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Annalen der Physik online

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Eisenoxydspectrum. Wir berechnen nach Formel (5)

logA^ = 0,9345, ;.„ = 8,60,
und nach Formel (7) .

\ogJx =0,461 -2.

m

Aus dem Gurvenzuge der Energiecurven ergiebt sich dann die
Intensität für alle in Betracht kommenden Wellenlängen. Die
so berechneten Intensitäten des Spectrums des Schiebers sind
zu den entsprechenden Intensitäten gleicher Wellenlänge und
höherer Temperatur hinzuaddirt (vgl. p. 462 — 464). Entsprach
die Curve einer anderen Empfindlichkeit, so war die Intensität
des Spectrums des Schiebers mit einem geeigneten Factor zu
multipliciren. Im Beispiele der Curve fur 437° C. ist die Cor-
rection auf den absoluten Nullpunkt gezeigt.

Die vorstehenden Betrachtungen beziehen sich auf das
„normale Spectrum^*, d. h. dasjenige, in welchem die inner-
halb eines constant bleibenden Intervalles der Wellenlängen
befindliche Energie als Function der Wellenlänge dargestellt
wird. Wollte man statt dessen die Energie innerhalb eines
constant gehaltenen Intervalles von Schwingungszahlen abhängig
von den Schwingungszahlen betrachten, so erfahren die Gesetz-

1) Dass dies berechtigt ist, wird aus der üebersicht über die Beob-
achtungen an den verschiedenen Körpern hervorgehen.



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Spectren fester Körper. 485

mässigkeiten folgende Aenderungen. Die im Obigen berechnete
Intensität J),t ist zu multipliciren mit



'\



(wenn wir von dem constanten Factor absehen, um den sich
\jX von der Schwingungszahl unterscheidet). Zu log/^r ist
zu addiren 21ogA. Dabei ändert sich die Form der Energie-
curve, und die Aenderung ist sofort zu übersehen, wenn in
der logarithmischen Zeichnung, z. B. in der Fig. 3, schief-
winklige Coordinaten eingeführt würden. Ziehen wir durch
den in die linke untere Ecke der Zeichnung verlegt gedachten
Coordinatenanfangspunkt eine gerade Linie nach unten, sodass
alle log/ um const. + 2 log A vermehrt werden, wenn wir die
Ordinaten von dieser schrägen Linie an zählen, und rechnen
wir die Abscissen nach den von den Ordinaten auf dieser
schiefen Linie abgeschnittenen Strecken, so haben wir die ent-
sprechende[Curve, welche den Seh wingungs zahlen als Variabelen
entspricht. Zur Raumerspamiss ist diese schräge Gerade von
der linken oberen Ecke aus gezogen: Linie A. Denkt man
sich parallel zu dieser Linie eine Tangente an die Energie-
curve gelegt, so berührt dieselbe die Energiecurve in dem
Maximum der neuen Curve, und die längs den Ordinaten ge-
rechneten Abschnitte zwischen der Tangente und der alten
Curve stellen logeT^//' für die neue Curve dar. Sind die.
Energiecurven verschiedener Temperatur congruent, so bleiben
sie es auch nachher, und die Wellenlängen der Maxima aller
Curven würden um einen constanten Factor geändert. Das
Gesetz (5) zwischen X^ und T bleibt also bis auf die Zahlen-
constante ungeändert. Wäre die Energiecurve eine Parabel
von der Form



(log-^j =2;? log






so würde die neue Curve ebenfalls eine Parabel, und logA^^,
das Maximum der normalen Curve, würde, um 2;? vergrössert,
gleich logAii, dem Maximum der neuen Curve sein. Vor-
handene Abweichungen von dem Parabelgesetze bleiben beim



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486 F, Paschen.

Uebergange zur 1/A-Scala in ungefähr dem gleichen Maasse
bestehen. Nach den Formeln (A) und (B) p. 467 ist

logA; = logA. + if^^).

Man kann also die Vergrösserung von X^ aus den angeführten
Zahlenwerthen von 2p und a überschlagen. Weiter befolgt
das zum neuen Ai» gehörige neue J['^ das der Formel (7) ähn-
liche Gesetz: €7i^=const. y*"^^; denn es gelten die Relationen:

J{' =s Jy , }! 2^ wenn l' die Wellenlänge der alten Curve ist, bei wel-
cher das Maximum der Energie der neuen Curve liegt.
J),* = const. Jj^

X = const. A

Rechnet man ähnlich, wie ausgeführt, statt von A, von
der Linie B an den Logarithmus der Intensität, so erhält man
in logarithmischer Zeichnung die Curven, welche die Energie
darstellen, die in einem constanten Intervall von log A ent-
halten ist. Diese Energie entsteht aus der Energie der nor-
malen Curve durch Multiplication mit dXIdlogX^ X\ und die
Linie B ist so gezogen, dass jedes log/ um logA + const,
vermehrt wird, wenn man sie, oder eine Parallele zu ihr als
neue Abscissenaxe betrachtet. Diese Curven bleiben ungeändert,
wenn man X mit \jX vertauscht. Sie stellen also auch die
Energie dar, welche in einem constanten Intervall der Loga-
rithmen der Schwingungszahlen enthalten ist. Der Logarithmus
der Wellenlänge des Maximums der normalen Energiecurve
vermehrt um p würde zum Maximum der neuen Curve ge-
hören, wenn das Parabelgesetz gültig wäre. Nach den For-
meln (A) und (B) beträgt die entsprechende Vermehrung von

U-a)« V 2)

Statt des Gesetzes (7) erscheint das neue Ji'^ proportional mit
y«-^, also^) proportional mit der Gesammtstrahlung. Diese
Darstellung würde daher manche Vortheile bieten. Die übrigen
Aenderungen sind ähnlich me beim Uebergange zur Scala der
Schwingungszahlen.



1) Vgl, p. 478.



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Spectren fester Körper, 487

la'achtrag im Juni 1896.

Eine bessere Darstellung, als durch die Formeln (A) und

(B) p. 467 findet die Form der Energiecurve durch das folgende
Gesetz:

(C) log-£ = c.{ log . - -^\oge- I^StM '
oder

(D)



In folgender Tabelle finden sich für die ausfuhrlich be-
sprochene Curve für Eisenoxyd von 437^ C. die beobachteten
und nach dieser Formel mit dem Werthe der Constanten
u = 5,510 berechneten J^jJ nebeneinander gesetzt:

Energiecurve 437° C. a = 5,510.

IIX^ 1,122 1,259 1,413 1,585 1,778 ] ^^^j

j .j\ beob. 1,038 1,147 1,358 1,683 2,153 [ Tr |«t
*'"•'•' \ber. 1,035 1,145 1.343 1,656 2,188 J ^®' ^*^'

Ißn, 0,978 0,794 0,708 0,631 0,562 0,501 ) „„„x^i-p„

^/beob. 1,089 1,170 1,432 1,934 2,911 5,170 ["^^^^r^^



*'"'/*^\ber. 1,039 1,171 1,450 1,984 3,050 5,355]^®'^"*

Die folgende Tabelle enthält die Werthe u, welche fiir
die beobachteten Energiecurven des Eisenoxyds verschiedener
Temperaturen einen möglichst guten Anschluss der Formel (C)
an die Beobachtungen ergeben, wie der Werth a = 5,510 für
die Curve 437®. Bei einigen Curven erforderte das äusserste
Ende des von kleinen Wellenlängen ansteigenden Astes (für
A/A^ < 0,5 ungefähr) erheblich kleinere Werthe von Uj sodass
diese Punkte nach der Beobachtung erheblich höher, als nach
der im übrigen anschliessend berechneten Formel lagen. Da
es möglich ist, dass auf den bei höheren Temperaturen sehr
steil ansteigenden Ast der beobachteten prismatischen Curve
diffuses Lacht vom Maximum gefallen ist, welches die Intensität
hier vergrössert, so habe ich in der dritten Spalte diejenigen
Werthe von a angeführt, welche sich ohne Berücksichtigung
dieses Theils der hier abweichenden Curven ergeben. Daneben
finden sich die Grenzen von XjX^j innerhalb deren die Beob-
achtungen für die Berechnung der u der dritten Spalte ver-
werthet sind. Die zweite Spalte führt diejenigen a, welche



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488



T. Paschen,



man erhält, wenn man diejenigen Curven, welche für noch
kleinere A/A^ Beobachtungspunkte führen, so berechnet, dass
sämmtliche Beobachtungspunkte verwerthet sind, ob sie ab-
weichen oder nicht. Daneben finden sich die Grenzen von
A/A^, innerhalb deren die Beobachtungen flir die Berechnung
der u der zweiten Spalte verwerthet sind.

Tabelle der Werthe a s&mmtlicher Energiecurven
des Eisenoxjdes.



Curve


Spalte II




! Spalte in






Grenzen d. Ijl^




Grenzen d. Ijl^


a


von


bis


a


von


bis


117


5,46


1


0,85


5,69


1


0,56


144,5








5,83


1


0,56


165


5,58


1


0,88


i 5,67


1


0,56


194


5,11


1,12


0,28


; 5,63


1,12


0,50


195








1 5,61


1


0,56


225


4,90


1


0,32


i 5,06


1


0,45


227








5,88


1


0,68


228








5,19





0,63


262








5,Q5


1


0,63


295


4,69


1,26


0,36


4,90


1,26


0.45


299








5,19


1,12


0,71


801








5,06


1,12


71


810


1






5,68


1,12


0,71


829








5,45


1,26


0,71


881


1






5,70


1,43


0,79


888








5,65


1,26


0,79


390


5,35


2,00


0,35


5,38


2,00


0,45


898


5,24


2,00


0,85


5,49


2,00


0,44


401


1






5,41


1


0,79


415


;






; 5,22


1


0,79


416


5,11


2,25


0,28


' 5,50


2,25


0,56


487


5,51


1,78


0,50


5,51


1,78


0,50


441








5,84


1,42


0,79


481








5,60


1


0,63


484


i 5,43


2,00


0,82


5,54


2,00


0,50


528


5,04


2,51


0,28


5,47


2,51


0,56


528








1 5,51


1,12


0.63


602








1 5,90


1,26


0,71


629









5,69


1,26


0,68


693


5,11


8,16


0,28


5,57


8,16


0,56


698








5,80


1,43


0,71


708


5,19


2,51


0,32


5,57


2,51


0,56


715








5,85


1,42


0,63


748








5,11


1,42


0,79


824








5,80


1,59


0,71


840,5








5,89


1,59


0,68


878








5,61


1,12


0,79


888








5,94


1,59


0,79



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Spectren fester Körper.



489



Curve
® C.


Spalte III


1 Spalte III




Grenzen d. >l/;i^


1


Grenzen d. Iß^




_


von bis


1 ^


von bis


937






! 5,93


1,78 0,89


973






i 6,00?


1 0,89


974,5






1 5,59


1,12 0,79


982






6,05 1,78 0,79


1001


5,33


3,16 0,45


5,41 i 3,16 0,63


1009






5,86


1,12 0,89


1053






6,06


1,78 0,79


1084






5,61


1,12 0,79


1124






5,42


1,12 0,79



M. 5,218



M. 5,560



Die Werthe a zeigen keinen regelmässigen Gang mit der
Temperatur, sodass die Gleichheit der Curven für alle Tem-
peraturen erhellt, wenn auch die Abweichungen der Curven
untereinander noch ziemlich bedeutend sind. Einer Abweichung
von 10 Proc. der beobachteten a vom Mittel entsprechen in
einem mittleren Gebiete der Xß^ ca. 5 Proc. Abweichung der
f///^, was wohl als Fehler der Beobachtung zugegeben
werden kann.

Das Mittel der Werthe a der dritten Spalte, welche das
treuere Bild der fehlerfreien Curve geben dürften, ist 5,560.
Für Formel (7) war als Werth ce im Exponenten von T be-
rechnet 5,658, und während der erste Werth nur durch Wellen-
längen- und Intensitätsmessungen gefunden ist, ist der zweite
hauptsächlich durch Temperatur- und Intensitätsmessungen
gefunden. Beide Zahlen sind als innerhalb der Beobachtungs-
fehler gleich anzusehen.

Daher lassen sich die Formeln (5), (7) und (D) zusammen-
fassen durch die eine Formel:



(E)



^'^(Vi^')






Der Zusammenhang der Constanten c^ und c, dieser Formel
mit den Constanten c und c der Formeln (5) und (7) ist
folgender:



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490 F, Paschen.

Nach der Formel (E) ist das Gesetz der isochromatischen
Curven des Eisenoxyds das folgende:

(F) löge/- «(1 - ß) logr= y^^y^^.

Es ist der rechnerischen Untersuchung leicht zugänglich.
Denn in dem Ausdrucke links darf für a ein Näherungswerth
eingeführt werden. Dann ist der Ausdruck rechts als Function
von IjTß betrachtet eine gerade Linie, und aus den Be-
ziehungen:

ri = iogc'(^)",

ersieht man, dass man durch die Bestimmung der Constanten
y^ und /g dieser geraden Linie wiederum Werthe von a er-
hält. Die sechs für Eisenoxyd beobachteten Isochromatics
Hessen sich in der gezeigten Weise genügend genau durch ge-
rade Linien darstellen und ergaben dann folgende Werthe für
/i,;^aunda.

Berechnung der Isochromatics nach Formel (F).



Isochr. Curve
für A in ^








a




n





aus/j


aus/i


Mittel


7,769


0,574


600


5,749


5,694


5,722


6,257


1,074


753


5,814


5,683


5,748


4,584


1,754


990


5,601


5,654


5,627


3,119


2,679


1471


5,660


5,647


5,654


2,249


8,421


1969


5,464


5,629


5,547


1,110


4,567


3422


4,685?


5,469






Als Mittel ergiebt sich ohne Berücksichtigung des a aus y^
der Curve für A= 1,110 /x 5,628, und ohne Berücksichtigung
dieser ganzen Curve u = 5,660. Diese Curve A = 1,110^ be-
zieht sich auf den erwähnten, möglicherweise durch diffuses
Licht grösserer Wellenlängen gefälschten, Theil des an-
steigenden Astes der Curven. Daher kann y^ und mithin
auch a zu klein erhalten sein.

Die drei Arten der Bestimmung der Werthe c^, erstens
nach Formel (7), zweitens nach dem Gesetz der Energiecurven
Formel (D), drittens nach dem Gesetz der isochromatischen
Curven Formel (F), sind nicht unabhängig voneinander. Viel-



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Spectren fester Körper, 491

mehr muss nach einer derselben der gleiche Werth von a
resultiren, wenn die zwei anderen Bestimmungsarten diesen
ergeben haben. Man könnte aus den Werthen y^ und y^ der
Formel (F) die Werthe c' und a der Formel (7) bestimmen.
Als bester Werth von a zur Darstellung der Beobach-
tungen folgt

als Mittel der Energiecurven 5^560
und nach Formel (7) 5,658



mithin im Mittel 5,609

Die Zahlenwerthe der übrigen Constanten sind dann flir
Eisenoxyd:

cj = 213100 und c^ = 10 470.

Cj ist noch abhängig von der scheinbaren Grösse der
strahlenden Fläche, der Empfindlichkeit des Bolometers und
Constanten Factoren, mit denen alle Intenstiäten bei der Be-
rechnung multiplicirt sind. Cg ist von diesen umständen un-
abhängig. Hiermit ist das gesammte Beobachtungsmaterial
über Eisenoxyd ziemlich vollständig und ziemlich treu wieder-
gegeben.

Soweit ich die Beobachtungen an den anderen von mir
untersuchten Körpern bisher übersehe, lassen sie sich fllr
jeden Körper durch die Formel (E) darstellen, nur dass die
Constanten etwas andere Werthe erhalten, als für Eisenoxyd.
Wird ß in Formel (5) gleich Eins, ein Werth, dem sich die
Beobachtungen für Eisenoxyd bereits ziemlich nähern, der
durch meine Beobachtungen für einige andere Körper noch
besser erreicht wird, und der vor Allem für einen absolut
schwarzen Körper nach Wien 's Theorie folgt, so nimmt
Formel (E) die einfachere Gestalt an:

(G) J^c^r'^e "^'

Diese Formel würde bereits für Eisenoxyd ^) keine unge-
bührlich grossen Abweichungen ergeben, wenn sie auch keine
so gute Darstellung der Beobachtungen ist, wie Formel (E).
Der gute Anschluss, den die Beobachtungen für einige der



1) c, müsste dann den Zahlenwerth 2600 x 5,61 = 1460 erhalten.



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494



A. Pflüger.



die sich nach der erwähnten Prismenmethode sehr wohl be-
stimmen liesse.

Kundt^) hat darum in einer zweiten Arbeit seine Me-
tallprismen bei verschiedenen Temperaturen untersucht, und
ist dabei zu dem Besultate gelangt, dass der Brechungsindex
der Metalle sich mit der Temperatur ändert. Das Ergebniss
seiner Untersuchung ist in folgender Tabelle enthalten:



Licht


Gold
blau


Platin
weiss


Nickel

roth

1


Eisen
roth

1,92
2,54
0,0040


Silber
weiss


Zimmertemperatur,

n =

durchschnittlich ca.

100<> höher, n =

Temperatur-

coefficient =


1,06

1,72
0,0051


1,70
2,10
0,0027


2,20
2,69
0,0026


0,32
0,46
0,0064



Nach diesen Eesultaten würde also der Brechungsindex
mit steigender Temperatur zu- , die Lichtgeschwindigkeit ab-
nehmen, und der Temperaturcoefficient würde von derselben
Grössenordnung wie der des Leitungsvermögens sein.

Dies Resultat lässt sich nun mit einigen Beobachtungen
über Metallreflexion nicht in Einklang bringen. Hr. Sissingh^
hat eine Aenderung der Beflexionsconstanten des Eisens mit
der Temperatur nicht nachweisen können. Hr. Drude ^, der
die Reflexion an Silber, Platin und Gold bis zu Temperaturen
von 200® untersuchte, hat nur sehr geringe Aenderungen con-
statiren können. Endlich hat Hr. Zeeman*) Reflexionsbeob-
achtungen am Platin bis zu Temperaturen von 800® ange-
stellt, unter Zugrundelegung des Temperaturcoefficienten der
obigen Tabelle hätte der Werth des Brechungsindex bei
800® das dreifache des Werthes bei gewöhnlicher Temperatur
betragen müssen und die Reflexionsconstanten müssten ähn-
liche erhebliche Variationen aufweisen. Aber Hr. Zeeman



1) Kundt, Wied. Ann. 36. p. 824. 1889.

2) Sissingh, Mesures de la polarisation elliptique de la Inmi^re.
Arch. Neerlandaises. 20.

3) Drude, Wied. Ann. 89. p. 538. 1890.

4) Zeeman, Communications from the laboratory of Physics at
the university of Leiden. Nr. 20. 1895.



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Brechuvgsindices der Metalle. 495

hat durchaus keine merkliche Aenderung derselben entdecken
können.

Schon vor zwei Jahren hatte Eundt mich beauftragt,
die vorliegende Frage einer erneuten Prüfung zu unterziehen,
und zwar imter Anwendung der von ihm benutzten Apparate
und derselben Versuchsanordnung, deren Aufbau er persönlich
überwachte. Ich habe diese Untersuchung, die ich nach dem
kurz darauf erfolgten Tode Kundt's wegen anderer dringen-
der Arbeiten unterbrechen musste, nach dem Erscheinen der
Zeeman'schen Abhandlung wieder aufgenommen. Bezüglich
der Methode verweise ich ganz auf die citirte Kundt'sche
Arbeit, der ich mich so streng als möglich angeschlossen habe.

Als Lichtquelle benutzte ich eine Bogenlampe mit vor-
gestelltem rothen Glase bez. einer Lösung von schwefelsaurem
Eupferoxydammoniak. Für die Beobachtungen mit spectral
genau definirtem Licht wurde auf die Verschlussplatte des
CJoUimatorrohres ein kleines sehr lichtstarkes Spectrum mittels
eines Flintglasprismas entworfen, und der Spalt je nach
Bedarf mit der gewünschten Spectralfarbe zur Deckung ge-
bracht. Die Ablenkung wurde dann abwechselnd bei Zimmer-
und bei einer etwa 90^ höheren Temperatur gemessen. Die
in der folgenden Tabelle niedergelegten Zahlen sind das Mittel
aus jedesmal 80 bis 100 Beobachtungen.

Nickel. Rothes Licht. Brechender Winkel » 14,5 sec.



Temperatur » 1



20«



103" 22« 100^ 20«



n» I 2,28 j 2,35 | 2,26 { 2,26 | 2,27

Mittel: für ca. IOC' n = 2,30; für ca. 20« n « 2,25.

Gold. Blaues Licht. Brechender Winkel — 20,8 sec.



Temperatur = 20^ I 105« 30" I 18« 105» | 20<»



n = I 1,39 \ 1,36 ' 1,38 \ 1,38 | 1,42 | 1,41

Mittel: für 105« w = 1,37; für ca. 20° n = 1,39.

Gold. 2^- Linie. Brechender Winkel - 20,8 sec.



Temperatur = • 20° 62«



U3<>



1,06 1,03 1,02



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\



\



496 A. Pfiuger.

CiseD. Kothes Licht. Brechender Winkel = 83,8 sec.



Temperatur = i 18^ | lOV 18« 1040 18^ lOe^ 18^



106«



n = j 3,80 I 3,69 [ 3,69 | 3,67 , 3,55 ' 3,81 | 3,60 3,59

Mittel: für ca. 106« n = 3,69; für 18'' n « 3,66.

Es ergiebt sich also das Resultat, dass der Brechangs-
index sich nicht, oder^ unter Berücksichtigung der Grösse der
Beobachtungsfehler y nur in viel geringerem Maasse als das
Leitvermögen mit der Temperatur ändert.

Gegen die Richtigkeit dieser Messungen könnte der Ein-
wand erhoben werden, dass die benutzten Prismen nicht frisch
angefertigt worden sind, und durch langes Liegen zum grösseren
Theile in Oxyd übergeführt sein könnten. Wäre dies der Fall,
so würde allerdings der Messung jede Bedeutung abzu-
sprechen sein.

Ich habe mich aber überzeugt, dass dieser Einwand nicht
gerechtfertigt ist, wenigstens nicht für das Gold und das Nickel-
prisma, und zwar auf Grund nachstehender Erwägungen.

Für Eisen haben schon die Btn. du Bois und Rubens
für rothes Licht den Werth 3,12, sowie Hr. Shea den Werth
3,03, also einen erheblich höheren als den Kundt' sehen 1,81
gefunden. Die ersteren Herren halten ihren Werth aus stich-
haltigen Gründen flir den richtigeren, zumal ihre Prismen die
anomale Dispersion des reinen Eisens zeigen. Das Eisenoxyd
zeigt nach Kundt normale Dispersion, und den Brechungs-
index 1,78. Leider habe ich vor zwei Jahren eine Prüfung
der Dispersion nicht vorgenommen, doch habe ich nach Be-
endigung meiner Versuche das Prisma durch Glühen in Oxyd
übergeführt, und den Werth n = 2,58 erhalten, statt des Wer-
thes 3,60 für das nicht oxydirte Eisen. Immerhin will ich
den Messungen am Eisen ausschlaggebende Bedeutung nicht
beimessen.

Um so höheren Werth aber lege ich auf die Beobach-
tungen am Gold und am Nickel. Das Goldprisma hatte aus-
gezeichneten Metallglanz, spiegelte sehr gut, und war mit
schöner grüner Farbe durchsichtig. Nun sind aber Gold-
prismen, welche geringe Beimengungen von Oxyd enthalten,
mit mehr oder minder violetter Farbe durchsichtig. Eine
Messung der Dispersion ergab das folgende Resultat:



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Breckunffsmdices der Metalle. 497

Li Na F G

n = 0,20 0,88 1,04 1.55

Also für rothes Licht innerhalb der Fehleiprenzen im
Eiinklang mit den Shea'schen Messungen. Dagegen giebt
ein violettgrünlich durchsichtiges, oxydhaltiges Phsma für roth
den Werth n = 1,04. Endlich sei bemerkt, dass Eundt selbst,
wie ich, bei seinen Messungen ein mehrere Jahre altes Gold-
prisma benutzt hat. In der That ist wohl anzunehmen, dass
ein Goldprisma bei sorgfältiger Aufbewahrung, wie in dem
vorliegenden Falle, sich nicht wesentlich verändern wird.

Wie freilich die bedeutende Differenz zwischen den
Shea' sehen Beobachtungen für Na (n == 0,66), F (n » 0,82),
und G (n s= 0,98) , und den meinigen zu erklären ist, vermag
ich nicht anzugeben.

Das Nickelprisma endlich besass gleichfalls vorzüglichen
Metallglanz und zeigte anomale Dispersion, nämlich dieWerthe:

C Na P

n » 2,23 1,87 1,67
(für Li ö 2,04) (1,84) (1,71)

die mit den (eingeklammerten) Werthen der Hrn. du Bois und
Rubens gut übereinstimmen. Dieser Umstand ist umsomehr
entscheidend, als das Nickeloxyd normal dispergirt, und für
rothes Licht den Brechungsindex 2,18, für blaues den Werth
2,39 hat. Es kommt hinzu, dass das Nickel sich fast immer
rein erhalten lässt. Da ausserdem das Prisma vortrefflich
spiegelte, und im durchgehenden Lichte sehr scharfe Spalt-
bilder gab, bin ich geneigt, den Beobachtungen gerade an
diesem Metall entscheidenden Werth beizulegen.

Es entsteht nun die Frage, wie die abweichenden Beob-
achtungen von Kundt sich erklären lassen. Ich glaube, nach
den zahlreichen Erfahrungen, die ich auf diesem Gebiete ge-
sammelt habe, annehmen zu dürfen, dass Eundt, der die
grösste Fehlerquelle dieser Messungen, nämlich die ungenaue
Einstellung des Spaltbildes, erkannt, und durch seine aus-
gezeichnete Collimationsmethode beseitigt hatte, doch vielleicht
die Grösse dieser mit den Umständen sehr veränderlichen
Fehlerquelle in einzelnen Punkten nicht völlig gewürdigt hat.
Trotzdem der Kupferkasten, der die Prismen zum Zweck der
Erhitzung umgiebt, durch schlechte Wärmeleiter isolirt ist,

Ann. d. Pbys. u. Obern. N. F. 58. 32



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498 Ä. Pflüger.

ändert sich die Einstellung des Instrumentes mit höherer
Temperatur recht erheblich. Es bedarf der genauesten Colli-
mirung nicht allein vor, sondern auch nach jeder Beob-
achtungsreihe, um nicht Fehler zu übersehen, die grösser sind,
als die zu messenden Grössen. Selbstverständlich hat Eundt
auch diesen Umstand in Betracht gezogen. Aber es scheint
ihm der äusserlich geringfügige Nebenumstand entgangen zu
sein, dass die Aenderung der Einstellung mit der Temperatur
einen ziemlich regelmässigen Gang verfolgt, und insbesondere
nicht sofort aufhört, wenn die Temperatur constant geworden
ist. Da nun die Methode damals noch nicht zu ihrer jetzigen
Vollkommenheit ausgebildet war, musste diese Aenderung eines-
theils in ihrer Grösse um so eher unterschätzt werden, als sie
sehr langsam erfolgt, andererseits musste sie durch ihre Stetig-
keit die Resultate in dem Sinne beeinflussen, dass ein Wachsen
der Ablenkung beobachtet wurde. Dazu kommt noch der um-
stand, dass Eundt die Einstellung des Spaltbildes durch ein
am Ocular angebrachtes Fadenmikrometer bewerkstelligte.
Diese Procedur erforderte bei der Empfindlichkeit der CoUi-
mirung gegen jede Berührung des Oculars grössere Vorsicht,
und darum weit mehr Zeit, als die jetzige Einstellungsmethode
mittels der Alhidadenschraube. Dieser Zeitraum wurde noch
vergrössert, wenn man die sehr umständliche Ablesung der
Mikroskope des Theilkreises anwendete. Bei so langen Zeit-
räumen aber musste die Aenderung der CoUimirung bedeutend
schädlicher wirken, als jetzt, wo erstlich eine Beobachtungs-
reihe nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, und ausserdem
die Collimation vor- und nachher geprüft wurde.

Es sei hier ausdrücklich hervorgehoben, dass die er-
wähnte erhebliche Fehlerquelle, nämlich die Aenderung der
Collimation, nur bei der Beobachtung bei hohen Temperaturen
auftritt. Im übrigen liefert die Eundt' sehe Prismenmethode
ausgezeichnete Resultate, die sehr wohl zur Prüfung der Theorie



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