Heinrich Middendorff.

Altenglisches flurnamenbuch online

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wah St. n. Wand; an. veggr, afrs. wach, wag; ostfries. wage, artland.
Weig; en hAs mit hogen weig *ein Bauemhaus mit hohen Wanden
(bei solchen Hausern liegt die Traufe (^fst, s. efese) mindestens um
1 m hoher, als bei denen mit l^gen weig *mit niedriger Wand*)^ on
d^re ciricean hdow wdh 948 (a^ 956).

Wale (Uuale 183, a^ 757) P.-N.; uualing dsenn 247 (ao 785); moglich
ist aber, dass waling nicht patronymisch ist, sondern dass ein sb. waling
St. m. anzusetzen ist, mit der Bedeutung *Gehege von Staben und
Zweigen' und zu walu (s. d.) gehorig, also derselben Bedeutung und
Bildung ist wie stacing (s. d.). Mit Wale, Wala (vielleicht auch zu
walu gehorig) zusammengesetzte Namen, die sich in den Urkunden
finden, sind Walg^r, Walberht (frz. Vaubert), Walhard, Walenburg
(Walpurgis, frz. Vaubourg).

ivalh s. wealh.

ivalu St. f. Zweig, Rute, Stab, Stock; got. walus; dftn uualing dsenn 247
(s. unter Wale); sonst nur in dem Kompositum wyrtwalu (s. wyrt).



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— 143 —

wan, wmi adj. dunkel, finster, triibe; doch vergl. auch ne. dial, wans *the
shnibby kinds of willow' (Britten und Holland); wan wyll 1118; won-
brdc 1027; woncumb 390; wan weg 758; won stocc 506, 892; won
hlinc 757.

wantefi'f^ Maulwurf, vergl. ne. dial, want 'a mole', wanti-tump *a mole-hill'
in Glouc. (Hall.); vergl. talpa: wond, wand, Ep. Gl. ; bin nan Wan ter-
cnoUe 1192.

zvapig, wopig adj. schwankend, beweglich, zitternd, s. wip; on wopig han-
gran 877 (a® 947); vergl. famfaluca: wapul, Ep. Gl.

ware pi. m. Bewohner, aber auch die Gegend, die sie bewohnen ; (S^ Cant-
wara mearce 208 (a^ 772); baexwarena land ib.; in occidental! parte
regionis quae dicitur Merscware (in Kent) 214 (a^ 774); 6d meon wara
snade 742 (a^ 939); ealla dd dsenewaru 1322 = omnibus illis homi-
nibus qui manent in ilia valle 1321.

warod st. m. Werder', Ufergebiet, Wiese am Flusse, wie ne. dial, wartli
(in Herefordshire) *a flat meadow close to a stream'; me. warth, waruth
*Ufer', ahd. warid, werid *Insel, erhohtes, wasserfreies Land zwischen
Siimpfen'. On ^n welle up on brugh doune on warrode 564 (a<» 891,
Dorset). 1st wer(e)d dasselbe Wort? vergl. on weredan hylle 27, 391;
werdwelle 523.

waru St. f. die Hut, Hiitung, Koppel, von werjan, got. warjan Vahren';
bayr. die War *Acht, Achtsamkeit', ahd. wari, weri , md. wer *Vorsicht,
Behutsamkeit' ; die Gewar ^Aufsicht, Hut, Obhut', ahd. gawara, giwara,
mhd. gewar; kn l^s on waru de gebyred inntd raculfe 880 (a<* 949,
Kent); ? on U flex waran 955 (a^ 956). .

was(s)e sw. f. Schlamm, nasser Rasen, feuchte Erdmasse; oberd. Wasen
*Rasen', ahd. waso; wasal ^feuchte Erdmasse'; frz. gazon; of d^re
mede ^t id wasan, of \vasan M to ^a 1005 (a^ 957); innt6 Brade
wassan, d. i. Broadwas, Wore. 233 (a« 779); Alrewasse O.-N. in 8taf-*
ford 771 (a^ 942); Uuassanburna, d. i. Washborne, Glouc. 430 (a*> 840);
on pirewasse (Stafford), 890 (a^ 951); up td wassan dftne 520 (a« 868,
Hants); t6 wassan liamme 762 (aP 940, Berks.); to w^assingwellan 496
(ao 858).

Wassingas m. pi. alter Geschlechtsname; in Wassengatilne in Sftdsexon
1297 (a^ 973), d. i. Washington in Sussex.

wc^cel, wacel st. m. Wachholder; ahd. wehhaltar, schwab. wiichltr; daneben
mhd. wachalter; artl. Wachel; to waclescumbe 299 (a** 800). Ob die
bekannte Watling Street hiervon ihren Namen hat^ oder zu watul,
vmtel^ tccBtel st. m. Hiirde, Flechtwerk, me. watel, ne. wattle zu stellen
ist, ist schwer zu entscheiden, da schon in alter Zeit c mit t in diesem
Namen wechselt. Doch scheint die Schreibung mit c zu liberwiegeji;
so findet sich wseclinga str^t in Nr. 659, 792, 1290, aber wsetlinga
strsbt in Nr. 986. Wsetlinga ceaster ist der Name von St. Albans:
ca.^tellum . . . Uuerulamium quod nos vulgariter dicimus Wsetlinga-
ceaster; Earle, pag. 399 (a^ 1002).

Wdg Flussname; zu hw^g ^Molken'?; of w^emftdan 927 (a« 956).

wcbI st. n. die auf der Wahlstatt Gebliebenen; die Loicbe; an. valr *die
Leichen auf dem Schlachtf elde' ; zu dem Stamnie zu stellen, dem auch



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— 144 —

av. wAl *Beiiche, Pest', ahd. wuol *Niederlage' aiigehoreii, nicht zu
*wahlen''; wselwe^ 1213; walwejL; 390; wealweg 451.

Wc^rna, Werna P.-N. ; ahd. Warin; on wsernan hylle 1028 (r^ 958);
on wernan festen 1331 (sl^ 739); on weman br6c 469.

wc^sce sw. f. *Wasche', das Waschen, die Schwemme; of wsesceforda ond-
long erge 1040 (a<> 958); s. scedp.

wdt (w^t) adj. nass, feucht; me. wset, afrs. w^t, ne. wet; in W^tansic
219 (um 770); in w^tan sihtran, of d^m w^tan sice .... in dset w^te
sice 233 (a« 779); ofer wdt 6ran 624 (a^ 909); wton cumb 246 (doch
kann wat = hwat sein, s. hw»t).

wcet St. n. ? Bach, Fluss (eig. etwas Nasses, Wasser); andlang str^ames in
on hrunig fealles w^t, donon andlang str^ames 1307 (a^ 973, Hants).

wCBter st n. Wasser, jede Art von Gewasser; andlang uuseteres (gemeint
ist ein Bach, ride) 208 (a** 772); set dses hemes ende set dses wseteres
sprynge 356 (a^ 816); wseter dorn, eine denhaer, 702 (a** 934); weter
furh 477; wsetersled 469; watyrdiin 597; watercomb 606; weter weg
689; wseter weg 963; weter geat 627; water pet 781; waterhamm 963;
wseter dell 1316.

wcede-y von w^dan jagen, fischen, zu wad *WeidVerk; on wMe human
1282 (a^ 972); doch kann wMe- fur wMe- stehen und dies aus wod
*Gesang, Rauschen* umgelautet sein, (w^de-) w^dehurna ware der klin-
gende, rauschende Bach.

wedere sw. f. ?, on wederangr^fe scaga 730 (a® 938). An weder 'Wetter*
ist nicht zu denken, ebensowenig an weder 'Widder', es sei denn, dass
neben den starken Maskulinis eine schwache Form bestanden hatto,
was nicht wohl angenommen werden kann. Moglicherweise entspricht
ae. wedere sw. f. dem bayr. die Wetter (der Wettern) 'gabelformiges
Verbindungsholz am Wagen oder Pflug' (Schmeller), ahd. wetaro, wetero
'padiliga^ sodass wederangrM ein gabelformiges G^holz ware?

weg St. m. Weg, Strasse. Sehr haufig, aber fast nur als Grundwort. Kur
in weg gelsete (s. gelsete) begegnet es als Bestimmungswort, 604, 801,
944, endlang herepathes on dar weilete 564 (a^ 891).

(Fif) ^ana weg 219; sernic weg 810; setinc weg 1105; bdamweg
299; beartan weg 1282; bodding weg 958; brae weg 764; brie weg
810; burhweg 879; Ciceling weg 390; cl^g weg 1282; cnictes fonveg
299; diopan wei 565; ealdan hyme weg 866; folcesweg 419; fMan
weg 299, 633; geni^r weg 225, 565; gerd weg 1242; goldwei 300;
grenan weg 299; hegeweg 1218; hemede weg 782; h^fod weg 1002;
healdan weg 783; holenwei 300; hor weg 596; horgan weg 596; hors-
weg 299; hris weg 226; hw^ogel weg 246; huntena w^eg 1230; icen-
hilde weg 908; icenilde weg 1292; ichenilde weg 801; lacweg 1009;
16ceres weg 866; lunden weg 1076; marge wei 565; m^dweg 475;
m^rweg 226; mearc weg 594; port weg 1047; radenwei 564; r^adan
weg 958; scylf weg 937; sibbes weg 1307; sidlingweg 957; slahdor
weg 1307; sledweie 717; stanweg 299, 595; stdnihtan weg 299, 633;
stapol weg 765 ; stific weg 633 ; stifig weg 866 ; swinweg 801 ; t(in
weg 765; diodweg 659; dornisces weg 1343; walweg 390; wselweg
1213; weal weg 451; wan weg 758; wsen weg, wen weg 1047; wseter



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weg 963; weter weg 689; wel wseg 659; weallehes weg 299; weascing
weg 390; wic weg 552; Wriuwoldes wei 300; wude weig 229; wudu-
weg 597 (der lateinische Interpret der Urkunde iibersetzt on done
wuduweg mit ^ad viam viduseM).

wel(l)y wyl(l) St. m. (n.); welle, wylle sw. f. Quelle, 75aeh. Als erstes
Kompositionsglied nicht eben haufig ; oft begegnet Welesburna, so 430,
1234 u. s. w.; Welpul 1313; wellwseg 959; andlang die on wylle
weg 595. Als Grundwort dagegen sehr haufig, wie alle Bachbezeich-
nungen. Abbodes wylle 748; ^cuuylle 62; aire wyll 299; amman
wyll 801; asan wylle 1282; sesc wyll 959; badeswelle 125; bsede
wyll 1037; binguuelle 208; blinde wylle 229; bogen wyll 1026;
boreswelle 776; Bot(e)well 400, 401; botan wyll 699 (Botwell, Middle-
sex); br^melwylle 1291; bryde wylle 1282; brydena wyll 723; burh-
welle 482; buregwelle 125; byrgwylle 801; byrnes wylle 764; csers-
wylle 229, 952; chdkewell 1313; cealcwellas 165; cearewyll 906
(Cherwell, Nebenfluss der Themse); cr6hwaelle 428; crund wyll 962;
cumbran wylle 361, 787; cweom welle 1129; eneda wyll 1003; eabbincg
wylle 480; Ealduuylle 62; fsegran will 1116; fiscwill 882; fyldena
wyll 696, 1201; g6sanwell 754; h%an wyll 299, 475, 986; hsesl
welle 551; hedeswelle 1214; heafoc wylle 246; heort wyll 965; hole-
wielle 200, 670; hord wyll 491, 796; horswyll 879; horscum wyll
1073; hr^odmdrwyll 887; hr6ces wylle 480; hriid wyll 948; hunnes
wylle 802; Hwerwyl 912 (Wherwell, Hants); l^wern wylle 480; loddra
welle 1282; lortenwill 923; msegdan wylle 226; m^swille 882; mere-
welle 709; mereswelle 125; mearcell {=■. mearcwell) 1082; m^oswille
208; oden wylle 480; pimpeniwell 708; pirdeswell 672; pucan wyllo
208, 814; pydewylle 1201; ran wyll 894; r^odwelle 183; saltwelle
240; sceadwelle 1282; schuppuUMeswell 1313; sceolles uuille 377;
scirwylle 246; secgwsell 451; seofan wyllas 165; spdnwselle 356; strea
wyll 1119; tigwelle 1023; dom well 970; dr6stlanwell 1313; upwyll
1003; ulan wylle 124; waldes welle 551; Walderes well 672; wan
wyll 1118; wassingwell 496; werdwelle 523, west welle 565; winca-
well 923; winterwelle 112, 466; w6gganwyll 952; wrseccena wylle
764; wrennan wylle 469; wrostlan wyll 959; wulfwsell 451; Wulferes
wylle 1282.

In Ortsnamen ist -well sehr haufig, so tritt es hi Hants mit Wight
neben dem einfachen Well (set Wellan 1128, um 968) in 14 Namen
auf. Vom pi. wellas der Ortsname Wells, Somerset

welig, welih, welw st. f. Weide, Weidengebiisch; mndd. wilge, artland.
wilge, me. wilye, ne. willow; weligford 877 (a** 949); on welewe 391
(ao 826); on preostwlwe (-welwe, B.) 606 (a« 904).

welling st. f. Quelle; eig. Wallung, s. well und vergl. bseming; uuellyrgae:
siuus (Epinaler Glossen); s^o salt wellingc de hyrd int6 griman leage
... 6der intd mosMage 1139 (um 970); wellinga st^n 197, Wealinga-
wyrth 262 (a« 971) und ad Wel(l)ingum 812 (um 944) deuten auf
einen Geschlechtsnamen Wellingas.

wen(n) st. m. wen(n)e sw. f. Warze, Schwellung, me. wenne, ne. wen,
mndd, wene; im Gelande: wahrscheinlich 'kleine Boden an schwellung,



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Wulst von irgend etwas'; deinde in wennan st^n 476; on wen broc
1109 (a® 963); wsenweg, wenweg 1047; fluvii qui nuncupatur uuen-
risc (jetzt Windrush?, Glouc.) 230 (a^ 779); Weonfcld O.-N. 888 (uni
950).

wende sw. f. *Wende', Grenze; andlang herpades on wendan msere 730
(a^ 938); dazu wendel-y so wendles dtrn 1229; vergl. wendels^ *Grenz-
meer*, Elene 231; ahd. wentilmeri, wendelmeri 'das Meer, das alles
Land auf der Erde umgiebt und begrenzend einschliesst'.

wer, wear, weor, st. m. (n.) Wehr' im Bache oder Flusse, Stau, Fisch-
reuse; me. wer, ne. wear, weir; unius hominis piscatum in dsfem pusting
were 248 (a** 786); on bregr^deswere 300 (a® 801); twygen weoras in
fluvio qui dicitur Stur 426 (a** 839); ^n wer on ycenan (im Flusse
Itchen, Hants) 596 (a<* 901); from Hengest-were unt6 Hornwere 715
(a^ 937); be siidan fordwere 924 (a^ 956); on sseuerne (Severn) XXI
cytwera 928; andlang h^a (= ^a) to healh were 1005 (a® 957); sw4
bei ^a (K: be ^a) t6 brihtwoldes were 814 (a® 946); of foreweard wer
diine 6d midde wearde wer, of midde wer dftne in werdftn br6c 204
(a® 770); td temsese on wirMes wser 565; on afne (Avon) on clifwere
752 (a® 940); on d^ da and .se wer stede be sAdan hrdod bricge,
Earle pag. 246, a** 1045; mylenwer *Muhlwebr': and lang strdames
on dd mylen ware 1030 (a<* 958), doch gehort dies mylen ware (f!)
vielleicht zu warn, s. d.

west- West-, im ersten Teile von Zusammensetzungen ; als Adjektiv Svest-
lieh', auch wester-; west halh, t6 west m^dwan 542; west welle 565;
west Idgse 565. west geat 818; Westbyrig 314 (Westbury, Glouc);
West Wudu, d. i. West Wood, Hants; Earle pag. 363 (a^ 987); se
westra crochyrst 1125 (a<* 963); in regione quae dicitur westan widde
348 (a« 814, d. i. Westwood, Kent).

wet(t) St. m. Eber; vermutlich hwset, an. hvatr *Mannchen von Tieren
Uberhaupt' (adj. -hwset *scharf, mutig'); wettesford 476.

weder st. m. Widder; usque Wether stoche 279 A.

weac St. m. Winkel; ne. dial, week *a corner* (in Northumberland), wahr-
scheinlich zu wican 'weichen' gehorig (also eigentlich wac?); oberd.
Weiche *Ort, wo Baume zum Ausweichen der Wagen ausgehauen, oin
Wegstiick erbreitert ist' (Buck); to lytlan wdac 758 (a<» 940).

wealCy vergl. ne. dial, walk *a plantation of willows; uninclosed land'
(Hall); weak hyrst 1082 (a^ 962); Walcanstede, eine denbser in Nr. 197,
scheint dagegen auf einen P.-N. Wealca zu deuten, der nomen agentis
ware wie ne. Walker Walker*.

weald St. m. Wald; scheint als Gemeinname viel seltener vorzukommen,
als die anderen Waldbezeichnungen (s. wudu, holt, scaga, dorn u. s. w.);
in commune saltu id est on Csesters^ta walda 303 (a® 811); on waldes
wellan 551 (a^ 883); Uuealdseuuestra 194 (urn 760, d. h. weald se
westra 'der westliche Wald'; vergl. se westra cr6chyrst unter west-);
mid d^m denbserum in limen wero wealdo, and in burh waro uualdo
(d. h. im Walde der Einwohner (s. ware) von Limen (Lyminge in
Kent) imd von Burh 248 (a^ 786). Der Weald von Kent, der sich
auch iiber Sussex erstreckte, ist schon in alter Zeit zum grossten Teile



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— 147 —

gerodet und zu Kulturland gemacht wordeii; die Eriiinerung an d^n
grosser! Wald ist aber uoch lebendig, denu man spricht noch heute
in jenen Landesteilen von wealden parishes; das sind solche, die alte
Rodungen in dem grossen Walde darstellen. Sibertswold in Kent ist
Swydbrihtesweald 765 (10. Jh.). Waldron, im Doomsday Book Wald-
rene (wahrscheinlich *Waldhaus', s. sern) liegt riach Lowell, History of
Sussex, *in a picturesque part of the Weald'. Eine wealden parish ist
ferner Wisborough Green, vom Volke nur Green genannt. Alte Ro-
dungen und Ansiedlungen im Walde erhielten oft den Namen wealt-
h^m; set Wealt^m 1152, daher der Ortsname Waltham (in Hants,
Lincoln u. s. w.); wealth^minga mearc 620 (a^ 909).

Die vielgenannten Schweineweiden im Walde heissen auch weald-
hera, (moistens denbera, s. baer und denn, denbser). Ad hanc quoque
terram pertinent in diversis locis porcorum pastus id est Uuealdbaera
253 (a® 788, Kent). Ebenso sind in Nr. 343 (a<* 814; auch eine ken-
tische Urkunde; der Name scheint daher spezifisch kentisch zu sein)
die aufgefiihrten zahlreichen Schweineweiden waldbera genannt.

wealda sw. m. Herrscher; of earnes hrycge on wealdan cumbes ford 1331
(a® 739), docb liegt moglicherweise ein Adjektiv von weald Wald' vor.

wealh, walh st. m. der Welsche, Walliser; wealh geat 1282 (a® 972).

weall St. m. Wall, Mauer; altes lat. Lehnwort; be 4astan porte b^tan
wealle 242 (a° 781); andlanges strsete tii M weall 518 (a« 868); 6d
done ealdan st4n weall 767 (a<^ 941); on anne stan wal 910 (a<^ 955);
weallehes weg 299 (Komposition von weall und l^h, sodass weall^hes
lesen ware, oder ist weallehes = wealhes? s. wealh); and lang d^re
weal die 969 (a<> 956).

wealu St. f. Wallung, Strudel (von weallan *wallen'), vergl. auch wylm
und well; me. walle, afrs. walla. T6 die wale 1027 (a<^ 958); andlang
floetes 6d wealefl^t 997 (a« 957).

weard st. m. 'Wart', Warter, Hiiter; haufig ist weard setl; gleichsam
Wartsessel', Wartsitz, Wartturm. Als solchen fasse ich auch stapol
auf, s. d. On stuteres hylle nidewearde, donon on weard setl, gemeint
ist eine Ortlichkeit bei Clere in Hants 179 (a® 749); andlang herpades
t6 weard setle 787 (a^ 943); (S^ hr6ces ford, don on weard setl 1343
(a® 930). In loco qui dicitur Weardburg 632 (a<^ 916); also eine eng-
lische Wartburg, vermutlich in Berks. Weard hangra 596 (a<* 901);
weard feald 628 (a<^ 909).

tvearde sw. f. *Warte', Wache; be d^m ^ast clife ufe weardum 6^ weardan
hylle 663 (a<* 928). Ein solcher Warthiigel trug wahrscheinlich auch
einen weard setl oder stapol.

wearh, wearg st. m. 1. tFbelthater, Verdammter; 2. Wolf; besonders in
dem Kompositum wearhr6d st. f. 'Galgen'; on d^ wearh roda on w6dnes
die 998 (a« 957); dieselbe Ortlichkeit on d^ wearh rode 1053 (a^ 963);
in Bezug auf wearge dtln 792 (a<^ 944) und weargeburna 1307 (a^ 973
— 974) ist es ratsam, sie nicht zu wearh in obigen Bedeutungen zu stellen,
obwohl dieses wearge- derselben Herkunft ist. Die westarische Wurzel
*wergh hat im Griechischen und Germanischen eine reiche Entwicklung
erfahren, Gr. scgyo)^ ei^yo)^ jon. und episch epyw und e^o) (fiir feqyo))



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— 148 —

Vinschliessen, eins|>erreii, einen^en, draiigeii* ist der Form uiul Bedeu-
tung nach die Quelle einer zahlreichen Wortfamilie. Gr. elqyuog^
siqxiri *Emscbluss, Gefangnis'; OQyfi *Drang, Trieb'; eqyov *Werk';
oejw (fiir ^^y-jw) *thue, verrichte', S^yavov Werkzeug', dgycov 'heilige
Handlung'. Das Lateinische bietet urgeo Vlrangeii, bedrangen, ein-
ejigen; iiiit Eifer betreiben'; vergo *neigen, wenden'. Im Gotiscben
zeigt sich zunacbst das st. v. wairgan — warg — wa<irgum — watirgans
*wurgen (altbayr. das starke pz. erworgen) bedrangen, einengen'; aus
deni Ablaut: wargs, eigentlicb der Wurger, 'tjbelthater, Verdammter';
launawargH ^Undankbarer* (eig. Lobndriicker) ; gawargjan 'verdammen'.
Von diesen Formen mit g sind untrennbar diejenigen niit k: gawatlrki
*\Verk', wa<irkjan *wirken, arbeiten'; mit Methathese des r: got. wrikan
*verfolgen, Racbe uben*. Endlieh ist wriggan (st. v.) mit seiner zabl-
reichen Sippe wahrscheinlieh eine nasalierte Form desselben Stammer*.
Das Ahd. hat ware *Tyrann, TeufeF; werah, were Werk' und *Werg'
(fiir Letzteres daneben auch ^wirrihi, dwurrihi); Werg ist das Zusammen-
gedriickte, Zusammengewirrte ; wirkan ^wirken', wurgen ^wiirgen', (w)reh-
han *rachen'; (w)ringan *ringen' u. s. w. Altenglisch: wearg, wearh
1. Cbelthater, Verdammter; Wolf (eig. Wurger); 2. Knoten, Warze
(das Zusammengfedriickte, s. wearriht); wyrgan 'verfluchen'; weorcan,
wyrcan ^wirken'; wreean ^ausiiben, rachen*; wringan 'drehend driicken'.
Die Sippe ist so reich, dass sie bier nicht erschopft werden kann.
Jedenfalls ist soviel ersicbtlich, dass weargeburna *der zusammenge-
zwangte, in einem engen Bette fliessende Bach' sein muss, weargedim
*die knotenformige Anhohe' (oder *die eingeklemmte', zur Entscheidung
ware Autopsie notwendig; fiir *eingeengt' spricht der Text der Urkunde
(Nr. 792) td weargedftne betweox dk lytlan twegen beorgas, bei Doddan-
ford, Dodford, Northampton).

tvearm adj. warm; in wearman dene 1282 (a^ 972).

wearp st. m. Auswiirf, Aufwurf (s. gewyrp), Anschwemmung eines Flusses;
daher wahrscheinlieh der Flussname Salowearp, s. salu.

ivearriht adj. knotig, knorrig (eig. wearhriht, s. wearh); on dsene wear
rihtan stocc 707 (a« 935).

weascing st. m. Waschen, Schwemme; weascing weg 390 (um 1050).

tveafva, wdiva sw. m. Web, Trauer, Elend; to weawan hocan 689 {a^ 932);
on weawan dorn 1200 (a<^ 967).

? weo f. Kleinigkeit, Bisschen = me. we; ne. wee adj. *winzig'; to weo
leage 627 (a« 909).

weoca sw. m. (Docht) Wulst, vergl. nhd. Wieche (obs.) und Wocken (obs.);
andlang mearce on weocan dorn 1227 (a^ 968).

weoh s. woh.

weolc, weoloc J<t. m. Trompetenschnecke ; ne. whelk; set Weolces clife 782
(a^ 943); ?t6 wealacan die 475 (a« 854).

weord, ivurd, wyrd st. f, auch weordig st. m. Boden (as. wirnt), besonders
erhohter Boden, hochgelegenes Land, hochgelegenes Grundstiick, ge-
eignet, ein Haus darauf zu bauen; eine durch Erdaufschuttung kiijist-
lich geschaffene Erhohung in der Niederung als Standort fiir ein Haus,
(in Schleswig *Wurt'), sodann Gehoft uberhaupt, wie set Hunigburnan



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— 149 —

twegeii Weorctias and XI seceras Eardlaude^ 361 (9. Jh.). Verwandt
mit warod; afrs. andd. wurt, word; daher der Name des Landes Wursten
(eig. Wurti^aten, s. s^te); artliind. Wohrde; on weorde hege ford be
dan hege on weord apeldre 955 (a<> 956); set wurde, O.-N. Worth in
Berks. 1028 (a« 958); set dkn twdn Wordigum 652 (urn 930). In
Hants mit Wight zahJt man 14 Ortsnamen auf -worth und 4 Worthy.
In Worthy, Hants, war am 12. Juli 931 ein witena gem6t, wobei
Worthy genannt wird villa omnibus notissima Worcig, Wordig.

^scm^res wierd 624; sesculfes weordig 1343; Benincwyrd 235;
bilian wyrth 696; branteswyrth 712; burhgeardes wordig 724; kseia
weord 208; Cellewird 584; ceolesword 1289; cumbran weord 1282;
cynelde weord 1298; dencesuurd 1034; dunan wyrd 866; ealdmannes
wyerde 1033; gamelan wyrth 813; Gislheresuuyrth 87; heldmannes
wrth 691; healdesuuyrth 197; Hildeburhwrth 127; hremres wyrth 674;
lindwyrd 123; luean weordig 1343; olderworth 715; 6slan wyrd 764;
rige wyrd 924; scynes weord 820; seofocan wyrd 1002; tfineweord
994; tiinl^s weord 820; Wealingawyrth 262; wendles wurd 82; witan
wyrd 27; wyl wyrd 903.

Wie man sieht, enthalt die Mehrzahl dieser Zusammensetzungeii
Personennamen oder Geschlechtsnamen; hier ist wyrd stets *Geh6ft,
Besitztum, Hofguf .

ww^ St. n. Gehoft, Dorf, Flecken, Ort, Ortsehaft; altes Lehnwort aus
dem lat. vicus. Schwer von den folgenden Wdrteni zu trennen, wie
auch diese wieder schwer von einander zu trennen sind. Locum qui
dicitur cynges wie 50 (a® 680); in vico quem nobili vocitant nomine
Uuicbold 77 (a^ 692, d. i. Wichbold in Wore); in vico regis qui dici-
tur Uuicbold 353 (a<> 815); in plaga Warewicensi 127 (a« 710, d. i.
Warwick); willering wie, cynemunding wie, udding wie 524 (a^ 869);
on Wichamme 1268 {a<^ 970); 1295; wich^ma mearc 742 (a^ 939);
wicl^ah 390 (um 1050), 943; wicstr^t 994 (a^ 957); wicweg 552
(a« 884).

In jetzigen Ortsnamen -wich und, besonders in Northumberland, -wick;
so Greenwich, Norwich; Alnwick, Berwick, Dotwick u. s. w. (in Nort-
humberland einige 30 Namen auf -wick). In Hampshire ein einfaches
Wick, ein Upper Wick, Mid Wick, Lower Wick und einige 5 andere.

wic^ St. f. entlegene Waldweide, Buschgegend; Niederung; besonders in
Namen der denbaera; eigentlich 'das Entlegene, im Winkel Liegende'
(s. das Folgende); widig wie 702 (a^ 934); hseslwic, g^tawic, scacal-
wic, Schweineweiden, Nr. 834 (a® 947); hlid wie, str6d wie 961 (a^ 956);
of d6ne on wice hrycg 475 (a^ 854); domwic 707, 1200; sihter wie
1114; hr^od wie 936; nordwic ib.; oxena wie 984; hnutt wie 707;
hldwic 178; on Wictftne f^rda dM wudulandes 361; sce^p wie 620;
marisco qui dicitur biscopes uuic. Sweet, O. E. T. Charters 7, a^ 740.

wic^ St. m. auch wtce sw. f. Bucht, Meeresbucht, Ausbuchtung, Einbie-
gung, Winkel, Schlupf winkel, kleiner Hafen; eig. 'das Weichen, die
Entweichung'; hier: das Zunickweichen des festen Landes, also See-
oder Flussbucht, oder das Zuriickweichen eines Wasserlaufes : Kriimmung.
Vom st. V. wican *weichen', daher auch wic^ 'entlegener Ort*. Onge&n



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— 150 —

stream to Wicforda 361; fram wicanford 868 (a<^ 948); on wicum
nider anlang wicunstr^ames (wicum sWaraes) 910 (a® 955); of blac
wylle to dkm wic be westmi blac wylle 6tscyt, of ddm wice t^ dare
apuldre 814 (a^ 946); t6 huntan wican, Earle pag. 363 (a<^ 985); of
aiuwican 705 (a« 934).

wic Bt. m. oder wice sw. f. Bergriister; me. wiche, ne. witch *ulmus mon-
tana'; wie wic^ und wic^ von wican und zwar von wicen, deni part,
perf., eig. das Biegsame. Andlang ride on wican glinde 208 (a® 772);
of dam aire t6 ddm tw4m wycan standad on ger^we eal swa dset ge-
m^re g^d swd up t6 dfi-m wyce stynt ... be hege td ealdan wycan
814 (a« 946); on Wickenford, on holen wicken 910 (a<> 955).

wid adj. weit, breit; td widan geate 565, 705; on widan l^h 702 (a^ 934);
uuidan cumb 164; on widan cum 595, 903.

widu, weodu st. m. Holz, Geholz, Wald; altere Form von wudu s. d.
Durh sceorta wida t6 d^re mearc 208 (a^ 772); in regione quae dicitur
westan widde 348 (a« 814); on weodu 377 (a« 824); 6^ d^ wyde
strgfete 779; trotz der schwachen Flexion, mit der es einige Urkunden
nicht so genau nehmen, kann man auch on widan dene, of widdan
dene 1111 (a° 963) zu widu stellen, obwohl auch wid vorliegen kann.
Zu widu gehort auch widigung *Holzung, Abholzung'; in b6c holte
timber geweorc and uuidigunge 248 (a° 786); auch widung; widunga
on Cyningessn^de 459 (a^ 850), aber wudung 1110.

wife sw. f.? gleich wide, vergl. kentisch wiff = with, withy Weide'; wifan
stocc 594 (a^ 901), 624 V 909). .

wifel St. m. ^Wibel', Kornwurm; eig. der Bewegliche; bayr. wibeln, mhd.
wibelen 'wimmeln, sich schnell bewegen'; me. wivil, wevil, ne. weevil.
Haufig. Wiveleshale O.-N. 127 (a« 719); wifelesfeld 197; wiflahirst
316; wifelesford 567, 699; wifeles hyll 696; wifeles cumb 476, 767,
1287. Da sich das patronymische wifiling falod findet (677, a<^ 931),
so liegt die Vermutung nahe, dass Wifel auch P.-N. war, zumal da


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Online LibraryHeinrich MiddendorffAltenglisches flurnamenbuch → online text (page 18 of 19)