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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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dem Chorion anliegt, vollkommen mit einander vereinigt, und lassen sich weder von einan-
der noch von dem Chorion trennen. Wo die Allantois aber Embryo, Amnion und Na-
belblase uberzieht, da geht sie sowohl locker iiber diese Theile her, als auch ihre beiden
Lagen von einander getrennt sind. Nur aber in der aufseren, dem Gefafsblatte angeho-
renden und unmiltelbar iiber Amnion und Nabelblase hergehenden Lage, fmden sich die
Blutgefafse, die innere, dem vegetativen Blatte angehorige Lage dagegen ist gefafslos. Die-
ses Verhaltniss ist schwer, ja unmoglich zu erkennen und richtig zu deuten, wenn man
nicht die ganzen vorhergehenden Verhaltnisse richtig erkannt hat, durch welche es indes-
sen seine Aufklarung erhalt und, wie ich hoffe, in den vorgehenden Blattern gefunden hat.
Auch ist dasselbe bereits von Hrn. v. Baer (Entwicklungsgeschichte. II. S. 239.) richtig
erortert worden. Die Nabelblase stellt noch immer einen verhaltnissmafsig zur Allantois
dickwandigen , von den Nabelblasengefafsen durchzogenen, langlichen, in beide Pole des
Eies hineingehenden Sack dar. Durch einen kurzen Stiel, den Ductus omphalo-mesenteri-
cus, geht sie und ihre Gefafse in die nun fast ganz, bis auf eine rundliche Offnung, den
Nabel, geschlossene Bauchhdhle des Embryo iiber. Dieser Stiel stand mit einer zu dem
Nabel heraustretenden D.irmschlinge in Verbindung, war aber nun nicht mehr hohl, son-
dern ein solider Faden. Auch die Allantois mit den Nabelgefafsen ging durch einen kur-
zen Stiel durch den Nabel in den Bauch des Embryo iiber. Dieser Stiel aber war noch
ein Kanal und fiihrte zu dem innerhalb des Embryo gelegenen Theile der Allantois, welcher
in seinem unteren Theile wieder etwas erweitert war und sich so hier zur Harnblase zu
gestalten anfmg. Den Stiel aber nennt man bekanntlich den Urachus oder Harngang.
Der Urachus mit den Nabelgefafsen, der Nabelblasengang mit der Darmschlinge und den
Nabelblasengefafsen wurden von dem Nabel umfasst und in eine kurze von dem Amnion
gebildete Scheide eingefasst, und stellten so den Nabelstrang dar, der aber noch sehr
kurz war.

Der Embryo selbst (Fig. 45. B.) war 3 / 4 1 P.Z. lang, also nicht langer als die friiheren
Embryonen, wenn diese ausgestreckt waren. Er war aber nicht mehr so in sich zusammen-
gekriimmt, auch viel dicker und rundlicher, und auf solche Weise ansehnlich vollkommener



Ill

gebildet. Sowohl an den oberen als unteren Extremitaten konnte man die Finger und
Zehen bereits erkennen. Die Visceralbogen waren ganz verschwunden und die Kiefer ge-
bildet. A us der obersten Visceralspalte hatte sich das aufsere Ohr gebildet. Alle Organe
bis auf Speicheldriisen, Schilddriise und Thymusdriise waren entwickelt, welche letzteren
ich wenigstens uoch nicht rait hinlanglicher Sicherheit unterscheiden konnte. Die friiher
schon vorhandenen hatten sich weiter ausgebildet.

An dem Gehirn (Fig. 45. C G.) hatten sich die Hemispharen schon ansehnlich
entwickelt, und namentlich das Zwischenhirn oder die Sehhiigel schon fast ganz iiberwolbt
und bedeckt. Windungen waren indessen an ihrer Oberflache noch nicht zu bemerken
Die von ihnen umschlossene Hohle war noch ansehnlich und beiden gemeinschaftlich, da
der Fornix und Balken noch nicht gebildet waren. An beiden Seiten waren auf dem Bo-
den dieser Hohle ein Paar ansehnliche, an ihrem inneren Rande eingekerbte Wulste, die
Corpora striata, zu bemerken. Das Zwischenhirn war in seiner oberen Decke, besonders
nach vorne, gespalten, eingesunken und seine Hohle fast verschwunden, indem die Seiten-
theile sich ausgefiillt hatten, urn nun die Sehhiigel darzustellen. Eine offene Communi-
cation mit der Augenblase war nicht mehr vorhanden. Zwischen beiden Sehhiigeln
miindete die Hohle des Mittelhirns, der spatere Aquaeductus Sylvii. An der Basis des
Gehirns war das Zwischenhirn stark nach unten ausgezogen und bildete hier den Trichter
(Infundibulum.). Das Mittelhirn war hinter der Entwicklung der Hemispharen auch be-
deutend zuriickgeblieben. In ihm erfolgte noch immer die mehr als rechtwinklige Um-
beugung des Medullarrohres. Seine Decke war nicht gespalten, auch nicht eingesenkt, so
dass die spatere Abtheilung in die Vier-Hiigel noch nicht angedeutet war. Die Hohle im
Mittelhirn (der spatere Aquaeductus Sylvii) war noch ansehnlich und ging nach hinten in
den vierten Ventrikel, nach vorne zwischen die Sehhiigel iiber. Dennoch war der von un-
ten erfolgende Massenansatz zur Ausfiillung dieses Hirntheils schon ansehnlich, indem sich
eine starke Marklage, die kiinftigen Crura cerebri, hier um einen von der Schadelbasis nach
einwarts vorspringenden Fortsatz, den sogenannten Balken des Schadels nach Rathke,
herumschlug, die nach vorne in die Sell- und Streifenhugel sich fortsetzte. Hinter dem
Mittelhirn hatte sich nun auch die hinterste primitive Hirnzelle weiter entwickelt und in
zwei Theile geschiederi, welche v. Baer das Hinterhirn und das Nach him genannt
hat. Diese Hirnzelle stand auf den vorigen Stadien an ihrer ganzen hinteren Seite
noch weit offen. Nur an ihrer Basis, welche in Zukunft das verlangerte Mark und
die Briicke darstellt, war die Bildung von Nervensubstanz erfolgt, und den oberen offenen
Piaum nannte ich den vierten Ventrikel. Auf diesem Stadium nun hatte sich iiber den zu-
nachst hinter dem Mittelhirn liegenden Theil dieser Hirnzelle von beiden Seiten ein Mark-
blatt heruberzuwolben angefangen, dessen beide Seilenhalften indessen in der 'Mitte
noch nicht verschmolzen waren. Diese Markblatter sind die ersten Spuren des kl ei-
nen Gehirns, durch welches der vordere Theil des Hinterhirns seine Decke erhalt,
den v. Baer nun als Hinterhirn bezeichnet. Der u'brig gebliebene hiutere Theil, das
Nachhirn, bleibt an seiner oberen Seite immer offen und bildet hier bleibend den



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vierten Ventrikel, der sich nach hinten in die Hohle des Piiickenmarkes, nach vorne in die
des Mittelhirns, Zwischen- und Vorderhirns fortsetzt. An der Uebergangsstelle vom Hin-
terhirn zum Nachhirn 1st die Markmasse wieder stark in einem rechten Winkel nach
ruckwarts gebogen. An dem nach unten vorspringenden Winkel bildet sich in Zukunft
die Briicke, und hier entsprang der starke Trigeminus, dessen Ganglion schon deutlich zu
erkennen war. Hinter dem Nachhirn biegt sich das Medullarrohr wieder in einem rechten
Winkel nach abwarts, wo ersteres in das eigentliche Pviickenmark iibergeht. Diese an dem
Kopfe des Embryo stark nach hinten vorspringende Slelle ist der schon oben erwahnte so-
genannte Nackenhbcker.

Der Darm (Fig. 45. B.) war nun auch schon vollkommener ausgebildet. In der
durch die Metamorphose der Visceralbogen nun vollstandig gebildeten Mundhohle zeigte
sich auf dem Boden die Zunge. Der Magen stand schon fast ganz quer. Der Darm
war ansehnlich langer und eine betrachtliche Schlinge, welche mit dem verschlossenen
Ductus omphalo-mesentericus in Verbindung stand, ragte zu dem Unterleibe hervor. Die
Leber war sehr grofs und in drei Lappen getheilt, deren zwei auf der rechten Seite lagen.
Die Milz bildete einen der grofsen Curvatur des Magens dicht anliegenden Streifen. Auch
das Pankreas war jetzt vorhanden und befand sich in der Schlinge des Duodenums. Un-
ter der Loupe erkannte man seine Zusammensetzung aus kleinen Blindschlauchen. Seine
erste Entwicklung habe ich bei Hundeembryonen, wo sie sehr schnell nach Auftreten der
Milz erfolgen muss, nicht beobachtet. Ich glaube aber nicht, dass es sich wie bei Wie-
derkauern mit der Milz aus einem gemeinschaftlichen oder wenigstens zusammenhangen-
dem Blastem entwickelt.

Die Lungen (Fig. 45. H.) waren ebenfalls weiter entwickelt. Die Bronchialkanale
batten sich in dem Blasteme weiter und weiter verzweigt und gew'ahrten ein sehr zierliches
und schb'nes Ansehen. Das Herz (Fig. 45. C.) hatte seine bleibende Form angenommen,
die Aorta sich in zwei Stamme gespalten, deren einer aus der rechten Herzkammer undvorne,
der andere aus der linken und hinten hervorkam, so dass man den Ursprung der letzteren
bei der Ansicht von vorne (Bauchseite) nicht sah, beide Aorten aber etwas mehr nach oben
spiralformig urn einander gewunden erschienen. Hinten (Fig. 45. H ) hatte sich der in das
Beken hereintretende Stiel der Allantois schon zur Harnblase entwickelt, welche aber durch
den Urachus noch mit der Allantois in offenem Zusammenhange stand. In ihre obere
W"and miindeten die Ausfiihrungsgange der Wolff'schen Kbrper und die Uretheren ein.
Die ersteren waren bedeutend verkiirzt und hatten sich mehr in den hinteren Theil der
Bauchhb'hle zuriickgezogen. Ueber ihren aufseren unteren convexen Rand verlief der Aus-
fiihrungsgang, in welchen die geschlangelten Kanalchen des Organs selbst einmiindeten.
An der inneren Flache der Wolff'schen Korper lagen ein Paar kleine rundlich eiformig
gestaltete Korper, Hoden oder Eierstb'cke. Dieselben bestanden bis jetzt nur aus Zellen und
Zellenkernen. Sonst liefsen sich weder Kanalchen noch Blaschen in ihnen erkennen. Von dem
Vas deferens oder den Eileitern war noch keine bestimmtere Andeutung vorhanden, nur zog
sich langs der Ausfiihrungsgange der Wolff'schen Korper ein mit diesen ganz verschmol-



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zener Streifen Substanz her, aus welchem sich, wie die Folge lehrf, jene Ausfiihrungsgange
entwickeln. Hinter den Wolff'schen Korpern lagen ganz versteckt die kleinen bohnen-
formig gestalteten Nieren, von welchen sich ein Paar zarter Streifen, die Ureteren, gegen
die hintere Wand der Harnblase hinzogen. Ueber ihnen lagen die wenig kleineren Ne-
bennieren.

LVIII LXIII. Oefter habe ich nun auch noch a'ltere Eier und Embryonen von
Hunden untersucht. So am 19len November 1840 eine Hiindin, deren Embryonen 1 P. Z.
grofs waren, am 14ten Mai 1838 eine, bei welcher dieselben l l / 2 P. Z., am 23sten Marz
1839, deren Embryonen 3 P. Z., am 4ten Marz 1839, wo sie 3 l / 2 p - Z., am lOten Juni
1838, wo sie 4 P. Z., und am 19ten Juli 1839, wo sie beinahe reif waren, und nach
der Herausnahme aus dem Uterus zu athmen anfingen. Allein die Verhaltnisse des Eies
h'ndern sich in diesen spateren Zeiten nicht mehr so wesentlich, dass es einer genaueren
Beschreibung derselben bedurfte, auch sind dieselben aus fruheren Beobachtungen hinlang-
lich bekannt. Das Ei des Hundes stellt in diesen spaleren Zeiten Jmmer einen cylindri-
schen Sack dar, dessen Milte von der Placenta in einem breiten Giirtel umfasst wird. Die
glatten Seitenlheile sind in diesen spateren Zeiten nur verhaltnissmafsig weit grofser als
f Hi her. Die aufsere Eihaut ist das Chorion. Dieses ist, wie die fruheren Beobachtungen
zeigen, ein sehr zusammengesetztes Gebilde, entstanden 1) aus der Zona pellucida oder Dotter-
haut des Eierstockeies, 2) aus dem peripherischen Theile des animalen Blattes der Keim-
blase oder der serosen Hiille und 3) aus der Allantois, welche alle zu einem einzigen,
durch letztere Gefa'fse tragenden Gebilde verschmolzen sind. Die Nabelblase oder der
peripherische Theil des Gefa'fs- und des vegetativen Blattes der Keimblase persistirt als
ein langlicher Sack bei dem Hunde bis an's Ende des Eilebens. Auch verbreiten sich auf
derselben irnmer noch die, we nn gleich sparsamen, Vasa omphalo-mesenterica. Sie wird
erst mit dem Nabelstrang und den ubrigen Eihauten bei der Geburt abgestofsen. Der
Embryo ist immer in sein Amnion eingeschlossen, welches ihm gegen Ende des Eilebens,
wo die Menge des Liquor amnii abnimmt, wieder dichter anliegt. Es hat in der spateren
Zeit bei dem Hunde Blulgefa'fse; denn es hat, so wie auch die Nabelblase, einen feinen
Ueberzug von der gefafsreichen Allantois. Auch lassen sich spa'ter nicht leicht mehr zwei
Blatter an diesem Ueberzuge, wie in der letzten Beobachtung, unterscheiden, da beide spa'ter
mit einander verschnielzen.

Auch die Entwicklung der Organe des Embryo halte Jch nicht fur passend hier noch
weiter zu verfolgen. Speicheldriisen, Schilddriise und Thymusdruse treten bald nach dem
zuletzt genauer beschriebenen Stadium ebenfalls deutlich auf, ohne dass ich bei den irn
Ganzen immer kleinen Hundeembryonen bisher im Slande war, ihr allererstes Erschei-
nen so genau zu beobachten, wie mir dieses bei Piindsembryonen gegluckt Jst. Die Or-
gane entwickeln sich nur noch histologisch weiter, was hier genauer zu verfolgen nicht in
meinem Plane liegt. Ich habe die in dieser Hinsicht bei diesen Embryonen angestellten
mikroskopischen Untersuchungen meiner Entwicklungsgeschichte der Saugethiere und des
Menschen einverleibt.

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Zunt Schlusse will ich daber hier nur noch Einiges iiber die Bildung der Placenta
des Hundes im Zusammenhange mittheilen.

Die sogenannte Schleimhaut des Uterus des Hundes ist ein aus mehreren Elementen
zusammengesetztes Gebilde. Ihre Grundlage ist ein Fasergewebe, dessen Fasern denen des
Bindegewebes ahnlich sind. In diesem linden sich zahlreiche Driisen zweier Arten eingela-
gert. Die einen werden gebildet durch Kanalchen (Fig. 46. A C.), welche in einem
etwas geschlangelten Verlaufe durch die Dicke der Schleimhaut hindurchgehen, und wo sie
auf die sogenannle Zellhaut des Uterus aufstofsen, starker hin und her gewunden, oftmals
selbst knauelartig aufgerollt sind. In ihrem Verlaufe theilen sie sich zuweilen in zwei, auch
drei Kanalchen, oft bleiben dieselben aber auch ungetheilt. Zuletzt endigen sie blind und
ofter gehen auch zwei Kanalchen in einander iiber. Starker vergrofsert sieht man, dass
die Kanalchen, besonders gegen ihre blinden Enden hin, iiberall zahlreiche Aussackungen
besitzen. Bei noch starkerer Vergrb'fserung erkennt man, dass sie aus einer gleichformigeri
Tunica propria beslehen, und in ihrem Inneren eine feinkornige Masse enthalten, in welcher
ich keine Zellen oder Zellenkerne erkennen konnte. Die zweite Art von Driisen sind zahl-
reiche kleine und einfache Crypten, welche die ganze obere Schichte der Schleimhaut be-
setzen. Von ihnen sieht die Schleimhaut, wenn man sie von oben betrachtet (Fig. 47.),
wie durchstochen aus. Aufserdem ist endlich die Schleimhaut des Uterus noch von einem
Epithelium bekleidet, welches aus sehr kleinen Flimmercylindern besteht. Die Flimmerbewe-
gung, die sie hervorbringen, ist indessen meistens aufserordentlich schwach, ja ich habe mich
b'fter nicht von ihrem Vorhandensein iiberzeugen kbnnen.

Wir haben nun oben gesehen, so lange bis die Eier bereits einen Durchmesser
von 2 2y 2 Linien erhalten haben und an ihrer Oberflache noch keine Zotten besitzen,
liegen sie ganz frei im Uterus und man bemerkt an der Schleimhaut desselben gar
keine Veranderung, aufser dass dieselbe iiberhaupt zu dieser Zeit turgescirender, blutreicher,
sammetartiger als zu anderen Zeiten ist. Wenn da gegen die Eier jene Grofse erreicht
haben, so entwickelt sich die Schleimhaut an dieser Stelle, wo die Eier sich befmden,
schnell sehr stark, so dass sie hier bald einen bedeulend nach innen vorspringenden
Wulst bildet. Betrachtet man dieselben an der freien Flache genau, so bemerkt man hier
eine grofse Zahl kleiner Locherchen schon mil unbewaffnetem Auge, und bald, wenn das
Ei mil seinen Zotten und dieser Wulst immer mehr zugenommen haben, kann man sich
iiberzeugen, dass die Zotten des Chorions in diese Locherchen hin ein ra gen (Fig. 48.). An-
fangs lassen sich die Zotten des Chorions nach einiger Maceration noch leicht aus jenen
Locherchen herausziehen, bald aber gelingt dieses nicht mehr so leicht, sondern man be-
werkstelligt dann viel leichter eine Trennung der ganzen angeschwollenen Partie der
Schleimhaut des Uterus, welche auf dem Eie sitzen bleibt. Diese zeigt sodann ein Blaschen-
oder Maschen-artiges Ansehen, und die Trennung dieser Schichte erfolgt uni so leichter, je
weiter das Ei entwickelt Jst. Sie bildet die Placenta des Hundeeies. Untersucht man einen
Querschnilt der Schleimhaut an der giirtelformig angeschwollenen Stelle, so iiberzeugt man
sich, dass die Anschwellung hier zwar auch durch nur succulente Infiltration des ganzen



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Gewebes, vorziiglich aber durch die sehr starke Entwicklung der oben beschriebenen Ute-
rindriisen gebildet wird. Die kleinen Locherchen, welche man an der freien Flache sieht,
sind die Miindungen jener Uterindriisen , und in sie hinein senken sich die Zotten des
Chorions.

Dieses A lies la^st sich nur in friiher Zeit, wenn weder die Entwicklung der Uterin-
schleimhaut und ihrer Driisen , noch die der Zotten des Chorions schon weit gediehen ist,
ermitteln. Spater gelingt es nicht mehr, das Verhaltniss mit Sicherheit zu entrathseln.
Allein es unterliegt keinem Zweifel, dass sich dasselbe in derselben Art weiter fortbildet,
wie man es anfangs deutlich erkennen kann. Die Uterindriisen wachsen fort und fort und
mit ihnen die wie in einer Schcide in ihnen steckenden Zotten des Chorions. Beide trei-
ben zahlreiche seitliche Aestchen und Ausbuchtungen hervor, und gehen daher bald eine
ohne Zerreifsung unauflosliche Verbindung ein. Auch in den Zotten verbreiten sich die
Gefafse des Fotus, die Nabelgefafse, und die Arterien gehen in Schlingen in die Venen
iiber. Zwischen den Uterindriisen verbreiten sich auf gleiche \Veise die Blutgefafse der
Mutter, deren Uterinarterien hier auch durch ein Capillarnetz in die Uterinvenen iibergehen.
Miitterliche und kindliche Gefafse stehen nirgends in unmittelbarer Verbindung. Das Ganze
bildel die giirtelformige Placenta, an der man daher einen miitterlichen Antheil, gebildet
vorziiglich von den stark entwickelten Uterindriisen und Uteringefa'fsen, und einen kindlichen
Antheil, gebildet von den Zolten des Chorions und den sich auf ihnen verzweigenden Nabel-
gefafsen, unterscheiden kann. Miitterliches und kindliches Blut gehen in Capillarstromchen
an einander vorbei. Die Zotten des Chorions sind nicht in venose Sinus der Uterinvenen
eingesenkt, sondern in die sinuosen und sehr vergrb'fserten Uterindriisen. Beide Theile der
Placenta sind in spaterer Zeit so innig mit einander verschmolzen, dass sie sich nicht von
einander Irani en lassen, sondern der miitterliche Theil stb'fst sich unter Zerreifsung der
verbindenden Gefafse und Fasern und des oberen Theiles der sehr entwickelten Driisen ab.
Der Uterus hiiutet sich an dieser Slclle wirklich, sowie auch eine Regeneration der Schleim-
haut und ihrer Driisen hier eintritt.

Man hat diesen ganzen Vorgang und das Verhaltniss bis jetzt meistens nicht richtig
erkannt. Die meisten Schriftsteller sprechen auch bei dem Eie des Hundes von einer De-
cidua. Versteht man darunter, wie gewb'hnlich, eine von dem Uterus ausgehende, durch
eine Exsudation von seiner Schleimhaut gelieferte Eihiille, so muss ich eine Decidua bei
dem Hunde durchaus in Abrede stellen. Sollte es sich aber bestatigen, dass auch die
Decidua des menschlichen Uterus vorziiglich nur durch die entwickelten Uterindriisen ge-
bildet wird; und auch die menschliche Placenta nichts Anderes ist als eine innige Verbin-
dung der stark entwickelten Zotlen des Chorions und dieser Uterindriisen, so wiirde freilich
die Bildung bei dem Hunde ganz analog sein. Einen vollkommenen Ueberzug, wie das
Ei des Menschen, wo man deshalb die Decidua auch eine Eihaut nennen muss, bekommt
indessen das Ei des Hundes nie, und auch in diesem Sinne muss ich sie durchaus in Ab-
rede stellen. Nur wer die Placenta iiberhaupt fur einen starker entwickelten Theil der
Decidua erklart, kann behauplen, dass der Hund auch eine Decidua habe.



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Hr. v. Baer hat in seinen: Untersuchungen iiber die Gefafsverbindung zwischen Mut-
ter und Fruchl S. 20. den Bau der Placenta des Hundes nur insofern aufgeklart, als er
den Mangel einer unmittelbaren Communication der Gefafse von Mutter und Frucht auch
fiir den Hund nachwies. Dennoch entging es ihm niclit, dass der Mutterkuchen nur die
verdickte Schleimhaut des Uterus ist, obgleich es ihn befremdete, dass die u'brige Schleim-
haut des Uterus gegen diesen zirkelformigen Theil begrenzt erscheint (S. 22}. Dieses ist
eben nur von der begrenzten starkeren Entwicklung der Uterindrusen abhangig.

Hr. Eschricht in Kopenhagen (De orgariis quae respirationi et nutritioni foetus mam-
maliurn inserviunt. Hafniae 1837. p. 13. et sqq.) will bei der Katze einen andern Bau
der Placenta gefunden haben, als er mir bei dem Hunde erschien. Nach demselben ent-
wickelt namlich die Schleimhaut zahlreiche zarte Falten, welche zwischen ahnliche von der
Oberflache des Chorions ausgehende Falten iiberall fmgerformig eingreifen. Beide Systeme
von Falten tragen ein Capillarnetz, in welchem also das miitterliche Blut an dem kindlichen
vorbeigefiihrt wird. Jene von der Schleimhaut des Uterus ausgehenden Falten sind aufser-
dem nach Eschricht's bestimmter Angabe nicht die entwickelte Schleimhaut des Uterus
selbst, sondern ein Exsudationsproduct derselben, denn er will nach Entfernung der Pla-
centa uterina an dieser Stelle die Schleimhaut des Uterus noch erkannt haben. Aufserdem
sollen sich ubrigens nach ihm (p. 40.) auch bei der Katze die Uterindrusen fmden.

Dagegen stimmen meine Beobachtungen ganz mil denen des Hrn. Sharpey iiberein,
welche derselbe in einer Note zu Dr. Baly's Translation of J. Miiller's Physiologie
mitgetheilt hat. Derselbe giebt dort auch an, dass sich die Kanalchen der Uterindrusen
in Folge ihrer eintretenden starkeren Entwicklung, dicht ehe sie sich auf der Schleimhaut
miinden, jede zu einer Zelle erweitern, welche mil einer grauweifsen Fliissigkeit erfiillt
ist und aus welcher der Driisenkanal sich mit einer feinen Oeffnung weiter in die Tiefe
fortsetzt. In diese Zelle senkt sich die Zotte des Chorions ein, welche anfangs hohl ist.
Nur diese Zelle schickt, nach Sharpey, auch weitere seitliche Fortsatze aus, in welche sich
die Verlangerungen der Zotten hineinziehen. Auch ist es nur dieser Theil der Druse,
welcher bei der (Jreburt abgestofsen wird. Der tiefer liegende Theil bleibt zuriick.

Ich habe mich von diesem speciellen Verhalten ebenfalls genau iiberzeugt, wie meine
beiden Abbildungen Fig. 49 u. 50 zeigen. Sie sind aus einer friihen Zeit genommen,
wo die Entwicklung der Placenta eben anfangt. Man sieht hier, dass zwar auch die gan-
zen Uterindrusen sich starker ausgebildet haben, allein vorzugsweise ist es der friiher mehr
gestreckt verlaufende Anfangstheil des Kanals, der eine zellenfdrmige sehr bedeutende Er-
weiterung erfahren hat. Aber auch die kleineren Crypten der Uterinschleimhaut bilden
sich sehr stark aus und auch in sie senken sich die Zotlen des Chorions hinein, die Jch
ganz deutlich aus jenen Verliefungen herausziehen konnte. Uebrigens bin ich nicht der
Meinung, dass man von diesem erkannten Baue der Placenta des Hundes sogleich einen
Schluss auf den Bau der Placenta iiberhaupt, auch bei anderen Thieren und dem Men-
schen ziehen diirfe. Yielleicht kann es sich selbst bei der Katze anders, und sowie Hr.
Eschricht es beschreibt, verhalten. Es ist mir wenigstens nicht mo'glich gewesen, bei



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dem Kaninchen die Uterindriisen zu fmden, obgleich E. H. Weber (Hildebrandt's Ana-
tomie Bd. IV. S. 507.) sie auch bei diesem gesehen haben will, und ihre Entwicklung nach
Rei chert auch hier die Placenta bilden soil (J. M filler's Archiv 1842, Jahresbericht,
S. CXXX. Anm.). Sie sollen nach Weber hier nicht die Form von Schlauchen, sondern
von ovalen Sackchen haben, welche sich mil einer ziemlich engen Oeffnung auf dem Boden
von unregelmafsigen flachen Zellen offnen, die die innere Oberflache des Uterus, da wo
das Ei ihm anliegt, bildet. Dieses stimmt fast mil Sharpey's Angabe beim Hunde
iiberein. Ich glaubte dagegen bei dem Kaninchen eine deutliche Erhebung der Schleimhaut
in zahllose feine, von einem Capillarblutgefafsnetze iiberzogene Faltchen zu erkennen, in
welche sich das Chorion rait seinen Gefafsen zur Bildung der Placenta einsenkte, ahn-
lich wie Eschricht dieses als allgemein beschreibt. Bei dem Menschen, bei welchem,
nach den Angaben von E. H. Weber (Muller's Physiologie Bd. II. S. 710.), Sharpey
und J. Ried (1. c. ), die Uterindriisen ebenfalls vorhanden sind und sowohl die Decidua
als Placenta bilden, hatte ich dieselben friiher nicht auffmden konnen (Entwicklungsge-
schichte der Siiugethiere und des Menschen. S. 90.). Allein in einem neueren Fa lie von
hochstens 14t;igiger Conception, den ich gesondert bekannt zu machen gedenke, habe ich
nicht nur diese Uterindriisen, sondern auch die Entwicklung der Decidua vorzugsweise
durch ihre starke Ausbildung auf das Bestimmteste beobachtet.



Ich bemerke hier noch zum Schlusse, dass in der Regel bei der Beschreibung der
Embryonen vorne das Kopfende, hinten das Schwanzende, oben die Riickenseite, unten
die Bauchseite bezeichnet. In einigen Fallen, wo es sich von selbst leicht ergeben wird,
schien es passender, die Beschreibung so zu geben, wie der Embryo vor dem Beschauer
auf dem Riicken oder Bauche lag, wo dann oben das Kopfende, unten das Schwanz-
ende, vorn und hinten Bauch- oder Riickenseite bezeichnet.



Resultate.



Aus vorstehenden Untersuchungen iiber die Entwicklung des Hunde-Eies und -Fotus


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