Copyright
Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

. (page 7 of 18)
Online LibraryTh. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) BischoffEntwicklungsgeschichte des hunde-eies → online text (page 7 of 18)
Font size
QR-code for this ebook


werdende Theil in zwei Blatter, ein animales und ein vegetatives spalte, wie bei dem Vogeleie.
Indessen vermisst man eine genauere Angabe dieses Verhaltnisses, so dass es mehr aus der
Analogic und Folge erschlossen, als unmittelbar beobachtet worden zu sein scheint. -

Herr Coste hat auch iiber dieses Stadium der Entwicklung des Hundeeies wenig aus-
zusagen gewusst. Er schliefst sich (Embryogenie comparee p. 401.) den Herren Prevost
und Dumas an, nur unterscheidet er an dem Eichen zwei in einander geschlossene Blas-
chen, deren aufseres er Membrane vitelline, das innere Membrane blastodermique nennt.
Von der ersteren, welche die Zona pellucida des Eierstockeies ist, sagt er: On peut voir
qu'elle est parsemee de petites taches qui sont probablement le resultat d'un produit ad-
ventif. An einer Stelle der zweiten: On voit le premier grouppement des globules qui
vont constituer la tache embryonnaire. Diese Tache embryonnaire ist nach ihm anfangs
rund, dann elliptisch und dann guitarrenformig. Aufserdem stimmt auch er in die Klagen
der Herren Prevost und Dumas sowie v. Baer's iiber die Verschiedenheit der Ent-
wicklungsstufe bei verschiedenen Thieren zu derselben Zeit ein.

Prof. R. Wagner hat ebenfalls ein Eichen eines Hundes ans dieser Zeit beschrieben
und abgebildet (Beitrage zur Geschichte der Zeugung und Entwicklung, S. 33, Tab. I. Fig. 8.).



51

Er erhielt dasselbe von Hrn. Prof. Gurlt in Berlin, der dessen Alter auf vierzehn Tage
angab, und es hatte schon einige Tage in Weingeist gelegen. Es mafs ungefahr eine
Linie und schon mil unbewaffnetem Auge sah man an ihm einen dunkeln Punkt. Es be-
stand aus zwei Hauten, die aufsere war gleichmafsig, faltenlos, durchsichtig; die innere
etwas abstehend von der aufseren, hier und da eingekerbt und gefaltet und mit zerstreuten
dunkeln Punkten besaet, die sich als deutliche Kornchen zu erkennen gaben. Der Fleck
zeigte sich als eine runde, flache, umschriebene dunkele Schicht, aber deutlich ein Aggregat
von Kiigelchen, welches abgegrenzt ist und durchaus nicht verfliefst. Aufserdem theilt er
mit, dass er bei Prof. Gurlt ein Eichen vom siebenzehnten Tage sah, welches eine birn-
oder citronenformige Gestalt hatte und einen ovalen oder birnformigen Fruchthof.

Hausmann fand selbst dreiundzwanzig und vierundzwaiizig Tage nach der Befruch-
tung noch keine Eier im Uterus, obwohl sie schon deutliche Anschwellungen an demselben
bildeten. Er meint, dieses sei gerade die Zeit gewesen, wo das Ei sich zu bilden begon-
nen!! (1. c. S. 72 u. 73.)

Uebrigens sind Eichen aus dieser Zeit im Uterus noch von verschiedenen Schriftstel-
lern bei anderen Thieren und selbst beim Menschen vielleicht gesehen worden. Es war
dieses bis vor Kurzem das friihesle Stadium, auf welchem das Saugethierei bekannt war,
und man stritt sich iiber die Bedeutung der beiden Blaschen, die natiirlich nicht entziffert
werden konnte, so lange man ihren Ursprung und Bildung, sowie ihre fernere Beziehung
zum Embryo nicht kannte. Ich glaube iiber beide in meinen friiheren Schriften schon
vielfaltige Auskunft gegeben zu haben und in dem Folgenden noch ferner liefern zu kb'n-
nen, obgleich die hier nach dem Stande unseres heutigen Wissens aufzuslellenden Forde-
rungen noch auf grofse Schwierigkeiten stofsen, deren ganz geniigende Losung urn so wiin-
schenswerther ist, da es sich hier um fundamental Erscheinungen organischer Bildung
handelt, die man schwerlich anderswo so rein zu untersuchen Gelegenheit hat. Ich
theile auch hier zuerst meine Beobachtungen mit, welche die Zahl von 25, oftmals mit
zwei Stadien, iiberschreiten und an mehr als 125 Eiern angestellt worden sind.

In der letzten im vorigen Kapitel mitgetheilten Beobachtung vom lOten und llten
Mai 1842 habe ich bereits angegeben, wie die am llten Mai oben im Uterus gefundenen
Eier, welche den am lOten noch im Eileiter gelroffenen noch durchaus ahnlich waren,
aus der von keinem Discus mehr, ebenso wenig aber auch von Eiweifs umgebenen Zona
pellucida und dem in eine grofse Zahl von Kugeln zerlegten Dotler bestanden.

XX. Montag, am 13ten Januar 1843, untersuchte ich eine Hiindin, welcher ich am
14ten August 1842 das eine cornu uteri ungefahr in der Mitte unterbunden hatte. Sie hatte
sich am 3ten Januar 1843 zum ersten Male belegen lassen, als sie frei herum lief und
ebenso alle die folgenden Tage bis zum 13ten. Ueber den Befund an der Seite, wo der
Uterus unterbunden war, habe ich an einem andern Orte berichtet. In dem rechten, nicht
unterbundenen Horn fand ich ein Ei oben in der Spitze desselben, eins etwa in der
Mitte und ein drittes zwischen diesen beiden. Sie erschienen dem unbewaffneten Auge
noch immer als kleine weifse Piinktchen und bestanden unter dem Mikroskope noch immer

7



52

aus der Zona und dem eirie dunkele Masse bildenden Doiler. Der Durchmesser sowie die
Dicke der Zona batten zugenommen. Ersterer betrug 0,0081 und 0,0090 P. Z., letzterer
0,0014 und 0,0013 bei zwei runden Eiern ; das dritte war ungewohnlich gestaltet, etwas
eifdrmig. Der Dotter fiillte das Innere der Zona nicht ganz aus und mafs 0,0040 P. Z.
Er scbien bei dem einen Eie (Fig. 19.) von einer gleichformigen dunkeln Masse gebildet zu
sein; aber bei sehr genauer Beachtung erkannte man, dass er aus Kugeln zusammengesetzt
war. Es schien dabei, als wenn diese Masse in der Mitte eine Hohlung umschlosse, daher
die Mitte beller aussah, als die Peripberie. Bei dem zweiten Eie (Fig. 20.) bildete der
Dotter auch eine solcbe runde dunkele Kugelmasse; allein mitten zwischen denselben macble
sich ein kleiner, glanzend heller Fleck bemerkbar, um welchen herum die Dotterkornchen
in dichlen Kreisen gestellt waren. Es scbien , als hatte sich hier eine der Dolterkugeln
durch Aufnahme einer durchsichtigen Substanz expandirt, so dass das in ihr eingeschlos-
sene belle Blaschen sichtbar geworden, um welches herum nun die Dolterkornchen gelagert
waren. Das dritte eiformige Ei hatte einen nicht ganz runden Dotter und neben ihm
befanden sich in der Zona noch zwei einzelne Dotierkugeln, so dass ich nach dieser gan-
zen Beschaffenheit dasselbe fur pathologisch hielt.

XXI. Am 17ten Marz 1839 untersuchte ich eine Hu'ndin, von welcher ich bestimmt
wusste, dass sie am 28sten Februar, also vor siebenzehn Tagen zum ersten und einige
Male belegt worden war. Rechts zeigten sich ein, links zwei Corpora lutea. Die Eier waren
links ganz oben im Uterus, rechts in der Miindung des Eileiters. Sie erschienen als kleine
weifse Punkte und bestanden aus der von keinem Discus oder Eiweifs umgebenen Zona und
einem dunkeln Dotter. Der Durchmesser in der Zona war 0,0082 und 0,0085 P. Z., die
Dicke derselben 0,0009; der Durchmesser des Dolters 0,0047 P. Z., so dass er also das
Innere der Zona nicht ganz ausfullte, auch war er nicht ganz rund. Leider erkannte ich
damals die Zusammensetzung des Dotters aus einzelrien Kugeln nicht. Ich sah nur, wie,
nachdem die Eier einige Zeit in Wasser gelegen, die Dottermasse aufquoll, die Dolter-
kornchen aus einander wichen und dann das ganze Innere der Zona anfiillten.

XXII. Am lOten Marz 1838 fand ich bei einer Hiindin, von welcher ich nur wusste,
dass sie am 4len zum letzten Male belegt worden war, am rechten Eierstocke vier Corpora
lutea und in dem Uterus vier Eier, oben in der Spitze desselben dicht bei einander. Der
linke Eierstock hatle kein Corpus luteum und der Uterus enthiell auch kein Ei. Jene vier
erschienen als kleine weifse Piinktchen und bestanden unter dem Mikroskope aus der Zona
pellucida und dem dunkeln Dotter. Der Durchmesser jener war ziemlich constant bei
alien vieren 0,0080 P. Z. Der Dotter fiillte die Zona iiicht aus; ich erkannte zwar da-
mals, noch mit einem schlechten Instrumente ausgestatlet, die Zusammenselzung desselben
aus einzelnen Kugeln nichl; der ausgezackte Piand der dunkeln Masse fu'hrte mich aber
schon auf die bestimmte Vermuthung, dass der Dotter wie bei den Frb'schen gefurcht sein
werde. Nach langerem Liegen in Wasser horte auch hier die scharfe Begrenzung des
Dotters auf und er fiillte dann die Zona wieder ganz aus.

XXIII. Genau ebenso verhielten sich auch vier Eier einer Hiindin, welche ich am



53

17ten Februar 1838 untersuchle, welche wahrscheinlich seit dera 2ten oder 3ten belegt
und am 7len noch briinstig war. Audi hier bemerkte ich damals nur die unregelmafsige
Contour der Dottermassen, ohne die einzelnen Kugeln zu erkennen.

XXIV. Bei einer Hiindin am 5ten April 1840 dagegen, von welcher ich bestimmt
erfuhr, dass sie seit 24 Tagen belegt war, fand ich vier Eier in den beiden Hornern des
Uterus sehr weit entfernt von einander, so dass sie schon an ihren bleibenden Stellen an-
gelangt zu sein schienen. Auch diese erschienen dem unhewaffneten Auge noch als kleine
weifse Piinktchen; unter dem Mikroskope bestanden sie aus der Zona und dem Dotter, an
welchem ich damals in der Lage, in welcher es sich inir darbot, an einem Eie 13 Kugeln
zahlte, welche nicht alle von gleicher Grofse waren. Aufserdem aber bemerkte ich sowohl
in diesem Eie als auch noch in einigen anderen, bei welchen ich die Zahl der Kugeln iri-
dessen nicht bestimmen konnte, eine kleine Gruppe kleiner durchsichtiger Blaschen oder
Zellen, mitten zwischen den Dotterkugeln. Der Durchmesser des ersten Eies betrug
0,0092 P. Z. Ich muss bemerken, dass inir die nach 24 Tagen noch wenig fortgeschrit-
tene Entwicklung dieser Eier, die Theilung des Dotlers nur in 13 Kugeln, wahrend die
Eier schon Jm ganzen Uterus vertheilt waren, sowie endlich jerie Gruppe kleiner Blaschen
im Inneren der Zona, diese Beobachtung als abweichend erscheinen lassen. Vielleicht wa-
ren die Eier in der Entwicklung stehen geblieben und wollten abortiren.

XXV. Dieses war, wie es schien, auch der Fall bei einer andern Hiindin, weiche
ich am 23sten September 1840 unlersuchte, nachdem sie sich am 2ten zum ersten und
am 7ten zum letzten Male hatte belegen lassen. Die Eier befanden sieh, zwei auf jeder
Seite, in der Milte des Uterus als kleine weifse Punkte. Sie waren alle nicht rund, son-
dern oval, besafsen alle noch eine ziemlich dicke Zona pellueida. Der Dotter war bei
zweien in zwei ungleich grofse Theile zerlegt, neben welchen sich in einem Eie noch zwei
kleine dunkele Kugeln zeigten. Bei einem dritten Eie zeigten sieh in der Dottermasse meh-
rere grofsere und kleinere Fetlblasen.

XXVI. Am 14len Miirz 1840 untersuchte ich eine grofse Hiindin, von welcher ich
zuverlassig erfuhr, dass sie am 23sten Februar zum ersten und am 2ten Marz zum letzten
Male belegt worden war. Ich fand neun Eier in den beiden Hornern des Uterus, allein
auch diese waren noch ziemlich weit zuriick. Die meisten stellten noch kleine weifse Piinkt-
chen dar und bestanden aus der ziemlich angeschwollenen 0,0010 - 0,00l4 P. Z. dicken
Zona und einem in Kugeln zerlegten Dolter, weleher die Zona nicht ganz ausfiillte. Im
Durchmesser der letzteren mafsen diese Eier 0,0082 0,0090 P. Z. Zwei Eier aber hat-
ten ein wesentlich verschiedenes Anseheu. Sie waren schon fur das unbewaffnete Auge
nichl mehr kleine, ganz weifse, sondern etwas heller ausseheride Punkte. Sie waren ferner
grofser als die iibrigen, 0,0100 P. Z., und die Zona war an ihnen diinner, 0,0005 P. Z.
Bei dem einen (Fig. 21.) bildete die eine Halfte des Dotters noch eine dunkele aus Dotler-
kugeln zusammengeselzte Masse, in der andern Halfle zeigten sich die Dolterkorncben in
Kreisen um einen sehr hellen Mittelpunkt herum geslellt. In dem zweilen hatle sich ein
noch grofserer Theil der Dotterkugeln in solche Kornerkreise umgewandelt, wahrend an



54

einzelnen Stellen, noch kleinere Haufchen von Dotterkugeln iibrig waren. Bei mehreren der
erstgenannten Eier beobachtete ich ferner, nachdem ich sie mit einer feinen Nadel geoffnet
und nun etwas comprimirt hatte, eine Gruppe kleiner heller Blaschen, etwa von der Grofse
eines Blutkb'rperchens ira Inneren der Zona, welche zwischen den Kugeln gesteckt zu haben
schien.

XXVII. Bei einer Jagdhiindin, von welcher ich bestimmt wusste, dass sie sich Frei-
tag, am 2ten Marz 1838, noch belegen lassen, fand ich am 14ten Marz an jedem Eier-
stocke vier Corpora lutea und in dem rechten Uterus vier, in dem linken drei Eier. Die-
selben waren ziemlich enlfernt von einander in dem Uterus vertheilt, zwar etwas grofser
als die bisher beschriebenen, aber doch noch sehr klein, dazu fast ganz durchsichtig und
daher aufserst schwer aufzufinden. Sie besafsen einen Durchmesser von 0,0098 0,0123
0,0129 P. Z. Alle waren noch von der 0,0007 P. Z. dicken Zona pellucida umgeben,
ihr Inneres aber hatte, als ich sie ganz frisch aus dem Uterus unter das Mikroskop brachte,
ganz das Ansehen, welches in der vorigen Beobachtung nur einige Eier theilweise besessen
hatten (Fig. 22.). Von den dunkelen Dotterkugeln war namlich nur noch eine kleine rund-
liche Gruppe vorhanderi, die anderen waren alle in lauter concentrische Punge gruppirt,
welche einen sehr hellen glanzenden Mittelpunkt umgaben, wodurch das ganze Ei einen
sehr eigenthiimlichen und brillanten Anblick gewahrte. Wenn ich zu diesen Eiern einen
Tropfen Wasser zusetzte, so verschwand dieses Ansehen und alle Dotterkornchen zogen
sich wieder zu einer unregelmafsig gestalteten, das Innere der Zona nicht ganz ausfullen-
den dunkeln Masse zusammen (Fig. 23.) Da ich bereits wusste, dass jene dunkele Gruppe
von Dotterkugeln spater als Fruchthof auftritt, so untersuchte ich ihn sehr genau, konnte
aber in ihm nichts Anderes, als eben die Dotterkugeln, erkennen.

XXVIII. Diesen Eiern sehr ahnlich waren sechs andere, welche ich am 7ten September
1838 bei einer Hiindin, die sich ganz bestimmt Freitag am 24sten August zum ersten
Male hatte belegen lassen, fiinf auf der rechten, eins auf der linken Seite, noch ziemlich
hoch im Uterus, jene auch noch dicht bei einander fand. Sie slellten ganz vollkommen
durchsichtige, glanzend helle Blaschen dar, an welchen man, wenn sie auf einem Glasplatt-
chen lagen, schon mit unbewaffnetem Auge einen sehr kleinen weifsen Punkt unterscheiden
konnte. Unter dem Mikroskope zeigten sie noch die, zwei Contouren darbietende Zona,
im Inneren wieder jene Kb'rnerringe und an einer Stelle einen runden, aus dunkeln Dot-
terkugeln zusammengesetzten Fleck. Kamen sie mit Wasser in Beriihrung, so erkannte
man nun sehr leicht und deutlich, dass sich im Inneren der Zona eine aufserst zarte Mem-
bran gebildet hatte, in der jene Kornerringe und auch jener dunkele Fleck, den ich fortan
immer den Fruchthof nennen werde, lagen. Es trennte sich namlich alsdann dieselbe
von der Zona und sank im Inneren derselben etwas zusammen (Fig. 15.). Oeffnele ich
alsdann die Zona mit einer Nadel, so trat jene innere Hiille heraus und ich erkannte jetzt
sehr deutlich, dass dieselbe aus lauter sehr zarten Blaschen oder Zellen gebildet war, die
sich dicht an einander geschlossen, um die ganze Hiille zu bilden, sich aber im Wasser
auch noch von einander isolirten (Fig. 26.). Die Dotterkornchen waren, wie ich sehr



55

besimmt erkannte, im Inneren derselben enlhalten, verloren aber bald ibre bestimmte Stel-
lung in concentrischen Kreisen und verbreiteten sicb im Inneren der Zellen, woselbst ich
an ihnen deutliche Molecularbewegungen beobachten konnte.

XXIX. Am 29sten October 1838 untersuchte ich eine andere Hiindin, welche seit
dem I2ten in meinem Besitze war, sich aber damals nicht mebr belegen liefs, obgleich
ihr die Hunde noch nachstellten, die aufseren Genitalien auch noch angescbwollen waren.
Die Eier, welche ich bei ihr fand, glichen denen der vorigen Beobachtung vollkommen.
Das innere neu gebildete Blaschen bestand auch hier aus sehr zarten Zellen, welche ver-
schieden grofs waren, 0,0005; 0,0008; 0,0014; 0,0016 P. Z. Wenn sie herausgetreten
waren und die Dotterkornchen sich in ihnen zerslreut batten, konnte ich den hellen Kern,
um welchen diese friiher in concentrischen Ringen gruppirt gewesen waren, nicht mehr
erkennen.

XXX. Sonntag, am 13len November 1842, schnitt ich den linken Uterus, Eier-
stock und Eileiter einer Hiindin aus, von welcher der Verkaufer versicherte, sie habe sich
vor acht Tagen zum letzten Male belegen lassen. Ich fand zwei Eier ungefa'hr in der
Mi tie des Ulerus. Sie erschienen als kleine, glanzend durchsichtige Punkte 0,0116 P. Z.
3 //" im Durchmesser. Die Zona mit ihren doppelten Contouren, 0,0008 0,0010 P. Z.
dick, bildete noch die aufsere Hu'lle. Keine Spur von Eiweifs umgab sie. Im Inneren
waren wieder jene schonen Kornerringe um einen hellglanzenden Mittelpunkt herum zu
bemerken , welcher letztere meislens einen Durchmesser von 0,0005 P. Z. besafs. Aufser
ihnen zeigte sich an einer Stelle ein dunkeler, aus Dotterkugeln gebildeter Fleck und darm
noch zwischen den Kornerringen einzelne zerstreute Dotterkugeln, 0,0011 P. Z. im Durch-
messer haltend. Bei Zusatz von Wasser mit etwas Eiweifs und Salz versetzt, zog sich im
Inneren eine die Kornerringe einschliefsende, an der Innenflache der Zona ausgebreitete,
zarte hautige Schichte zusammen, an welcher ich indessen, sowohl so lange sie noch im
Inneren der Zona eingeschlossen war, als auch nach Erb'ffnung derselben durchaus keinen
Zellenbau wahrnehmen konnte. Die Ringe bildenden Dotterkornchen waren nur von einer
homogenen durchsichtigen, sehr dehnbaren und dann wieder zusammenfahrenden Substanz
zusammengehalten, von der ich vermuthe, dass sie durch ^ r e^schmelzung der in den fruhe-
ren Beobachtungen vorhandenen Zellen entstanden ist. An dem von den Dotterkornchen
umgebenen hellen Kerne oder Blaschen konnte ich auch in dieser Beobachtung nichts Wei-
teres, keinen weiteren von ihm eingeschlossenen Kern bemerken.

Zwolf Stunden danach liefs ich die Hiindin tb'dten und fand auf der rechten Seite
noch vier Eier in der oberen Halfte des Uterus. Sie waren unterdessen bedeutend gewach-
sen und eins der kleineren besafs einen Durchmesser von 0,0250 P. Z. = 3 / 10 P- L M sie
waren ganz wasserhell und zeigten auch schon dem unbewaffneten Auge an einer Stelle
einen kleinen weifsen Punkt (Fig. 27.). Das am weitesten im Uterus nach abwarts geriickte
Ei hatte eine geringe unregelmafsige Schichte eines granulirten Stoffes um sich, und ebenso
die ubrigen in abnehmender Dicke, je hb'her hinauf sie sich befanden. Dieselbe haftete der
Zona ziemlich fest an, so dass sie nicht wohl von blofs zufallig adharirendem Schleinie



56

und Epithelienfragmenten hemiriihren schien. Eine bestimmtere Form aber, die etwa auf
Bildung von Zotten schliefsen Hefs, welch e wir spater auftreten sehen werden, hatte dieselbe
auch nicht. Zugleich aber zeigte nun auch die Zona nicht mehr ihre friihere Dicke
und die derselben entsprecbenden zwei Contouren, sondern sie erscbien nun als eine diinne,
keine zwei Contouren mehr besitzende feine Membran , tibrigens aber nocb ebenso ohne
irgend eine weitere Structur und Textur, so dass ihre Verandorung nur von der durch
das starkere Wachsthum des Eies abhangigen Ausdehnung hervorgebracht zu sein schien.
Innerlicb lag ibr im ganz frischen Zustande eine zweile sehr feine Blase an, welcbe sich
indessen bei Zusatz von Humor aqueus schnell und stark von ihr trcnnte (Fig. 27.B.). In
dieser inneren Hiille waren nun wieder jene Kornerringe mil einem hellen Centralpunkte
entwickelt, welche indessen durch eine homogene durchsichtige Zwischensubstanz weiter von
einander entfernt waren; auch schien die Zahl der Kb'rner, welche die einzelnen Hinge bil-
deten, geringer geworden zu sein (Fig. 27. C.). Zellen aber, welche die Korner eingeschlos-
sen batten, konnte ich auch hier wieder, trolz aller Aufmerksamkeit, nicht entdecken, so
dass ich auch hier glaube, dieselben waren unter einander und unter Ilinzukommen einer
Intercellularsubstanz zur Darstellung jener feinen inneren Blase, welche ich die Keim-
blase nennen will, verschmolzen.

In dieser letzten Beschaffenheit, wo das Eichen aus zwei in einander eingeschlossenen,
sehr feinen, vollig durchsichtigen Blaschen besteht, deren aufsere von der structur- und
texturlosen Zona, die innere von einer zarten Membran gebildet wird, in welcher die noch
vorhandenen Dotterkornchen in Ringen um einen hellen centralen Kern gebildet herumge-
stellt sind und in welcher letzteren dann auch immer eine dunkele aus Dotterkugeln gebil-
dete Stelle, der Fruchthof, sich zeigt, habe ich oft und zahlreiche Eichen in zunehmender
Grofse gesehen. Das einzige Befremdende dabei ist mir das, dass ich an dieser inneren
Hiille bald einen Zellenbau erkannte, bald nicht. Die folgenden Beobachtungen erithallen
dariiber, sowie iiber weitere Verhallnisse und Veranderungen das Na'here. -

XXXI. Am 2ten August 1839 untersuchte ich eine Hiindin, welche, wie ich be-
stimmt wusste, am 15ten Juli zum letzten Male belegt worden war, und dann den Hund
nicht mehr zuliefs. Ich fand drei Eier, eins im rechten, zwei im linken Uterus. Sie wa-
ren noch sehr kleine, etwa V 4 P. L. grofse, wasserhelle Blaschen, mit einem kleinen weifsen
Piinktchen. Die Keimblase zeigte wieder die Dotterkornchenkreise und war deutlich aus
Zellen gebildet.

XXXII. Am 4ten April 1838 erhielt ich eine Hiindin, welche sich nicht mehr bele-
gen lassen wollte, obgleich die Mannchen noch sehr hitzig hinter ihr her waren. Ich liefs
sie bis zum vierzehnten Tage leben. Ich fand im rechten Uterus im unteren Ende ein
Eichen, etwa ' l / 3 P. L. grofs. Es war wasserhell, vollkommen rund und zeigte wieder in
der Keimblase die Kornerringe und einen dunkeln Dotterkugelhaufen, den Fruchthof. In
dem linken Uterus fand ich zwei Eier, welche aber noch weit zuru'ck waren. Sie waren
nicht viel grbTser als ein Eierstockei, die Zona hatte noch ihre doppelten Contouren und
der Dotter bildete noch eine dunkele die Hohle der Zona nicht ganz ausfiillende Masse.



57

Da sie zugleich nicht ganz rund waren und ich sonst solche Verschiedenheiten nicht be-
merkt habe bei normaler Entwicklung, so glaube ich, dass diese beiden Eier wahrscheinlich
abortiv waren.

XXXIII. Eine Hiindin, welche sich, wie ich bestimmt wusste, am 15ten Mai 1838
zum letzten Male hatte belegen lassen, untersuchte ich am 30sten ejusd. Die Eier befanden
sich drei in jedem Uterus verlheilt, wie es schien, schon an ihren bleibenden Stellen, als kleine,
wasserhelle, aus zwei Hullen zusammengesetzte Blaschen von etwa y 3 P.L. Durchmesser. Das in-
nere, die Keimblase, zeigte wieder die Kb'rnerringe und den Fruchthof und trennte sich im Was-
ser bald von dem aufseren. Im rechten Uterus batten nur zwei Eier diese Beschaffenheit 5 das
dritte glich noch ganz einem Eierstockei ohne Discus, war etwas langlich, die Zona besafs
noch eine ansehnliche Dicke und der Dotter war in zwei unglciche dunkle Halften zerlegt.
Ich halte auch dieses fur ein abortives, in seiner Entwicklung gehemmtes Ei.

XXXIV. Sonntag, am 27sten November 1842, schnitt ich einer kleinen Hiindin,
von der mir nur versichert worden, dass sie sich Miltwoch, am 16ten, noch belegen las-
sen, den linken Uterus, Morgens 8 Uhr, aus. Ich fand in demselben im unteren Drittheil
ein etwa J / 3 P. L. grofses wasserhelles Eichen, welches aus seiner aufseren Eihaut, der Zona
pellucida, und aus der Keimblase bestand. Letztere zeigte wieder die Kornerringe, allein
ich konnte keinen Zellenbau an ihr entdecken, sondern die Kornerringe wurden nur durch
eine homogene durchsichtige Substanz zusammengehalten und zu einer Membran verbun-
den. Der Fruchthof besland aus dunkelen Dotterkugeln, welche einen hellen centralen Kern
enthielten.

Nach 25y 2 Stunden liefs ich die Hiindin todten. Ich fand im rechten Uterus vier
Eier, die aber unterdessen so viel weiler sich entwickelt batten, dass ich sie erst weiter
unteren beschreiben werde.

XXXV. Am 26sten Ma'rz 1838 untersuchte ich eine Hiindin, deren linker Eierstock
sieben, der rechte vier Corpora lutea zeigte. Ich fand aber in dem linken Uterus nur drei,
in dem rechten alle vier Eier, vertheilt, und wie es schien, schon an ihren bleibenden Stel-
len. Sie waren nicht alle gleich grofs. Die kleineren, holier im Uterus befmdlichen etwa
V 3 P. L. grofs, waren ganz rund, die grb'fseren, gegen l / 2 P. L., waren dagegen etwas ellip-
tisch. Alle aber bildeteu wasserhelle Blaschen mil einem weifsen Piinktchen und bald
trennte sich bei alien von der aufseren Eihaut die Keimblase. Letztere zeigte ebenfalls
wieder die Kornerringe, allein dieselben bestanden nicht mehr aus mehrfachen Reihen con-
centrisch gestellter Kornchen, sondern nur noch aus einer einfachen Reihe, welche einen
sehr hellen Kern einschlossen. Der Fruchthof bestand aus dunkelen Dotterkugeln und
Kornchen.

XXXVI. Genau hiermit stimmten auch die Eier einer Hiindin iiberein, welche sich
am lOten August 1840 zum letzten Male hatte belegen lassen und am 26slen von mir un-
tersucht wurde. Die Keimblase zeigte Kornerringe, in welchen die Korner nur in ein-
facher Reihe standen. Zellen konnte ich aber hier wieder nicht erkennen, obgleich die


1 2 3 4 5 7 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

Online LibraryTh. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) BischoffEntwicklungsgeschichte des hunde-eies → online text (page 7 of 18)