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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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sondern zeigte meistens eine Stelle, an welcher die Dottermasse ein wenig von der inneren
Flache der Zona zuriickgewichen war. Bei vier dieser EJer suchte Jch vergeblich nach
einem etwa noch vorhandenen Keimblaschen ; allein aus dem funften trat ein solches, als
ich es unter der Loupe mit einer f einen Nadel spaltete, ganz deutlich mit seinem Keim-
flecke heraus (Fig. 9.).

II. Bei der Hiindin, bei welcher ich am llten Juni 1843 die Eier unmittelbar nach der
ersten Begattung auf der linken Seite schon 2" in dem Eileiter, und 20 Stunden nachher
auf der andern Seite noch weiter fortgeriickt, aber noch nicht mit dem Saamen in Beriih-
rung fand, verhielten sich die Eier genau so, wie in dem eben beschriebenen Falle. Sie
glichen durchaus den Eierstockeiern, auch brachte ich aus einem das Keimblachen ganz frei
heraus, doch konnte ich an letzterem, trotz aller angewandten Miihe und Sorgfalt, keinen
Keimfleck entdecken. Bei den anderen Eiern verhinderte ein ungliicklicher Zufall, dass ich
sie so sorgfaltig untersuchen konnte, um iiber das Keimblaschen Sicherheit zu erhalten.
Uebrigens enthielt der linke Eileiter fiiinf Eier und auch der rechte fiinf; von letzteren
aber waren zwei ganz deutlich abortiv. Die Zona markirte sich an diesen nicht scharf
und der Doiter wurde nur von einer unregelmafsigen Masse weniger Dotterkornchen ge-
bildet.

III. Ganz iihnlich wie in diesem Falle verhielten sich auch die EJer bei einer Hiindin,
welche seit 20 Stunden belegt war, die sich aber schon fast in der Mitte der Eileiter befanden,
am 2ten Juni 1840. Von fiinf, welche sich auch hier vorfanden, konnte ich ebenfalls nur
bei einem unter dem Compressorium ein noch in ihm enthaltenes Keimblaschen entdecken.



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IV. Am 4ten Marz 1842 schnitt ich einer lebenden Hiindin, welche seit 20 Stunden
belegt sein sollte, den linken Eierstock und Eileiter aus. Die Wunde machte ich in der
Seite immer durch die Sehnen der Bauchmuskeln durchschneidend, und schloss dieselbe
nachher durch die Naht. Der Eierstock zeigte fiinf noch nicht stark hervorragende Cor-
pora lutea, an deren Spitze eine kleine Oeffnung, welche wasserhell aussah, zu bemerken
war. Alle fiinf Eier fanden sich 2", 5'" von dem Infundibulum dicht bei einander in
dem Eileiter. Alle glichen durchaus den reifen Eierstockeiern und hatten einen Discus
proligerus von runden Zellen um sich, in welchem sie 0,0078 0,0086 P. Z mafsen
(Fig. 7.). Der Dotter fiillte bei alien die Zona vollig aus, und hatte ziemlich iibereinstim-
mend einen Durchmesser von 0,0047 P. Z. Durch aufserst vorsichtiges Oeffnen dieser
Eier mittelst einer feinen Nadel und Anwendung eines gelinden Druckes gelang es mir,
aus dreien dieser Eier das Keimblaschen mit seinem Flecke darzustellen (Fig. 9.). Jenes
mafs 0,0014 P. Z., dieser 0,0007, war etwas oval, blass gelblich schimmernd, granulirt.
Eine Einschniirung an diesem Kerne, oder ein zweites Blachen in dem Keimblaschen oder
Dotter konnte ich nicht bemerken.

Sechs Stunden spa'ter liefs ich die Hiindin todten und uutersuchte nun auch den Eier-
stock und Eileiter der rechten Seite. Hier fanden sicb auch noch zwei Eier 1", 10'" vom
Infundibulum, aber denen vom Morgen ganz gleich. Sie waren nur etwas weniges grofser
und mafsen im Discus 0,0082 und 0,0093 P. Z., in dem Dotter 0,0050 und 0,0049 P. Z.
Auch aus diesen gelang es mir, ein dem Keimblaschen durchaus ahnliches Blaschen mit
einem Kerne herauszubringen. Bei einem dieser Eier (Fig. 8.) war der Dotter auf eine
auffallende Weise von der inneren Fla'che der Zona zuriickgewichen ; doch konnte ich in
diesem Zwischenraume nichts weiter bemerken.

V. Ganz ahnlich wie diese Eier fand ich die einer Hiindin, welche ich am 3 ten
Marz 1838, genau 36 Stunden nach der ersten Begattung todtete. Es waren ihrer fiinf,
welche in dem Durchmesser des Discus 0,0095 0,0100 P. Z., in dem des Dotters
0,0049 0,0059 P. Z. mafsen, doch waren bei dieser Hiindin auch die reiferen Eierstockeier
grofser als gewohnlich. Ein Keimblaschen gelang mir damals nicht in diesen Eiern zu
fmden, doch bemerkte ich schon damals, dass die Dotterkornchen dieser Eier inniger an ein-
ander halten als bei Eierstockeiern. Wenn man letztere in einem Tropfen Wasser mit
einer INadel offnet, so fliefsen die Dotterkorner meist sogleich aus und zerstreuen sich in
dem \Yasser. Bei Eiern dieses Stadiums aus dem Eileiter erfolgt dieses meistens nicht,
sondern die Dotterkornchen haften in Segmenten an einander und losen sich erst allmalig
bei Einwirkung des Wassers von einander, zum Beweise, dass also wohl bereits Mischungs-
veranderungen in dem Dotter stattfinden.

VI. Auch bei einer Hiindin, die ich im April 1838 untersuchte und von der ich
weiter nichts wusste, als dass sie sich noch Tages zuvor hatte belegen lassen und dann
erschlagen worden war, fand ich die sechs Eier noch in der oberen Halfte des Eileiters
und in ganz ahnlicher Beschaffenheit. Auch an den Corporibus luteis war noch eine kleine
Oeffnung deutlich zu bemerken. Ein Keimblaschen fand ich nicht.

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VII. Ebenso ging es mir bei einer kleinen Hiinclin, welche sich am 6ten Marz 1843
rait dem Stricke, an welchem sie festgebunden war, strangulirt hatte. Ich wusste von ihr
auch nur, dass sie sich Tages zuvor noch hatte belegen lassen. Nur der linke Eierstock
zeigte drei gelbe Korper nnd die drei Eier waren etwas iiber die Mitte des Eileiters her-
ausgeriickt. Auch sie hatten noch immer den Discus, in welchem zwei 0,0089 und
0,0090 P. Z., das dritte, bei welchem er schon abzunehmen angefangen, 0,0078 P. Z.
mafsen. Der Durchmesser des Dotters betrug 0,0050, 0,0053 und 0,0054 P. Z. Bei
keinem dieser Eier bildete derselbe eine vollkommen runde Masse, sondern war iiberall un-
regelmafsig von der Innenflache der Zona zuriickgewichen, so dass er dieselbe nicht ganz
ausfiillte (Fig. 10.). Bei zweien derselben glaubte ich in einem der Ausschnitte der Dot-
terkugel ein oder zwei blasse Kornchen oder Blaschen zu sehen, allein die Zellen des
Discus hinderten eine genaue und scharfe Beobachtung. Nach vorsichtiger Erb'ffnung der
Eier mit einer feinen Nadel und Anbringung eines sanften Druckes konnte ich weder ein
solches, noch auch ein dem Keimblaschen ahnliches Blaschen in der ausfliefsenden Dotter-
masse erkennen.

VIII. Auf einem ahnlichen Stadium befanden sich auch die Eier einer Hiindin in
der Mitte des Eileiters, welche ich am 18ten Mai 1838 untersuchte. Auch hier waren die
Eier noch den Eierstockeiern sehr ahnlich, aufser dass der Dotter das Innere der Zona
nicht mehr ganz anfiillte und ich kein Keimblaschen mehr fmden konnte. Nur machte ich
hier eine sehr auffallende Beobachtung riicksichtlich der Zeitverhaltnisse. Ich kaufte diese
noch junge und zum ersten Male briinstige Hiindin von Leuten in meiner Nachbarschaft,
wo ich bemerkt hatte, dass sie sich belegen lassen. Als ich sie erhielt, liefs sie den Hund
nicht mehr zu, obgleich dieser ihr noch heftig zusetzte, gerade so wie dieses meist nach
acht Tagen nach der ersten Begattung der Fall ist. Ich wollte Eier von drei Wochen
haben und liefs also nun die Hiindin vom 3 18ten Mai einsperren. Mein Erstaunen
war sehr grofs, als ich nach dieser langen Zeit die Corpora lutea noch wenig entwickelt,
an ihrer Spitze noch eine kleine Oeffnung und die Eier erst in der Mitte der Eileiter fand.
Ein Irrthum in der Beobachtung war hier nach alien obwaltenden Verhaltnissen nicht
denkbar.

IX. Auch noch im Anfange des unteren Drittheiles des Eileiters fand ich bei einer
Hiindin, am 31. December 1837, die sich nicht mehr belegen liefs, obgleich ihr die Hunde
noch nachstellten, die Eier den Eierstockeiern noch sehr ahnlich, nur etwas grofser. Sie
mafsen, 0,0102 0,0109 P. Z. im Durchmesser des Discus, der Dotter 0,00520,0063
P. Z., doch mafsen auch die Eierstockeier hier im Discus gegen 0,0100 P. Z. Aus einem
der fiinf Eier sah ich hier wieder ein dem Keimblaschen sehr ahnliches 0,0014 P. Z. mes-
sendes Blaschen austreten.

X . Bei einer Hiindin, die schon seit acht Tagen briinstig war (der ersten, bei welcher
ich am lOten December 1837 fiinf Eier im Eileiter auffand), fanden sich die Eier im
unteren Dritttheil der Eileiter, in der bis jetzt beschriebenen Beschaffenheit. Ich habe nur
bemerkt, dass, als ich eins derselben unter dem Mikroskope mit einer feinen Nadel offnete,



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ein wasserhelles Blaschen, aber nur halb so grofs als das Keimblaschen 0,0007 P. Z. im
Durchmesser, mit einem Fleck oder Kerne, ausgetreten sei. Der Dotter zeigte sonst noch
keine Veranderungen, als dass er an einer Stelle von der Zona zuriickgewichen war.

X. Letzteres war auch das einzige Aut fallen dere, was ich bei fiinf Eiern einer Hiindin
am 15ten Februar 1838 beobachtete, welche sich schon seit acht Tagen hatte belegen las-
sen und deren Eier auch im unteren Dritttheil des Eileiters waren. Bei diesen bemiihte
ich mich wieder vergebens, ein dem Keimblaschen gleiches oder ahnliches Blaschen im
Dotter aufzufinden.

XII. u. XIII. Genau ebenso verhielt es sich endlich auch noch mit drei Eiern einer
Hiindin, die ich am Isten April 1839 untersuchte, und mit den acht Eiern einer andern
Hiindin, am 12. Mai 1839, die wahrend der Zeit der Brunst erschossen worden war.
Sie befanden sich in dem unteren Drittheil des Eileiters; immer waren sie noch von den
kaum verminderten , sondern nur mehr unter einander verschmolzenen Zellen des Discus
proligerus umgeben, und das einzige Auffallende an ihnen, dass der Dotter die Zona nicht
mehr ganz ausPiillte und ich kein Keimblaschen mehr in ihnen entdecken konnte.

XIV. Am 4ten October 1841 untersuchte ich eine Hiindin, von der ich nicht wusste,
wenn sie zuerst belegt worden, die sich indessen Tages zuvor noch hatte belegen lassen.
An dem rechten Eierstocke zeigten sich drei, an dem linken zwei ansehnlich grofse Corpora
lutea, ohne eine Spur einer Oeffnung an ihnen, urid aufserdem fand sich am linken Eier-
stocke noch ein sehr angeschwollenes, aber nicht geoffnetes Graaf'sches Blaschen. Alle
fiinf Eier land ich auf beiden Seiten im Ende des Eileiters, V 2 P. Z. von dessen Ostium
uterinum. Alle zeigten noch ziemlich ansehnliche Reste des Discus proligerus um die Zona
herum, doch waren dessen Zellen noch weit mehr als in den vorigen Beobachtungen mit
einander verschmolzen, wie zusammengeflossen und offenbar abnehmend. Alle waren an
ihrer Oberflache reichlich mit sich noch lebhaft bewegenden Spermatozoiden bedeckt, deren
Bewegungen ich es auch zuschreiben musste, dass sich die ganzen Eier auf dem Object-
trager schwankend rechts und Jinks bewegten, wobei sie sich indessen doch nach und nach
fast um einen Quadranten herumdrehten. Es war kein anderes bewegendes Element in
der Nahe, keine schwingenden Cilien des Epitheliums des Eileiters, und mit der Bewegung
der Spermatozoiden horten auch die Bewegungen der Eier auf. Von den rotirenden
Bewegungen, welche ich an den Dottern von Kanincheneiern im Eileiter gesehen habe,
waren diese Bewegungen der ganzen Eier sehr verschieden. Dasjenige Ei auf der rechten
Seite, welches am hochsten im Eileiter gegen den Eierstock zu zuriick war, war denen in
den letzten Beobachtungen noch sehr ahnlich. Der Dotter bildete noch eine Masse, welche
aber iiberall von der inneren Flache der Zona zuriickgewichen war und fast regelmafsig
achteckig aussah (Fig. 10.). Bei den iibrigen vier Eiern war dagegen der Dotter auf das
Regelmafsigste und Schonste in zwei Halften zerlegt, die etwas gegen einander abgeplattet
waren (Fig. 11.). Es gelang mir damals nicht, weder in dem ersten, noch in diesen letz-
ten Eiern, in dem Dotter und dessen Halften ein im Inneren derselben befindliches Blaschen
oder Zelle zu entdecken, obgleich, wie aus dem Folgenden hervorgehen wird, unzweifelhaft



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solche in den eirizelnen Dotterhalften vorhanden gewesen sein werden. Auch bemerkte ich
nicht, dass neben den beiden Dotterhalften im Inneren der Zona noch etwas enthalten ge~
wesen ware.

XV. Sonntag, am 6ten Marz 1842, schnitt ich einer lebenden Hiindin, die seit
vier Tagen in meinem Besitze war und sich alle Tage hatte belegen lassen, den linken
Eierstock, Eileiter und Uterus aus, warauf ich die Yaunde wieder durch die Naht schloss.
Der Eierstock zeigte fiinf Corpora lutea und ich fand die fiinf Eier, eins 7 1 / 2 '", die vier
anderen dicht bei einander, 4'" von dem Ostium uterinum des Endes des Eileiters. Alle
hatten nur noch schwache Spuren der Zellen des Discus proligerus um die Zona herum,
und waren dagegen mil Sperm atozoiden bedeckt, die sich nicht mehr bewegten. Eins der
Eier, welches in der Zona einen Durchmesser von 0,0062 P. Z. hatte, zeigte noch einen
aus einer Masse bestehenden, aber weit blasseren Dotter als gewohnlich, so dass ich glaube,
dieses war ein abortirendes Ei. Die vier iibrigen mafsen im Durchmesser der Zona ziem-
lich iibereinstimmend 0,0068 P. Z., die Zona selbst war 0,0009 P. Z. dick, von diesen
war bei einem der Dotter in zwei Halften zerlegt, bei den drei iibrigen (Fig. 13.) in vier
Theile. Die letzteren boten sich gewohnlich dem Auge in einer solchen Lage dar, dass
man nur drei Kugeln sah (Fig. 12.); beim Rollen dagegen und bei der Beleuchtung von
oben (Fig. 13.*) erkannte man die vier Kugeln ganz deutlich. Bei alien vier Eiern fanden
sich im Inneren der Zona neben den Dotterkugeln ein oder zwei gelblich schimmernde,
meist schwach granulirte, gegen 0,0009 P. Z. messende Kornchen oder Blaschen. Wenn
ich sodann eins dieser Eier sorgfaltig mit einer feinen Nadel offnete, und nun durch einen
passenden Druck die Dotterkugeln aus der Zona austreten machte, so zeigte sich in der
Mitte einer jederi derselben ein belles, das Licht sehr stark brechendes, ringsum vori den
Dotterkb'rnchen umgebenes Blaschen, gegen 0,00055 P. Z. grofs, welches mir indessen nicht
zu isoliren gelang, und an dem ich durchaus nichts W^eiteres, etwa noch einen Kern, erit-
decken konnte.

Am andern Morgen, 24 Stunden spater, liefs ich die Hiindin todten, und untersuchte
nun noch den rechten Eierstock und Eileiter. Es fanden sich hier auch noch drei Corpora
lutea und die drei Eier noch im Ende des Eileiters 3"' vom Ostium uterinum. Sie hat-
ten kaum noch irgend eine bemerkbare Spur des Discus um sich, sondern die Zona war
nur aufserlich granulirt, uneben und mit Spermatozoiden bedeckt. Der Durchmesser der
Zona betrug ziemlich iibereinstimmend 0,0072 P. Z., die Dicke der Zona 0,0009 P. Z.
In jedem Eie war der Dotter in mehr als acht Kugeln zerlegt 5 es schienen mir gegen
zwolf zu sein, doch konnte ich sie, da sie sich mehrfach deckten, nicht mit Sicherheit zah-
len. Die meisten derselben hatten einen Durchmesses von 0,0022 P. Z., sie waren aber
nicht alle gleich grofs, auch nicht alle rund, sondern mannichfach gegen einander gedrangt.
In einem der Eier (Fig. 14. u. 14.*) bemerkte ich im Inneren der Zona neben den grofse-
ren Dotterkugeln zwei kleinere gelblich schimmernde Kiigelchen, die etwa 0,0003 P. Z. im
Durchmesser besafsen, und in dem zweiten Eie ein ahnliches aber grofseres 0,0007 P. Z.,
und mehr korniges Kiigelchen. Auch hier offnete ich die Eier zuerst wieder mit einer



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feinen Nadel und brachte sie dann unter das Compressorium. Bei Anwendung eines vor-
sichtigen Druckes gelang es nun, die Kugeln aus der Zona austreten zu machen und mich
dann auf das Bestimmteste zu uberzeugen, dass in jeder ein wasserhelles, das Licht sehr
stark brechendes 0,0004 P. Z. grofses Bla'schen eingeschlossen war. Bei dem Eie, welches
aufser den Dotterkugeln noch ein 0,0007 P. Z. grofses, gelbliches Ko'rnchen enthalten hatte,
glaubte ich nun, als dieses austrat, mit Sicherheit erkennen zu konnen, dass dieses auch
ein solches helles Bla'schen einschloss, welches von Dotterkornchen umgeben war. An die-
sen inneren Bla'schen, obgleich es mir hier gelang, einige von den ihnen anhaftenden Dot-
terkornchen ganz zu isoliren, erkannte ich abermals keinen weiteren Fleck oder Kern.

XVI. Am lOten Mai 1843, Morgens 11 Uhr, schnitt ich einer kleinen lebenden
Hiindin den Eierstock aus, welche sich noch zwei und drei Tage vorher, nicht aber den
letzten Tag vorher mehr hatte belegen lassen. Der Eierstock zeigte nur ein Corpus luteum,
und so fand ich denn auch nur ein Ei, 3'" vom Uterinende im Eileiter. Auf der Zona
zeigten sich noch einige Spuren des Discus proligerus und zahlreiche sich nicht mehr be-
wegende Spermatozoiden. Der Dotter des Eies war in vier Kugeln zerlegt, die so gelagert
waren, dass man meist nur drei zugleich zu sehen bekam. Neben diesen Kugeln befand
sich im Inneren der Zona noch ein kleines ganz helles Bla'schen ohne einen Kern. Auch
hier 6'ffnete ich die Zona vorher mit einer Nadel und suchte nun unter dem Compresso-
rium die Dotterkugeln aus derselben herauszudriicken; allein es gelang nicht, und so konnte
ich es denn auch nur undeutlich dahin bringen, dass ich bei zunehmendem Drucke im In-
neren der Kugeln wieder einen hellen Fleck zum Vorscheine kommen sah.

Dreiundzwanzig Stunden darauf liefs ich die Hiindin todten. Der rechte Eierstock
zeigte zwei Corpora lutea, und die zwei Eier befanden sich noch Jm Ende des Eileiters
2'" von dem Ostium uterinum. Von dem Discus proligerus war last nichts mehr zu be-
merken, aber die ganze Zona mit Spermatozoiden besetzt. Der Dotter war in dem einen
Eie in neun, in dem andern in zehn Kugeln zerlegt. Neben ihnen zeigte sich nichts wei-
ter im Inneren der Zona. Auch hier ging es mir indessen, wie den Tag zuvor. Es wollte
nach Oeffnung der Zona mit einer Nadel nicht gelingen, die Dotterkugeln so austreten zu
machen und zu comprimiren, dass das in ihnen eingeschlossene Bla'schen deutlich isolirt
zum Vorscheine kam, obgleich ihre Gegenwart sich hinreichend bestimmt durch einen
hellen Fleck zu erkennen gab.

XVII. Am 23sten December 1842, Morgens 10 Uhr, schnitt ich einer lebenden
Hijndin den linken Eierstock und Eileiter aus, von welcher ich nur wusste, dass sie sich
schon zwei I age vorher nicht mehr belegen liefs, obgleich die Vulva noch angeschwollen
war und blutigen Schleim absonderte. Der Eierstock zeigte zwei Corpora lutea und beide
Eier befanden sich im Ende des Eileiters 2'" vom Ostium uterinum. Sie hatten keinen
Discus mehr, sondern auf der Zona zeigten sich nur einige Spermatozoiden. Der Dotter
war in fiinf bis sieben Kugeln zerlegt, welche einen Durchmesser von 0,0025 P. Z be-
safsen, sich aber so deckten, dass sie bei Beleuchtung von unten nicht deutlich zu unter-
scheiden warer, zur Beleuchtung von oben war der Tag aber zu dunkel.



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Vierundzwanzig Stunden sp'a'ter liefs ich die Hiindin lodten. Auch der rechte Eier-
stock zeigte zwei Corpora lutea, allein die Eier waren noch immer im Eileiter und kaum
weiter fortgeriickt. Auch glichen die Eier ganz denen von gestern, nur war die Theilung
des Dotters weiter entwickelt und es schienen zwischen 16 32 Kugeln vorhanden zu
sein. Ich konnte sie nicht genauer zahlen, weil durch Zufall das Mikroskop den Objecttra-
ger beriihrte und die Eier beide sprengte. Allein dabei kameii die Kugeln sehr vortheil-
haft zum Vorscheine (Fig. 17.). Einige, die irh mafs, hatten einen Durchmesser von
0,0018 P. Z. und in jeder erschien deutlich das innere wasserhelle, zarte Blaschen, an
welchem ich aber wiederum, trotz aller Aufmerksamkeit, keinen weiteren Kern oder etwas
dergleichen entdecken konnte.

XVIII. Freitag, am 6ten August 1841, untersuchte ich eine Hiindin, welche nach
den Angaben des Verkaufers am 28sten Juli zum ersten und Mittwoch, am 4ten August,
vor meinen Augen zum letzten Male belegt worden, also seit neun Tagen befruchtet war.
Die Eier waren noch in den Enden der Eileiter, 2'" vom Ostium uterinum, vier auf der
rechten Seite dicht bei einander, eins auf der linken. Sie zeigteri kaum noch Ueberreste
des zerflossenen Discus proligerus urn die Zona herum, auf derselben aber wieder zahl-
zeiche Spermatozoiden. Der Durchmesser der fiinf Eier schwankte zwischen 0,0067 und
0,0080 P. Z. Die Dicke der Zona betrug 0,0009 P. Z. Der Dotter schien in alien
fiinf Eiern in acht Kugeln zerlegt zu sein, die sich indessen auf verschiedene ^ eise deck-
ten und daher nicht in jeder Lage alle zu sehen waren. Auch war der Durchmesser aller
nicht ganz gleich und variirte zwischen 0,0017 und 0,0024 P. Z. Ein im Inneren der
Kugeln enthaltenes Blaschen brachte ich nicht zur Ansicht, weil ich damals noch nicht
darauf gekommen war, das Ei erst rait der Nadel zu 6'ffnen und dann zu pressen. Bei
dem einfachen Pressen aber driicken sich die einzelnen Kugeln gewohnlich so gegen ein-
ander und zusammen, dass man jenes Blaschen in ihrem Inneren nicht zu sehen be-
kommt.

XIX. Dienstag, am lOten Mai 1842, Morgens 10y 2 Uhr schnitt ich einer lebenderi
Hiindin den linken Eierstock, Eileiter und Uterus aus, welche sich Sonnabend, am SOsten
April, zum ersten und den 8ten Mai zum letzten Male hatte belegen lassen, und daher
seit zehn Tagen trachtig war. Ich fand nur ein Ei und zwar noch im Ende des Eileiters
V/2 1 " vom Ostium uterinum, und Fragmente eines zweiten, welches entweder beim Auf-
schneiden des Eileiters verletzt worden, oder abortiv war. Das unverletzte hatte keinen Dis-
cus mehr, doch war die aufsere Flache der Zona uneben und rait Spuren von Spermato-
zoiden bedeckt. Es hatte einen Durchmesser von 0,0068 P- Z. und die Zona war 0,0010
P. Z. dick. Der Dotter war in Kugeln zerlegt, deren ich bei einer Ansicht neunzehn
zahlte. Sie deckten sich aber so, dass sie bei durchfallendem Lichte nur wie eine dunkle
Masse mit bogig ausgezackten Randern erschienen, und nur bei auffallendem Lichte die
einzelnen Kugeln erkennbar waren (Fig. 15 u. Fig. 15*). Ich offnete die Zona mit der
Nadel und behandelte das Ei nun unter dem Compressorium. Die Kugeln traten sehr
schon aus. Die meisten hatten einen Durchmesser von 0,0014 P. Z. In jeder Kugel



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bemerkte ich ferner wieder ein helles Blaschen ganz deutlich, erkunnte aber keinen Kern
oder etwas der Art an demselben.

\ierundzwanzig Stunden spater liefs ich die Hu'ndin tbdten. Der rechte Eierstock
zeigte drei Corpora lutea; die drei Eier waren in den Uterus eingetreten und i l / 2 bis 2
Zoll in demselben nach abwarts geriickt. Sie erschienen dem unbewaffneten Auge noch
immer als kleine weifse Piinktchen, waren aber doch etwas gewachsen, denn sie batten in
der Zona einen Durchmesser von 0,0078 0,0083 P. Z. Aucb die Zona war dicker an-
geschwollen und 0,0012 P. Z. dick, aber immer noch die einzige Hiille des Eies (Fig. 16.).
Ich mafs zur Vergleichung ein, wie es schien, vollkommen entwickeltes Ei aus dem Eier-
stocke, wenn gleich aus einem nur sehr kleinen Follikel. Es hatte in dem Durchmesser
der Zona 0,0067 P. Z. und diese selbst war 0,0005 P. Z. dick, so dass also namentlich
letztere ansehnlich aufgequollen war. Auch war sie sehr elastisch, wich dem Drucke der
Nadel immer aus und liefs sich unter dem Compressorium ansehnlich ausdehnen, ehe sie
riss. Der Dotter war in eine noch grb'fsere Zahl von Kugeln zerlegt als gestern, ich
schatzte dieselbe auf wenigslens 32. Bei durchfallendem Lichte waren sie einzeln gar nicht
zu erkennen, sondern der Dotter bildete eine dunkle, von kleinen Bogenlinien begrenzte
Masse; bei auffallendem Lichte waren aber die einzelnen Kugeln bestimmt zu erkennen.
Die ganze Kugelmasse fu'llte das Innere der Zona nicht vollstandig aus, und zwischen ihr
und der Zona schien sich eine das Licht stark brechende Flussigkeitsschichte zu befmden,
in welcher ich aber weiter nichts bemerkte. Nach Erb'ffnung der Zona mittelst der Nadel
gelang es auch hier wieder, durch Druck die Kugeln isolirt aus derselben hervorzubringen.
Sie waren kleiner als die gestrigen und mafsen 0,0010 P. Z. und in jeder karn das innere
helle Blaschen 0,00035 P. Z. grofs bei zunehmendem Drucke zum Vorscheine. Auch an
einem, welches mir ganz zu isoliren gelang, bemerkte ich keinen Kern.

Aus dieser ansehnlichen Zahl von Beobachtungen geht nun Folgendes iiber die Ver-
anderungen, welche die Eier des Hundes im Eileiter erfahren, hervor.

1. In dem grb'fsten Theile des Eileiters, namlich bis zu dessen unteren Drittel,
gleicht das Ei noch aufserordentlich dem Eierstockeie. Die Zona ist noch umgeben von
den Zellen des Discus proligerus und diese verminderri sich nur nach und nach, indem sie
sich auflosen und unter einander zu verschmelzen scheinen. Das Ansehen, welches sie bei
dem ganz reifen Eierslockeie besafsen, namlich ihre beginnende Entwicklung zur Faser, ist
wieder verschwunden, sobald die Eier in den Eileiter eingetreten sind. Im Ende des Ei-
leiters verschwinden diese Zelleniiberreste des Discus ganz und das Ei tritt mil seiner Zona
ganz nackt in den Uterus. Auch die Zona pellucida ist unverandert, sie nimmt nur um
Weniges an Durchmesser und Dicke zu. Der Dotter bildet in den oberen zwei Drittthei-
len des Eileiters nur eine compacte Masse, welche auch jetzt nicht von einer besonderen
Hiille aufser der Zona umgeben ist Seine Elemente scheinen sich indessen noch inniger


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