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2) W. Siemens, Pogg. Ann. 118. p. 97. 1861.

16*



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244 C. L. Weber.

Stimmung des TemperaturcoSfficienten fQr das feste Queck-
silber^) ergeben hatte, dass diesem Metall in reinem Zu-
stande eine Ausnahmestelle gegenüber den anderen Metallen
nicht zugeschrieben werden darf, suchte ich über das Lei-
tungsvermögen seiner Verbindungen auf einem anderen Wege
als dem bisher eingeschlagenen einen üeberblick zu bekom-
men, um nämlich die oben erwähnten Schwierigkeiten zu
umgehen, habe ich den Widerstand Yon verschiedenen Amal-
gamen bei hohen Temperaturen untersucht, sodass ich
sicher war, vollständig flüssige Legirungen, und zwar homo-
gene Flüssigkeiten vor mir zu haben.

Soweit als möglich suchte ich die Temperaturen so zu
wählen, dass sie über dem Schmelzpunkte des schwerer
schmelzbaren Bestandtheils lagen. Doch gelang dies nur bei
den Amalgamen von Zinn und Wismuth vollständig; bei
den Legirungen des Quecksilbers mit höher schmelzenden
Metallen musste auf die Erreichung dieses Zieles verzichtet
werden, theils wegen der Schwierigkeit, so hohe Tempera-
turen constant zu halten, theils wegen der starken Ver-
dampfung des Quecksilbers.

Die gegenwärtige Mittheilung enthält die Resultate sol-
cher Versuchsreihen, welche fQr die Zinnamalgame bei ca.
240^, für die Amalgame von Wismuth, Blei, Cadmium bei
265® durchgeführt wurden. Bei dieser letzteren Temperatur
sind alle Quecksilberlegirungen des Wismuths noch vollständig
flüssig; für die von Blei und Cadmium ist dasselbe der Fall
bis zu 70 Proc. des zugesetzten Metalles.

Es ist wohl kein Zweifel, dass man, wie ich schon
früher hervorgehoben habe^, durch die Untersuchung solcher
flüssiger Metalle Resultate erhält, die vollkommen unab-
hängig sind von allen Einflüssen der Structur, und welche
den Einfluss der chemischen Beschaffenheit weit klarer er-
kennen lassen, als dies bei dem Studium der festen Metalle
möglich ist.')

Zur Aufnahme der Legirungen dienten mir, wie früher,

1) C. L. Weber, Wied. Ann. 26. p. 245. 1885.

2) C. L. Weber, Wied. Ann. 28. p. 474. 1884.

3) Vgl. auch Braun, Exner's Kep. 21. p. 247. 1885.



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Leitungsvermögen dei* Amalgame, 245

ü-formige Glasröhren mit erweiterten Enden. Die Wider-
standsmessnng geschah mit einer Thomson'schen Brttcken-
combination; die Bohren tauchten dabei in ein Paraffinbad,
dessen hohe Temperatur durch einen mit Luft gefüllten
Thermostaten constant erhalten wurde. Das benutzte Queck-
silbefthermometer wurde vor den Versuchen sowohl, als
wiederholt während derselben, mit dem Luftthermometer bei
derselben hohen Temperatur verglichen; wie zu erwarten
war, zeigten sich bemerkbare Schwankungen in der Correc-
tor; auf grosse Genauigkeit machen deshalb die Temperatur-
angaben keinen Anspruch, auch sind die Temperaturen bei
den einzelnen Messungen um einige Grade verschieden; doch
wird dadurch der Verlauf der Curven nicht geändert, da die
Temperaturcoefficienten dieser flüssigen Legirungen ziemlich
klein sind. Zur Stromzufuhr dienten anfangs Kupferelectro-
den; da diese aber merklich angegriffen wurden, so benutzte
ich schon nach den ersten Versuchen ausschliesslich solche
von amalgamirtem Eisendraht; bei diesen machten sich ther-
moelectrische Erregungen einigermassen bemerklich; deshalb
wurden alle Messungen mit zwei verschiedenen Stromrich-
tungen ausgeführt

Eine besondere Aufmerksamkeit erforderte die Berei-
tung und Mischung der Legirungen. — um die Verluste
durch Oxydation möglichst klein zu machen, wurden diesel-
ben meistens aus den vorher abgewogenen Bestandtheilen in
den Widerstandsröhren selbst bereitet; blos einige wenige,
welche zur Herstellung höhere Temperatur erforderten, wur-
den vorher zusammengeschmolzen, und zwar unter einer Decke,
von flüssigem Paraffin, was sich gut bewährte. Es ist be-
kannt, dass viele Legirungen und besonders die Amalgame
eine starke Neigung zeigen, sich in zwei Bestandtheile von
verschiedenem Gehalt zu trennen; da ich diese Erfahrung
schon früher gemacht hatte, und da bei der Verwendung von
vertical gestellten ü- Bohren der Einfluss einer derartigen
Erscheinung besonders stark zu fürchten war, so suchte ich,
ihn auf folgende Weise unschädlich zu machen. Die Ü-Bohre
waren oben durch Korke verschlossen; durch diese gingen
die Eisenelectroden hindurch und ausserdem noch eine kurze



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246



a L. Weber.



enge Glasröhre mit aussen angesetztem Eautschukschlauch.
Wenn man an diesem letzteren eine Saug- oder Druckwir-
kung ausübte, so konnte man die flüssige Legirung zwischen
den beiden Schenkeln des Ü-Bohres hin- und herbewegen
und dadurch eine Mischung ihrer Bestandtheile herbeiführen.
Dies geschah mehrmals vor jeder Messung, und man konnte
deutlich beobachten, wie durch die fortschreitende Mischung
der Widerstand des Präparates sich änderte. Erst wenn
keine Aenderung in einem bestimmten Sinne mehr zu be-
merken war, wurde die Legirung als homogen betrachtet
und dann aus den letzten sechs bis acht auf diese Weise
gewonnenen Zahlen das Mittel genommen. In der That
gelang es auf diese Weise, wenn auch nicht absolute Sicher-
heit, so doch hinreichende üebereinstimmung in den erhal-
tenen Resultaten zu erreichen, welche genügt, um den Ver-
lauf des speciflschen Widerstandes in seiner Abhängigkeit
vom Gehalt der Legirung zu charakterisiren.

Die folgenden Tabellen enthalten die so gewonnenen
Resultate; auf Grund derselben sind die Curven in Figur
3 und 4 gezogen, welche den Verlauf des specifischen Wider-
standes und des Leitungsvermögens als Function des Pro-
centgehaltes darstellen (Gewichtsprocente).

Tabelle L
Quecksilber - Zinn - Legirungen.



Gewichts-


Spec.


Spec. Lei-


Temp.


Volum-


MdL Verb.


procente


Widerstand


tungsverm.


Procente


Hgioo 8n.





1,226


0,815


247,2





« =


4,09


0,926


1,080


245,3


7,32


7,3


6,38


0,857


1,167


245,2


11,22


11,6


10,74


0,785


1,278


246,2


18,21


20,5


19,50


0,722


1,885


246,2


40,00


41,2


24,30


0,716


1,397


246,0


37,36


54,8


33,71


0,691


1,447


247,4


48,52


86,6


36,01


0,659


1,527


245,6


54,49


110,0


48,64


0,646


1,585


245,7


63,71


161,3


54,10


0,615


1,626


246,4


68,61


200,7


59,62


0,607


1,648


246,0


73,23


251,4


66,33


0,592


1,689


247,7


78,51


335,5


71,54


0,080


1,725


247,2


82,30


427,5


79,11


0,575


1,738


247,2


87,53


645,0


88,13


0,^56


1,797


246,2


93,18


1263,0


100,0


0,525


1,904


247,2


100,0


00



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Leitiingsvermögen der Amalgame.



247



Tabelle IL

Quecksilber • Wismnth - L^irangen.



Gewiehts-


Spec.


Spec. Lei-


Tomp.


Volum-


Mol. Verh.


Procente


Widerstand


tungsverm.


Procente


Hg.oo Bi,





1,309


0,763 '


266,0





dp =


3,4


1,192


0,839


264,7


4,34


3,3


6,69


1,149


0,870


262,8


7,22


5,7


6,93


1,147


0,872


264,9


8,75


7,0


9,98


1,133


0,883


263,9


12,49


10,4


14,68


1,157


0,864


265,0


18,14


16,2


16,62


1,151


0,869


263,6


20,44


18,8


22,95


1,185


0,844


265,2


27,72


28,0


32,30


1,240


0,807


264,0


38,08


44,9


38,34


1,283


0,780


264,6


43,69


57,2


41,28


1,316


0,760


264,0


47,52


66,2


46,21


1,825


0,754


265,8


52,54


80,9


57,34


1,363


0,733


263,5


63,39


126,5


57,2T


1,367


0,731


264,0


63,28


126,0


80,78


1,407


0,710


265,2


84,43


895,6


87,60


1,383


0,723


265,7


90,08


663,5


100,0


1,355


0,738


285,0


100,0


00



Tabelle DI.
Quecksilber - Blei - Legimngen.



Gewichts-


Spec.


Spec. Lei-


Temp.


Volum-


Mol. Verh.


Procente


Widerstand


tungsverm.


Procente


Hgioo Cd,





1,309


0,763


266,0





aj =


5,94


1,028


0.973


263,7


7,31


6,1


12,07


0,936


1,069


264,0


14,63


13,3


24,81


0,897


1,114


264,0


29,18


31,9


32,83


0,898


1,113


263,7


38,56


47,3


48,12


0,936


1,068


263,4


53,67


89,8


51,45


0,945


1,058


264,5


56,95


102,6


59,46


0,972


1,029


264,1


64,68


142,0


70,78


1,002


0,998


264,9


75,11


234,0



Tabelle IV.
Quecksilber- Gadmiom - Legirungen.



Gewichts-


Spec.


Spec. Lei-


Temp.


Volum-


Mol. Verh.


Procente


Widerstand


tangsverm.


Procente


Hg,oo Cd^


2,55


1,086


0,925


263,7





ar = 4,7


9,41


0,778


1,285


264,1





18,6


23,41


0,561


1,784


264,2


' —


54,7


33,25


0,490


2,041


263,6





89,3


50,90


0,425


2.853


264,1


1 —


185,4


71,58


0,399


2,509


267,2





450,5



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248 a L. Weher.

Neben den Gewichtsprocenten ist in den Tabellen der
Gehalt der einzelnen Legirungen auch in Yolumenpro-
centen ausgedrückt, doch ist die Berechnung dieser Zahlen
nur mit einer gewissen Annäherung möglich; da für die
Dichte der flüssigen Metalle nur sehr dürftige Angaben
I vorliegen. Ich habe bei dieser Berechnung die Daten von

I W. Chandler Eoberts und Whrightson^) zu Grunde

j gelegt, nämlich für Zinn «j« 7,025, für Wismuth *i== 10,055,

für Blei f^» 10,37; f&r Quecksilber ist die Dichte bei der
betreffenden hohen Temperatur den Tabellen Ton Landolt
und Börnstein entnommen; dabei ist ferner die Annahme
gemacht, dass dem Blei in seinen flüssigen Quecksilberver-
bindungen auch bei den hier Torkommenden Temperaturen
dieselbe Dichte zukomme, wie dem reinen Metall oberhalb
seines Schmelzpunktes. Für die Dichte des flüssigen Cad-
miums sind mir keinerlei Angaben bekannt Der Verlauf der
Curve erfährt übrigens keine wesentliche Aenderung, wenn man
statt der Gewichtsprocente die Volumenprocente als Abscis-
sen aufträgt, und eines stellt sich trotz der vorhandenen
Unsicherheit mit Evidenz heraus, dass nämlich bei den hier
untersuchten flüssigen Legirungen nicht die Leitungs-
fähigkeit gleich der mittleren Leitungsfähigkeit
ihrer Bestandtheile ist^); wenn dies der Fall wäre, so
müssten die Curven einen geradlinigen Verlauf zeigen, ähnlich
wie wir dies an den von Mathiessen untersuchten Legirungen
von Blei, Zinn, Cadmium etc. in festem Zustande sehen.')
Bei allen vier Amalgamen bemerken wir eine rasche
Abnahme des Widerstandes, sobald dem Quecksilber nur
wenige Procente eines fremden Metalles zugesetzt werden.
Erst von einem bestimmten Gehalte an wird diese Abnahme
langsamer und scheint dann beim Zinn und beim Cadmium
der Zunahme des Procentgehaltes proportional fortzuschrei-
ten, sodass sich schliesslich der Widerstand der Legirung
bei zunehmendem Gehalt allmählich dem Widerstände des
zweiten Metalles nähert



1) W. Chandler Roberts u. Wrightson, Beibl. 5. p. 817. 1881.

2) Vergl. W. Siemens, Pogg. Ann. 113. p. 96. 1861.

3) Mathiessen, Pogg. Ann. 110. p. 190. Taf. VII Fig. 3. 1860.



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Leitungsvermögtn der Amalgame, 249

Anders verhält sich die Sache bei den Amalgamen von
Wismuth und Blei. Hier erreicht die anf&ngliche Abnahme
des Widerstandes rasch eine Grenze, um nach Durchschrei-
tang eines Minimums wieder in eine Zunahme überzugehen,
es findet aber, bevor der Widerstand des reinen flüssigen
Wismuths erreicht ist, nochmals ein Maximum statt, welches
allerdings nicht so stark ist, wie das erwähnte Minimum,
welches aber doch deutlich hervortritt Die Beobachtungen
an den Bleiamalgamen konnten allerdings nicht bis zu den
^-v, hohen Procentgehalten durchgeführt werden, um auch hier
das Maximum (zwischen 70 und 100 Proc.) sicher nachzu-
weisen; die Existenz eines solchen ist aber durch den Ver-
lauf des beobachteten Theiles der Curve wahrscheinlich ge-
macht, und diese Wahrscheinlichkeit wird noch unterstützt
durch die Angabe von L. de laRive über den specifischen
Widerstand des reinen geschmolzenen Bleies, [i = 0,96,
*i = l,04 bei 358^]^)

Vergleicht man die hier ermittelten Gurven über den
Verlauf des Leitungsvermögens mit den von Mathiessen
Ar feste Legirungen anderer Metalle aufgestellten, so ergibt
sich ein wesentlicher Unterschied. Abgesehen von den Legi-
rungen der Classe I, deren Curven geradlinig verlaufen,
findet sich bei den Legirungen von Mathiessen durchweg
die starke Biegung der Curve nach einem raschen Abfall
im Leitungsvermdgen auf der Seite des besser leitenden
Metalles; während wir hier gerade umgekehrt das Leitungs-
vermögen des Quecksilbers rasch zunehmen sehen, wenn
geringe Mengen der anderen Metalle zugesetzt werden.

Das Auftreten von einem Maximum und Minimum hat
Mathiessen bei den festen Legirungen von Gold- Zinn,
(7old-Blei und Silber -Kupfer nachgewiesen; nirgends aber
findet sich bei den von ihm untersuchten Legirungen eine
Analogie zu der Erscheinung, die wir hier bei den Amal-
gamen des Wismuths und des Bleies erkennen, dass es näm-
Uch eine ganze Anzahl von cTolchen gibt, welche besser
leiten, als jeder ihrer Bestandtheile.



1) L. de la Rive, Compt rend. 57. p. 698. 1868.



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250 A. KoepseL

Dass die Maxima und Minima der Curven chemischen
Verbindungen der betreffenden Metalle entsprechen, ist wohl
wahrscheinlich, obgleich das entsprechende Atomverhältniss
kein sehr einfaches ist (etwa Hg^Bi; HgBi,; HggPb). Be-
merkenswerth ist übrigens, dass die Elemente Wismuth und
Blei, deren Amalgame ähnliches Verhalten zeigen, in Bezug
auf ihr Atomgewicht einander nahe stehen (210 und 207,
Quecksilber =s 200); während Zinn (=118) und Cadmium
(== 112) wieder unter sich analog sind. Diese Analogie im
Verlauf der Gurven Yon Zinnamalgam und Cadmiumamalgam
tritt übrigens blos in den Curven des specifischen Wider-
standes hervor, nicht so sehr in den Curven des Leitungs-
vermögens.

München, März 1887.



VI. Besti/mmwng magnetischer Momente und

absoluter Stromstärken mM der Wage;

von Adolf KoepseL

(Hteria Taf. II Fig. 6—10.)

Die absoluten magnetischen und electrischen Messungen
leiden bis jetzt alle an dem Uebelstande, dass dieselben auf
den Erdmagnetismus bezogen werden müssen, welcher be-
kanntlich innerhalb kleiner Zeiträume bedeutende Schwan-
kungen erleiden kann, Schwankungen, die um so unangeneh-
mer fühlbar werden, als man dadurch gezwungen ist, neben
den electrischen Messungen auch noch erdmagnetische Beob-
achtungen anzustellen, welche, abgesehen von anderen Schwie-
rigkeiten, trotz weitläufiger Correctionsrechnungen, doch
immer nur einen Theil der Unregelmässigkeiten zu beseitigen
erlauben.

Eine Methode, um das Moment von Stabmagneten un-
abhängig vom Erdmagnetismus zu bestimmen, hat Hr. Greh.
Rath V. Helmholtz^) angegeben. Im Laufe der Zeit hat

1) V. Helmhol tz, Sitzber. d. k. Acad. d. Wias. Berlin 1S83. p. 405— 408.



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Magnetische Bestimmungen mit der Wage. 251

dieselbe einige Modificationen erfahren und eine Erweite-
mng, welche sich auf die Messung electrischer Ströme in
absolutem Maasse bezieht, welche mir von weittragendster
Bedeutung auf dem gesammten Gebiete der absoluten mag-
netischen und electrischen Maassbestimmungen zu sein scheint.

Wie Hr. y. Helmholtz am Schlüsse der erwähnten
Abhandlung sagt, lässt sich eine sicherere absolute Bestim-
mung der Stromstärke erreichen, wenn man ihre magnetische
Kraft mit dem jederzeit controlirbaren Moment eines gut
gehärteten Stahlstabes vergleicht, als wenn man sie mittelst
der Tangentenbussole auf den Erdmagnetismus bezieht, der
in unseren mit Eisen durchwebten Gebäuden ausserdem
wenige Fuss von einer ersten Beobachtungsstelle ganz andere
Werthe zeigen kann. Solche Stahlmagnete erfahren selbst
in Monaten noch keine so grossen Aenderungen, als sie der
Erdmagnetismus im Zeitraum einiger Minuten erleiden kann.
Sie sind hier durch die Art ihrer Aufhängung vollkommen unab-
hängig vom Erdmagnetismus gemacht, sodass die Messungen,
selbst bei noch so grossen Schwankungen desselben, keine
Störungen erleiden können.

Mir wurde die Ehre zu Theil, von Hrn. Geh. Bath
V. Helmholtz mit der Ausführung dieser Arbeit beauftragt
zu werden, und ich will es nicht unterlassen, meinem ver-
ehrten Meister an dieser Stelle den aufrichtigsten Dank aus-
zusprecGleichgewicht
gebracht mit Hinzunahme des einen Platinschälchens, hierauf
wurde der Magnet umgelegt und das erste Sch&lchen vermit^
telst der erwähnten Reitenrerschiebung durch das zweite ersetzt,
welches die zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes nöthi-
gen Gewichtsstücke enthielt Auf diese Weise war man
vor Luftströmungen, welche durch die Oeffnung des Wage-
kastens hätten entstehen können, sicher, und die Wägungen
konnten schnell hintereinander ausgeführt werden.

Der oben angeführte Ausdruck für die Gewichtsdifferenz
wird bei der eben erwähnten Modification:

^= ^^ v + — 6^«- r

Bestimmt man noch die Gewichtsdifferenz bei einer ande-
ren Entfernung a^ der Magnete, so ergibt sich:

^ _ eHF L 20j?' - 15y« \

Durch Elimination von x und y aus diesen beiden Glei-
chungen ergibt sich:

Um die Nullpunktsänderungen der Wage möglichst zu
eliminiren, wurden die Beobachtungen in folgender Reihen-
folge angestellt, welche ich hier der Deutlichkeit und Kürze
halber schematisch darstellen will (Fig. 8). V bedeutet den ver-
ticalen, an der Wage hängenden, H den horizontalen, seitlich
davon hingelegten Magnet, s und n bezeichnen die Pole.

Der Wagekasten war von einem grossen, aus trockenem
Eichenholz gefertigten Rahmen R (Fig. 6) umschlossen, wel-
cher seitliche Ansätze B trug, die mit feststehenden Messing-
schneiden 8 versehen waren; hierauf ruhten die seitlichen
Magnete. Die Figur zeigt einen Magnet H in solcher Lage.
Um eine Verschiebung letzterer zu verhüten, waren in die-
selben scharfe Rinnen eingedreht, in welche die Schneiden



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Magnetische Bestimmungen mit der Wage. 256

hineinpassten. Die Schneiden hatten eine grössere Entfer-
nung voneinander, als die Rinnen in den Magneten, und die
hintere Schneide war um die Tiefe der Rinne abgefeilt, sodass
der Magnet nur mit der vorderen Rinne auf der vorderen
Schneide lag, und die hintere abgefeilte Schneide nur einen
Stützpunkt bildete. Diese Anordnung war getroffen, um ein
Kippen der Magnete zu verhindern. Der erwähnte Holzrahmen,
dessen eigentlicher Zweck später auseinandergesetzt werden
soll, war mit Stellschrauben versehen; diese ruhten auf drei
Messingunterlagen, deren eine nach Sir W. Thomson's
Vorschrift eben war. Die andere erhielt einen Schlitz und
die dritte eine conische Vertiefung, wohinein die Spitzen der
Stellschrauben passten; letztere war in einem auf die Grund-
platte geschraubten Messingringe vermittelst dreier radial
angebrachter Schrauben verstellbar. Die Wage stand auf
ebensolchen Platten. Auf diese Weise war die relative Lage
des Rahmens und damit der Magnete gegen die Wage ge-
sichert, und feinere Correctionen konnten vermittelst der
erwähnten Stellschrauben vorgenommen werden.

Die Messingschneiden s waren auf folgende Art an dem
Rahmen befestigt: Dieselben waren zunächst auf eine dicke
Messingplatte G (Fig. 6 u. 7) aufgeschraubt, und ihre Lage
durch Stellstifte a gesichert. Die eine Messingplatte war auf
der einen Seite des Rahmens durch Holzschrauben befestigt,
die auf der anderen Seite war in einem Messingrahmen M
mit seitlichen Stellschrauben t eingelagert, welche erlaubten,
dieselbe seitwärts und vorwärts zu verschieben, und wurde
durch starke Messingfedern / niedergedrückt; ausserdem
konnte ihre Horizontalstellung durch Stellschrauben r regu-
lirt werden. Diese Anordnung hatte den Zweck, eine feinere
Einstellung der Magnete zu ermöglichen. Hatte man näm-
lich den Rahmen R in richtige Stellung zur Wage W gebracht,
so konnte es doch vorkommen, dass der seitliche Magnet
auf der einen Seite noch eine grössere Entfernung von dem
vertical aufgehängten hatte, als anf der anderen Seite; solche
Ungleichheit konnte dann leicht beseitigt werden.

Um die Axen der horizontalen Magnete in eine gerade Linie
zu bringen, wurden die Magnete, da sie röhrenförmig waren,



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256 A. Koepseh

mit herausziehbaren Fadenkreuzen vorn und hinten versehen,
und die Einstellung dann mit einem Fernrohr aus grosser
Entfernung gemacht Auf jeder Seite wurde ein Magnet mit
zwei Fadenkreuzen aufgelegt, und die vier Fadenkreuze muss-
ten sich in einem Punkte schneiden, wenn die Axe des einen
die Verlängerung der des anderen sein sollte, was ja aller-
dings, da die Magnete sich beim Härten immer ein wenig
verziehen und deshalb nicht genau cylindrisch sind, nicht
exact erreicht werden kann, jedenfalls aber auf diese Weise
bis zu einem Grade, der die Beobachtungsfehler weit hinter
sich zurücklässt.

Die Entfernungen der Schneiden wurden zuerst mit einem
Maasstabe aus Stahl gemessen, indem die Zehntelmillimeter
unter der Lupe geschätzt wurden; später wurden diese Mes-
sungen sowohl, als auch die der Dimensionen des Rahmens
mit dem Kathetometer ausgeführt.

Die Magnete, deren Momente bestimmt wurden, waren
dieselben, welche Hr. v. Helmholtz bei seiner oben erwähn-
ten Arbeit gebraucht hatte, und welche dort beschrieben sind;
sie wurden, um eine Erwärmung durch die Hand zu ver-
hindern, mit einer eigens dazu gemachten Zange, welche mit
Kork gefüttert war, angefasst

Von den beiden Gewichtssätzen, die zur Messung dienten,
wurden die zur Bestimmung der Gewichtsdifferenzen dienen-
den Stücke genau calibrirt und auf ein Normalgewicht redu-
cirt. Diese Calibrirung erwies sich bis auf 0,01 mg als
genau.

Bei den in der folgenden Tabelle aufgeführten Messungs-
resultaten bedeutet a^ die geringere, a, die grössere Ent-
fernung der Mitte des einen Magnets von der Mitte des
anderen, G^ und G^ die beziehungsweisen Gewichtsdifferenzen,
Fj, Fj, F3 oder H^, H^j H^ die Momente der Magnete 1, 2
und 8, je nachdem sie eine verticale oder horizontale Lage
hatten. Die Gewichtsdifferenzen sind mit Benutzung des
Temperaturcoefficienten eines der Magnete auf 18^C. reducirt

V,H, F,J3a F.Hs

12 Dec 1885 / ^* 0,035 285 g 0,084 609 g 0,044 298 g
\ G^ 0,013 783,, 0,013 543» 0,017 355»



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Magnetische Bestimmungen mit der Wage. 257

V^B^ F.^a F.Ä,

15 I>«o iRfl^ I ^1 0,035 291,, 0,034 608,, 0,044 298,,
t Ö, 0,013 787,, 0,013 547,, 0,017 355,,

Hierbei war: a^ = 25,230 cm, ßg = 31,865 cm.

Daraus ergibt sich: Fj F, Fg

12. Dec. 1885 1338,50 1718,60 1693,80

15. Dec. 1885 1338,03 1720,00 1692,45

Nachdem mit dem Magnet 3 die Bestimmung des Tem-
peraturcoefficienten gemacht war, welcher sich zu 0,0007
ergab für 1^ C, wobei derselbe durch Wasserdampf bis auf
W C. erhitzt worden war, ergaben sich am 29. December 1885
bei 7® C. folgende Resultate:



O^ 0,036 913 g
Q^ 0,014 338 „


FiJ3.
0,036 135 g
0,014 028 „


0,046 317 g
0,017 982,,


Hierbei war: a^ = 25,013 cm, a^ =


= 31,649 cm




Daraus ergibt sich: F^

1349,10
Auf 18<»C. reducirt: 1338,71


1729,60
1716,28


F.
1692,20
1679,16


Ferner ergab sich bei 15® C:






30. Mftn 1886 1346,8
14. April 1886 1347,8
Abweichung yom Mittel 0,0005


1719,6
1724,t
0,0013


1681,7
1679,9
0,0005


Bei 25® C:






18. Biai 1886 1337,4

2. Juni 1886 1334,8

Abweichung vom Mittel 0,0010


1707,3
1709,4
0,0006


1646,4
1646,6
0,00007



Man sieht hieraus, dass permanente Stahlmagnete inner-
halb eines Zeitraumes von 8 bis 14 Tagen bei vorsichtiger
Behandlung als constant angesehen werden dürfen. Auch die
Stahlsorte und das Alter der Magnete scheint hierbei eine
wichtige Bolle zu spielen, da Magnet 1, der eine auffallende
Constanz zeigt, aus einer anderen Stahlsorte hergestellt und
älter war, als die Magnete 2 und 8.

Erwähnt soll hierbei noch werden, dass die Magnete vor
der Messung nach der von Strouhal und Barus angegebe-
nen Methode^) behandelt wurden.

1) Strouhal u. Barus, Wied. Ann. 20. p. 662fiE: 1883.
Aim. d. Phyi. a. Chem. N. F. XXXI. 17



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258^ A. Koepsel.

Die aufi&Uige Aenderting des Magnets 8 vom 14. April
bis zum 18. Mai erklärt sich daraus , dass ich denselben
behufs einer Aenderung an den Schneiden in die mechanische
Werkstatt geben musste, wo er jedenfalls mit Eisentheilen in
Berührung gekommen ist.

Die Methode könnte jedenfalls noch genauere Resultate
ergeben, wenn man die Messung der Entfernung der Magnete
yerfeinert, und statt die Magnete auf Schneiden zu lagern,
dieselben gegen einen Anschlag legt. Die Lagerung auf



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