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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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Paar kleine abgerundete Stummel hervorgebrochen, von den binteren war noch keine Spur
vorhanden. Der ganze Embryo war in das hochst zarte, ihm noch iiberall dicht anlie-
gende Amnion eingeschlossen. Icb beschaftigte mich bei diesen Embryonen vorziiglich mil
Erforschung der Bildung der einzelnen Organe.

Das Gehirn (Fig. 41. D-G.) bestand nicht mehr aus drei auf einander folgenden
Blasen, sondern es war jetzt, namentlich in der Vorderhirnblase, die friiher schon eingelei-
tete weitere Sonderung weiter forgeschritten. Die vorderen seitlichen Theile derselben hat-
ten sich namlich gegen den hinteren Theil viel starker entwickelt und die gauze Vorder-
hirnblase war dadurch in zwei Abtheilungen geschieden. Die vordere Abtheilung wurde
vorziiglich durch die blasenartig hervorbrechenden vorderen Seitentheile der primitiven vor-
deren Zelle gebildet, zwischen denen sich eine seichte Furche befand, wodurch diese ganze
Partie in zwei Halften getheilt wurde. v. Baer hat diese Abtheilung jetzt das eigentliche
Vorderhirn genannt, und sie entwickelt sich zu den Hemisph'a'ren. Sie enthielt in
ihrem Inneren jezt noch eine einfache Hohle, welche indessen durch die obere mittlere
Einsenkung schon in zwei Halften getheilt zu werden anfmg, welche die spateren Seitenven-
trikel sind. Die hintere Abtheilung der ersten primitiven Hirnzelle war dagegen in ih-

rer Entwicklung zuriickgeblieben. Aus ihr traten an den Seiten die beiden hohlen Augen-
blasen hervor, in welche man aus der Hohle dieser Hirnabtheilung selbst hinein sehen konnte,
obgleich sich gerade an der Eingangsstelle im Inneren ein Wulst zu bilden anfmg. Diese
Abtheilung des Hirns hat v. Baer das Zwischenhirn genannt, sie entspricht dem Raum
und der Umgegend des dritten Ventrikels. Jener Wulst wird zum Sehhiigel und ihre
unterste Partie zieht sich zum Trichter aus. Sie urnschlicfst jetzt noch eine einfache Hohle;
allein wir werden sehen, wie sich spater ihre Decke einsenkt, spaltet, die Hohle von den
Sehhiigeln fast ganz ausgefiillt wird, wahrend das Ganze von den Vorderhirnblasen iiber-
wolbt wird und so eine neue Decke erhalt. Hierauf folgte die zweite primitive Hirnzelle,
in welcher, wie ich schon oben erwahnte, da sganze Medullarrohr stark im Winkel vorniiber
(nach unten) gebogen ist. Sie war noch von einer einfachen Blase gebildet, deren Markblalt nur
nach innen schon starke vorspringende \ViiIste entwickelt hatte, aber grofstentheils noch
eine einfache Hohle enthielt; diese Erweiterung nennen wir jetzt mit v. Baer das Mittel-
hirn; es wird spater zu den Vierhiigeln und seine Hohle zum Aquaeductus Sylvii.
Auf dasselbe folgte endlich die dritle urspriingliche Hirnzelle, welche sich bis jetzt vorzugs-
weise nur dadurch auszeichnete, dass in ihrem hinteren Theile das Medullarrohr noch im-
mer nicht durch Nervenmasse geschlossen war, sondern hier in einer rautenformigen Spalte
weit offen stand. Den Schluss bildeten hier allein die Riickenplatten. Das Medullarrohr
war hier ansehnlich weit und die Liicke wurde durch eine wasserhelle Fliissigkeit erfiillt,
wodurch der Blick sogleich auf diese Gegend gezogen wird. Der offenstehende Raum
entspricht dem spateren vierten Ventrikel; die Nervenmasse, die ihn umschliefst, der
Medulla oblongata. Von dem kleinen Gehirn war noch keine Spur vorhanden.



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Die Augenblasen erschienen von vorne als zwei helle elliptische Ringe , deren
Mitte dunkeler war, und in ihrem vorderen unteren Theile wieder einen sehr hellen Punkt
zeigte. Da noch kein Pigment gebildet war, so glaubte ich friiher, dass dieser helle Punkt
mil der Bildung der Linse in Zusammenhang steht. Nach Prof. Huschke soil sich die
Linse in einer Einstiilpung der aufseren Integumente in die Augenblase bilden, welche sich
zu einem Sacke abschniirt, in welchem die Linse entsteht. Diese Lehre ist in Deutschland
fast allgemein angenommen worden, obgleich Niemand sie wieder durch directe Beobach-
tung bestatigt hatte. Dr. C. Vogt will dagegen diese Einstiilpung bei der Palee wie-
der mit der grb'fsten Bestimmtheit beobachtet haben (Embryologie des Salmones. p. 77.).
Mir war eine solche Beobachtung sowohl bei anderen Saugethierembryonen, als nament-
lich auch bei den hier besprochenen Hundeembryonen , auch bei Betrachtung der vor-
deren Flache der Augen mit starker Vergrofserung, wo eine solche Einstiilpung leicht zu
erkennen sein miisste, bis jetzt unmoglich. Vielmehr iiberzeugte ich mich, dass die Linse
noch gar nicht gebildet war, und jener helle Punkt nur dadurch hervorgebracht wurde,
dass die ganze Augenblase noch hohl war, und man also durch ihre Axe bis in die Hirn-
hohle hineinsehen konnte.

An dem zu beiden Seiten der hintersten Hirnzelle liegenden Ohrblaschen war jetzt
ein gegen den vierten Ventrikel gerichteter kleiner Zapfen zu bemerken. Allein vergebens
bemiihete ich mich, von dem vierten Ventrikel aus einen ahnlichen Eingang in das Ohr-
blaschen, wie vom Zwischenhirn in das Augenblaschen, zu fmden.

Das Herz (Fig. 41. H. u. I.) war nun auch schon bedeutend weiter fortgeschritten,
und der friiher einfach S-formig gewundene Kanal hatte schon deutlicher die Gestalt des
zukiinftigen Herzens angenommen. Auch war dasselbe bereits in einen Herzbeutel einge-
schlossen. Alle Venen bildeten einen einzigen Stamm, welcher ganz nach hinten lag, und
aus dem sich sogleich zwei sackartige seitliche Erweiterungen entwickelten. Diese halt man
gewb'hnlich fur die Vorhb'fe. Valentin und Rathke haben aber richtig bemerkt, dass
sie den Herzohren entsprechen, der Raum zwischen ihnen den Vorhbfen, die jetzt als solche
eigentlich noch nicht gesondert sind. Durch eine stark abgeschniirte Stelle, den soge-
nannten Canalis auricularis von Ha Her, gelangt man dann in eine am meisten nach links
und vorn gelegene Erweiterung, welche von einer folgenden, vorn uud rechts gelegenen,
wieder ziemlich stark abgeschniirt ist. Die Erweiterungen entsprechen den beiden Herz-
kammern, die aber jetzt noch nicht im Innern vofa einander geschieden sind. Der Aorten-
stamm kommt ganz aus der rechten Abtheilung hervor und ist eigentlich ihre unmittelbare
Fortsetzung. Er theilte sich noch vorn auf beiden Seiten in mehrere Bogen, deren ich
jeder Seits nur drei unterscheiden konnte, obgleich wohl vier vorhanden gewesen sind,
welche an der inneren Seite der Visceralbogen vorbeigingen. Diese Bogen setzten unter
der Wirbelsaule die absteigende Aorta zusammen, welche sich alsbald wieder in die beiden
hinteren Wirbelarterien spaltete. Aus diesen traten noch immer mehrere Darmbla-
senarterien hervor und verbreiteten sich mit ihren letzten Zweigen auf der Allantois.
Von dieser fuhrten die beiden Cardinalvenen wieder das Blut zuriick, welche sich oben



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rait den Darmblasenvenen vereinigten. Das Herz bestand aus kernhaltigen spindelformigen,
d. h. in Fasern iibergehenden Zellen, deren ich eine Gruppe mil der Camera lucida gezeich-
net habe (Fig. 41. K.).

Das D arm system (Fig. 41. L. u. M.) war bei diesen Embryonen nun schon
ansehnlich weiter gebiidet, obgleich das Dajmrohr in der Mitte noch nicht geschlos-
sen war, sondern hier noch eine Rinne bildete, deren Rander in die Darm- oder Nabel-
blase iibergingen. Vorn unter dem Kopfe waren vier Kiemen- oder Visceralbogen und
die zwischen ihnen befindlichen Spalten bemerkbar. Nach Hrn. Dr. Rei chert sollen
deren nie vier, sondern Jmmer nur drei vorhanden sein. Ich konnte aber sowohl bei
diesen Hundeembryonen, als friiher bei solchen von Kaninchen bestimmt deren vier unter-
scheiden, deren letzter freilich, sowie auch die letzte Spalte, sehr klein und wenig entwickelt
waren, auch sehr bald wieder verschwinden. An dem vordersten Visceralbogen war dessen
vorderer Fortsatz, aus welchem die Oberkiefer, Jochbeine, Gaumenbeine und Fliigelbeine
enlstehen, schon stark entwickelt. Um den vorderen Theil des Darmrohres, welcher hinter
dem Herzen und der vorderen Viscera Iwand verborgen liegt, genauer zu untersuchen, schnitt
ich zuerst das Herz weg. Dann fiihrte ich mit einer feinen Scheerenpincette zwei Schnitte
an beiden Seiten durch die Basis der Visceralbogen und die vordere Visceralwand bis zu
dem noch offen stehenden Theile der Visceralhohle herab, durchschnitt dann auch den schon
gebildeten Enddarm, und brachte nun den ganzen Tractus intestinalis auf ein Glasplattchen,
um ihn bei durchfallendem Lichte unter dem einfachen Miskroskope zu untersuchen. Ich
konnte nun das ganze Darmsystem und namentlich auch den oberen Theil genau u'ber-
sehen. Alle zu demselben gehorigen Theile zeichnen sich durch zwei Lagen aus, eine au-
fsere dickere, dichtere, daher dunkel erscheinende und eine innere schmalere, weniger dichte,
daher hell aussehende. Diese zwei Lagen entsprechen den beiden Blattern der Nabelblase, aus
welchen das Darmsystem entsteht. Die aufsere dem Gefafs-, die Jnnere dem vegetativen Blatte.

Zunachst hinter den Visceralbogen zeigte sich eine Erweiterung, die dem Schlund und
Kehlkopfe entspricht, von welchem letzteren, sowie von der Zunge, noch nichts gebiidet
war. Aus dieser Erweiterung entwickelten sich auf beiden Seiten ein Paar von einander
getrennte und noch ganz einfache x\usstiilpungen, die ersten Rudimente der Lurrgen.
Diese entstehen also zuerst jede gesondert fur sich, und vereinigen sich erst spater in einem
Kanale, der Luftrohre, wenn der vordere Theil sich iiberhaupt mehr in Schlund, Mund,
Kehlkopf und Speiserb'hre sondert. Zwischen den Lungen setzte sich nun das Darmrohr
weiter nach hinten fort, und zwar seine aufsere dunkele Gefa'fslage ganz geradlinig. Die innere
vegetative Lage zeigte dagegen auf der linken Seite eine schwache, senkrecht stehende
langliche Erweiterung, den Anfang des Ma gens. Unterhalb des letzteren zeigte das Darm-
rohr auf beiden Seiten wieder eine seitliche Erweiterung oder Ausstiilpung seiner beiden
Lagen, deren jede sich auch schon wieder zu spalten begonnen. Diese bilden die ersten
Rudimente der Leber. Sie waren wegen der an ihnen vorbeigehenden Gefafse schwer zu
erkennen, und glaube ich nicht, dass irgend Jemand die Bildung der Leber bei Saugelhie-
ren bis jetzt auf einem so friihen Stadium gesehen hat, wie ich hier.

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Gleich hinter der Leber ging das Darmrohr in die noch offen stehende Darmrinne
iiber, deren Rander in die Nabelblase verliefen. Nach hinten aber war die Darmrinne wie-
der geschlossen, und der Enddarm gebildet, der sich als ein ganz gerades Rohr in den
hinteren Theil der Visceralhohle senkte. Die Allantois war, wie gesagt, jetzt schon sehr
deutlich als ein Blaschen entwickelt und ihre Hohle stand ganz weit mil der Hohle des
Enddarmes in Verbindung; zugleich aber war ihr Stiel auch vollkommen mil der unteren
Visceralwand verschmolzen. Eine Afteroffnung konnle ich nicht entdecken. Die Wolff-
schen Kdrper und ihre Schlauche waren deutlich enlwickell, und erstreckten sich fast von
dem Herzen an zu beiden Seiten neben der Wirbelsaule und dem Darme nach hinten.
Die Einsenkung ihres Ausfuhrungsganges in die Allantois konnte ich nicht deutlich zur
Anschauung bringen, obgleich sie gewiss vorhanden war. Yon den Nieren und keimberei-
tenden Geschlechtsorganen sah ich noch keine Spur.

LI. Fast genau auf demselben Stadium, wie die zuletzt beschriebenen Embryonen,
befanden sich die einer Hiindin, welche ich am 9ten Marz 1839 unlersuchte; dieselbe sollte
seit 24 Tagen belegt sein. Die Eier waren in ihrem Langendurchmesser gegen einen Zoll
grofs, aufserlich bis auf die Pole mil Zotten besetzt, diese Pole aber durch einen griinen
Ring begrenzt, welcher das Ei der Fleischfresser auszeichnet. Ich habe diesen Farbe-
sloff mehrere Male genau mikroskopisch unlersucht und fand in demselben 1) spiefsige
lange Krystalle, die sich im Wasser bald auflosten. 2) Einen schonen griinen FarbeslofF
in unregelmafsigen Kornern, nichl in Zellen. 3) Eine Menge kleiner rundlicher Kiigelchen,
ebenfalls in Wasser loslich. 4) Grofsere schwach granulirte, mil einem Kern versehene runde
oder etwas langliche Zellen. 5) Eine braune Masse und 6) sparsame grofsere Fettzellen.
Schon vor Lingerer Zeit hal Barruel diesen Farbestoff chemisch untersucht und ihn der
Galle ahnlich gefunden, Breschet hat dadurch die Theorie von der Athmenfunction der
Placenta und der Analogic zwischen Leber und Lunge unterstiitzen zu konnen geglaubt
(cf. Ann. des sc. nat. le Serie. T. XIX. p. 379.). Die Allantois bildete ein kleines kaum
erbsengrofsen Blaschen, welches sich eben an das Chorion angelegt hatte.

LII. Dasselbe Stadium beobachtete ich auch noch bei einer dritten Hiindin am lOten
August 1840, welche vor 16 Tagen zum letzten Male belegt sein sollte. Alle Verhaltnisse,
sowohl des Eies als Embryo's, waren in den sieben vorhandenen Eiern genau dieselben,
wie fru'her, welche ich daher hinlangliche Gelegenheit hatte genan zu untersuchen.

LIII. u. LIV. Am 14ten October 1839 und am 21sten Mai 1841 untersuchte ich
dagegen die Eier und Embryonen zweier Hiindinnen, die beide gleich weit, schon ein ent-
schiedenes Stadium weiler entwickelt waren, als die vorher beschriebenen. Die Eier (Fig.
42. A.) waren iiber einen Zoll in ihrem Langendurchmesser und, wie immer, citronenformig
gestaltet. Das Chorion war aufserlich mil ansehnlichen Zotlen besetzt, mil Ausnahme der
beiden Pole des Eies, welche keine solche trugen. Bei ihrer Eroffnung zeigte es sich nun
schon, dass die Nabelblase nicht das Innere des Chorions vollkommen ausfullte, sondern
die auf der rechten Seite des Embryo aus seinem unteren Ende herausgetretene Allantois
hatte sich jetzt schon so sehr vergrofsert, dass sie die auf die linke Seite des Embryo



gewendete Nabelblase an diese Seite des Eies zu drangen angefangen. Die Nabelblase zog
sich als ein mehr langlich gewordener Sack in die beiden von dem Chorion gebildeten
Pole des Eies mil hinein. Die Allantois dagegen war noch eine rundliche Blase, welche
sich rechts rait breiter Basis an das Chorion angelegt und so weit die Nabelblase von die-
sem abgedrangt hatte. Auf der Nabelblase verzweigten sich die Nabelblasengefafse, auf
der Allantois zwei Nabelarterien und zwei Nabelvenen, und schon batten sich diesel-
ben so in das Chorion und dessen Zotten hinein zu bilden angefangen, dass sich die

Allantois nicht mehr von dem Chorion ablosen liefs. Zwischen diesen beiden Blasen las:

o

der Embryo in seinem Amnion eingehiillt, welches ihn noch dicht umschloss. Er war

stark zusamnienffekrummt, zuerst mil dem vorderen Theile seines Leibes stark vorniiber und

. .''"*.

dann der hintere Theil spiralfdrmig von links nach rechts um seine Axe gedreht. Mit sei-
nem Kopfe war er noch in die Nabelblase hineingedrangt, allein lange nicht so stark mehr
als frtiher; ja man konnte den Kopf einigermafsen aus der von der Nabelblase gebildeten
Scheide herauszielien, obgleich Nabelblase und Amnion hier nach vorne innig vereinigt
waren. Hier zuerst wurde mir jetzt der Mechanismus dieser Eindrangung des vorderen
Theiles des Embryo in die Nabelblase vollig klar (Fig. 43.).

Der Embryo (Fig. 4.2. B D.) selbst war wegen seiner starken doppelten Kriimmung
schwer zu untersuchen. Es waren jetzt schon die hinteren Extremitaten hervorgebrochen
und an den vorderen schon eine Abtheilung in Unter- und Oberarm zu unterscheiden. Die
Verhaltnisse des Gehirns waren indessen Jm Ganzen noch wie auf dem vorigen Stadium, nur
waren die beiden Vorderhirnblasen ansehnlich gewachsen, ragten starker hervor und fingen
an das Zwischenhirn immer mehr zu iiberwb'lben und zu bedecken. Augen und Ohr mar-
kirten sich wie friiher. An ersleren war aber noch kein Pigment, wohl aber eine Gefa'fs-
haut und die Linse gebildet. Auch der Anfang der Nase war entwickelt in Form zweier
den vorderen unteren Rand der Schadelkapsel einnehmenden, elwas schrag von aufsen nach
innen stehenden ovalen Gruben. Das Darmrohr hatte sich nun schon ganz gebildet und
war auch in der Mitte geschlossen bis auf eine ganz deutlich offene Communication rait
der Nabelblase. Auch machte diese Mitte des Darmes schon eine kleine vorstehende Kriim-
mung, den Anfang einer Darmschlinge, die sich spater aus der Bauchhohle herauszieht.
Es war ferner der Magen an dem Darme schon ganz deutlich zu erkennen, und es stand
derselbe nicht mehr senkrecht, sondern schon fast horizontal. Vorn am Kopfe war nur
noch eine Visceralspalte zu bemerken. Der erste Visceralbogen zeigte sich jetzt deutlicher
als der zukiinftige Unterkiefer und seine beiden oberen seitlichen Fortsatze waren jetzt schon
so weit an der Schadelblase nach vorne gewachsen, dass ihre Bestimmung zu Bildung der
Oberkiefertheile schon deutlicher hervortrat, und so der Mund sich zu bilden anfing. Von
einer Zunge sah ich noch nichts. Die Lungen waren ansehnlich weiter gebildet und
beide durch eine Luftrohre vereinigt, welche deutlich von der Speiserb'hre getrennt war
und in die Rachenhohle iiberging, woselbst ich indessen auch jetzt noch keine Anlage fur
den Kehlkopf entdecken konnte. Beide Lungen bestanden aus drei blinden Verzweigungen
der Bronchien, von welchen eine der rechten Lunge indessen selbst schon wieder in drei

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getheili war. Die Leber war schon ansehnlich und bildete drei rundliche rolhe auf dem
Magen liegende Wiilste, in denen kleine Blindschlauche durchschimmernd erkannt werden
konnten. Milz und Pankreas konnte ich noch nicht erkennen. Nach hinlen stand die Al-
lantois mil dem Enddarme in deutlich offener Verbindung, und in sie miindelen die Aus-
fiihrungsgange der Wolffschen Korper, welche letztere noch sehr lang und gestreckt
waren und ihre Zusammensetzung aus kleinen Blindschlauchen leicht erkennen liefsen. Eine
Afterb'ffnung, Hoden oder Eierstocke und Nieren konnte ich nicht enldecken. Die Bildung
des Herzens war im Ganzen wie friiher, nur war die Abschniirung und Entwicklung der
einzelnen Theile des Herzens jetzt noch starker ausgesprochen. Die scheinbar einfache
Aorta kam noch ganz aus der rechten Kammerabtheilung und theilte sich in zwei auf bei-
den Seiten ini Bogen nach hinten verlaufende Aeste.

Auf dieseni Stadium befmdet sich auch das von Hrn. Coste (Embryogenie comparee,
p. 412) beschriebene und PL IV. Fig. 7, 8 u. 9. abgebildete Ei und Embryo, welches der-
selbe auf 24 Tage schatzt.

LV. u. LVI. An diese Eier und Embryonen schliefsen sich diejenigen an, welche
ich am 8ten December und am 24sten August 1838 beobachtete. Die ersten waren von
einer Hiindin, welche sich am 9ten November zum letzten Male hatte belegen lassen, die
zweilen von einer solchen, die am SOsten Juli zum letzten Male belegt worden war; jene
also 24, diese 25 Tage nach der letzten Begattung. Eier und Embryonen (Fig. 44.)
waren grofser als die vorigen, aber im Allgemeinen denselben noch gleich gebildet. Der
mittlere zottentragende Theil des Chorions war noch immer der bei weitem vorherrschende,
obgleich die zottenlosen Pole auch schon starker gewachsen waren. Im Inneren war vor-
ziiglich die Allantois starker gewachsen und hatte die Nabelblase noch mehr an die linke
Seite des Embryo ^edrangt, ging aber nicht in die Pole des Eies hinein. Der Embryo
hatte sich ganz aus der Nabelblase mit dem Kopfe herausgezogen und lag nun frei in sei-
neni Amnion eingeschlossen zwischen Nabelblase und Allantois, von denen jene links, diese
rechts aus seinem Unterleibe heraustraten. Brust und Bauch des Embryo waren geschlos-
sen bis auf eine ziemlich grofse Oeffnung des letzteren, welche nun als Nab el bezeichnet
werden kann, aus welchem Allantois und Nabelblase heraustraten, mit dem Stiele der letz-
ieren zugleich eine Darmschlinge, in welche dieser Sticl, der nun Nabelblasenga ng,
Ductus omphalo-mesentericus, genannt werden kann, iiberging, und noch immer eine
offene Communication zwischen Darm und Nabelblase herstellte. An dem Gehirne hatte
sich die Yorderhirnblase noch starker entwickelt und nach hinten iiber das Zwischenhirn
heriiber gewb'lbt. Letzteres war in gleichem Grade zuriickgeblieben, fing an, sich obeu
und vorn in der Mitte zu spalten und seine Hohle zu verlieren, indem sich ihre Wandun-
geu zu den Sehhiigeln ausbildeten. Auf dem Boden der Vorderhirnblasen waren auch
schon zwei Anschwellungen, die gestreiften Hiigel, zu bemerken. Die Augen zeiglen schon
einen schwarzen, von dem vorderen Rande der Chorioidea gebildeten Rand, in welchem
sich nach unten und innen ein schmaler farbloser Streifen, die sogenannte Chorioidal-
spalte befand. Ueber dieselbe und ihre Bildung erlaube ich mir auf meine Entwicklungs-



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geschichte der Saugethiere und des Menschen zu verweisen. S. 214. Von den Kiemen-
oder Visceralspalten war nur noch die Spur einer vorhanden, welche anfing, sich in ihrem
aufseren Theile in den anfseren Gehorgang und das aufsere Ohr zu verwandeln. Eine
Zunge bemerkte ich noch nicht. An der grofsen Curvatur des Magens lag ein kleiner
bohnenformig gestalteter Korper, die Milz. Von einem Pankreas sah ich noch nichts.
Der Darm war durch ein Mesenterium an die Wirbelsaule befestigt. An der Allantois
war noch keine starkere Entwicklung ihres hinteren rait dem Darme in Verbindung stehen-
den Endes zur Bildung der Harnblase zu bemerken. In sie senkten sich die Ausfiihrungs-
gange der Wolff schen Korper ein, welche letzteren sich bis herauf zur Leber erstreckten.
Hoden oder Eierstocke und Nieren konnte ich auch jetzt noch nicht unterscheiden.
Das Herz zeigte seine vier Abtheilungen deutlich entwickelt. Die Aorta kam aber immer
noch allein aus der rechten Kammerabtheilung. Sie erschien aufserlich einfach; allein in
ihrem Inneren war sie schon durch eine Scheidewand in zwei Abtheilungen getheilt. Nach
vorn ging sie auf jeder Seite in einen Aortenbogen iiber. Hinter dem Herzen lagen
die kleinen Lungen, in welchen sich die Bronchien als blind endigende Kanalchen zahl-
reicher entwickelt batten.

Auf diesem Stadium befindet sich ein von Bo j an us (Acta nat. curios. T. X. P. I.
p. 139.) beschriebenes Ei und Embryo, welche er auf 24 Tage schatzt.

LVII. Die nachsten Eier und Embryonen, welche ich beobachtete, waren von einer
Hiindin, welche vom 4ten November 1838 an schon Zeichen der Brunst gegeben hatte,
sich aber erst am 9len und lOten belegen liefs. Am 5ten December 1838 liefs ich sie
todten und die Eier waren daher seit 27 Tagen befruchtet. Sie waren in ihrem Langen-
durchmesser gegeri 2 P. Z. lang. Die Zolten umfassten das Ei in einem starken und
breiten, an seinen beiden seitlichen Zonen sehr schon griin gefa'rbten Giirtel. Bei der Los-
losung des Eies aus dem Uterus blieb die innerste Schichte des Uterus auf den Zotten
sitzen, welche man gewohnlich Decidua genannt hat, die aber diesen Nam en nicht eigent-
lich verdient, wie ich spiiter genauer erortern werde, vielmehr ist dieses der miitterliche
Antheil der Placenta. Ira Inneren (Fig. 45.) des Eies war die Allantois nun schon so
stark gewachsen, dass sie das ganze Innere des Eies erfullte und bekleidete, mil Ausnahme
eines schmaleri Streifens, wo die Nabelblase an dem Chorion anlag. Namentlich ging sie
jetzt auch in die zottenlosen Pole des Eies rait hinein, wie besonders die, wenn gleich
sparsamen Gefafse an der Inneriflache des dieselben bildenden Theiles des Chorions zeigten.
Zugleich hatte sich nun auch das eine (aufsere) Blatt der Allantois schon so vollkom-
men an das Chorion angelegt, dass beide untrennbar rait einander vereinigt waren. Die
Blutgefafse batten sich iiberall in die Zotlen hereingebildet, und verdient daher dieser zot-
tentragende Giirtel des Chorions den Namen des Mutterkuchens oder der Placenta, deren
eigenthiimliche Form bei dem Eie der Fleischfresser gerade durch das eigenthiimliche
Herumwachsen der Allantois an der Innenflache des Chorions bedingt wird. Dieses
Blatt der Allantois iiberzog aber auch den in seinem Amnion liegenden Embryo und
die Nabelblase, wodurch auch das Amnion jetzt Blutgefafse erhielt, die es urspriinglich



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und bis dahin nicht hatte. Bei dieser Ausbreitung der Allantois war und ist es nun nicht
mehr moglich , das Ei zu offnen, ohne zugleich mit dem Chorion auch die Allantois zu
durchschneiden. Man gerath also dabei in das Innere der Allantois und sieht dabei eben,
wie sie einerseits den Embryo, Amnion und Nabelblase iiberzieht und andererseits auch
das ganze Innere des Chorions bekleidet. Man bemerkt dann aber, dass die genannten
Theile, Embryo, Amnion und Nabelblase von einer doppelten zarten Hiille iiberzogen wer-
den, deren oberste gefafslos ist, die zweite die Stamme der Nabelgefafse enthalt, von denen
sich seitlich Zweige zwiscben beiden Lagen und auf das Amnion heriiber verbreiten. Die
Erklarung fur diese beiden Lagen findet sicb darin, dass, wie ich scbon oben bernerkte,
die Allantois zwei Blatter hat, deren eines oder aufseres, die Fortsetzung der aufseren Lage
des Darmes, oder des Gefafsblattes ; das innere, die Fortsetzung der inneren Darmlage,
oder des vegetativen Blattes ist. Diese beiden Lagen der Allantois sind, soweit dieselbe


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