterung machte, ,,im Rausch" genannt; es ging im
Jahre 1560 ein. ^i Letzteres lag links des genannten Thurmes. Pollnitz
legt es irrigerweise in den Thurm selbst, in dem sich spater allerdings
eine Pforte befunden hat, die aber nur zur vStreichwehr ,,im Schaf stall"
fiihrte, das eigentliche Thorlein bei Roseneck befand sich nach einer
Specklinschen Zeichnung des Stadtarchivs neben dem Thurm, nicht in
demselben. Auch Silbermann folgt dieser Specklinschen Angabe.

Beziiglich der baulichen Beschaffenheit der neuen Ringmauer und
ihrer Thiirme kann nur gesagt werden, dass dieselbe im Allgemeinen
derjenigen der zweiten Erweiterung ahnlich gewesen sein muss, denn
das was an Ueberresten derselben auf uns iiberkommen ist, war im
Laufe der Zeit vielfach umgestaltet w^orden. So viel sich aus einer
im Fortifikationsarchiv befindlichen Zeichnung erkennen lasst, war die
Ringmauer urspriinglich nur etwas iiber 0,70 m stark und oben mit
Zinnen versehen, wurde aber spater theils nach innen, theils nach
aussen verstarkt, theils ganz neu aufgebaut, sie diente in ihrem unteren
Theile gleichzeitig als Bekleidungsmauer des Grabens. Nach den Mit-
theilungen IX, 35 iibergab der Architekt Blanck der Gesellschaft fiir
die Erhaltung der historischen Denkmaler des Elsass Zeichnungen der
Mauer an der Finkmattkaserne, welche die Gesellschaft vervielfaltigen



'j Piton II, 151 und Kragm. Biiheler 384.



BAULICHE BESCHAFFEXHEIT DER BEFESTIGUNG.



47




lassen wollte, wozu es aber wiederum nicht oekommen zu sein scheint.

Auch die grossen viereckigen Thurme sind spater urn- und zum Theil

neu aufgebaut worden, sodass wir iiber ihre Beschaffenheit erst spater

berichten konnen, das Einzige, was wir aus alterer Zeit iiber sie wissen,

ist, dass der Kronenburger Thorthurm eine Redachung und einen durch

Zinnen gedeckten Umgang am Fusse derselben besass,\) von den

kleinen Thiirmchen aber, die in

zwei verschiedenen Bauweisen

Torhanden waren , sind hier

Grundrisse nach Zeichnungen des

Fortifikationsarchivs gegeben.

Leider sind Aufrisse nicht vor-

handen, die im Jahre 1876 noch

vorhandenen Thiirmchen zeigten

aber, dass sie nicht erkerartig

ausgebaut, sondern \on der Grabensohle aus heraufgefiihrt waren,

Ob sie eine Bedachung besassen oder nicht, steht dahin ; in den

Specklinschen Zeichnungen sind

sie ohne eine solche abgebildet.

Die in dem einen Grundriss an-

gedeutete Nische stellt wohl

den hinteren Theil eines im

Uebrigen vermauerten Schiess-

loches vor.

Der rechtsseitige Anschluss
der neuen Befestigung wurde

im Jahre 1386, die ganze Befestigung im jahre 1390 fertiggestellt, -;
worauf man die drei Zollstellen des Zoll-, Bischofsburge- oder Spe3^er-,
und des Burg- oder St. Petersthores an die cntsprechenden Thore der
Vorstadte verlegte. ^)




*j Fragm. Biiheler i68.

=*) Fragm. 4339 bzw. Hegel I[ (IX), 720.

'^) Strss. U. B. IVii, 231. Die Verlegung der Zollstellen ist zvsischen die dritte und
vierte Ervveiterung zu selzen, weil die Urkunde noch keine Zollstellen an den Thoren der
Krutenau angibt; hier liegt die Zollstelle noch am Johannisgiessen.



48 GESCHICHTE DER BEFESTIGUNG STRASSBURGS.

4. Abschnitt.

Als sich die Ummaueriing" der dritten Er\veiteriin



Online LibraryFerdinand ApellGeschichte der Befestigung von Strassburg i.E. vom Wiederaufbau der Stadt nach der Völkerwanderung bis zum Jahre 1681 → online text (page 8 of 40)