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welche ihrem Diameter gleich sind, in einer Secunde anblasen
will, so würde der Wind an der Stelle, wo er in die Oefifnungen
eindringt, schon die Schnelligkeit von 32768 . 1,5 mm = 49 m,
1520 in der Secunde, haben müssen, um nur überhaupt in sie
bis zur anderen freien Seite der Sirenenscheibe einzudringen,
und folglich eine noch viel grössere, um auf dieser Seite noch
heraustreten zu können, um Tonimpulse zu erzeugen.

Es ist sehr schwer, Scheiben von dem angegebenen
grossen Durchmesser und verhältnissmässig geringer Dicke so
eben herzustellen, dass ihre Ränder bei der Drehung ohne
jede oscillirende Bewegung bleiben sollten, doch verschwindet
diese bei einer grossen Rotationsgeschwindigkeit fast ganz, in-
dem bei ihr die Scheibe durch die Centrifugalkraft zu einer
wirklich ganz ebenen Fläche gemacht wird. Wenn der Rota«
tionsapparat es gestattet, kann man die Sirenenscheibe auch
auf demselben zwischen zwei starken, ganz ebenen Holz-
scheiben von 0,50 m Durchmesser einspannen, über die dann



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Höchste hörbare und unhörbare Tone. 735

nur der 250 mm breite Band mk den zehn Löcherreihen her-
vorragt, wodurch dann auch schon bei langsamer Rotations-
bewegung die Oscillationen der Ränder fast ganz beseitigt
werden.



Die Resultate der im Vorhergehenden mitgetheilten Unter-
suchungen sind also der Hauptsache nach die folgenden:



1. Man kann vermittelst der Stosstöne Stimmgabeln mit
grosser Genauigkeit für Töne von c* bis fis'' stimmen, wenn
diese Stimmgabeln stark genug sind und eine gute Schwingungs-
fähigkeit haben.

Die Stosstöne kann man mit Stimmgabeln von c^ bis a^
noch gut durch Anschlagen erzeugen, über a^ hinaus muss
man aber die beiden Gabeln immer zugleich mit demselben
Bogenstriche zum Vibriren bringen.

2. Die Intervallweite, in deren Grenzen Stosstöne für einen
gegebenen Grundton möglich sind, nimmt mit der Höhe des-
selben immer mehr ab und beträgt schliesslich für den Grund-
ton f^ nur noch einen halben Ton.

Die Intervallweiten der Grundtöne vom gr. C bis f^ lassen
sich in einer ununterbrochenen Curve darstellen (Fig. 1).

Stosstöne können auch noch gehört werden, wenn die sie
erzeugenden primären Töne schon über der Grenze der Hör-
barkeit liegen.

Die Hörbarkeit der oberen Stosstöne der ersten Periode,
wie die der unteren Stosstöne der zweiten hängt wie bei den
anderen von dem absoluten Abstände des primären höheren
Tones vom Grundtone ab, während seine Stellung zur Octave
dieses Grundtones gleichgültig ist.

Bei den Sechstenintervallen 3:5, mit den hohen Grund-
tönen c* und d^ gebildet, wird der obere Stosston nur noch
allein, und zwar sehr stark, gehört.

Als Hülfsmittel beim praktischen Stimmen hat man nur
die unteren Stosstöne der ersten Periode, deren Schwingungs-
zahl gleich der Differenz der Schwingungszahlen ihrer pri-
mären Töne ist, anzuwenden, und welche am deutlichsten bei



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736 Ä. Koeriig.

denjenigen Intervallen entstehen, deren oberer primärer Ton
etwa in die Mitte der ganzen Intervallweite für Stosstöne des
Grundtones fällt.

Die Tonhöhe der Stosstöne kann man in diesen hohen
Lagen wegen ihrer kurzen Dauer nur durch ihre Vergleichung
mit Hülfsstimmgabeln vermittelst des musikalischen Gehörs
bestimmen, ein hierbei begangener Irrthum entspricht aber
immer nur einem sehr viel kleineren Fehler in der Stimmung
der primären Töne.

3. Vermittelst der Eun dt 'sehen Staubfiguren lassen sich
auch die Tonhöhen von Stimmgabeln bestimmen, welche viel
zu schwach sind, um Stosstöne erzeugen zu können.

Man kann mit Hülfe der Staubfiguren Stimmgabeln fiir
alle Töne von c* bis über f^ hinaus zu 90000 Schwingungen
(180000 vs) mit grosser Genauigkeit stimmen (Fig. 2, 3, 4, 5).

4. Die angewendeten Röhren können für die Töne von
c^ bis c^ noch eine Länge von 100 Halb wellen haben, müssen
aber über c^ hinaus einer immer kleineren Anzahl von Halb-
wellen entsprechen, welche schon in der Mitte der Octave von
c® bis c® nicht mehr 40 überschreiten darf.

Der Durchmesser der Röhren kann für den Ton c^ gleich
der Länge seiner Viertelwelle sein, muss dann aber von c^ bis
zu c® bis zur Länge einer Halbwelle heranwachsen und über
diesen Ton hinaus bis zu den höchsten Tönen hinauf, dann
aber nur noch bis zu ungefähr zwei Drittel der ganzen Wellen-
länge zunehmen.

In einer zu weiten Röhre bilden sich die Rippen der
Staubwellen nicht mehr senkrecht zu ihrer Axe, sondern neigen
sich periodisch den beiden entgegengesetzten Richtungen zu.

Bei einem zu kleinen Durchmesser der Röhre bilden sich
die Staubwellen nur noch gut in dem ihrem geschlossenen Ende
zunächst liegenden Theile derselben, sind unregelmässiger und
haben eine durchschnittlich geringere Länge, welche auch noch
von der Intensität des Tones sehr abhängig ist (Fig. 6).

' 5. Die Prüfung einer vermittelst der Stosstöne gestimmten
Stimmgabelreihe von c^ bis f^ mit der Methode der Staub-
figuren zeigt, dass beide Methoden fiir diese Töne fast gleiche
Resultate geben.



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Höchste hörbare und unhörbare Töne, 787

IL

1. Transversal schwingende Stäbe werden weniger als alle
anderen Körper durch die Art ihrer Befestigung in der Frei-
heit ihrer Schwingungen beeinträchtigt.

Die Stösse, welche sie immer beim Anschlagen hören
lassen, kann man bei der Bestimmung ihrer Tonhöhe ausser
Acht lassen.

Die nach den berechneten Längen hergestellten Stäbe
lassen nach der Höhe zu eine Vertiefung erkennen, welche für
ein Sechstenintervall etwa einen Viertelton zu betragen scheint.

Die Hörbarkeit der Töne dieser Cylinder ist fast ebenso
gut, wie die der Stimmgabeln und auch die höchsten, unhör-
baren der Reihe, welche bis c® reicht, schwingen noch wirklich
beim Anschlagen.

2. Longitudinal schwingende Stäbe können schon von etwa
ff^ oder a^ ab nur noch durch Anschlagen erregt werden, wo-
bei immer starke Transversaltöne störend mit auftreten.

Schon zwischen c® und c^ hört die Möglichkeit auf, die
Longitudinaltöne noch mit Sicherheit beobachten zu können,
so weit sie aber erkennbar sind, haben sie eine grössere Stärke
und eine längere Dauer als die Töne gleicher Höhe aller
anderen festen Körper.

Die nach dem Längengesetze zugeschnittenen Stäbe lassen
nach der Höhe zu nur eine ganz geringe Erhöhung wahr-
nehmen und die longitudinalen Theiltöne einer langen Stahl-
stange scheinen sogar in den absolut rein harmonischen Ver-
hältnissen zu ihrem Grundtone zu stehen.

3. Die Töne der Platten hängen sehr von der Amplitude
ihrer Schwingungen ab und sind in sehr hohem' Grade durch
die Befestigungsart in der Freiheit ihrer Schwingungen beein-
trächtigt, auch sind ihre Töne zu schwach, um zur Bestimmung
der Hörgrenze dienen zu können.

An kleinen Platten lässt sich die Existenz unhörbarer
Töne hübsch demonstriren, auch kann man an ihnen eine be-
sondere Schwingungsart beobachten, welche grössere Platten
nicht zeigen (Fig. 9).

4. Die Töne der hohen Orgelpfeifen von c* bis ff^ sind
sehr von der Windstärke beim Anblasen abhängig, doch scheint

Ann. d. Phys. u. Chem. N. F. G9. 47



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788 B. Koenig. Höchste hörbare und unhörbare Töne.

sich auch bei ihnen das empirische Gesetz von Cavaillö Coli
gut zu bewähren.

Man kann an ihnen wahrnehmen, wie sehr die Hörbarkeit
eines Tones auch von seiner Dauer abhängt.

5. Saiten und Membranen sind für die Erzeugung höchster
Töne unbrauchbar.

6. Bei grossen Sirenenscheiben wird die Grenze ihrer
höchsten Töne nicht nur durch den Rotationsapparat bedingt,
sondern auch noch durch die Stärke und somit auch Geschwindig-
keit des Windes, welche immer gross genug sein muss, dass
derselbe auch wirklich durch die Löcher der Scheibe hindurch-
dringen kann.

Paris, Juni 1899.

(Eingegangen 7. Juli 1899.)



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2. JExpeH/mentelle TJntersuchv/ngen

über die Geschtvi/ndigkelt und die mngneHsche

Ahlenkbarkett der Kathodenstrahlen;

von E. Wiechert.

(Aus den Nachrichten der Kgl. Geeellsch. d. Wissensch. zu Gottingen,

Math.-phjB. Klasse, Heft 3. p. 260. 1898, in etwas veränderter Form mit-

getheilt vom Verfasser.)



§ 1. Vorwort.
Den Anlass für die weiterhin beschriebenen Versuche gab
Eöntgen's Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen.
Aus der Art ihrer Entstehung und aus ihrem Verhalten glaubte
ich schliessen zu dürfen, dass sie elektromagnetische Wellen
von sehr kurzer Schwingungsdauer oder — noch wahrschein-
licher — von stossartigem Charakter sind, die durch Zu-
sammenprallen der von der Kathode fortgeschleuderten Theil-
chen der Eathodenstrahlen mit entgegenstehenden materiellen
Theilchen verursacht werden. Diese Ansicht, die ich in einer
im Frühjahr. 1896 veröffentlichten Abhandlung^) näher aus-
führte, verlangt die Richtigkeit «der Emissionshypothese der
Eathodenstrahlen und setzt in diesen weit grössere Geschwindig-
keiten voraus, als in den Wärmebewegungen selbst bei den
höchsten unseren Beobachtungen zugänglichen Temperaturen
im Mittel vorkommen. Ich musste daher versuchen, die
damals noch vielfach und von hervorragenden Physikern an-
gegriffene Emissionshypothese zu stützen und ein Urtheil über
die Geschwindigkeit der Strahlen zu gewinnen. Indem ich
für diesen Zweck Beobachtungen über das Potentialgefälle im
Entladungsrohr und über die magnetische Ablenkbarkeit der
Eathodenstrahlen combinirte^), ergaben sich ausserordentlich
hohe Werthe für die Geschwindigkeit, Werthe, die hinter der
Lichtgeschwindigkeit nicht gar weit zurückblieben. Dies ist
freilich in vortrefflicher üebereinstimmung mit der Ausgangs-



1) £. Wiechert, Abb. d. Pbysikal.-dkonom. Gksellscb. in K^^nigs-
berg i. Pr. 87. p. 1. 1896.

2) Vgl. den weiter unten citirten Vortrag vom 7. Januar 1897.

47*



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740 E. meckert

hypothese über die Röntgenstrahlen; es ergab sich nun aber
weiter, dass die Ablenkbarkeit der Kathodenstrahlen weit
grösser ist, als möglich wäre, wenn sie aus Strömen der ge-
wöhnlichen chemischen Atomen oder Atomgruppen beständen.
Sollte die Emissionshypothese überhaupt beibehalten werden,
80 blieb nur übrig, zu schliessen, dass die von der Kathode
fortgeschleuderten Theilchen vielmals geringere Masse als die
Wasserstoffatome besitzen. Hierdurch gewann die Frage nach
der Natur der Kathodenstrahlen für die von mir in naher
üebereinstimmung mit H. A. Lorentz vertretene Theorie der
Elektrodynamik eine fundamentale Bedeutung, denn es drängte
sich die Vermuthung auf, dass in den Strahlen eben jene elek-
trischen speciellen materiellen Atome sich frei bewegen, deren
die Theorie bedarf, um die metallische Leitung und die
Aenderung der molecularen Ladung in ihr System befriedigend
einzureihen.

Unter solclien Umständen stellte ich mir die Aufgabe^ die
Geschwindigkeit der Kathodenstrahlen direct^ okne Benutzung
der Emissionshypothese j zu messen ^ um so die neu getoonnene
Anschauung einer entscheidenden Prüfung zu unterziehen.

Meine Arbeiten im mathematisch-physikalischen Institut
der Königsberger Universität, die Anfang 1897 abgebrochen
werden mussten, führten zueächst noch nicht zum Ziel. Es
gelang nur sicherzustellen, dass die Geschwindigkeit jeden-
falls so gross ist, dass die Annahme gewöhnlicher chemischer
Ionen völlig ausgeschlossen wird. Ueber die vorläufigen Re-
sultate und die sich anschliessenden Folgerungen berichtete
der Vortragt): I. Ueber das Wesen der Elektricitäf, II. Experi-
mentelles über die Katkodenstraklen, am 7. Januar 1897. Hier
folgerte ich, dass die Masse der Theilchen in den Kathoden-
strahlen 2000 — 4000 mal kleiner sei, als die der Wasserstoff-
atome. —

Dank dem Entgegenkommen von Hrn. Geheimrath Prof.
Dr. Voigt und der Unterstützung der Königl. Gesellschaft der



1) Vollständig abgedruckt in den Sitzungsber. d. Phjsikal.-ökonom.
Gesellsch. zu Königsberg!. Pr. 38. p. 1 — 16. 1897; im ersten Theile ab-
gedruckt in der Naturwissenschaft!. Rundschau, Mai 1897. — Ein Referat
geben die Beibl. 21. p. 443. 1897. (Am Schlüsse steht hier zweimal
irrthümlich 200 an Stelle von 2000.)



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Geschwindigkeit u. magn, Ablenkbarkeit der Kathodenstrahlen. 741

Wissenschaften in Göttingen konnte ich die Experimente im
Sommer 1897 wieder aufnehmen und hatte dieses Mal den
gewünschten Erfolg: Es wurde möglich, die Geschwindigkeit zu
messen j und die erhaltenen IVerthe lagen wirklich in dem von
den theoretischen Erwägungen vorgesehenen Intervalle,

Auf der Naturforscherversammlung in Braunschweigy Sep-
tember 1897, gab ich einen vorläufigen Bericht^); eine aus-
führlichere Mittheilung, die auch spätere Beobachtungen be-
rücksichtigt, folgt weiterhin. Insbesondere wurden genauere
Messungen über die magnetische Ablenkbarkeit hinzugefügt,
um ein schärferes ürtheil über die Masse der bewegten Theil-
chen zu gewinnen als in der ersten Veröffentlichung vom
7. Januar 1897.

Durch das positive Resultat der Untersuchung (in Ver-
bindung mit den neueren hierher gehörigen Entdeckungen und
Messungen von anderer Seite) wird eine sichere experimentelle
Stütze für die folgenden Ansichten gewonnen, welche ich in
früheren Arbeiten*) nur mit grösster Zurückhaltung aus-
sprechen durfte:

Die „elektrische Ladung ^^ eines jeden materiellen Theilchens
bedeutet eine elektrodynamische Ferkettung mit dem Jether, welche
in der Eigenart des Theilchens fest begründet ist und sich niemals
ändert. Jede Aenderung der Ladung eines materiellen Körpers
ist zugleich eine Aenderung seines materiellen Bestandes
und jeder elektrische Strom eine Convection der Elektricität
durch materielle Theile. Bei der metallischen Leitung be-
wegen sich gewisse elektrische Atome, welche neben den
Atomen der Chemie vorhanden sind, und diese besonderen
Atome werden ausgetauscht, wenn bei elektrolytischen Vor-
gängen die molecularen Ladungen sich ändern. — Die ^^Elek -



1) E. Wiechert, Verhandl. d. Gesellsch. Deutscher Naturforscher
u. Aerzte, Vers, zu Braunschweig, 2. Theil, I. Hälfte p. 60—52. 1897.

2) E. Wie chert, Sitzungsber. d. Physika l.-Ökonom. Gesellsch. zu
Königsberg i. Pr. 35. p. [4]. 1894; Abh. ders. Gesellsch. 37. p. 1. 1896;
Naturwissenschaft!. Bundschau IJ. Nr. 47. 1896. — Vgl. auch die neueren
Arbeiten: Nachrichten d. Kgl. Gesellsch. d. Wissensch. zu Göttingen,
Math.-phjs. Klasse, p. 1. 1898, und Festschrift zur Feier der Enthüllung
des G au SS-Web er- Denkmales in Göttingen. II. Theil. Leipzig bei
Teubner. 1899.



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742 E, meckert

tricitäV'' wird so gewissermaassen zur Materie selbst^ bez, zu einer
Erscheinungsfarm der Materie, —

Durch die Kathodenstrahlen wird nur die Existenz be-
sonderer negativer Atome angezeigt. Wir besitzen, so weit
ich sehe, kein bestimmtes Anzeichen dafllr, dass es auch eine
entsprechende Art positiver Atome giebt. Selbst das Hall-
phlLnomen in Metallen verlangt diese Annahme nicht, denn zu
seiner EIrklärung ist es nicht nothwendig, eine fortschreitende,
sondern es genügt eine hin- und hergehende Bewegung von posi-
tiven Theilchen anzunehmen. — Natürlich ist trotzdem selbst
die weitest gehende Hypothese denkbar, dass die Materie sich
ganz in zwei Arten von elektrischen Atomen, eine negative
und eine positive, auflösen lässt. —

Es gereicht mir zu hoher Freude, den Directoren der
physikalischen Institute in Königsberg und Göttingen, den
Herren Professoren Volkmann, Voigt und Riecke, sowie
der KönigL Gesellschaft der IVissenschaften zu Göttingen für die
gütige Unterstützung meiner Arbeit an dieser Stelle meinen
tiefgefühlten Dank aussprechen zu können.



§ 2. Methode der Geschwindig^keitsmesaung^.

Frühere Schätzungen und Messungen der Geschwindigkeit
der Kathodenstrahlen ohne Benutzung der Emissionshypothese
liegen vor von Goldstein^), Spottiswoode und Fletcher
Moulton»), J. J. Thomson») und Th. Des Coudres.*) Die
Methoden von Goldstein und von Spottiswoode und
Fletcher Moniten, welche die Deflexion der Kathoden-
strahlen an einer zweiten Kathode benutzen, können nach
unseren heutigen Kenntnissen nicht als einwandfrei anerkannt



1) £. Goldstein, Monatsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Berlin
Jahrg. 1880. p. 122; Wied. Ann. 12. p. 101. 1880.

2) W. Spottiswoode u. Fletcher Moulton, Phil. Trans. Roy.
Soc. 171. p. 627. 1880.

3) J. J. Thomson, Phil. Mag. 38. p. 858. 1894.

4) Th. Des Coudres, Verhandl. d. physikal. Gesellsch. zu Berlin
14. p. 86. 1895; 16. p. 157. 1897; Verhandl. d. Gesellsch. Deutscher
Naturforscher u. Aerzte, Vers, zu Frankfurt a. M., 2. Theil, I. Hfilfte
p. 69. 1896.



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Oeschunndiffkeit u. maffn, Ablenkbarkeit der Kathodenstrahlen. 743

werden^), so gilt denn das Gleiche auch von ihren Resul-
taten. Nach Goldstein wäre die Geschwindigkeit grösser als
800000 m/sec, nach Spottiswoode und Fletcher Moulton
erheblich kleiner als die Lichtgeschwindigkeit. — J. J. Thom-
son benutzte den rotirenden Spiegel, um die Zeitdi£ferenz des
Aufleuchtens zweier in verschiedener Entfernung von der
Kathode befindlichen phosphorescirender Flächen zu beob-
achten. Elr fand eine Geschwindigkeit von 200 000 m/sec, hat
dieses Resultat aber neuerdings selbst als viel zu klein auf-
gegeben. Th. Des Coudres wendete zur Zeitmessung elek-
trische Schwingungen an und stellte fest, dass die Geschwindig-
keit jedenfalls grösser als 2000000 m/sec ist; über die Methode
werden weiterhin noch nähere Angaben gemacht werden.

Für meine eigenen Messungen schien mir der rotirende
Spiegel im Hinblick auf die zu erwartenden ausserordentlich
hohen Geschwindigkeiten zu wenig Aussicht auf Erfolg zu
bieten, und ich entschloss mich daher, nach dem Vorgang von
Des Coudres, die elektrischen Schwingungen zu verwerthen.

Die Geschwindigkeitsmessung verlangt, das Zeitintervall
festzustellen, in dem eine gewisse Strecke von den Strahlen
durchlaufen wird. In unserem Falle muss hierzu Beginn und
Ende des Laufes auf die Schwingungsphasen des messenden
elektrischen Systemes bezogen werden. In Bezug auf den Beginn
ist das Nächstliegende jedenfalls, ebenso wie Des Coudres
bei seinen wirklichen Messungen, die Beobachtungsmethode da-
durch zu vereinfachen, dass man die Aussendung der Eathoden-
strahlen dem messenden System selbst überträgt. Dann kann
der Anfang der Messstrecke an die Elektrode selbst gelegt
werden, und der Beginn des Laufes der Strahlen ist dadurch
bestimmt, dass er vor sich geht, während das System negative
Elektricität zur Elektrode schickt. Zur zeitlichen Festlegung
der Ankunft der Strahlen kann man entweder, wie Des Coudres,
das Verhalten der Strahlen gegen die magnetische Einwirkung
eines stromführenden Theiles des messenden Systemes, oder
das Verhalten gegen die elektrische Einwirkung einer zweiten
Elektrode benutzen.



1) Vgl. die eingehendere Besprechung in der Originalabhandlung,
Gott. Nachrichten, Math.-phye. Klasse, Heft l. 1898.



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744 E. meckert

Experimente dieser Art im Herbst 1896 zeigten mir, dass
wenig Aussicht vorhanden ist, so zum Ziele zu kommen, denn
es war nicht möglich, auch nur annähernd genügend lange
Eathodenstrahlen zu erhalten. Im Interesse des Folgenden
ist nöthig, dieses etwas näher auseinanderzusetzen.

T sei die Dauer einer vollständigen Schwingung des mes-
senden Systemes, L die Wellenlänge der zugehörigen elektro-
dynamischen Wellen, sodass

ist, wenn V die Lichtgeschwindigkeit bedeutet. Es sei ferner /
die Länge der von den Eathodenstrahlen durchlaufenen und
zur Messung der Geschwindigkeit verwertheten Bahnstrecke,
t das zugehörige Zeitintervall, dann ist

wenn v die Geschwindigkeit der Eathodenstrahlen bedeutet,

und wir erhalten:

_?- - _L _^
V ^ L' t '

l und L sind leicht festzustellen, um also den gesuchten
Quotienten vjV zu bestimmen, ist erforderlich tjT zu messen,
d. h. den Werth der Wegzeit t in Einheiten der Periode 1
aufzusuchen.

t darf gegenüber T nicht zu klein sein, denn die Beob-
achtung kann nur dann zu einem positiven Kesultat fähren,
wenn die Einwirkung des messenden System am Ende der
Bahn merklich anders ist als am Anfang, wenn also nach
Verlauf der Zeit t die Phase der Schwingungen sich merklich
geändert hat. Man kann hoffen, mit eiüer Viertelperiode
auszukommen; verlangen wir demgemäss t^\Ty so ergiebt
sich als Bedingung für die Brauchbarkeit der experimentellen
Anordnung:

y Z/ V

Erzeugt man die Eathodenstrahlen mittels der Entladungen
von Leydener Flaschen unter Benützung des Teslatransformators,
so kann mit der Wellenlänge L des elektrischen Systemes auf
60 m bequem herabgegangen werden. Setzen wir ferner, ent-
sprechend meinen Vorversuchen, v^^F, so müsste für die



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Geschwindigkeit u. magn. Ablenkbarkeit der Kaihodenstrahlen, 745

Bahn der Kathodenstrahlen mindestens die Länge / = 1,5 m
verlangt werden. Für v ^ \V wäre schon / = 3 m noth-
wendig.

Bei der gewöhnlichen Erzeugungsweise der Kathoden-
strahlen mittels eines Funkeninductors ist es nun freilich nicht
schwierig, die Kathodenstrahlen meterweit zu verfolgen, wenn
man nur die Vorsicht gehraucht, durch passend aufgestellte
Magnete die ablenkende Wirkung des Erdmagnetismus auf-
zuheben; ganz anders aber gestaltet sich die Sache bei den
schnellen Schwingungen des Teslatransformators. Einmal werden
weit grössere Gasdichten im Entladungsrohr nothwendig, was
stärkere Absorption zur Folge' hat, dann aber, und das ist
die Hauptsache, wird bei schnellen Schwingungen der Gang
der Kathodenstrahlen schon in verhältnissmässig geringen Ent-
fernungen von der Kathode unregelmässig, sodass sie für die
Beobachtung verloren gehen. Wie es scheint, stellt sich die
regelmässige Vertheilung der elektrischen Kräfte, welche für
einen geradlinigen oder nur schwach gekrümmten Verlauf der
Kathodenstrahlen nöthig ist, im Innern der Entladungsröhre
von den Elektroden aus erst allmählich her, sodass mit
schneller werdenden Schwingungen der Bereich der regel-
mässigen Fortpflanzung sich nach der Kathode hin mehr und
mehr verkleinert.

Bei meinen Versuchen im Herbst 1896 gelang es mir nicht,
die Kathodenstrahlen mittlerer Steifigkeit *) (//r = 200—400)
weiter als 30 oder 40 cm mit hinreichender Intensität zu er-
halten, sodass die nothwendige Bahnlänge nicht entfernt er-
reicht wurde.

Unter solchen Umständen schien es erforderlich, zur all-
gemeineren Methode zurückzukehren und darauf zu verzichten,
dem messenden System auch die Aussendung der Kathoden-
strahlen zu übertragen. Es entsteht dann eine Complication
insofern, als noch besonders dafür gesorgt werden muss, den
Eintritt der Kathodenstrahlen in die Messstrecke auf die



1) Untör ,, Steifigkeit'^ ist das bekanntlich für eine jede Art von
Kathodenstrahlen charakteristische Product Er zu verstehen, wobei r
den Krümmungsradius der Bahn, H die ablenkende magnetische Kraft
bedeutet; \jEr ist entsprechend als ,y Ablenkbarkeit** zu bezeichnen.



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746 E. meckert

Schwingungen des messenden Systemes zu beziehen. Far
diesen Zweck ist es nöthig, die Anfangsstelle mittels des mes-
senden Systemes durch eine Hülfselektrode oder einen strom-
führenden Draht elektrischen oder magnetischen Kräften aus-
zusetzen, um so künstlich die zur Geschwindigkeitsmessung
nothwendige Periodicität des weiteren Verlaufes der Strahlen
herzustellen, die sich von selbst einstellt, wenn im vorhin be-
trachteten einfacheren Falle das messende System selbst die
Strahlen erregt.

Die eigentliche Schwierigkeit der Anordnung liegt in dem
schnellen Abklingen der Schwingungen von so kurzwelligen
elektrischen Systemen, wie sie zur Geschwindigkeitsmessung
gebraucht werden. Es hat dieses zur Folge, dass nur Kathoden-
strahlen für die Messung in Betracht kommen, die während eines
ausserordentlich kleinen Zeitintervalles ausgeschickt werden.
Bei einer Wellenlänge von 10 m z. B., der eine Periode von
^I^Q Mikrosecimde entspricht^ bieten die ersten zehn vollständigen
Schwingungen, die bei guter Anordnung wohl noch verwendet
werden können, fiir die Messung nur ein Intervall von Ys Mikix)-
secunde. — Um trotzdem an das Ziel zu gelangen, kann man
entweder daran denken, das messende System ausserordentlich
oft in der Secunde auszulösen, oder man muss versuchen, die
Hauptmenge der Kathodenstrahlen in das kleine Intervall
hineinzudrängen, in dem die Schwingungen des messenden
Systemes stark genug sind. Da der erste Weg zu grosse
experimentelle Schwierigkeiten zu bieten schien, habe ich nur
den zweiten verfolgt Als brauchbar fand ich dabei die directen



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