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Annalen der Physik online

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ständigen Existenzen, er betrachtet damals den Pol als blossen
Wirkungsmittelpunkt. ^) Damals sagte er z. B.'), dass Eisen-
feilicht, über die Stromspirale gestreut, „sich sehr bald über
dem Magnet in krummen, von dem einen Ende zum andern
gehenden Linien anordnen und den Weg angeben, den der Pol
nehmen umrde*^. Seine bekannten Rotationsversuche unter-
nimmt er von dieser Voraussetzung aus, die sehr einfach und



1) Vgl. Uebersetzung von Kalischer 2. p. 116 u. 187. 1S91.

2) 1. c. p. 127.



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Trugschhtss in der Elektricitätslehre.



786



verlockend erscheint. Die Entdeckung von Oersted und die
Arbeiten von Biot und Savart schienen alle mit dieser
Voraussetzung in bester Uebereinstimmung. Dass Faraday
erst später — 1831 — zu einem genaueren Begriffe der
Kraftlinien kam, sagt er selbst gelegentlich in einem Briefe
an TyndalP): „Es sind nun heutzutage 24 Jahre her, dass
ich zum ersten Male die Aufmerksamkeit auf diese Linien
lenkte." In späteren Jahren giebt Faraday zu wiederholten
Malen Definitionen von Kraftlinien, z. B. 1851') und fast
identisch 1852.^) — In diesen Definitionen fehlt die bis heute
oft ausgesprochene Vorstellung, dass die Kraftlinien Linien
seien, längst welchen sich ein Pol bewegen müsse. Faraday
war eben inzwischen zu einer bestimmteren Vorstellung ge-
kommen^): „Absoluter oder beziehungsloser Nord- und Süd-
magnetismus ist unmöglich." In dieser späteren Zeit kam aber
Faraday nicht mehr auf den in Rede stehenden Rotations-
yersuch zurück. Und da dieser Versuch zur Anschauung der
Femwirkungstheorie scheinbar stimmte, wurde es ermöglicht,
dass er auch im experimentellen Studium sich mit solcher
Hartnäckigkeit erhalten konnte.

Bei dem Faraday'schen Rotationsversuch gleitet der
bewegliche Magnet durch die im Quecksilber feststehenden
Kraftlinien, welch' letztere die Ursache der
Rotation sind.

Auch die eingangs erwähnte neue An-
ordnung von W. König halte ich in vor-
liegender Frage nicht f&r beweisend. Der-
selbe verwendet eine stromdurchflossene
Röhre rr und bringt die gleichnamigen
Pole hackenförmig umgebogener Magnet-
stäbe in das Innere derselben. Das wesent-
liche der Anordnung ist in Fig. 4 (mit nur
einem Magneten) schematisch skizzirt. So-
wohl Magnet als auch Röhre sind, jedes
fär sich, um die gemeinsame Axe a a dreh- p^ 4^




1) Vgl. Uebereetzung von Kalischer 8. p. 637. 1891.

2) 1. c. p. 298. § 3071.

3) 1. e p. 867.

4) 1. c p. 388. § 8277.

Ann. d. VYijn, o. Cham. N. F. 69. 50



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786



E. Lecher.



bar. — Der Strom tritt in die Röhre mittels eines Qneck-
silbercontactes in r r ein und vermittelst eines zweiten in r r
aas. Fliesst durch die Eöhre ein starker Strom , so rotirt
Röhre und Magnet nach entgegengesetzter Richtung. Mir
erscheint dieser Versuch nur als neue Form des alten Barlow'-
schen Rädchens. Die Kraftlinien zwischen n und s werden
durch den Leiter r r' fortwährend geschnitten. Diese Bewegung
hat aber mit der angeblichen Rotation eines Poles um einen
axialen stromdurchflossenen Leiter nichts zu thun.

Was schliesslich die Darstellung dieser Angelegenheit bei
Ebert anlangt, so seien mir folgende Bemerkungen gestattet.




Fig. 5.

Ebert spricht sich zwar zu wiederholten Malen gegen die
Existenz „eines<< Poles aus und scheint auch^) meinen Ein-
wand gegen den in Rede stehenden Versuch fiir begründet
zu halten. Gleichwohl ist aber an einer anderen Stelle^ eine
diesbezügliche Fiction ziemlich weit ausgeführt. Als Ueber-
schrift des in Rede stehenden Paragraphen setzt Ebert
,, Diagramm des elektromagnetischen Grundversuches'^ Nach
dem vorhergehenden ist aber das Resultat des Versuches durch
secundäre Umstände bedingt und kann er daher nicht als
Grundversuch bezeichnet werden. Gleichwohl könnte aber auch,

1) H. Ebert, Magnetische Kraftfelder p. 160. § 158. Leipzig 1896.

2) 1. c. p. 179. § 174.



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Trugschluss in der Elekiricitätslehre, 787

wie ich glaube, die weitere Darstellung des Gegenstandes viel-
leicht zu Irrthümem Anlass geben. Durch die bekannte Super-
position der Kraftfelder des Stromes und des Magneten erhält
Eber t vorstehende Zeichnung (Fig. 5), welche der Uebersichtlich-
keit wegen etwas vereinfacht ist. Der Punkt links ist der Durch-
schnitt des Stromes, der Punkt rechts ein Südpol. Die spiral-
förmigen Linien stellen die Kraftlinien dar. Der Südmagnetpol
ist eine Sinkstelle. Ebert erwähnt hier auch, dass, da die Linien
nur scheinbar endigen, sie in den Magnet hineingehen und so
aus dem Felde verschwinden. Doch sollte dann meiner Meinung
nach auch ganz besonders betont werden, dass diese Linien
irgendwo aus dem Nordpol herausquellen und ins Feld zurück-
kehren müssen. Ebert sagt in Bezug auf den Eindruck vor-
stehender Fig. 5: „Die sonst in sich zurückkehrenden Strom-
kraftlinien sind dadurch zu einer unendlichen Spirale geöffnet.'^
Dieses Beispiel könnte unter der Fiction nur eines Poles als
geometrisch richtig gelten, hätte aber, und das scheint mir in
Ebert's Darstellung leicht übersehen werden zu können, keine
physikalische Bedeutung. Es darf daher auch der Anblick
dieses Kraftfeldes nicht zu weiteren physikalischen Schlüssen
verwendet werden. Die vom Pole ausgehenden Kraftlinien
biegen sich ja immer einmal nach oben oder unten zum
anderen Pole um und treten so aus der Zeichnungsebene
heraus. Denken wir uns einen Leiter und parallel zu dem-
selben einen Magneten, so werden die Kraftlinien des Mag-
neten schraubenförmig um den Leiter sich herumwickeln, immer
aber in sich geschlossene Curven bilden.

Aus den angeführten Gründen glaube ich den hier erörterten
sogenannten Fundamentalversuch als einen theoretischen und ex-
perimentellen Trugschlvss erklären zu müssen: nach den theore-
tischen Ueberlegungen kann eine Rotation nie eintreten und
die experimentell gezeigte Rotation hat ganz andere Ursachen
als die bisher angenommenen.

Prag, Physikal. Institut der k. k. deutschen Universität.

(Eingegangen 5. August 1S99.)



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5. Veber die Vertheilung von freier ElektricUät

an der Oberfläche einer Crookes'schen Möhre;

von Eduard Rieche,



Die Entladungserscheinungen der Elektricität in verd&nnten
Gasen bergen trotz der vielen auf ihre Untersuchung gerichteten
Arbeit noch so viele Bäthsel, dass man immer hoffen kann,
durch die Anwendung eines neuen Untersuchungsmittels zu
neuen Aufschlüssen zu gelangen. Dieser Gedanke veranlasste
mich, bei einigen mit. verdünnten Gasen gefüllten Eöhren Be-
stäubungsversuche mit dem Lichtenberg'schen Gemisch von
Mennige- und Schwefelpulver zu machen. Ich hatte ursprüng-
lich die Versuche auf eine grössere Zahl von Röhren aus-
gedehnt , die sich im Besitze des hiesigen physikalischen In-
stitutes befinden; zuletzt habe ich mich auf die etwas aus-
führlichere Untersuchung von vier Röhren beschränkt, welche
besonders charakteristische Resultate zu geben schienen. Ich
schicke im Folgenden zunächst einige Bemerkungen über den
Zusammenhang der Bestäubung mit der elektrischen Ladung
der Glasoberfiäche voraus und gehe dann über zu einem Be-
richte über die Versuche selbst und über ihre Ergebnisse.

1. Die Vertheilung der freien Elektricität im Inneren
einer G e is sler' sehen oder Crookes' sehen Röhre lässt sich
berechnen, sobald der Verlauf des Pötentiales in dem Inneren
der Röhre bekannt ist. Die Vertheilung der freien Elektricität
an der inneren und an der äusseren Oberfläche der. Röhre
würde zu bestimmen sein, wenn auch die Potentialvertheilung
in dem Glase und in dem umgebenden äusseren Räume bekannt
wäre. Bei einer verhältnissmässig geringen Dicke des Glases
dürfte man annehmen, dass der Differentialquotient des Poten-
tiates nach einer zu der Oberfläche senkrechten Richtung an
der inneren und an der äusseren Oberfläche des Glases in
diesem denselben Werth besitze. Die Summe der an der
inneren und an der äusseren Oberfläche des Glases befindlichen



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Vertheilung von freier Elektricität 789

freien Elektricität könnte dann berechnet werden , sobald der
Potentiaherlauf im Inneren der Röhre und in dem umgeben-
den äusseren Räume bekannt wäre.

Man kann nun an Stelle von Potentialmessungen die
Methode der Bestäubung benutzen, um über die Vertheilung
der Elektricität an der Oberfläche einer Geissl er' sehen Röhre
wenigstens einen qualitativen üeberblick zu gewinnen.

Für die Beurtheilung der Resultate ist die folgende Be-
merkung von Wichtigkeit. Während man sich vorstellen darf,
dass die Potentialflächen an der inneren Oberfläche des Glases
zu dieser senkrecht stehen, ist das an der äusseren Oberfläche
keineswegs der Fall; die elektrischen Kräfte werden hier im
allgemeinen gegen die Oberfläche mehr oder weniger geneigt
sein. Wenn nun zwischen der Oberfläche des Glases und den
angezogenen Staubtheilchen keine Reibung vorhanden wäre,
so könnten diese nur an solchen Stellen der Oberfläche im
Gleichgewicht sein, an denen die elektrische Kraft zu der
Oberfläche senkrecht steht. Wenn zwischen der Glasoberfläche
und den angezogenen Theilchen Reibung vorhanden ist, so
kann Gleichgewicht auch noch bei schiefer Richtung der Kraft
bestehen. Es sei K die ganze Intensität der elektrischen
Kraft, (f der Winkel, den sie mit der Normale bildet, ri der
Reibungscoefficient; Gleichgewicht wird dann vorhanden sein,
solange tg (jp < 17 ist. Wenn also auf der Glasoberfläche ein
Punkt vorhanden ist, in welchem die Kraft K gegen die Ober-
fläche senkrecht steht, so wird dieser umgeben sein von einem
Hofe, innerhalb dessen der Staub haftet. Dieser Hof wird
sich um so weiter ausbreiten, je langsamer die Neigung der
Kraft K gegen die Normale sich ändert. Wenn auf der Glas-
oberfläche eine Linie vorhanden ist, in der die Kraft K gegen
die Oberfläche senkrecht steht, so bildet der angezogene Staub
ein Band von einiger Breite, dessen Axe durch jene Linie ge-
bildet wird.

Betrachten wir solche Stellen, in denen die Kraft K zu
der Oberfläche senkrecht steht, so werden wir annehmen
dürfen, dass die Menge des angezogenen oder haftenden Staubes
der Kraft K proportional ist. Bezeichnen wir durch n^ die
in den äusseren Raum hineingehende Normale der Oberfläche,
das Potential durch T, so ist die gegen die Oberfläche ge-



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790 E. Rieche.

lichtete, auf die Elinheit der positiven E3ektricität ansgefibte
Kntt K = {dF!dn^). Die Bestäubung liefert hiemach einen
gewissen Maassstab für die verschiedenen Werthe, welche
dieser Differentialquotient an der äusseren Oberfläche des
Glases besitzt. Die Summe <y der elektrischen Dichtigkeiten
an der äusseren und an der inneren Oberfläche des Glases
wird, wenigstens bei sehr dünner Glaswand, gegeben sein durch:

dV , dV .

Hier bezeichnet n^ die innere Normale der Oberfläche. Nur
da, wo dVjdn^ Null ist, giebt die Bestäubung ein Bild ftir
die Summe der inneren und der äusseren Oberflächendichte.

Wir nehmen zwei Stellen der Glasoberfläche Ä und B von
der Art, dass in beiden die Kraft K zu der Oberfläche senk-
recht steht, dass sie aber in Ä nach der Glasfläche hin, in B
von ihr weg gerichtet ist. Es wird dann an der Stelle A
positives Mennigepulver, in B negatives Schwefelpulver an-
gezogen werden. Ziehen wir auf der Glasoberfläche irgend
eine Linie, welche die Punkte Ä und B verbindet. Die Stetig-
keit des Ueberganges erfordert dann, dass auf dieser Linie
zwischen Ä und B ein Punkt C sich finde, in welchem die
Kraft K der Oberfläche parallel wird. Der Punkt C liegt auf
alle Fälle in dem von Staub freien Gebiet. In (7 ist dF/rfn, = 0;
wenn also ausserdem dFjdn^ =0 ist, so wird auch a gleich
Null, d. h. es verschwindet in diesem Punkte die Summe der
äusseren und der inneren Oberflächendichtigkeit.

Die Bestäubungsvefsuche, über welche im Folgenden be-
richtet werden soll, beziehen sich auf Röhren, welche so weit
evacuirt waren, dass der Kathode gegenüber auf der Glaswand
ein heller Fluorescenzfleck entstand. Die Versuche wurden so
ausgeführt, dass der Strom einer Toepler'schen Influenz-
maschine mit 40 Plattenpaaren in einem bestimmten Moment
durch die zu untersuchende Röhre geschlossen wurde. Nach
einer bestimmten Zahl von Secunden wurde mit der Bestäubung
begonnen; während der Strom weiter durch die Röhre ging,
wurde so lange bestäubt, bis eine deutliche Figur auf der
Glasoberfläche hergestellt war. Da es nicht gelang, den Staub
hinreichend regelmässig aus dem Bestäuber fallen zu lassen,



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Fertheilung von freier Elektricität 791

so war die Bestäubungsdauer bei verschiedenen Versuchen
nicht dieselbe. Die Versuche waren lästig, weil zu der Be-
stäubung der ausgedehnten Objecte eine ziemliche Menge von
Staub nothwendig war. Bei den Versuchen war entweder die
Kathode oder die Anode zu der Erde abgeleitet Nach dem
Versuche wurde der nur mechanisch haftende Staub durch
Abklopfen entfernt. Die Bestäubungsfigur wurde mit Hülfe
einer Projectionslampe nachgezeichnet und meist auch photo-
graphirt. Für die Anfertigung der Photographien bin ich
Hm. Dr. H. Th. Simon zu Dank verpflichtet.

Da die Bestäubung immer einige Zeit in Anspruch nahm,
und da die verschiedenen Theile einer Röhre nicht gleichzeitig
und gleichmässig von dem Staube getroffen wurden, so ist es
möglich, dass durch die Bestäubung selbst eine gewisse Ver-
änderung in- der elektrischen Ladung erzeugt wird; die durch
die Bestäubung angezeigte Vertheilung der Elektricität darf
also nicht ohne weiteres als identisch mit derjenigen betrachtet
werden, welche auf der unbestäubten Röhre vorhanden war.
Zum Theil mögen die Verschiedenheiten, welche bei wieder-
holten Bestäubungsversuchen mit derselben Röhre und unter
sonst gleichen Umständen sich einstellten, hiermit zusammen-
hängen.

2. Am ausführlichsten habe ich eine kugelförmige Röhre
untersucht,. welche zur Demonstration der durch die Kathoden-
strahlen erzeugten Fluorescenz diente. Das Entladungspotential
betrug 4250 Volt. Der Durchmesser des kugelförmigen Theiles
der Röhre betrug 10,5 cm; der Durchmesser der ebenen Kathode,
welche in einem seitlichen Ansätze eingeschmolzen war, betrug
2,4 cm; die Länge der drahtförmigen Anode, welche gleich-
falls in einem seitlichen Ansatzrohre sich befand, 2,5 cm. Die
Anode bildete mit ihrer Verlängerung einen Durchmesser des
kugelförmigen Röhrentheiles; in der zu diesem Durchmesser
senkrechten Aequatorialebene lag der Mittelpunkt der Kathode;
ihre Fläche stand zu dem nach dem Mittelpunkt gehenden
Radiusvector senkrecht.

Von dem Erfolg der Bestäubung geben die Figg. 1 — 4
ein Bild; sie sind dadurch entstanden, dass zuerst die Con-
turen der Photographien so gut wie möglich durchgezeichnet
wurden. In diesen Pausen wurden dann die fehlenden Einzel-



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792 E. Blecke.

heilen nachgetragen mit Hülfe der Zeichnungen, welche durch
Projection erhalten worden waren. Die Figuren sind nicht genan
vergleichbar y weil die Stellung der Röhre gegen den photo-
graphischen Apparat bei den verschiedenen Aufnahmen nicht
ganz dieselbe war.

Bei den Versuchen, denen die Figg. 1 und 2 entsprachen,
war die Anode der Röhre zur Erde abgeleitet, bei den zu den
Figg. 3 und 4 gehörenden Versuchen die Kathode. Bei Fig. 1



Fig. 1. a.) Fig. 2. (HI.)



Fig. 3. (U.) Fig. 4. (IV.)

begann die Bestäubung 30 sec nach Stromschluss und dauerte
120 sec. Bei Fig. 2 begann die Bestäubung 50 sec nach Strom-
schluss und dauerte 60 sec. Bei Fig. 3 sind die entsprechenden
Zeiten 10 sec und 30 sec, bei Fig. 4 50 sec und 70 sec.

Die mit Mennige roth bestäubten Stellen sind horizontal
schraffirt, die Stärke der Bestäubung ist durch den Abstand
der Striche angedeutet, die mit Schwefel gelb bestäubten Stellen
sind vertical gestrichelt.

Gemeinsam ist den vier Staubfiguren die folgende Eigen-
schaft. Der Kathode gegenüber entsteht auf der Glasober-
fläche ein Ring, der den ausserhalb sich ausbreitenden gelben
Staub sehr scharf begrenzt; auf die gegen den Ring hin zu-



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Feriheilung von freier Elektricität 793

nehmende gelbe Bestäubung folgt im Inneren des Ringes zu-
nächst eine von Staub frei Zone. Zieht man von dem Mittel-
punkt der Eugel Radien nach dem Ringe, so erhält man einen
Eegely dessen Oeffnungswinkel im Mittel etwa 90^ beträgt. Im
übrigen ist, wie von vornherein zu erwarten war, die Dauer
des Stromdurchganges auf den Erfolg des Versuches von Ein-
fluss und ausserdem der umstand, ob die Anode oder die
Kathode zur Erde abgeleitet ist Im ersteren Falle, bei ab-
geleiteter Anode, ist das Innere des Ringes in unregelmässiger
Weise mit rothem Pulver erfüllt, zwischen das nur wenige
schmale Streifen von gelbem Pulver eingelagert sind. Besonders
eigenthümlich sind die strahlen- oder keulenartigen rothen
Massen an der rechten Seite der Figur. Sie gewinnen an
Ausdehnung und Intensität, wenn der Strom länger durch die
Röhre geht. Bei Ableitung der Kathode finden sich im Inneren
des Ringes ausgedehnte Massen gelben Pulvers, welche zum
Theil durch schmale Brücken mit dem ausserhalb des Ringes
befindUchen gelben Staube zusammenhängen. Die Ausbreitung
des rothen Pulvers ist namentlich bei Fig. 3 eine kleine; die
eigenthümlichen rothen Strahlen, die bei den Figg. 1 und 2
vom rechten Rande auftreten, fehlen.

Der bei allen Figuren erscheinende Ring entspricht ziem-
lich genau der Grenze des Bereiches, über den sich die grüne
Fluorescenz des Glases ausbreitet.

Die auffallende Unregelmässigkeit, mit der sich der Staub
im Inneren des Ringes vertheilt, hat vielleicht in einer ungleich-
förmigen Beschaffenheit der Kathodenfläche ihren Grund. Diese
Vermuthnng wird besonders durch die Thatsache nahegelegt,
dass das Ansehen der Figuren während der Dauer der Be-
obachtungen eine Veränderung erlitt. Leider habe ich von
den zuerst hergestellten Staubfiguren keine Photographien an-
gefertigt und keine Projectionen gezeichnet, sondern mich
darauf beschränkt, die erhaltenen Figuren aus freier Hand
nachzuzeichnen. Immerhin genügen die Zeichnungen, um eine
Veränderung der Figuren zu erkennen. Bei abgeleiteter Anode
war zu Anfang die rotbe Bestäubung im Inneren des Ringes
durch eine mit vielen Lappen und Einbuchtungen versehene
Curve nach aussen abgegrenzt. Die Bestäubung war im Inneren
schwach und nahm nach aussen zu, sodass die äusseren Enden



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794 E. Blecke.

der Lappen intensiv roth erschienen , ähnlich wie die keulen-
förmigen Strahlen auf den rechten Seiten der Figg. 1 and 2.
Die besonders in den Figg. 3 und 4 bei abgeleiteter Kathode
hervortretenden sichelförmigen Gebilde fehlten zu Anfang ganz;
sie sind vielleicht als die vergrösserten Bilder einer ähnlichen
geschwärzten Stelle aufzufassen, die sich auf der Kathode ge-
bildet hatte.

Die zeitliche Aufeinanderfolge der Versuche, welche den
Figg. 1 bis 4 entsprechen, ist durch die beigesetzten römischen
Zahlen gegeben. Zwischen den Figuren, welche bei abgeleiteter
Anode und bei abgeleiteter Kathode auftreten, scheint ein
gewisser Gegensatz zu bestehen. Es war namentlich bei den
Vorversuchen zu bemerken, dass Stellen, welche sich bei ab-
geleiteter Anode mit rothem Staub bedeckten, bei abgeleiteter
Kathode frei blieben und umgekehrt. Bei späteren Beob-
achtungen trat dieser Gegensatz mehr zurück, bei den Figg. 1
bis 4 ist er kaum noch zu bemerken.

Die Kathode lag etwas im Inneren des kugelförmigen
Röhrentheiles; etwas hinter ihrer Fläche erschien auf der Ober-
fläche des Glases ein feiner intensiv rother Ring; die den Zu-
leitungsdraht zur Kathode enthaltende Ansatzröhre bedeckte
sich mit rothem Staube.

Bei einem Theile der Versuche erschien auf dem die
Anode umschliessenden Röhrenansatz ein feiner, gelber Streifen
parallel dem Anodendraht; der Streifen lief, sich allmählich
verbreiternd, nach dem Ringe hin, welcher die der Kathode
gegenüberliegende Staubfigur umgiebt. Ich vermuthe, dass
dieser Streifen im Zusammenhang steht mit einem weissen
Lichtbande, das von der Anode nach dem von den Kathoden-
strahlen getroffenen Flecke hingeht. Die von den Kathoden-
strahlen negativ geladenen Theile der Glaswand wirken wie
eine secundäre Kathode; zwischen ihnen und zwischen der
Anode findet ein Ausgleich der Elektricitäten statt, dessen
Bahn durch jenen Lichtstreif angezeigt wird.

3. Birnförmige BöntgenrÖhre. Die Röhre war als solche
wenig wirksam; ihre Länge betrug 24 cm, der Durchmesser
der Kathode 2,4 cm. Bei abgeleiteter Kathode treten keine
besonderen Erscheinungen auf; die Röhre bedeckte sich ziem-
lich gleichmässig mit Schwefelpulver, nur gegenüber der Kathode



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Veriheilung von freier Elektriciiät,



796




Fig. 5.



auf dem abgeplatteten Theile der Glaswand erschien ein rother,
negativ elektrischer Fleck von nahezu kreisförmiger Gestalt.
Zu beiden Seiten der Kathode blieb auf der Oberfläche des
Glases ein ziemlich breiter Ring von Staub frei. Hinter der
Fläche der Kathode bedeckte sich das spitze Ende der Röhre
mit Mennigepulver. Diese rothe Zone erstreckte sich an-
scheinend eben so weit, als die Fluorescenz, welche durch die
von dem Träger der Kathode seitlich ausgesandten Strahlen
erregt wurde. (Vgl. in
Fig. 5 die horizontal ge-
strichelte Partie hinter
der Kathode.)

Wurde die Anode
abgeleitety so trat in der
Vertheilung des gelben
Staubes eine sehr eigen-
thümliche Veränderung
ein, welche durch die
Figg. 5 und 6 anschau-
lich gemacht wird. Die
Figuren sind in der-
selben Weise entstan-
den, wie die zuvor er-
wähnten. Auf dem vor
der Kathode liegenden
Theile der Röhre bildet der Schwefelstaub einen geschlossenen
Ring. Seine Mittellinie erhält man, wenn man die Röhre durch
eine gegen ihre Axe geneigte Ebene schneidet. Voii dem Punkte
des Ringes, welcher der als Halter dienenden Ansatzröhre am
nächsten liegt, zieht sich ein gelbes Band nach dieser und
nach der Anode. Ausserdem aber ziehen sich Bänder gelben
Staubes nach dem auf der Endfläche der Röhre sich bildenden
negativen Fleck. Bei Fig. 5 ist nur ein einziges solches Band
vorhanden, sein Ursprung liegt in der Ansatzröhre; bei Fig. 6
sind mehrere Bänder zu sehen, welche von der Anode aus-
gehen. In Fig. 5 erscheint das Band in unsymmetrischer Weise
auf die Seite geschoben, in Fig. 6 ist der Verlauf ein ziemlich
symmetrischer. Auch hier liegt es nahe anzunehmen, dass
die nach dem Fluorescenzfleck hingehenden Bänder Strömungen




Fig. 6.



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796 E, Rieche.

entsprechen, in welchen sich die negative Ladung des Fluores-
cenzfleckes mit der positiven Ladung der Anode ausgleicht

4. Schattenkreuzröhre. Die Länge der Bohre betrug 22 cm,
der Durchmesser der Kathode 1 cm. Beinahe alle Versuche
wurden mit niedergelegtem Kreuze ausgeführt. Die Resultate
werden durch die Figg. 7 — 9 erläutert. Bei den Versuchen,
welche die Figg. 7 und 8 lieferten, war die Anode zur Erde



Fig. 7. Fig. 8.



Fig. 9. Fig. 10.

abgeleitet, bei dem der Fig. 9 entsprechenden Versuche die
Kathode. Bei dem Versuche von Fig. 7 begann die Bestäu-
bung 30 sec nach Stromschluss und dauerte 80 sec; bei den
Versuchen der Figg. 8 und 9 sind die entsprechenden Zeiten
40 sec und 80 sec.

Am einfachsten sind die Verhältnisse von Fig. 7. Dem
Bande der Kathode entspricht ein durch eine stärkere An-
häufung rothen Pulvers gebildeter Bing. Innerhalb dieses
Binges findet sich kein Schwefelpulver. Der Bing selbst ist
in seiner unteren Hälfte unterbrochen durch den Schatten des



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FerAeüung von freier Hlektricität 797

Kreuzes. In der Ebene des Kreuzes zieht sich durch den
Ring ein intensiv rother Streifen; dieser scheint durch Strahlen
erzeugt, die an dem Kreuze eine Art von streifender Reflexion
erlitten haben. In den Ring ragt hinein der ungemein scharf
begrenzte Schatten des Drahtes, von welchem das Kreuz ge-
tragen wird. Das Innere des Schattens ist von Staub ganz
frei, der Saum des Schattens wird von einer scharf begrenzten
rothen Linie gebildet. In der Mitte des Ringes befindet sich
eine eigenthümliche rothe Figur, aus einer Sichel und einem
kleinen Kreise zusammengesetzt.

Die Bestäubungsfigur 8 unterscheidet sich von Fig. 7
wesentlich dadurch, dass Theile der Figur, die in Fig. 7 von
Staub ganz frei geblieben waren, in Fig. 8 mit Schwefelpulver
bedeckt sind. So ist insbesondere der Schatten des Drahtes,
von dem das Kreuz getragen wird, nicht von Staub frei, sondern



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