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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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hebe ich folgende Resultate als die vorziiglichslen kurz hervor.

1. Das unbefnichtete Ei des Hundes im Eierstocke besteht, wie das aller Saugethiere,
ja wie aller Thiere iiberhaupt, aus einer Dotterhaut (Zona pellucida), Dotter, Keimblascheri
und Keimfleck. Bei seiner geringen Grofse V 10 y i5 P. L. % 7 / 50 Millim. ist es auf
eigenthiimliche \Veise in den Eierstock eingelagert, namlich in eine das Innere des Graaf-
schen Follikels auskleidende Zellenlage, deren nachste das Ei umgebende Partie als soge-
nannter Discus proligerus an der Zona haften bleibt.

2. Dieses Ei des Hundes reift zu gewissen periodischen Zeiten in dem Eierstocke,
wahrend der sogenannten Brunst. Als Zeichen dieser Pieife kann man betrachten, dass
der Graaf'sche Follikel ungewb'hnlich arischwillt, dass das Ei etwas grb'fser und volier
erscheint, dass die Zellen des Discus proligerus sich in ft'ine Fasern auszuziehen anfangeo,
und zuletzt auch das Keimblaschen verschwindet. Letzteres geschieht indessen zuweilen
erst dann, wenn das Ei den Eierstock schon verl.'issen hat. \Vas dabei aus dern Keiraflecke
wird, ist noch ungewiss.

3. Wenn das Ei vollkommen reif ist, verlasst es den Eierstock und gelangt in den
Eileiter, ganz unbekummert darum, ob die Begattung stattgefunden hat, oder nicht. Findet
die Begattung nicht Statt, oder hindert man das Vordringen des Saamens zum Eie, so lost
sich das Ei unbemerkt auf. Da indessen zu dieser Zeit sich der Geschlechtstrieb lebhaft
aufsert, so erfolgt im Naturzustande gewbhnlich immer die Begattung und Befruchtung.
Sie kann schon erfolgen, wenn auch das Ei noch irn Eierstocke sich befindet, so dass der
Saamen Zeit hat, bis auf den Eierstock vorzudringen und das Ei hier zu befruchten. Sie
kann aber auch spater erfolgen, wenn das Ei schon in den Eileiler eingedrungen ist. Ei
und Saamen begegnen sich dann im Eileiter, und das Ei scheint hier noch 6 8 Tage,
nachdem es den Eierstock schon verlasen hat, befruchtungsfa'hig zu sein. Allein im Ende
des Eileiters muss die Befruchtung immer erfolgen, da hier die Entwicklung des Eies schon
beginnt, sonst geht das Ei zu Grunde.



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4. Die Zahl der Eier, welche bci einer Brunst den Eierstock verlassen, ist verschieden ;
immer aber treten sie fast zu gleicher Zeit, nie in Zwischenraumen von Tagen, aus, befm-
den sich immer dicht bei einander im Eileiter und fast immer in ganz gleicher Beschaffenheit.
Nicht immer aber trefen alle Eier aus alien angeschwollenen Graaf'schen Blaschen aus, sondern
zuweilen bleibt eins und das andere der letzteren geschlossen und wird wieder zuriickgebildet.

5. Von der inneren Oberflache des reifen Graaf'schen Follikels entwickelt, sich schon
ehe das Eichen ausgetreten ist, eine eigenthiimliche Substanz unter der Form von Granu-
lationen, welche, nachdem dann der Follikel sich geb'ffnet hat und das Ei ausgetreten ist,
den sogenannten gelben Kbrper bildet. Dieser ist immer ein sicheres Zeichen, dass ein
Graafscher Follikel und ein Ei gereift sind, jener sich eroffnet hat, und dieses ausgetreten
ist; aber er ist kein Zeichen von stattgefundener Begattung und Befruchtung. Die Zahl
der gelben Korper entspricht nicht immer der Zahl der ausgetretenen Eier, da zuweilen
ein Graaf'scher Follikel zwei und vielleicht selbst mehr Eier enthalt.

6. Bei der Befruchtung kommt der Saamen immer in materielle Beriihrung mit dem Eie.
Man fmdet zuweilen die Spermatozoiden, noch sich lebhaft bewegend, in ansehnlicher Zahl
auf dem Eierstocke, immer aber im Eileiter und auf den Eiern. Es ist aber weder erwie-
sen, noch wahrscheinlich, dass ein Spermatozoide in das Ei eindringt. Die Wirkung des
Saamens scheint eher eine chemische zu sein und die Bestimmung der Spermatozoiden, die
Mischung des Saamens durch ihre Bewegungen zu erhalten, auch zugleich die Trager des-
selben abzugeben.

7. Im Eileiter verschwinden die die Zona pellucida bedeckenden Zellen des Discus
proligerus allmalig. An ihrer Stelle bildet sich aber beim Hunde kein Eiweifs um
die Zona, sondern diese bleibt nackt die aufsere Eihaut. Das Eichen wird nur, wahrend
es durch den Eileiter hindurchgeht, etwas grofser.

8. Im unteren Ende des Eileiters beginnt als erste bestimmte Entwicklungserscheinung
des Eies ein in einer geometrischen Progression mit dem Factor Zwei fortschreitender
Theilungsprocess des Dotters in Jmmer kleiner werdende Kugeln.

9. Diese Dotterkugeln sind keine Zellen, sondern Agglomerate der Dotterkb'rnchen
ohne eine Hiille. Jede enlh'alt in ihrem Inneren ein belles Blaschen, einem Fettblaschen
ahnlich, ohne Kern.

10. Was diesen Theilungsprocess des Dotters bedingt und wo die hellen Blaschen
im Inneren der Kugeln herriihren, ist noch ungewiss. Es scheint aber, dass die Theilung
des Dotters und der Kugeln von diesen Blaschen bedingt wird, und diese selbst aus dem
Keimblaschen oder dessen Kern ihren Ursprung nehmen.

11. Das Ei des Hundes scheint 8 10 Tage nach seinem Austritle aus dem Eier-
stocke zu gebrauchen, um durch den Eileiter hindurchzugehen. Diese Zeitrechnung ist
ungewiss, da man den Zeitpunkt des Austrittes des Eies, der nicht von der Begattung
abhangt, nicht kennen kann. V^enn die Hiindin sich nicht mehr belegen lasst, so ist das
Ei meistens im Ende des Eileiters angelangt. Ist es bereits im Uterus, so lasst sie sich
nie mehr belegen.



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12. Die Kraft e, welche den Saamen gegen den Eileiter hin befdrdern, sind theils
die Ejaculation selbst, wodurch er bis in die Spitze des Uterus gelangt; theils die Bewe-
gungen des Uterus und Eileiters; theils endlich die Bewegungen der Spermatozoiden. Die
Cilien des Epitheliums des Uterus und Eileiters haben daran keinen Antheil, da die Rich-
tung ihrer Schwingungen von innen nach aufsen erfolgt.

13. Die Krafte, welche das Ei aus dem Eierstocke in den Eileiter und durch diesen
hindurch fiihren, sind theils die Schwingungen der Cilien des Epitheliums des Trichters
und der Schleimhaut des Eileiters, theils die eigenen Bewegungen des letzteren.

14. 1m Uterus hat das Ei im ersten Anfange noch ganz das Ansehen wie im Eilei-
ter und der Theilungsprocess des Dotters schreilet noch fort. Dann aber verwandeln sich
jetzt die immer kleiner gewordenen Dotterkugeln in Zellen, indem sie sich mil einer zarten
Membran umgeben. Die Kerne dieser Zellen sind jene hellen Blaschen im Centrum der
Kugeln.

15. Diese aus den Dotterkugeln entstandenen Zellen vereinigen sich sehr baldunter
eiriander und, Jndem ihre Zahl sich dabei vermehrt, stellen sie durch ihre Verschmelzung
und Abplaltung eine sehr zarte, der Innenflache der Zona dicht anliegende Membran dar,
welche daher als ein Blaschen erscheint, und von mir Keimblase genannnt wird.

16. \Vahrend dieses Vorganges wachst das Eichen durch Aufnahme von Flussigkeit
sehr schnell. Es wird vollkommen durchsichtig und nur bei starker Vergrb'fserung sieht
man, dass die Dotterkdrnchen in concentrischen Ringen urn die Kerne der Zellen der Keim-
blase gruppirt sind. Wie die Vermehrung der Zellen erfolgt, ist ungewiss; nur sieht man,
dass in gleichem Grade die Zahl der Dotterkdrnchen abnimmt, und diese endlich ver-
schwinden.

17. Die Zona pellucida oder Dolterhaut dehnt sich bei dem Wachsen des Eies be-
deutend aus, so dass sie ihre beiden Contouren verliert, und eine sehr feine textur- und
structurlose Membran wird. Aber sie bleibt noch fortwahrend allein die aufsere Eihaut,
und auch im Uterus erhalt das Hundeei kein Eiweifs umgebildet.

18. An einer Stelle der Keimblase bemerkt man, sobald sie sich aus den Dotterku-
geln zu bilden anfangt, einen runden dunkeln Fleck, den Fruchthof, in welchem die
Entwicklung des Embryo beginnt.

19. Das Eichen besteht also sodann im Anfange seines Aufenthaltes im Uterus aus
zwei in einander eingeschlossenen wasserhellen und einander dicht anliegenden Blaschen,
aus der Zona und Keimblase mil dem Fruchthofe der letzteren. Es liegt vdllig frei im
Uterus und begiebt sich allmalig an diejenige Stelle des Uterus, wo es sich spater an-
heftet. Die Krafte, welche die Vertheilung der Eier im Uterus bewirken, sind ganz unbe-
kannt, denn kein Organisationsverhaltniss des Uterus, der bis dahin ganz unverandert ist,
nimmt daran Theil. Allein es ist sehr merkwurdig und sicher bewiesen, dass nicht so sehr
selten die Eier der einen Seite durch den Kdrper des Uterus hindurch auf die andere Seite
wandern, um sich gleichmafsiger vertheilen zu konnen.

20. Wenn das Eichen eine Grdfse von I 1 /, 2 P. L. = 3 4 J / 2 Millira. erlangt






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hat, so kann man sicli iiberzeugen, dass an der Innenflache der Keimblase, von dem Frucht-
hofe sich nach und nach immer welter ausdehnend, eine zweite Zellenlage sich bildet, so
dass die Keimblase jetzt zwei Blatter besitzt, deren aufseres das an i male, das innere
das vegetative Blatt genaunt wird} weil sich in dem dem ersteren angehorenden Theile
des Fruchthofes die aninialen Organe , in dem dem letzteren angehorenden die vegetativen
Organe des Embryo bilden. Diese beiden Blatter sind Gegenstande der Demonstration,
nicht hypothetisch. Wahrscheinlich entsteht sehr bald zwischen ihnen noch eine dritte
Zellenlage, in welcher sich die Gefafse bilden, daher das Gefafsblatt. Doch kann dieses
erst spa'ter demonslrirt werdeu, wahrend ihm za dieser Zeit wahrscheinlich eigenthiimlich
gestaltete sternformige Zellen der Keimblase angehoren.

21. Der Fruchthof, bis gcgen den 20sten und 21sten Tag nach der ersten Begat-
tung eine gleichformige Zellenansammlung, fangt nun an, sich in seiner Mitte aufzuhellen,
und man unterscheidet einen dunkeln und hellen Fruchlhof.

22. In dem hellen Fruchthofe erscheint die erste Spur des Embryo als eine erst
elliplische, dann bisquit- und guitarrenfdrmige Lage von Zellen in dem animalen Blatte,
welche in ihrer Lagenaxe von eirier hellen Furche durchzogen ist. Die beiden Ansamm-
lungen zu beiden Seiten dieser Furche sind bestimmt, die Leibeswandungen des Embryo
zu bilden, und heifsen in ihrer die Furche zunachst begrenzenden Partie die Rue ken-
pi a I ten, in der nach aufsen liegenden die Bauch- oder Visceralplatten. Die Furche
heifst die Primitivrinne.

23. Die erste Spur des Embryo besteht also in der That aus zwei Halften.

24. In der Primitivrinne bildet sich das Centralnervensystem, Ruckenmark und Ge-
hirn, als erstes bestimmt als solches erkennbares organisches System. Das Ruckenmark
entsteht weder aus dem Gehirn, noch dieses aus jenem , sondern beide sind differenzirte
Theile des indifferenten Urgebildes.

25. Nach dem Centralnervensystem entwickelt sich zunachst das Herz - und Blutge-
fa'fssystem. Auch hier ist weder das Herz noch die Gefafse, weder Arterien noch Venen
das Prim a re, keines enlsteht aus dem andern, sondern auch sie sind gleichzeilige differente
Producle einer urspriinglich indifferenten Zellenlage.

26. Zulelzt entsteht aus dem centralen Theile des vegetativen Blattes der Keimblase
das Darmsyslem, d. h. Darm, Lungen, Leber, Pankreas etc.

27. Die Art, wie diese Systeme und die zu ihnen gehb'renden Organe entstehen und
sich weiter entwickeln, ist bei dem Hunde nicht anders, als bei anderen Saugethieren und
den Vogeln. Die Entwicklung schreitet, nachdem die erste Spur des Embryo erschienen
ist, so rasch fort, dass nach 48 Stunden die drei Hauptsysteme angelegt sind.

28. Unterdessen dass der Centraltheil der Keimblase, der Fruchthof, sich zum Em-
bryo entwickelt, metamorphosiren sich ihre peripherischen Theile zu den Eihauten.

29. Der peripherische Theil des animalen Blattes umhiillt zunachst als Amnion
den Embryo, und legt sich sodann mit seinem iibrigen Theile als sogenannte serose Hiille
an die Zona an, um mit dieser vereinigt die aufsere Eihaut zu bilden, auf welcher die

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Zotten als anfangs hohle Zellenproductionen sich bilden, welche in die Miindungen der Ute-
rindriisen eindringen.

30. Der peripherische Theil des Gefafs- und vegetaliven Blattes bildet, wahrend der
Centraltheil Darm wird, die Nabelblase, die bei dem Hunde bis an's Ende des Eilebens
persistirt.

31. Aus dem unteren Ende des Embryo wie es scheint, dem Gefafs- und vegetati-
ven Blatte der Keimblase angehorend bricht die Allantois hervor. Sie ist in ihren er-
sten Rudimenten eine doppelte Zellcnproduction, die sich aber bald in eine die Nabel-
gefafse tragende Blase umwandelt. Sie legt sich an die aufsere Eihaut an, wachst
allmalig im Inneren des Eies um Embryo, Amnion und Nabelblase herum und fiihrt so
der aufseren Eihaut und dem Amnion Blutgefafse zu.

32. Das Chorion entsteht sonach aus einer Vereinigung und Verschmelzung der Zona
pellucida oder Dottcrhaut mit dem peripherischen Theile des animalen Blattes oder der
serb'sen Hiille und mit der Allantois.

33. Wo die Allantois die serose Hiille und Zona zuerst beriihrt, da bilden sich
ihre Gefafse durch letzlere hindurch in deren Zotten hinein, und stellen mit diesen in
ihren zahllosen Verzweigungen den kindlichen Theil der Placenta dar.

34. Der miitterliche Theil der Placenta besteht aus den stark entwickelten Uterin-
. driisen und den sich zwischen diesen verbreitenden Uterin-Blutgefafsen. Beide Theile

greifen in einander und stellen ohne eine directe Gefafsverbindung zu unterhalten, den
ganzen Mutterkuchen dar, welcher sich bei dem Hunde, wegen des starken Wachsens der
Pole des Eies im Verhaltnisse zu dem mittleren Theile, als ein Giirtel gestaltet.

35. Auch die Beobachtimg der Entwicklungsweise des Hunde -Eies und Embryo be-
statigt den Satz, dass alle thierischen wie organischen Gebilde uberhaupt sich aus Zellen
entwickeln.



Beschreibung der Abbildungen.



JL)ie nachfolgenden Zeichnungen sind sammtlich von mir selbst nach der Natur und zum Theil mit
der Camera lucida gezeichnet worden. Die ersten 28 Figuren sind auch von mir so ausgefiihrt worden,
wie sie vorliegen. Die spateren aber sind nach meinen Originalzeichnungen und grofsentheils auch nach
meinen Praparaten von Hrn. Schutter in Bonn unter meiner unmittelbaren Leitung ausgefiihrt worden.
Ich glaube, dass dieselben sich von technischer Seite von selbst empfehlen werden, wahrend ich versichern
kann, auf ihre Treue alle Sorgfalt gewendet zu haben.

Die ersten 26 Figuren sind alle lOOmal vergrb'fsert. Die spateren sind meistens lOmal oder 250mal
vergrofsert, doch werde ich hier jedesmal die Vergrbfserung genauer angeben.

Ich bemerke ferner, dass mit wenigen leicht bemerklichen Ausnahmen alle Figuren bei Beleuchtung
von unten, also bei durchfallendem Lichte gezeichnet sind, wobei alle dichteren Partien dunkel, die diin-
neren hell erscheinen. Dieses verhalt sich bei der Mehrzahl meiner Abbildungen zu der Entwicklungs-
geschichte des Kanincheneies gerade umgekehrt, worauf also bei etwaiger Vergleichung zu achten ist.



Tabula I.

Fig. 1. Ein Eierslockei des Hundes. Der dunkele Dotter (d) ist umgeben von dem hellen Ringe,
der Zona pellucida (c), das ganze Ei aber eingelagert in die aus Zellen zusammengesetzte Membrana
granulosa (a), deren dichter um das Ei angehaufte Zellen (i) den Discus proligerus bilden.

Fig. 2. Dasselbe Ei, von den die Zona pellucida umgebenden Zellen der Membr. granulosa und
des Discus proligerus gereinigt.

Fig. 3. Dasselbe Ei, mit einer Nadel durch Einschneiden der Zona pellucida eroffnet. Der aus
Kb'rnchen gebildete Dotter fliefst aus und mit ihm ein kleines wasserhelles Blaschen (a), das Keimblas-
chen, in welchem der Keimfleck zu bemerken ist.

Fig. 4. Ein Eierstockei einer briinstigen Hiindin aus einem sehr angeschwollenen Graaf'schen
Follikel. Charakteristisch und besonders bemerkenswerth an ihm ist, dass die Zellen des Discus proligerus
alle nach einer Seite in Fasern ausgezogen sind, welche mit ihren Spitzen auf der Zona pellucida auf-
sitzen und dem Eie dadurch ein eigenthiimliches strahliges Ansehen geben.

16 *



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Fig. 5. Dasselbe Ei von den der Zona ansitzenden Faserzellen grbfstentheils gereinigt. Man
sieht nun den Dotter an elner Stelle von der inneren Flache der Zona etwas zuriickgewichen und hier
das Keimblaschen mit einem Segmente aus der Dottermasse hervorsehen.

Fig. 6. Dieses Ei mit der Nadel geb'ffnet, wobei das Keimblaschen ganz unverletzt und unver-
a'ndert zu Tage trat.

Fig. 7. Ein Ei ganz aus dem Anfange des Eileiters. Es gleicht einem Eierstockei (Fig. 1.) fast
vollkommen, indem die faserige Beschaffenheit der Zellen des Discus wieder ganz verloren gegangen ist;
nur bemerkt man, dass diese Zellen anfangen mit einander zu verschmelzen und sich aufzulbsen.

Fig. 8. Ein Ei desselben Stadiums, an welchem eine Formveranderung an dem Dotter zu bemer-
ken ist, welche sich zu dieser Zeit meistens aber auf verschiedene Weise ausgebildet fmdet.

Fig. 9. Ein solcbes Ei von den Zellen des Discus gereinigt und mit der Nadel geb'ffnet. Auch
auf diesem Stadium sah ich dann mehrere Male, aber nicht immer, das Keimblaschen oder wenigstens eine
Him ganz ahnliche Zelle aus dem Dotter austreten. An letzterem bemerkt man ein compacteres Zusam-
menbaften der Dotterkbrner, welcbes durch eine Condensation ibres Bindemittels bedingt sein muss.

Fig. 10. Ein Ei u'ber einen halben Zoll von dem Uterus -Ende des Eileiters. Es ist nocb von
ansebnlichen Resten des Discus umgeben, dessen Zellen indessen unter einander schon sehr verschmolzen
sind. Man sieht die Zona deutlich durchscbeinen, und auf ihr befmden sich zahlreiche Spermatozoiden.
Der Dotler fiillt die Zona nicht vollig aus und hat eine auffallende achleckige Form angenommen.

Fig. 11. Ein Ei derselben Hiindin. Die Zellen des Discus sind von ihm noch mehr verschwun-
den; Spermatozoiden bedecken die Zona, der Dotter ist in zwei Halften zerlegt und neben denselben be-
finden sich noch zwei kleine Kbrnchen oder Blaschen in der Zona.

Fig. 12. Ein Ei 4 y// von dem Ostium uterinum im Eileiter. Die Zellen des Discus haben nocb
mehr abgenommen, Spermatozoiden bedecken die Zona, der Dotter erscheint in drei Kugeln zerlegt, neben
denen sich noch ein kleineres Kbrnchen oder Blaschen innerhalb der Zona befindet.

Fig. 13. Ein Ei derselben Hiindin, in welchem der Dolter in vier Kugeln zerlegt war. Neben
Union wieder ein Blaschen innerhalb der Zona.

Fig. 13*. Dasselbe Ei auf dunkelem Grunde bei auffallendem Lichte.

Fig. 14. Ein Ei derselben Hiindin, 24 Stunden spa'ter mit dem Eileiter ausgeschnitten, 3"' vom
Ostium uterinum. Die Zellen des Discus sind jetzt fast, ganz verschwunden. Spermatozoiden bedecken
die Zona, 10 Kugeln des Dotters sind deutlich zu erkennen; neben ihnen zwei kleine Blaschen im Innern
der Zona.

Fig. 14*. Ein Ei auf dunkelem Grunde bei auffallendem Lichte, 2 /y/ von dem Ost. uterinum im
Eileiter, dessen Dotter in 8 Kugeln zerlegt war.

Tabula. II.

Fig. 15. Ein Ei 2"' von dem Ost. uterinum im Eileiter, fast ganz ohne die Zellen des Discus,
mit Spermatozoiden bedeckt, der Dotter in 18 sichtbare Kugeln zerlegt.

Fig. 15*. Dasselbe Ei auf dunkelem Grunde bei auffallendem Lichte.

Fig. 16. Ein Ei iy 2 2 Zoll im Uterus, der Discus ist ganz verschwunden. Das Ei ist grbfser,
die Zona dicker geworden; auf letzterer befmden sich Spermatozoiden. Die Zahl der Dotterkugeln ist
so grofs, und sie decken sich so, dass sie sich nicht mehr zahlen lassen.

Fig. 17. Ein Ei aus dem unteren Ende des Eileiters, gesprengt und etwas gedrlickt, so dass die
Kuijeln axis der Zona zum Theil austreten und nun in alien ein sehr heller Fleck oder Blaschen zum

O

Vorschein koinmt, Rechts ist ein solches Blaschen (a), welches nur mit wenigen Dotterkbrnchen
besetzt ist.



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Fig. 18. Eine Partie der Exsudatkugeln und Zellen, atis denen der gelbe Kbrper sich bildet, mit
der Camera lucida, 370mal vergrbfsert , gezeichnet. Die Eier waren in diesem Falle eben in den Eileiter
eingetreten.

Fig. 19. Ein Ei aus dem Anfange des Uterus. Die Zahl der Dotterkugeln hat sich vermehrt, in
der Mitte fangt die von ihnen gebildete Masse an sich aufzuhellen, wahrscheinlich durch Aufnahme von
Fliissigkeil in die einzelnen Kugeln und Expansion derselben dadurch.

Fig. 20. Ein Ei derselben Hiindin. Die von den Dotterkugeln gebildete Masse ist unregelmafsig
gestaltet; eine der Dotterkugeln hat so viel Fliissigkeit in sich aufgenommen , dass dadurch die Dotter-
kb'rnchen derselben soweit von einander entfernt sind, dass das in ihrem Innern eingeschlossene helle
Blaschen sichlbar wird und die einzelnen Dolterkbrnchen in concentrischen Kreisen um dasselbe herumge-
stellt erscheinen.

Fig. 21. Ein etwas weiter entwickeltes Ei, in welchem der erwahnte Process sich in noch mehr
Dotterkugeln ausgebildet hat. Ein grofser Theil der Dotterkugeln erscheint jedoch noch dunkel.

Fig. 22. Ein Ei, in welchem fast alle Dotterkugeln bis auf einige wenige die genannte Verande-
rung erlitten haben. An einer Stelle ist ein Haufen der Kugeln indessen unverandert geblieben und sic
bilden den runden und gleichmafsig dunkeln Fruchthof.

Fig. 23. Dasselbe Ei, nachdem es eine Zeit lang in Wasser gelegen. Die Dotterkbrnchcn sind
wieder sammtlich durch den Einfluss des \Vassers zu einer dunkeln Masse zusammengetreten, indem sie
ihre regelmafsige Stellung in concentrischen Kreisen um das helle Centralblaschen herum verloren haben.

Fig. 24. Ein etwas alteres Ei, nachdem es eine kurze Zeit in "Wasser gelegen. Hier zeigt es
sich, dass diese Kb'rnerringe alle in einer feinen Membran an der Innenflache der Zona ausgebreitet waren,
welche sich durch Endosmose von der Zona trennte. Die Kdrnerringe verloren dabei ihre regelmafsige
Stellung in concentrischen Ringen. Da in dieser zarten Membran auch der Fruchthof liegt, so nenne ich
sie die Keimblase.

Fig. 25. Ein Stuck der Keimblase eines Eies desselben Stadiums, mit der Camera lucida, Sjstem
Nro. 7 von Oberhauser, gezeichnet.

Fig. 26. Ein Stuck der Keimblase desselben Eies, nachdem die Zona gebffnet und die Keimblase
herausgenommen war. Man sieht, dass sie aus sehr zarten Zellen zusammengesetzt ist, in deren Innerem
die Dotterkornchen sich befinden.

Tabula III.

Fig. 27. A. Ei aus der oberen Ha'lfte des Uterus in natiirlicher Grbfse 0,3 P. L. grofs, wasser-
hell; an einer Stelle bemerkt man mil unbewaffnetem Auge einen kleinen weifsen Punkt.

Fig. 27.1?. Dasselbe Ei , nachdem es einige Zeit in einer Fliissigkeit gelegen, bei 27maligcr
Vcrgrbfserung mit der Camera lucida von Oberhauser, gezeichnet. Die Zona pellucida hat sich zu
einer einfachen feinen aufseren Eihiille ausgedehnt. Von derselben hat sich im Innern die Keimblase uberall
losgelost und zusammengezogen. In derselben bemerkt man den Fruchthof als einen noch gleichmafsig
dunkeln runden Fleck. Ueber die ganze Oberflache erscheinen die Dotterkbrnchenringe als kleine Kreise
verbreitet,

Fig. 27. C. Ein Theil der Keimblase desselben Eies starker vergrbfsert, mit der Camera lucida,
Syst. Nro. 5, gezeichnet. Man sieht einen Theil des Fruchthofes, gebildet aus dunkelen Gruppen von
Dotterkbrnchen; aufserdem aber zerstreute I\inge von Dotlerkbrnchen um einen hellen Miltelpunkt.
Die Zahl der Kbrnchen und Ringe um jeden hellen Fleck ist noch ziemlich ansehnlich. Die Gruppen
derselben stehcn aber so weit aus einander, dass hier offenbar noch eine Zwischensubstanz an der Uildiing
der Keimblase Antheil haben muss. Ein eigentlicher Zellenbau ist an dieser Keimblase nicht zu erkcniien.



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Fig. 28. A. Ein Ei aus dem Uterus, 24 Slrmdcn alter als das vorige, ungefahr %|P. L. grofs.
Dasselbe bildet ebenfalls ein limpides Blaschen, an dem mil unbewaffnelem Auge em weifses Piinktchen
zu erkennen war.

Fig. 28. B. Dasselbe Ei, lOmal vergrofsert, nachdem es einige Zeit mit Fliissigkeit in Beriihrung
gewesen. Die Keimblase hat sicb iiberall stark von der aufseren Eiblase (Zona pellucida) getrennt und zu-
sammengezogen. An der Keimblase bemerkt man den dunkeln Frucbthof als einen runden Fleck. Zu-
gleich ist die Ausdehnung des vegetativen Blattes bis iibcr den grofsten Durcbmesser der Keimblase hinaus
deutlich zu bemerken.

Fig. 28. C. Ein Theil der Keimblase, starker vergrofsert, mit der Camera lucida, Sjst. Nro. 7,
gezeicbnet. Man sielit in der Mitte den Frucbthof, aus einer gleichmafsig dunkeln Anhaufung von
Moleciilen gebildet; iiber die ganze Keimblase sieht man Kornerringe in einfacher Reihe um einen hellen
Centralfleck herumgestellt verbreitet. Auch hier war ein Zellenbau im frischen Zustande nicht deutlich
zu erkennen.

Tabula IV.

Fig. 29. A 11. B. Zwei Eier aus dem Uterus, 1 und iy 2 L. grofs, nicht mehr ganz rund, iibri-
gens noch wasserhell mit einem weifsen , mit unbewaffnetem Auge erkennbaren Piinktchen, dem Frucht-
hofe.

Fig. 29. C. Eins dieser Eier, lOmal vergrofsert. Die Keimblase hat sich etwas von der Zona
getrennt. In ersterer erscheint der Fruchthof noch gleichmafsig dunkel und rund.

Fig. 29. 7). Die Stelle der Keimblase mit dem Fruchthofe, mit der Camera lucida, Sjst. Nro. 5,
gezeichnet. Der Fruchthof erscheint bei dieser starken Vergrb'fserung nicht mehr ganz rund, und man
bemerkt in ihm neben den kleineren Moleciilen zahlreiche grofse und kleinere Fettblaschen. Tn der tibri-


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