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Kaiser-Friedrich-Museum. Gemälde-Galerie.

Beschreibendes Verzeichnis der Gemälde im Kaiser Friedrich-Museum online

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THE LIBRARY

OF

THE UNIVERSITY
OF CALIFORNIA

LOS ANGELES



KONIGLICHE MUSEEN ZU BERLIN

BESCHREIBENDES VERZEICHNIS

DER

GEMALDE

IM KAISER FRIEDRICH-MUSEUM




SECHSTE AUFLAGE



PREIS i MARK



BERLIN

GEORG REIMER
1906.






Kaiser Friedcich. Mu&eum




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32.

33-

34-



28 29. Italienische Bilder des 14.
und aus der ersten Halfte des
15. Jahrhunderts.

30. Florentinische Bilder d. 1 5. Jahrh.

31. Bildwerke der della Robbia.
Bildwerke Donatellos und Desi-
derios in Marmor.
Italienische Plaketten.
Ferraresische und bolognesische
Bilder des 15. und 16. Jahrh.

35. Italienische Bilder des 16. Jahrh.

36. Italienische Bronzebildwerke.

37. Umbrische und paduanische Bil-
der des 1 5. Jahrhunderts.

38. Florentinische Bilder d. 15. Jahrh.

39. Sammlung James Simon.

40. Florentinische Bildwerke des
15. Jahrhunderts in Marmor.

41. Oberitalien. Bilder d. 15. Jahrh.

42. Oberitalienische Bildwerke des
1 5. Jahrhunderts in Marmor.

43 44. Venezian. Bilder d. 15. Jahrh.
45. Italienische Bilder und Bildwerke
des 1 6. Jahrhunderts.



46. Venezianische Bilder d. 1 6. Jahrh.

47. Italien. Bilder d. 17. u. 1 8. Jahrh.

48. Tiepolo-Raum.

49. Spanische Bilder des 17. Jahrh.

50. Gemaldesammlung Adolf Thiem.

51. Franzosische u. englische Bilder
des 17. und 18. Jahrh.

52 56. Hollandische Bilder des
17. Jahrhunderts.

57. Rembrandt.

58. Hollandische Bilder d. 17. Jahrh.

59. Franz Hals.

60. Vlamische Bilder des 17. Jahrh.
und Miniaturbilder.

61. Gemaldesamml. A. v. Carstanjen.

62. Vlamische Bilder des 17. Jahrh.

63. Rubens.

64. Die Tapeten von Raphael.
65 66. Deutsche Bilder d. 1 6. Jahrh.
67. Dtirer und Holbein.

68 70. Niederlandische Bilder des
15. und 1 6. Jahrhunderts.

71. Niederland. Bilder des 1 6. Jahrh.

72. Der Center Altar.



KONIGLICHE MUSEEN ZU BERLIN

BESCHREIBENDES VERZEICHNIS

DER

|f GEMALDE

IM KAISER FRIEDRICH-MUSEUM




SECHSTE AUFLAGE



PREIS i MARK



BERLIN

GEORG REIMER
1906.



Art
Library

N



Vorwort zur sechsten Auflage.

Die neue Auflage schlieBt sich im allgemeinen den
friiheren an. Der Grundsatz der Knappheit in den Be-
schreibungen und kritischen Bemerkungen, durch den
das Verzeichnis handlich und mit seinem billigen Preise
weiteren Kreisen zuganglich gemacht wurde, ist bei-
behalten worden.

Die Bilder sind im ersten Stock des Kaiser Friedrich-
Museums aufgestellt, mit Ausnahme der altesten deut-
schen Tafelgemalde, die im ErdgeschoB bei den Bild-
werken ihren Platz gefunden haben, und einiger Altar-
bilder, die in der ;>Basilika aufgestellt sind.

Die neue Auflage enthalt am Schlusse wieder ein
Verzeichnis aller leihweise abgegebenen und in den
Magazinen des Museums aufgestellten Gemalde.

Abgesehen von der Aufnahme der neu erworbenen
und mancher aus dem Vorrat wieder zur Aufstellung
gelangten Bilder, gait es, den Text einer genauen
Durchsicht zu unterziehen und mit Beriicksichtigung
der neueren Forschung zu erganzen und zu verbessern.
Diese Bearbeitung ist durch Herrn Hilfsarbeiter Dr. Posse
unter Aufsicht des Herrn Direktor Dr. Friedlander aus-
gefiihrt worden; beim Abschlufl war Herr Dr. Cohen
behilflich.



1224861



IV Vorwort zur sechsten Auflage.

Die Bilder der Sammlung J. Simon, die zum ersten
Male aufgenommen wurden, sind durch ein S. vor der
Nummer kenntlich gemacht.

Leihweise ausgestellt sind fiir einige Jahre die
Sammlung von Carstanjen, sowie Teile der Sammlung
von Wesendonck. Diese Bilder sind nicht in den Katalog
aufgenommen.

Fiir den Gebrauch des Verzeichnisses ist besonders
zu beachten:

In den Beschreibungen der Bilder sind die Be-
zeichnungen rechts und links stets vom Standpunkt
des Beschauers gemeint.

Die Grofie der Bilder ist nach dem Metermafie an-
gegeben, und zwar innerhalb des Rahmens.

Wo das Bindemittel der Farbe nicht besonders
angegeben ist, handelt es sich um Olgemalde.



Am 1 8. Oktober 1906.



Bode

Direktor der Kgl. Gemaldegalerie.



Aelst. Evert van Aelst. Hollandische Schule. Still-
lebenmaler, geb. zu Delft 1602, f daselbst den 19. Febr. 1657.
Tatig zu Delft.

E. van Aelst? Stilleben. Auf der, mit einer grauen 921
Decke teilweise bedeckten Tischplatte ein totes Rebhuhn,
eine Ente und ein Goldammer. Dunkler Grund.

Vielleicht von Willem van Aelst, dem die Mehrzahl der dem
Evert zugeteilten Bilder angehort.

Leinwand, h. 0,58, br. 0,49. Sammlung Giustiniani, 1815.

Aelst. Willem (Guillielmo) van Aelst. Hollandische
Schule. Stillebenmaler, geb. 1626 (?) zu Delft, f wahr-
scheinlich zu Amsterdam 1683 oder wenig spater. Schiller
seines Oheims Evert van Aelst zu Delft und des Otto Marseus
van Schrieck in Florenz. Tatig in Delft, von 1645 1656 in
Frankreich und Italien; um 1656 wieder in Delft, seit 1657
in Amsterdam.

Stilleben. Auf einer Marmorplatte mit zuriickge- 961
schobener roter Decke zwei tote Schnepfen und Stieglitze.
Dariiber, an der Wand hangend, Steinhiihner. Dunkler
Grund.



Bez. am Tischbein:



FrUhes Werk des Meisters.

Leinwand, h. 0,66, br. 0,48. Erworben 1838 in Augsburg.

Stilleben. Auf einer Marmorplatte mit griiner Decke 975
verschiedenes Prachtgerat zwischen Trauben und einem
Teller mit Pfirsichen. Dunkler Grund.

Bez. links unten wie umstehend.

Leinwand, h. 0,84, br. 0,70. KOnigliche Schltisser.

Verz. d. Gemalde. i





Aertsen.



Aertsen. Pieter Aertsen (Aertsz.)
oder Aertsens, gen. de lange Pier.

Niederlandische Schule. Geb. wahr-
scheinlich zu Amsterdam 1507 oder
1508, begraben daselbst den 3. Juni
1575. Schiiler des Allaert Claesz. zu
Amsterdam. Tatig in Antwerpen von
ungefahr 1 535 bis 1556, spater in Amster-
dam.

719 Junge Frau mit Kind. Sie tragt
das nackte Kind auf der Schulter.
Hinter ihr eine Mauer. Im Hinter-
grunde links einige Figuren.

Bruchstiick eines Altarbildes (Geburt Christi),
wahrscheinlich des zerstorten Bildes der Nieuwe
Kerk zu Amsterdam.

Brustbild, Eichenholz, h. 0,65, br. 0,83.
Konigliche Schlosser.

726 Kreuztragung Christi. Christus,
dem die hi. Veronika ihr Tuch darreicht,
bricht auf dem Wege zur -Richtstatte
inmitten zahlreichen Volkes unter der
Last des Kreuzes zusammen. Vorn
rechts Simon von Cyrene, den zwei
Kriegsknechte fassen, wahrend seine
Frau und Kinder ihn zuriickzuhalten
suchen. Davor, mehr der Mitte zu,
Marktweiber mit ihrem beladenen Kar-
ren. Links vorn die beiden Schacher,
der eine, auf einem Esel, von einem
Dominikaner, der andere, auf einem
Afmesiinderkarren, von einem Fran-
ziskaner begleitet; hinter ihnen eine
Schar von Reitern und eine grofie von
Jerusalem kommende Volksmenge. Wei-
ter hinten auf ansteigender Hohe Maria
inmitten ihrerFrauenzusammensinkend ;
dariiber der auferstandene Christus gen
Himmel schwebend. Im Grunde rechts
die Richtstatte mit der Kreuzigung und





V





726



Aertsen. Albani. Alegretto. 3

einem dichten Kreis von Zuschauern ;
in der Feme links breitet sich Jeru-
salem aus.

Bez. an einem Korbe, den ein Mann
in der Ecke links auf dem Riicken tragt,
wie nebenstehend (1552, December 22
p. a . . .).

Der Dreizack ist die Marke des Meisters.

Eichenholz, h. 0,77, br. 1,16. Samm-
lung Solly, 1821.

Albani. Francesco Albani. Schule
von Bologna. Geb. zu Bologna
den 17. Marz 1578, f daselbst den
4. Oktober 1660. Anfangs Schiller
des Dionigi Calvaert, dann des Lo-
dovico und Annibale Carracci. Tatig
in Rom (um 1600 1616, wiederum
1622 1623 und 1625), in Florenz (1633) und vor-
nehmlich in Bologna.

Christus erscheint Maria Magdalena. Der 1618
g Auferstandene steht links mit abwehrender Hand-
5 bewegung vor Magdalena, die zu seinen Fiifien am
Boden kniet. Rechts im Mittelgrunde das leere Grab,
bewacht von zwei Engeln in weifien Gewandern.
Hintergrund weite Landschaft mit fernen Bergen. In
der Luft fiinf Cherubimkopfchen.

Verkleinerte Wiederholung des Altargemaldes in S. Maria
de' Servi zu Bologna. Darstellungen desselben Gegenstandes
mit geringen Abanderungen von Albanis Hand finden sich
mehrfach, so im Pal . Bianco zu Genua, im Louvre u. a. a. O.
Leinwand, h. 0,71, br. 0,51. Erworben 1899 als Geschenk
des Herm James Simon.

Alegretto. Alegretto Nuzi (Alegretto da Fabriano).

Umbrische Schule. - Geb. zu Fabriano, urkundlich
zuerst erwahnt 1346 als Mitglied der Florentiner Maler-
gilde, f zu Fabriano, angeblich 1385 im Alter von
79 Jahren. Tatig zu Fabriano, kurze Zeit zu Florenz
und Venedig (vermutlich vor 1348).

Maria mit zwei Heiligen. Die thronende Maria 1076
tragt auf beiden Armen das bekleidete Kind, das



4 Alegretto. Altdorfer.

einen Vogel in der Hand halt. Links der hi. Bartholo-
maeus, rechts die hi. Katharina. Goldgrund mit farbigem
Muster.

S. Nr. 1078. Bez. auf der untersten Thronstufe wie auf S. 3.

Tempera. Pappelholz, spitzgiebelig abgeschlossen, h. 0,49, br. 0,26.
- Sammlung Solly, 1821.

1078 Christus am Kreuz. Am Fufie des Kreuzes kniet
Magdalena, die Fiifie Christi kiissend; links Maria, rechts
Johannes wehklagend. Auf den Zweigen eines Baumes,
der dem Kreuz entspriefit, der Pelikan in seinem Neste.
Goldgrund.

Wohl urspriinglich mit Nr. 1076 zu einem Diptychon vereinigt.

Tempera. Pappelholz, spitzgiebelig abgeschlossen, h. 0,49, br. 0,26.
- Sammlung Solly, 1821.

Allegri. S. Correggio.

Altdorfer. Albrecht Altdorfer. Deutsche Schule (Regens-
burg). - Maler, Baumeister, Zeichner fur den Holzschnitt
und Kupferstecher, geb. kurz vor 1480, f zu Regensburg
1538, bald nach dem 12. Februar. Wahrscheinlich Schiller
seines Vaters. Bildete sich nach Albrecht Diirer, vielleicht
auch unter dem Einflusse von Matthias Griinewald. Tatig
zu Regensburg (daselbst ansassig seit 1505).
638 Doppelbild. Links: Der hi. Franciscus empfangt
knieend die Wundmale. Rechts: Der hi. Hieronymus
kasteit sich vor dem Kruzifix. - - Hintergrund in beiden
Bildern waldige Berglandschaft.

(1507) (1507)

Bez. links und rechts unten: (U/\\ ! bez. links unten:



i: (L\A\ >

n



Lindenholz, jedes Bild h. 0,22, br. 0,19. Sammlung Solly, 1821.

638A Landschaft mit Satyrfamilie. Zur Linken lagert
unter hohen Baumen an einer Felswand eine Satyrfamilie.
Rechts weiter hinten ein Satyr, der eine Nymphe verfolgt, und
Ausblick in gebirgige Landschaft. (Nessus und Deianira?)



(1507)
Bez. links oben:



.^



Altdorfer. 5

Ehemals in der Sammlung Kraenner in Regensburg.
Lindenholz, h. 0,23, br. 0,20. Sammlung Suermondt, 1874.

Ruhe auf der Flucht nach Agypten. An einem 638B
reich gezierten Renaissancebrunnen sitzt rechts Maria mit
dem Kind. Engelchen musizieren auf dem Brunnenrand
und platschern im Wasser. Rechts vorn Joseph, der Maria
Kirschen reichend. Im Mittelgrunde der gebirgigen Land-
schaft eine Stadt an einem grofien Wasser.

Bez. auf einer Tafel am Brunnen:



So?



writ



Die dritte Stelle der Zahl war friiher retuschiert, so dafl falschlich
das Datum 1640 zu lesen war.

(Albrecht Altorffer, Maler zu Regensburg, weihte dies Geschenk
glaubigen Herzens Dir, hehre Maria, zu seinem Seelenheil.)

Lindenholz, h. 0,57, br. 0,38. Erworben 1876 aus der Samm-
lung Fr. Lippmann in Wien.

Landschaft mit der Darstellung des Sprichworts 638C
Der Hoffart sitzt der Bettel auf der Schleppe*.
Ein reichgekleidetes Paar, auf dessen Schleppe sich eine
Bettlerfamilie gelagert hat, schreitet der Freitreppe eines
links gelegenen Renaissanceschlosses zu, auf der ihnen der
Hofmeister, in den Handen ein PrachtgefaG, zu feierlichem
Empfang entgegenkommt. Im Hintergrund eine Stadt an
felsiger Meereskiiste.

Bez. rechts an einem Baumstamm :

Ehemals in der Sammlung Develey, MUnchen.
Lindenholz, h. 0,28, br. 0,40. Erworben 1876 aus der Samm-
lung Fr. Lippmann in Wien.

Kreuzigung. In der Mitte Christus zwischen den beiden 638D
Schachern am Kreuz, von dem zwei Knechte die Leiter weg-
nehmen. Vorn sitzt Magdalena, vom Riicken gesehen; rechts



5 Altdorfer. Amberger.

entfernt sich Maria, von Johannes, einer zweiten hi. Frau
und Joseph von Arimathia geleitet. Hintergrund bergige
Landschaft mit einer Stadt am Wasser.

Bez. unten in der Mitte:

Auf der Rtickseite von des Meisters Hand ein halb verwischtes
Doppelwappen.

Alte Kopie in der stadtischen Gemaldesammlung zu Koblenz mit
dem Datum 1528. Das Original ist nicht viel frtiher entstanden.

Lindenholz, h. 0,28, br. 0,20. Erworben 1 886 durch letztwillige
Verfiigung der Frau Dr. Maria Weber in Berlin.

638E Geburt Christi. In einer verfallenen Baulichkeit kniet
Maria und betet zu dem Christkinde, das drei Kinderengel in
einem weifien Tuch halten. Hinter Maria steht Joseph mit
einer Kerze in der Hand. Rechts oben am Nachthimmel
drei Engel fliegend mit einem langen Spruchband, links
oben als grofie Lichtscheibe der Stern, der den Hirten
leuchtet. Im Hintergrunde die Verkundigung an die Hirten.

Aus der mittleren Zeit des Meisters (um 1512 15).

Lindenholz, h. 0,36, br. 0,255. Erworben 1892 von Ch. Butler
in London.

Amberger. Christoph Amberger. Deutsche Schule (Augs-
burg). Maler und Zeichner fur den Holzschnitt, geb.
um 1500, im Jahre 1530 in die AugsburgerMalerzunft auf-
genommen, f zu Augsburg zwischen Okt. 1561 und Okt. 1562.
Unter venetianischer Einwirkung gebildet. Tatig namentlich
zu Augsburg.

556 Bildnis Kaiser Karls V. (1500 1558). Fast im Profil,
nach rechts gewendet. In schwarzem Barett und schwarzer
Schaube iiber dem griinlich grauen Samtkleid, auf dem das
goldene Vliefi ruht. Die Hande mit Buch und Handschuh
liegen auf einem Tisch mit roter Decke. Oben auf dem hell-
grauen Grunde das kaiserliche Wappen zwischen den Saulen
des Herkules und der Wahlspruch: Plvs ovltre; darunter:
Aetatis XXXII.

Auf der RUckseite aus gleicher Zeit die schadhafte Inschrift:
Christoff Amberg . . . . zu Augspurg und auf einem Blattchen mit
etwas spaterer Schrift: die Handt vom Amberger. Eine alte Kopie
mit Veranderungen in der Akademie zu Siena, eine andere in der



Amberger. Angel. 7

Galerie zu Lille. Nach alter Uberlieferung wird berichtet, Karl V.
habe fiir das Bildnis dem Meister eine goldene Kette geschenkt und
das Dreifache des bedungenen Lohnes (10 Thlr.) gezahlt. Wahrschein-
lich ehemals in der von Praunschen Sammlung zu Nlirnberg.

Brustbild fast in Lebensgr. Lindenholz, h. 0,65, br. 0,50. Er-
worben vor 1820.

Bildnis des Kosmographen Sebastian Miinster 583
(1489 1552). Halb seitlich nach rechts gewendet. Die
rechte Hand ruht auf einem Tisch mit roter Decke. Mit
schwarzem Barett, in rotem Unterkleid und hohem weifiem
Hemde; dariiber die schwarze mit hellem Pelz gefiitterte
Schaube. Griiner Grund.

Auf der Rtickseite die Inschrift von einer Hand des 16. Jahr-
hunderts: Sebastian Mvnster Cosmographus. Seines Alters 6j gemalt
Ao. fJJ2. (In den Zahlenangaben scheint ein Irrtum untergelaufen
zu sein.) Ehemals in der von Praunschen Sammlung zu Ntirnberg.

Brustbild. Lindenholz, h. 0,54, br. 0,42. Erworben vor 1820.

Amberger? Bildnis des Feldhauptmanns Georg 577
von Frundsberg (1473 1 5 2 8). Von vorn gesehen, etwas
nach rechts gewendet. In voller Riistung, mit Helm und
Scharpe; in der Rechten eine Hellebarde. Hintergrund eine
Nische. Rechts das Wappen. Unter dem Bildnis eine
siebenzeilige lateinische Inschrift, auf die Kriegstaten und
das Lebensalter Frundsbergs beziiglich.

Nach 1528, dem Todesjahre Frundsbergs, gemalt. - Eine alte
Kopie, mit deutscher Inschrift, im Augsburger Privatbesitz.

Kniefig. Rottannenholz, h. 1,51, br. 0,96. Sammlung Solly,
1821.

Amerighi. S. Caravaggio.

Andrea. S. Brescianino und Sarto.

Angel. Philips Angel. Hollandische Schule. - Maler,
vornehmlich von Stilleben, und Radierer, getauft den
14. September 1616 zu Middelburg, daselbst im Oktober
1683 urkundlich zum letztenmal angefiihrt. Todesjahr un-
bekannt. Tatig in Haarlem und in Leiden zwischen 1639
und 1645; 1646 1651 und 1656 1662 in Batavia; von 1652
bis 1656 in Ispahan. 1665 in die Heimat zuruckgekehrt
und bis zu seinem Tode in Middelburg tatig.

Stilleben. Auf einem Tische liegen tote Vogel in und 918A
neben einem Bottich. Hellgrauer Grund.



8 Angel. Angelico.

Bez. unten: ^ At\tL fitfO

d

Eins der wenigen noch nachweisbaren Bilder des Meisters (u. a.
eins in der Eremitage zu Petersburg, bez. P. A. 1658).

Eichenholz, oval, h. 0,095, br. 0,13. Sammlung Suermondt, 1874.

Angelico. Fra Giovanni da Fiesole, gen. Angelico, oder
Beato Angelico, auch kurzweg Fiesole. Florentinische Schule.
- Geb. 1387 in der florentinischen Provinz Mugello, trat
1407 zu Fiesole in den Dominikaner-Orden, f zu Rom
18. Marz 1455. Tatig vornehmlich in Fiesole (1418 1436)
und Florenz (1436 1446), zeitweilig in Cortona (zwischen
1409 und 1418), Orvieto (1447) un d Rom (zwischen 1446
und 1455).

60 Thronende Maria mit demKinde. Maria sitzt, das
bekleidete Kind auf dem Schofie, vor einem Vorhang aus
Goldbrokat. Zu den Seiten des Vorhangs links der hi. Do-
minicus, rechts Petrus Martyr.

Aus der fniheren Zeit des Meisters.

Tempera. Pappelholz, oben abgerundet, h. 0,70, br. 0,51. -
Sammlung Solly, 1821.

60A Fliigelaltar. Das jiingste Gericht. Mittelbild:
Oben Christus als Weltenrichter in der Mandorla; zu beiden
Seiten Maria, Johannes d. T., Apostel, Evangelisten, Pro-
pheten, Heilige und Engel. Unten die Scheidung der Auf-
erstandenen in Selige und Verdammte. - Linker Fliigel:
Auf blumigerWiese werden Selige (zumeist Dominikaner) von
Engeln im Reigen aufwarts geleitet. Ganz oben die Pforte
des Paradieses, goldene Strahlen entsendend ; im feierlichen
Zuge ihr zuwandelnd Gruppen von Engeln und Domini-
kanern. Rechts oben der hi. Antonius, abwarts auf eine
Gruppe von Gestalten deutend, die, auf Wolken stehend,
emporschweben : ein Kardinal im Dominikanerkleid, ein
Papst und ein Engel. - Rechter Fliigel: Oben Engel
und Heilige, sich an die himmlische Heerschar des Mittel-
bildes anschliefiend. Unten die Holle, in deren sieben Ab-
teilungen die Verdammten von Teufeln gepeinigt werden.
In der Mitte der Holle der dreikopfige Hollenfiirst Lucifer.
Goldgrund.



Angelico. n

Aus der Zeit des romischen Aufenthaltes, mithin wahrscheinlich
1446/47 oder bald nach 1450 gemalt. Eine Kopie unter Sprangers
Namen, in der Galerie zu Turin. Im Jahre 1811 befand sich das
Bild im Besitz eines Backers zu Rom, von dem es bald nach 1816
Kardinal Fesch erwarb. Bei dem Verkaufe der Sammlung Fesch im
Jahre 1845 zog es einer der Erben, Fiirst Musignano, Sohn des Lucien
Bonaparte, zuriick, um es spater an Lord Ward, den nachmaligen Earl
of Dudley, zu verkaufen.

Tempera. Pappelholz, Mittelbild, h. 1,01, br. 0,63; Fliigel je
h. 1,01, br. 0,27. Erworben 1884 aus der Sammlung des Earl of
Dudley zu London.

Die hll. Dominicus und Franciscus. Vor einer 61
Kirche begriifit Dominicus den von links herantretenden
Franciscus als Genossen seines Werkes, die von Christus ab-
gefallene Welt zu bekehren. Beide von je einem Ordens-
bruder begleitet. In der Luft links Maria als Fiirbitterin
vor dem thronenden Christus. Links im Grunde weite Land-
schaft mit Gebauden.

Gegenstiick zu Nr. 62.

Tempera. Pappelholz, h. 0,26, br. 0,31. Erworben 1823.

Verklarung des hi. Franciscus. In einer Klosterzelle 62
auf einer Wolke emporschwebend, erteilt der Heilige funf
Ordensbriidern den Segen, wahrend ein sechster durch die
Tiir links sich entfernt. Eine Schrifttafel vor der Wolke:
Pax vobis. Rechts Ausblick durch die Zellentiir in den
Wald.

Gegenstiick von Nr. 61.

Tempera. Pappelholz, h. 0,26, br. 0,31. Erworben 1823.

Angelico. Schule des Fra Giovanni Angelico da Fiesole.

Florentinische Schule.

Das jiingste Gericht. Christus als Weltenrichter, von 57
Engeln umgeben, zwischen der thronenden Maria, Johannes
d. T., Aposteln und Kirchenvatern. Unten links die Seligen,
rechts die Verdammten. In den Zwickeln die Brustbilder
der Propheten Daniel, Jeremias, Jesaias und Elias.

Bez. auf dem Sockel des Rahmens: HOC OPVS FEC. FIERI
JACOBVS LODOVICI S JACOBI DMI LEI DE VILLANIS PRO

REMEDIO A?E SVE ET DN. MAGDALENE VXORIS EIVS ET
SVORVM. ANNO DOMINI MILESIMO CCCCLVI. - - Das Bild
ist also ein Jahr nach dem Tode des Fra Angelico gemalt. Die Aus-



IO Angelico. Anraadt. Antonello.

fiihrung ist von verschiedenen Handen. Einige Teile erinnern an die
Kunstweise Cosimo Rosellis.

Tempera. Pappelholz, h. 1,81, br. 2,84. Sammlung Solly, 1821.

Anraadt. Pieter van Anraadt. Hollandische Schule. -
Bildnismaler, geb. zu Utrecht, heiratet 1663 in Deventer,
begraben daselbst den 13. April 1678. Tatig in Deventer
(seit 1660) und Amsterdam (1672 75).

792B Bildnis einer alten Frau. Etwas nach rechts ge-
wendet, die Rechte auf die Brust legend In schwarzem
Kleid und schwarzer weifier Haube iiber kleiner Spitzen-
miitze. In gemalter ovaler Steinumrahmung. Dunkler Grund.

Frtiher Gabriel Metsu zugeschrieben. Sammlungen Lord Rad-
stock, London 1826, und Nieuwenhuis, Briissel 1855.

Halbfig. Leinwand, h. 0,73, br. 0,61. Sammlung Suermondt,
1874.

Antonello. Antonello da Messina (Antonello di Salva-
tore d'Antonio, oder degli Antonj). Venetianische Schule.
Geb. zu Messina um 1430, f daselbst den 14. oder 15. Fe-
bruar 1479. Unter dem Einflusse der Eyck'schen Schule und
spater des Gio. Bellini ausgebildet. Tatig namentlich in
Messina (bis August 1474 und wieder vom 14. Nov. 1476 ab)
und von etwa 1475 bis 1476 in Venedig.

18 Bildnis eines jungen Mannes. Etwas nach links

gewendet. Bartlos, mit langem, rotbraunem Haar. In
schwarzem, pelzgefiittertem Gewand und schwarzer Miitze
mit Sendelbinde. Vorn eine Briistung; Hintergrund Himmel
und etwas Landschaft.

Am unteren Rande der Briistung die Inschrift: PROSPERANS
MODESTVS ESTO INFORTVNATVS VERO PRVDENS (Im GlUck
sei bescheiden, im UnglUck aber klug). Auf einem Blattchen dariiber:



Die Zahl, in ihren beiden letzten Stellen undeutlich, ist 1478 zu
lesen (vgl. auch A. M. Zanetti). Letztes erhaltenes Bild des Meisters.
Ehemals Sammlung Vitturi in Venedig (1773) nach einer Notiz auf
der Ruckseite.

Brustbild in */ 3 Lebensgr. NuBbaumholz, h. 0,20, br. 0,14. Er-
worben 1832 durch Tausch von Solly.

ISA Bildnis eines jungen Mannes. Nach links gewendet,
bartlos, in rotem, pelzgefiittertem Mantel und dunkler Miitze
mit Sendelbinde. Schwarzer Grund.



Antonello. I j

Auf einem Papierblattchen an der Brustung bez.:

~R?7r~T

nellus niofTJiinu*?



Ehemals Sammlung Hamilton.

Brustbild etwas unter Lebensgr. Pappelholz, h. 0,32, br. 0,26. -
Erworben 1889 in Paris.

Antonello. Schule des Antonello da Messina. Venetia
nische Schule.

Bildnis eines jungen Mannes. Etwas nach links ge- 25
wendet und auf den Beschauer blickend. Bartlos, auf dem
braunen Haar eine rote Kappe. In rotem Obergewand,
unter dem das schwarze Untergewand sichtbar wird. Schwarzer
Grund.

Vielleicht der Schule von Murano angehorig.

Fast lebensgr. Brustbild. Pappelholz, h. 0,38, br. 0,50. Er-
worben 1841/42 in Italien.

Antonello. Antonello da Saliba. Zeichnet sich Antonellus
de Saliba oder Antonellus Messanensis. Venetianische Schule.
Geburts- und Todesdatum unbekannt. Tatig nach den
Daten auf seinen Bildern und nach urkundlichen Nach-
richten etwa 1497 1535. Namentlich in Messina unter dem
Einfluss des beriihmteren Antonello gebildet, und wahr-
scheinlich kurze Zeit in Venedig (vor 1497) unter dem Ein-
flusse des Cima da Conegliano.

Der hi. Sebastian. An einen Stamm gefesselt und von 8
Pfeilen durchbohrt. Das geneigte Haupt etwas nach links
gewendet. Hintergrund niedrige Mauer, dariiber Himmel.

Bez. auf der Brlistung:

- ANTON EHV,S*/\ESANEVS* P *

Freie Wiederholungen in Frankfurt a. M., in der Galerie zu Ber-
gamo und Padua (Casa Maldura).

Brustbild etwas unter Lebensgr. Rotbuchenholz, h. 0,46, br. 0,35.
- Sammlung Solly, 1821.



12 Antonello. Antonio. Aspertini.

13 Maria mit dem Kinde. Maria, etwas nach links ge-

wendet, halt das nackte Kind, das auf einer Brustung vor
ihr steht. Hintergrund Landschaft.
Bez. auf der Brlistung:

* ANTONEtLVS*MES5ANESIS*P^

Vgl. Ludwig, Jahrb. der k. p. Ksts. XXIII, Anhg. S. 60. Das
Bild stammt aus Treviso und wurde, nach Ridolfi und Federici, von A.
fur Caterina Cornaro gemalt, von dieser aber an eine ihrer Damen ver-
schenkt, die sich zu Treviso mit einem Conte Avogaro vermahlte.
Im Besitze dieser Familie befand sich das Bild noch im Anfange des
19. Jahrhunderts.

Maria Halbfig. etwas unter Lebensgr. Pappelholz, h. 0,69, br. 0,54.
- Sammlung Solly, 1821.

Antonio. Antonio da Crevalcore, eigentlich Antonio
Leonelli da Crevalcore. Schule von Bologna. - Genannt
als Maler von Blumen und Friichten, auch als Musiker;
tatig um 1480 1500 zu Bologna, f vor 1525.

1146 Heilige Familie. Maria, Joseph und der kleine Jo-
hannes verehren das auf einer steinernen Brustung sitzende
Christkind, das mit beiden Handen eine Zitrone halt. Seit-
warts an zwei Pfeilern Gehange von Orangen und Pfirsichen.
Hintergrund Landschaft.

Bez. auf einem Blattchen unten:



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