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Annalen der Physik online

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1,04
1,08
1,02
1,01.



Von den letzteren Formeln dürfte c . x^ sich durchschnitt-
lich von der Wirklichkeit am wenigsten entfernen. Unter
den Bees'schen Magneten weicht der Stab III, dessen Länge
50 mal die Dicke übertri£Et, von den gebräuchlichen Formen
stark ab.

Aus diesen Zahlenzusammenstellüngen folgt zweierlei:

1) Für die den gewöhnlichen Verhältnissen nächststehen-
den Vertheilungsweisen des Magnetismus in einem Stabe ist
der aus dem ersten Correctionsglied abgeleitete ^^Polabstand^ (
nahe 0,83 = ^/g der Länge L. Selbst beträchtliche Aende-
rungen in der Annahme der Vertheilung lassen das Verhält-
niss in den Grenzen */ß und 78 bleiben. Die bisher aus-
geführten Messung von Polabständen durch Schneebeli.
y. Helmholtz, Töpler, sowie 7on Hailock und mir haben
in der That Werthe innerhalb dieser G-renzen gegeben.

2) Der f&r das zweite Correctionsglied einzusetzende
Polabstand I3 weicht von dem aus dem ersten Gliede ab-
geleiteten nur wenig ab. Für genaue Rechnungen wird es



1) Diese Zahl ist schon von fiiecke berechnet worden.



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Femwirkung eines Magnets. 613

wahrscheinlich stets genügen, l^ ^^ V30 gi'össer zu nehmen
als I. Für die weitaus häufigsten Zwecke aber wird dieser
kleine Unterschied ganz unwesentlich sein^), und man kann
beide Glieder mit dem für das erste geltenden Polabstande I
berechnen.

8) Das letztere führt dann aber zu einer sehr übersicht-
lichen Berechnungsweise, denn es heisst, dass man punkt-
förmige Pole annehmen darf. Somit würden die Fern-
wirkungen k nach den Formeln zu berechnen sein:
Erste HL. Zweite HL.

Anwendung auf die Beobachtungen. Es werde zu-
nächst die gewöhnliche Grauss'sche Anordnung vorausgesetzt,
bei welcher die Ablenkungen (p^ und (p^ eines Magnetometers
aus den zwei Abständen a^ und a^ beobachtet werden. Der
Polabstand V der Nadel sei hinreichend klein, dass Glieder
über r^/a^ nicht berücksichtigt zu werden brauchen.

Aus den Formeln (3) lässt sich leicht ableiten, dass man
das Yerhältniss des Stabmagnetismus M zum Erdmagnetis-
mus H zu berechnen hat:

Erste HL. Zweite HL.

^ i/_^ri/_^r »tg<,,-i-tg^,-ii •



Man hat hier freilich nicht wie bei Gauss denselben
Ausdruck fur beide Lagen ^, aber hierauf kommt doch in
in Anbetracht der grösseren Genauigkeit unserer Ausdrücke
nichts an.



1) Bei Magnetometerablenkungen wird man die kleinste Entfernung a
mindestens wohl gleich dem Vierfachen des Polabstandes setzen dürfen.
Die Vernachlässigung des Gliedes mit X^ja* kann hier einen Fehler von
V'iooo bewirken und ist, wie schon Lamont bemerkte, keineswegs immer
gestattet Vgl. auch Riecke 1. c. p. 825. Der Unterschied von Vi 0000
aber, der bei der Ersetzung von I^ durch I entsteht, wird in den seltensten
Fällen irgend eine Bedeutung haben:

2) Gauss hat, vom Factor Vt abgesehen, fur beide Fälle den Aus-
druck if/J3r= ((i/tg<^, - a,*tg<jp,)/(ai=^ - a,*).



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614 F. Kohlrausch.

Sollen die Polabstände aus diesem Versuche ein fur alle-
mal bestimmt .werden, um künftig nur einer Beobachtung aus
einem Abstände zu bedürfen, so findet man:

Erste HL.



(5)



Zweite HL.



Hieraus, oder wenn I und V anderweitig bekannt sind^),
findet sich aus einer zu dem Abstände a beobachteten Ab-
lenkung 9>:

Erste HL. | = Ja« tg y, (i _ \^1^:^)\



(6)



Zweite HL. g - a'tg y (l + i ^^^) '''



Scheibenförmige Magnetnadeln. Magnetisirte, ver-
tical stehende Stahlspiegel sind für kleine Magnetometer
bequem. Die Formeln (4) oder auch (5) und (6) im Zusam-
menhange kann man natürlich hier ohne weiteres anwenden.
Hat man aber z. B. einen Magnetstab, dessen Polabstand
anderweitig bekannt ist, so wird man wünschen, die Correc-
tion wegen der Anwendung der Magnetnadel selbständig
zu kennen. Man wird dieselben für kleine Scheiben meistens
genügend genau folgendermassen schätzen können.

Wir nehmen einen Kreis vom Halbmesser g gleichförmig



1) Ist die Nadel nicht so kurz, dass man die höheten Glieder ver-
nachiäasigen darf, so werden auch für diese Correction am besten die
Formeln benutzt (vgl. z. B. Biecke, 1. c. p. 325), die sich auf punkt-
förmige Pole beziehen.

Es wird vorgeschlagen, den Polabstand aus den Convergenzpunkten
der Kraftlinien des Magnets, die man mittelst Eisenstaub bestimmt, m
ermitteln. Dies würde freilich bequem sein; aber um das Verfahren zu
rechtfertigen, müsste zuerst nachgewiesen werden, dass die genannten
Schnittpunkte praktisch für die Fempole gesetzt werden können. Theo-
retisch ist dies bekanntlich im allgemeinen nicht der Fall.



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Fernwirkunff eines Magnets, 615

magnetisirt an. Der freie Magnetismus befindet sich dann
anf dem umfange des Kreises, und das Längenelement de des
letzteren wird eine Menge ± c d« . dylde ^ ±,cdy enthalten,
wenn y den Abstand des Elementes de von dem horizon-
talen Durchmesser der Scheibe bedeutet, welcher letztere
die magnetische Axe darstellt. Das magnetische Moment
der Scheibe ist dann:

(1) ^'=/ 2Vg^-y^cdy = cg^n.

Erste Hauptlage. Auf diese Nadel wirke ein Magnet,
der im Abstände a von derselben in der Senkrechten auf
ihrem Mittelpunkte liege. Die Kraft des Magnets auf einem
Einheitspol im Mittelpunkte der Nadel sei = Äj. Die zur
Scheibenebene senkrechte Componente der Kraft, welche der
Magnet auf das Element c dy des freien Magnets ausübt, ist
dann, unter Vernachlässigung höherer Potenzen von QJa^
gleich^):

A,(l-3e!)crfy.

Der Correctionsfactor 1 — 3()*/a^ ist offenbar für alle
Punkte der Peripherie derselbe, und muss also auch für das
gesammte auf die Nadel ausgeübte Drehungsmoment gelten.
Das letztere ist also gleich:

(81) A,M'(l-3i;).

Zweite Hauptlage. Der Magnet steht senkrecht zum
Meridian. Die vom Magnet auf einen Einheitspol im Mittel-

1) Der Magnet M werde in zwei Componenten M cos <jp und Jf sin <)p
zerlegt, wo sin 9 = qlVa^ + ^*- I^i© erstere Componente übt aus 1. HL.
eine Kraft auf ein magnetisches Theilchen 1 in der Peripherie des ELrei-
ses aus, die wir, weil in dieser Correction der Magnet als kurz betrach-
tet werden kann, schreiben» dürfen = 23f cosy .(a* + ^ *)■"'/«. Die zur
Scheibe senkrechte Componente dieser Kraft ist 2ilf cos*^ . (a* + ^*)— '/«.
Ebenso rührt von der anderen Magnetcomponente her — 3f sin * qp .
(a'+^*)— */«. Beide zusammen geben also M (a^ + ^*)— */« (2cos*qp-sin' <p)
= 2Ma ^(1 - i 9*/a*)(l — isin^cp). Nun für sin 9 seinen Werth einge-
setzt und ^*/«* vernachlässigt, erhält man 2Ma~^(l -3^*/«')-



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616 F. Kohlrausch.

punkte der Kreisscheibe ausgeübte Kraft heisse kn. £in
Element freien Magnetismus ccfy oder cdx.xjyQ^^x^ mit
der Abscisse^r erfährt dann eine Kraft gleich:

X = kji.cdx



V^*- x« (a*+ p«- 2aa?)''*

Das in derselben Horizontalen gegenüberliegende ebenso-
grosse Element erhält die Kraft:



Das von diesen beiden Theilen herrührende Drehungs-
moment ist » (x + x') x^ wofür man durch Beihenentwicke-
lung findet:

Das Integral dieses Ausdrucket von — (> bis p genom-
men gibt das gesammte Drehungsmoment Man findet mit
erlaubten Kürzungen:

(8iDÄ„..,««.(i-|-^4)(n-?S)=A„.i»r(i + f£:).

Was die Grösse q anlangt, so haben Hallock und ich
gefunden, dass bei der Anwendung einer Stahlscheibe vom
Durchmesser d in der Tangentenbussole der freie Magnetis-
mus im Abstände q = 0,40 . d von dem Mittelpunkte anzu-
nehmen war.^)

Man wird nicht weit fehlgreifen, wenn man diese An-
nahme auf unseren Fall überträgt. Thut man dies, so
beträgt also der Correctionsfactor wegen der Dimensionen
der Scheibe für das aus einem Abstände a durch einen
Magnet ausgeübte Drehungsmoment:

erste HL. 1 - 3^* = 1 - 0,48- ,

(9) ^ , .

zweite HL. l + ??£!= i+ 0,66 ^* ,

also die Coefficienten nahe V2? ^^^z. ^/g.

Vergleicht man diese Ausdrücke mit denjenigen für ge-
streckte Nadeln vom Polabstande T, nämlich 1 — '/^ I"/«*

1) F. Kohlrausch, Wied. Ann. 22. p. 411. 1884.



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Femwirhung eines Magnets, 617

und l+»/gI'Va«, 80 sieht man 0,48c? statt ^/J'« und 0,66 cP
statt ^/jT' eintreten.

Man kann also die dort gegebenen Ausdrücke, Gl. (6),
auch auf die Scheibennadeln vom Durchmesser d anwenden,
wenn man als „Polabstand^^ einer Scheibennadel einsetzt:

in erster HL. r=0,80.d,

in zweiter HL. r=0,66.rf.
Diese Betrachtung beansprucht natürlich nichts weiter, als
in Ermangelung exacter Angaben eine ungefähre Schätzung
der für Scheibennadeln aus ihren Dimensionen entspringen-
den Correctionen zu geben. Für kleine Scheiben wird die-
selbe häufig ausreichend genau sein.



V. Ncu^htrag zu meiner Ohnibestimmung ;
von F. HimstedU



Bei meiner Bestimmung des Ohm ^) habe ich mich einer
Methode bedient, die es gestattet, den in absolutem Maasse
zu messenden Widerstand direct in Form einer Siemens-
**Einheit zu benutzen. Ich hatte damals zu dem Zwecke von
der Firma Siemens und Halske drei Einheiten bezogen,
eine Doseneinheit und zwei sogenannte Gefässeinheiten, bei
welch letzteren behufs sicherer Temperaturmessung, resp.
Constanthaltung der Temperatur, der Behälter mit isoliren-
der Flüssigkeit gefüllt und dann noch in ein Flüssigkeitsbad
eingesenkt werden kann. Da alle bis dahin ausgeführten
Reproductionen der Quecksilbereinheit gezeigt hatten, dass
die von Siemens und Halske gelieferten Etalons that-
sächlich den angegebenen Werth besassen, so habe ich es
nicht für nöthig gehalten, ilir meine Versuche selbst eine
Quecksilbereinheit anzufertigen, sondern habe den Nominal-
werth der gelieferten Einheiten als richtig angenommen.
Um sicher zu sein, dass nicht etwa ein zufälliger Fehler bei
der Justirung untergelaufen sei, hatte ich eine Einheit ge-



1) Himatedt, Wied. Ann. 26. p. 547. 1885.



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618 F. Himstedt

nommen, Nr. 3194, die im April 1884; und zwei Nr. 3618
und 3619, die im März 1885 angefertigt waren. Ich hatte
dieselben am 26. April 1885 vor Beginn der Versuche und
am 12. Juli 1885, nachdem dieselben im wesentlichen been-
digt waren, miteinander verglichen und ihr Verhältniss beide
Male in XJebereinstimmung mit den Angaben von Siemens
und Halske gefunden. Nach diesen sollte bei 18,2® C.
Nr. 3618 zu Nr. 3619 zu Nr. 3194 sich verhalten wie
0,998 779 : 0,999 028 : 1. Ich fand am 26. April 1885:
0,998 827:0,999097:1 und am 12. Juli 1885:
0,998 843 : 0,999 062 : 1. Da nun 3194 ausser zu jenen Verglei-
chungen gar nicht, 3618 nur zu wenigen Versuchen, 3619 aber
zu allen Vorversuchen und 67 definitiven Messungen benutzt
war, auch das Alter der Einheiten, wie schon erwähnt, ver-
schieden war, so glaubte ich, aus jenen Vergleichungen
schliessen zu dürfen, dass auch der absolute Werth der Ein-
heiten sich nicht merklich geändert hätte, da ich es für aus-
geschlossen hielt, dass sich dieselben so gleichmässig geän-
dert haben sollten. Leider hat sich diese Annahme als
falsch erwiesen. Um ganz sicher zu gehen, sandte ich im
November 1885 nach Abschluss der Arbeit Nr. 3619 an
Siemens und Halske mit der Bitte, die Einheit nochmals
mit einer Quecksilbernormale zu vergleichen. Hr. Dr. Frö-
lich hatte die Grüte, diese Vergleichung vorzunehmen, und
fand bei wiederholten Messungen im Februar und April 1886:

Nr. 3619 = 1 S.E. bei 17,3« 0. a = 0,000363,
während im März 1885 gefunden war

Nr. 3619 = 1 S.-E. bei 20,9« C. a = 0,00036,
sodass also danach eine Widerstandszunahme von 0,0013 S.-E.
stattgefunden hätte. Da aber ausserdem inzwischen von
Siemens und Halske für die Berechnung des Ausbreitungs-
widerstandes die von Lord Rayleigh gegebene Formel
angenommen war, wodurch bei einer ihrer Röhren von 1 S.-E.
Widerstand eine Correction von —0 00022 sich ergeben hatte,
so ergibt sich im ganzen für Nr. 3619 eine Zunahme des
Widerstandes um 0,00152 S.-E.

Sobald ich die Einheit zurückerhalten, habe ich im April
1886 Vergleichungen derselben mit den beiden anderen vor-



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Okmbestimmunp. 619

genommen, die das folgende Resultat ergaben. Wenn wir
nach oben annehmen, dass 3619 eine Zunahme von 0,00152
S.-E. erfahren hat, so ergibt sich eine Zunahme:
für 3618 von 0,00128,
„ 3194 „ 0,00152.
Hr. Dr. Frölich hatte weiter noch die Güte, auch 3618
lind 3194 mit Quecksilbernormalen zu vergleichen und theilte
mir als Gesammtresultat der im Juni und Juli 1886 ausge-
führten Messungen mit:

„Die Widerstandszunahme beträgt darnach:

bei Gefösseinheit 3618 in 16 Monaten 0,00164 S.-E.
V » 8619 » 12i n 0,00151 »

bei Doseneinheit 3194 v 27 n 0,00205 »."

Nachdem ich alle Einheiten im December 1886 zurücker-
halten hatte, habe ich selbst auch wieder eine Vergleichung
ausgeführt und gefunden: Unter der Voraussetzung, dass

Nr. 3619 eine Zunahme von 0,00152 S.-E.
erfahren, ergibt sich für:

Nr. 3618 eme Zunahme von 0,00144 8.-E.
V 3194 n j, n 0,00169 » .

Die Differenzen, welche meine Messungen für 3194
gegenüber den von Hrn. Dr. Frölich gefundenen Werthen
zeigen, finden zum Theil wohl ihre Erklärung in der Schwie-
rigkeit einer genauen Temperaturbestimmung bei den gewöhn-
lichen Doseneinheiten, und ich glaube, meinen Messungen
denselben Werth beilegen zu sollen, wie jenen, besonders
da ich die zweite Messung mit ganz anderen Apparaten
(Brücke , Widerstandskasten , Galvanometer , Thermometer
waren andere) ausgeführt habe.

Die vorstehend mitgetheilten Zahlen erscheinen beson-
ders um deswillen beach tens werth, weil sie zeigen, dass alle
drei Einheiten, obgleich von verschiedenem Alter und obgleich
ganz verschieden benutzt, sich fast genau in demselben Ver-
haltniss geändert haben. Die Firma Siemens und Halske
hatte die Güte, mir als mögliche Erklärung dieser Erschei-
nung noch das Folgende zu schreiben: „. . . Wir fügen hinzu,
dass ähnliche Widerstandszunahmen an einer Reihe von
Neusilbernormalen constatirt wurden, deren Anfertigung aus



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620 F. Himstedt

derselben Zeit stammt, in welcher die obigen Normalen
erstellt wurden, und bemerken dabei, dass eine so erhebliche
Widerstandszunahme bei Neusilberdrähten von uns bisher
nicht constatirt wurde. Was die Erklärung dieser Erschei-
nung betri£rt, so ist es wahrscheinlich, dass die in unserem
Etablissement geltende Vorschrift der langen Ablagerang
der Neusilberdrähte durch jetzt nicht mehr constatirbare
Versehen in diesen Fällen nicht beobachtet und nicht genü-
gend abgelagerter Draht für obige Normalen verwendet wurde.

Um die Wiederkehr so störender Aenderungen zu ver-
meiden, haben wir Einrichtungen dahin getroffen, 1) dass
das Neusilber in möglichst gleichmässiger Zusammensetzung
und aus möglichst reinen Kohmaterialien hergestellt wird,
2) dass von jedem Gussblock eine chemische Analyse genom-
men wird, 3) dass die Drähte nach der Bespinnung und
Wickelung wenigstens 6 Monate lagern, bevor sie zur Her-
stellung von Etalons und Widerstandskasten verwendet
werden."

Ob diese Erklärung die richtige, resp. ausreichende,
wird sich nachträglich schwer entscheiden lassen, so wenig
ich auch an der Richtigkeit der ursprünglichen Bestim-
mung zweifle, aber dazu müsste dieselbe doch wohl mit
vollster Sicherheit bewiesen werden können. Dass die letzte
Bestimmung richtig, dafür spricht ausser der üeberein-
stimmung der vielfachen von Siemens und Halske gütigst
ausgeführten Messungen auch das Resultat, welches Hr. Gla-
ze brook erhielt bei einer Vergleichung von 8619 mit 1 B.- A.-U.,
welche er auf meine Bitte die Güte hatte auszuführen. Es
ergab sich als Mittel aus zwei Vergleichungen mit je Tier
Beobachtungen:

Nr. 3619 « 0,95374 B.-A..Ü. ± 0,00003 bei 16,25^ C.
Da Nr. 3619 bei 16,25<> nach oben = 0,9996 S.-E., so ergibt
sich hieraus:

lS.-E.=>'^g;- = 0,95412 B..A..JJ.,

welcher Werth, wie Hr. Glazebrook bemerkte, zufällig
genau gleich dem von Lord Bayleigh für jenes Verhält-
niss gefundenen ist.



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OhmbesHmmung. 621

Es entzieht sich natürlich auch jeglicher Beortheilung,
wann die Aenderung des Widerstandes eingetreten , resp.
in welcher Beziehung zur Zeit dieselbe steht. Da ich hei
meiner Ohmhestimmung unter Zugrundelegung des Werthes:

Nr. 3619 = 1 S.-E. bei 20,9« C. gefunden,
hatte : 1 Ohm = 1,0601 S.-E. i),

und jetzt sich für 3619 ein Werth ergeben hat, der um
0,00152 grösser ist. so kann ich als Resultat jener Arbeit
nur zwei Grenzen angeben, zwischen denen der Werth des
Ohm nach meiner Bestimmung liegt, nämlich der Werth
eines Ohm liegt hiemach zwischen:

1,0601 S.-E. und 1,0616 S.-E.

Ich beabsichtige die Untersuchung später wieder auf-
zunehmen, habe aber geglaubt, diese Notiz veröffentlichen
zu sollen einmal, weil ich in der nächsten Zeit durch andere
Arbeiten in Anspruch genommen bin und das Resultat
meiner Messungen nicht gern so lange uncorrigirt lassen
wollte, dann aber auch weil die hier constatirte bedeutende
und gleichmässige Aenderung mehrerer Neusilberrollen viel-
leicht ein allgemeineres Interesse beanspruchen kann, denn
dieselbe zeigt, dass man Widerstände aus Neusilberdraht
stets nur mit der allergrössten Vorsicht benutzen darf, und
dass man im besonderen aus dem ungeänderten Verhältnisse
mehrerer solcher Widerstände nicht ohne weiteres den
Schluss ziehen darf, dass dieselben auch absolut genommen
ungeändert geblieben seien.

Ich habe in der ganzen einschlägigen Literatur keine
präcisen Angaben darüber finden können, wie lange man
nach der Anfertigung von Neusilberrollen warten muss, um
eines constanten Widerstandes sicher zu sein, noch in welcher
Abhängigkeit die eintretenden Veränderungen von der Dicke
und sonstigen Beschaffenheit der Drähte, von der häufigeren
oder selteneren Benutzung derselben, der Intensität der durch-
geschickten Ströme etc. stehen. Bis jetzt ist man, glaube
ich, ziemlich allgemein der Ansicht gewesen, wie das auch
aus den oben angeführten Vorschriften von Siemens und

1) F. Himstedt, Wied. Ann. 28. p. 853. 1886.



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622 F. Hvmstedt

Halske und ähnlichen von Hartmann und Braun ^) her-
vorgeht, dass schon circa 6 Monate nach der Wickelang
die Neusilberrollen einen hinreichend unveränderlichen Wider-
stand darbieten. Ich glaube aber nicht, dass man die ein-
gangs mitgetheilten Beobachtungen hiermit in Einklang bringen
kann, und dasselbe gilt mehr oder weniger von verschiedenen
Beobachtungen, die gelegentlich der Ohmbestimmungen über
diesen Punkt gemacht sind.

Im allgemeinen sprechen die hier gemachten Erfah-
rungen sehr zu Gunsten der Neusilberwiderstände. Mit
Ausnahme des Hrn. Lorenz, der seine Messungen direct
an Quecksilberröhren ausgeführt hat, haben alle Beob-
achter bei ihren Ohmbestimmungen Neusilberwiderstande
benutzt und sind, glaube ich, alle in ähnlicher Weise vor-
gegangen wie ich, d. h. sie haben die Neusilberrollen vor den
Beobachtungen mit Quecksilberröhren verglichen, resp. ver-
gleichen lassen, und haben die Vergleichung wiederholt, nach-
dem die eigentlichen Messungen beendigt waren, und bei
keinem hat sich, soviel mir bekannt, eine namhafte Aende-
rung des Neusilberwiderstandes constatiren lassen.*) Auf
der anderen Seite finden sich aber gerade in jenen Publi-
cationen auch wieder beachtenswerthe Beispiele von Wider-
standsänderungen bei Neusilberdrähten.

Bei Hrn. Dorn^) findet sich p. 798 unter den Angaben
über die Calibrirung eines Widerstandskastens und Zurück-
führung der einzelnen Theile desselben auf eine von Hm.
Fröhlich mit einer Quecksilbernormalen verglichenen Eiü-
heit die Bemerkung: „Gegen die ein Jahr vorher gefundenen
Werthe zeigen die obigen DiflFerenzen. Da aber im April
1881 nur die durch den bewegten Magnet inducirten Ströme



1) Hartmann u. Braun , Electrotechn. Anz. Nr. 22. 1886.

2) Es würde auf dem angegebenen Gesichtspunkte, vielleicht auch
mit Bücksicht auf meine ungünstigen Erfahrungen, entschieden von
Interesse sein, wenn diejenigen Beobachter, welche eine nachtrSglicbe
Controle ihrer Einheiten noch nicht ausgefiihrt, resp. das Resultat der-
selben noch nicht bekannt gegeben haben, dies noch thun werden.

8) E. Dorn, Wied. Ann. 17. p. 773. 1882.



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Ohmbestimmung. 623

die Widerstände durchflössen haben, so ist die Aenderung
jedenfalls schon vorher erfolgt."

Hr. G. Wiedemann^) hat bei einer Siemens'schen
Doseneinheit constatirt, dass dieselbe sich in 21 Jahren um
0,002 S.-E. geändert hat. Hr. Wiedemann fügt hinzu, dass
durch die Einheit von nicht besonders geübten Praktikanten
wohl auch öfter stärkere Ströme hindurchgeschickt sein könn-
ten. Beide Herren berühren damit einen Punkt, der meines
Erachtens nach der Aufklärung bedarf. Dass durch die
Rolle des Hm. Wiedemann ein so starker Strom hindurch-
gegangen sein sollte, dass dadurch die Löthstellen erweicht
und geändert wären, ist doch wohl kaum anzunehmen. Wel-
ches ist dann nun aber die erlaubte Stromintensität?

Hr. Strecker hat die Vermuthung ausgesprochen, dass
die Differenz in den Werthen, welche Hr. Glazebrook^
und er selbst bei Vergleichung von Quecksilbernormalen mit
einer von ihm angefertigten Copie aus Neusilberdraht er-
halten haben, sich möglicherweise aus einer Widerstands-
vergrösserung des letzteren erklären lasse.

Eine werthvolle Beobachtung über die hier in Frage
kommende Erscheinung enthält der Report of the Committee
appointed for the purpose of constructing and issuing practi-
cal standards for use in electrical measurements vom Jahre
1883. Danach sind 8 Widerstandsrollen im Jahre 1867
von Hockin, im Jahre 1876 von Chrystal und Saunder
und 1879 — 1881 von Fleming miteinander verglichen.
Hr. Fleming findet, dass die Rollen bei den betreffenden
Temperaturen, bei welchen jede derselben ursprünglich genau
gleich 1 B.-A.-U. war, nicht mehr einander vollkommen
gleich sind. Die grösste Differenz zwischen zwei Rollen be-
trägt 0,0011 B.- A.-Ü. Darf man nun hieraus allein schliessen,
dass auch der absolute Werth der Widerstandsrollen sich
nur um entsprechend kleine Beträge geändert habe? Nach
den oben mitgetheilten Erfahrungen bin ich geneigt, mit
Nein zu antworten. Ebenso kann ich auch eine Beobach-



1) G. Wiedemann, Abhdlgn. der Berl. Acad. vom Jahre 1884.

2) Glazebrook, Phil. Mag. 20. p. 354. 1885.



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624 O. Grotrian.

tang des Hrn. Glazebrook^), der fär das Verhältniss zweier
Widerstandsrollen im Jahre 1884 fand: 10:9,98385, während
Lord Bayleigh 1882 dafür 10:9,98830 gefunden hatte, nicht
mehr als ausreichenden Beweis dafür ansehen, dass beide
Rollen in ihrem Widerstände vollkommen ungeändert ge-
blieben sind.

Ich glaube, so lange die Bedingungen der Un Veränder-
lichkeit des Neusilberwiderstandes nicht durch ausgiebigere
Versuche und Erfahrungen festgestellt sind, wird man bei
Arbeiten, welche eine Genauigkeit von 0,001 erfordern, immer
auf die Quecksilberwiderstände recurriren und die benutzten
Neusilberrollen vor und nach der Arbeit mit jenen vergleichen
müssen. Für die Verwendung in der Praxis dürften dagegen
die hier in Frage kommenden Aenderungen der Neusilber-
widerstände ohne grössere Bedeutung sein.

Darmstadt, März 1887.



VI. JEÜnfache Methode, ein Oalvanometer zu
graduiren; van O. Orotrian.

(Hierin Taf. V Flg. 6.)



Bei der Graduirung eines Galvanometers hat sich der
Verfasser kürzlich eines Verfahrens bedient, welches nicht
bekannt zu sein scheint; denn dasselbe ist nicht enthalten
unter den Methoden, welche in G. Wiedemann's Werke:
Die Lehre von der Electricität*), beschrieben sind. Das
Verfahren möge hier mitgetheilt werden, da dasselbe bezüg-
lich der Einfachheit und Genauigkeit den bereits bekannten
Methoden mindestens gleichstehen dürfte.

Die Versuchsanordnung ist sehr ähnlich derjenigen bei
der bekannten Poggendorff'schen Compensationsmethode.
Das zu graduirende Galvanometer Gt, s. Fig. 6, wird durch



1) Glazebrook, Chem. NewB 50. p. 256. 1884.

2) G. Wiedemann, Electricität 3. p. 281. Braunschweig 1883.



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Graduirung des Galvanometers. 626

einen kurzen dicken Draht, dessen Widerstand vemachlässigt
werden kann oder anderenfalls in Rechnung zu ziehen ist,
mit einem Bheostaten R verbunden in den Stromkreis A
einer Säule von der electromotorischen £j:aft S eingeschaltet.
Die Leitung enthält ausserdem einen veränderlichen Wider-
stand R^, der nur zur Stromregulirung dient und daher nicht
bekannt zu sein braucht. An die Verbindungsstellen a und b
des G-alvanometers und des Rheostaten R mit der übrigen
Leitung des Kreises A ist eine Zweigleitung B angelegt,



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