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Plutarch.

Pflügers Archiv : European journal of physiology online

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fontorti zurück, und es erscheint der Bûrstensaum.
Sobald aber der Salzgehalt des Blutes resp. des Harnes
sinkt, nehmen die Quellungserscheinungen des Epi-
thels wieder die Oberhand, und dann schwindet auch
der Besatz. Näheres über den Zusammenhang dieser Erscheinung
mit dem Gebalte des Salzes im Harn werde ich an einem anderen
Orte ausfUirlicber besprechen.

Hier will ich noch erwähnen, was ich schon liei meinen frtiheren
Experimenten gesehen habe, dass der Moment, in welchem der



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14G



W. V. S ob i era n ski:



Bürstenbesatz sich zeigt, zeitlich zusammenfällt mit der Erscheinung,
wo die Tubuli contort! den Farbstoff (Indigo-Carmin) nicht aufnehmen,
also sich nicht färben, d. h. wo die resorbirenden Eigenschaften der
gewundenen Harncanälchen unter dem Einfluss des concentrirten
Glomerulussecretes abgeschwächt oder vielleicht auch zeitlich ver-
nichtet sind.

Die diuretische Wirkung der Salze kommt auch l)ei Hunden
sehr prägnant zum Vorschein, und die Veränderungen, welche man
bei diesen Thieren an den Epithelien der gewundenen Canälchen
constatirt, sind vollkommen gleich den bei Kaninchen beschriebenen.
Aus einer Reihe von über 40 Experimenten bringe ich als Belejr
für die Salzdiurese folgende zwei Protokolle vor.

Versuch I. IS. Mai 1H9H.

Chlornatrium.
Männliches Kaninchen von 2400 g Körpergewicht.



Zeit



Harn-
menge
in g
pro
10 Min.



Steigerung

der
Hammenge
die Norm
1



Bemerkungen



lObOO' — — Das Thier bekommt 1 g Chloraihydmt

in 10 ccm Wasser gelöst in den Magen
mittelst Sonde.
Einfuhren der Ureterencanülen.



10^30'
10J»30'bi8
10 »»40 'bis
10»>50'



10 h 50' bis

11 »»(M)' bis
Hb 10' bis
11^20'



10h 40'
10^50'



11 h 00'
11^10'
11^20'



0,320
0,219



7,440

9,91)0

11,950



j 0,2<;8r) = 1



1 : 27,742
1 : 33,4S3S
1 : 44,500



25 cciii einer wässerigen Kochsali-
lösung von 5 ^,o in der Vena jugularb
binnen 10 Minuten, also bis 11»>-



Das Thier wird getödtet Die Niere so-
fort in kleine Stücke zerlogt und in
Fixirungsflüssigkeit gebracht

Alle Harnproben reagiren alkalisch und
sind eiweissfrei. I^etzte drei Proben ^^
duciren stark F e h 1 i n g ' sehe Lôsonf



Makroskopisches Aussehen: Bietet nichts Besonderes, die Niere sifbl

etwas blass aus.
Mikroskopisches Aussehen: Sämmtliche Lumine der Tubuli conlorti
tark erweitert, und alle Epithel ien derselben sind niedrig und mit den
insaum bedeckt. Auch die Tubuli recti im Lichten weit



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Weitere Beiträge zur Nierenfuuction und Wirkungsweise der Dioretica. 147
Yersuch H. 12. März 1897.
Salpetersaures Natron.
Männliches Kaninchen von 18iX) g Körpergewicht.



Zeit



ilam-
menge

in g

pro
10 Min.



Steigerung

der
[lammenge
die Norm

— 1



Bemerkungen



:îk .Vi'






"ifc in'
>^ 3»;'



bis 5»» «M/
big h^ ir,'



bis '>»» 2i'}'



0,S1.5



'J;^,*)?^



0,91H



1 : :n,304



Das Thier bekommt 1,2 g Chloralhydrat
in 10 com Wasser gelöst in den Magen
mittelst Sonde.

Einfuhren der Uretereucanülen.



Beginn der Injection einer wässerigen
salpetersauren Natronlösung von 5%
in die Vena jugularis. 25 ccm binnen
5 Minuten, also bis 5i> 21'.

Das Thier wird getödtet. Die Niere
sofort entfernt, in kleine Stücke zer-
legt und in Fixirungsflüssigkeit ge-
bracht.



Makroskopisches Aussehen: Die Niere sieht blass aus.

Mikroskopisches Aussehen (vide Fig. I): Die Lumina der gewundenen
ILuüc-dDalcfaen si'hr weit, hauptsächlich in Folge Erniedrigung des Epithels.
^aauDtlicbe Epithclien der gewundenen llamcanälchen mit sehr schön ausge-
prägtem Bürst^'nbi'^atz bedeckt (Fig. 1). Selten begegnet man im Lumen der
Tubnli contorti feinen Netzen, welche hier in zwei Canälchen sichtbar sind.

Neben den el)en beschriebenen Veränderungen begegnet man ab
und zu bei Salzdiurese einer Art von feinem Netzwerk in den Tubuli
contorti, wie auf Fig. I abgebildet ist, ähnlich dem, welches schon
früher einige Autoren beschrieben haben. Dieses Netzwerk geht von
der Oberfläche des Epithels der Tubuli contorti aus und verbreitet
ach iü's Lumen. Woher jedoch stammen diese Netze? Ob von den
Tubnli contorti oder aus dem Blute, aus dem Glomerulus, oder
wiederum aus Spalträumen zwischen dem Epithel, kann ich nicht
eotwheiden. Ebenfalls ist mir nicht klar, was weiter mit diesen
Net/^n geschieht Es bedarf weiterer Forschung, ob sie einer Re-
sorption oder Auflösung und Aufsaugung unterliegen.

Man kann jedoch sicher behaupten, dass diese Befunde nicht
im geringsten dafür sprechen, dass Harnstoff und ähnliche „harn-
fähige" Sulistanzen durch die Tubuli contorti zur Ausscheidung ge-
langen, wie es die Heidenhain' sehe Theorie verlangt.



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148 W. V. Sobieraiiski:

Bei meinen Versuchen mit Salzen — ich spreche immer von
Natrium chloratum, Natrium sulfuricum und Natrium nitricum —
nahm mit der Zunahme der Harnausscheidung auch die Hamstoff-
menge zu; die Hamstoffmenge wächst jedoch nicht proportional dei
Flüssigkeitsmenge.

Zur weiteren Beleuchtung der Salzwirkung möchte ich erwähnen,
dass ich bei einem Thiere, an welchem ich in ein paar Stunden die
Salzdiurese zwei Mal hervorrief und schwinden liess, als ich dasselbe
auf dem Höhestadium der Salzdiurese getödtet hatte, die Canäle er-
weitert und den Bürstenbesatz ebenso typisch entwickelt fand wie
bei den übrigen Thieren, welche ich nach einmaliger Salzeinspritzung
untersucht habe. Auch dieses beweist unter Anderem, dass der
Bürstenbesatz an den Epithelien nicht leicht zerstörbar ist, wie das
Disse meint

Zum Schluss meiner Experimente über Salzwirkung habe ich
ein paar Versuche angestellt, um die Verhältnisse in der Niere zu
Studiren, nachdem die Einwirkung der Salze bereits abgeklungen
und die Diurèse sehr gering war. Bei diesen Experimenten fand
ich das Epithel schon im Quellungsstadium; in Folge dessen war
das Lumen der Härncanälchen viel kleiner. Die Epithelien der ge-
wundenen Hamcanälchen waren viel höher, und nur einige davon
trugen einen nicht deutlich entwickelten Bürstenbesatz. Hier konnte
man augenfällig sehen, wie der Bürstensaum an den im Quellen-
zustand begriffenen Zellen allmählich kleiner wird und schliesslich
gänzlich verschwindet. Ich bemerke dabei nachdrücklich, dass die
Niere sich noch im Secretionszustand befand, wenn schon sie nur
in geringem Grade secernirte, und dass die Versuchsbedingungen,
namentlich die Fixirungsflüssigkeit, dieselben waren wie bei früheren
ExjKîrimenten, wo der Bürstenbesatz sehr schön zum Vorschein kam.
Als Beispiel folgt ein Protokoll (siehe S. 149).

Somit spielen in der Niere bei der Salzdiurese vorwi^end
zwei Momente mit. Das erste bedingt die vergrösserte
Filtration und Osmose der „harnfähigen** Substanzen
in den Glomerulis. Das zweite Moment ist die Einwirkung der
concentrirten Salzlösungen auf die Hamcanälchen. Es entsteht ein
osmotischer Kampf zwischen den resorbirenden Eigen*
Schäften der Epithelien der Tubuli contorti und den
wasserentziehenden Eigenschaften der Salze. Sobald
die Concentration der ausgeschiedenen Salzlösung so



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Weiter« Beitrage stur Niereufunctiou und Wirkungsweise der Diuretica. 149

Tersnch III. 2?. Mai 18î>8.
Chlornatrium.

Maooliches Kanincheu von UM) g Körpergewicht. (Ohne Narkose.)



Zeit




Steigerung

der
llammenge
die Norm

= 1



Bemerkungen



11 k ;;•>'

llk :i.vbi» II»» 4:»'

Mk iVbis llh.M'



11^ -M'bi» lîfi» a5'
12k OTï'bis 12»» 15'

12* 15' bis 11 »«25'
12fc äTi'bis 12»» ^i^)'
12 k xvbis 12»» 45'
12'» 45'biis 12»».V>'
l2k.M'bis 1»»05'
1^ 'L-.'bis I»» 15'
Ik 15' bis 1»» 25'

ik^-.'bia 1 »»:;:»'
1 k :•/,'



n,457
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1.915

iS*>14



0,391



1:41,94,S
1 :4^,9iM)



41,1><9
4(s751
40/J4H

4,S97
2/J^9
1,H2G
1,570



Das Thier an das Brett befestigt.

Einführen der üreterencanülen.

lieaction neutral. F e h 1 i n g ' sehe Lösung
wird nicht reducirt.

Beginn der Injection. 20 ccra einer
wässerigen Kochsalzlösung von
5^0 in der Vena jugularis binnen
10 Minuten, also bis 12»» 5'.

Alkalisch, reducirt F e h 1 i n g'sche Lösung.

Alkalisch, sehr starke Reduction der
Fehling'schen Lösung.

Der Harn reagirt bis zum Schluss
alkalisch. Die ersten Portionen redu-
ciren noch stark Feh 1 i ng ' sehe Lösung,
die späteren reduciren viel langsamer,
erst nach längerem Kochen.

Das Thier wird getödtet. Die Niere
sofort in kleine Stücke zerlegt und in
Fixirungbflüssigkeit gebracht.



Makroskopisches Aussehen: Die Niere sieht auffallend blass aus.

Mikroskopisches Ausseben: Die Kpithelien der gewundenen Ham-
(aiukbeo zeigen verschiedene Quellungsstadien, das Lumen bei vielen wenig
uciitbar, bei anderen beinahe vollkommen geschlossen, nur selten trifü man die
Tnboli contort! etwas erweitert und mit schwach entwickeltem Bürstenbesatz
4ai^kJ«idet

Pfüs» ist, dass Flûssifjkeit den Tubuli contorti ent-
xoiren wird, dann erscheint das Epithel niedri«? und
mit dein Bürstenbesatze bewaffnet, und in Folge
dessen wird das Lumen der Canäle erweitert.



Coffemdiarese.

\Wi den Versuchen mit Coffein bin ich ähnlich vor^eganj^en wie
bei den Experimenten mit Salzen, d. h. ich habe das Thier zur Zeit



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150 W. V. Sobieranski:

der möglicbst grossen Diurèse getödtet und die Niere wie oben an-
gegeben behandelt

Die mikroskopischen Befunde, welche ich hier angetroffen habe,
Hessen schon aus theoretischen Gründen im Vei^leiche mit denen,
welche ich mit Salzen erhielt, grosse Unterschiede erwarten. Die
Salze nämlich rufen die oben beschriebenen Veränderungen in Folge
ihrer wasserentziehenden Eigenschaften hervor. Bei Coffein dagegen
kann, wie ich schon in meiner früheren Arbeit erwiesen habe, davon
keine Rede sein. Hier handelt es sich um specielle Einwirkung auf
die Tubuli contorti, welche die resorbirende Kraft derselben schwächt
resp. zeitlich vernichtet Die Coffeïndiurese kommt nur dann ta
Stande, wenn es dem Organismus nicht an Wasser und Salzen
mangelt Mit diesem Diureticum erhaltene Bilder werden selbst-
verständlich nicht nur vom Coffein, sondern auch von der Menge
der Salze, welche augenblicklich der Organismus zur Disposition bat,
abhängig sein. Aus demselben Grunde, d. h. weil die Epithelien
nicht nur unter Coffein-, sondern auch unter Salzwirkung stehen,
kann bei der Coffeïndiurese keine Rede von solcher Gleichmässigkeit
in dem Verhalten der Tubuli contorti sein, welche wir bei der Salz-
diurese gesehen haben. In der That findet man hier gleich wie bei
normalen Nieren verschieden aussehende Epithelien der Tubuli con-
torti; so waren einige Epithelien im Quellungszustande begriffen
ohne Bürstenbesatz und mit nicht deutlich sichtbaren Grenzen,
während andere einen mehr oder weniger entwickelten Bürstensaum
trugen, andere wiederum zeigten die Zwischenstufen zwischen den
eben beschriebenen Formen. Nur eine Abweichung konnte ich con-
statiren, wenn die Diurèse stark zum Voi'schein kam, nämlich etwas
erweiterte Lumina der Harncanälchen, was auch zum
Theil aus mechanischen Gründen begreiflich ist (vide Fig. II).

Wir sehen also, dass diese Bilder an die normalen Befunde bei
der Niere lebhaft erinnern; auch das Auftreten des Bürstenbesatzes
wechselte öfters; manchmal fand ich ihn ziemlich verbreitert Dann
ergab eine nachträgliche Untersuchung des Harnes einen starken
Salzgehalt Wie soll man diese Bilder deuten? Durch meine
früheren Versuche mit Indigo habe ich bewiesen, dass das Coffein
die Aufnahme des Farbstoffes in die Tubuli contorti, d. h. die Fär-
bung des Epithels der gewundenen Harncanälchen hindert; daraus
habe ich geschlossen, dass das Coffein die Diurèse zu Stande bringt
dadurch, dass es die resorbirende Thätigkeit der Harncanälchen ver-



i



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Weitere Beiträge rar Nierenftmction and Wirkungsweise der Dioretica. 151

riogerl resp. lähmt Maassgebend für den Coffeïneffect ist also nicht
Dar diese Substanz selbst, sondern auch die im Organismus dis-
poniblen ^hamfähigen** Substanzen. Die bei Coffein erhaltenen
Taboli-Bilder scheinen auch dafür zu sprechen, dass wir hier keine
besonders ausgesprochene Formverftnderung der Epithelien finden,
sondern einen status quo ante, also eine Stabilität der Form , wenn
ich mich so ausdrucken darf.

Wenn wir dagegen die früher herrschende Theorie von Bow-
man, Heidenhain und die Erklärung von y. Schroeder an-
nahmen, dass die Coffelndiurese durch Reizung resp. gesteigerte
Secretion der Epithelien der Tubuli contorti entsteht, so sollten wir
hier irgend welche Anhaltepunkte finden , die wenigstens zum Theil
diese Annahme unterstützten. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Das Coffein also verändert meiner Meinung nach
kiom die Form der Epithelien der Tubuli contorti,
d. b. es unterhält beinahe denselben Zustand, in wel-
chem sich die Epithelien der gewundenen Canälchen
forher befanden. Es versetzt aber diese Theile der
Niere in einen e^genthümlichen Zustand, in welchem
sie ihre resorbirende Thätigkeit mindern resp. zeit-
lich aufheben').

Die Epithelien, welche unter Coffeïneinwirkung stehen, können
jedodi auf Salze reagiren, indem das Ck)ffeln wahrscheinlich bald
aasgewaschen wird. Wenn wir also einem Thiere, welches (Coffeln-
diurese zeigt, eine Kochsalz- oder Natrium-Nitricum-Injection machen,
80 erscheinen wiederum alle Epithelien mit dem Bürstenbesatz be-
deckt Nachdem die Salzwirkung abgeklungen ist, bleibt auch die
Coflelndiurese aus, weil das (Coffein wahrscheinlich aus dem Epithel
anagewaschen worden ist Ein in diesem Zustand getödtetes Thier
zagt in der Niere dieselben Quellungserscheinungen des Epithels
der TubuU contorti wie gewisse normale Thiere.



1) Im Torigen Jahre haben Gottlieb und Magnos eine Arbeit „lieber
die BeneboDg der Nierentbàti^eit zur Diärese" (Arch. f. experim. Pathol, a.
FWnak. Bd. 45 S. 228) pablidrt, in welcher die Coffein- and Sakwirkung auf
die Niere antertocht wird. Die dort angeführten Versuche sprechen so deutlich
ftr metM Anfiâssung der Wirkung der Diuretica, dass es zu verwundem ist,
raum diese Autoren darauf nicht eingehen und eine gezwungene Erklärung
ihrer Venuche in f. Schroeder's Theorie der Coffeinwirkung suchen.

K. PfUfêr, AickiT ftr Fkjr«io1offi«. Bd. 96. 11



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152



W. T. Sobieranski:



Von einer grossen Anzahl von Experimenten mögen die folgenden
Protokolle als Illustration dienen.

Tersnch IT. 24. AprU 1896.
Coffeinum natro-benzoicum.
Weibliches Kaninchen von 2100 g Körpergewicht





Uammenge


Steigerung
Qer


Reaction




Zeit


in 10 Min.

in tt


Hammenge,


des


Bemerkungen




lu g

ausgedrückt


die Norm


Harns




2^50'











Das Thier bekommt 1,5 g
Chloralhydrat in 15 com
Wasser gelöst in den
Masen mittelst Sonde.

Einführen der Ureteren-


3^38'



















canlilen.


3^40' bis Sil 50'


0,57


1 0,6525« l|


alkalisch,




3ii 50' bis 4b 00'


0,735


eiweissfrei




4^00'


"






Beginn der Injection einer
wässeri^enCoffeln nttr.
bensoicum-LösanffvoD
5®/o in die Vena jogularis.

5 ccm oder 0,25 Coff. natr.-


























benzoicum binnen H Min.


4^00' bis 4ii 10'


25 740


1:39,463 |


alkalisch
eiweissfrei




4^10'











Das Thier wird getödtet



Makroskopisches Aussehen: Die Niere bietet nichts Beeonderes,
vielleicht f&hlt sie sich etwas harter an.

Mikroskopisches Aussehen (ride Fig. II): Die Lumina der gewundenen

Hamcanälchen stark erweitert, die Epitheiien besitzen öfters unregelmässiges

Aussehen, selten begegnet man einem Bûrstenbesatz, und bei Weitem nicht so

gut ausgesprochen wie bei der Salzdiurese. Die Zwischenräume iwiscben den

Hamcanälen erweitert

(Versuch V siehe S. 153.)

Bei der Ck)ffelndiurese fand man sehr selten in den gewundenen
Hamcanälchen auch die Netze, welche ich bei der Salzdiurese be»
schrieben habe. Ausserdem konnte man hier noch eine andere Er-
scheinung coostatiren. Oefters sah man bei A 1 1 ro a n n ' scher Fixirung
im oberen Dritttheil der Epitheiien der Tubuli contorti nach dem
Lumen zu eine deutlich hervortretende Art von Vacuolen. Die
Lagerung dieser Bildungen war über der Kemgrenze und unterhalb
der Bûrstenbesatzzone. Ich betone, dass diese Erscheinung, welche
bei der Hamstoffdiurese ebenfalls schön zum Vorschein kam, nur
dann deutlich auftrat, wenn die Niere in Altmann 'scher Flüssigkeit



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Weitore Beiträge zur Nierenfunetion und Wirkungsweise der Diuretica. 4^

Tenooh T. 20. Jonl lfm.
Coffein natro-benzoicum.

Männliches Kaninchen von 2640 g Körpergewicht



Zeit



Uammenge
in 10 Min.
in s aus-
gedrückt



Steifferung

der

Ilammenge,

die Norm

= 1



Reaction

des
Harns



Bemerkungen



2* 15'



3^10'



S^ 10' bis 3h 20'

all 20'



3ka»'bU3h;M)'
3 h 30' bis 3 h 40'
3h 40' bU 3»» 60'
3h 50'



1.260



9,590

16.2064

7,094



1,260«!



- i



alkalisch,
blutig



1:7,611
1 : 12,861
1 : 6,630



Das Thier bekommt 1,2 g
Chloralhydrat in 10 ccm
Wasser (gelöst in den
Masen mittelst Sonde.

Einfuhren der Ureteren-
canQle.

Beginn der Injection einer
wässerigen Coffein
uatro-be nzoicum-
Lösung von 6^/o in die
Vena jugularis binnen
5 Min. 3 ccm.



Das Thier getödtet



Makroskopisches Aussehen: Die Niere sieht etwas blasser als normal
aas und föhlt sich h&rter an.

Mikroskopisches Aussehen: Die gewundenen Hamcanälchen nicht
•o stark erweitert wie im Versuch IV, einige davon besitzen ganz enges Lumen.
IHe Epithelxellen der Tubuli contorti sind höher als bei dem vorigen Versuch,
and einige zeigen ganz deutlich Quellungszustand , welcher selbstverständlich
nicht so hochgradig ist wie bei den später folgenden Experimenten mit physio-
logischer Kochsalzlösung, aber deutlich genug, um constatirt zu werden.

fixirt worden war. Die Vacuolen sieht man nicht bei der Salz-
fiiureae. Näheres darüber wird Herr Dr. Modrakowski in einer
demnächst erscheinenden Arbeit berichten.

Solchen Vacuolen begegnet man auch in anderen Geweben der
Tbiere, z. B. im Blute des Frosches unter Einwirkung verschiedener
Gifte wie Ammoniumchlorid oder Lupetidinen ') , und es ist sehr
$rewagt, diesen Bildungen bei der Niere eine secretorische Rolle zu-
sprechen zu wollen, wie das viele Autoren thun (Trambusti,

1) OOrber, Untersuchungen Ober die physiologischen Wirkungen der
IjOpetidine und verwandter Körper und deren Beziehungen zu ihrer chemischen
Coastitotion. Arch. f. Anat u. PhysioL, physiol. Abth., 1890 8. 401.

11*



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154 ^* ^* Sobieranski:

GurwitBch u. A.)- Selbst die Bezeichnung „Vacuole'' ist nicht
passend; weil die Bildungen nicht leer sind, sondern gefüllt mit
Substanzen, welche sich anders gegen manche Farbstoffe resp.
Reagentien verhalten wie das übrige Protoplasma der Zelle.

Harnstoffdinrese.

Die Experimente mit diesem Diureticum waren in jeder Be-
ziehung den früheren gleich ausgeführt. Der Harnstoff nimmt, wie
ich schon in meiner früheren Arbeit dargelegt habe, in seiner Wirkung
auf die Niere eine Mittelstellung zwischen den erwähnten Gruppen ein.

Iqicirt man also einem Thiere viel Harnstoff und in circa
5— 8^/oiger Lösung in die Vena jugularis, so steigt die Diurèse
ziemlich plötzlich in die Höhe, und sobald sie sich auf das
6— 10 fache vergrössert hat, findet man alle Harncan&lchen erweitert
und die Epithelzellen der Tubuli contorti mit Burstenbesätzen be-
deckt Die so erhaltenen Bilder erinnern sehr lebhaft an die, welche
wir bei der Salzdiurese beschrieben haben.

Wenn man dagegen Thieren kleinere Mengen von Harnstoff und
in nicht so concentrirten Lösungen (1 ^/o) ii^icirt, so tritt die Diurèse
nicht so ausgiebig auf, etwa bis zum 2 fachen der ursprünglichen
Grösse. Dann erscheinen die Tubuli contorti nur wenig erweitert
und ihre Epithelzellen nicht oder selten mit dem Bûrstensaum be-
deckt, welcher viel schwacher entwickelt ist Dabei zeigen sich bei
Altmann 'scher Fixirung ähnliche Vacuolen im Epithel und in der*
selben Lagerung, wie wir das bei der Goffelndiurese beschrieben
haben.

Als Beispiel fbhre ich aus einer Reihe von Experimenten das auf
S. 155 angeführte Protokoll an.

Aus dem eben Gesagten in Verbindung mit den früher fest-
gestellten Thatsachen ergibt sich, dass der Harnstoff die zweck-
massigsten Eigenschaften eines Diureticums besitzt,
er verringert die resorbirende Thätigkeit der Tubuli
contorti, übt aber auch in grösseren Mengen deutlich
sichtbare Salzwirkung aus. Jedoch sind diese beiden
Wirkungen des Hamstoffis im Vergleich einerseits zum Coffein, anderer-
seits zu den Salzen verhältnissmässig nicht so ausgiebig.

Die Hamstoffdiurese bringt noch manche andere Eigentbümlich-
keiten zum Vorschein, welche jedoch einer weiteren Forschung be-



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Weitere Beiträge zur NierenfanctioD and WirkungsweiBe der Diuretica. 155

Yeranch Tl. 22. September 1902.
Harnstoff.
Minnliches Kaninchen von 2170 g Körpergewicht



Zeit


Hammenge
in 10 Min.
in ff aus-
gedruckt


Steifferung
Hammenge,


Bemerkungen




die Norm
— 1




12» fO'






Das Thier bekommt 0.75 g Chloral-
hydrat in 40 ccm Wasser gelöst














in den Magen.


1*45'








Das Thier an das Brett befestigt


2k OO'








Die Ureterencan&len eingefiUirt


2k05'bis2fc 15'


0,850


0,850=1




2k 15'




*""■


Beginn der Iiyection Ton 5^/o wässe*
riger Lösung von Harnstoff
in die Vena jugularis. Im Ganzen
68 com oder 8,15 g in 50 Min.














also bis 8h 05'.


2fcl5'btt2fc 25'


1,077




^267




2k 25' bis 2h 85'


1,409




.1,657




2k 35' bis 2fc 45'


2,221




2,6141




2k 45' bis 2h 55'


3,030




8,564




2k 55' bis 3h 05'


4,280




4,976




8k 05' bis 3h 15'


5,750




6,764




3k 15'








Das Thier wird getödtet und die
rechte Niere in kleine Stücke zer-










lest und in FixirungsflOssigkeit
gebracht



Makroskopisches Aussehen: Bietet die Niere nidits Besonderes.

Mikroskopisches Aussehen (yide Fig UI): Die Tubuli contorti sind
itark erweitert und ihre Epithelien mit dem Bûrstensaum bedeckt Man findet
iber aoch in dem Präparate ein paar weniger weite, gewundene Canälchen, deren
Epithelien etwas gequollen und desswegen ohne Bürstenbesatz sind. Hier sieht
■aa auch, wie die Bürsten kleiner werden und allmählich Terschwinden; dieses
ist am besten oberhalb der Kerne zu sehen.

dürfen; eine solche stellt z. B. das différente Verhalten verschiedener
Thieiigattungen (Hund und Kaninchen) diesem Diureticum gegen-
über dar.

Wirkiig der physiele^isclien KochsaklSsong auf die Niere.

Dm mich besser zu yergewissem, dass ein Theil der Veränderungen
in den gewundenen Hamcanälchen nur als Quellungserscheinungen
m deuten ist, und um dem logischen Gange meiner Gedanken nicht
BOB dem Wege zu weichen, habe ich noch Versuche mit physiologischer
bdvalzlteung gemacht



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156 W. T. Sobieraoski:

leb babe den Kanincben grosse Mengen pbysiologîscher Koch-
salzlösung (2— 4facbe des Blutes) in die Vena jugularis injicirt in
Erwartung, dass in Folge osmotischer Erniedrigung des Blutes resp.
des Harnes die Quellung in der Niere sehr ausgesprochen zum Vor-
schein kommen würde. Meine Erwartung wurde nicht getäuscht.
Es ergaben sich thatsäcblich Bilder, wie Fig. IV darstellt, wo man
alle Epithelieu der Tubuli contorti in so hochgradiger Quellung und
so an einander gedrängt findet, dass das Lumen nur als ein unregel-
mässig aussehender Strich resp. Spalt zum Vorschein kommt. Der
nach dem Lichten gelegene Theil des Epithels ist so stark an-
geschwollen, dass er beinahe als durchsichtige Masse erscheint, und
in dieser Protoplasmamasse liegen die Kerne weit von einander. Der
untere, basale Theil der Zelle erscheint immer dunkler, kömig, und
die kleinen Granula findet man zerstreut fast ausschliesslich in den
dunkleren Partien des Epithels. Selten constatirt man eine Andeutung
der Stäbchenstructur in dem Epithel der gewundenen Hamcanälcben.

Ich bebe besonders hervor, dass die Fixirungsfiûssigkeit und
andere Versuchsbedingungen dieselben waren wie bei meinen Ex-
perimenten mit der concentrirten Kochsalzlösung und mit Coffein.
Als Beleg für die Wirkung der physiologischen Kochsalzlösung fbhre
ich ein Protokoll vor (siehe Versuch VII S. 157).



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