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Th. Ludw. Wilh. (Theodor Ludwig Wilhelm) Bischoff.

Entwicklungsgeschichte des hunde-eies online

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Kerne sehr deutlich waren. . Die Zellen mussten mit einander verschmolzen sein.

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XXXVII. Von dieser Beschaffenheit waren auch die Eier der ersten Hiindin, welche
ich am 15ten Januar 1834 untersuchte. Sie war Montag, am 5ten Januar, zum letzten
Male belegt worden und liefs nachher den Hund nicht mehr zu. Ihre Eier waren 3 / 4 bis
1 P. L. grofs und waren, wie es schien, an ihren bleibenden Stellen im Uterus. Auch
danials erkannte ich schon ihre beiden sie bildenden Hiillen und den Fruchthof ganz
deutlich.

XXXVIII. Am 16ten Marz 1838 untersuchte ich eine Hiindin, welche sich am 2ten,
3ten, 4ten und 5ten halle belegen lassen. Der rechte Eierstock zeigte fiinf, der linke drei
Corpora lutea, ich fand aber auch auf der rechten Seiten nur drei Eier im Uterus, wie
es schien, an ihren bleibenden Stellen. Sie waren iiber 1 P. L. grofs und bestanden wie-
der aus zwei in einander eingeschlossenen Blaschen, die sich bald stark von einander trenn-
ten. Unter dem Mikroskope zeigte das innere, die Keimblase, sich auf das Schonste aus
gegen einander abgeplatteten Zellen zusammengeselzt, welche einen hellen Kern einschlos-
sen. Ich erkannte hier zum ersten Male, im Jahre 1838, eine aus Zellen zusammenge-
setzte thie'rische Bildung, ehe noch von den Untersuchungen von Schleiden und
Schwann das Geringste bekannt geworden war, wie mein Tagebuch und meine Zeich-
nungen bezeugen. In den Zellen stand nur ein einfacher Ring von Dotterkbrnchen. Der
Fruchthof, welcher aus mit Kbrnchen angefiillten Zellen bestand, war auch an diesen
Eiern noch rund; allein er fing an, sich auf das Deutlichste in der Mitte aufzuhellen, so
dass er eine dunklere Peripherie und einen helleren Mittelpunkt besafs, welcher Unterschied
nur durch die verschiedene Vertheilung des Materials hervorgebracht wurde.

XXXIX. Genau auf demselben Stadium befanden sich auch vier Eier einer Hiindin,
welche ich am 16ten Mai 1838 untersuchte, iiber deren Zeit ich nichts wusste. Alle vier
Eier befanden sich auf der linken Seite, auf der rechten keins und auch am Eierstocke kein
Corpus luteum. Die von den Dotterkornchen gebildeten Kreise waren kaum noch zu er-
kennen.

XL. Ebenso verhielt es sich mit den Eiern einer Hiindin, welche ich am 12ten
Marz 1839 untersuchte, und die vor drei Wochen belegt sein sollte. Die Eier waren ge-
gen 1 P. L. grofs, etwas langlich, sonst wie die in den beiden vorigen Beobachtungen.

XLI. Am listen August 1840 untersuchte ich eine Hiindin, von welcher ich be-
stimmt wusste, dass sie am 9ten sich zum letzten Male hatle belegen lassen. Der rechte
Eierstock zeigte ein, der linke fiinf Corpora lutea. Allein zu meinem Erstaunen
enthielt jeder Uterus drei Eier, so dass daher offenbar zwei Eier von der linken
auf die rechte Seite hiniiber gewandert waren. Die Eier waren in dem Uterus vertheilt
und, wie es schien, an ihren bleibenden Stellen. Allein ihre Grbfse war aufserordentlich
verschieden, wenn gleich alle fast dieselbe Bildung und Enlwicklungsstufe besafsen, Die
kleinsten waren etwa l / 2 P. L. grofs und noch ganz rund 5 die grb'fsten dagegen i l / 2 P. L.
und schon etwas langlich. Alle waren wasserhell, durchsichtig und bestanden aus den
beiden in einander eingeschlossenen Blaschen, deren innere, die Keimblase, den schonsten
Zellenbau an den Randern erkennen liefs, wahrend die Zellen in der Flache schon grb'fs-



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tentheils mit einander verschmolzen zu sein schienen. Die Kbrnerringe waren dagegen schon
grofstentheils verschwunden. Der Fruchthof war bei den kleineren noch rund und gleich-
mafsig dunkel. Bei den grofseren war er dagegen schon in einen dunkeln peripherischen
und hellen centralen Hof geschieden, und bei einigen derselben hatte er eine ovale, bei an-
deren eine Birn-Form angenommen. Auch der Fruchthof bestand aus dichtgedrangten Zel-
len, Kernen und Moleciilen, wie man sich bei Zerreifsen der Keimblase iiberzeugen konnte,
wahrend, im Ganzen betrachtet, der Zellenbau nicht deutiich hervortrat, weil die Zellen zu
dicht an einander gedrangt und iiber einander gelagert waren.

In alien vorstehenderi Beobachtungen hatte ich an dem inneren Blaschen, der Keim-
blase, immer nur cine einfache Lage von Zellen bemerkt und nur in dem Fruchthofe eine
dichtere Ansammlung von Zellen, Zellenkernen und Moleciilen gefunden. Indessen ist es
wahrscheinlich, dass bei den grofseren Eichen die Keimblase, wenigstens um den Frucht-
hof herum, aus einer doppelten Lage solcher Zellen oder zwei dicht an einander anliegen-
den, hb'chst zarten Blattern bestand, wie namentlich die erste der nun folgenden Beobach-
tungen zeigt. Allein ich entdeckte dieselben erst spater bei einer Beobachtung am 23sten
August 1840 bei Eiern, welche schon viel weiter entwickelt waren. Ich habe dieselben
dann spater auch noch an friiheren Eichen gefunden und namentlich auch bei dem Kanin-
cheneie nachgewiesen, und ich lasse deshalb jetzt meine Beobachtungen in der Reihe folgen,
wie die Eier in der Entwicklung und Grofse weiter fortschreiten.

Ich habe schon oben einer Hiindin Erwahnung gethan, der ich am 27. Nov. 1842
das linke Uterus-Horn ausschnitt und in demselben em V 3 P. L. grofses Ei von der vorigen
Beschaffenheit fand. 25V 2 Slunden danach liefs ich die Hiindin todten und fand nun norh
in dem rechten Uterus vier Eier, drei normal und eins abortirend. Jene drei waren un-
terdessen bedeutend fortgeschritten und % 3 /4, P. L. grofs. 1m Allgemeinen glichen sie
aber denen vom vorigen Tage noch sehr, d. h. sie waren noch kleine, wasserhelle, aber
schon etwas weniges elliptische Blaschen aus zwei Hullen, der aufseren Eihaut oder Zona
und der Keimblase, zusammengesetzt. Auch zeigte die letztere noch Kornerringe, gebildet aus
einer einfachen Reihe von Kornchen um einen hellen Kern und den aus dunkelen Dotterkugeln
zusammengesetzten Fruchthof. Allein bei aufmerksamer Beobachtung unler einer starken
Loupe eines einfachen Mikroskopes (Fig. 28. A.), und noch mehr unter dem Compositum
erkannte ich ganz deutiich, dass diese Keimblase in einem grofsen Theile ihrer Ausdehnung,
namlich von dem Fruchthofe, als Mittelpunkt gerechnet, bis zur grofsten Peripherie der
Blase, aus einer doppelten Lage bestand, einer aufseren, welche die vollstandige Keim-
blase bildete, und einer inneren, deren Grenze man sehr deutiich in der grofsten Peripherie
der ersteren erkennen konnte. Dieses sind die beiden Blatter, welche Db'llinger, Pander
und vorzuglich v. Baer als wesentliche Gebilde der Keimhaut des Vogeleies erkannten und
serb'ses oder animales und Schleim- oder vegetatives Blatt derselben nannten,
welche letzteren Bezeichnungen ich auch beibehalten werde. Es gelang mir auch, beide
mit zwei sehr feinen Nadeln von einander zu trennen, wo es sich dann zeigte, dass beide
auch in dem Fruchthofe sich fanden, obgleich die Masse desselben in dem oberen oder



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animalen Blatte am starksten entwickelt ist, beide auch im Fruchthofe jetzt noch sehr dicht
an einander liegen. Beide bestanden aus verschmolzenen Zellen, deren helle Kerne aber
noch sehr deutlich waren.

Das vierte dieser Eier war von den drci beschriebenen sehr verschieden und offenbar
abortiv. Es befand sich ganz oben in der Spitze des Uterus, zeigte noch eine 0,0010 P. Z.
dicke Zona mil doppelten Contouren und der Dotter war in viele grofsere und kleinere
dunkele Massen zerfallen, so dass das Innere des Eies dunkelfleckig aussah.

XLII. Donnerstag, am 15ten December 1842, Morgens 9 Uhr, 6'ffnete ich einer
grofsen Hiindin den Unterleib, von welcher ich ganz beslimmt wusste, dass sie Sonnabend,
am 26sten November, zum ersten und Monlag, am 4ten December, zum letzten Male be-
legt worden war. Sie war also seit 18 Tagen und 7 Stunden befruchtet und seit 11 Ta-
gen zum letzten Male belegt. Ich schnitt den rechten Uterus bis auf ein oberes Stuck aus.
Es waren aber an demselben noch keine Anschwellungen durch die Eier zu bemerken. Ich
fand aber deren zwei (Fig. 29. A. u. B. ); das untere war kleiner als das obere, jenes 1,
dieses \. l / 2 P. L. grofs, schon etwas elliptisch, sonst wasserhell mit einem weifsen Piinktchen.
Ganz frisch konnte man an der Keimblase durch die Zona hindurch keinen Zelienbau be-
merken, sondern nur die hellen Zellenkerne. Auch die Kornerringe um die Kerne herum
waren fast ganz verschwunden. Nachdem die Eier einige Zeit in mit Eiweifs und Salz
versetztem \Vasser gelegen, zog sich die Keimblase sehr zusammen und trennte sich stark
von der Zona (Fig. 29. C.). Die Wirkung davon auf den Fruchthof, der friiher ganz in
der Ebene der Keimblase gelegen hatte, war die, dass er jetzt fast wie eine Halbkugel
iiber die Ebene der Keimblase hervorragte und nun von oben angesehen, wie ein dunkeler
Ring mit einer helleren Mitte aussah, was friiher nicht der Fall war. Nach Eroffnen der
Zona und Austreten der Keimblase, zeigte diese an den Kanten die schonsten primaren
Zellen in alien Grofsen mit einem deullichen Kerne (Fig. 29. E.). In der Keimblase selbst
waren sie unter einander verschmolzen mit dunkelen Moleciilen gefiillt, die Kerne aber noch
sehr deutlich. In dem Fruchthofe (Fig. 29. D.) konnte ich nur Kerne, Molecule und gro-
fsere Fetttropfchen erkennen.

Am andern Morgen, am 16ten, um 9 Uhr, liefs ich die Hiindin todten. Ich fand
nun, dass der Eierstock auf der liriken Seite, deren Uterus ich den Tag zuvor ausgeschnit-
ten hatte, fiinf Corpora lutea, der der rechten aber nur eins zeigle. In dem gestern zu-
riickgelassenen oberen Ende des linken Uterus fand sich aber nur noch ein Ei, in dem
rechten Uterus dagegen deren drei, so dass sich hier offenbar wieder ein Fall des Ueber-
wanderns der Eier von einer Seite auf die and ere gegeben fand.

Die Eier waren aber in den 24 Stunden bedeutend fortgeschritten. Sie waren gegen
2 P. Z. grofs und stark elliptisch; auch erschienen sie dem unbewaffneten Auge (Fig. 30. A.)
nicht mehr so glanzend hell und durchsichtig wie friiher, was offenbar von einem aufseren
Anfluge herriihrte. In der That zeigten sich nun auch die Eier unter der Loupe (Fig. 30. B.)
und dem Mikroskope an ihrer ganzen Oberflache, selbst an den beiden Polen, obgleich
hier schwacher, mit theils einzeln, theils dicht gedrangt stehenden eigenlhiimlichen Korper-



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chen besetzt, welche dieser Oberflache fest anhafteten und die ich fiir die Anfange der
sogenannten Zotten des Chorions halten muss. Dieselben (Fig. 30. C.) erschienen
als dunkelrandige, uriregelmafsig eckige, oft mil doppelten Contouren versehene glanzende
Kb'rnchen, wie ich ahnliche rioch sonst an keiner organischen Bildung geselien babe. Sic
waren nicht aus Moleciilen zusammengesetzt, keine Zellenkerne, auch noch weniger Zellen,
und grb'fser als sonst Elementarkbrnchen. Die am weitesten in dem Uterus nach abwarts
befindlichen und grbfsten Eier waren am starksten mit solchen Kb'rnchen besetzt, die klei-
neren und hbher oben befindlichen viel schwacher. Uebrigens hatte aber die aufsere Ei-
hiille noch immer dieselbe structur- und texturlose Beschaffenheit, wie friiher, und wie sie
die Zona pellucida immer besitzt, war daber auch unzweifelhaft noch immer dieselbe und
jene Kornchen mussten sich von aufsen an sie angesetzt haben.

Die Keimblase hatte die schon oft gesehene Beschaffenheit, d. h. sie bestand aus ver-
schmolzenen Zellen, deren Kerne aber noch deutlich sichtbar waren, und an der Oberflache
und den Randern konnte man auch iiberall noch primare, kernhaltige Zellen in verschiedenen
Grbfsen sehen. Aufserdem aber bemerkte ich iiber die ganze Keimblase mit Ausnahme
des Fruchthofes zerstreuet und selbst noch bei schwacherer Yergrbfserung sichtbar (Fig. 30.
D. u. E.), sternfdrmig gestaltete Zellen, welche oft mit ihren feinfaserigen Auslaufern auf
einander stiefsen. Sie waren meist nach zwei oder drei Seiten ausgezogen. Kerne konnle
ich in ihnen nicht bemerken. Es wollte mir nicht gelingen, ihre Lage mittelst Stellung
des Mikroskopes genau zu ermitteln, ob sie eine oberflachliche oder tiefer gelegene Schichte
der Keimblase einnahmen. Uebrigens war ihre Bildung aber so bestimmt, dass ich sie
mittelst der Camera lucida zeichnen konnte. Ich habe solche sterrifdrmige Zellen an der
Keimblase des Hundes nicht wieder gesehen, wohl aber bei dem Kaninchen. Was wir
iiber die ersten Anfange der Gefafsbildung nach Schwann wissen, lasst vermuthen, dass
diese sternfdrmigen Zellen die ersle Andeutung auch der Gefafsbildung in der Keimblase
sind, welche spater als eiri eigenes Blatt zwischen dem animalen und vegelativen auftritt.
Doch habe ich diese weitere Entwicklung derselben nicht beobachten kdnnen.

Uebrigens waren an der Keimblase die beiden genannten Blatter derselben sehr deut-
lich zu erkennen und es schien mir, als wenn jelzt das vegetative Blatt sich bereits an der
ganzen Innenflache des animalen ausgedehnt und daher gleichfalls zur Blase gestaltet hatte.
Der Fruchthof halte seine gewb'hnliche Beschaffenheit, d. h. er war noch rund, gleichma-
fsig dunkel durch die gleichmafsige Anhaufung von, Zellen, Kernen und Moleciilen und
lag frisch ohne Zusatz ganz in der Ebene der Keimblase. "W"enn sich letztere nach irgend
einem Zusatze aber starker zusammengezogen hatte, so ragte der Fruchthof jetzt betrachtlich
iiber die Ebene derselben hervor und das Material desselben verhielt sich dann so, dass
man eine dunklere Peripherie und eine hellere Mitte unterscheiden konnte.

In alien bisherigen Beobachtungen waren die Eier noch immer, wenn gleich an ihren
bleibenden Stellen, vbllig frei im Uterus gewesen. Bei vorsichliger Erb'ffnung desselben
findet man sie in alien vorbeschriebenen Stadien nirgends mit dem Uterus in fester Ver-
bindung, wenn sie gleich, wie in dem letzten Falle, die Hb'hle desselben schon ziemlich



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ausfullen. Auch aufserlich sind sie dann noch nicht zu erkennen. Jetzt aber tritt nun bei
raschem \Vachsen der Eier, wodurch sie dann auch schon von aufsen an einer geringen
Anschwellung und durchscheinenden Beschaffenheit des Uterus erkennbar werden, eine
innige Verbindung zwischen Ei und Uterus ein, die es von da an, bei der aufsersten
Feinheit der aufseren Eihaut absolut unmoglich macht, die Eier unverletzt. aus dem Uterus
herauszubringen. Spater, wenn diese aufsere Eihaut sich durch Anlage anderer, spater zu
erwahnender Gebilde verstarkt hat, kann man die Verbindung zwischen ihr und dem Ute-
rus wieder losen, und man iiberzeugt sich dann, dass sie durch die Zotten dieser aufseren
Eihaut hervorgebracht wird, welche sich in die Ausfiihrungsgange der Uterindriisen einge-
senkt haben. Zugleich aber wird das Ei auch von dem Uterus gewissermafsen in einer
Zelle desselben eingeschlossen und umfasst, so dass nur die beiden Pole des Eies, welche
sich bei dem Hunde citronenfdrmig ausziehen, in die Hohle des ubrigen Uterus hinein-
sehen, das ganze iibrige Ei aber, namentlich von der sich jetzt stark entwickelnden Schleim-
haut, wie in einer Zelle eingeschlossen wird.

So geschieht es denn nun, dass, wenri man auf diesem und den zuna'chst folgenden
Stadien den an der Stelle des Eies ganz prallen und gespannten Uterus auch noch so vor-
sichtig unter Wasser oder an der Luft offnet, dennoch, wenn man endlich die Schleim-
haut iiber dem Eie trenrit, auf einmal die Uterinzelle unter Ausfliefsen einer gewissen
Menge einer ganz krystallhellen und, wie es scheint, eiweifshaltigen Fllissigkeit zusammensinkt,
ohne dass man auch nur im Geringsten bemerken kann, dass dabei eine Eihiille zerrissen
wird. In der That ist dieses auch von alien friiheren Beobachtern nicht bemerkt worden.
Wenn man aber die so eben vorausgegangenen Stadien und da,nn wieder die spateren, wo
man das Ei unverletzt aus dem Uterus herausbringen kann, kennt und beriicksichtigt, so
kann es keinem Zweifel unterworfen sein, dass auch jetzt eine Eihiille vorhanden sein muss,
welche jene Fliissigkeit einschliefst und den Uterus ausdehnt, mit letzterem aber auf
das Innigste vereinigt und zugleich aufserst zart ist. Von ihrer Gegenwart kann man sich
auch direct iiberzeugen, wenn man die Schleimhaut des Uterus von den Polen des Eies
aus mit grb'fster Vorsicht trennt. Dann kommen eben diese Pole des Eies von der Schleim-
haut nicht eingeschlossen zum Vorscheirie; nun aber, wenn man die Trennung noch weiter
fortzusetzen sucht, reifst die aufsere Eihaut ein und der Uterus sinkt zusammen.

Auf dem jetzt zu betrachtenden Stadium ist dann aber die Keimblase innerhalb der
aufseren Eihaut noch ganz frei. Wenn deshalb auch Jetztere einreifst, so kommt dennoch
erstere als ein elliptisches oder bald citronenformig gestaltetes, frei liegendes Blaschen zum
Vorscheine und kann leicht zur Untersuchung aus dem Uterus herausgenommen werden;
doch ist sie allerdings so zart, dass, wenn man nicht unter einer Fliissigkeit arbeitet, auch
sie sehr leicht platzl, zusammensinkt und man gar nichts mehr zu sehen bekommt. Etwas
spater wird die Sache noch schwieriger und schlimmer. Dann hat sich die Keimblase mit
ihrem 'aufseren Blatte, an die aufsere Eihaut dicht angelegt und durch diese auch an den
Uterus. Wenn man nun die Schleimhaut des letzteren iiber dem Eie trennt, so reifst nicht
nur die aufsere Eihaut, sondern auch die Keimblase mit ein, und man sieht dann moist



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gar nichts, wenn man nicht aufserst vorsichtigt ist und die Verhaltnisse genau kennt, wo-
von ich spater noch mehr miltheilen werde.

In diesen Verha hnissen , die wohl beachtet werden miissen und die ich erst durch
viele Erfahrungen kennen lernte, sind viele Angaben und Klagen der friiheren Beobachter
begriindet, welche theils die aufsere Eihaut nicht bemerkt haben. wie z. B. die Herren
Prevost und Dumas, oder selbst das ganze Eichen nicht fanden, wie es zuweilen Hrn.
v. Baer und immer Hausmann ging, welcher Letztere daher selbst zu dieser Zeit das
Ei noch nicht vorbanden glaubte.

XLIH. Am 23sten August 1840 untersuchte ich eine Hiindin, welche sich vor
14 Tagen zum letzten Male hatte belegen lassen. Es zeigten sich in dem rechten Uterus
zwei, im linken drei Eier, welche bereits an kleinen Anschwellungen desselben zu bernerken
waren (Fig. 3i. A.). \Venn ich nun ein ein Ei enthaltendes Stuck des Uterus unter einer
Fliissigkeit offnete, so fiel dabei die Zelle des Uterus zusammen, ohne dass ich das Zerrei-
fsen der aufseren Eihaut wahrnemen konnte, und im Inneren schwamm ganz frei die Keim-
blase (Fig. 31. B.). Dieselbe war an beiden Polen schwach ausgezogen, einer Citrone
gleich, gegen 2 P. L. lang und etwas iiber 1 P. L. breit. Sie hatte den schon oft be-
schriebenen Zellenbau, der vorziiglich noch an den hellen glanzenden Kernen erkennbar
war, wahrend die Zellen unter einander verschmolzen waren. Der Fruchthof war rund
und in der Mitte etwas heller (Fig. 31. C.). An diesen Eichen entdeckte ich zuerst die
Zusammensetzung der Keimblase aus zwei Blattern, dem animalen und vegetativen, woran
ich bis dahin nicht im Entferntesten bei einem so hb'chst zarten und feinen Blaschen ge-
dacht hatte. Die Veranlassung dazu gab eine eigenthiimliche Veranderung, welche die Ei-
chen in dem Fruchthofe durch den Aufenthalt im Wasser erlitten, welche Jch hier schil-
dern will, iheils weil Andere dieselbe Erfahrung machen konnten, theils weil ich sie in
Beziehung auf spater zu erorternde Streitfragen fiir wichtig halte. Es geschah namlich
hier zuerst, was auch sonst bei Aufenthalt der Keimblase in einer heterogenen Fliissigkeit
zu geschehen pflegt; die Keimblase wurde sehr zusammengezogen und der Fruchlhof bei
seiner verschiedenen Dichtigkeit halbkugelig iiber die Ebene der Keimblase hervorgetrieben.
Wahrend ich nun eins dieser Eichen unter der Loupe betrachtete, loste sich allmalig
der dunkele Rand des Fruchthofes von der Continuitat der iibrigen Keimblase ab, der
Fruchthof zog sich noch starker zusammen und bildete nun statt eines Kreise seine Ellipse.
Zu meinem Erstaunen wurde aber dadurch die Keimblase nicht geoffuet, sie sank nicht
zusammen, und als ich der Mb'glichkeit davon naher nachforschte, entdeckte ich unter dem
Mikroskope, dass sich unter dem losgelosten Theile des Fruchlhofes noch eine sehr zarte
Lage von polyedrisch gegen einander angedrangten Zellen herzog, welche die Keimblase
noch verschloss. Ja, ich konnte sogar den oberen dickeren Theil des Fruchthofes ganzlich
mil der Nadel entfernen, ohne dass die Keimblase hier geb'ffnet wurde. Anfangs war mir
diese Erscheinung ganz rathselhaft und ich theilte auch mein Befremden dem damals ge-
rade in Heidelberg bei mir anwesenden Hrn. Dr. Krohn aus Petersburg mit. Spa-
ter aber loste sich mir das Rathsel. Die Keimblase bestand namlich hier, wie immer zu



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dieser Zeit, aus ihren 2wei dicht an einander anliegenden Blattern. In beiden ist auch
der Fruchthof durch eine an dieser Stelle dichtere Anhaufung des Materials an Zellen,
Zellenkernen und Kornchen entwickelt, vorzugsweise aber ist dieses in dem oberen, ani-
malen Blatte der Fall, und hier ist wieder das Material des Fruchthofes in seiner Periphe-
rie dichter als in seinem Centrum. Wcnn nun die dem Eichen zugesetzte heterogene
Fliissigkeit in der ganzen Keimblase eine Contraction und Condensation aller sie constitui-
renden Zellen bewirkt, so entwickelt sich zwisclien dem dichter angehauften Material des Frucht-
hofes und dem seine Peripherie begrenzenden Theile des animalen Blattes eine verschiedenar-
tige Spannung, und die Folge davon ist, bei der gleichzeitig schon beginnenden Maceration,
dass eine Zusammenhangstrennung zwischen der Peripherie des Fruchthofes und dem in
ihn iibergehenden animalen Blatte eintritt. In dem vegetativen Blatte, wo das Material in
dem Fruchthofe nicht so dicht angehauft ist, ereignet sich dieses Alles nicht, daher bleibt
durch dieses die Keimblase geschlossen, weun auch der animale Theil des Fruchthofes
ganz getrennt wird. Ich habe diese Erfahrung auch deshalb in Extenso mittheilen wollen,
damit man sieht, dass ich zu der Unterscheidung der beiden Blatter der Keimblase nicht
durch Speculation und als Nachfolger einer Theorie, sondern durch directe Beobachtung
gekommen bin. Seitdem wurde ich ein Anhanger der sogenannten v. Baer'schen Theorie,
wenn man ein Factum der unmittelbaren Beobachtung so nennen will.

XLIV. Am 16ten November desselben Jahres untersuchte ich eine Hiindin,
welche sich Sonntag, am Isten November, nicht mehr belegen liefs und nach Aussage des
Verkaufers den Montag vorher zuerst belegt worden war. Die Eier waren schon aufser-
lich an leichten Anschwellungen des Uterus zu erkennen, vier auf der einen, drei auf der
andern Seite, obgleich in jedem Eierstocke nur drei Corpora lutea vorhanden waren, so
dass ein Graaf'sches Blaschen zwei Eier eingeschlossen haben musste. Die
Eier waren genau auf demselben Stadium wie die vorigen. Auch bei ihnen sank der
Uterus bei Trennung der Schleimhaut iiber dem Eie unter Zerreifsung der aufseren Eihaut
zusammen und die Keimblase lag dann frei in der Uterinzelle. Allein am dritten Tage
danach, wo also die Maceration schon bedeutend fortgeschritten war und die Theile ihre
Spannung ganz verloren batten, gelang es mir doch noch, die Uterinschleimhaut iiber dem
Eie so zu trennen, dass ich mich auf das Bestimmteste von der Gegenwart der aufseren
Eihaut iiberzeugte, obgleich ich ihre Continuitat nicht erhalten konnte. Der Fruchthof die-
ser Eier war auch rund und nur in der Mitte etwas heller.

"Wenn die Eier sich nun so weit entwickelt haben, so schreiten sie jetzt in der na'ch-
sten Zeit aufserst rasch fort. Der Fruchlhof wird zunachst elliptisch, dann birnformig,
dann bisquit- oder guitarrenformig und in seiner Langenaxe erscheint ein heller Streifen,
die sogenannte Primitivrinne. Da hiermit nun aber die ersten Spuren des Embryo
auftrelen, so breche ich hier einstweilen den Faden ab, um iiber die bis jetzt mitgetheilten
Beobachtungen noch einige Bemerkungen zu machen, und meine Ansichten iiber die in
ihnen geschilderten Veranderungen der Eier auszusprechen.

Der wichtigste Vorgang, welchen die vorstehenden Beobachlungen kennen lehrten, ist



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unzweifelhaft die Entwicklung der Keim blase aus den Kugeln, in welche wir am
Ende des Eileiters und im Anfang des Uterus den Dotter zerlegt sehen. Ueber diesen Vor-
gang hat bis jetzt noch kein anderer Beobachter etwas veroffentlicht, als ich selbst. Bei
dem Kaninchen, wo sich ganz dasselbe ereignet, habe Jch (Entwicklungsgeschichte des Ka-
nincheneies S. 89.) den Vorgang so hingestellt, dass, wenn die Dottertheilung vollendet ist,
sich nun jede Kugel mit einer Zellhiille umgiebt, deren Kern jetzt der helle Centraltheil
jener Kugel, deren Inhalt die Molecule der Dotterkugel sind. Von diesen so entstandenen
Zellen glaubte ich sodann, dass sie sich polygonal gegen einander drangten, unter einander
und wohl auch unter Hinzukommen einer Intercellularsubstanz, verschmolzen , abplatteten
und so eine Membran, eben die Keimblase darstellten.

Ich muss gestehen, dass ich auch fur den Hund die Thalsachen noch auf keine bes-


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