Ricarda Octavia Huch.

Liebesgedichte online

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Wie Bienenflug um sommerliche Linden
Summt stiG Musik von ihrer FtiBe Schwung.

Vom Schmelz der Dinge schimmern ihre Hande,
Sie hiiten erd- und meerversunknen Hort.
Er hebt und rtthrt sich auf ihr weekend Wort
Und funkelt jung wie Tau in das Gelande.

Nicht Blumen sind's, was sic zum Kranz gelesen;
Sie sammelt Saat des Lebens, das verging.
Aus neuer Hoffnung, langst versiegten Zahren,

Verschmiedend gltihend Heut und starr Gewesen,
Biegt unser goldnes Leben sie zum Ring,
Dafi es unendlich kreist in ewgen Spharen.



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LEBEN

HELL str5mt aus Schluchten der Vergangenheit
In unsre Becher, die wir schwarmend fallen,
Ambrosisch Blut, aus dessen Purpurhtillen
Verklartes Leben funkelnd sich befreit:

Sehnsucht und Liebe, Tranen, Lacheln, Lust
Und Kampf und Fluch und siegende Gedanken
Der Toten, die wie wir den Festwein tranken,
Lenzlaub im Haare, unser nicht bewufit;

Und wir gewahren nicht, ins Heut versonnen,
Dafi jeder Tropfen, den die Zeit ergieSt,
Von unsrer Seele l6st und so durchglutet

Herniederrinnt in einen dunklen Bronnen,
Der einst in andre Schalen iiberflieGt
Berauschter Zecher, die der Tag umflutet.



WIE zwei Tote, die um Liebe starben,
Duftend Feuer schmilzt sic nun zusammen
Ruhn wir still, umblaut von Frtihlingsflammen,
Satt in Wonne nach der Trennung Darben.

Hoch im Himmel mit geblahten Saumen
Drehn die Stunden sich in Sturmestanzen,
Ihre blanken Sohlen sehn wir glanzen,
Docb kein Ton fallt aus so fernen Raumen.

Aber langsam sinken die vergangnen
Tage, die das Herz in Qual belauschte,
Schwer hinunter in verhtlllte Tiefen,

Wie wenn unterirdisch Goldestriefen
In des Felsens hohle Becken rauschte,
Jenseit von uns ewig dicht Umfangnen,



$:



DA wo der friihen Falter gelbes Lodern
Um wild Gestriipp am Bergeshange ziickte,
Und Bache quollen durch verjahrtes Modern,
Verweilten wir, die Gliickes Last erdrtickte.

Wie von des Meisters Hand entfesselt Erz
GoG sich die Kraft der Sonne auf uns nieder,
Sie sttirzte rot durch unser schlagend Herz
Und wuchs wie goldne Haut um unsre Glieder.

Nun ist mir so, als ob dort oben bliebe,
Den Elementen kund und zugesellt,
Unsterblich eins: das Strahlenbild der Liebe,

Indessen wir, Staub ohne Sinn und Dauer,
Der vor der Stunde blindem Schlag zerfallt,
Hinunterstiegen in das Tal der Trauer.



WIE lastet mir das Leben ohne dich!
Nun kSnnen wir's auf Fingerspitzen regen,
Ein goldnes Ballchen, wie die Gauklcr pflegen,
Das an Gewicht noch eben Felsen glich.
Es tanzt und schimmert, dttnnes Glasgewebe
Und unverletzlich doch wie Diamant,
Ein selges Wesen, Sternen anverwandt;
Ach, dafi es unsern Handen nie entschwebel



MUSIK bewegt mich, daR ich dein gedenke,
So will auch Meer und Wolke, Berg und Stern,
Wie anderer Art als du, dir noch so fern,
Da6 ich zu dir das Herz voll Andacht lenke.
Kein edles Bild, das nicht mein Auge zwinge
Von dir zu traumen, kein beseelter Reim,
Der nicht zu dir Erinnern ftihre heim
Geschwister sind sich alle schonen Dinge.



60



URALTER Worte kundig kommt die Nacht;
Sic lost den Dingen Rttstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
Und htillt den Streit in gleiche braune Tracht.

Da ruhrt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinttber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Randc
Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.

Ich halte dich und bin von dir umschlossen,

ErschSpfte Wandrer wiederum zu Haus;

So ftthl ich dich in Fleisch und Blut gegossen,

Von deinem Leib und Leben meins umkleidet.

Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,

Die eins vom andcrn nicht mehr unterscheidet.



WIR wanderten von junger Liebe trunken
In dieses Friedhofs grttn verhangnen Gangen,
Wo Immergrlin und Efeu sich bedrangen,
Mit Toten in der Graber Nacht versunken.

Der alien Weiden Schatten und der Birken
Schlug schirmend iiber unserm Haupt zusammen,
Gelassen duldend ungeslihnte Flammen
Zu fltichtger Rast in heiligen Bezirken.

Von langer Irrfahrt sind wir nun zurtick
Und suchen, die verwildert Kraut umspann,
Der Vater Kreuz, auf eingesunknen Statten,

Still in vergangner Wonne, kunftgem Glilck.

Hier werden wir, v/enn unsre Zeit verrann,

Nie mehiT geschieden, nicht mehr zwei, uns betten.



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DIE ANFANGE DER GEDICHTE

Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher . . 3

Ich wcrde nicht an deinem Herzen satt 4

Wo hast du all die SchSnheit hergenommen ... 5

Was fUr cin Feuer, o was ftlr ein Feuer 4 6

Eine Melodic 7

Wie liebten wir so treu in jenen Tagen 8

Still vorn Frtihlingsabendhimmel 9

Ein Engel hat den voile n Kranz der Liebe . . . . IO

Ein Todesengel, gSttlich sanft und schSn . . . . 1 1

Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt . . 12

Gestern weint ich in den SchoG des Gliickes . . . . 13

O bltlhende Heide, welken wirst du mlissen . . . . 14
Sinkt nun der Frtihlingstraum verwelkt von alien

Baumen 15

Sturmlied. O Brausen des Meers 16

Du, dem ich angehSre, laS, wenn ich gestorben . . 17

Wie Laodamiens Gatte ftir drei Stunden . . . . 18

Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle . . 19

Es bebten Berg und Taler von Gewittern , . . . 2O

Dein Name, h6r ich plOtzlich ihn gesprochen . . 21

Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein . . . . 22

Du karnst zu mir, mein Abgott, meine Schlange . . 23
Wie wenn Gott winkt, und die StrSme und Meere

der Erde 24

Die Harfe war besaitet ohne Ziel 25

Du gingest durch ein Felsental im Feuer 26

Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen 27

Denn unsre Liebe hat zu heiS geflammt 28

Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll . . . . 29

In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte . . 30

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Schwill an, mcin Strom, schwill tlber deine Wcide 31

Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft . . 32

Du lassest Duft und Wohllaut, wo du gingest . . 33

Du warst, o Hand, die Taube, die mich nahrtc . . 34

Wenn je ein SchSnes mir zu bilden gluckte . . . . 35

Die Sterbliche, die dem Olympier teuer 36

Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmflckt 37

Wie sich der Frflhling opfernd vor der Sonne . . 38

Du warst nur kurze Tage mein Gefahrte . . . . 39

Du warst in dieser g5tterlosen Zeit 40

Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Ttiren . . . . 41

Du ftihrtest mich zuerst ins Heiligtum 42

Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer . . . . 43

Wir fanden im Zwielicht hohe Wege 44

Die Sage weiS von eines Brunnens Tugend . . . . 45

Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend . . . . 46

Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen . . , . 47

Wie sich die Erde scheidend von der Sonne . . . . 48

Am Klavier. Die lafi mich hSren alte Tone . . . . 49

O schbne Hand, Kelch, dessen Duft Musik . . . . 50

Wie eines K5nigs Hand Beruhrtes adelt 51

Die Erde, von des Himmels Macht umrundet . . 52

Um diese Hfigel, die dem Blick entgleiten . . . . 53

Sieh mich, das Meer, das dir zu Ffifien brandet . . 54

An unsrer Seite geht Erinnerung 55

Leben. Hell strSmt aus Schluchten 56

Wie zwei Tote, die um Liebe starben 57

Da wo der friihen Falter gelbes Lodern 58

Wie lastet mir das Leben ohne dich 59

Musik bewegt mich, dafi ich dein gedenke . . . . 60

Uralter Worte kundig kommt die Nacht . . . . 61

Wir wanderten von junker Liebe trunken . . . . 62

65



41. 60. TAUSEND

DIKSE ,,LIEBESGEDICHTE" ERSCHIE-
NSN ZUERST IM JAHRE 1907 UNTER
DEM TITEL ,,NEUE GEDICHTE".

*

DR.UCK DER 8PAMERSCHEN
BUCHDRUCKEREI, LEIPZIG.



Im Insel-Verlag zu Leipzig

erschienen nachstehende Werke von

RICARDA HUGH

DER GROSSE KRIEG IN DEUTSCHLAND.

Drei Bande. Geheftet M. 10.50; in Leinen 16 M.
Der Roman des Dreifiigjahrigen Krieges.

MERKWttRDIGE MENSCHEN U. SCHICK-
SALE AUS DEM ZEITALTER DES RISOR-

GIMENTO. Geh. 4 M. ; in Halbpergament 6 M.

MICHAEL UNGER. DES ROMANS ,,VITA

SOMNIUM BREVE" uchste Auflage. Geheftet M. 4.50;
in Leinen M. 6.; in Leder M. 7.50.

VON DEN KONIGEN UND DER KRONE.

Roman. Sechste Auflage. In Leinen M. 6.50; in Leder M. 8..

DIE GESCHICHTEN VON GARIBALDI.

Erster Teil: Die Verteidigung Roms. Roman. Sechste Auf-
lage. (VergrifFen.)

Zweiter Teil: Der Kampf um Rom. Roman. Vierte Auflage.
Geheftet 5 M. ; in Leinen 6 M.

DER LETZTE SOMMER. EineErzahlungin Briefen.
Vierte Auflage. Geheftet M. 2.50; in Leinen M. 3.50.
WALLENSTEIN. Eine Charakterstudie. Zweite Auf-
lage. Geheftet M. 3.; in Leinen M. 4.50.

LUTHERS GLAUBE. Briefe an einen Freund. 6. bis
10. Tausend. Geheftet M. 4.; in Halbpergament M. 6.

LEBENSLAUF DES HEILIG. WONNEBALD

P0CK. (Insel-Bflcherei Nr. 58.) Gebunden 70 Pf.

GOTTFRIED KELLER. Unsel-Bacherei Nr. 113.)
Gebunden 70 Pf.





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