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den AA\ BB\ CC\ DD' voneinander isolirt durchgef&hrt
werden konnten. Zwischen A und B einerseits und C und D
andererseits waren vermittelst der Schräubchen SS' Platin-
drähte ausgespannt, von denen der untere als glühender,
electromotorisch wirkender Körper, der obere als Electrode
diente. Die Drahtenden C und D' waren fUr gewöhnlich
miteinander verbunden und communicirten mit demselben
Quadrantenpaar des Electrometers. Das Grewinde Z diente
dftzu, den ganzen Apparat auf eine Luftpumpe aufzuschrau-
ben, mit welcher eine Verdünnung bis zu ca. 12 mm Druck
zu erreichen war. Um die Spannung der Luft im Apparat



1) Vgl. hierüber auch J. Elster u. H. Geitel, Wied. Ann, 16^
p. 212. 1882.

2) J. Elster u. H. Geitel, Wied. Ann. 1«. p. 604. 1883.

8'



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116 ./. Elster u. K Geitel

controliren zu können, war ein kleines Manometer M auf
den Boden der Kapsel K aufgekittet. Die Drahtenden A'
und B' tauchten in Quecksilbernäpfchen, die mit den Polen
einer aus zwei oder drei grossen Bunsen'schen Elementen
bestehenden Batterie verbunden waren.

Zunächst zeigte sich unsere Vermuthung hinsichtlich
eventueller Verunreinigungen des Drahtes CD bestätigt.
Wenn man nämlich, nachdem der Apparat zusammengesetzt
worden ist, ohne den Draht CD durch Glühen zu reinigen,
den Draht AB in helle Glüht vermittelst des Stromes ver-
setzt, 80 sind häufig die beobachteten Ablenkungen &i^ e+x
und e—x namentlich bei Weissgluht fast gleich gross, e also
fast Null. So ergab sich z. B. bei Anwendung von 3 Ele-
menten und evacuirtem Apparat:

tf + X = -t-69 tf — a? = — 51, also e = + 9
€ + x^ +78 « - A- « - 53, also e = +12

Nach dem letzten Versuche wurde die Luftelectrode
durch Ausglühen gereinigt; jetzt ergab sich:

e + ar=+116 e — :r=— 7, also e = +54,5,

mithin eine Steigerung der electromotorischen Kraft um
circa das Fünfache.

Die Verunreinigungen rühren vielleicht daher, dass der
glühende Draht die Spuren von Fettdämpfen, die nicht zu
vermeiden sind, zersetzt und so die Oberflächenbeschaffenheit
des Drahtes CD ändert, indem ein Theil der Zersetzungs-
producte sich darauf niederschlägt.

In der folgenden Tabelle ist eine Beihe Beobachtungen
angeführt, die deutlich zeigen, dass auch in möglichst ent-
stäubter, bis auf 15 mm Quecksilberdruck verdünnter Luft
für e immer positive Werthe sich ergeben, und dass das
Maximum der Electrisirung der Luft bei Gelbgluht statt-
findet.

Femer beachte man, dass die im luftverdünnten Baume
und in Luft gewöhnlicher Dichte angestellten Versuche nicht
ohne weiteres miteinander vergleichbar sind, da beim Ein-
lassen der Luft die Temperatur des Drahtes sofort um ein
Beträchtliches sinkt.



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Electrüiruriff der Gase durch glühende Kärptr. 117
Tabelle IV.



Datum c + j" e — X

. L I _,_



I



B



i)=100,



Bemerkungen



9. Dec. +161 I +30



+ 145 I +27

1 +145 j +32

I +156 +36

+ 126 +17

+ 106 +4



10.



11.



+ 117
+ 104
+ 116
+ 114
+ 100
+ 95
+ 96
+ 101



+ 95 ; 56 I +170

I I

+ 86 ' ~

+ 89 —

+ 96 i -

+ 72 —

+ 51 : 55



+ 4
- 5
+ 7
+ 5
+ 3
-83
-43
-28



+ 57




+ 49


— '


+ 61





+ 60





+ 52


— '


+ 31





+27





+ 37






+ 161

+ 128
+ 93

+ 104

+ 89
+ 111
+ 111
+ 95
+ 56-
+ 49
+ 67



Gelbglühender Draht in til-
j trirter Luft; 3 Elemente.

! PHltrirte Luffc eingelassen.
Gelbglühender Draht in Luft;
2 Elemente.



Fortgesetzt
gliAt.



evacuirt. Gelb-



Flltrirte Luft eingelassen.

> Weissgluht im Vacuum. 3 El.

Filtrirte Luft eingelassen;
Weissgluht. 3 Elemente.



Auch hier ist ohne Frage sehr auffallend, dass bei
Weissgluht für e so sehr viel kleinere Werthe gefunden
werden. Bei obigen Versuchen betrug die Entfernung zwi-
schen den beiden Drähten weniger als 1 mm. Bei weiterer
Entfernung ergeben sich auch bei Weissgluht grössere Werthe.
Als z. B. die Entfernung ca. 4 mm betrug, fand sich bei
Weissgluht:



e-\-x


e — X


e


i>


E


+ 111
+ 110


-28
-29


+ 41
+ 40


38


+ 71
+ 71



und nachdem durch Einlassen von Luft in den Apparat die
Glüht auf sehr helle Gelbgluht gesunken war:
^ + x=142 e-x^ -Xh e=:+63 £= + 109.

Analoge Versuche haben wir auch in einer innen ganz
mit Glycerin bestrichenen Glasröhre ausgeführt. Die An-
ordnung der Drähte war ganz ähnlich der in Fig. 6 dar-
gestellten, nur konnte CD nicht durch den Strom ausge-
glüht, sondern musste vor dem Einsetzen in den Apparat
in einer Alkoholflamme gereinigt werden.

Als diese Röhre z. B, mit filtrirter Luft gefüllt wurde,

ergab sich:

e=+58 Z> = 57 £=+102.



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118 J. Elster w. Ä Geitel

Wurde unmittelbar darauf die filtrirte Luft durch Zim-
merluft ersetzt^ so fand sich:

g=+58 D^hl £=+102,

also genau derselbe Werth.

Nachdem die Luftelectrode neu eingestellt, ergab sich:

«=+49 D = m £=+86,

und nachdem der Apparat 24 Stunden unberührt stehen
geblieben:

e=+50 2) = 57 £=+88.

Bei allen diesen Versuchen befand sich der Draht in
»elbgluht

Aus den bislang mitgetheilten Zahlen dürfte mit grosser
"Wahrscheinlichkeit hervorgehen, dass etwa mit der Luft
in den Zinkkasten eingeführter Staub die Ursache der von
uns aufgefundenen electrischen Erregung nicht sein kann.
Führt man in die Apparate künstlich Staub ein, so erhält
man sehr schwankende Resultate. In solchen Räumen über-
zieht sich nämlich die Luftelectrode mit Anflügen, die in
der yerschiedensten Weise electromotorisch wirken können.
Ausserdem ist es unmöglich^ stark staubige Luft ohne eine
Electrisirung der Staubpartikelchen durch Reibung an den
Wänden der Zuleitungsröhren einzuleiten. Eine einwurfs-
freie Entscheidung der vorliegenden Frage, ob der in der
Luft schwebende Staub electromotorisch wirkt, scheint uns
auf dem letzteren Wege nicht möglich zu sein.

Nach Giese^) soll sich die Luft in einem innen mit
Glycerin bestrichenen, auf 100^ erwärmten Kasten nicht
electrisiren. Hierbei ist jedoch nicht zu übersehen, dass
Giese nicht einen glühenden Körper, sondern nur eine auf
10(P erhitzte Kupferspirale anwandte. Auch wir fanden,
dass eine Electrisirung der Gase nur an glühenden Kör-
pern eintritt.



1) Gieße, Wied. Ann. 17. p. 534. 1882 und Wiedemann, Electr.
4. 1. p. 864. 1885.



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Electrisirunff der Gase durch glühende Körper, 11^

§ 4. Unipolares Verhalten glühender Drähte.

In einer früheren Mittheilung ^) haben wir das von
Guthrie angegebene Verhalten glühender Körper, nämlich
einen negativ electrischen Körper leichter zu entladen, als
einen positiv electrischen, bestätigt gefunden, und durch die
seitens des glühenden Körpers hervorgerufene Electrisirung
der Luft, also durch das Auftreten der bislang mit e bezeich-
neten electromotorischen Kraft erklärt. Wir befanden uns
dabei in üebereinstimmung mit Herwig*), der eine ähnliche
Ansicht schon früher in Wiedemann's Annalen zum Aus-
druck gebracht hatte, allerdings angewandt auf das Innere
der Flamme.

Galvanisch glühende Drähte zeigen nun das unipolare
Verhalten in ganz auffallender Weise. Theilt man nämlich
dem über dem glühenden Drahte angebrachten Draht CD
(Pig. 6) eine positive Ladung dadurch mit, dass man mit ihm
den positiven Pol einer aus 100 Plattenpaaren bestehenden
Zamboni 'sehen Säule momentan in Verbindung bringt, so
Terschwindet sofort die Scala aus dem Gesichtsfelde des
Fernrohres, und zwar wird die Nadel dauernd um einen
ganz bedeutenden Winkel abgelenkt. Verbindet man dagegen
CD momentan mit dem negativen Pol der Säule, so erfährt
die Nadel zwar auch eine Ablenkung, kehrt aber sofort
in ihre frühere Einstellung zurück. Nach unserer Theorie
mass dies unipolare Verhalten um so schärfer hervortreten,
je energischer die durch den glühenden Körper bewirkte
Electrisirung der umhüllenden Luft ist. Bei der grossen
Zahl von Versuchen, in welchen wir dies electrische Ver-
halten glühender Körper prüften, zeigte sich ganz evident,
dass die unipolare Leitung um so ausgeprägter hervor-
tritt, je grösser die für e sich aus den Ablenkungen e + x
nnd tf — ar ergebenden Werthe waren. Bei den Versuchen
Tom 9. Dicember, Tab. IV, waren sowohl c -Ha?, als auch e—x
beide positiv. Hier wurde der Draht CD bei stärkerer posi-
tiver Ladung fast gar nicht, bei negativer sofort entladen.

1) J. Elster u. fl. Geitel, Wied. Ann. 26. p. 1. 1885.

2) Herwig, Wied. Ann. 1. p. 517. 1877.



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120 J, Ekier u. H, Geitel

Das Gleiche findet auch noch für die vier ersten Versuche
vom 10. December statt, und zwar mag A oder B zur Erde
abgeleitet sein, stets ist das heisse Gas negativ unipolar.
In allen den Fällen, in welchen wir einen relativ kleinen
Werth für e beobachteten, war auch das scheinbare unipo-
lare Leitungsvermögen nur in sehr geringem Maasse vor-
handen.

Wir werden im Folgenden noch schlagendere Beweise
für die Richtigkeit unserer früher dargelegten Anschauung
beizubringen im Stande sein.

§ 5. Verhalten glühender Drähte im Vacuum.

Um Missverständnissen vorzubeugen, bemerken wir, dass
wir uns durchaus nicht dem Glauben hingeben, durch die
im § 4 angeführten Vorsichtsmaassregeln sämmtliche feste
Partikelchen zwischen dem glühenden und nicht glühenden
Drahte entfernt zu haben. Selbst die vollkommenste Filtrir-
vorrichtung für die angewandten Gase würde keine Bürg-
schaft dafür bieten, dass dieselben während des Versuches
staubfrei bleiben. Es ist ja eine bekannte ^) Thatsache, dass
jeder glühende Körper die Eigenschaft hat, entstäubte Luft
wieder mit von seiner Oberfläche abgeschleuderten Staubpar-
tikelchen zu erfüllen. Es ist dies eine specifische Eigenschaft
glühender Körper. Es sind mithin, selbst wenn man die
Verwendung vollständig entstäubter Gase voraussetzt, immer
noch zwei Ursachen vorhanden, welche die Ladung des Drah-
tes CD bewirken können, nämlich einmal die von den
glühenden Körpern fortgeschleuderten Partikelchen, und zwei-
tens die Gasmolecüle, welche von dem glühenden zu dem
nicht glühenden Drahte fliegen. Zwischen diesen Möglich-
keiten zu entscheiden, dürfte sehr schwer sein.

Um der Lösung der Frage vielleicht näher zu kommen,
und wenigstens von gröberen Staubpartikelchen ganz unab-
hängig zu sein, haben wir das Verhalten glühender Drähte
in möglichst evacuirten Bäumen untersucht, in Bäumen, wie
sie Crookes zur Anstellung seiner bekannten Versuche ver-
wandt hat. Man darf wohl annehmen, dass in Medien von

1) Vgl. hierüber: Lodge, Nature. 31. p. 268. 1885.



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Electrisirung der Gase durch glühende Körper, 121

80 geringer Dichtigkeit ein primäres — dem Glühen voran*
gehendes — Vorhandensein von Staub ausgeschlossen ist

Zu diesem Zwecke haben wir den in Fig. 7 dargestellten
Apparat Ton Dr* Bohrbeck in Berlin anfertigen lassen. In
einen möglichst evacuirten Glasballon ist ein Platindraht AB
eingeschmolzen, dem in circa ^j^ mm Entfernung eine Platin-
platte PR gegenübergestellt ist. Letztere steht mit dem
Eectrometer in Verbindung, während der Draht AB durch
zwei Bun sen' sehe Elemente zu heller Gelbgluth erhitzt
werden kann. Der Draht Afi^ dient dazu, den Draht ^£
eventuell in der Mitte zur Erde abzuleiten.

Es ergab sich nun das in hohem Grade überraschende
Resultat, dass der glühende Draht ebenso kräftig electro-
motorisch wirkt, als befände er sich im lufterfüllten Baume*
Eine Beobachtungsreihe ist in folgender Tabelle gegeben.







T


ab


eUe


V.






Datam


, e + x


e — X 1


i


. 1


D


E ' '
für2) = 100;


Glühzustand


16; Dec.


i +172


i +28 ■


+ 100 1


61


+ 164 !


Gelbgluht




+ 143


+ 11 .


+


77 '




i +109


»}




+ 140


+ 12


+


76




' +109


)}




1 +134


1 - 4


+


65




+ 106


Rothgluht




i +100


• +18 •


+


59




+ 98


»


17. Dec.


+ 130


+ 22


+


76 •


61


+ 124


Gelbgluht




+ 142


i +22


+


82 •




■ +135







+ 137


+ 17


+


77




+ 126


yy




+ 129


+ 11


+


70




+ 115 -


»>



Es ist hierdurch wohl bewiesen, dass die positive Elec-
trisirung einer einem glühenden Körper genäherten Electrode
unabhängig ist von etwaigen in dem umgebenden Medium
enthaltenen Staubpartikelchen. Zugleich liegt in Anbetracht
der geringen Dichtigkeit der Luft in diesem Räume die
Aimsdmie nahe, dass im Vacuum die von einem glühen-
den Körper abgeschleuderten Theilchen die Träger der po-
sitifen Electricität sind. Im lufterfüllten Räume werden
' die Metalltheilchen vornehmlich in der Richtung des aufstei-
genden Luftstromes mitgeführt; im Crookes' sehen Vacuum
inuss jedoch ein derartiges Abfliegen electrisirter Theilchen
nach allen Richtungen gleichmässig erfolgen. In der That



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122 •/. Elster «. H. Geitel

zeigt das Experiment, dass es hier gleichgültig ist, ob der
glühende Draht sich über oder unter der Platte befindet; die
sich für e ergebenden Werthe sind nahezu identisch. Im
lufterfüllten Räume ladet sich die Luftelectrode yerschieden.
je nach ihrer Stellung zum glühenden Drahte.^)

Leitet man den Draht A B durch MN in der Mitte ab,
so macht man sich Ton den auf dem glühenden Drahte befind-
lichen Spannungen unabhängig und beobachtet e direct, so
ergab sich z. B. am 16. December e« +84, E^ +138.

Es sei noch bemerkt, dass schon nach ganz kurzem
G^lühen die Platinplatte einen starken metallischen Anflug
zeigte; ein directer Beweis dafür, dass in der That eine
Ueberftthrung materieller Theilchen von dem glühenden zum
nicht glühenden Körper stattgefunden hat. Da wir nicht
im Besitze einer Quecksilberluftpumpe sind, so konnten wir
die Erscheinung im Vacuum nicht weiter verfolgen. Nament-
lich würde hier die Verwendung verschiedener Gase von
grossem Interesse sein. (Vgl. § 6.)

Nach Guthrie') zeigt der weissglühende Bogen einer
Maxim'schen Lampe kein unipolares Verhalten. Der gelb-
glühende Draht in dem Crookes'schen Vacuum unseres
Apparates zeigt das unipolare Verhalten sehr ausgesprochen,
ebenso als ob sich derselbe in Luft befände.')

Dieser Versuch steht übrigens mit dem von Guthrie
angegebenen nicht in directem Widerspruche, da wir den
Draht AB nicht bis zur Weissgluht zu erhitzen wagten, um
den Apparat nicht zu verderben. Ausserdem verwandte
Guthrie einen Kohlenfaden, bei dem ein Abschleudern
von Partikelchen vielleicht nicht in dem Maasse, wie bei
Platin stattfindet. Ausserdem nimmt auch die scheinbare
uaipolare Leitungsfähigkeit bei Weissgluht zugleich mit der
electrischen Erregung der Luft bedeutend ab, sodass ein



1) Vgl. J. Elster u. H. Geitel, Wied. Ann. 16. p. 211. 1882.

2) Guthrie, Wied. Electr. (4) 1. p. 865. 1885.

3) Es ist wohl selbstverständlich, dass wir uns mittelst eines Funken-
inductors vor und nach jeder Versuchsreihe davon überzeugten, dass kdne
Luft in den Apparat eingedrungen war.



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Elecirisirung der Gase durch glühende Körper,



123



gftDzliches YerBchwinden derselben bei dem Guthrie'schen
Versuche sehr wohl denkbar ist.

§ 6. Verhalten verschiedener Qase.

Aus unseren früheren ^) Versuchen, welche das Verhalten
yenchiedener Gase zum Gegenstande hatten, sowie aus den
hier mitgetheilten im Crookes'schen Vacuum könnte man
wie oben schon angedeutet, folgern, dass die auftretende
elektromotorische Elraft überhaupt yen der Natur des Gases,
in welchem der Körper glüht, unabhängig sei, dass viel-
leicht die Gastheilchen gar nicht electrisirt werden, sondern
nur die abfliegenden, festen Partikelchen des glühenden Me-
talles. Es scheint uns deshalb yon Bedeutung^ dass ein Gas
in seinem Verhalten von der Luft wesentlich abweicht, näm-
lich Wasserstoff.

Füllt man den Apparat Fig. 7 mit reinem, filtrirtem und
getrocknetem Wasserstoff, so zeigt sich bei schwacher Both-
glnht eine geringe positive Ladung des Drahtes CD^ die^
sobald man den Draht AB stärker glühen lässt, immer mehr
schwindet, und bei heller Gelbgluht, die wir erst durch An-
wendung von vier grossen Bunsen'schen Elementen erzielen
konnten, in die entgegengesetzte Ladung übergeht. Der
gllLhende Draht ist hier also positiv, das Gas nega«
tiT electrisch. Li folgender Tabelle sind die beobachteten
Werthe zusammengestellt.

Tabelle VL



Datum c + a? e - x


e 1 D ^J^ Bemerkungen


22. Dec


+ 13 1 -189
+ 15 -133
+ 19 -138
+ 17 1 -135
+ 11 -139


-63 , 60 !]
-62 - .
-60 1 - <

-59 1 -

-64 ; - J


Mittel-
werth
-108


Der PlÄtindraht durch
4 grosse B u n s e n*8che
Eiern, zu heller Gelb-
gluht erhitzt.



Hierdurch ist erwiesen, dass Wasserstoff im Contact mit
f&st weissglühendem Platin negativ electrisch wird.

In diesem Verhalten des Wasserstoffs liegt ein Prüf-

1) J. Klster n. H. Geitel, Wied. Ann. 1% p. 597. 18S8.



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124 J. Ehler u. H. Geitel

stein unserer Theorie hinsichtlich der scheinbaren unipolaren
Leitung der Gase. Da hier die Gaspartikelchen neg^atiT
electrisch sind, so werden sie, falls man den Draht CD posi-
tiv electrisirt, yon diesem angezogen und vernichten so die
positive Ladung. Electrisirt man dagegen CD negativ, bo
werden die Gastheilchen von diesem Drahte fortgeblasen,
d. h. CD bewahrt nahezu seine volle Ladung;

Diese Folgerung aus unserer Theorie haben wir bestä-
tigt gefunden: Wasserstoff in Contact mit glühendem Platin
verhält sich seiner unipolaren Leitungsfähigkeit nach gerade
entgegengesetzt, wie erhitzte Luft, verh&lt sich also in
dieser Beziehung wie das Innere der Flamme. Jenacbdem
also die spontane Electrisirung der umhüllenden Gasscbicht
positiv oder negativ ist, ist das Leitungsvermögen derselben
scheinbar negativ oder positiv unipolar.

Nach diesen Versuchen scheint es uns zweifellos zu sein,
dass die Natur des Gases die Erscheinung wesentlich mit
bedingt.

Früher hatten wir Wasserstoff nicht verwenden können,
da sich in den Zinkkasten der glühende Paquelin'sche
Brenner von aussen nicht einführen liess, ohne eine Ex-
plosion einzuleiten, daher war uns dies eigenthümUche Ver-
halten des Wasserstoffs entgangen. Ausserdem sind sehr
hohe Temperaturen erforderUch; bei unseren Versuchen mit
Leuchtgas waren diese auszuschliessen wegen der eintreten-
den Zersetzung desselben.

unsere früheren Versuche bei Verwendung von Kohlen-
säure anstatt Luft haben wir durchaus bestätigt gefunden;
wir fanden z. B.:

e-k- X e — .r e D E

bei Luft: +74 +10 +42 43 + 95

bei CO^: +79 +11 +45 - +105

Wesentliche Unterschiede treten auch hier nicht hervor.
Die geringe Zunahme von 95 auf 105 ist dem helleren
Glühen des Drahtes in ÜO, zuzuschreiben.

§ 7. Strömende Gase.
Dass ein Strom filtrirter und getrockneter Luft sich
stark positiv electrisirt, wenn er von Seiten eines glühenden



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Ekctrisirung der Gase durch glühende Körper. 125

Körpers eine Reibung erfährt, lässt sich sehr sicher durch
die in Fig. 8 dargestellte. Vorrichtung nachweisen. ^)

Ein dünnes Platinblech wird zu einer Röhre RR' zu-
sammengewickelt und die Mündung so zusammengedruckt,
dass eine sehr feine Spalte SS' entsteht Bringt man dann
die Röhre vermittelst eines kräftigen galvanischen Stromes,
der durch die Drähte A und B eingeleitet werden kann, in
helles Glühen, während man gleichzeitig einen Strom ent-
stäubter Luft die Platinröhre durchfliessen lässt, eingeleitet
durch die Glasröhre G, so ladet sich die in einer Entfer-
nung von 2— 10 cm aufgestellte Metallplatte QQ* so stark
mit positiver Electricität, dass, sobald man sie mit dem
Electrometer in Verbindung bringt, die Scala aus dem Ge-
sichtsfeld des Fernrohrs verschwindet. Dabei ist es gleich-
gültig, ob A oder B zur Erde abgeleitet ist; wenn nur die
Spalte SS' lebhaft glüht, so ist die Electrisirung der Luft
stets eine positive.

§ 8. Zusammenfassung der Resultate.

Die Ergebnisse unserer Untersuchung lassen sich in
folgende Sätze zusammenfassen:

1) Die Erscheinung, dass isolirte Leiter in der Nähe
eines glühenden Körpers sich electrisch laden, tritt auch in
Gasen auf, die mittelst Filtration durch Glycerinwatte nach
Möglichkeit staubfrei gemacht sind.

2) Sie bleibt bestehen bei Verminderung des Druckes
bis zu der in Crook es 'sehen Vacuumröhren herrschenden
lussersten Verdünnung der Gase.

3) Die Electrisirung ist positiv für Rothgluht und alle
darüber liegenden Temperaturen in den bis jetzt unter-
suchten Gasen mit Ausnahme von Wasserstoff, der sich
bei höherer Temperatur entgegengesetzt verhält.

4) Für Luft und Kohlensäure liegt das Maximum der
Electricitätsentwickelung bei heller Gelbgluht.

5) Die einen glühenden Körper umhüllende Gasschicht
zeigt ein verschiedenes Verhalten hinsichtlich der Ableitung

1) Vgl. hier j. Elster u. H. «eitel, Wied. Ann. 19. p. 602 ff. 1883.



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126 J. Elster w. Ä Geitel

positiver und negativer Electricität. Es wird immer die-
jenige Electricität am schnellsten entladen, deren Vorzeichen
der durch den Glühprocess im Grase entwickelten entgegen-
gesetzt ist. (Sogenanntes unipolares Leitungsvermögen,)

§ 9. 8chlus8bemerkungen.

Wir möchten zum Schluss noch darauf aufmerksam
machen, dass eine Untersuchung der electrischen Erregung
verschiedener Gase durch glühende Körper bei niedrigen
Drucken interessante Ergebnisse verspricht, die, wie wir
schon in der Einleitung angedeutet, geeignet sein dürf-
ten, einiges Licht auf die Erscheinungen zu werfen, welche
den Durchgang der Electricität durch stark verdünnte Gase
begleiten.

Besonders auf einen Punkt möchten wir hinweisen, der
einer näheren Untersuchung werth erscheint. Stellt man
einem weissglühenden Platindraht sowohl in Luft als auch
im Crook es^schen Vacuum eine blanke Platinplatte gegen-
über, so bedeckt sich letztere sehr schnell mit einem die
N ob ili'schen Farben zeigenden Anfluge. Gleichzeitig findet
man, dass die Platte positiv electrisch geworden ist. In
Wasserstoff bleibt der Anflug aus, wie wir uns durch mehr-
fache Versuche überzeugten. Es liegt nahe, einen ursäch-
lichen Zusammenhang zwischen diesen Erscheinungen anzu-
nehmen und dieselben mit der Zerstäubung der Kathode
in Vacuumröhren in Verbindung zu bringen. Hier geräth
der negative Poldraht durch den Entladungsstrom ins Glühen
und wird gleichzeitig an seiner Oberfläche zerstäubt; unser
Versuch zeigt umgekehrt, dass ein Platindraht, wenn er
infolge des Glühprocesses zerstäubt wird, sich negativ ladet
In Wasserstoff tritt die Zerstäubung nicht ein, und die elec-
trische Ladung wechselt ihr Zeichen.

Es wäre von Interesse, das Verhalten des Wasserstoffs
bei niederen Drucken zu studiren. Da eine solche Unter-
suchung Mittel voraussetzt, die uns nicht zu Gebote stehen,
so haben wir auf dieselbe verzichten müssen.

Wolfenbüttel, im Januar 1887.



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Sinusinductor. 127

X. lieber eine Abänderung des Kohlrausch^ sehen
Sinusinductars; von Emanuel Pfeiffer,

(Hlersi Tftf. I Flg. 9.)



Seit einer Reihe von Jahren beschäftige ich mich mit
Widerstandsbestimmungen flüssiger Leiter und bediene mich
dabei der bekannten Methode von F. Kohlrausch mit
Sinusinductor und Electrodynamometer. Während letzteres
Instrument in Bezug auf Leichtigkeit der Handhabung vor
den sonstigen mir bekannten Apparaten dieser Art nach
meiner Ansicht den Vorzug verdient, besitzt der Sinusinduc-
tor eine schon von R Eohlrausch angegebene^), namentlich
bei starkem Gebrauche sehr lästige Eigenthümlichkeit. Das
den Mechanismus treibende Gewicht, welches wenigstens bei
den neueren Apparaten bis zu 30 kg gesteigert werden kann,
vird von einem Stricke gehalten, welcher vor dem Gebrauche
mit Anfang und Ende zusammenzunähen fst. Die Nuthen,
in denen der Strick um die Axen der verschiedenen Treib-
and Leitrollen sich legt, sind mit vielen radial nach aussen
gestellten Metallspitzen versehen, um das Gleiten des Seiles
and damit einen unregelmässigen Gang des Werkes zu ver-
hindern. Durch das Eingreifen der Spitzen wird aber der
Strick so stark angegriffen, dass bei massigem Gebrauch in
einigen Wochen derselbe zerreisst. Abgesehen von der mo-
mentanen Störung, die hierdurch immer eintritt, ist das fort-
währende Ersetzen des Strickes und namentlich das Vernähen
desselben, welches wegen der grossen Last sorgßlltig zu ge-
schehen hat (bei einer mittleren Tourenzahl des Magnets
Ton 100 pro Secunde ist die Belastung schon 15 kg), in
hohem Grade zeitraubend und unangenehm.

Durch die in den folgenden Zeilen zu beschreibende



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