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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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unter einander zu vereinigen; daher und vielleicht auch durch geringe Ausdehnung der
Zona fu'llt der Dotter die Zona nicht mehr ganz aus, sondern weicht unregelmafsig an

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verschiedenen Stellen von der Zona zuriick, indem sich zwischen ihm und der Zona
etwas Fliissigkeit ansammelt. In und an ihm selbst ist kein Zellenbau irgendwie zu be-
merken.

2. Das Keimblaschen geht entschieden in manchen Fallen noch mil in den Eileiter
iiber. Doch scheint dieses, schon nach dem im vorigen Kapitel Mitgetheilten, nicht immer
der Fall zu sein, und endlich fmdet es sich iiber die Mitte des Eileiters hinaus nie raehr.
Es lost sich also bei Saugethieren, wie bei alien anderen bis jetzt bekannten Thieren, jedes-
mal auf, ehe die ersten eigentlichen Entwicklungsvorgange in dem Eie beginnen. In die-
ser Hinsicht muss ich fur den Hund ebenso entschieden den Angaben des Dr. Barry
widersprechen , wie ich dieses fur das Kaninchen gethan habe. Was den Keimfleck be-
trifft, so haben mir meine Beobachtungen iiber denselben auch beim Hunde kein entschie-
denes Resultat gegeben. Ich habe es in meiner Entwicklungsgeschichte des Kanincheneies
nach Analogic einiger vorausgegangenen Beobachtungen bei Alytes durch Hrn. Dr. Vogt
und bei Strongylus auricularis und Ascaris acuminata durch Bagge fur wahrscheinlich er-
achtet, dass nach Auflosung des Keimblaschens der Keimfleck persistire, und vielleicht eine
weitere Entwicklung zu einem Blaschen erfahre. Hr. Dr. Vogt hat mir neuerdings schrift-
lich mitgetheilt, dass er nach erneuerten Beobachtungen bei Alytes bei seiner friiheren Aus-
sage verbleibe, dass die mehrfachen Keimflecke des Keimblaschens dieses Thieres selbst
Zellen seien, welche persistirten und spater die Centralblaschen der Dotterkugeln der Rin-
denschichte des Dotters bilden. Hr. Dr. Kolliker in Zurich hat dagegen neuerdings
(M tiller's Archiv. 1843, I. u. II.) bei mehreren wirbellosen Thieren das Verschwinden des
Keimfleckes noch vor dem Keimblaschen bestimmt beobachtet, und ist daher der Ansicht,
dass er sich uberall auflose. Alle meine angewendete Mtihe, tiber diesen Punkt bestimmt
in's Reine zu kommen, war auch bei dem Hunde vergebens; doch habe ich oben zwei
Beobachtungen mitgetheilt, in welchen es mir bei aller Aufmerksamkeit unmb'glich war, in
dem, wenn schon ganz isolirten Keimblaschen den Keimfleck noch zu bemerken. Hrn. Dr.
Vogt's Angabe enthalt einen aus der Aehnlichkeit zweier Gebilde gezogenen Schluss. Ich
wage es daher jetzt nicht mehr, mich seiner und Bagge's Angabe anzuschliefsen , halte
die Persistenz des Keimfleckes und seine Bedeutung fur die weitere Entwicklung fur pro-
blematisch, und kann nur wunschen, dass andere Beobachter durch Beobachtung zu
grofserer Sicherheit tiber diesen wichtigen Punkt gelangen mogen.

3. In dem unteren Endstucke des Eileiters beginnt auch in dem Hundeeie jener
merkwiirdige Theilungsprocess des Dotters, welcher nun schon bei so vielen Thieren,
und wie ich glaube behaupten zu diirfen, von mir zuerst auch bei dem Dotter des Sauge-
thiereies ist entdeckt worden. Ich glaube die Concurrenz des Hrn. Dr. Barry in diesem
Punkte zuruckweisen zu konnen, da ich nicht nur vor ihm im Jahre 1838 denselben be-
reits 6'ffentlich bekannt machte, sondern Hr. Dr. Barry selbst das von ihm Gesehene und
Abgebildete ganz verkannte, indem er die durch die Dottertheilung entstandenen Kugeln



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fur Tochterzellen der Keimzelle erklart. In meiner Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-
eies habe ich mich S. 64 79 ausfiihrlich iiber diesen Theilungsprocess des Dotters und
iiber Alles, was bis dahin iiber denselben bekannt gemacht worden war, ausgesprochen.
Ich kann mich daher jetzt in Beziehung auf den Hund auf Folgendes beschranken.

Auch bei dem Hunde scheint dieser Theilungsprocess in einer arithmetischen Progres-
sion rait dem Factor zwei fortzuschreiten , obgleich die Zerlegung der vorausgehenden Ku-
geln jede in zwei andere nicht zugleich in der ganzen Masse eintritt. In dem Hundeeie
sind am Ende des Eileiters zwischen 16 und 32 Kugeln.

Diese Kugeln sind keine Zelien, d. h. die sie bildenden Agglomerate von Dotterkorn-
chen sind von keiner noch so feinen Membran oder Hiille umgeben, sondern sie werden
nur durch das Zusammenkleben der Dotterkb'rnchen durch ein Bindemittel gebildet. Bei
dem Hunde, dessen Dotter weit entschiedener kornig gebildet ist, als der Dotter des Ka-
nincheneies, ist schon die directe Beobachtung im Stande, hieriiber grofsere Sicherheit zu
geben. Man kann die den Rand der Kugel bildenden Kb'rnchen, von keiner Hiille umge-
ben, ganz entschieden vortreten sehen. Lasst man die Kugeln aus der Zona auslreten und
bringt einen Druck auf sie an, so sieht man sie sich allmalig ausbreiten und zerquetscht
werden, nicht aber plolzlich mil einem Rucke zerspringen. Setzt man einen Tropfen W^as-
ser oder andere Fliissigkeiten zu, so zertheilen sie sich in demselben allmalig, sie quillen
auf, die Kugeln verlieren ihre scharfen Contouren, und die Dotterkorner fliefsen auseinan-
der. Alle diese Operationen habe ich so oft wiederholt, dass ich meiner Sache ganz sicher
bin, wenn ich die Zellennatur dieser Bildungen bestreite. Auch ist mir Hr. Dr. Kolliker
neuerdings entschieden beigetreten, und an den Eiern von Froschen und den lebendig ge-
barenden Entozoen, kann Jeder mil Leichtigkeit die Sache priifen. In Beziehung auf den
Hauptgrund, welcher von Dr. Bergmann und Reichert fur die Zellennatur der Kugeln
des Froschdolters geltend gemacht wurde, dass namlich bei Beriihrung der Kugel mit
Wasser die Zellenmembran durch Endosmose erhoben und so deutlich werde, will ich
folgende Beobachtung bekannt machen, die ich auch aufserdem fur die Zellenlehre fiir in-
teressant halte.

Ich wollte im vorigen Friihjahre diese Dotterkugeln abermals studiren und hatte mir
deshalb Frosche, in der Copula begriffen, verschafft. Am 25sten Marz 1843, Morgens,
halte einer derselben gelaicht, aber es zeigte sich bald, dass die Eier nicht befruchtet wa-
ren, das Mannchen hatte seinen Saamen nicht ergossen und die Tlieilung blieb ans. Schon
ehe dieses entschieden war, fing ich an die Eier zu untersuchen, um Dr. Vogt's Keimfleckzelleri
in der Rindenschichte des Dotters zu suchen. Hierbei machte ich folgende Beobachtung.

Wenn ich ein Ei mit einem Tropfen Wasser unter dem Compressoriiim so vorsich-
tig und allmalig zerdriickte, dass der Dotter mit einem scharfen Rande, ohne Zerstreuung
der Dotterelemente sich ganz langsam in dem W r asser ausbreilete und so mit demselben
in Beriihrung trat, so sah ich nach einiger Zeit, wie sich von diesem Rande aufserst zarte
Segmente von durchsichtigen Blaschen erhoben, welche nur durch Jhre Contour und durch
die verschiedene Brechung des Lichtes erkennbar waren. Dieselben wuchsen allmalig, tra-



ten inimer mehr iiber den dunklen Rand der Dottermasse heraus, und liefsen sich dann
durch eine ganz gelinde Bewegung ganz als vollstandige Blaschen isoliren. Anfangs waren
diese wasserhell und durchsichtig, allein allmalig fin gen sie an sich im Inneren zu triiben.
Es bildete sich ein hochst feinkorniger Inhalt in ihnen, der bis auf eirien gewissen Grad
irnnier mehr zunahni, so dass dieselbcn undurchsichtig wurden. Kamen diese Zellen mit im
Wasser umherschwimmenden Dotterelementen in Beruhrung, so setzten sich diese auf die
Zelle nach und nach rund herum an, bedeckten die helle Zelle allmalig ganz und es ent-
standen verschieden grofse Kugeln von Dotterelementen, die in ihrem Inneren eins der
friilier entslandenen hellen Blaschen einschlossen. Ich hatle hier gewissermafsen die Bil-
dung der Dotterkugeln, wie sie immer Folge der Entwicklung des Eies sind, auf eine unvoll-
kommene Weise unmiltelbar vor Augen. Offenbar entstanden die hellen Blaschen durch
die Beruhrung; des Dotters mit dem "Wasser. Wie? wodurch? vermag ich nicht anzuge-
ben, obgleich ich abermals lebhaft an die Unlersuchungen des Hrn. Dr. Ascherson
u'ber Zellenbildung bei Beruhrung von Proteinverbindungen mit Felt erinnert wurde.
Jedenfalls aber ist die Erscheinung, welche man beobachtet, wenn die Dotterk.igeln des
sich entwickelnden Froscheies mit Wasser in Beruhrung kommen und die man als Erhebung
einer Zellenmembran durch Endosmose gedeutet hat, ganz dieselbe. Schon friiher habe ich
auch auf diese Quelle jener Beobachtung hingedeutet, Miiller's Archiv. 1840, S. 110. Bei
den Kugeln des Dotters des Saugethiereies habe ich ubrigens diese Wirkung des \Vassers
nie gesehen.

In dem Inneren einer jeden Dotterkugel ist auch bei dem Hundeeie ein sehr zartes,
das Licht sehr stark brechendes Blaschen enthalten Es ist schwer, sich von der Existenz
desselben zu iiberzeugen. Durch die Dotterkorner schimmert es hier noch weniger durch,
als bei dem Kanincheneie. Durch einfaches Pressen des Eies gelingt es auch selten, sie
zur Beobachtung zu bringen. Ich fand es am besten, die Zona zuerst mittelst einer feinen
Nadel zu 6'ffnen. Oft treten dann schon von selbst die Dotterkugeln aus, oder man be-
wirkt dieses durch einen gelinden Druck. Dann kann man die Kugeln einzeln beobachten
und durch einen fortgesetzten sanften Druck das helle Centralblaschen sichtbar machen, ja
es gelang mir oTter, dann durch sanfte Bewegungen der Compressoriumglaser iibereinander,
das helle Blaschen fast ganz von den Dotterkornern zu isoliren. Hr. Dr. Kolliker giebt
neuerdings (Miiller's Archiv. 1843.) an, dass er sich an den Dotterkugeln mehrerer En-
tozoeneier auf das Bestimmteste iiberzeugt habe, dass hier diese Centralblaschen einen Kern
besafsen. Dasselbe fand er zuletzt bei den Eiern von Helix pomatia, einem Cucullanus der
Blindschleiche und bei dem Frosche (Entwicklungsgeschichte der Cephalopoden Zurich 1844,
S. 121.). Er betrachtet daher auch jene Blaschen geradczu als kernhaltige Embryonalzel-
len. Die Beobachtungen des Hrn. Dr. Kolliker verdienen alles Zutrauen und ich halte
sie fiir sehr zuverlassig. Allein Jch habe mich leider bis jetzt nicht von der Existenz
solcher Kerne weder in den Blaschen der Furchungskugeln des Frosches noch des Hundes
iiberzeugen konnen. Friiher war es mir nicht gelungen, diese Blaschen zu isoliren 5 allein
fortgesetzte Uebung und Manipulation der Kugeln haben mich diese Isolation jetzt oft er-



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reichen lassen. Ich habe die zarten Blaschen auf das Genaueste mit den besten Mikrosko-
pen bei den verschiedensten Vergrofserungen untersucht und keine Kerne in ihnen beobach-
ten konnen Friiher glaubte ich einmal fiir den Frosch Kolliker beitreten zu miissen;
allein grofsere Genauigkeit und gliicklichere Isolation bat mich von dera Gegentheil vollkom-
inen iiberzeugt. Ein aufserlich dem Blaschen aiihaftendes und besonders ein unter ihm
liegendes Kornchen vermag sehr leicht eine Tauschung hervorzubringen, vorziiglicb da die
Blaschen, wenn sie rein und isolirt sind, leicht an dem Glase anhaften. Je vollkommener
aber die Isolation der Blaschen gelang, um so mehr iiberzeugte ich mich, dass kein solcher
Kern in ihnen vorhanden war.

Auch bei Hundeeiern habe ich endlich, aber hier immer nur im Anfange der Thei-
lung, nicht vor derselben, neben den zwei, drei oder vier vorhandenen Dotterkugeln in
der Zona noch ein oder zwei Blaschen oder Kornchen gesehen, wie bei dera Kanincheneie
(Fig. 11, 12, 13 u. 14.). Sie waren verschieden grofs in den verschiedenen Eiern. Hr.
Dr. Kolliker sah solche auch noch in den Eiern eiiier Doris vor der Theilung (I.e. S. 119.).
Ich habe friiher die Ansicht aufgestellt, dass sie Nachkommen des Keimfleckes seien. Kol-
liker ist dieser Ansicht insofern beigetreten, als er glaubt, sie seien Theile des zerfallenden
und sich auflosenden Keimfleckes, nicht aber in dem Sinne, wie ich friiher dieses anzu-
nehmen geneigt war.

Um namlich in diesen merkwiirdigen Theilungsprocess des Dotters einen mit den
Beobachtungen vertraglichen Zusammenhang zu bringen, habe ich friiher in meinen beiden
Schriften die Ansicht aufgestellt, dass nach der Befruchtung das Keimblaschen sich auflose
und der Keimfleck frei werde; dieser sich in ein Blaschen urawandle, in welchem sodann
eine Theilung eintrete, um seine beiden Nachkommen aber nur die Dotterkorner in zwei
Massen sich gruppirten; dann jene beiden Blaschen sich abermals theilten, vvelcher Thei-
lung auch eine neue Gruppirung der Dotterkorner folge u. s. f. Hr. Dr. Kolliker hat
iiber den Yorgang eine andere Ansicht aufgestellt, welche bei seiner Beobachtung, dass
jene Centralblaschen der Dotterkugeln kernhaltige Zellen sind, offenbar mehr mit dem, was
wir sonst bis jetzt iiber Zellenbildung wissen, iibereinstimmt. Nach ihm losen sich, wie
schon gesagt, vor der Theilung Keimblaschen und Keimfleck auf; im Inneren des Dotters
entsteht nun aber eine neue kernhaltige Zelle, die erste Embryonalzelle. Aus dieser ent-
wickeln sich durch endogene Zeugung zwei neue Zellen, welche Annahme dadurch unter-
stiitzt wird, dass Kolliker einige Male zwei Kerne in einer solchen Zelle sah. Um diese
zwei Zellen gruppirle sich dann, in Folge einer Attraction derselben auf die Dottermasse,
dieselbe in zwei Kugeln. Jede von diesen eingeschlossenen Embryonalzellen erzeugt wieder
zwei und wieder legen sich die Dotterelemente um jede kugelig an u. s. f. Ich wiinschte
sehr, dass es mir durch Beobachtung eines oder zweier Kerne in den Centralblaschen der
Dotlerkugeln moglich geworden ware, mich dieser sehr ansprechenden Ansicht anzuschlie-
fsen, und werde ferner diesem Punkte die grb'fste Aufmerksamkeit schenken. Einstweilen
aber muss ich widersprechen , da es mir nicht gelang, einen Kern in jenen Blaschen
zu beobachten, so dass ich sie demnach auch nicht fiir Zellen gelten lassen kann. Diese



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Blaschen spielen offenbar die Rolle der Kerne in diesen Kugeln, und es ist nicht zu be-
zweifeln, dass von ihnen die Gruppirung der Dotterkornchen zu Kugeln durch eine Art
von Attraction ausgeht. Allein wie sie sich vermehren und das immer weitere Zerfallen des
Dotters in immer kleinere Kugeln bedingen, habe ich weder bei Froschen noch Saugethie-
ren durch Beobacbtung zu ermitteln vermocht. Doch scheint mir der Annabme einer Thei-
lung jener Blaschen Nichts positiv im \Vege zu stehen.

4. An dem Dotter des Hundeeies habe ich bis jetzt zu keiner Zeit seiner Entwick-
lung eine durch Cilien bewirkte Rotation entdecken konnen, wie ich eine solche an dem
Eie des Kaninchens vor dem Beginne der Theilung gesehen habe. Die Umstande sind bier
freilich auch nicht so giinstig, da man das Ei nicht im Eileiter selbst zur mikroskopischen
Beobachtung bringen kann, da letzterer bei dem Hunde zu dick und undurchsichtig ist.
Moglicher \Veise fehlen sie indessen auch und fmden sich nur in niederen Saugethierord-
nungen, wie bei den Nagern, und sind nur eine Erscheinung der Analogic mil einem be-
deutungsvolleren Vorgange bei niederen Thieren. Dieses wird so lange zugegeben werden
miissen, bis mehrere Beobachtungen vorhanden sind; allein ich muss gegen das Verfahren
des Herrn Professor Re i chert protestiren, welcher diese meine Beobachtung neuer-
dings zu verdachtigen sucht, weil sie sich nicht an andere Phanomene der Ciliarbewegun-
gen anschliefsen la'sst (Beitrage zur Kenntniss des Zustandes der heutigen Entwicklungs-
geschichte. Berlin 1843, S. 6.). Wenn indessen schon jene von mir beobachteten Cilien
aufserordentlich fein waren, wenn sie schon nicht auf einer hautigen oder Zellenlage stan-
den, so muss ich dennoch jene Rotationen als ein Factum einer an vier Eiern gemachten
Beobachtung behaupten, fur die ich meine Befahigung zu unbefangenen Beobachlungen
iiberhaupt einsetze.

5. Das Ei des Hundes erhalt wahrend seines Durchganges durch den Eileiter kein
Eiweifs umgebildet; die Zellen des Discus verschwinden, werden aber nicht durch Eiweifs
ersetzt. Diese bemerkenswerthe Verschiedenheit von dem Kanincheneie ist ganz sicher.
Sie giebt ein anderes Beispiel einer Analogic bei einer niedereren Saugethierordnung mil
Vogeln, Amphibien, Fischen etc., die in den hb'heren Ordnungen fehlen kann, und daher
keine wesentliche Bedeutung in Beziehung auf andere ubereinstimmende Erscheinungen
besitzt.

6. Ueber die Zeit, welche das Hundeei zu seinem Durchgange durch den Eileiter
bedarf, kann nach dem oben iiber seinen Austritt aus dem Eierstocke Bemerkten nichts
Sicheres ausgesagt werden. Dennoch habe ich nie vor dem achten Tage nach der von
mir mit Sicherheit beobachteten ersten Begattung die Eier in dem Uterus gesehen, wohl
aber noch spater noch in dem Eileiter. Auch darf man nie die Eier schon im Uterus
erwarten, so lange die Hiindin sich noch belegen la'sst. Dieses geschieht meist schon dann
nicht mehr, wenn sie noch mehrere Linien well vom Ostium uterinum sind. Es ist ferner



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gewiss, (lass sie die erste Halite des Eileiters rasch durchwandern in Zeit von mehreren
Stunden, dagegen verweilen sie in dem Ende des Eileiters sehr lange. Hier bedarf auch
die fortschreitende Theilung einer viel langeren Zeit als bei dem Kanincheneie, indem ich
dieselbe zweimal in 24 Stunden nur um eine Stufet fortgeschritten fand.

7. Fur die bewegenden Krafte des Eies im Eileiter halte ich die Schwingungen
der Cilien des Epitheliums der Eileiter und die Contractionen des Eileiters selbst.



Viertes Kapitel.



Das Ei des Hundes im Uterus bis zum Auftreten des Embryo.



Am achten Tage nach der Begattung, wie sie glauben, fanden die Herren Prevost
und Dumas zuerst die Eichen des Hundes und zwar bereits im Uterus. Ihre Beschrei-
bung derselben ist folgende (1. c. p. 142.). Ce qu'il y a sans doute de plus remarquable
dans ces ovules, c'est leur petitesse. 11s ont au plus un millimetre et demi ou deux
millimetres ( 13 / 20 iVs P- L.) de diametre. - - Us sont entierement libres, ne presentent point
d'adherence avec les parois des cornes et Ton peut les enlever sur la lame d'un scalpel,
puis les deposer dans un verre a montre rempli d'eau, pour les examiner plus facilement.
Grossis trente fois et vus par transparence, ces ovules paraissent sous une forme ellipsoide
et semblent composes d'une membrane d'enveloppe unique et mince, dans I'interieur de
laquelle est contenu un liquide transparent. A la partie superieure de 1'ovule on remarque
une espece d'ecusson cotonneux, plus epais et marque d'un grand nombre de petits ma-
melons. Yers 1'une des extremites de celui-ci, on observe une tache blanche, opaque, circu-
laire, qui ressemble beaucoup a une cicatricule. On est egalement frappe d'un rapport ge-
neral de ressernblance entre 1'ecusson lui meme et la membrane caduque." Die nachsten
Eier, welche sie sahen, schatzten sie vom zwolften Tage nach der Begattung. In diesen
erkannten sie schon die erste Spur des Embryo, daher von Jhnen spater. -

Hr. v. Baer land bei einer Hiindin, iiber deren Zeit er nichts angiebt, die Eichen im
Uterus Vs P. L. grofs. Eins derselben befand sich dicht an dem Ostium uterinum des
Eileiters, erschien dem Auge als ein weifses Punktchen und unter dem Mikroskop als eine
dunkle Kugel, umgeben von einem hellen Ringe. Er zweifelt zwar, ob dieses ein Ei war;
indessen war es ein solches ganz sicher, wie weiter unten meine Beschreibung der eben in
den Uterus eingetretenen Eier beweisen wird. Die anderen Eier waren schon durchsichti-
ger und bestanden aus zwei in einander eingeschlossenen Blaschen, von denen das aufsere
glatt und durchsichtig, das innere, kleine aus kleinen Haufchen von Kornchen bestehende
dunkle Flecken und an einer Stelle eine dunklere Masse zeigte. Sie waren iibrigens iiber-



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einstimmend mit den Eiern einer andern Beobachtung, welche J / 2 P- !. im Durch-
messer batten, etwas iiber vierzebn Tage alt waren und welche v. Bae'r ganz genau
beschreibt. Diese waren vollkoramen durchsichtig, ganz frei im Uterus, nicbt ganz
rund, sondern etwas liinglich. Sie schienen nur aus einer Membran zu besteben. Sobald
sie aber mit Wasser in Beriihrung kamen, trennten sich eine aufsere und eine innere Hiille
von einander, von welcben die innere in der aufseren inimer mehr zusammensank.
v. Baer erkla'rt diese Erscbeinung ricbtig durch die Endosmose und Exosmose. Die aufsere
Hiille, welche, er Membrana corticalis nennt, erschien durchsicbtig, aber aufsen mit kleinen
halbdurchsichtigen Ko'rnchen besetzt, welche v. Baer fur den ersten Anfang der Zotten des
Chorions halt. Das innere Blaschen gewahrte unter der Linse, so lange es noch tur-
gescirte, einen sebr schb'nen Ariblick. "Annulis enim vel sphaerulis, centre pellucido peri-
pheria obscuriori, praedita videtur. Quae maculae, si majori microscopii vi subjiciuntur,
aliam exhibent formam ac si metamorphosin passae essent. Sunt enim nee sphaerulae nee
veri annuli, sed ex granulis potius constituunlur in orbes irregulares dispositis, unde sub
minori visus angulo orbes continuos esse mentiuntur. Oculus microscopicis observationibus
adsuetus facile cognoscit, has maculas non ipsi membranae esse innatas, sed ejus superficiei
adhaerere internae. Major praeterea adest macula multo magis opaca , orbicularis fere.
Qui accuratiori visu gaudet, earn nudis oculis uti punctulum albidum in ovo pellucido con-
spicit. Dieses innere Blaschen nannte dann v. Baer Membrana vitelli, den zuletzt genann-
ten dunkeln Fleck Blastoderma, und hielt sie ftir gleicbbedeutend mit den so benannten
Theilen des Vogeleies. Ueber die Bildung desselben spracb er sich folgendermafsen aus
(1. c. p. 23.). In uterum transmissum ovum citius accrescit majorem fluidi quantita-
tem imbibens et inde cavum et pellucidum fit. Granula (vitelli) ad peripheriam magis ma-
gisque recedunt et ex superficie sua materiam excernunt, ex qua cuticula tenuissima con-
crescit, cujus superficiei internae granula adhaerent. Cuticula haec membrana vitelli est, et
granula, de quibus agimus, granulis vilellinis avium respondent. Vis formativa a centro ad
peripheriam agens, cum granula primitius ad peripheriam egerit, turn in quocunque granule
massam densiorem ad peripheriam cogit, quo quodcunque granulum in orbem vertitur, gra-
nula minora circa centrum pellucidum sistentem.

In seinem Commentar zu der Epistola in Heusinger's Zeitscbrift fiir organische
Physik. Bd. II. 1828. beschreibt Hr. v. Baer die Eichen dieses Stadiums S. 168. und
folgende, noch genauer. Hauplsachlich aber anderle er seine Ansicht iiber das innere
Blaschen und den in demselben bemerkbaren dunkleren Fleck. Er hielt es namlich daselbst
fiir wahrscheinlicher, dass nicht dieses innere Blaschen die Dotterhaut sei, sondern das au-
fsere, also die friihere Zona pellucida. Das innere Blaschen betrachtete er jetzt als das
Analogon der Keimhaut des Vogeleies, welche hier bei der Kleinheit des Saugethiereichens
sogleich als Blaschen gestaltet erscbeine, wahrend sie bei dem Vogeleie erst allmalig den
Dotter umwachst. Den dunkeln Fleck verglich er mit dem sogenannten Hiigel der Keim-
schichte, oder dem Kerne des Hahnenlrittes nach Pander's Benennung, im Vogeleie, von
welchem also die Bildung des Fruchtbofes und sodann des Embryo ausgebt.

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In dem zweiten Bande seiner Entwicklungsgeschichte 1837. ist Hr. v. Baer dieser
lelzten Ansicht treu geblieben, S. 184. Er fiigt nur noch hinzu, dass er gesehen zu haben
glaube, wie jeder der kleineren Dotterkb'rnchen Haufen in dem inneren Blaschen von
einem sehr zarten Striche umgeben gewesen sei, als ob jedes Haufchen noch von einer
gemeinschaftlichen Masse zusammengehalten wiirde.

An letzterem Orte, S. 185 mid folgende, behandelt Hr. v. Baer dann noch die Frage,
ob das Ei der Saugethiere auf diesem Stadium im Uterus Eiweifs umgebildet erhalte. Bei
Schweinen und Schaafen glaubt er eine solche Umbildung Schritt vor Schritt verfolgt zu
haben. Bei dem Hunde und Kaninchen gelang ihm dieses nicht (S. 187.), er glaubt aber
dennoch, dass diese Differenz geringer sei, als es scheine.

Sodann beschreibt Hr. v. Baer S. 189 die weitere Entwicklung des Eies bis zum
Auftreten der ersten Spur des Embryo folgendermafsen : Kaum ist der Dotter so weit
verflussigt, dass er einige Durchsichtigkeit erlangt hat, so erkennt man auch schon, dass
der sackformige Keim (dass innere Blaschen) sich in zwei sehr ungleiche Theile, einen
kleineren mittleren, den Embryo (jener dunkle Fleck), und einen viel grb'fseren umgebenden,
die Keimhaut, geschieden hat. Der Theil, welcher Embryo werden soil, ist anfangs kreis-
fdrniig, bald wie ein Schild erhoben, verdickt und ganz durchsichtig, ohne weitere bemerk-
liche Organisation und sehr friih kenntlich beim Hunde, sobald der Dotter genug verflus-
sigt ist, um den Keira deutlich zu unterscheiden. Spa'ter wird er langlich und es bildet sich
in ihm ein dunklerer Streifen. Dieser Streifen, der das eine Ende des Schildes fast er-
reicht, vom andern aber bedeutend absteht, ist, wie der Erfolg lehrt, dem Primitivstrei-
fen im Vogeleie analog. Er zeigt sich immer quer auf der Langenaxe des Eies und des
Fruchthalters."

Endlich bemerkt Hr. v. Baer auch noch S. 192 u. 208, dass sich der zum Embryo


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